Japanisches Frauenleben

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Textdaten
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Autor: Caroline Wilhelmine Emma Brauns
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Titel: Japanisches Frauenleben
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 13, S. 232–235
Herausgeber: Adolf Kröner
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Erscheinungsdatum: 1886
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Japanisches Frauenleben.
Von C. W. E. Brauns.[WS 1]
mit Illustrationen nach Originalphotographien aus der japanischen Sammlung des Verfassers.

Vielleicht auf keinem Gebiete treten die Kontraste in dem Leben der verschiedenen Völker auffallender zu Tage, als in dem Frauenleben, und wie man bei uns nicht ohne Grund die Frau als die Trägerin des konservativen Principes im Gegensatze zu dem fortschrittlichen Streben des Mannes bezeichnet hat, so gilt dies auch für ferne und fremde Kulturkreise; ganz besonders aber kann man in Japan – dem wunderbaren, uns neuerdings mehr und mehr erschlossenen Lande „der aufgehenden Sonne“ – beobachten, wie die dortige Frau im Großen und Ganzen noch bis zum heutigen Tage auf der Bildungsstufe verharrt, die sie von Alters her

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Japanische Mutter.

einnahm. Hier und da kommt es allerdings vor, daß ein muthigeres Herz die Sehnsucht merken läßt, an den großen Wandlungen theilzunehmen, welche die Neuzeit dem japanischen Volke brachte; doch diese Regungen treten so vereinzelt, so schüchtern hervor, daß sie bis jetzt kaum Beachtung gefunden haben und wie Strohhälmchen in dem Strome des Lebens dahinschwinden. Die große Mehrzahl der Frauen wünscht durchaus nicht, daß eine Aenderung ihrer Lage eintrete; alte Gewohnheit macht ihnen eine rechtlose, unwürdige Existenz lieb, sie verlangen kein anderes Dasein, als ihre Mütter und Urgroßmütter führten, sie sind durchaus zufrieden damit, dem Manne gegenüber eine dienende Stellung einzunehmen, und wollte man ihnen zumuthen, an der Arbeit oder dem Studium der Männer Antheil zu nehmen oder dieselben auch nur mit Interesse und Verständniß zu verfolgen, so würde dies unverstanden bleiben oder wohl gar mit Entrüstung zurückgewiesen werden. Nein, jede Neuerung mit Scheu oder mit offenkundigem Mißfallen bekritteln und den alten Schlendrian mit Allem, was dazu gehört, festhalten – das ist augenblicklich noch der Standpunkt, von dem aus die Japanerin die Fragen des Lebens betrachtet. In der That bewegt sie sich, mag sie den höchsten oder niedrigsten Ständen angehören, mag sie reich oder arm sein, immer in dem engen Kreise, der ihr von jeher zugemessen war, und die einzigen Bestrebungen, denen sie sich widmet, sind: einmal Alles aufzubieten, um dem Manne zu gefallen, und zweitens, mit allen Kräften für das Wohl ihrer Kinder zu sorgen.

Es bedarf kaum einer ausdrücklichen Erwähnung, daß gerade in letzterem Punkte eine der schönsten Lichtseiten des japanischen Lebens begründet ist. Die Liebe der Eltern und besonders der Mutter zu dem Kinde, die des

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Theetrinken.

Kindes zu den Eltern und vornehmlich wieder zur Mutter, tritt oft in schönen, rührenden Zügen zu Tage. In volkstümlichem Erzählungen sowohl, wie in künstlerischen Darstellungen wird diese Tugend nach allen Richtungen hin verherrlicht, und wenn auch die nicht hinwegzuleugnende japanische Leichtfertigkeit manchmal eine minder rühmliche Ausnahme veranlaßt, so bleibt doch immer das ganze Volksleben davon durchdrungen. So findet sich zum Beispiel unter den verbreitetsten und beliebtesten Litteratur-Erzeugnissen ein Buch, das, allerdings seinem ersten Ursprunge nach chinesischer Herkunft, in vierundzwanzig Geschichten dankbare Söhne verherrlicht, welche in der verschiedensten Art und Weise die rührendste Liebe und Treue gegen ihre Mütter bekundeten.

Während der ersten Lebensjahre der Kinder sind die Japanerinnen aller Stände die ausschließlichen Ernährerinnen und Pflegerinnen derselben; schon durch die Art und Weise der Ernährung des ganzen Volkes ist es bedingt, daß von einer Einflößung thierischer Milch keine Rede sein kann, denn die Japaner haben im Ganzen genommen einen förmlichen Abscheu vor dem Genusse derselben und halten durchaus kein Melkvieh. Eben so wenig aber bedient sich irgend eine Japanerin einer Amme, und es würde dies auch schon darum unausführbar sein , weil jede Mutter für ihr eigenes Kind zu sorgen hat und keinen Nährstoff besitzt, der an die Stelle der Muttermilch treten könnte. Hieraus ist es auch zu erklären, daß nicht selten eine Mutter in Japan

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Bedienung beim Schlafengehen.

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Frau mit Dienerin auf der Straße.

ihr Kind bis in das fünfte Jahr säugt und drei Jahre dieser Thätigkeit als das normale Verhältniß ansieht.

Auf diese Weise ist es ganz natürlich, daß sich unauflösliche Bande der Dankbarkeit und treuen Hingebung zwischen der Mutter und den Kindern knüpfen, und namentlich sind es die Söhne, welche dieselben bis ins höchste Alter ihren Müttern bewahren. Zumeist ordnet der Sohn alles Andere dieser Pflicht unter, und diesem Umstande verdanken es nicht selten ältere Frauen, daß sie nicht nur in Wohlstand und sorgenfrei ihre Tage verbringen, sondern sogar einen erheblichen Einfluß im Kreise ihrer Familie gewinnen, während die kinderlose Gattin nur so lange Beachtung findet, bis ihre Reize verblüht sind. Tritt dieser Fall ein, so wird sie vernachlässigt und häufig auch von ihrem Manne verstoßen ; die Eheschließung ist in Japan eine viel zu leichte und das Verhältniß der Gatten ein viel zu lockeres, als daß selbst begabtere Frauen immer von einem solchen Schicksale befreit bleiben könnten. Daß die Vielweiberei, wenn auch etwas verschleiert durch die bevorzugte Stellung der eigentlich legitimen Gemahlin, noch heutzutage in Japan existirt, ist eine leider nicht abzustreitende Thatsache, und namentlich sind es die reichen und vornehmen Stände, welche dieser Sitte huldigen. Hier spielen die sogenannten „Nebenfrauen“, und zwar durchaus mit Vorwissen der eigentlichen Hausfrau, eine bedeutende Rolle; der „Schacher“ mit diesen Frauenzimmern, der Wechsel derselben hört fast nie auf. Es bedarf wohl keiner Versicherung, daß bei diesen oft

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Winterkleidung einer Japanerin.

grausamen Vorgängen auch das Intriguenwesen im Schoße der Häuslichkeit sich üppig entfaltet, und nicht ohne Abscheu denke ich an dies Unwesen zurück, das meiner Ansicht nach der Einführung wahrer Civilisation und Gesittung ein nicht zu unterschätzendes Hinderniß entgegensetzt.

Die Ceremonie des Eheschließens beruht lediglich auf dem gemeinsamen Leeren einer Schale des nationalen weinartigen Getränkes, des Sake (Reisweins), das mit obligater Feierlichkeit und in Gegenwart einer Anzahl dazu erforderlicher Personen im Hause des jungen Ehemannes stattfindet. Die auf so leichte Weise geschlossenen Bündnisse können ebenso leicht wieder gelöst werden, das heißt nach Laune und Belieben des Mannes. Ist ihm seine Frau nicht mehr genehm, so findet sich irgend eine unbedeutende Veranlassung, die ihm Grund genug giebt, sich ihrer zu entledigen. Er braucht ihr nur schriftlich zu befehlen, aus dem und dem Grunde – zum Beispiel wegen angeblicher Verletzung der Ehrfurcht gegen ihn selbst oder gegen seine Eltern – sein Haus zu meiden. Resignirt und ohne Murren verläßt das verstoßene Wesen dann auch stets die Stätte seines immerhin sehr problematischen Glückes; es schmückt sich mit einem Anzuge, den ihm der Mann überläßt, verbeugt sich höflich vor demselben und sagt ihm Lebewohl. Alles, auch die Kinder, muß sie zurücklassen, und so zieht sie fort, tröstet sich mit ihren Leidensgenossinnen, sucht sich irgend eine Unterkunft bei Verwandten oder Freunden und heiratet, wenn ihr das Glück hold ist, einen anderen Mann.

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Geischa mit Samisen.

[234] Diese Seiten des japanischen Lebens haben selbstredend zur Folge, daß bei der Erziehung der Töchter der größte Werth darauf gelegt wird, daß sie durch irgend welche Talente den Männern besonders gefallen können; dieser einen

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Drei japanische Grazien.

Rücksicht ordnet sich alles Uebrige unter. Hierbei ist aber Eins rühmend hervorzuheben, nämlich das stete Bemühen der Japanerin, ihr Haus reinlich und nett zu erhalten. Wer die höchst primitiven Wohnungen der Japaner aus Beschreibungen oder Abbildungen kennt, wird sich kaum vorstellen können, wie geschmackvoll und harmonisch dieselben oft eingerichtet sind, und dabei spielt die peinliche Sauberkeit und Ordnungsliebe der Frauen keine kleine Rolle. Der eigentliche Hausrath besteht im Grunde nur aus den Matten, welche den Fußboden bedecken; dieselben sind aus einer bestimmten Grasart gefertigt und bilden eine elastische Decke; ihre einzelnen Theile sind stets nach hergebrachtem Maße angefertigt und können, sobald ein Haus verlassen wird, in der nächsten Wohnung ohne Weiteres wieder verwandt werden. Auf diesen Matten spielt sich Tag für Tag das häusliche Leben ab; kein Stuhl, kein Tisch nach unseren Begriffen, kein Bettgestell, kein Schrank ist erforderlich. Werden die Mahlzeiten gehalten, so setzt man vor jeden einzelnen der auf den Matten hockenden Hausbewohner ein kleines, ganz niedriges Tischchen hin, auf welchem in musterhafter Ordnung und Zierlichkeit die einzelnen Speisenäpfchen arrangirt sind. Gleiche Nettigkeit herrscht bei dem Theetrinken, dem die Japaner zu jeder Zeit und mit stets gleicher Vorliebe huldigen. Ebenso, wie man

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Haarfrisur einer Japanerin.

auf den Matten ißt und trinkt, schläft man auch auf denselben; sobald die Nachtzeit naht, wird das Bett darüber ausgebreitet, das aus dicken gesteppten Wattendecken besteht, welche am Tage in Wandschränken aufbewahrt werden. Ob der Japaner zu Haus oder in einem Wirthshause sich zur Ruhe begiebt, immer ist das Lager dasselbe. Auch fehlt nie das Nachtlicht, das in einem eigens zu diesem Zwecke hergerichteten Papierhäuschen brennt, und der Kohlentopf oder Hibatschi, ohne den man sich übrigens zu keiner Stunde ein japanisches Zimmer denken kann. Und wie am Tage stets das Theewasser auf demselben dampft, so glühen Nachts die Kohlen in der weißen Asche, die dem Japaner unentbehrlich sind, denn sobald er erwacht, zündet er daran sein Tabakspfeifchen an, dessen Genuß ihm zu allen Zeiten ein Bedürfniß ist.

Die Speisen bereitet in bürgerlichen Verhältnissen stets die Frau des Hauses, und nur sehr vornehme Familien oder Fremde bedienen sich der Köche, welche für die letzteren ihre Kochkunst in europäischen Hotels zu erlernen haben. Bei den einzelnen Mahlzeiten ist es Sitte, daß der Hausherr allein speist und ausschließlich von seiner Frau bedient wird; erst nachdem dies geschehen, zieht dieselbe sich zurück, um nun ihrerseits das Mahl einzunehmen, wobei sie sofern sie in guten Verhältnissen lebt, sich von ihren Dienerinnen aufwarten läßt. Auf jeden Fall aber wird sie diese Mahlzeiten nur dann mit Ruhe und Freude genießen, wenn sie überzeugt ist, daß es ihrem Mann an keinerlei Komfort gebricht und daß sie ihn nach jeder Richtung hin zufriedengestellt hat. Gelingt ihr dies auf die Dauer, und findet ihr Gemahl sie überhaupt noch ansprechend genug, so hat sie allerdings die Anwartschaft darauf, unter seinem schützenden Dache verweilen zu dürfen; indessen hängt das Schwert des Damokles stets über dem Haupte dieser armen Geschöpfe. Gleichwohl befinden dieselben sich immer noch in einer behaglicheren Lage als die zahlreiche Klasse jener Japanerinnen, die sich nicht verheirathen, sondern bei allerhand Schaustellungen und theatralischen Aufführungen als Sängerinnen oder Tänzerinnen ihren Beruf finden und zu diesem Zwecke eigens erzogen werden. Die Leistungen der Sängerinnen oder Geischas bestehen vorzugsweise in dem Spielen des Koto, des nationalen großen, vor dem Spielenden auf dem Fußdoden liegenden Saiteninstrumentes, und des kleinen dreisaitigen Samisen, mit welchem gewöhnlich der Gesang begleitet wird. Mit diesem Instrument ist auch die hier (S. 233) abgebildete Geischa ausgestattet.

Zugleich mit der Musik oder dem pantomimischen Tanz erwerben diese Mädchen auch eine besondere Fertigkeit in den zahllosen Toilettekünsten, mit welchen sich die Japanerinnen zu schmücken gewohnt sind. Man kann nicht sagen, daß die Kleidung derselben nach unseren Begriffen anmuthig oder graziös ist, allein sie ist zweckmäßig, bequem und nationalökonomisch äußerst vortheilhaft, da der Schnitt derselben nie einer Mode unterworfen ist und daher ein Kleid bis zur wirklichen Abnutzung getragen werden kann. Im Sommer werden die Stoffe dünn und leicht gewählt, im Winter dagegen werden die ohnehin stärkeren Gewänder mit einer Wattirung versehen, die sehr leicht und so schön ist, daß sie dem Anzuge stets ein wohlhäbiges und behagliches Aussehen verleiht. Zeigt auch die winterliche Kopfbedeckung wenig von den Gesichtszügen, so weiß die Japanerin sie doch mit vielem Anstande und in gefälliger Weise zu tragen.

Sonst ist die Straßentoilette von der Haustoilette nicht wesentlich verschieden, außer daß die großen Holzpantoffeln hinzukommen. Kleinen Fußbänken ähnlich, werden sie mit Hilfe eines weichen, aus Baumwollstoff gefertigten Bandes getragen, das hauptsächlich zwischen der großen und zweiten Zehe gehalten wird. Trägt daher der Japaner oder die Japanerin einen ihrer kurzen, aus Baumwollstoff gefertigten Strümpfe, so muß in diesen ebenfalls eine Trennung der großen Zehe von den übrigen Zehen angebracht sein, und man hat daher diese merkwürdigen, bei den Japanern allgemein gebräuchlichen Strümpfe nicht unrichtig einen Fausthandschuh für den Fuß genannt. So sonderbar und schwerfällig nun diese für beide Geschlechter im Wesentlichen übereinstimmende Fußbekleidung auch erscheint und so wenig sie geeignet ist, den Gang der Japanerinnen leicht und schön zu gestalten, ist sie doch weit besser als die der unglücklichen Chinesinnen, welche gerade, wenn sie höheren Standes sind, noch bis auf den heutigen Tag ihre Fuße künstlich verkrüppeln und [235] damit einer ungeheuerlichen, ebenso unvernünftigen als widerwärtigen Sitte fröhnen.

Die Haartracht der Japanerin ist keineswegs geschmacklos, und bei dem reichen Wachse des Kopfhaares sogar effektvoll zu nennen. Zu ihrer Instandsetzung gehört große Sachkenntniß und Geschicklichkeit, sodaß das Frisiren niemals eigenhändig vorgenommen werden kann; vielmehr braucht man dazu Friseurinnen, welche die Köpfe der Frauen – bis hinunter zu den ärmsten Kulifrauen – frisiren und zurechtstellen. In gleicher Weise erfordert das Schminken und Bemalen des Gesichtes und Halses große Fertigkeit. Dasselbe ist ganz allgemein üblich, denn selten sieht man eine jüngere Japanerin ohne diesen widrigen Anstrich, der sie begreiflicher Weise viel mehr entstellt als verschönt. Dick und kreidig wird derselbe aufgetragen, und nachdem dies geschehen, giebt man den Wangen noch ein unnatürliches Roth. Im Nacken, dicht unter der Haarfrisur, bleibt ein Fleckchen frei, wodurch die Bemalung noch unangenehmer hervortritt. Als ein Zeichen besonders hohen Ranges galt es früher, auf der Stirn, statt der abrasirten Augenbrauen, ein Paar runde schwarze Fleckchen anzubringen, doch ist diese Mode nur noch selten zu beobachten. Ebenso ist das Abrasiren der oft sehr fein geschwungenen Brauen abgeschafft, und nicht minder ist der Brauch schon fast verschwunden, daß die verheiratheten Frauen sich die Zähne zu schwärzen hatten, dagegen wird die Unterlippe noch jetzt bemalt, und zwar wird sie in der Mitte mit einem grellrothen und etwas metallglänzenden Flecke versehen der dem ganzen Gesicht einen geradezu unschönen Ausdruck verleiht. Ohne diese Bemalung hält so leicht keine Japanerin ihre Toilette für vollendet, und so finden wir sie auch nicht bloß bei den Sängerinnen, sondern auch bei den jugendlichen pantomimischen Tänzerinnen, von denen wir einige als charakteristisch japanische Gestalten abbilden und welche gewiß nicht unpassend als japanische Grazien bezeichnet werden können.

Es würde zu weit führen, wollten wir des Ferneren auf Mängel eingehen, welche in solcher Weise sich in der japanischen Frauenwelt, altem Herkommen gemäß, bis auf die Jetztzeit fortgeerbt haben. Es genüge, darauf hinzuweisen daß ein wirklich menschenwürdiges Dasein, ein Leben selbständiger geistiger Arbeit der Japanerin ebenso gut fehlt wie der Schutz des Rechtes durch die Gesetze. Hoffen wir, daß die Wandlungen der Zeiten, welche unaufhaltsam über den Erdball dahinschreiten und in Japan bereits Eingang gefunden haben, auch dem unterdrückten weiblichen Geschlechte dieses Landes alles das bringen mögen, was wir ihnen in Betracht ihrer mancherlei weiblichen Tugenden – ihrer Aufopferungsfähigkeit, ihrer Ordnungsliebe und unermüdlichen Sorgfalt für die Häßlichkeit und ihrer stillen anspruchslosen Duldsamkeit – von ganzem Herzen wünschen.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: C. W. S. Brauns