Karraß in der Nasse

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Textdaten
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Autor: Johann Georg Theodor Grässe
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Titel: Karraß in der Nasse
Untertitel:
aus: Der Sagenschatz des Königreichs Sachsen, Band 1. S. 61-62
Herausgeber:
Auflage: Zweite verbesserte und vermehrte Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1874
Verlag: Schönfeld
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Erscheinungsort: Dresden
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Originalherkunft:
Quelle: Google-USA* und Commons
Kurzbeschreibung:
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[61]
55) Karraß in der Nasse.
Poetisch beh. b. Hofmann, S. 476. sq.

In der Nähe der Dörfer Oberau und Niederau bei Meißen befindet sich eine 1½ Stunde lange und 1 Stunde breite, meist aus nassen und morastigen Wiesen bestehende Fläche, welche die Nassau oder Nasse genannt wird. Einige Fluren derselben gehören zum Rittergute Proschwitz, und eine Art Vorwerk, die sogenannte Milchinsel, ist das einzige auf dieser öden Stelle gelegene bewohnte Gebäude. In der Nähe desselben erblickt man eine schanzenartige, mit Gräben umzogene kleine Anhöhe, das alte oder verwünschte Schloß genannt, welches wahrscheinlich von einem Ritter aus dem Geschlechte derer von Nassau angelegt worden ist und der ganzen Gegend den Namen gab. Einst hauste hier ein Raubritter (wahrscheinlich aber nicht Fritzold von Nassau, der 1335 auch das nahe gelegene Gröbern besaß und als ein Wütherich geschildert wird, sondern ein Karraß, dem dieses Schloß ebenso wie die zu Gröbern und Coswig gehört haben soll), der wie ein zweiter wilder Jäger, gleichviel ob es Feier- oder Werktag war, mit seinen Genossen die Umgegend der Jagd wegen durchstreifte und weder Saaten noch Pflanzungen seiner Unterthanen schonte, den Waisen ihr bischen ererbtes [62] Vermögen nahm und die schönsten Mädchen aus der Umgegend raubte und auf seine Burg schleppte, wo er seine Lust an ihnen büßte und sie dann im Burgverließe umkommen ließ. Endlich vermochten seine Nachbarn sein Treiben nicht länger ruhig mit anzusehen, sie zogen gegen ihn und schlugen in den Triften der Nassau ihn nach erbittertem Kampfe auf’s Haupt. Er selbst floh mit den wenigen Resten seiner Mannen auf sein Schloß, siehe da zog ein furchtbares Wetter heran, und mit Grausen sahen die noch auf dem Schlachtfelde lagernden Gegner, wie bei einem mächtigen Donnerschlag und Blitz das Schloß mit allem, was darinnen war, versank. An dieser Stelle läßt sich nun noch jetzt zuweilen ein hohläugiges Gespenst sehen, welches bald zu Roß, bald zu Fuß die wüsten Fluren wehklagend durcheilt, – aber auch die Geister der von ihm umgebrachten Unschuldigen haben keine Ruhe, man erblickt sie des Nachts, wie sie als Irrlichter über den Boden fliegen.