Malerische Wanderungen durch Kurland/Der Hof und Park in Heyden; Weg bis Mitau

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Doblen, der Flecken und die Ruinen der alten Burg Malerische Wanderungen durch Kurland
von Ulrich von Schlippenbach
Die Gouvernementsstadt Mitau
{{{ANMERKUNG}}}
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Der Hof und Park in Heyden; Weg bis Mitau.

Nur wenigeWerst von Doblen entfernt liegt Heyden, wö sich ein Park in der Anlage. befindet, der, wenn er vollendet seyn wird; an Grölse des Plaus und in der Ausführung alleandere, die ich bisher in Kurland sah, übertreffen dürfte. Die ganze Hoflage, von der jezt nur allein die Nebengebäude vollendet [384] 584 sind, wird so eingerichtet, das sie mitten im Park ei e Hayptpartie desselben ausmacht, und gleichsam der Schlufsstein des schönen Gewölbes wird. Selbst entfernte Gebäude sollen mit. dem Ganzen verbunden werden, und eine Mühle, die eben erbaut wurde, nebst mehrern andern Häusern sich diesem anschlielsen, Eine einzige Partie kann man als ganz vollendet ansehen, und diese ist sehr lieblich. In einem ziemlich grofsen Teich, der rundum von alten hohen Bäumen umge- ben ist, an deren Wurzeln die Wellen spie- len, liegt eine Insel, auf welcher ein aus drey Zimmern bestehendes Häuschen im ita- lienischen Geschmack von Steinen erbauet ist. Um die Insel herum breitet sich, wie ein grüner Vorhang, das frische Lanb junger Pap- pelweiden, über welche sich das gefällige Häuschen mit seiner weilsen Maner äulserst malerisch erhebt, Eine Fähre, auf der man sich selbst herüberziehen kann, führt zu die- sem Inselhäuschen. Herrlich ist aus den ge- schmackvoll dekorirten kleinen Zimmern die Ansicht des Wassers, von den hohen am Ufer stehenden Bäumen umschlungen; zahme Schwäne gleiten hier auf dem Spiegel der [385] 535 Flut, der ihr schönes Bild doppelt zurück- strahlt, vorüber. Man denke sich dabey die sehr gut unterrichtete, aus 14 Personen be- stehende Kapelle des edlen Besitzers, wenn sie in den, dem Häuschen gegenüber liegen- den Gebüschen, Harmonien ertönen läfst, die, von sanften Westen über die Wellen ge- tragen, wie Träume einer bessern Welt vor- überziehen; o! dann wird man gewils ge- rührt gestehen, dals auch in dem nördlichen Klima unsers Vaterlandes ein hoher Natur- und Kunstgennls möglich wird, wenn man diesen zu erreichen, nur nicht Kosten und Mühe scheut. Mehrere in der Nähe von Hey- den stehende Wäldchen werden auf die ge- schmackvollste Art: mit dem Park verbunden werden, so dals der Umfang desselben noch den des Mescheneekschen übertreiien wird, Ein sehr geschmackvoller Tempel mit einer runden Kuppel, auf freystehenden jonischen Siulen ruhend, war eben fertig geworden, Er steht auf einer Anhölre, unter, Gruppen blübender Sträuche und Blumen. In einer andern Partie des Parks war eine Voliere, an die sich ein geräumiges Zimmer anschlielst, im Entstehen begriffen, Allentbalben sah man Mal. Wand. Bb [386] EM Menschen beschäftigt, diese Gegenden zu den reizendsten des Vaterlandes zu erheben. Ich kann jezt nur ein Blatt aus dem schönen Werke der Kunst undNatur, das in Heydens fruchtbaren Fluren entstehet, darbieten; aber ich behalte es mir vor, wenn die ganze An- lage vollendet ist, auch dem ausländischen Leser das Gemälde einer Naturschönheit, so gut ich vermag, zu kopiren, da dieser Park gewils mehrere selbst in Deutschland bekann- te ähnliche Anlagen übertreffen wird, Je mehr man sich Mitau um die Johanniszeit nähert, je häufiger erblickt man Equipagen aller Art, die bald im langsamsten Schritte, bald mit fliegender Eile die Stralse bedecken. Hier ein alter ungebeurer Wagen, in dem, ‚wie in jenem, am burgundischen Hofe bey - der Hochzeit Karls des Kühnen zum Vor- schein gebrachten, Wallfisch, zwölf Reuter und eben so viel Wassernixen hinlänglich Platz haben; dort ein leichtes Kabriolet mit flüchtigen Engländern bespannt; hier ein schwerer Geldwagen, den vier starke Pferde nur mühsam fortziehen; da ein Fuhrmann, aus dessen-Planwagen gelfällige Schönen her- vorblicken. Sie stehen mit dem hinter ihnen [387] herziehenden ernsten Bauer, der in einem vergitterten Kasten Hüner, und Enten zum Verkauf nach der Stadt führt, im auffällen- den Kontrast, Überhaupt giebt diefs ganze Gewühl schon ein paar Meilen vor Mitau der Landstralse eine Lebendigkeit, die den Weg selbst sehr unterhaltend macht. Endlich er- blickt man die Thürme, dann die Stadt selbst, die sich in der Ferne recht vortheilhaft aus- nimmt, und über eine, ziemlich verfallene Brücke, nachdem man die an selbiger ste- bende Schildwache durch den lauten Ausruf: Sdeschni! (Hiesige) beruhigt har, langt man in Mitau an.