Gustav Nieritz (Gartenlaube 26/1895)

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Textdaten
<<< >>>
Autor:
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Gustav Nieritz
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 26, S. 447
Herausgeber: Adolf Kröner
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1895
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Leipzig
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
Wikipedia-logo-v2.svg Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
korrigiert
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite


[448] Gustav Nieritz. (Mit dem Bildnis S. 429.) Sieben den Schriftstellern, welche sich an die Allgemeinheit wenden, verdienen auch diejenigen Anerkennung, welche für bestimmte Kreise des Volkes wie für die Jugend mit Erfolg schreiben, und so ist auch die Büste, welche dem Jugendschriftsteller Gustav Nieritz in Dresden 1878 gesetzt wurde, eine Auszeichnung, die seinem weitreichenden Wirken zukommt. Am 2. Juli d. J. sind hundert Jahre seit der Geburt des Schriftstellers vergangen und jedes Volksblatt hat die Pflicht, des wackeren Mannes bei dieser Gelegenheit zu gedenken. Gustav Nieritz wurde in Dresden geboren als Sohn eines Lehrers an der Stiftsschule. Er wurde selbst schon früh für das Lehrerfach bestimmt, obschon er, wie er in seiner „Selbstbiographie“ (Leipzig, Georg Wigand) sagt, die entschiedenste Abneigung dagegen empfand; gleichwohl sollte er dieser Laufbahn zeitlebens treu bleiben; er besuchte die Kreuzschule und das Friedrichstädter Seminar und war von 1814 an Hilfslehrer seines Vaters. In welchen bescheidenen Verhältnissen er lange Zeit lebte, darüber giebt seine Selbstbiographie ebenfalls nähere Auskunft, wie sie über das Kriegsjahr von 18l4 und manche innere sächsische Verhältnisse der Folgejahre interessante Mitteilungen bringt. Auch aus dem Dresdener Revolutionsjahr 1849 finden sich darin lebendige Schilderungen. Trotz seiner wenig günstigen Lebenslage bewahrte sich Nieritz stets eine wohlthuende Heiterkeit des Gemütes und allmählich fand er auch in sich selbst die Hilfsquellen, seine Verhältnisse zu Verbessern: er war 1831 Oberlehrer und 1841 Direktor der Bezirksschule in der Antonstadt Dresdens geworden. Seit 1834 aber machte er sich als Jugendschriftsteller einen Namen; seine erste Erzählung „Der goldne Knopf“ erschien im „Gesellschafter“ von Gubitz; ihr folgten einige andere. Gubitz erkannte in ihm den Mann, welcher Erzählungen nach der Weise Christophs von Schmid schreiben könne. Nieritz folgte diesem Rat und schrieb versuchsweise die „Schwanenjungfrau“. Der Erfolg ermutigte ihn, in dieser Richtung weiter zu arbeiten. Nach seiner eigenen Angabe hat Nieritz 117 Bändchen Jugendschriften veröffentlicht, außerdem eine Anzahl in einzelnen Blättern und in den Kalendern von Trewendt, Steffens und ihm selbst zerstreuter Erzählungen. Er verteidigt sich gegen den Vorwurf der Vielschreiberei; sein Schaffen war nicht die Frucht des berechnenden Verstandes, sondern der Phantasie, deren rasches Vorgehen ihn oft bedauern ließ, daß die Feder nicht schnell genug die Wörter aufs Papier zauberte. Anstöße und Motive erhielt er durch das Lesen anderer Schriften, durch Zeitungsnachrichten, durch den Besuch der Schauspiele, Opern und Konzerte, der öffentlichen Tabagien, ja selbst der Kirche, wo der mächtige Klang der Orgel oder ein Redeteil des Predigers seine Phantasie entflammte. Bescheiden aber sagt er, er sei darauf gefaßt, daß sein Name und seine Schriften der Vergessenheit anheimfallen würden. „Wer liest oder spricht jetzt von meinem lieben trefflichen Gotthilf Salzmann? von Christoph von Schmid? von dem Kinderfreund Weiße, von anderen beliebten Autoren? Es werden andere kommen, die es besser machen als ich, und so muß es sein, denn auch hier giebt es keinen Stillstand oder gar eine Rückkehr.“ Nun, der wackere Schulmann Gustav Nieritz, der seit 1864 seine Lehrerstelle niedergelegt hatte und am 16. Februar 1876 in Dresden gestorben ist, hat durch seine Jugendschriften nicht nur in weiten Kreisen gewirkt, sondern sich auch ein ehrenvolles Angedenken über den Tod hinaus gesichert.