Neuere Literatur zur Geschichte Englands im Mittelalter (1890)

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Textdaten
Autor: Felix Liebermann
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Titel: Neuere Literatur zur Geschichte Englands im Mittelalter.
Untertitel:
aus: Deutsche Zeitschrift für Geschichtswissenschaft Bd. 3, S. 185-239; Bd. 4, S. 146-203;
Herausgeber: Ludwig Quidde
Auflage:
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Erscheinungsdatum: 1890
Verlag: Akademische Verlagsbuchhandlung J.C.B. Mohr
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Erscheinungsort: Freiburg i. Br
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Quelle: Scans auf Commons
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siehe auch: Neuere Literatur zur Geschichte Englands im Mittelalter (1889)
siehe auch: Neuere Literatur zur Geschichte Englands im Mittelalter (1891)
siehe auch: Literatur von etwa 1889—1891 zur Geschichte England’s 1066—1272 (1892)

[185]
Neuere Literatur zur Geschichte Englands im Mittelalter.
I. Besprechungen einzelner Werke.

J. Fred. Hodgetts, Older England, illustrated by the Anglo- Saxon antiquities in the British Museum, in a course of six lectures. 1884[1]. 8°. xv, 188 p. — Derselbe, Older England [etc., wie oben] lectures (to which is added - - a paper - - The myth of the [186] week [= Jl. Brit. archl. assoc. 3 I 1883]); II Ser. 1884. 8°. xyj226 p. — Derselbe, The English in the M. A. from the Norman usurpation to the days of the Stuarts. Their mode of life, dress, arms, occupations and amusemeents, as illustrated by the mediaeval remains in the British Museum. 1885. 8°. xvj 210 p.

Im British Museum wiederholt vorgetragen, von dessen allezeit hilfreichen Beamten durch Vorzeigung von Alterthümern unterstützt, konnten diese Vorlesungen die Hörer, darunter England’s brightest womanhood, gefällig anregen. Denn der Verfasser stellt heiter, kräftig und klar dar, und verräth lebhaften Geist, künstlerisches Gefühl, entschiedenes Urtheil, Vaterlandsliebe, Freiheitsstolz und eine glühende Begeisterung für seines Volkes Tugenden, Eigenheiten und Alterthum, die er in weitesten Kreisen, namentlich der Jugend, entzünden möchte. Er mahnt, den Cicero fortzuwerfen und sich liebevoll in Germanisches Alterthum zu vertiefen, mit dem Citat: „Warum in die Ferne greifen, Wenn das Gute liegt so nah’?“ — durch ähnliche Ungenauigkeit und Uebertreibung entstellt er einen gesunden Grundgedanken öfters. Offenbar wäre er fähig sowohl Einzelnes anschaulich vorzuführen als ein brauchbares Lehrbuch zusammenzustellen. Dreissigjährige Abwesenheitvon England, z. Th. als Professor in Moskau, verhinderte ihn aber, neuere Forschung zu verfolgen; so fehlen in der Liste der benutzten Literatur Stubbs, Freeman, Zeitschriften, fast alles nach 1861 oder ausser England Erschienene. In der von Ref. gelesenen Hälfte der drei Bände steht für Englische Geschichte nichts Neues das brauchbar wäre. Nordisches Alterthum zieht Verfasser häufig heran, bisweilen fehlerhaft; an den übrigen Stellen, die Ref. nicht zu beurtheilen vermag, mag Werthvolles stecken. Ebenso in den vom Ref. übergangenen Capiteln: Speer, Fibel, Ring, Glas und Beerdigung, Rune, Horn, Helm, Panzer, Friedenstracht, Vergnügungen. Die Ueberschriften, meist nach dem vorgelegten Gegenstand gewählt, lassen den Inhalt schwerlich errathen, wie denn Strafrecht unter „Münze“, Berserker und Stadt unter „Schild“, Hausbau und Ags. Laster (mit Italienischem verglichen) unter „Steinkrug“ Vorkommen. Index, Illustrationen und meistens Citate fehlen. — Oft widerspricht Verfasser Anerkanntem, bezweifelt oder bespöttelt frühere Historiker, empfiehlt nagelneue Methoden, beruft sich auf Kenntniss von Mittel-, Nord- und Osteuropa, auf Sprach- und Alterthumsstudien Deutscher Schule. Er tritt also mit solchen Ansprüchen aus dem Kreise der Liebhaber heraus und blendet durch theilweise weit hergeholte Gelehrsamkeit. Desshalb ziehe ich hier ein Verzeichniss seiner aus jedem Handbuch widerlegbaren Irrthümer aus, das zugleich die Ueberschlagung der übrigen Hälfte des Werkes entschuldigen möge: [187] Jedes auch im Nordischen vorkommende Wort und Ding bringe der Angelsachse aus Skandinavien mit. Umlaut und Ablaut seien Arten der Brechung. Die Rune thora [vor 9. Jh. nicht nachweisbar] stehe in frühester Angelsächs. Schrift; dafür sei es ebenso falsch th [mit ältesten Hss.] wie y zu setzen. — Neben Pfennig komme auch Pfund von Pfant und bewahre im Deutschen das ursprüngliche f, das sich in pound früh verliere; Varro entlehne pondus für libra den Germanen; Mark und Schilling, der von skil Gedanke, Rechnungswerth stamme, seien Isländisch; sceatt [Schatz], sceat [Schooss], scot [Schðss] und Russisches shott, Rechnungsrahmen, seien Ein Wort; money komme nicht von moneta [folgen ohne Quellenangabe zwei Zeilen aus Skeat, Etym. Dict. „mynt“], sondern von mynt „Deutsch Müntze“; Schach hänge mit Schächerer, schächern, sceacan zusammen ; wer [vir] mit wehren; Hellebarte mit Hilda; Frauenzimmer mit weiblichem Bau; Schwert mit schwören; baldrick (Wehrgehenk) komme von Engl. bold und rich; spade von épée; guard (Stichblatt) sei rein Englisch; litera von Schmieren auf Pergament; tigel von tihan, wie Ziegel von ziehen; chester, in Ortsnamen, wovon caster nur orthographisch [dialektisch!] variire, nicht vom Latein, sondern von Ags. ceastre, die Einschliessende [?]; pot von botle, botel Haus, Wohnort, nämlich des Rauschgeistes, und eben daher sicher auch bottle [bouteille]; Odin von „odd“ unvergleichlich und „in“ einzig; Scylding von isld. skiðldung Schirmer, König und daher Shields; Senlac heisse Sang·lac vom Blutbade von 1066. — Eine Hs. der Ags. Annalen scheine unvollendet, weil zu mehreren Jahrzahlen [wie allen Hss.] Eintragung fehlt ; des Werkes schlichte Tüchtigkeit erhelle aus a. 449—56 [aus Beda]; den Inhalt bezweifle Pseudokritik, weil [?] er trocken lautet, mit Unrecht; denn sie tadelt ja den Layamon, [s. o. II S. 482] „fast den lehrreichsten Geschichtschreiber, den ich kenne“ wegen [?] zu grösser Ausführlichkeit; die Chronistik des 12. Jhs. diene dem Raubritter, stehe an Zuverlässigkeit hinter Altengl. Balladen; die echte Gesch. Anglonorm. Zeit kümmere es nicht, ob Wilhelm I. zu Northampton oder Wilhelm II. im Trunk gestorben wäre; sie liege in Walter Map, der Vita Herewardi, dem Mönch [!] Layamon, den Englisch geschriebenen [so wenigen!] Heiligenleben. — Der schwächliche Kelte, den Rom vergeblich zum Manne zu bilden versuchte [!], weiche sofort [Green’s Conquest lehrt, nach welch zähem Widerstande] vor dem Angelsachsen; dieser biete dem Gaelen das Muster der Bewaffnung; er baue Stonehenge, was Strafstein bedeute, unmittelbar nach Hengist und Horsa als Odinstempel und Gericht; zur dortigen Versammlungscene verschwendet Vf. Costüm etwa von 10 Jahrhunderten. Der Germane der Völkerwanderung sei besser bewaffnet als Roms Legion. Jeder Angelsachse sei ein Skandinave und das heutige Englische Volk nicht gemischt, denn Sachsen verbänden sich nicht Britinnen, Engländerinnen nicht Normannen. Aus Furcht vor Zauber wähle der Kenter zur Begegnung mit Augustin [das Freie; Beda], wie der Skandinave zum Holmgang, eine Insel; Schmid Wieland sei Nordenglisch, die Spur der Sage entdecke W. Scott; Grendelsee sei Hartlepool. Der Angelsachse, roh aber rein [Bussbücher!], beflecke sich nur durch Trunksucht; das Lehnwesen, die Jury, die Redefreiheit der seit sechs Jhh. fast nicht [188] veränderten Repräsentativversammlung bringe er aus Skandinavien; Thanenland sei Baronie, Heregeatu Heersteuer. Mit dem Christenthum schwinde die Sitte der Krieger Armbänder zu tragen und mit kriegerischer Beigabe bestattet zu weiden; das Mönchsthum, die Brutstätte des Lasters, der Blutsauger der Nation, Ags. Neigung widerstrebend [!], schreibe anfangs Englisch, allmählig mehr Lateinische Werke, die, unfruchtbar für die Bildung, nur Freude erwecken, dass so viel davon unterging, während die „Sächsischen“ Bücher [zuletzt nur von Mönchen!] trefflich seien; England protestire von Anfang an gegen gewisse Dogmen Roms, wie die Abendmahlslehre, und stelle in der Reformation die Kirche etwa der Zeit Aelfrics her. — Die Kette heimischer Literatur reiche mindestens 15 Jahrhunderte hinauf, Beowulf [dessen Vers 1—19 und 2337 mit sechs Fehlern übersetzt werden] ins 4. Jh.; die [Westsächs.] Genesis sei von Caedmon, ihren Anfang übersetze Beda, und nur den Beda Aelfred [dessen Quelle, das Northumbr. Originalgedicht bleibt unerwähnt]. — Der [Romanische] Bogen mit bauchiger Säule, die dem Thongefäss nacharte, gleiche dem Moscauer, der auf Rurik zurückgehe; die Wölbung bilde der Angelsachse nach der Baumlaube, und erfahre von Rom im Bau keinen Einfluss [Wilfrid, Benedikt Biscop!]; er lasse das Römische Gefäss ungebraucht [Exorzismusformeln für Ausgegrabenes!], trinke, weil das Horn [u. a. Gefässe] fusslos war, stets auf Einen Zug aus, benutze neben Sester ein Weingefäss ehester; er achte den Schild wenig, hinterlasse ihn nie als Erbstück [im Heergeräthe!]; den Kettenpanzer im Beowulf entdecke erst Vf.; er kennt keinen Kriegsrock mit aufgehefteten Ringen. Das Ags. Münzsystem sei einheimisch [Franken!]; die Prägung folge nicht der hässlichen aus Roms Kaiserzeit, denn dazu beweise der Angelsachse in Dichtung und Zeichnung zu viel Kunstsinn. — Die Neustr. Normannen seien Norweger; Battle abbey, die Stelle wo Harold fiel, liege at Pevensey. Der Normanne in England verderbe nur die Sitten; das lockere Ritterthum stürze die Frau von der geweihten Höhe, die sie in Ags. Schriften Skandinav. Schule [Aethelberhts Gesetz!] einnehme; von den Franzosen [nicht auch Briten?] stamme die Frivolität der Chansons de geste. In der äusseren Erscheinung, selbst der Bewaffnung, entstehe durch die Eroberung keine Aenderung und in der Sprache nur ebenso geringe, wie bei anderen Germanen, die nie ein fremdes Idiom hörten, auch eintrat; der unterworfene Villan [verschiedenster, z. Th. freibäuerlicher Stellung] werde verachtet wie die untere Kaste in Indien; the two nations never mixed, until the Normans died out; danach kehre Altengland, sogar in der Tracht, wieder. Der Normannische Adel verliere durch die Kreuzzüge [an Einfluss gewiss nicht]; der Burgenbau fördere nur den Raubritterschuft [und die Festungen der Krone?], der Jeden einkerkern könne und, freudlos wie ein Bandit in der Höhle, stets den Aufruhr der Sachsen ringsum erwarte; das Jahrhundert nach der Eroberung, „grausam und ruchlos ohne gleichen“, zeige fast nur Raub, Mord und Trug [nicht ärger als um 1450]. In keinem Zweige steige Englands Cultur durch die Normannen; die Baukunst ruhe auf der Sächsischen [richtig ist nur die bekannte Wahrnehmung, dass Malerei um 1000 höher scheint als um 1100]. Die Anglonormann. Literatur wolle [?] eine [189] Mischsprache aus Englisch und Normannisch schaffen und dem Volke aufzwingen; aber dem verabscheuten [?] Französisch zum Trotz erblühe Englisch [um 1150?] um so kräftiger; Anselm verschleppe selten Lateinische Wörter in sein Englisch; Wilhelm’s und Heinrich’s Rechtsbücher seien echt; Robin Hood’s historische Wirklichkeit bezweifle nur der Pedant; Philipp von Thaun’s Thierbach zähle zur Trouveur-Literatur; Chaucer’s echt Englische Sammlung von Charakteren gleiche — Aelfred!

Sir G. F. Duckett, Bart. Record-evidences, among archives of [the] ancient abbey of Cluni from 1077 to 1534; illustr. of the hist, of some of our early kings; and many of its English affiliated foundations. References to records and description from Delisle’s Catalogue of the National library of France. Printed for the author. 1886. 8°. 64 p. — Diese zu kurzen Auszüge von 101 Urkunden betreffen von Britischen Stiftern nur: Lewes, Lenton, Thetford, Bromholme, Montacute, Northampton, Pontefract, Paisley. [Die Angabe oben II, 224, betrifft das grössere Werk, Bibliogr. '89, 3609.] Im Anhang sind vollständig abgedruckt: 1. die Gründungsurkunden von Lewes; 2. des Petrus Venerabilis Brief an seine Congregation [um 1156] über Heinrich I., der maiorem ecclesiam a rege Hispanorum Aldefonso [dem Verlobten einer Tochter Wilhelm’s I.] inchoatam consummavit, und über dessen Tochter Mathilde, in paterna hereditate succedens, Henrici magni Romanorum imperatoris coniux; quando apud Rothomagum eam adii, erbat sie Cluny’s Fürbitte, die der Abt hiermit anordnet; 3. ein Entschuldigungsbrief Stephan’s Priors von Pontefract an Cluny: die ihm aufgetragene Visitation sei verhindert durch den Aufenthalt des Hofes zu Pontefract [März 1822, behufs Verurtheilung des Thomas von Lancaster], wo er vor dem König [wohl wegen Begünstigung des Thomas] ohne Erfolg verklagt ward; er bedauert, dass laici oblationes in monte ubi decollatus fuerat Thomas infra parochiam meam de Pontefracto perceperunt [vgl. über den Cult Pauli, Gesch. v. Engl. IV, 275]; 4. Cluny ernennt den Prior von Lewes zum Vertreter für Britannien 1410; 5. der Prior von Lewes klagt [1416] Cluny, u. A. über Heinrich’s [von Beaufort] Uebergriffe in die Exemtion. — Die Vorrede behandelt, nach Delisle’s trefflicher Forschung, die Geschichte der Hss. Cluny’s und, nicht ganz auf der Höhe, die allgemeine Entwicklung der Congregation. Druckorte der Urkunden oder Verweisungen auf anderweitige Documente desselben Kreises zu geben, lag nicht im Plane der kleinen Schrift. Die Anmerkungen erhellen, bisweilen aus Archivalien, einiges zur Geschlechter- und Ortsgeschichte. Der gute Index erhöht die Brauchbarkeit des Werkchens. — Vollständigeren Abdruck des Stoffes erwartet man von A. Bruel, Recueil des [190] chartes de Cluny (Coll. des doc. inédits - - à l'hist. de France), in Bd. IV (1888, geht bis 1090); die Nrr. 3558—61 betreffen Lewes; RQH Jan. 1890, 243. [Vgl. oben p. 144.]

G. Paris, La littérature française au MA. (11—14 s. Paris 1888. 8 e.) gibt weitaus die vollständigsten Nachweise zur Kenntniss der Werke, die Britannien in Französischer Sprache geliefert, oder aus Französischem Geiste geschöpft, und der Stoffe, die es dem Festlande geboten hat. Verfasser konnte das auf Britannien Bezügliche nicht überall zusammenordnen; der Englische Uebersetzer, an dem es hoffentlich nicht fehlen wird, mag im Index Anglonormann. und Walliser Namen besternen: auch äusserlich wird dann, mein’ ich, hervortreten, dass Britannien ausser im 8. und 18. Jahrhundert niemals so starken literarischen Einfluss auf das Festland übte, wie im 12. Zwar der Angelsächs. Stoffe, die Französische Bearbeiter finden, sind nur wenige: Waltheov, Havelok, Gui von Warwick, Horn, die hl. Könige Edmund und Eadward III., St. Alban, dessen Vie nicht mehr unter des Matheus Paris Namen geht. Um so glänzendere Gefolgschaft reiht sich bekanntlich der Walliser Sage an. Nicht Galfrid erfand Arthur’s Ruhm, nicht er allein war Quelle der Bretonischen Romane, die vielmehr Keltische Gesänge und Sage ohne Lateinische Vermittlung benutzen; aber er passte den Stoff dem Ritterwesen an und schmuggelte ihn in die wissenschaftliche Welt ein. Unter seinen Uebersetzern schöpfte Wace manches, wie Arthur’s Tafelrunde, unmittelbar aus britischer Ueberlieferung. Selbst die Angelsachsen ergötzte Britischer Sang, er heisst lai nach Ags. lag [?] und kommt durch Marie de France unter Heinrich II. in die Französ. Literatur. Béroul besingt in England um 1150 den Südwalliser (theilweise mythologischen und Arthur ursprünglich fremden) Tristan; der Anglonormanne Thomas, um 1170, beruft sich dafür auf den Britischen Erzähler Breri. Auch an der Verbreitung der Lanzelotsage hat England bedeutenden Antheil. Zwar dem Walter Map [der nicht vor Ende des 12. Jahrhunderts starb; Mon. Germ. 27, 62] gehört kein Graal oder Lanzelot. Aber Chrétien erhalte zu Lanzelot und Parzival den Stoff von Anglonormannen durch Marie, Tochter Eleonoren’s von Aquitanien, bez. Philipp von Flandern [dessen Anwesenheit in England nicht 1172 fällt, noch mit seinem Kriege gegen England zusammenhängt]. Ein Geisel Richard’s I. brachte den Anglonormann. Lanzelot nach Wien ; die Hs. einer Italien. Lanzelot-Compilation gehörte Edward I. Früher als in der Heimath bemächtigt sich die Französ. Sprache auch des wissenschaftlichen Lebens in England, vermöge[?] ihrer aristokratischen Stellung gegenüber den Unterworfenen. Die Anglonormannen zuerst schreiben Geschichte Französisch. Dass die [191] Reimchronisten Gaimar, Wace, Benoît von der eigenen Zeit so wenig sagen, möchte ich erklären aus der inneren Schwierigkeit Zeitgenössisches selbständig zu schildern. Von streng historischen Werken wird Fantosme [93, fehlt im Index] zu wenig [Mon. Germ. 27, 53] hervorgehoben; die Conquête de l’Irlande dagegen hängt von Girald ab; über Garnier stimmt Verfasser mit meiner Ansicht Mon. Germ. 27, 19. 25 [gegen 590]. Politische Grössen erwähnt dies Werk mehrfach, darunter die Könige Alfred und Heinrich I., deren Namen man fälschlich der Engl. Fabelsammlung, bez. dem Urbain beilegte. Für die Ermordung des Normannenherzogs Wilhelm’s I. bewahrt Malmesbury die Spur eines Französischen Gedichts. Vor des Eroberers Heere erklang bei Senlac das Rolandslied, freilich nicht in der uns erhaltenen Fassung. Denn diese gedenkt schon König Wilhelm’s, wenn sie [was Anglolateiner des 12. und 13. Jahrhunderts nachsprechen; Mon. Germ. 28, 506] Karl als Eroberer Englands hinstellt, der „ad oes Saint Piedre en conquist le chevage“. Ueber Heinrich I. liess seine Wittwe Adelheid von Löwen, der auch ein Bestiaire und eine Vie de s. Brendan gewidmet wurden, eine Chanson durch David fertigen [Hofhistoriograph derselben Zeit, Herkunft und Deutschen Beziehung ist auch der Lateiner David. Identität wäre möglich]. Heinrich’s II. Verdienst um die Literatur ist bekannt. [In geschäftsmässigem Latein liess er genau Zeitgeschichte verzeichnen; also mehr zur leichten Unterhaltung sollten jene Reimchronisten dienen, dieselben, die ja bei Hofe Troja und Brutus besangen.] Richard’s Klage aus Deutscher Gefangenschaft wird hier nicht angezweifelt. Ueber Satiren von und gegen Anglonormannen s. S. 154 ff. Dass Französisch in England, lange nachdem hier seine Correctheit und der literarische Einfluss auf Frankreich geschwunden waren, zur Sprache der Urkunden und des Rechts wurde, war wenigstens zu erwähnen; jedoch hat Verfasser unbedingte Vollständigkeit überhaupt nicht beabsichtigt [es fehlt z. B. Chastel d'amur, aus Ordric : Luc de Barre] und bei voller Klarheit auf 292 S. bewundernswerth viel geboten. S. 241 verbessere: Gottfried führte das Katharinenspiel als Schulmeister zu Dunstaple auf vor 1119.

Poésies complètes de Bertran de Born publ. par Ant. Thomas. (Bibl. Méridionale -- sous -- la Faculté des lettres de Toulouse I, 1) Toul., É. Privat, 1888. 8®. lij, 212 p.

Zu Bertran’s Lebensgeschichte citirt Hrsg. Stimming und Clédat [warum nicht auch Diez „Troubadours“ hg. v. Bartsch, 148?]: Im Walde von Born, zwischen Limousin und Périgord, liegen Ruinen, wahrscheinlich vom Schlosse der Ahnen Bertran’s. Ueber diese begegnet die früheste Nachricht zu 1070. Bertran, um 1140 geboren, besass [192] mit einem Bruder das feste Hautefort mit einer nicht reichen Herrschaft (keine Vizgrafschaft); wie der mächtigere Nachbaradel, war er fast nur dem Namen nach dem Herzog unterthan. Obwohl zweimal verheirathet, liess er sich von verschiedenen Galanterien nicht abhalten. Doch ging diese Liebe nicht tief; in Leben und Kunst blieb er wesentlich Kriegsmann. Das früheste Ereigniss, auf das er sich im Rügelied bezieht, fällt 1181: damals trat er für Toulouse gegen Aragon ein. Darauf verjagte er seinen Bruder, dessen sich Richard [I.] dann kurze Zeit annimmt. Im December 1182 fand er Heinrich’s Königshof zu Argentan zu wenig lustig und freigebig, feierte aber den Liebreiz von dessen [damals hochschwangererl] Tochter Mathilde von Braunschweig. Er hetzte dann seinen Freund, den jungen König Heinrich (III.), und die Limousiner gegen Richard und beklagte es tief, als Heinrich (III.) 23. Juni 1183 starb. Einige Tage später belagert, musste er an Richard Hautefort übergeben, das zunächst sein Bruder erhielt. Als er es bald darauf wiederbekam, blieb er fortan Richard treu. (Dass er von Heinrich II. verspottet worden sei, mit halbem Geist, wie er gerühmt, werde er jetzt nicht reichen, dass er ihn dann durch die Klage um den jungen Heinrich gerührt und gewonnen habe [Uhland’s Gedicht], wird nur vom romanhaften Biographen zwei Menschenalter später erzählt.) Seit 1184 griff er Aragon aufs Neue in Rügeliedern an, vielleicht theilweise aus Künstlerneid, stachelte Richard zum Zwist mit dem Vater und zur Gewalt gegen die Vasallen, diese zum Aufruhr und 1187 König Philipp zur Verdrängung der Engländer. Nur zu Gunsten des Kreuzzugs empfahl er 1188 ausnahmsweise Frieden, stellte den Säumigen Montferrat vor Tyrus als Beispiel hin, blieb aber selbst zu Hause, wohl zu arm und gefährdet, um kostspielige Kreuzfahrt zu wagen. Den Kaiser Heinrich tadelte er 1193, weil derselbe Richard gefangen hatte. Als dieser 1194 zurückkehrte, hoffte Bertran für Aquitanien Kriegsleben und Rittersold. Lieder über spätere Ereignisse gehören nicht ihm, sondern z. Th., wie das über 1202, einem seiner gleichnamigen zwei Söhne. Er trat vor 1197 in das von seiner Familie beschenkte, Hautefort nahe, Cisterzerkloster Daion. Dessen Chartular bietet Urkundliches über die Borns, das Hrsg. ganz abdruckt. Bertran starb dort zwischen 1202 und 1215.

— Seine Dichtung galt seiner Zeit als stachelnde Macht [und er vertrat sie jedesmal ehrlich mit ganzer Person]. Aber seine historische Bedeutung überschätzte schon im folgenden Menschenalter der Provenzalische Biograph, dann Dante, der diesem folgte. Vollends bewusste Politik, etwa eines zu befreienden Aquitaniens, oder gar Französischen Patriotismus hegte Bertran nicht. Ihn trieb zu kriegerischer Kunst und That nur persönliche Vorliebe, die häufig [193] wechselte, Lust an offener, bunter Fehde [Verachtung der Feigen, Ruhmbegier S. 77, 2] und Gewinnsucht. [Er ficht doch aber auch für den ganzen Stand des ritterlichen Kleinadels, in mehrfach ausgesprochenem Hass gegen Bürger und Bauer; er sagt ausdrücklich S. 54, beim Zwist der Mächtigen gewännen Vasallen und Burgherren; der Name „poetischer Condottiere“ passt also m. E. nicht. Mir scheint er nicht der Führer aber der Typ des ordnungsfeindlichsten Elements, das Heinrichs Staat nur in England überwand, aber überall bekämpfte. Den weltweiten Gegensatz zwischen Monarchie und staatauflösender Feudalität ahnte wohl die Nachwelt, als sie Bertran’s Bedeutung übertrieb.] Hersg. hat Glossar und jedem Lied Einleitung und fleissige Noten zur Localgeschichte und Genealogie beigefügt, welche manche Zeitansetzung und Namenerklärung fördern, aber noch recht viel dunkel oder zweifelhaft lassen. [Valia S. 21 ist Wales, dessen Fusstruppen Heinrich II. mehrfach in Gallien dienten; der Schlachtruf „Arraz“ bezieht sich auf die Brabanzonen desselben. Die Tarentaiser Friedensliebe S. 72 spielt vielleicht darauf an, dass Peter von Tarentaise zwischen England und Frankreich 1178 zu Limoges, also Bertran nahe, vermittelte; vgl. Mon. Germ. XXVII, 67; 89. Ueber Algais ib. XXVIII, 115.]

Cartularium abbathiae de Rievalle ord. Cisterc., fundatae 1132 [ed. J. C. Atkinson], Surtees soc. 83, Durham 1889. 8°. cxiij 471 p.

Das Chartular von Rievaulx, Ms. Cotton Julius D I wird hier zum ersten Male gedruckt. [Der ursprüngliche Theil, S. 16—199, scheint nur bis Ende 12. Jahrhunderts zu reichen, falls S. 130 interpolirt ist. Ist es Abt Arnold, unter dem auch Melrose Annalistik begonnen hatte, zu verdanken? Von späterer Hand angehängt sind Stücke der Mitte 13. Jahrhunderts, darunter S. 203 Quittungen vom Juden Hagin, dem Attornatus des Römerkönigs Richard; und voran stehen Documente z. Th. 14. Jahrhunderts. Hersg. schiebt S. 91—106 eine Sammlung Originalien theilweise des 14. Jahrhunderts aus Lord Bolton’s Besitz mitten hinein.] Cartularium Rievallense steht als Kopf über den ganzen Band hin. Aber S. 205—358 sind entnommen aus Dodsworth’s Collectaneen in der Bodleiana [deren Originale doch sicher nicht alle verschollen sind!], aus Nordenglischen Chartularen, Diplomen des British Museum und Staatsrollen. Die Appendix enthält u. A. das Lateran-Concil „Alexandri I.“ [! Dass rē ṅ pt ratione non potest zu lesen war, lehrt jeder Abdruck], Stücke, die im 14. Jahrhundert in Julius D I interpolirt sind, Originalien der Bodleiana und Auszüge aus Staatsarchivalien von 1201 — 1360. Fast der ganze [194] Band ist Editio princeps: und damit ist gesagt, wie grossen Dank die Englische Geschichte des 12.—14. Jahrhunderts dem Hersg. schuldet. Reichste Fülle von Anmerkungen erhellt Familien- und Ortsgeschichte und bisweilen die Zeitbestimmung; und bis S. 265 steht am Rande eine kurze Englische Inhaltsangabe. Aber vergeblich sucht ein durch moderne Editionstechnik verwöhnter Leser eine Uebersicht der Urkunden nach Ort oder Zeit, ein. festbegrenztes Datum für jedes Stück, Angaben über die Hs. oder die Methode der Edition und eine durchsichtige Abtliste. [Die S. lxxxvij gegebene berücksichtigt zu zaghaft die Irrthümer der Vorgänger und vernachlässigt recht viele Quellen, z. B. Lorenz von Durham über Abt Wilhelm (den man irrig für Bernhard’s Biographen hielt, laut Mon. Germ. XXVI, 91), die Heiligenleben Ailreds und Waltheovs von Melrose (der, weil er unter Ailred lebte, falsch in die Rievaulxer Liste gerieth, was auch die Verse des Nicolaus von Rievaulx, hinter Picard’s Will. Neuburg., widerlegen), die G. Henrici, Hoveden, Will. Neuburg, über Silvan und Arnold, Ann. monast. über Spätere. Für S. xlj war nicht Sigbert, sondern dessen Orcamper Fortsetzer zu citiren. Dass Silvan vor 1170 antrat, folgt aus S. 188 f. (aus Papstregesten 1167—9 zu datiren). Die Einleitung weist die Fabeln von der Verunglückung des Sohnes des Stifters Walter Espec ab und erklärt diesen für den Erben des Wilhelm Spech (épec norm. Specht) im Domesdaybook. Walter erhielt ausgedehnte Güter von Heinrich I., dem er gegen dessen rebellischen Vetter gedient hatte, z. Th. aus dem 1106 confiscirten Besitz des letzteren. 1122 setzte er Regularcanoniker in Kirkham ein. Später billigte er, dass der grössere Theil dieser letzteren, doch ohne den Prior, mit dem bedeutenderen Güterbesitz sich Rievaulx’s Cisterzern anschloss; doch blieb Kirkham Augustinisch. Der König der Insel Man bot Rievaulx Land zur Begründung eines Tochterstifts, besetzte aber schliesslich seine Abtei Russin mit Cisterzern aus Furness. Rievaulx leistete Tüchtiges in Landescultur; es hatte anfangs mit Armuth zu kämpfen, plante jedoch keine Auswanderung nach Stainton und ward von 1145 an reicher beschenkt. Gegen den begehrlichen Nachbaradel rief es die Hilfe Alexander’s III. an. [Hersg. verbindet dies mit der Feindschaft der Englischen Regierung gegen die Becket beherbergenden Cisterzer; die Bulle kann aber frühestens aus 1171 stammen. Ueber Rievaulx’s Beziehung zu Becket vgl. Hardy, Descr. Gatal. II, 319.] Zu den Regesta pontificum findet sich hier eine reiche Nachlese; S. 185 steht Jaffé-Löwenfeld 10635, und wohl derselbe Bote erhielt den Brief S. 190. Den Ort, wo die Schotten Edward II. 14. Oct. 1822 überraschten, hält Hersg. für Rievaulx, nicht Byland [?]. Sechs Siegel Rievaulx’s sind abgebildet; auch ein langer Index ist [195] beigegeben, der Päpste unter Papa, Könige unter Rex, Priester unter Presbyter u. s. w. versteckt, sämmtliche oben angeführte Namen auslässt, ebenso wie den „magister Vacarius“, der 1175 in Nordengland Schiedsrichter (S. 83), also wohl der berühmte Einführer des Römischen Rechts war. Johann von Salisbury bezeugt die Königsurkunde S. 144 [1155 oder 1157] als Clericus archiepiscopi [Theobaldi].

Geo. T. O. Bridgeman. The hist, of the church and manor of Wigan (Lancaster). I. Chetham Soc. (New series 15) Manch. 1888. 4°. vij 180 p.

Die Kirche kommt im Domesdaybuche vor; aber die Liste der Pfarrer ist erst seit 1199 bekannt. 1242—6, als Wigan’s Patron und Oberlehnsherr, der Lord von Newton, minorenn in Vormundschaft des Königs war, erhielt den Rectorat Johann Mansel, der von Heinrich III. reich bepfründet und oft zu Staatsgeschäften gebraucht ward, z. B. 1238 zur Besoldung der dem Kaiser [vor Brescia] gesandten Hilfstruppen, 1252 neben Richard von Cornwall zur Versöhnung des Abts von Westminster mit dessen Convent, 1256 zur Vorbereitung der Wahl Richard’s in Deutschland, 1257 zur Gewinnung Siciliens für Edmund [vergl. Mon. Germ. XXVIII, 144; 325—367]. Die fleissige Biographie S. 4—30 bringt aus Ungedrucktem einiges Neue für Persönliches und Locales. Mansel erlangte 1246 von der Krone die Erhebung Wigan’s zum Borough mit Kaufgilde (und 1257 Marktrecht) und gab ihm ein Privileg, wonach die Bürger u. A. alle drei Wochen Portmot (Stadtversammlung) halten und durch 12 [Geschworene] urtheilen. 1323 ward der Pfarrer von Wigan, Robert de Clyderhou, wegen Unterstützung des Thomas von Lancaster gegen Edward II., eingekerkert und mit Geld bestraft; er erbat es später vergeblich von Edward III. zurück und klagte gleichzeitig bei Hofe, die Bürger brächten ihn um seinen Marktzoll, ward aber vor das ordentliche Gericht verwiesen. Johann von Winwick (1359 Grosssiegelbewahrer) erlangte vom König 1350 mit der Kirche Wigan Freiheiten, die für eine Pfarre beispiellos sind: der Pfarrer besass fortan das Ritterlehen sammt Polizei, und Gericht über Land und Leute in Stadt und Herrschaft und schloss die Gewalt des Sheriffs und sogar der Königsbank aus. Er verlieh seinen Boden, sofern er ihn nicht in Domäne behielt oder auf Zeit verpachtete, theils an Lehensleute, theils an die Bürger. Durch Sinken des Geldwerthes verlor der dafür geschuldete Zins jede Bedeutung und ward schliesslich erlassen: erst damit endete das überlieferte Streben der Wiganer, ihrem Pfarrer sein Recht möglichst zu beschränken. — Die Darstellung ist annalistisch; die allgemeinen Zustände (Ehe des Klerus p. 68), die hier durch einzelne [196] Beispiele erhellt werden, sind manchmal in der Anmerkung erörtert. Hoffentlich wird ein Sachverzeichniss ermöglichen, das über Localgeschichte hinaus Wichtige herauszufinden.

Shtaroth. Publ. of the Anglo-Jewish historical exhibition[2]. London, Jewish Chronicle. xvj 394 p.

[Nachtrag zu Bd. II dieser Ztschr. p. 231.] Diese, fast sämmtlich ungedruckten, Urkunden, aus dem Staats-A., Brit. Mus. u. Westminster, enthalten auch Quittungen, Schenkungen (nicht Testamente!), Bürgschaften, Zinsgeschäfte (unter Juden durch legale Fiction verdeckt, über deren Erlaubtheit das Beth-din befragt wird), die Aussage einer Jüdischen Jury über den Werth eines Londoner Grundstücks u. s. w. Im Hebräischen Text sind viele Wörter aus dem Latein nur transliterirt [keines aus dem Angelsächs., manches aus dem Französ., wie „gul d'Aaut, Tut-seins“: auch hierin spricht sich der Zusammenhang der Englischen Juden mit der Normannen-Herrschaft aus]. Für Deutschland finde ich in dem genauen Index nichts; Richard, der spätere Römerkönig, der überhaupt viele Geldgeschäfte mit Juden machte [s. o. S. 193], erscheint 1251 als Patron eines Juden; Nr. 23. Davis hat das Hebräische (das Ref. nicht versteht) ganz abgedruckt, aber nicht alles übersetzt, sondern z. Th. nur umschrieben oder ausgezogen. Einiges war schon von Fowler und Neubauer genau übertragen. Von den zugehörigen Lateinischen Breven ist nur der Inhalt angegeben. Ein chronologisches Yerzeichniss wäre erwünscht, da im Text die Stücke nach den Ausstellungsorten geordnet sind. Die frühesten Urkunden sind Lincolner von 1182. Darunter zeigt eine im Gegensatz zum meist trockenen Geschäftston grimmen Humor: sie übersetzt den Namen des Malebys (der 1190 zu York den blutigen Aufruhr der Adlichen gegen ihre Jüdischen Gläubiger anführte, „vero agnomine Malabestia“ Will. Newb. IV, 10) als „böses Thier“. In Nr. 156 versorgt eine Wittwe ihre noch nicht heiratftsfähige Tochter durch eine Verlobung und Ausstattung mit einer genau in ihrem Werth beschriebenen Bibel mit Commentar; und so erscheinen manche Culturbilder innersten Lebens, das freilich die grosse Politik nicht beeinflusst hat.

Catalogue of Anglo-Jewish exhibition, 1887, Royal Albert hall [von Jos. Jacobs und Luc. Wolf], and of supplementary exhibitions held at the Public Record office [von C. Tr. Martin], British Museum [von E. M. Thompson und Rieu], South Kensington Museum. Lond., Will Clowes & Sons, 1887. 8°. xxvj 206 p.

Von den 2626 Nummern des Hauptkatalogs betreffen sehr viele nichtenglische Juden und etwa 2100 Neuzeit. Den „historischen Reliquien und Urkunden“ geht eine unparteiische Einleitung voraus: Bis zur Vertreibung (1290) bildete die Englische Judenschaft einen Theil des Staatsfinanzsystems; ihr Glaube allein bestimmte ihre anomale Stellung. [Dies ist nur wahr für [197] die Lehre der Kanonisten, nicht für die Recht und Leben beeinflussende Volksanschauung, nach der sie auch schutzbedürftige Fremde sind.] Alle Erwähnungen von Juden in Angelsächs. Zeit können aus festländischen Schriften copirt sein. Die Normannische Krone bezweckt mit der Einführung der Juden, Kapitalmarkt behufs Steinbauten zu erhalten und sie das Land auswuchern zu lassen, um sie bei eigenem Bedarf wieder auszupressen. Folglich musste sie die Juden bei Geldreichthum erhalten. Diese sassen keineswegs bloss in wenigen Grossstädten, sondern weithin verbreitet; 1290 machten sie fast ein Prozent der Bevölkerung aus. Und doch konnten sie in Gilden, Bürgerschaften oder christliche Gesellschaft nicht eintreten. Den Hass schürte Kreuzzugsfieber, das eine Parallele findet im Zuge von 300 Rabbinern Englands und Frankreichs nach Palästina 1211, ausserdem der Minoritenorden, das Lateranconcil 1215, die Gewinnung einiger Proselyten. Ihre Stellung wurde unhaltbar, sobald sich bei anderen Classen, besonders Oberitalienern, Capital fand, und das Wucherverbot auf sie ausgedehnt ward: anderes Gewerbe und [zuletzt] Landeigenthum war ihnen verschlossen. Doch, abgesehen von dem der Regierung trotzenden Pöbelaufruhr, wurden sie gegen andere Unterthanen gerecht geschützt und von den Königen, ausser von Johann, gut behandelt. Von den Culturschöpfungen jener Juden ist wenig erhalten, z. B. früheste Steinhäuser (zu Lincoln, St. Edmunds, Norwich) und Hebräische Schriften: des Moses Hanasiah Grammatik um 1250 [ed. Collins 1883] und „Hebr. Poesien des Meir ben Elia“ aus Norwich (hrsg. v. Berliner, London 1887. fol. [gottesdienstlich]); des Spaniers Abraham ibn Ezra Werke sind z. Th. „geschrieben [1158] im Winkel der Erde“ [= Angleterre; hrsg. u. a. von Creizenach 1840]. Vereinzelt kommen Juden in England im 14. u. 15. Jh. vor: das Haus der Gemeinen klagt 1376, unter angeblich Lombardischen Bankiers bärgen sich Juden, und der Spanische Gesandte 1498, vertriebene Spanische Juden fänden in England Zuflucht. [Hierzu vgl. Bibl. Anglo-Jud. Nr. 202—8. 234—7.] — Für allgemeine Englische Geschichte sind die meist nur zu kurzen Beschreibungen der ausgestellten Urkunden wichtig. S. 9. 176 ist die auf der Essex-Forstrolle von 1277 hingeworfene Caricatur des wegen Hindinhetze verklagten Aaron, filius diaboli, Colecestrensis, mit dem Taffetfleck in Form der Gesetztafeln rechte auf der Brust, facsimilirt. — Die Nebenkataloge sind für MA. bedeutender; das Archiv hatte einige der noch fast ganz ungedruckten Judenrollen des Exchequer ausgestellt und eine der für 1331—1608 vorhandenen Rechnungsrollen über die königliche Domus conversorum [Judaeorum] in London (S. 177, vgl. S. 2. 8), die erst unter Karl II. verschwand. Wissenschaftlich am brauchbarsten ist aber die Arbeit des British Museum: 28 Privaturkunden für das Jahrhundert nach c. 1181 Bind mit allen Namen registrirt; zwei Mss. des 12. Jhs. aus Winchester und St. Albans zeigen Bilder von Juden.

Jos. Jacobs and Lucien Wolf, Bibliotheca Anglo-Judaica. A bibliograph. guide to Anglo-Jewish hist. (Publ. of the Anglo-Jewish exhibition 3.) Lond., Jewish Chronicle 1888. 8°. xxvij 231 p. [198] Von den drei Perioden enthält I (—1290) 200 und II (—1656) 237 Nummern. In Abschnitt I folgt die Anordnung der Büchertitel (auch Zeitungsnotizen) dem Alphabet der Verfassernamen, ohne Quellen und Darstellungen zu scheiden. Die Stellen in grossen Werken, die als Hauptthema oft ganz anderen Stoff behandeln, sind nach Band und Seite citirt. [Nachträge: s. DZG I, 182; ferner: Ric. Anesty; Girald Cambr. Instr. princ.; Wörterbücher für Archaismen und Folklore, z. B. Halliwell; das Schott. und das Anglonormann. Gedicht und Chaucer’s Priorin über S. Hugo ; an Engl. Darstellungen: C. Gross, Disraeli, Merryweather; zum 18. Jh.: Schaible, Deutsche in Engl. 427 über Falk; Concilien u. a. Kirchenrecht, z. B. Haddan u. Stubbs, Wilkins. Und kein Geschichtschreiber der Englischen Juden dürfte festländische Werke — z. B. Stobbe’s, Endemann’s, Roscher’s, Neumann’s — über Geschichte des Rechts, namentlich der Kirche, der Wirthschaft und der Juden im Allgemeinen übersehen: waren doch die Juden und die christlichen Ansichten über sie damals international.] Ist schon dieser Theil des Buches als erster Versuch lebhaft anzuerkennen, so noch mehr die Einleitung über Englisch-Jüdische Urkunden : A) Die Judenrollen im Staatsarchiv: 1. die des Exchequer of receipt beschrieb Schwab (Revue des études juives XI, 256): 2. die des Exchequer of pleas 1219—1286 sind noch unregistrirt; 3. von des Queen’s remembrancer Memoranden, von Heinrich II. bis nach 1290, liegt hs. Register im Rolls house, Calendar 22. 4 u. s. w.; B) Einzelurkunden im British Museum; C) in Westminster abbey; D) Zerstreutes, in diesem Wegweiser konnte natürlich nur die Zeit und ganz ungefähr der Inhalt der Acten-Convolute angegeben werden. [Vgl. auch Rye, Records p. 188 f., und besonders Gross, in den Papers (s. folg. Art.) S. 212—5.]

Papers read at the Anglo-Jewishhistorical exhibition, Royal Albert hall, London 1887. (Publ. of the Anglo-Jewish histor. exbib. 1.) Lond., Jewish Chronicle, 1888. 8°. 304 p.

Darin p. 20—52: Jos. Jacobs, The London Jewry, 1290. Das Judenviertel lag laut beigegebener Karte zwischen der heut noch Old Jewry gen. Strasse, Cheap [d. h. Markt], Woodstreet und Guildhall. Der Name, in Rouen Juiverie, stammt wie die Engl. Judenschaft aus dem Franco-Normannischen. Bei der Vertreibung fielen die Lond. Judenhäuser dem König heim. Dieser liess sie taxiren und vergab sie durch in Ms. Lansdowne 860 vorhandene Patente; der jährliche Werth, zusammen 65£, schwankt bei dem einzelnen Haus zwischen ½ und 12£. Die etwa sechs Synagogen, die hinter einander in London bestanden, wurden fast alle in Kirchen verwandelt. Allein die Juden hatten Grundbesitz nicht zu Eigenthum (sie konnten nicht Homagium dafür dem König leisten noch empfangen), sondern erwarben ihn als Pfand von zahlungsunfähigen Schuldnern, und behielten ihn nur so lange es dem König beliebte. Vom Friedhof erhielt sich der Name Jewin garden [Lyrestowe, das Vf. in dem Document von 1290 dafür findet, ist damaliges Englisch: Todesstätte]. Von den 1290 vertriebenen 15060 Juden waren etwa 2000 Londoner; im ganzen sassen Juden in etwa 120 Orten Englands. [199] 1195 trugen za König Richard’s Lösegeld für Kaiser Heinrich VI. 360 Juden 3333£ bei, davon 31 Londoner 478£. Vf. stellt annalenartig die äusseren Ereignisse der Juden zusammen — es sind Metzeleien und Besteuerungen — und bemerkt Einiges über ihr inneres Leben. Die drei „Episcopi“ waren Dajanim, Richter, die einmal beim König einkommen, durch ihren Bann die Beisteuer zur Erhaltung des Kirchhofs erzwingen zu dürfen. Mehrere der literarisch thätig Gewesenen gehören Einer Familie an; Historisches ist unter diesen Werken nicht. Einige der Vertriebenen sind 1294 in der Pariser Juiverie nachweisbar.

Luc. Wolf, The Middle age[3] of Anglo-Jewish hist. (1290 bis 1656), p. 53—80. Vf. nimmt hier nicht mehr den Glauben, sondern z. Th. den Stamm zum Merkmal des Juden: die Domus conversorum [s. o. S. 197] beherbergte 1308 noch 51, 1332 22, 1345 nur 11, später gewöhnlich 5 Personen. Dass Juden 1290 in England als Pseudochristen blieben oder nach Schottland flohen, ist nicht sicher. 1310 erbaten sechs Juden, darunter ein Arzt, Ansiedlungserlaubniss; 1376. 1498 s. o. S. 197; 1410 ward dem Elias Sabot aus Bologna erlaubt, in England die Heilkunst zu üben; vielleicht war David de Nigarellis von Lucca, Heinrich’s IV. Leibarzt 1412, ein Jude. Für Kryptojuden auf Englischen Märkten im 15. Jh. bringt Vf. nicht den Schatten eines Beweises. Dagegen sollen von den 1492 vertriebenen Spaniern viele [?] in London, York und Dover Synagogen gebaut und blühenden Handel getrieben haben.

Walter Rye[4], The persecutions of the Jews in England p. 136 bis 169 urtheilt über die wirthschaftliche Bedeutung der ma. Juden überaus günstig, die Vertreibung sei ein grober Fehler der Handelspolitik gewesen. [Allein eine tiefere Erklärung ist nicht versucht; Vf. scheint mir gegen Staat und Kirche ungerecht: beide traten der Mord- und Raublust des Pöbels und niederen Adels entgegen; wenn die Regierung Geld erpresste, so lag das an der Unvollkommenheit der Finanz, wenn der Klerus die Religion der Juden anfocht, an damals allgemeiner Verwechselung von Glauben und Wissen: Edward I. und Peckham erfüllen mit der Vertreibung was die Besten ihrer Zeit für Pflicht hielten. Ein sittlicher Makel trifft weder sie, noch, soviel ich sehe, die verblendeten Blutrichter.] Für Ermordung [200] eines Kranken büssten die Londoner Juden 1131 £2000; an die angebliche Kreuzigung des hl. Wilhelm zu Norwich, um 1144, knöpfte sich dann bis 1279 eine Reihe von acht Blutbeschuldigungen, die Vf., wo Einzelheiten bekannt, als unrichtig erweist, sonst als in sich widersprechend und niemals begründet betrachtet: die Juden selbst riefen stets zuerst das ordentliche Gericht an. Neu erscheint hier aus Urkunden die Klage der Juden gegen ungerechte und bestochene Richter, darunter die wohlbekannten Peter von Rievaulx, Stephan von Segrave und Robert Passelew [s. u. S. 215}. 1237 wurden Diebe, die Norwicher Judenhäuser angezündet hatten, bestraft. Dass wegen angeblicher Kreuzigung des hl. Hugo, 1253, 18 Juden gehangen und 80 eingekerkert wurden, weiss man aus Matheus Paris. Rye zeigt nun, wie über letztere, die im Londoner Tower sassen, eine Jury von 24 Rittern aus der Grafschaft und 24 Bürgern aus der Stadt Lincoln berufen ward, und wie die Urkunden, die über das Gut jener Gehängten verfügen, die Kreuzigung nur mit „ut dicitur“ erzählen. Die Minoriten traten für die Gefangenen ein, und der König verlieh ihnen bald darauf besonderen Schutz[5].

Der historisch weitaus wichtigste Aufsatz des Bandes ist Charles Gross[6], The Exchequer of the Jews of England in the Middle ages, p. 170—230. Die Normannische Regierung war so stark, dass sie die Juden gegen den Willen der Bürger in den Englischen Städten hielt und besteuerte und gegen den Willen des Clerus Jüdischen Wucher gesetzlich erlaubte. Namentlich aber war nur bei einem starken Königthum das Exchequer der Juden möglich. — Der dritte Kreuzzug, für den das Land bisher unerhörte Baarsummen schaffen musste, zeige die wirthschaftliche Wichtigkeit der Juden, ihre damalige Beraubung beweise die Notwendigkeit königlichen Schutzes [der aber doch jeden Volksfremden (Herren- und Sippelosen) und die Juden bereits im Fränkischen Reich von Rechtswegen umfasst]; und aus diesem entstehe das Besteuerungsrecht [das doch der Frankenkönig, also der Normannenherzog, über Kaufleute hat] und aus dessen willkürlichem [201] Missbrauch [allein?] die Rechtsanschauung vom Obereigenthum des Königs au ihrem Besitz. [Aber schon den Leges Edwardi Cf. gilt die Kammerknechtschaft als altes Recht, ist wohl also aus der Normandie mitgebracht und begründet, nach German. Sklavenrecht, das freilich meist nicht ganz ausgeübte Recht des Herrn auf den Nachlass seines Unfreien. Und nach Dial. de Scaccario II, 10 gehört rechtlich der bewegliche Nachlass aller Juden dem Fiscus, nicht als Beschützter oder Fremder oder Besteuerter, sondern als Öffentlicher Wucherer ,more Judaeorum*; dass der Nachlass auch christlicher Wucherer zum Exchequer floss, beweist Jacobs, Archl. R. II, 899 für 1171]. Doch passt kein damaliger oder heutiger Rechtsterminus für eine Classe auf die wirkliche Stellung der Juden. 1194 erliess Richard I. die Capitula de Judaeis; wahrscheinlich damals, sicher vor 1199, wurden Justitiare als Custodes Judaeorum eingesetzt. Diese (Vf. verzeichnet deren 45) sind die Hauptbeamten des Juden-Exchequer, je 2—5 hochgestellte Hofleute, (nur 1199 waren Juden darunter), die vor Schatzmeister und Baronen des Grossen Exchequer über die Kroneinkünfte aus jüdischer Quelle Rechnung legen. Unter den übrigen Beamten überwacht einer, meist ein Jude, das der Krone von Juden heimfallende Gut; hier sitzt auch der Oberrabbiner, eingeschworen „den königlichen Beamten zu berathen, die Gerechtsame des Königs[7] herauszudrücken“, der aber auch die von den Juden aufzubringende Steuer auf die einzelnen ausschreibt, für den König Gelder verwahrt (z. B. das den Flämischen Kaufleuten 1266 Confiscirte) und als Schiedsmann zwischen Juden und Fiscus dient. In den Provinzialstädten mussten die Juden (seit 1194) vor einer gemischten (und wenigstens später gewählten) Behörde ihre Schuldurkunden in mehreren Exemplaren aufnehmen lassen; deren eines wanderte in eine öffentliche Truhe, unter Verschluss jener Behörde, die ausserdem den Inhalt inrotulirte. Nur eine Schuld, deren Urkunde in jener Truhe lag, konnte eingeklagt werden; eine Quittung vom Juden galt nur, wenn sie dorch die Behörde ging. Im 18. Jh. wuchs die behördliche Aufsicht; fortan durften die Juden regelmässig nur wohnen und handeln in Städten, wo ein Zweig des Judenexchequer mit der Truhe bestand (Vf. zählt deren 26 auf); zu anderwärtigem Aufenthalt war königliche Sondererlaubniss nothwendig. Das Judenexchequer zog von Juden Geld und Gut unter mannichfachen Namen: ein Drittel vom Erbe, dann den wegen Verbrechen oder Erbenmangels heimgefallenen und willkürlich beschlagnahmten Grundbesitz, ferner Strafgelder, Gebühren, Concessionsbezahlungen, und das Wichtigste: beliebige Steuern, die Vf. auf etwa 6000£, d. h. ein Zehntel der Gesammteinnahme Edward’s, jährlich schätzt. Deren Umlage geschah durch reiche Juden, die zur Execution helfen und für den Gesammteingang haften mussten. Wie scharf der Fiscus die Steuerschraube anziehen konnte, wusste er aus den manchmal in Westminster eingesehenen Schuldtruhen; dorther nahm er säumigen Steuerzahlern zunächst die Schuldscheine fort, [202] um für sich das Geld oder hypothecirtes Land einzuziehen, was den ärgsten Hass von Adel und Volk auf die Juden herabbeschwor. Genügte auch das nicht, so wurde sonstiges Judengut confiscirt, die Familie als Geisel verhaftet, der Steuerschuldner eingekerkert oder aus England vertrieben. — Das Judenexchequer richtete, unter Ausschluss kirchlicher und localer Justiz, über bürgerliche und Strafsachen der Juden und Verletzung des auf Juden bezüglichen Rechts. Im Ganzen war das Exchequer ein Segen für die Juden, denen es (ausser gegen den König) Gerechtigkeit gewährte, und für die Volkswirtschaft, deren Bankgeschäft es ordnete. Der Untergang des Judenexchequer brachte das Königthum in die Geldklemme, die dazu beitrug, es zur Gewährung der Verfassung von 1297 zu zwingen. — Im Anhang veröffentlicht Vf. ein Statut (oder amtlichen Entwurf) von 1276—90, dessen Ende fehlt, wonach (neben den gewohnten Verboten der Münzfälschung, des Handels mit verdächtigen oder kirchlichen Dingen, der Vorenthaltung der dem Exchequer von Juden gebührenden Heimfälle und Erbantheile, des Haltens christlicher Dienstboten, der Vermischung mit Christinnen) das Zinsverbot [von 1275] wiederholt wird, aber — als „Provision“ jährlich nur [!] 43⅓ Prozent vom geliehenen Kapital auf höchstens vier Jahre erlaubt wird [genau was der ehrliche Dial. de Scacc. II, 10 öffentlichen Wucher nennt. Die legalen Fictionen sind als Edward’s Schwäche bekannt; aber die Anschauung, so plump das Wachsen einer Schuld hindern zu können, ist wohl selbst für damalige Oekonomik zu kindlich.] Es folgt Edward’s Verordnung an den Exchequer 1290, wodurch er die Schulden der Christen an Juden und deren Rechtsnachfolger, den Fiscus, mit Ausnahme des wirklich einst durch die Juden vorgestreckten Kapitals, erlässt.

M. Gaster, Jewish sources [directe?] of and parallels to the Early English metrical romances of |.1}}King Arthur and Merlin|.1}} (S. 231—52). Diese Quellen seien Samuel n. und Salomo’s Dialog mit Asmodi und das Leben des Sirach. [Jüdische Quelle leugnet Ath. 20IV89, 502].

H. Adler, The Chief rabbis of England, S. 253—89, zeigt, wie die Bildung der Engl. Juden von Frankreich abhing. Zwei 1189/90 erschlagene Rabbiner finden sich in Neuhebrä. Quellen als „Märtyrer“. Vf. untersucht, im ganzen ohne sichere neue Ergebnisse, die Stellung des Presbyter und Episcopus Judaeorum, der mit dem Judenbischof in Cöln, Mainz, Worms nichts zu thun habe, versucht eine Liste ihrer Namen herzustellen und gibt ihre Lebensdaten seit 1178. Als Elias wegen Vergehen gegen Heinrich III. und König Richard von Deutschland abgesetzt ward, sollte fortan die Judengemeinde von England den Oberrabbiner wählen und vom König bestätigen lassen. Ausser von London ging rabbinische Literatur aus von York und Norwich [doch gibt Ath. a. a. O. eine Norwicher Schule jüdischer Bibelerklärer nicht zu]; s. o. S. 197.

Halmota prioratus Dunelmensis. Containing extracts from the Halmote court or Manor rolls of the prior and convent of Durham. 1296—1384. Surtees Soc. 82, Durham 1889. xliv 287 p.

W. H. Longstaffe hat diese für Sitten-, Verfassungs-, Rechts- [203] und Wirthschafts-Geschiebte bedeutende Quelle zu drucken begonnen, J. Booth die Fortsetzung hinter S. 144 (a. 1378) geliefert und die lichtvolle Vorrede, wohl über fast sämmtliche Verhältnisse, die darin berührt sind. Wenn Booth versichert, dass nichts culturlich Wichtiges fortblieb, ist einem so verständnissvollen Manne voll zu trauen. Dagegen den überall Lateinischen Text hätte er lieber nicht grammatisch verbessern, und genau bezeichnen sollen, wo er etwas ausliess oder kürzte. Das Wort Hallemot, zuerst in den Leges Henrici I., bedeutet Versammlung der [Herrschafts-] Halle, Hofgericht über ursprünglich unfreie Gutsinsassen [vgl. u. S. 215]. Seine Protocolle sind die hier zuerst gedruckten Rollen, die noch im Durhamer Capitelschatz ruhen; meist 8 Fuss lang, bestehen sie aus Membranen, die man an der Schmalseite zusammennähte. Vor 1300 ist nur eine, erst seit 1365 die Beihe vollständig erhalten. Eine Fortsetzung der Ausgabe liegt im Plan, ihr soll ein Sachglossar folgen. (Auch das Bisthum Durham besitzt die Rollen seiner Gutsgerichtsprotocolle seit 1345 fast vollständig.) Der Prior erscheint, ohne Abhängigkeit von seinen Mönchen, als alleiniger Herr der Güter des Kathedralklosters. Bisweilen sitzt er selbst neben seinem Amtmann, Bursar oder Terrar dem Gutsgericht vor; Einzelvorsitz scheint vermieden. Meist wird dreimal jährlich Hallmot gehalten und fast für jede der 34 Ortschaften, die dem Domstift unterstanden, ein besonderes. Eine Jury der Ortsbauern dient zur Rüge, Enquête und Urtheilsfällung; sie wird bestraft, falls sie nicht zum Verdict gelangt oder Anzeige von Unordnung im Dorfe unterlässt. Sie wählt den Dorf-Praepositus, einige landwirtschaftliche Beamte, den Pacht- und Strafgeld-Einsammler, die Bierkoster. Die unterste Stufe der Bauern sind Nativi, die nur mit des Herrn Erlaubniss das Dorf verlassen dürfen und ihren Bondagiumbesitz nur so lang es jenem beliebt behalten, die oberste persönlich freie Pächter auf Lebenszeit, die dem Prior Mannschaft und Lehnseid schwören, die also der Person nach zum Freiengericht des Priors gehören, das mehrfach in ausdrücklichem Gegensatz zum Hallmot vorkommt; vermuthlich bannt sie ihr Besitz daneben auch in diesen niederen Kreis. Auf jedem Gut ist die Domäne, die an des Priors Exchequer zu Durham verrechnet wird, getrennt von dem ausgeliehenen Land, dessen Bauern der Domäne Ackerdienst schulden. Auch die ungünstigsten Besitzrechte zeigen schon den Zug zur rechtlichen Stetigkeit. Die Wittwe behält den Hof des Verstorbenen, darf aber ohne des Herrn Erlaubniss nicht wieder heirathen. Die Pachtsumme schwankte in dem hier betrachteten Jahrhundert von ½—1 Shilling für den Acre. Wo ein Einzelpächter sich für eine freie Hofstelle nicht findet, tritt die Dorfgemeinde ein. Das [204] Inventar scheint gering: oft leiht der Bauer vom Herrn die Pflugochsen. — Ausser der Uebernahme eines Guts durch einen neuen Pächter mit dem Antrittsgeld Gersuma, verzeichnen diese Protocolle Bestimmungen über Wege, Ackerpolizei, Brau-, Mühlen- und Wassergerechtigkeit. Mädchen werden oft wegen Leir (concubitus) mit ½ Shilling gestraft, einmal eine Vicarstochter; da jedoch oft Mercheta (Abgabe der Hörigen für Heirath der Tochter) dabei steht, mag es sich um Kiltgang handeln. Prügeln, Messerstechen, besonders oft Schmähen, namentlich der Weiber, wird geahndet; wer die Hörigen Rustici schilt, büsst diese Verbalinjurie mit 20 Shilling. Ausser Geldstrafen kommen Hiebe, Stock, Tauchbrett als Strafmittel vor. — Zu Afterpacht, Holzschlag und Kornverkauf ausser an den Herrschaftsspeicher bedarf es der Erlaubniss des Herrn.

The Philobiblon of Richard de Bury, bishop of Durham, Treasurer and Chancellor of Edward III. Ed. and translated by Ern. C. Thomas. Lond. 1888. 8°. lxxxvj 259 p.

Zur Textherstellung hat Hersg. die vielen Drucke (zuerst Cöln, 1473) und 28 von den 85 Hss. benutzt, doch zu Gunsten des bibliophilen Laien Rechenschaft über Befolgung der Lesarten unterlassen und die Orthographie classisch geändert; er selbst stellt einen kritischen Text erst der Zukunft anheim. In den fleissigen Anmerkungen recht ungleichen Werthes weist er manches Citat des Verfassers nach. Die neue Uebersetzung, die ich in Stichproben richtig fand, muss mühsam gewesen sein; die während seiner Arbeit erschienene frühere von Inglis tadelt Hersg. pag. x. Eine ausführliche Bibliographie zeigt die frühe und weite Verbreitung des Philobiblon auch auf dem Festland, so in Deutschen Hss. und Drucken. Hierin und in der Einleitung über Richard’s Leben fördert Thomas die Wissenschaft: Richard, 1287—1345, heisst de Bury alias de S. Edmundo nach dem Geburtsort, Aungervile nach der Familie [aus welchem der Normann. Angerville mit Burgruine?]. Auf deren Gut Willoughby (Leicesters.) beim Oheim, dem Pfarrer Johann, dann zu Oxford gebildet, ward er Erzieher Edward’s III. (geb. 1812) und alsbald Justiz- und Finanzverwalter in Chester und Bordeaux. Aus Gasconischen Staatseinkünften unterstützte er 1825 die abtrünnige Königin und floh vor Edward’s II. Statthalter zu den Pariser Minoriten. Nach der Thronumwälzung gehörte er zu den vornehmsten Kronräthen, erhielt höchste Staatsstellen, wichtige Gesandtschaften nach Avignon, Frankreich, Brabant und Schottland, beherbergte Edward III. mehrfach in Auckland bei Durham und begleitete ihn Aug. 1838 nach Coblenz. Seine Liste der Kronjuwelen ist gedruckt, die Rechnungen über die festländischen Gesandtschaften von 1333 u. 1338/9 liegen im Staatsarchiv. [205] Durch Hofgunst dem Papst empfohlen und schon vorher reich bepfründet, erhielt er, obwohl die Dommönche anders gewählt hatten 1333 das Pfalz-Bisthum Durham, das er befestigte und vor Staatssteuern schützte. Aus seinem bischöflichen Actenregister zu Durham sind nur Theile gedruckt. Seit 1339 blieb er in Britannien, für die Regierung im Parlament und in Schottischen Verhandlungen beschäftigt. Besonders damals fand er Ruhe zum Sammeln von Büchern; deren Katalog ist verloren. [Liste der dem Philobiblon bekannten Literatur wäre um so erwünschter.] Die Benutzungsordnung hält Hersg. nicht der Sorbonner nachgebildet. Richard visitirte mit Anderen Cambridge und Oxford, wo er eine Halle und Bibliothek zu stiften plante. Allein das Durham-College entstand nicht unter Richard selbst; sondern Edward III. erfüllte damit das Gelübde vor Halidon Hill, falls die Schlacht glücke, ein Benedictinerhaus zu stiften; er verzichtete nämlich auf einen von Krone und Durham umstrittenen Patronat unter der Bedingung, dass der Bischof ein College auf dem Boden eines Durhamer Conventshauses zu Oxford stiften sollte; Richard's Nachfolger führte dies aus. An der argen Verschuldung, in der Richard starb, scheiterte sein Stiftungsplan. Seine Bücher wurden veräussert, z. Th. an die Klöster, aus denen er sie, manchmal durch ungeistliche Mittel, erhalten hatte. — Petrarca, den er 1333 in Avignon sprach, schrieb ihm [vgl. Geiger, Petrarca 61. 265]; allein Richard theilte mit ihm nur den Eifer, Bücher, auch zur Benutzung durch andere Gelehrte, zu sammeln, nicht den Humanismus. Befreundet mit berühmten und z. Th. liberalen Theologen (p. xxxiij), darf er doch nicht Erasmus verglichen werden. Das Philobiblon, im damaligen Kirchenlatein, betrachtet die Artes nur als Mittel zur Theologie, wünscht die Philologie zwar auf Griechisch, Hebräisch, Arabisch zu erstrecken, liebt aber weder Bildung der Laien noch volkssprachlicbe Literatur, und entbehrt eigene Philosophie oder scharfe Kritik; vom neuzeitlichen Vorfrühling ist es nicht angehaucht. Einen Liber epistolaris, Lord Harlech’s Ms., hat Richard nicht verfasst, sondern höchstens gesammelt [vielleicht nur besessen]. Andere Werke sind ihm grundlos zugeschrieben. — E. M. Thompson entdeckte das Urtheil eines zwar gehässigen, aber kundigen Zeitgenossen über Richard, das sonst Bezeugtem theils gleich lautet, theils nicht widerspricht; „licet fuisset mediocriter literatus, volens tamen magnus clericus reputari, recollegit libros“. Ein mediocriter literatus konnte damals kein Philobiblon schreiben, wenigstens nicht ohne Hilfe eines Schriftstellers von Fach. Nun melden einige Hss., deren Verwandtschaft leider Hersg. nicht erforschte, schon im 14. Jahrhundert: der berühmte Caplan Richard’s, Robert Holcot, edidit (composuit, compilavit) Philobiblon nomine [206] (persona) episcopi. Manche Literarhistoriker (Denifle) schreiben demgemäss das Werk Holcot zu. Thomas findet jedoch den Stil des letzteren verschieden vom Philobiblon, das ja auch stark autobiographischen Charakter trägt. [Wäre letzteres durch die Maske erklärlich, so würde doch selbst unter ihr ein Dominicaner, wie Holcot war, den Predigerorden schwerlich tadeln, wie Cap. 6 thut.] Er sagt, die frühesten Hss. nennen als Verf. nur Richard in der Ueberschrift und alle nur ihn im Explicit [s. dagegen p. lxxv]; vielleicht sei Holcot der Schreiber gewesen [oder der Herausgeber?. Zum Schluss gibt sich nämlich der Tractat, offenbar in der Sprache des Verfassers, als „completus in manerio nostro de Aukeland 24. Jan. 1344/5, aetatis nostrae 58, pontificatus nostri 11“. Trotzdem kann der vorhergehende Satz „Explicit Philobiblon Ricardi quondam episcopi Dunelmensis“ erst nach dessen Tode, schon 14. April 1345, geschrieben sein]. Vgl. Pollard, Ac. 27IV89, 281; CBl. 1889, 1081; DZG II, 550; C. R., Ath. 15VI89, 752 zweifelt nicht an Richard’s Verfasserschaft; Thomas (*The library 1889, 885) lehnt sie jetzt ab ; CBl. f. Bibl. 6, 521 ; G. Kaufmann, der ib. 337 das Philobiblon literarisch analysirt, halt Holcot’s grösseren Antheil daran für wahrscheinlich.

Kurze Mittheilungen über die Literatur von etwa 1887—89, zur Geschichte Englands von der Normannischen Eroberung bis auf Edward I.

Ein Stern vor dem Titel bedeutet, dass Ref. das Buch nicht selbst eingetehen hat. Die Angaben über Format und Seitenzahlen sind wie in der Bibliographie behandelt. Bei manchen Zeitschriften, wie Ath., ist das Datum angegeben in der Form 2XI89 für 2. Nov. 1889.

Bibliographie. Allgem. Urkundennachweia. Chronologie. Mme. N. N. Oursel, Nouvelle biographie Normande (3 Bde. Par. ’86) gibt 6500 Nummern, unter denen zwar viele die Zeit der Verbindung mit England betreffen, aber theilweise (nach Stichproben: Guillaume, Henri) auf veralteter Literatur beruhen. Immerhin ein Fortschritt gegen Frère! Dankenswerth für die Historiker Englands ist das Buch wegen Angabe der Schriften grösser Normann. Alterthumsforscher, wie z. B. L. Delisle’s.

— Artikel über den Franzos. Besitz Engl. Könige werden katatalogisirt von de Lasteyrie et Lefèvre-Pontalis, Bibliographie génér. des travaux histor. et archéolog. publiés par les sociétés savantes de la France. I: Ain-Gironde. Paris ’88. 4°. — Die British record society will Phillimore’s Index Library, worin 220 000 Archiv-Citate gesammelt wurden, fortsetzen; Ath. 2XI89, 601; vgl. p. 709. — T. D. Hardy, Syllabus in English of Rymer’s Foedera, III: Appendix and Index (’85 nach dem Tode des Vfs. erschienen), enthält eine alphabet. Liste der Namen (und dazwischen einiger Gegenstände), die im Syllabus vorkommen. Dieser (’69.73) gab kürzeste Auszüge aller in Rymer’s 20 (bez. 9) Folianten stehenden Urkunden von 1066-1654. Zum Texte dieser letzteren selbst einen Index anzufertigen, wäre allerdings kaum ausführbar; was nun aber vorliegt, ist nicht viel [207] mehr, als ein Register der Absender, Empfänger, Ausstellorte und für jede Urkunde Eines Stichnamens, und auch dies nur sofern neben dem Amte der Eigenname vorkam. Diesen zu suchen oder nach Ordnungszahlen zu bestimmen, hat man sich wenig Mühe gegeben. Wissenschaftlich werthvoller ist die vorangehende Verbesserung von über 800 Datirungen Rymer’s und höchst beachtenswerth der summarische Katalog aller Archivalien-Abschriften, die für die Neuausgabe des Rymer in Britannien und auf dem Festland (auch in Deutschland und Rom) gefertigt, ungedruckt und nur theilweis in Appendix to the Report on Rymer’s Foedera verzeichnet, jetzt im Public record Office benutzbar liegen. Sie umfassen c. 1060-1722, betreffen häufig festländische Geschichte, auch des Deutschen Reiches. — * Ancient Charters, royal and private, prior to 1200. Ed. J. Hor. Round (Pipe roll soc., ’88, leider nur für Mitglieder), druckt 70 Originale, die er sorgfältig datirt und gelehrt erklärt. Davon betreffen zwei Verpfändung, andere Familien-Fideicommiss, Landübertragung des Mannes an die Gattin, Entwicklung der Ritterlehen, Jüdischen Wucher, den Streit mit den Bischöfen 1139. Hersg. handelt auch über Inrotulirung und Duplicate königlicher Urkunden in der Kanzlei und über Fälschungen. So Law quart rev. Oct. ’89, 484; Ath. 20VII89, 96. [Round ist jetzt der vorzüglichste Erforscher Anglonorm. Gesch.: er entdeckt Wichtigstes, wirft bedeutende Fragen auf, prüft die Literatur scharf, schreibt kurz und genau, meist in Zeitschriften, und verschmäht Wiederholung des Bekannten.] — Ch. V. Langlois, Les documents rel. à l'hist. de France au Public record office à Londres (Paris, Leroux; Extr. des Arch. des Missions, 3 s. XIV; 25 p.) ist allen, nicht bloss Franzos., Benutzern des Engl. Staatsarchivs [neben oben II, 482] zu empfehlen. Er verwerthet neueste Literatur und vermerkt, wo man Wegweiser, Kataloge und Register der Riesensammlangen findet; von den 48 Folianten Annual reports of - - Records hat er dazu grossentheils den Inhalt classificirt. Manche Abschriften oder Auszüge in Hss. weist er aber auch ausserhalb des Archivs zu London nach. Ferner überblickt er die Arbeiten von Bréquigny und Delpit, als deren Nachfolger er 1888 für die Französische Regierung im Londoner Archive arbeitete. Im Record office liegen die Abschriften der Britannien betreffenden Urkunden seit dem 13. Jh. aus dem Vatic. Archiv, namentlich päpstlichen Regesten, und Rom. Bibll.; einiges Nähere s. EHR Oct. ’89, 810. — J. B. card. Pitra, Analecta novissima spicilegii Solesmensis; altera continuatio I. De epistolis Roman. pontificum (Tusc. ’85) bespricht p. 307 diese Abschriften und druckt Innocenz’ III. Befehl, die Engl. Klöster (exemte unter Aufsicht des B. von Durham und des Abtes von St. Edmund’s) zu reformiren, vom 15II 1202, und Brief an Englands Klerus betreffend Peterspfennig, vom 31XII 1205, und p. 512, Privileg für St. Andrews 1206. II. Tusculana (’88) bringt p. 321 Notizen zu des Odo von Châteauroux Untersuchung behufs Heiligsprechung des Richard von Chichester, p. xlij einen Brief des Abtes Odo von Ourscamp an Thomas Becket mit einem Geschenk (einem geistlichen Werk des Schreibers?), worin der Wunsch: „möget ihr bald Euren Satan (Heinrich II.) zertreten!“ — Hauréau, Journ. Sav. ’88, 609 bespricht aus [208] diesem II. Bande die Werke Bertran’s de la Tour. Diesem mit Unrecht werde zugeschrieben ein Speculum laicorum, dessen Vf., Johann von Hoveden, Kaplan der Mutter Edward’s I., in einigen Hss. genannt sei. — Die Stuart-Ausstellung im British Museum zeige aus dem MA. Briefe Jacob des II. und des III. an Karl VII., bez. den Kühnen, Siegel der Könige seit 1371 und ihrer Ahnen seit Walter, filius Alani dapifer (= stuart) regis 1170, Gedichte Jacob’s I. von Schottland; Ath. 5189, 17. — Ein Index der Namen der Englischen Parlamentsmitglieder von 1213-1702, mit Nachtrag bisher vergeblich gesuchter, steht in einem *Blaubuch, das Antiq. July ’88, 33 erwähnt. — *W. D. Selby, The jubilee date book. The regnal years of the kings and queens of England from William the Conqueror to Victoria (’87) bringt auch Kalender, Heiligentage, Königstitel , Siglen der Urkunden [Tr. Bristol archl. soc. 11, 183] und wird als nützliches Handbuch gerühmt von L. T. S[mith] Ac. 17VIII89, 103, die auch einen Nekrolog auf den Verfasser [vgl. DZG II, 537] gibt.

Urkundensammlungen einzelner Gegenden. Für die Provinzialurkunden Grafschaftsarchive zu errichten, schlug die Incorporated law society vor; Ac. 23III89, 202. — Th. F. Kirby, The alien priory of Hamble [Tironenser bei Southampton] mit Urkk. v. 12.-14. Jh., Archaeola. L (’87) 262. — R. Sims, [17] Cartularies of religious houses .. of Lewes [Battle, Durford, Bayham, Boxgrove, Sele] (Jl. Brit. archl. ass. 42, 355) in London und Oxford, vom 12.-15. Jh. Von den Urkunden für Lewes druckt Verf. 20, Brighton und Atlingworth betreffende, von Ende 11. bis Anfang 14. Jh., ab aus Ms. Cotton Vesp. F. XV, 1444 geschrieben. — *J. P. Yeatman, Sir G. R. Sitwell and C. J. S. Foljambe, The feudal hist. of the county of Derby, chiefly 11-13 cties, beginnen (laut Tr. Bristol archl. soc. 11, 174) mit Abdruck der Staatsarchivalien, auch ungedruckter. — *Im Journal of the Derbyshire archaeol. and nat. hist. soc. VII-X (’87) erschien Calendar of the Fines for the county of Derby from .. Richard I. - 42 Henry III. (in Band IX) ed. W. H. Hart. Es sind Landübertragungen, in Form der Beilegung eines Scheinstreites, vor dem Königsgericht. Sie dienen der Orts-, Familien-, Rechts- und Beamten-Geschichte. — J. A. Sparvel- Bayly, Hadleigh castle, Essex (Antiq. 19, 202) ward erbaut von Hubert de Burgh, Graf von Kent, stark erneuert unter Edward III. Hit Uebersetzung von Archivalien 1227-1552. — *Th. Dickson, Register of Lindores abbey, a 13th. cty. Scottish ms. at Caprington castle, Proc. Soc. Antiq. Scot., 1887, 148. — *Commission of histor. mss. XI, app. 3 classificirt die Mss. von King’s-Lynn seit 13. Jh., die wichtig für Gesch. der Parlaments- und Stadtrathswahl, wegen deren Kosten und Aufregung die Krone, z. B. Heinrich V., interveniren muss. — A. Holt, The old palace of Westminster, Archl. R. I, 143 gibt Auszüge aus den Rollen 1243-1469, die die verschiedenen Gebäude, Gemächer und innere Einrichtung des Palastes betreffen. — W. Sp. Simpson druckt und erklärt Inventories of the Cathedral of London 1245 and 1402 (Archla. L, ’87, 439), knüpft an den Baculus stultorum eine Erörterung über das Narrenfest zu Innocentes. Für Ritualschmuck und Liturgie, die Bischöfe von London und [209] fürstlichen und literarischen Donatoren ist manches hier zu schöpfen. Unter ersteren begegnen Beatrix von Provence und Thomas von Flandern (Matter und Oheim der Königin), unter letzteren Richard Fitz Neal, Diceto, Peter von Blois, ßwereford. — *Calendar of wills proved and enrolled in the court of Hastings, London. Ed. Reg. R. Sharpe. I: 1258-1368. (for the Library committee, Guildhall) ’89. [Vgl. DZG 2, 231.] Der Gerichtshof entstamme der Dänenzeit, führe seinen Namen (Hausding) zwar im Gegensatz zum Thing im Freien, wird aber jetzt meist angewandt für Parlamentswahlversammlungen im Freien. [Ath. 13VII89, 61 kennt eine Landübertragung „coram hustingo in domo“ unter Heinrich I.; anders erklärt u. A. Dasent.] Andere 6tädte haben dasselbe Gericht [nach Ath.: Winchester z. B. nicht durch Uebertragung Londoner Verfassung, und Oxford neben dem Portmannimot]. Die Entstehungszeit[WS 1] kann aus der [um 1300 interpolirten] Stelle in Leges Edwardi Cf. nicht gefolgert werden [liegt aber jedenfalls vor Heinrich I., dessen Charta Lond. 8 f. Hustings neben Folkesmot erwähnt]. Stubbe hält es für eine Bürgerversammlung, dagegen die meisten mit Sharpe für das Grafschaftsgericht. Es war Londons einzige Court of record. Die erste Inrotulirung von Urkunden datirt von 1252. Schon damals dient das Gericht der Kundmachung von Landübertragungen; die Verhandlungen betreffen Geschäfte und Rechtsstreite über Grundbesitz (sie reichen von 1272-1724). Hauptsächlich aber wurden hier Testamente auf Eid zweier unterschriebener Zeugen publicirt; über 4000 solcher Testamente sind inrotulirt, von 1258-1688; dieser Band excerpirt etwa 2500. Die Reihe ist fast die älteste unter Englands Testamenten. [Mindestens einige waren vorher vom kirchlichen Gericht eröffnet; und da viele der Stücke nur Auszüge aus Testamenten mit Bezog auf London sind, so war die Hustings-Inrotulirung vielleicht keine richterliche Anerkennung (Probate), sondern nur vergleichbar der Inrotulirung der das Lehen angehenden Testamentsauszüge auf Lehenshofrollen; Ath.] Im Jahr des Schwarzen Todes 1348/9 erscheint eine besonders hohe Zahl von Testamenten, manchmal von Vater und Sohn, Mann und Frau zugleich; ganze Familien starben also aus. Die Testirfreiheit war für den Bürger länger als für andere beschränkt (mindestens ein Drittel des beweglichen Vermögens erhielt die Frau, mindestens ein Drittel die Kinder); er durfte aber Jahrhunderte vor anderen Engländern über Land gleichwie über Fahrhabe verfügen, sogar an die todte Hand. Neben der Orts-, Gesellschafts- und Stiftsgeschichte (Oxforder Collegien sind 1289 und 1325 bedacht) gewinnt die Genealogie hier mancherlei: Kaufleute von Lucca und Florentiner Fulberti kommen vor. Richard Chaucer, der 1349 starb, scheint des Dichters Stiefgrossvater. Die Aldermanschaft war im 13. and 14. Jh. ein Recht, das man vermachen und verkaufen konnte: Sharpe zeigt dies am Farringdon-Ward. [Sat. R. 22VI89, 770 geht auf die Familie Farndon und andere Londoner Genealogie und Namensgeschichte ein und rühmt, wie Ath., Einleitung und Textherstellung, Ac. auch den Index. Der Gerichtshof tagte zuletzt 1886, kommt jetzt ausser Brauch, so dass die Stadt neuerdings vorschlug, ihn abzuschaffen; Ac. 1VI89, 374.] — *F. C. Hingeston-Randolph, Registers of the diocese of Exeter: [210] Walter Bronescombe, Peter Quivil [1280-91], Thomas Bytton [1257-1307] bishops, (’89) wird gelobt Ath. 24VIII89 , 254 wegen stoffreicher, sorgfältiger Erklärung und kritischer Schärfe. Nach diesem wichtigen Register, dem frühesten Exeters, erhielt Henry de Brattone, der Verfasser des Rechtsbuchs Bracton schon 1259 bezw. 1261 die Pfründen Combe und Bideford. Archl. JL 46,290 betont die Wichtigkeit des Werks für G. Cornwall’s, Devon’s und der Cultur. Dublin R. July ’89, 223 rühmt Index und Itinerar der Bischöfe; manche jetzt verfallene Kirche und sonst vergessene Heilige kommen hier im 13. Jh. vor; der Bischof entfaltete grosse Thätigkeit: Walter weihte in 9 Jahren 88 Kirchen. — Schon vorher druckte derselbe *Hingeston: The register of Edm. Stafford bishop of Exeter 1395-1419. Laut Tr. Bristol archl. soc. 16, 342 enthält es Bepfründungen, Weihen, Testamente, Privilegien, Bullen, Untersuchungen, Besteuerung zum Kathedralbau, Erlaubniss für Kirchengründung, Heirath, Abwesenheit vom Amt. Hrsg. ordnet die Auszüge aus dem Register alphabetisch nach Personen und Gegenständen und gibt Wichtiges wörtlich. — *Records of the borough of Nottingham I-IV ed. W. H. Stevenson, laut Ch. Elton Ac. 12X89, 229 Auszüge aus dem Stadtarchiv mit trefflichem Glossar von Raine, das manche Alterthümer der Selbstverwaltung erhellt. Elton führt die verschiedenen Ansichten über das Verhältniss zwischen Gilde und Stadtgemeinde an; die Vorrede erweise eine Anzahl von Beispielen ihrer wenigstens schliesslichen Identität. So heisst auch in Nottingham die Versammlung, die über Verwaltung und Gesetz der Stadt entscheidet: Kaufgilde. Eine Demokratie beherrschte Jahrhunderte lang die Stadt, bis 1446 ein oligarchischer Rath, ursprünglich ein Bürger-Ausschuss, die Macht erhielt; ihm traten die 4 durch die Krone 1399 patentirten Friedensrichter bei, die dann zu Aldermen wurden. Ueber den 12 lebenslänglichen Rathsmitgliedern steht der Mayor.

Siegel. *A. B. [†] u. All. Wyon, Great seals [vgl. DZG 2, 223; 322] laut Archl. Jl. 45 (’88), 97 aus über 2000 Charters zusammengestellt. Durch Uebergabe des Grosssiegels setzt der Monarch den Kanzler ein; dieser ist für den Gebrauch, der Siegelbewahrer nur unter ihm für die Aufbewahrung des Siegels verantwortlich. Unter Elisabeth verschmelzen beide Aemter. Die Ordnungszahl hinter dem Königsnamen des Siegels erscheint unter Heinrich VIII. Die Reihe beginnt mit Offa, Coenwulf, Eadgar [die nicht hierher gehören] und ist ununterbrochen seit Edward dem Bek., der sich Basileus betitelt. Dei gracia führt der [auch sonst pomphafte] Wilhelm II. ein; nur [der titulare] Heinrich (III.) entbehrt es. Der Monarch erscheint vorn sitzend, seit 1217 auf einem Thron, seit 1327 mit Baldachin, und auf der Rückseite zu Pferd. Das Siegel der Mathildis D. g. Romanorum regina (s. DZG 1, 463) sei Deutsch beeinflusst und kunstvoller als Stephan’s. Heraldik beginnt mit Richard I., dessen Leoparden wahrscheinlich der Grossvater Gottfried von Anjou geführt hatte. Bisweilen scheint Porträt versucht: Wilhelm I. zeigt den Hängebauch, Richard I. die schwere Kinnlade, Heinrich III. anfangs Knabenzüge, dann die Schönheit, die auf Torelli’s Denkmal bisher als Idealisirung galt. Dominus Hibernie steht seit [211] Johann im Titel. Während die Barone das Grosssiegel besassen, brauchte Heinrich III. ein kleineres. Seit 1360 tritt Gothische Schrift auf; unter Edward das Absenzsiegel neben Präsenzsiegel. Die Kette für das Schwert auf dem Brustpanzer, die um 1350 aus der Tracht verschwand, bleibt auf dem Siegel noch um 1450. Am schönsten ist das Siegel von 1360, das mit Aenderungen bis 1408 dient und spätere Formen bis 1461 beeinflusst. Bisweilen ward ein besonderes Siegel nur für Eine Gelegenheit angewendet, so von Richard II. für die Quittung über Isabellen’s Mitgift 1396. — A. C. Bickley Antiq. 19, 100, zieht Wyon aus. — All. Wyon, The Great seals of Scotland (Jl. Brit. archl. ass. ’89, 95; 111; 235). Das frühest bekannte stammt von Duncan II. (seit 1094). Von Anfang an hängen die Siegel, seit 1107 sind sie zweiseitig (Gegensiegel). Der König heisst stets Rex Scottorum, anfangs Deo rectore, während später Dei gratia, von Johann Balliol eingeführt, von Bruce [als Englisch?] aufgegeben, seit David II. stetig bleibt. Auf dem Reitersiegel trägt der König anfangs die Lanze, seit 1214 das Schwert. Auf dem Thronsiegel hält Eadgar ein Schwert in der Scheide und heisst Basileus: beides Züge vom Siegel des letzten der Westsachsenkönige [denen Eadgar’s Mutter, die überhaupt Schottland Englisch reformirte, entstammte]. Der steigende Löwe erscheint als Wappen unter Alexander II., und der jetzige Saum erst um 1290. Im 13. Jh. tritt der Einfluss Engl., dann Franzos. Kunst, 1364 auch Italienischer auf; damals arbeiten zwei Florentiner Stecher in der Schott. Münze. Das Grosssiegel von 1414 diente 125 Jahre lang (das Englische von Brétigny nur 111). Edward I. von England braucht ein besonderes Sigillum ad regimen regni Scocie deputatum. — [J. Wordsworth] Bishop of Salisbury, Seals of the bishops of Salisbury, Archl. Jl. 45 (1888) 22, seit Mitte 12. Jhs. Das Rationale (λογείον), das Metallschild unter dem Halse des Bischofs, begegnet seit 1189 ein Jahrhundert lang, ein Baldachin und die Krönung Mariä (sonst in England seit 1237 nachweisbar) seit 1289, [im Maasswerk Eselsrücken und Fischblase seit etwa 1330]. Sobald Edward III. [1339] Frankreichs Lilien ins Wappen aufnahm, liess der Bischof auf seinem Siegel solch ein Schild, am Cathedralpfeiler hängend, darstellen: ein Compliment vor dem König.

Kirche nach 1066. D. L., The [Anglonorman] church after the conquest (Dublin R. Apr. ’87, 306) behandelt vorzüglich die Hierarchie; er stellt übertreibend Lanfranc’s Nachgiebigkeit im Staatskirchenrecht als die Vorbereitung zur Trennung von Rom hin. — [Derselbe ?] Anonymus bespricht (Jan. ’88, 224) *Alb. Du Boys, L’église et l’état en Angleterre depuis la conquête des Normands jusqu’à nos jours (Lyon ’87), worin Lanfranc, Anselm, Thomas von Canterbury biographisch behandelt sind. — D. L., „Stubbs [Seventeen lectures on - - mediaeval - - hist. ’86, höchst bedeutend, auch für Methodologie] on English ecclesiastical law“ (Dublin R. Oct. '87, 360), übertreibt erst Stubbs’ Ansicht von der Romfreiheit und Einheitlichkeit des Englischen Rechts, um sie dann anzugreifen. Dass Angelsächs. Urkundenwesen auf Röm. Formen fusst, Römisches Recht im Rom. Britannien galt, theoretisch im 12. Jh. in England eindrang und [212] später in Kanzlei-, Admiralitäts- und Kriegsgericht herrschend ward, bestreitet Niemand. Dass die Schreiber Ags. Urkunden oder die Beamten der ersten Normannenkönige Römisches Recht studirten oder gar befolgten, geht daraus keineswegs hervor. Frucht brächte hier nur der Nachweis im Einzelnen, wieweit Römisches Recht in das staatliche Englands eindrang (s. DZG 2, 211). Gänzlich misslingt der Angriff auf Stubbs’ meisterhafte Ansicht von Heinrich II. [Fournier, Officialités au moyen âge, 1881, wird in England nicht benutzt.] Dass Roms canonisches Recht (also mit Appell an die Curie) im kirchlichen Gericht Englands namentlich seit dem 13. Jh. galt, dass kirchliche Heisssporne es als souverän behandelten, leugnet ebenfalls Niemand. Stubbs kann nur meinen, dass der Staat, wenn auch stillschweigend, das Recht behielt, die Geltungsgrenze der fremden Gewalt in England zu bestimmen, wie er es ja thatsächlich gegen Rom öfters übte. Dagegen ist (gegenüber dem allzu Anglicanischen *„Report of the commissioners appointed to inquire into the - - ecclesiast. courte“) D. L. zuzugeben, dass Roms Decretalen im inneren, den Staat nicht berührenden kirchlichen Leben Englands souverän (d. h. ohne nationale Bestätigung) galten, dass im Besondern Canterbury 1281 frühere Beschlüsse der Legaten nur wiederholen, nicht erst ratificiren durfte. Das Provinciale Lyndwood’s (unter Heinrich V.) galt als Privatsammlung aus bestehendem Recht, nicht als Codex, geschweige dass es Recht geschaffen hätte. — Henry Ch. Lea, A hist. of the Inquisition of the MA [vgl. DZG 2,232; 282. 3, 148] berührt nur nebenbei England, wo die Inquisition nie rechten Boden fand. Der Glaube an Ueberirdisches in unchristlicher Form blieb dem Volke auch hier, u. a. weil die Kirche nur unvollkommen Heidenthum und Beschwörungen überwunden hatte: Gregor I. liess Tempel und Feste nur äusserlich katholisiren, und Patrick’s „Lorica“ galt als Zauberschutz (III, 400). Angelsächs. Gesetze bestrafen zwar die Hexerei (413) und später sogar theilweise [doch wohl nur die angeblich todbringende] mit Tod (420), schweres Verbrechen mit Einziehung des Vermögens (I, 503 ; 523), die unfreie Diebin mit Verbrennung (235). Dennoch kommt im 12. Jahrh. nichts von verbrannten Ketzern oder Hexen vor. [Wilhelm’s I. Benutzung einer Zauberin gegen Ely (III, 420) ist Sage.] Heinrich II. bewies 1166 gegen Ketzer [doch keine grosse] Strenge, um seinen kirchlichen Gegnern keine Blösse zu geben (I, 114) und erliess zu Clarendon das (hier seit Roms Fall erste) weltliche Gesetz gegen Ketzer. Juristen stellten allerdings im 13. Jh. den Feuertod als Ketzerstrafe hin; allein er traf nur [1210 Jemanden und] 1222 einen Apostaten und blieb dem Common law noch fremd. Synoden verdammten zwar 1277, 1286, 1368 theologische Irrlehren, fanden aber wahrscheinlich Niemanden zu verurtheilen (I, 352). Auch die Zauberei verschwand aus dem Strafrecht über zwei Jahrhunderte (III, 427), bis der kirchliche Kyteler-Process 1325, da Zeugniss durch die Peitsche erpresst ward, mit Scheiterhaufen endete, während weltliches Gericht die der Zauberei Bezichtigten noch freisprach (458). Die päpstliche Inquisition hatte in der königl. Assise zwar ein Prototyp (I, 311); aber nur einmal, gegen die Templer, arbeitete sie in England durch ihre Tortur mit Erfolg; das Landrecht, dessen Strafprocess den Angeklagten schirmte (I, 447; 488), [213] hätte ihnen nicht wehgethan (III, 298 ff.)i und Edward II. machte ausdrücklich die Kirche für diese Verfolgung verantwortlich, begehrte dann aber einen Beute-Antheil (331). Erst gegen Ende des 14. Jhs. kommt der Umschwung: freilich erbat der emancipirte Staat nicht mehr Roms Inquisition gegen Wiclifs Nachfolger, sondern forschte von sich aus nach Ketzern. Die Lancasters beginnen dann die Gesetzgebung „De haeretico comburendo“, theilweise um den Klerus ihrem Thronraub zu versöhnen (I, 352). Erst allmählig fügt sich das Landrecht auch der Hexereiklage; meist dient diese noch der Politik (III, 466), so gegen Johanna Darc (338). Von Englischen Literaten citirt Vf. den Johann von Salisbury, Peter von Blois (418), Gervas von Tilbury (494), Adam de Marisco, Bacon, Wiclif [Berengar’s und Roscelin’s Beziehung zu Wilhelm I. und II. und Gerhard von York sind nicht erwähnt]. — Nissl, Der Gerichtsstand des Klerus im Fränk. Reich (Innsbr. ’86; vgl. Luschin v. Ebengreuth MIÖG 8, 321) p. 48 zeigt, dass die Kleriker in weltlichen Strafsachen weltlicher Strafgewalt im Frankenreich unterstanden, dass also im 12. u. 13. Jh. in Frankreich und England der Staat nicht gegen ein schon bestehendes kirchliches Privileg kämpft, sondern nur sein Mangels Uebung vergessenes Recht vertheidigt. Erst aus diesem Kampf entwickelt sich die Exemtion der Geistlichen von weltlicher Strafgewalt. Dass der im kirchlichen Gericht Degradirte nun auch weltliche Strafe, selbst den Tod, litt [was Becket nicht dulden will, weil es doppelte Strafe sei], erscheint ebenfalls als Fränkisches Recht p. 84; 130.

Verfassung und Recht. *Boutmy, Le développement de la constitution et de la société polit. en Angleterre ’87. — *The origin and hist. of the High court of Justiciary [im Schott. MA.], Jl. jurisprud. and Scottish law XXXI, Febr.-Apr. 1887. — *E. A. Freeman, Ueber den Unterschied zwischen City und Borough in Macmillan’s Magazine May ’89. — Zur 8tadtentwicklung, besonders Carlisle’s, seit 12. Jh. erforscht Einzelnes Rich. S. Ferguson, Municipal offices, Antiq. XIV, July-Dec. ’86. — J. H. Round, The suitors of the County court, Archl. R. II, 66, stimmt Maitland [s. o. II, 230] zu, dass die Pflicht im Grafschaftsgericht zu erscheinen nicht an allem, sondern an gewissem Freehold haftete. Aber auch diese Güter trugen die Last nicht, weil sie Freehold waren, sondern vermutlich, weil auf sie devolvirte die einstige Pflicht jedes Dorfes, zum Grafschaftsgericht vertreten zu sein entweder durch den Herrn (bezw. dessen Amtmann) oder durch den Dorfpfarrer mit Schulz und vier Abgeordneten. Diese zwei Elemente des Grafschaftsgerichts, das baroniale, persönliche, und das bäuerliche vertretende, sind scharf zu unterscheiden; nur das erstere fungirte als Richter; und zu ihm zählt der Libere tenens um 1215-1281, der also höher steht als der spätere Freeholder (Freisass) und vielmehr Rechtsnachfolger ist der Barones comitatus qui liberas in eis terras habent in Leges Henrici I, 29,1. — G. H. Blakesley, Manorial jurisdiction (Law QR Apr. ’89, 113) knüpft an F. W. Maitland’s[8] Einleitung zur Ausgabe der *Placita in curiis magnatum Anglie [214] (Lond. for the Selden soc. ’89) an. Noch im 14. Jahrhundert braucht das Manerium nicht, wie das heutige Manor, nothwendig, mindestens zwei Freisassen als Lehensleute zu haben. Der Lehensherr besass Gerichtsbarkeit nicht weil sein Gut ein Manerium war, sondern weil das Lehnrecht theoretisch dem Herrn Gerichtsbarkeit über den Mann verleiht. [Umgekehrt: die Theorie ist später! Wo Vf. Festländisches berührt, fehlt die neuerer Literatur zu verdankende Klarheit.] Freilich wirkte dieser Theorie entgegen 1. häufige Rechtsunkenntniss des Herrn, 2. die Krongerichtsbarkeit, die zuerst Strafrecht, Berufung, Processeinleitung an sich zog, 3. Pflicht und Recht der Lehensleute im Lehenhof mitzuwirken [er meint: Urtheiler zu sein, im Unterschied vom Gerichtsherrn]. Vf. führt Quellen seit 11. Jh. an zum Beweis, dass die Gerichtsbarkeit an jedem Herrenverhältniss und nicht an dem Maneriam hänge, und erörtert p. 127, wie im 13. Jh. sich der heutige Sinn von Manor entwickelte. Er billigt Maitland’s Ergebniss, die Court baron habe rein feudalen Ursprung. Dann seien aber Court leet und Customary court für die Nicht-Freisassen nicht feudalen, sondern erst nachfeudalen Ursprungs, da hier nicht die Pares Richter sind. [Sicher schloss die mittelengl. Gerichtsbarkeit des Herrn über die Bauern theilweise an das schon Angelsächs. Hofgericht an.] — Ch. V. Langlois, Les origines du parlement de Paris, RH 42 , 74, vergleicht das Französ. Königsgericht mit dem früheren Englands, das er aus bester Literatur darstellt. Im MA. datirt [fast] jeder Verfassungsfortschritt Englands von einer bewussten Handlung, während in Frankreich die Uebergänge sich unmerklich, namenlos vollziehen: die Neigung zur willkürlichen Aenderung der Zustände war also damals grösser in England als in Frankreich. Die Allmacht der Anglonormann. Krone ermöglicht die frühe Organisation des Königsgerichts, dem sein guter Process Freunde wirbt, die gerne dafür zahlen. Das Gericht über Johann 1202, dessen Urtheiler wir nicht kennen, war wahrscheinlich eine gewöhnliche Assise des Franz. Königsgerichts. Freilich beginnen damals höhere Pairs zu fordern, dass nur Urtheiler ihres Ranges (nicht oder nicht bloss königl. Beamte) im Königsgericht über einen von ihnen richten. Allein nicht die Krone schuf sich selbst solche Beschränkung; und nicht von 1202 datirt das Pairsgericht, geschweige die Zwölfzahl der Pairs. Seit 1264 ist Aquitanien als Pair nachweisbar. Das Wort Parlament (und Pairie, d. i. Anspruch auf Antheil daran) kommt in Frankreich und England fast gleichzeitig auf; dort bedeutet es Sitzung der kgl. Justiz, hier des Nationalraths: so verschieden wie diese Bedeutung verläuft die Verfassungsgesch. seit dem 13. Jh. dort und hier. — Der Normanne trägt seinen Geschmack für Processwesen und Aufzeichnung von Gerichtsprotokollen und Rechtsbüchem nach England, das Frankreich daher hierin [ebensowie mit dem Institut der Reiserichter] um ein Jahrhundert voraufgeht. Anglonormann. Gerichtsschreiberbrauch zieht nach Frankreich ein, als dies die Normandie annectirt. Merkwürdigerweise werden gleichzeitig das Pariser Parlament und Common

[215] pleas von Bagatellsachen 1278 entlastet; ebenso ähneln die Französ. Verordnungen von 1274/8 dem Statat von Westminster 1275. In beiden Ländern geht die Rechtsprechung der Krone nicht ganz durch das Erstehen regelmässiger Gerichte verloren: der König übt weiter daneben eine ausserordentliche Rechtsprechung mit seinem Geheimen Rathe. Aus diesem zweigt sich später in England das Kanzleigericht, in Frankreich die Commission des Grand conseil unter Vorsitz des Kanzlers ab, beide dem ordentlichen, älteren Königsgericht übergeordnet und feindlich. In England aber entzog sich letzteres (Common pleas und Königsbank) seitdem dem Vorsitz des Königs ganz, während in Frankreich das Lit de justice noch im 18. Jh. möglich blieb. Aus Höflichkeit für Edward I., der in Paris sich durch Fr. Accurs vertreten liess (wie Heinrich III. durch Passelewe), wohnt Philipp III. 1279 dessen Processe bei. — Halimot erklärt W. H. Stevenson (Ac. 29VI89, 449, gegen neuere Ableitung von Holymoot, Lehnshof des heiligen Kirchenpatrons) wie bisher als Hallenversammlung; das i (y) sei das Ags. ge. Seit Anfang 13. Jhs. begegnet dies Lehnshofgericht häufig und keineswegs bloss auf Kirchengut. Auch die Londoner Bäckergilde tritt im Halimot zusammen, das schon in irriger Etymologie als Curia sanctimotus übersetzt wird. Wie Leet ursprünglich Ostanglisch, sei Halimot vielleicht nur Westsächsisch-Mercisch [? s. o. p. 202]. — Die Anglonormann. Landübereignung, wonach der Donator die Qualität des erworbenen Besitzrechts bestimmt, so dass z. B. wenn er nicht der Urkunde „haeredibus“ hinzufügt, die Gabe nach dem Tode des Beschenkten ihm zurückfallt, behandelt Brunner, Landschenkungen der Merowinger, Berl. Ak. SB. ’85, 1176. Diese von Glanvilla bis Littleton belegte Germanische, nicht lehenrechtliche Donatio ist also ein weiterer Begriff als die Röm. Schenkung, sie begreift neben dieser auch die allein auf die Person des Beschenkten beschränkte Gabe in sich. — L. Owen Pike, Feoffment and Livery of Incorporeal hereditaments [Theilbefugnissen an Land], Law QR Jan. ’89, 29: obwohl Bracton an solchen Rechten Belehnung und Auflassung nicht zugibt, waren dennoch auch Renten im 14. Jh. deren Gegenstand. Wohl schieden schon die Rechtsbücher des 13. Jhs. die Uebertragungsform der körperlichen Dinge von der der unkörperlichen allein noch ohne klare Definition. Auch Nutzungsrecht an der Gemeinweide und Patronat konnten aufgelassen werden. — Dass Pike’s Hauptsatz ganz bewiesen sei, leugnet Mitglied der Seiden soc., Law QR. Apr. ’89, 219. — Fred. W. Hardman, The law of escheat (Law QR. 1888, 300) betrachtet die Gesch. des Heimfalls im Lehnrecht und der Verwirkung an das Staatsoberhaupt im Strafrecht seit 13. Jh. — F. W. Maitland, The beatitude of seisin [Besitz-Schutz] Law QR. IV (’88), 24. 286. Das 13. Jh. besass ein System von Besitzklagen, das schon bei Britton verwirrt, im Common law des 14. Jhs. nur spurenhaft erhalten ist. Die Selbsthilfe des Grundeigenthümers gegen den Occupanten seines Landes war, umgekehrt wie man erwarten würde, im 12. Jh. beschränkter als im 15., nämlich durch Heinrich’s II. Einführung dreier nicht germanisch-volksthümlicher Besitzklagen. Der König wollte damit vielleicht Geld ziehen und die Lehnsgerichte und das Band zwischen Herren und Vasallen [216] schwächen, indem der Besitzer seine Sicherheit königlichem Gesetz und Gericht verdankte; doch half ihm dabei die Volksmeinung, eingenommen für Ruhe und schnellere und leichtere Rechtspflege. Das Verfahren auf „neuerliche Entsetzung“ war summarisch scharf und konnte laut Bracton vom Entsetzten gegen den Eigenthümer nach bloss 4 Tagen ungestörter Occupation mit Erfolg angerufen werden. (Zu vergleichen ist [?] die Deutsche[9] Sessio triduana, die dreitägige Frist, innerhalb der die Lex Salica dem Verfolger seines gestohlenen Viehes das Beweisrecht zuspricht, und die Londoner Gilde den Eigenthümer von verirrtem Vieh entschädigt.) Der „Eindringling“ beim Todesfall des Besitzers erlangt dies Klagerecht gegen den rechtmässig nachfolgenden Eigenthümer erst, wenn er Jahr und Tag von diesem ungestört sass. Beschränkt war die Besitzklage von Anfang an auf Liberum tenementum, womit die Zeit Heinrich’s II. nur meinte den Gegensatz gegen Bauergut, das die Krone noch nicht der Patrimonialjustiz zu entziehen wagte; aber später verstand man liberum enger und schuf Raum für Einreden. Und Bracton schon schiebt als Sinn jener viertägigen Frist unter, der besitzlose Eigenthümer leide für seine Nachlässigkeit, dass er nicht wenigstens animo solo zu besitzen fortfahre (was er aus Missverständniss der Römischen Lehre möglich hielt); er bahnt den Weg zur späteren Auffassung, die zur Anwendung der „Neuen Entsetzung“ gegen den Eigenthümer einen immer strengeren Rechtstitel des Liberum tenementum fordert, bis endlich der Besitzer fast nie mehr sich damit gegen den Eigenthümer schützen kann. Dies erläutern Beispiele aus Gerichtsprotokollen von 1292-1376. Indem die Richter, verführt durch Anwaltkniffe, die Besitz schützende Klage auf „Neue Entsetzung“ aus dem Common law verschwinden liessen, ward man Ende 14. Jhs. durch Landoccupation aus Privatgewalt so beunruhigt, dass seit 1381 häufig Gesetze dagegen auftreten. Vf. untersucht zum Schluss scharfsinnig die Ursachen des Missbrauchs und Verfalls jener Besitzklage. — F. W. Maitland, Possession for year and day (Law QR July ’89, 253). Vf. entscheidet zwar nicht die Frage, wie der Rechtssatz entstand, dass der Jahr und Tag (d. h. bis zum Ding nach 1 Jahre) ungestörte Besitz zu Eigenthum werde oder doch Processvortheile gewähre, zeigt aber, dass Englisches Recht der Anschauung widerspreche, als hätten die Germanen vor Römischem Einfluss eine allgemeine einjährige Usucapio an Land gekannt: bei den Angelsachsen begegnet kein Jahr und Tag, keine Verjährung, im Common law keine kurze und keine absolute; Heinrich II. schützt Besitz ohne Rücksicht auf Jahr und Tag. Und die Rechtssätze mit Jahr und Tag, deren Vf. mehr als Coke verzeichnet, sind z. Th. nicht sehr alt, z. Th. deutlich aus Gesetz und Verordnung, nicht aus Volksbewusstsein geflossen: die Befreiung des Villans durch ruhiges einjähriges Stadtbewohnen entspringe z. B. dem Privileg der städtefreundlichen Krone. Freilich aber kommt Jahr und Tag in den sog. Gesetzen Wilhelm’s und Heinrich’s um 1100 und Stadtrechten des 12. Jhs. vor [vgl. Stubbs zu Roger Hoveden II, xxxviij]; dass Privilegien nach c. 1260 Jahr und Tag [217] nicht mehr erwähnen, liege daran, dass schon das Common law zu Bracten’s Zeit sogar den ungerichtlichen Besitz gegen Gewalt mächtig schütze. Vf. verzeichnet nun diese Jahr- und Tagsätze der Stadtrechte, erklärt sie aber so, dass sie nur den Besitz schützen, welcher im Stadtgericht aufgelassen sei. Auch diese Sätze seien also schwerlich ein Rest Angels. Rechts, vielleicht sogar erst Franzos. Stadtrechten nachgebildet; auch hier entspringe der Schutz einjährigen Besitzes gegen Gewalt und Klage erst aus der nicht uralten Landauflassung im Gerichtsbann. — F. Cypr. Williams, The terms real and personal in English law (Law QR ’88 , 394), bespricht die Abstammung und Bedeutungs-Abweichung der Englischen Namen „Real- und Personalklage“ von der Römischen Actio in rem vel in personam seit Bracton. Bei der Englischen Realklage verfügt das Recht über die beanspruchte Sache selbst, insbesondere Grundeigentum, bei der persönlichen nur über Schadenersatz. Der Executionsprocess bei dinglicher Klage findet sich bei Glanvilla, aber jene Distinction nicht. — John W. Salmond, The history of contract (Law QR ’87, 166): die Vertragstheorie des Englischen Rechts (12.-15. Jh. wird betrachtet) entwickle sich, nachdem Bracton’s Versuch Römische Rechtsgrundsätze darauf anzuwenden gescheitert, aus den drei Klagen auf Schuld, urkundl. Vertrag und Assumpsit (formloses Versprechen auf Causa hin). — Edw. Fry, Specific performance and Laesio fidei (Law QR Juli ’89, 235). Die specif. perf. (Versprechens-Erfüllung) ist einklagbar im Billigkeits-Gericht, während das gemeinrechtliche Gericht nur Schadenersatz für Vertragsbruch zuspricht. Vf. sieht im christlichen Verbot des Treubruchs den Ursprung kirchlicher Competenz für Klagen auf Erfüllung eines Treuworts. Es kam vor bei Heirath, Mitgiftland (nur gegen den Ausstatter verwendbar), Vertrag auf Eides- und Treuwort, beim Versprechen späteren Erscheinens für den beim Termin Entschuldigten, Versprechen späterer Zahlung ans Exchequer, bei politischen Versprechungen (Verfassungseiden, Thronfolgezusage Edward’s an Wilhelm I.). Ursprünglich stand das Treuwort neben dem Eide oder statt desselben; aber häufige Verbindung bewirkte, dass affidavit (einst = hat Treuwort gegeben) heut bedeutet: er hat schriftliche Erklärung beschworen. Ausser jenem Exchequer-Fall gehört der Bruch obiger Treuversprechen dem kirchlichen Gericht, das allen Verkehr, sobald ein Versprechen auf Treuwort dabei vorkam, an sich zu ziehen strebte. Seit den Clarendoner Constitutionen wehrt sich der Staat dagegen. Glanvilla erlaubt dem kanonischen Recht wohl geistliche Strafen gegen den Treubrecher, aber nicht die Entscheidung über den durch Treubruoh occupirten Laien-Besitz, Vf. citirt Fälle in denen Grundbesitz, obwohl auf Treubruch hin vom Kläger im kirchlichen Gericht einzuklagen versucht bezw. sogar erlangt, dennoch durch staatliches Gericht dem Gegner verbleibt. Also erst das Kanzleigericht, seit Ende 14. Jhs., ermöglichte, auf Erfüllung eines Treuversprechens zu klagen. — A. le Poittevin, Des droits de la fille ou du mariage avenant dans la coutume de Normandie [1583] NRH de droit 13 (’89), 257. Maritagium competens ist das Recht der durch die Brüder vom Erbe ausgeschlossenen Schwester auf Aussteuer durch jene. Dies betrifft Englisches Recht, nicht bloss weil dies theilweise eine Tochter des Normann. [218] ist; sondern Vf. citirt auch ausdrücklich Vergleiche mit England, so die Curtesy (Recht des Wittwers auf lebenslänglichen Niessbrauch vom Gute der Gattin, wo ein Kind geboren) und die Suspension der Personalität der Frau im Ehegatten. — Rud. Wagner, Handbuch des Seerechts I (Lpz. ’84), 48 ff.; 67 ff. bestätigt Twiss’ Forschung, dass nicht Richard I. das Seerecht von Oléron aus dem Mittelmeer mitbrachte. Es sei inhaltlich rein Germanisch, aus dem Oléroner Seegericht, wahrscheinlich im 12. Jh., entstanden. Die Englischen Zusätze entstammen dem Admiralitätsgericht und vielleicht Königsgesetzen des 13.-14. Jh. Sonstige Engl, und Schott. Seerechtsquellen des MAs. verzeichnet Wagner p. 72, die ältere Literatur darüber p. 101 f., 106, die neuere p. 109. — [Levin] Goldschmidt, Lex Rhodia und Agermanament; Z. f. Handelsrecht 35 (’89), 37, 321, zeigt, dass vielleicht schon im ältesten German. Rechtsgebiet Römisches Recht auf das Havereirecht einwirkte; eine Contributionspflicht findet sich aber auch im Norden, vielleicht originär. Für die Gesetze Wilhelm’s I. 37 f. führt auch Verf. 370 die unmittelbare Quelle nicht an; ein Schiffsrath, wie er (in German. Rechtsquellen seit 13. Jh.) den Schiffswurf erst legalisirt, begegnet hier noch nicht.

Römisches Recht. Conrat (Cohn), Röm. Recht [s. ο. II, 275] 1, 14; 60; 224; 232 leugnet mit Recht dessen Spuren in Angelsächs. Gesetzen, oder in Lanfranc’s Werken, weist einige nach in Bussbüchern, Bonifaz und der Synode von „Calchut“ [Chelsea; (Haddan and) Stubbs, Counc. III, 445, übergeht manches, was ich oben II, 212 erwähnte], führt die der Leges Henrici I. [welche er zu spät ansetzt] auf Epitome Aegidii aus dem Breviarium Alarici zurück, und behandelt im Anschluss an Haenel die Rechtscompilation, die Wilhelm von Malmesbury aufnahm [s. DZG 2, 469; hier war Stubbs’ Ausgabe I, cxxxj zu citiren.] Wenn Beda sagt: Aethelberht decreta iudiciorum iuxta exempla Romanorum cum consilio sapientium constituit, denke er an das Beispiel des Röm. Senats. [Weshalb soll Beda die Beistimmung des Witena gemot für Römisch gehalten haben? Savigny erkannte richtig: die Codification ist das Nachgeahmte.] — Law QR II 1886, 97 erklärt in einer Kritik über Scrutton (s. DZG 2, 211) die Thatsache, dass, nachdem doch Bracton Römischer als Sachenspiegel und Beaumanoir gewesen, Römisches Recht aufhörte, das Englische wesentlich zu beeinflussen, gerade als es Nordfrankreich und Deutschland zu erobern begann, daraus dass England früh ein thätiges und mächtiges Parlament und noch früher ein centralisirtes Rechtsprechungssystem erlangte. — Zur Kenntniss Römischen Rechts in England vor Vacarius ist wichtig Gaudenzi, Un ms. di „Ulpianus de edendo“, Atti - - della r. deputazione di storia - - di Romagna, 3 ser. III (1885) 474. In dem Ordo iudiciorum, einem Theil der Englischen Rechtscompilation Quadripartitus von etwa 1115, den ich Z. der Savigny St. f. Rechtsgesch. Germ. V, 198 nicht zu identificiren vermochte, erkennt Vf. den sog. Ulpian. Dass dieser Tractat vom Vf. des Quadripartitus nur aufgenommen, nicht verfasst ist, ist nicht bloss möglich, sondern m. E. ganz sicher: das Rahmenwerk des Quadripartitus zeigt ganz andere Schule als der Ulpian. Dass Ulpian den Gratian [219] benutzte, habe Haenel nicht bewiesen; dass Ulpian von Vacar verfasst sei [wogegen sich Conrat (Cohn) I, 61 erklärt], wie Haenel [nur mangels besseren Namens] vermuthete, bleibe nur möglich, wenn Vacar erst als Greis nach England kam. [Vacar war noch 1175 am Leben (s. o. p. 195), folglich weit jünger als Ulpian.] Verf. billigt die Annahme der Abfassung in Frankreich, er räth auf Orléans, und meint, Ulpian entstand[WS 2] an einem kirchlichen Gericht. [Dagegen hält Caillemer (Droit civil dans les provinces Anglonorm. au XII s. p. 17) den Ulpian für Anglonormannisch.]

Auswärtige Beziehung. Krieg. D. Wolfg. Michael, Die Formen des unmittelbaren Verkehrs zwischen den Deutschen Kaisern und souveränen Fürsten, vornehmlich im 10., 11. und 12. Jh. (Hamb. ’88), bespricht Richard’s und Philipp’s Zusammenkunft 1199 auf der Seine: der Fluss galt neutral und war Unterredungsort gemäss German. Sitte. Man bestimmte in verschiedenen Jahren gern denselben Tag. Im Briefstil erscheint der höhere Rang des Deutschen noch mehr über dem Englischen als über dem Französischen König. Im frühesten Brief, der hochwichtig, obwohl in England unbeachtet ist, redet der sonst so stolze Wilhelm II. zu Heinrich IV. von „nostra humilitas“. Die anderen Schreiben von 1157/9 und 1188 sind bekannt. Vgl. W. A[rndt], CBl. 1889, 1404; E. Bernheim DLZ 11, 60; oben II, 254. – Felix Wissowa, Polit. Beziehungen zwischen England und Deutschland bis zum Untergange der Staufen (Bresl. Diss. ’89) zeigte ich MHL XVII, 333 an. – *G. v. Köhler [s. o. II, 224 ; 277] behandelt eingehend und mit militärischer Sachkenntniss den „Englisch-Französ. Krieg des 14. Jh.“ u. den „Feldzug Heinrich’s V. in Frankreich“. Krebs, GGA 1887, 626 bezeichnet das Werk als bedeutenden Fortschritt der Kriegsgeschichte. – *H. Delpech, La tactique au 13e s. (2 Bde. Par. ’86) betrifft meist Englisch-Französ. Schlachten; auf Bouvines bezieht sich M. Baltzer’s Anzeige MIÖG VII, 492. Damit beginnt das Hauptthema nach Rückblick auf Hastings, Tinchebray, Brémule, Lincoln, auf die Förderung der Taktik durch Gottfried von Anjou und seinen Sohn Heinrich II. und auf Richard’s Kreuzzug; Maury, Jl. des Sav. ’87, 135; 294. G. Köhler, GGA ’86, 513, greift Delpech hart an.

Verfassung und Recht einzelner Landschaften. *Burrows, Cinque ports [s. o. II, 228] drängt die Gesch. von 40 Orten der sö. Küste auf 254 p. geschickt zusammen. Dass Edward d. Bek. den Bund privilegirt habe, gibt das früheste erhaltene Charter, Edward’s I., an. Die Institution selbst spreche für Angelsächs. Ursprung. [? Nur] Spuren der Immunität neben Schiffsdienstpflicht bietet Domesday für Sandwich, Dover, Romney; 1190 erhalten Rye und Winchelsea die Processprivilegien der Barones von Hastings und den Fünf Häfen. 1278 privilegirt der König: des Bundes Shepway- (später Warden’s) Gericht, Brodhull (d. i. Versammlung mit Aufsicht u. a. über den Markt von Yarmouth), Guestling (Incorporirung von Seaford, Pevensey, Fordwich, Deal, Folkestone, Faversham, Lydd, Tenterden). Verf. erzählt die Seesiege von 1217, 1293 u. s. w. Doch schon der Ruhm von Sluys (1346) gehört nicht den Häfen allein. Durch Rückweichen der See ward Winchelsea trotz mehrfacher Verlegung der Stadt, dann auch [220] die anderen seit dem 15. Jh. bedeutungslos. So Edith Thompson EHR Apr. ’89, 374. — J. H. Round, Communal house demolition (Archl. El. Dec. ’89, 366). In den Cinque ports reisst die Gemeinde, laut Custumale von Sandwich, dem zum Major oder Jurat Erwählten, der die Amtsannahme weigert, sein Haus nieder. Diese Strafe begegnet in Stadtrechten Frankreichs, und für genau dasselbe Vergehen zu Amiens. Die Verfassung der Cinque ports bilde wohl überhaupt die Commune der Picardie nach und entstehe nicht vor Heinrich I. — Burrows, The Cinque ports Charters, Archl. R. Jan. ’90, 439, hält die Ags. Entstehung dadurch nicht widerlegt: in der Picardie verbinden sich mächtige Gemeinden, hier eignen Sonderlebens unfähige; „Cinque“ mag der ja überhaupt Normannisirte Bekenner eingeführt haben; die Kaufgilde fehlt Engl. Gemeinden auch sonst, so London; Mayor und Jurati seien vielleicht nur Normannische Namen für ältere Institute; der Warden der Cinque ports entspricht Franzos. Beamten nicht; der Vergleich der Hauszerstörungstrafe trifft nicht in allen Stücken zu. — Will. Page, The Northumbrian Palatinate and regalities, Archla. LI, [’88] 143, meint, aus der Landeshoheit des [Mark-, Pfalz-] Grafen, die im 10. Jh. an die Stelle des Northumbr. Königthums trat und die Englische Krone von Gericht, Verwaltung und Finanz im Norden auch ferner ausschloss, seien in Normannenzeit die jura regalia der dortigen Baronieen entstanden. [Gewiss nicht sämmtliche.] — T. F. Tout: The Welsh shires (Y Cymmrodor IX, ’88,201) sind Verwaltungsbezirke, nicht organische Stammesländer, und bezeichnen die Einführung Englischer Selbstverwaltung; doch entsprechen einige Keltischen Landgrenzen. Die Grafschaften der heutigen Englischen Grenze reichten als Marken zur Domesday-Zeit weit in Wales hinein, waren aber, obschon theilweise von Welschen bewohnt, nicht Wallisisch. Erst seit Wilhelm’s II. Zeit erobern Normannische Barone selbständig von der Grenze her das südöstl. Wales, das sie dann von der Englischen Krone zu Lehen nehmen. Unter diesen Marchers-Territorien sind die ältesten Walliser Shires: Pembroke, Glamorgan. Sie sind feudal-markgräflich, stark militärisch organisirt: der Sheriff vertritt z. B. hier den Grafen, nicht den König. Doch gab es Localgerichte der Freien, und Walliser Grundbesitzrecht blieb theilweis trotz dem Normannischen Recht des Herrn erhalten. Pembroke, das unter Heinrich I. um Milford Haven Flämische Ansiedler erhielt, wird 1138 Grafschaft des Gilbert Clare und vererbte dann an die Familie des Marschall. — Standish O'Grady, The last kings of Ireland, EHR Apr. '89, 286. Seit dem 11. Jh. entwickelt Irland (im Kampf nicht der Stämme oder der Grundsätze, sondern der Dynastien, und nicht durch Wahl) seine Monarchie. Im 10. Jh. gewann Brian Ború (d. h. mit den Tributen), bisher Vasall der Dänen Limericks, von seiner Shannon-Veste aus ringsum allmählich Gewalt und ward endlich als Imperator Scotorum in das Buch von Armagh eingetragen. Sein dritter Nachfolger im Oberkönigthum nahm den aus England vertriebenen Harold auf; dessen Nachfolger correspondirt mit Lanfranc; und dessen Sohn Murty tritt, nach anfänglichem Bund mit Norwegen, zu Heinrich I. über. 1106 setzt er in Connaught den König ab und seinen Neffen ein. Dieser aber, Turlough, [221] verhalf Ulster dazu, den O'Brians das Oberkönigthum abzugewinnen, das er 1121 selbst übernahm. Der Kirche, besonders Clonmacnois, freundlich, erfolgreich gegen Feinde und Dänische Raubritter, gut gebildet und zur Regierung begabt, übte er gegen Besiegte Milde, indem er sie zu Mönchen schor, statt sie zu blenden oder zu tödten, baute Brücken und Burgen und soll Münzen geschlagen haben: man nannte ihn Augustus. 1127 stand er im Zenith: da war er Oberkönig Irlands, unmittelbarer König von vier Provinzen und der Dänen von Dublin, Herr der Vasallenkönige zu Breffney und Meath, Vater des Königs von Leinster; und andere Fürsten waren durch ihn eingesetzt. Indem er so die Irischen Kleinstaaten an einen fremden Oberherrn gewöhnte, bereitete er den Boden für Heinrich II.

Wilhelm I. und II. *Duméril, La conquête de l'Angleterre par les Normands; Ann. de la Faculté des lettres de Bordeaux ’89, 2. Laut RQH ’89, Oct. 646 vergleicht er Thierry [!] und Freeman und hält die Eroberung für friedlicher und weniger drückend, als man früher annahm. — In Michel’s Chroniques Anglo-normandes III (’40), 39 steht das Gedicht des 12. Jh. vom roi Guillaume d'Engleterre, ein Abenteuer-Roman, der nichts mit einem Anglonormann. Herrscher und mit England nur einige Städtenamen gemein hat. Als Verf. nennt sich Crestiiens, d.i. der Trouvère Christian von Troyes laut Förster, R. Müller und Wilmotte, Moyen âge, 1889, p. 189. — L. Schwabe, Studien zur Geschichte des 2. Abendmahlstreits (Lpz. ’87), berührt Lanfranc und Wilhelm den Er.; er verwerthet neueste von Franke und Bishop entdeckte Acten umsichtig. [Loofs, GGA ’88 , 563 gibt in eingehender Kritik zu, dass sich das Schwanken der Curie aus Politik erkläre.] Der Streit entstehe [werde öffentlich; Loofs] zuerst und allein durch Berengar’s Brief an Lanfranc über Joh. Erigena [Ratramnus]. Lanfranc, eifersüchtig auf Tours’ Schulruhm, schmiede daraus Ostern 1050 zu Rom Ketzereianklage. Wahrscheinlich nur dazu reise er zum Papst; jedenfalls weile er nicht schon zufällig vorher 1049 bei Leo IX., sondern dessen Weihe von Remiremont falle Oct. 1050. Unwahr behaupte Lanfranc: er habe sich selbst vom Verdacht des Erigenismus durch jene Anklage reinigen müssen, Berengar habe unerlaubt agitirt, und schon zu Vercelli, Oct. 1050 erscheine dessen Abendmahlslehre; diese weist Verf. als erst später geklärt nach. Da 1050 die Curie Frankreich, Normandie, Flandern, Blois, Anjou angreife [hierzu vgl. Bröcking, Franzos. Politik Leo’s IX. (Berl. Diss. ’89), der Schwabe mehrfach widerspricht], bereite Anjou ein Gegenbündniss, obwohl freilich 1050/1 noch mit der Krone und Normandie im Kriege (die schwierige Zeitfolge ist p. 54 untersucht); dafür spreche: 1) Enseb von Angers schreibt (Guido von Reims?) Frühling 1051 [Sommer 1050 Loofs], und 2) Berengar besuche Préaux und (gleich?) Wilhelm von der Normandie [Loofs bezweifelt, dass Berengar hier politisch gegen den Papst agitirt habe], der sich aber zu Brionne gegen ihn erkläre. Da Anjou Maine erwirbt, während der bisher gefangene Bischof von Le Mans Normann. und Französ. Hilfe suche, und nun Versöhnung mit der Curie erstrebt, gebe April 1054 Hildebrand zu Tours dem Berengar nach, wie dieser richtig [222] gegen Lanfranc erzähle. Anjou verbinde sich damals auch die Krone; da aber Heinrich I. gegen Wilhelm 1054 nichts ausrichte, erlaube er ihm, dem Gottfried Maine zu entreissen. Auch ein neuer Bund Frankreichs mit Anjou unterliegt 1059 an der Dive. Ostern 1059 musste Berengar zu Rom orthodoxe Abendmahlslehre beschwören: dass er bestach, sei Lanfranc zu glauben, aber nicht, dass er meineidig seine Lehre abschwor. Berengar schrieb darüber Verlorenes, wahrscheinlich nach 1061 [Loofs: erst nach Jaffé 4546, um 1065]; Lanfranc erwidere kurz vor 1070, weniger wundersüchtig und bedeutender als die sonstigen Orthodoxen, und werde allein einer Antwort Berengar’s, nach 1078, gewürdigt. Dass Nov. 1078 mit Petrus Damiani Gregor VII. sich für Berengar gegen Lanfranc erklärt habe, citirt Verf. aus Berengar’s letzter Schrift [die Literatur verbindet damit Lanfrancs Kühle gegen Gregor]; diese werbe mehr Mitleid als Beifall. Der Augenzeuge Bernold ruhe auf Lanfranc und Guitmund. Richtig erscheint Gregor VII. mehr als Realpolitiker denn als Dogmatiker. — Die um 1070 verfasste Expositio zum Liber Papiensis erwähnt zu drei Langobardischen Gesetzen (ed. Mon. Germ. Leg. IV, 402; 404; 566) Rechtsaussprüche eines Lanfrancus, der zu Wido 6, 23 „archiepiscopus“ heisst. Man identificirt ihn mit dem Erzbischof von Canterbury, der allerdings um 1035 zu Pavia Rechtslehrer war; Schröder Dt. R.-Gesch. I, 233. — Duchess of Cleveland, The Battle abbey roll with some account of the Norman lineages (3 Bde. ’89) wird von Ath. 27IV89 , 530 und Sat. R. 22VI89, 766 als gelehrte, aber unkritische Sammlung aus vielen, theilweise werthlosen, genealog. Büchern bezeichnet. Die Rolle der Mitkämpfer des Eroberers bei Senlac, das an der jetzt der Verfasserin gehörigen Stelle des späteren Battle lag, ist in Wirklichkeit nachweisbar erst seit dem 14. Jh. [früheste Ueberlieferung (vgl. Hardy, Descr. Cat. II, 2 ff.; Sims, Genealogist 13) scheint dabei unbenutzt]; hier aber gelte sie gegen alte wohlbegründete Zweifel wieder als im Wesentlichen authentisch. [Auch Quart. R. Oct. ’89, 885 glaubt, beweislos, an ein echtes ursprüngl. Document.] Dagegen sprechen schon die mit „Fitz“ (filius) beginnenden Namen, die erst im folgenden Jh. zu Familiennamen erstarrten. Nur Familien nennt die Rolle [was schon späte Abfassung beweist!]; vielleicht [?] also wolle sie nur eine Liste der Familien sein, die zur Zeit der Abfassung, wohl unter Edward I., von den Miteroberern abzustammen behaupteten. Sie wird bis Ende 14. Jh. interpolirt. Werthvoll seien die Familiengeschichten in dem Buche, von Aumale bis Waloys. Ueber diese Romance of feudalism spricht Blackwood’s Edinb. Mag. Aug. ’89 , 223. — Sir H. Barkly, The Otto Family, Tr. Bristol archaeol. soc. XI, 233. Der Goldschmid Otto trug 1086 Lehen von Königin Mathilde aus Flandern, wo er wahrscheinlich herstammte. Auch seine Nachkommen sind als königliche Goldschmiede nachweisbar. — Ortsnamen im Domesdaybuch erklärt *Andresen Z. für Roman. Philol. XII, 527. — Vom Domesdaybuch von Exeter gibt Palaeographical society, Plate 70 f. Facsimile. — Für Englands Verhältniss zum päpstlichen Schisma 1084—1100 sammelt Bekanntes O. Köhncke, Wibert von Ravenna (Lpz. 1888), p. 119 ff., 92 f. 96. [Eadmer’s Nachrichten finden überall Bestätigung. Bei Wilhelm von [223] Malmesbury ist schon die Legende von Anselm entwickelt.] — K. W. Church, St. Anselm *’88 sei nur Wiederholung der 2. verb. Auflage von 1870 ohne Benutzung Freeman’s und Rule’s; Görres Jahrb. X (89), 198. — L’Huillier, Vie de S. Hugues abbé de Cluny 1024—1109, Par. ’88, bringt p. 332 ff. zur Englischen Beziehung Cluny’s nichts Neues. Wann Warmund (später, 1077, Erzbischof von Vienne) Cluny’s Gebetsbrüderschaft dem Eroberer überbrachte, bleibt fraglich; Abt Hugo’s Weigerung, dem König Cluniacenser zu überlassen, ist bekannt. Die Urkk. Wilhelm’s von Warenne über seine Stiftung der ersten Engl. Cluniacenserpriorei zu Lewes [s. o. 2, 224] gelten alle hier als echt. Die Filialen Cluny’s in England sind p. 346 aufgezählt [statt Montaigu lies Montacute]. Verf. meint, Anselm habe St. Sepulchre’s, Canterbury nach dem Muster Marcignys und zur Aufnahme seiner Schwester, die in Marcigny Nonne war, gestiftet [?] Im Uebrigen wird der mächtige Einfluss der Gregorianer auf den Englischen Investiturstreit nicht einmal angedeutet, noch auch zur persönlichen Beziehung zwischen Hugo und Anselm eine neue Einzelheit beigebracht. Neuere Literatur zur Englischen Geschichte (Freeman!) könnte manchen Nachtrag liefern. Die hier zuerst gedruckte, von Hildebert überarbeitete Epistola Gilonis de vita s. Hugonis (um 1113) enthält p. 588 Nachrichten über des Eroberers häufige Gesandtschaften an Hugo und seine und seiner Frau Geschenke (u. a. einer Cappa mit goldenen Glöckchen). Dass der kriegerische und wilde Wilhelm [H.] am 2. August [1100] auf der Jagd ins Herz getoffen ward von einem Pfeil, den ein befreundeter Ritter auf einen Hirsch abzielte, kündete Hugo zu Marcigny, bei der Unterhaltung mit Anselm, dessen Begleitern Balduin, Eustach von Bec und Eadmer voraus. [Aus des letzteren V. Anselmi könnte Gilo’s Nachricht höchstens theilweise stammen. Eine vielleicht noch andere Form der Visio Hugonis de Willelmo H. ist ungedruckt: Hardy, Descr. Catal. II, 49.] Pag. 616 wird die Vision des Fulgentius von Afflighem über die etwa gleichzeitig verstorbenen Hugo und Anselm erzählt, ebenso wie vom Afflighemer (Mon. Germ. SS. IX, 417), doch in anderen Worten. — Wilhelm II. erbaute eine mächtige Königshalle zu Westminster, vielleicht, da die Edward’s des Bek. hölzern gewesen sein kann, die erste in Stein. Die neuerdings zu Tage gekommenen Reste beschreibt Micklethwaite, Archaeologia L (’87), 5. — Der darauf folgende Aufsatz von Clarke beschreibt spätere mittelalterliche Theile von „Westminster-Hall“.

Finanzen. Wirthschaft, Juden. J. H. Round, Scientific hist., Ath. 26X89 warnt vor den Irrthümern, als habe Wilhelm II. eine Grafschaft Cumberland oder Heinrich I. einen Grafen von Carlisle eingesetzt. — H. Round, The early custody of Domesday book II (Antiquary, July ’87, 8). Weihnachten 1085/86 angeordnet, ward das Buch 1086, nur vielleicht, fertig. Die Menge der statistischen Zettel, die aus den verschiedenen Grafschaften eingingen und dem Werke den Stoff lieferten, ist verschwunden. Es sollte zum Nachschlagen dienen und erhielt daher [?] Buchform; Rotulus Wintoniae bedeute also wahrscheinlich etwas anderes, vielleicht jene Menge Zettel [?]. Der Name Liber de Wintonia [224] u. a. lässt vermuthen, dass es ursprünglich zu Winchester, also in der Schatzkammer der Königsburg, bewahrt ward. 1108-18 begegnet der erste Pall eines Rechtsstreits, in dem Liber de thesauro, und zwar zu Winchester, entscheidet. Domesday gilt noch 1178 als Theil des Schatzes. Dieser war unbestritten noch 1141 zu Winchester. Aber es gab auch unter Heinrich II. nicht [?] etwa neben dem Schatz zu Winchester einen dauernden Exchequer-Schatz zu Westminster; vielmehr ward im 12. Jh. das Exchequer nur einige Tage lang Ostern und Michaelis gehalten an beliebigen Orten, lieferte jedesmal seine Eingänge nach Winchester ab und erhielt dorther mit anderen Requisiten auch das Domesdaybuch geschickt [?]. Westminster werde erst allmählich gewöhnlicher Exchequer-Sits. — Hubert Hall (Antiquary, Oct. ’87, 162) lehnt Round’s Annahme der Schatzcentralisation in Winchester ab: die Provinzialhauptburg hatte schon ihren Schatz [?] und der Sherif war Provinzialzahlmeister. Aus den vielen Localschätzen [?] ragen aber Winchester und Westminster hervor: der Dialogus de Scaccario ist so zu verstehen, dass Exchequer und Schatz (sammt Inhalt, u. a. Domesday) regelmässig in Westminster sind. [1178 war ein Gebäude zu Westminster längst als Exchequersite bekannt; denn nur so konnte der Schatzmeister seinen Dialogus de Scaccario beginnen: Cum sederem ad fenestram speculae quae est juxta fluvium Tamensem, ohne hier Westminster zu nennen. Ein jährlich zweimaliges Hin- und Hersenden des Schatz-Archivs zwischen London und Winchester hätte der genaue Darsteller nicht verschweigen können. Der Beweis gegen Round liegt in Dial. I, 15: Domesday „sigilli regii comes est individuus in thesauro“ und I, 5: das Schatzsiegel „ab Inferiore ad Superius scaccarium defertur“. Das Exchequer ist 1178 bereits eine dauernde Einrichtung; mit dem Schatz schlechthin meint der Dialogus zunächst den Exchequerschatz. Dass der ältere und einst einzige Schatz zu Winchester daneben bestand, ist sicher.] — Hab. Hall, The site of the ancient Exchequer at Westminster, Archl. R. II, 386, will die Curia regis als localisirtes Gericht nicht für älter gelten lassen als das Exchequer: jene bezog erst im 18. Jh. ständig die Grosse Halle, die Wilhelm II. erbaut und jeder König dann nur vorübergehend benutzt hatte. Die Oberbeamten des Exchequer, grossentheils auch der Curia regis angehörig, erschienen zwar auch nur zur kurzen Sitzung; allein im unteren (Empfangs-) Exchequer blieb ein Pförtner ständig in Westminster, ebenso das Archiv der Curia regis und des Exchequer (nicht der Geldschatz). Nur ausnahmsweise folgen noch nach Heinrich II. Exchequer und Schatz mit Metallvorrath und Archiv zum augenblicklichen Königssitz. Da nun Round gegen ihn behauptet hatte, der regelmässige Exchequersitz sei Winchester, so stellt Hall aus den Pipe-Rolls ein Itinerarium von Schatz und Exchequer 1156-87 auf. Daraus folgt: 1) Zu Winchester lag regelmässig bis 1178 gemünzter Schatz, 60 Jahre länger der Regalienschatz, dort ist aber kein Exchequer nachweisbar. 2) Zu Westminster fand 1164 Exchequer statt. Dort sass es schon vor 1177 ständig, im Verein mit dem Hauptschatz. Bisweilen wird „Schatz“ von und nach London (Westminster) vor 1164 versendet. Der Rest des Aufsatzes handelt von der früheren Lage der Baulichkeiten des [225] Exchequer. — S. H. Leonard, The Customs-revenue, Antiq. Dec. ’87, 259, zieht Hub. Hall’s grosse Gesch. der Englischen Zölle ausführlich aus. — In Westergoetland müssen Engländer um 1200 oft erschienen sein; der Nachlass dort Verstorbener ward dem Erben ein Jahr lang aufbewahrt; Lud. Beauchet, Loi de Vestrogothie, NRH de droit XI (1887), 356. — Wm. Cunningham, The formation and decay of craft gilds, Tr. roy. hist. soc. N.S. III, 371, theilt die Handwerksgilden in die vom Gutsherrn, die von der Stadt und die vom König (oder Parlament) bestätigten. Zur ersten Art zählt das Messerschmiedgewerk zu Sheffield, dessen Geschäft einen Theil des Court leet (Patrimonialgericht) des Lehnsherrn bildet. Dagegen von Mayor und Baronen bezw. Aldermen der Stadt London bestätigt sind die Statuten der Sattler und der Schuster von London. Als Typus endlich der Gilde mit königlichem Privileg dienen die Londoner Weber, die Heinrich II. bestätigt. Das Gewerk habe innere Polizei und gute Arbeit zum Besten des Publicums und der Arbeiter sichern wollen, sei keine Schatzanstalt gegen patricischen Druck: festländische Zunftkämpfe dürften nicht für England angenommen werden. Im 15. Jh. ist eine Dreitheilung nach dem Range in Lehrling, Geselle, Meister klar. Der letztere gewinnt an Einfluss und Ausschliesslichkeit. Seit dem 15. Jh. wird geklagt, dass die Zünfte ihre Macht zum Schaden des Publicums missbrauchen. Vf. gibt wichtige Winke über die Wirtschaftspolitik des 14. u. 15. Jh. — Jos. Jacobs, Notes on Jews from the Pipe-Rolls of the 12. cent. (Archl. R. II, 396) sammelt 172 Eintragungen von 1130—99. Die Rollen nach 1166 sind fast ganz ungedruckt; Vf. sah sie im Original durch. Das Exchequer zog regelmässigen Gewinn vom Juden, sobald er gerichtlich klagte, verklagt ward, ein Compagniegeschäft einging, Vormund ward, aus oder nach England reiste, heirathete, die Ehe verweigerte oder schied, und namentlich, wenn er starb, abgesehen von der willkürlichen Besteuerung, nach der z. B. 1187 die Judenschaft £60000, das übrige England nur £70000 zahlte. Oft bestach auch der Schuldner den König, damit dieser dem Juden den Rechtsweg sperre. Der Stoff betrifft nicht bloss die G. der Juden und des Fiscus, sondern die Cultur-G. allgemein. Vf. bemerkt die wichtigen Punkte, u. a. dass Nachlass von Wucherern, auch christlichen, Schatzfund und Vermögen der Juden, die sich taufen, dem Könige heimfallen, dass Frauen Rechtsgeschäfte vollziehen, Juden Land besitzen, dass Fiscus die Schulden,, deren Scheine zu York beim Judenmord verbrannten, dennoch eintrieb. Eine Stadt zahlt Strafe, weil sie Gerüfte bei Erachlagung eines Juden unterliess, Nr. 115. Juden nehmen von Juden Zins, indem sie einen Christen als Strohmann einschieben. Zur Anglo-Jüd. Literatur dienen Nr. 3. 33. 41. 119. — *D. Kaufmann, Four of the oldest epitaphs after the settlement of the Jews in England; Jewish QR. ’89, II. — J. Jacobs (Ac. 22XII88,404) weist als „ersten Russen in England“ den in der Pipe-Rolle 1181 unter Hampshire wegen [unerlaubten] Geldwechseln Strafe zahlenden Juden „Ysaac de Russie“ nach. Dieser sei identisch mit Rabbi Iza von Tschernigoff, der als Gewährsmann erwähnt wird in des Engl. Juden Moses ben Isaac „Onyxbuch“. Meses war also 1181 erwachsen; er starb vor 1215, wenn auf ihn der so bezeichnete [226] früheste hebr. Grabstein zu beziehen ist, der den Baronen 1215 zur Befestigung Ludgates gegen König Johann diente. [Dass dieser Grabstein jenem Grammatiker gehöre, leugnet Ath. 20IV89, 502: der blühte um 1240.] — Henry C. Lea (EHR IV, 231) sammelt die Gerüchte über die durch Juden angeblich verübten Morde von Christenkindern: 1141 und 1235 zu Norwich, 1171 zu Gloucester, 1189, 1255 zu Lincoln. [Es gibt dafür Zeugnisse von mehr gleichzeitigen Autoren.]

Kunst und Kirchenbrauch. *V. Ruprich-Robert, L'architecture Normande au 11. et 12. s. en Normandie et en Angleterre (Paris, Motteroz, 240 francs). — J. R. Allen, On the Norman doorway at Alne in Yorks., Jl. Brit. archl. aas. 42, 143, mit Thiersymbolen, die an der Hand von Bestiarien und Physiologus des 10—12 Jh. erklärt werden. — John Hope, English medieval mazere (Maserholzbecher seit 13. Jh.), Archaeologia L (’87), 129 gibt Bilder, die kunstgeschichtlich, und Inschriften, die literarisch wichtig sind; so p. 140 über Guy von Warwick. — E. S. Dewick, An ankerhold [Anachoretenzelle] at the church of St. Martin, Chipping Ongar, Essex, Archl. Jl. 45 (’88), 286. — J. T. Micklethwaite, An ankerhold at Bengeo church, Hertford, Archl. Jl. 44 (’87), 26. Beide hatten ein Fenster zur Kirche (des 12. Jh.), ein anderes zur Aussen weit hin. — Edw. Peacock, Were nuns ever immured? (Dublin R. 21, ’89, 43) verneint dies. Der irrige Glaube daran entstehe durch Verwechslung mit Vestalinnen, durch den Brauch, Todte in Kirchenmauern aufrecht beizusetzen, durch die festländische Strafe des Lebendigbegrabens [besonders von Weibern; aber auch Englisch 1190: Hoveden III, 36] und durch Volkssage. [Wohl hauptsächlich durch Missverständniss des Immurare d. i. in engen Kerker ohne Thür einschliessen, besonders Ketzer; so zu Oxford 1222; vgl. u. p. 235.]

Literatur. Paul Meyer, Notice sur le ms. II, [vielmehr Ji] 6, 24 de l'univ. de Cambridge, Notices et extraits des mss. 32, 2 (’88), 37. In der Normandie, wahrscheinlich zu Caen um 1260 geschrieben, enthält die Hs. 1) eine zu Caen fortgesetzte Redaction der von Labbe und Bouquet gedruckten Ann. Fiscannenses [als welche sie Pertz, Mon Germ. SS. XVI, 482 excerpirte; ich weiche hier von Delisle etwas ab], sodann in Französ. Sprache: 2) eine Normann. Chronik bis 1214, nächst verwandt der von Michel, Chron. de Norm. (1839) p. 4 gedruckten, beginnend mit Dudos Geographie; Meyer druckt lange Stellen (so das Ende über Bonvines) und citirt viele verwandte Hss. [Manches war schon in Mon. Germ. XXVI, 702 notirt, wo Michel’s Hs. excerpirt ist.] 3) eine Französ. Bearbeitung der Abbreviatio Mon. Germ. IX, 395, von Troja—1215; 4) Turpin übersetzt; 5) Chronik Englands von Wilhelm I. bis Richard I., die dem Phil. Mousket vorlag, und die Verf. vollständig abdruckt [sie ist für 1125—54 schon sagenhaft]; 6) des Honor von Autun Elucidarius, übersetzt durch Gilbert von Cambres (bei Rouen, nicht Cambray). — Rich. Howlett’s Ausgabe der „Chronicles of Stephen, Henry II. and Richard I.“, 3 Bde (Rolls ser.), ’84-86, zeigte ich MHL XVU, 331 an. — Nicht allein durch Galfrid von Monmouth fand die Artussage Verbreitung in Roman.-German. Literatur: schon Ende 11. Jh. begegnet der Name Artus in Italien. Vgl. Morf (DLZ [227] 16II89, 237), der „*Christian von Troyes, II: Löwenritter Yvain“ hsg. durch W. Förster anzeigt. Letzterer bekämpft G. Paris’ Ansicht [s. o. p. 190] von Keltisch-Anglonormann. Entwickelungsphasen der Franzos. Artusromane. — K. Othmer, Das Verh. von Christian’s von Troyes Erec et Enide zu dem Mabinogion des Rothen Buches von Hergest Geraint ab Erbin (Bonner Diss., Köln 1889). Christian sei Quelle des Wallisers; gegen die Ansicht, dass umgekehrt, freilich durch Anglonormann. Vermittlung, das Französ. Epos dem Mabinogion folge, wendet sich nochmals Förster, der diese Arbeit veranlasste, auf p. 3: Höfische Manier, Ritterthum, Turnierwesen, Frauendienst, Abenteuersucht, Französ. Namen und Worte kann der Walliser allerdings nur aus Frankreich haben. Er muss dessen Feinheit für seine Hörer vergröbern. — W. H. Carruth, Chevalier au lion (Mod. lang. n. 1889, 326) des Christian von Troyes sei nicht Quelle des Mabinogion, wie Förster meint. — v. Druffel vertheidigt GGA ’88, 20, gegen *G. Hüffer, Bernhard von Clairvaux, Walter Map’s Zweifel (Mon. Germ. XXVII, 65) an Bernhard’s Wundern. [Ich betonte, was den Spott gewichtiger macht, dass Map Mirabilien und Wunder eines anderen Cisterzers gläubig aufnimmt; Anglonorm. GQ. 216.] — Walter Map, Mon. Germ. XXVII, 64 zeigt Parteilichkeit für Abailard, den Bernhard in Ep. 189 als einen kriegerischen Goliath schmähte. Seitdem (so meint G. Paris, BECh L, 259) werde Golias zum Parteinamen des Rom und Bernhard feindlichen Pariser Klerus und später seiner Satirenperson in den Vagantenliedern. Die irrige Ableitung von gula erscheine zuerst bei Girald Cambrensis. — W. Vietor, Virgil in the Middle ages, Academy 6VII89, 10 verzeichnet mehrere der (namentlich auch von den Engländern um 1160—1220 erzählten) Sagen. [Eine Anzahl Nachträge in Mon. Germ. XXVII, 584.] — De saint Laurent, poème Anglo-Normand du 12e s., publié pour la première fois d'après le ms. unique de Paris [19525] par Werner Söderhjelm. Par. ’88. 4°. Die Sprache zeigt Normannischen Dialekt, höchst wahrscheinlich eines Anglonormannen um 1150-75. Er benutzte Acta Sixti und Passio Laurentii und kannte wahrscheinlich des Philipp von Thaun „Cumpoz“. — *Sir John Bowring, The life and writings of Josephus Iscanus, Trans. Devon assoc. IV, 244. — Joseph von Exeter, Dichter des Trojanerkrieges, 1188 von seinem Oheim, Balduin von Canterbury, vor dessen Reise nach Palästina, zum Dichter des 3. Kreuzzuges bestimmt (Gir. Cambr. I, 79) stand in Briefwechsel (ed. Migne, Patr. Lat. 211, 1305 ff.) mit Wibert von Gembloux. Ueber diesen handelt H. Delehaye, RQH Juli ’89, 84; er hält obige Identität nicht für sicher; [vgl. aber die von Chevalier, Sources hist. 1305. 2697 angeführten Schriften, Weissenborn, bei Ersch und Gruber, und Stubbs, Epist. Cantaar. p. xxxvj.] — Quelle für Konrad von Würzburg’s Trojanerkrieg war des Benoit de St. More Roman de Troie. Da Konrad aber mit dem Mittelengl. Gedicht Seege of Troye über den uns vorliegenden Benoit hinaus übereinstimmt, so schliesst *Emil Th. Granz, Ueber die Quellengemeinschaft des Mittelengl. Gedichtes „Seege -- of Troye“ und -- des Konrad von Würzburg, Lpz. Diss. 1888, beiden liege eine erweiterte Fassung Benoit’s vor; R. Wülker, Anglia XI (’88) 327 stimmt dem bei. — [228] Archaistische Absichten in der Englischen Sprache in den Jahrhunderten nach der Eroberung [vgl. Earle, Landcharters cviij] meinte Schröer, der „Die Winteney-Version der Regula s. Benedicti“ aus einer Hs. vom Anfang des 13. Jh. herausgab, in dieser zu erkennen. Dagegen behauptet Morsbach, GGA 1888, 1013, der Mischmasch von Formen verschiedener Sprachzeitalter sei überhaupt nie so gesprochen worden, sondern entstanden, indem der Schreiber ohne Absicht oder Consequenz die eine Form seiner Ags. Vorlage copirte, die andere modernisirte. — Fr. Lauchert, Engl. Stud. XII, 459 meint, Vollhardt (s. o. II, 487) habe von dem Nachweis Lat. Quellen 12. Jhs. in den Old English homilies nur bewiesen den Zusammenhang mit Bernhard; was dann aber gegen Angelsächs. Vorlage auch für die anderen Homilien spreche. Also das Gesammtresultat nimmt er an, erschüttert aber mehrere einzelne Beweise. So verwirft er die Benutzung des Radulfus Ardens, und bezweifelt die des Anselm. Den Zusammenhang mit Hugo v. St. Victor entdeckte auch Konrath. — Die Cantus b. Godrici, einige Englische Verse, die der Einsiedler in wunderbaren Visionen gedichtet haben will, stellt Zupitza, Engl. Studien, hsg. Kölbing XI (’88) 401, sorgfältig her und erzählt das Leben des Heiligen ausführlich. Er benutzt die Biographie des Geoffrey (vor 1196), welche beruht auf Reginald, der vor 1166 anfing, und auf Prior Germanus von Durham († 1189). Die von Godric und nach ihm durch Reginald erzählten Wunder hält er für ehrliche Selbsttäuschung.

Universitäten. *Gregorovius, Die Stadt Athen im MA. I, erklärt sich gegen die Meldung der Chronisten, dass Engländer im 12. Jh. hätten in Athen Bildung suchen können; CBl 1889, Sp. 1009. — Zur Universitätsgeschichte[WS 3] von Oxford und Cambridge [vgl. oben II, 228] im 13. Jh. weist Denifle, HJb. X (’89), 75, Quellen und Literatur nach. — G. Kaufmann, Zur Gesch. der mittelalterlichen Universitäten (HJb X, 351) betont nochmals die Unechtheit der Oxforder Urkunde von 1201. Trotz allem Streit ist er mit Denifle darin einig, dass Oxford und Cambridge nicht aus Kirchen- und Klosterschulen unmittelbar hervorgingen, ihr Ursprung aber dunkel bleibe; Radulf de Diceto rede zu 1169 noch nicht von den vier Nationen zu Paris p. 368. — Für die Oxford hist. society edirte *And. Clark 1889 A. Wood’s Survey of the antiq. of -- Oxford. — Diese Universität führt im Wappen u. a. ein Buch. Ein Buch findet sich um 1120 als Attribut der hl. Fritheswyth auf dem Siegel ihres Klosters, der jetzigen Kathedrale von Oxford. Man legte ihr Heil- und Tonkunst bei. Also (meint Harrison im Archl. instit. 6XII88 laut Ath. 15XII88, 817) wäre vielleicht dies Kloster, das theilweise Mercische Könige erbauten, ein frühester Sitz der Gelehrsamkeit. Mit Recht betont dagegen Rashdall (Ac. 8XII88, 365), dass höchstens Elemente vielleicht dort, wie in vielen anderen Klöstern gelehrt wurden, dass die Frage bleibe, wieso gerade Oxford und Cambridge Universitäten wurden; übrigens waren diese stets weltgeistlich. Mönche mussten erst in artibus graduiren, bevor sie in Theologie graduirten. Er lobt im Ganzen *Mullinger „Universities“ in Encyclop. Britann., hauptsächlich wegen Ausnützung Denifle’s. Auch [229] Mullinger bezweifelt jetzt, dass (wie Gervas berichtet) Vacar in Oxford lehrte. — H. Rashdall, The first Oxford school (Ac. 25V89, 360), führt Briefe des Theobald von Étampes an, der sich „magister Oxenefordiae“ nennt, an Abt Fariz von Abingdon, Roscellin von Compiègne, Thurstan von York (dieser Brief entstammt Ms. Bodley 561). Also bestand eine Schule zu Oxford um 1120, wohl im Canonikerhaus der h. Frideswyde. Aus dieser oder der des Pullus, um 1133, gehe das der Marienkirche anhängende Studium generale [Universität] nicht hervor; vielmehr gingen jene Schulen vermuthlich unter [? Cricklade vermittelt doch beide Phasen; s. o. II, 229], und die um 1170 wieder nachweisbaren neuen Schulen erwuchsen wohl aus Einwanderung fremder Scholaren. — *Mullinger, A hist. of the university of Cambridge (Epochs of church hist.), ist eine Condensirung seines grossen Werks. Das Mittelalter, in dem auch Cambridge nicht viel bedeutet, wird weniger betont als die Renaissance. Die Einwanderung aus Oxford habe einen Studienmittelpunkt schon vorgefunden, nach Rashdall (Ac. 8XII88, 366) erst geschaffen.

Stephan; Mathilde. *Leadman, Yorkshire archaeol. Jl. 39, behandelt die Standartenschlacht 1138. Ath. 5X89, 459 bemerkt dazu, wie die Schotten an Rüstungen gegenüber den Anglonormannen Mangel litten und alte aus Frankreich borgten. — Fred. R. Surtees, William d'Ypres, Earl of Kent, Antiq. Nov. ’87, 211, führt den im früheren Hafen zu Rye erhaltenen Ipres-Tower [Wiper’s Tower nach Edith Thompson, EHR April ’89 , 374] zur Küstenvertheidigung u. a. als Beweis an, dass Wilhelm in Kent den Staat [?] nach aussen zu vertheidigen hatte, also [?] Graf von Kent war, was J. H. Round, Antiq. XIV, ’86, 230 bezweifelt hatte. Dass er bei den Antiquaren seit dem 16. Jh. so heisst, ist unbestritten. Allein Round bemerkt mit Recht, zuletzt Antiq. Jan. ’88, 89, dass eine gleichzeitige Gewähr dafür fehle. [Im folgenden Menschenalter schrieben aber Historiker des sö. England Wilhelm die gräfliche Gewalt in Kent unter K. Stephan, vielleicht ohne den Titel, zu: so Gervas von Canterbury, Wilhelm Fitzstephen, Chronik von Battle.] — 1139 schrieb Mael-Brigte, Nachkomme des Mael-Uanaig, zu Armagh den Codex Harley 1802 des British Museum und nannte sich und die ihm zeitgenössischen Irischen Könige. Wh. Stokes druckt und übs. daraus The Irish verses, notes and glosses, R. Celt. VIII (’87), 346. — Das Heinrich's II. Grossvater Fulk von Anjou 1130 oder 1131 König von Jerusalem ward und 1143 oder 1144 starb, erweist Archer, EHR Jan. ’89, 93. — Um 1130 erscheint die Liebes- und Feen-Epopöe von Arthur’s Tafelrunde, und bald darauf siegt das Erbrecht der Frau auf Thron und Lehen in der Kaiserin Mathilde. Beide Thatsachen verbindet H. d'Arbois de Jubainville R. Celt 10 (’89), 143, anknüpfend an Nutt’s Holy Grail; s. o. II, 221. —A. W. Crawley-Boevy, Milo de Gloucester [† 1143] and the Forest of Dene, Tr. Bristol archl. soc. 11, 293. Milo erhielt den Wald von der Kaiserin 1139, sein Sohn Roger besass ihn, bis 1155 Heinrich II. ihn an die Krone zurückbrachte. — M. Hauréau, Notice sur le nr. 647 des mss. latins de la Bibl. nationale [Paris], Not. et extraits des mss. 32, 2, 167 druckt die [230] Widmung des De opere 6 dierum, einer Schrift von Dietrich von Chartres, durch dessen Schüler an eine Kaiserin: Beatrix (1156) oder Mathilde, die Wittwe Heinrich’s V.

Heinrich II. Hauréau, *Ac. des Inscr. 23X89, schreibt das Moralium dogma philosophorum dem Wilhelm von Conches zu, der es auf Bitten seines einstigen Schülers, Heinrich’s II., verfasste; R. Crit. 1889, 316. — *Ch. Jourdain, Commentaires de Guillaume de Conches et de Nicolas Triveth sur - - Boèce in Excursions histor. et philosoph. à travers le MA.; publ. posthume, Paris ’88, p. 42. — Breven Hadrian’s IV. und Alexander’s III. für Anskitil, bez. Walter de Ridale (Riddell) edirte Bates, Archaeologia Aeliana, publ. Soc. of antiq. of Newcastle on Tyne ’87, 191. — *The Pipe-Rolls [Exchequerrechnungen, meist ungedruckt] for.. Cumberland, Westmoreland and Durham during -- Henry II., Richard I. and John erschienen unter Public. of the Soc. of antiquaries of Newcastle on Tyne. 1886. 8. — *The Great roll of the Pipe for 1164/5, Publ. of the Pipe roll soc. 1887. Laut Tr. Bristol archl. soc. 11, 360 waren die 300 frühesten Kanzlerrollen, seit 1162, früher im British Museum. Die Pipe Rolle für 1164 war stets im Archiv (was ihr den legalen Werth des Public record verleiht); sie ist hier mit der Kanzlei-Abschrift collationirt. — P. V[inogradoff] betont in *The Great roll of the Pipe for [1165/6] (Publ. Pipe roll soc. IX, 1888), die er Law Q. R. Jan. ’89, 79 anzeigt, den rechtsgeschichtlichen Werth. Stubbs’ Einleitung bezeichne die Wichtigkeit des Jahres: damals begann Heinrich’s Versuch, die Strafjustiz der Krone volksmässig zu begründen. Die Pipe-Rolle enthält viel für Strafprocess, Process auf Neuerliche Besitzentsetzung, Strafjuries, Weigerung als Geschworener zu dienen, Einziehung von Verbrechergut, das gefährliche Wasser- und Zweikampfsordal; die Zehntschaften der Freibürgschaft müssen für Angeklagte bürgen und, wenn diese der Justiz entfliehen, zahlen; die Lehnsherrschaft des Nachbaradels saugt die unmittelbar unter dem König freien Sokmannen auf; selbstherrliche Justiz mit Ordal ohne königlichen Beamten wird bestraft. — J. H. Round, Ath. 281X89, 421, fand Bruchstücke der ursprünglichen Antworten auf die Sheriffs-Enquête von 1170, die sich nicht bloss auf Beamte und Fiscus bezog, sondern auch auf Gelder, welche Gutsbesitzer ihren Hintersassen abgepresst hatten. — Die oben II, 226 erwähnte poetische *Vie de s. Thomas stammt aus Ms. Goethals-Vercruysse, 14. Jh.; JI. Brit. archl. ass. 43,295. — A. Will, à Becket bemerkte an den Knochen, die man in der Becket-Capelle der Domkrypta zu Canterbury nahe der Mordstelle ausgegraben hat, zwei Schwerthiebe über den Schädel und die ausnahmsweise Länge des Skeletts, und P. Thornton am Schädel Grösse und phrenologische Merkmale für Klugheit und Willenskraft [!] Das Capitel hat anerkannte Archäologen sich äussern lassen, ob dies des h. Thomas Gebeine seien; dieselben verneinten es; Antiq. March 1888, 175; Oct. 1888, 170. — *Rob. Anchor Thompson, Thomas Becket, martyr patriot, (’89), laut Sat. R. 30III89, 388 radical parteilich gegen die Krone, will Thomas menschlicher auffassen : er habe nicht aus unversöhnbaren Gegensätzen bestanden oder Heiligkeit in pomphafter [231] Askese erstrebt. Letztere sei übertrieben geschildert worden und gehe Thomas’ Wesen nichts an [?]. Er erscheine nicht als Candidat für das Martyrium, sondern von Anfang bis zu Ende als Staatsmann [?], als erfolgreicher Patriot auf Kosten seines Lebens; er sterbe für Freiheit und Recht zunächst seiner Persönlichkeit, dann der Menschheit, der er auf diesem Wege voranschreite. Die kirchlichen Privilegien verfechte er als die einzige dem Engl. Volke noch übrige Freiheit und schaffe das Geschlecht der Magna Charta. — W. von Giesebrecht [†], Gesch. der Deutschen Kaiserzeit, V, 2 (Lpz. ’88) beleuchtet zum ersten Male die Deutsch-Englischen Beziehungen 1165—81 weltgeschichtlich und besonders den Becketstreit vom päpstlichen Schisma aus. Seit 1171 berühre Englands Politik in Deutschland fast nur noch Heinrich den Löwen. Heinrich’s II. Versprechung 1165, Paschal anzuerkennen, scheint mir nicht ernst gemeint, sondern {wie 1166/8, p. 514. 594) ein Fechterstreich, um Alexander zu ängstigen: die Unmöglichkeit, die Prälaten von letzterem abzuziehen (p. 499), sah der König gewiss voraus. Er war „zweideutig, unzuverlässig“, aber nicht „treulos“; dass er „die Achtung des Abendlandes niemals besessen“ habe, stimmt nicht zu seinem Verhältniss zu Spanien, Sicilien, Jerusalem und zum Inlande. Erwähnung hätten verdient der Englisch-Deutsche Handel, die Aufmerksamkeit Heinrich’s und seines literarischen Kreises auf die Reichsgeschichte, der Plan, Savoyens Alpenpässe (vgl. p. 594) den Plantagenets zu gewinnen, und der Flandrische Versuch, 1173 im sö. England Fuss zu fassen. — C. M. Church, Reginald bishop of Bath 1174—91, Archla. L (’87), 295, ist wichtig für die Geschichte der Kirche in Somerset (Thomas Agnellus und Peter von Blois waren dort Archidiakone), besonders des Doms und der Stadt Wells. Reginald hiess vom Ort der Geburt oder Erziehung Lumbardus; er stand mit seinem Vater Jocelin, Bischof von Sarum, gegen Becket zum König und diente diesem als Beamter und Rath, in Frankreich (wo ihm 1164 Ludwig VII. die Abtei Corbeil gab) und Rom auch als Diplomat. Er vermittelte 1173 die Savoyische Verlobung und hielt sich (vielleicht in Folge dessen, und) um den Karthäuser s. Hugo von Avalon (später B. von Lincoln) für England zu gewinnen, in St. Jean de Maurienne auf, wo er 1174 geweiht ward. In St. Lo, im Côtentin, wo seine Familie von Bohun heimisch, und sein Oheim Diöcesan war, weihte er am 5. Aug. die erste Kirche dem h. Thomas: auch dies ein Zeichen, wie die Englische Regierung dem Märtyrer sich schnell versöhnte. Ende 1191 ward Reginald, von Heinrich VI. durch Vermittlung ihres gemeinschaftlichen Verwandten Savaric einpfohlen, für Canterbury erwählt, starb aber am 29. Dec. Vf. hat manche Kirchenarchivalien benutzt und einige gedruckt, darunter wichtige Acten der Könige und Alexander’s III., 26. Febr. 1179. Vgl. u. p. 233. — Hauréau, Jl. Sav. 1888, 292 bespricht *G. Milchsack, Hymni et sequentiae (Halle 1886) und meint, die Todtenklage „Lux mundi labitur“ gehe auf Heinrich II., nicht Gottfried von Bretagne.

Irland unter Anglonormannen. 0. Pfülf, Hadrian IV. und die Schenkung Irlands (Stimmen aus Maria Laach 36, 382). Hadrian’s Leben wird [mit groben Fehlern] erzählt, mit der Absicht, ihn gegen Vorwürfe, [232] besonders der Begünstigung Englands, zu vertheidigen: nicht einmal St. Alban’s habe er bevorzugt [?]; dass er Irland verschenkt, sei zu bezweifeln [?], weil [I] von vielen Zeitgenossen nicht ausdrücklich erwähnt. Dass Rom die Eroberung begünstigte, gibt Vf. zu. — Die Echtheit der Bulle Hadrian’s vertheidigt, mit Malone (Dublin R. 1884 I, 316), *G. T. Stokes, Ireland and the Anglo-Norman Church: a hist. of Ireland and Irish Christianity from the Anglo-Norman conquest, ’89, laut SatR. 22II90, 241; Dublin R. Jan. 90,216 lebendige Vorlesung, nicht für Gelehrte. — J. Jacobs, A Jew finances the conquest of Ireland, Archl. R. III, 215, bezieht die Geldstrafe, welche der Jude Josce von Gloucester laut Pipe-Rolle von 1170 dem Exchequer „schuldete für Gelddarlehen an die gegen des Königs Willen nach Irland Gefahrenen“, auf Richard Striguil’s (Strongbow’s) Zug Aug. 1170, der Waterford und Dublin gewann und dem König die Angst einflösste, er möchte in Irland ein unabhängiges Königreich gründen. Dass Striguil verschuldet, Geldmittel leihen musste, dass er gegen des Königs Willen auszog und Ende 1170 mit Güterconfiscation gestraft ward, wissen wir anderweit. Vgl. Ac. 11V89. — *John T. Gilbert, Calendar of ancient records of Dublin I [seit 1171] ’89. — H. Gaidoz, R. Celt. VIII, 168, weist in dem zu Lémenc bei Chambéry verehrten Erzbischof von Armagh S. Concord den dort 1175 auf der Rückreise von Rom verstorbenen Conchobar Mac Concoille nach. — *Ball, Ireland [s. o. II, 227] sei laut W. O’Connor Morris, EHR Oct. ’89, 789, als Verfassungsgesch., soweit Statuten und Gerichtsurkunden reichen, vortrefflich, die Gesch. der Ideen aber ungleich; die allgemeine polit. od. sociale Auffassung vermisst oder missbilligt M. Das Irische Parlament war und blieb eine Gründung des fremden Eroberers. Wie sein Vorbild in England aus dem Concilium regis entwickelt, erwarb es nach 1300 das Vertretungsprincip. Aber seine Macht reichte nur zum Pale, nicht über die Kelten dahinter; es war also eigentlich bloss ein Obergericht einer nur in Leinster gefestigten Colonie, es zog eine dunkle Scheidelinie zwischen Anglonormannen und Iren. Der Supremat des Engl. Parlaments tritt schon im 14. Jh., da Iren bisweilen zu Westminster erscheinen, dann deutlich unter den Lancasters hervor, als Irland zu den Yorkisten stand. Besonders Poynings nahm 1494 dem Irischen Parlament die Selbständigkeit.

Richard I. *F. A. Archer, The crusade of Richard I. [vgl. oben II, 254], (English hist. by contemp. writers ed. F. York Powell) biete genaue Einzelheiten, tüchtige Bibliographie und benutze Orientalische Literatur. Hauptquelle sei das Itinerarium. [Dies aber ruht auf Ambroise’s Französ. Gedicht, Mon. Germ. XXVII, p. 532.] So Sat. R. 9III89, 297. Ath. 11V89, 598 rühmt die allgemeinen Urtheile, wie genealogische und topographische Ausführungen. — Ueber den ersten Mayor von London, Henry fitz Aylwin handelt J. H. Round Antiq. XV (’87), 107.— Round, Richard I. change of seal, Archl. R. I, 135. Das zweite Siegel (und mit ihm Englands Wappen der drei Löwen) ward 1198, zwischen 1. April u. 22. Mai, eingeführt (nicht, wie Hoveden sagt, 1194): als die Kirche Deceraber 1197 Steuern weigerte, erpresste der König Geld, indem er seine Privilegien [233] neu besiegeln, d. h. nochmals bezahlen hiess. Doch kamen die Empfänger nur allmählig darum ein, und, da 1199 Richard starb, gibt es solcher Bestätigungsurkunden nur wenige. Diese erwähnen als Grund der Siegeländerung, dass das erste Siegel aliquando [1191] perditum fuit et, dum capti essemus in Alemannia, in aliena potestate constitutum. — Die eingehenden Untersuchungen von Round und Stevenson (EHR. Jan. ’89, 105 bezw. 108) ergeben, dass der Name Carucagium [vgl. oben II, 228] seit 1199 begegnet, und wahrscheinlich als etwas Neues, also vermuthlich die 1194 eingeführte Steuer bezeichnet und nicht nothwendig auf das Pfluggespann, sondern ebensogut auf das durch einen Pflug bestellbare Land als Schätzungseinheit deutet. Nur Gewinnes wegen entschloss sich das Exchequer zur Anfertigung einer neuen Steuergrundlage: statt der an Werth and Umfang ungleichen Hide des bisherigen Dänengeldes besteuerte man jetzt den wirklichen Pflug [Landes]. Die Reform war keine bloss nominelle, sondern drückte, da man den Pflug zu nur 100 Acres schätzte, während ihn Fleta (Ende 13. Jh.) zu 160-180 Acres annimmt. — C. V. Church, Savaric bishop of Bath 1192-1205, Archla. LI (’88) 73, bringt zwar für dessen Verwandtschaft und Verhandlungen mit Heinrich VI. nichts Neues und benutzt Deutsche Literatur nicht [zuletzt sammelte ich Mon. Germ. XXVII das Hauptsächliche; dazu Winkelmann „Philipp“ 488; „Otto IV.“ 535; Sternfeld „Arelat“ 10], erhellt aber, theilweise aus Ungedrucktem), das Leben Savaric’s (der 1180-92 neben „Dalmatius seneschallus Lugdunensis“, wohl einem Freunde seiner (mütterlichen?) Heimath, urkundet), besonders die Annexion der Abtei Glastonbury, die sich darch den in Rom einflussreichen Mailänder Martin de Summa vertheidigte und 1218 wieder frei ward, und die Privilegirung von Wells zum freien Borough 1201. — Venables, The eastern termination of Lincoln minster as erected by St. Hugh (Archl. Jl. 44, ’87, 194) 1192, mit dem Architekten Gottfrid von Noyers. — *G. Bourbon, Négociations à Vernon en 1199 entre Philippe-Auguste et Richard, Soc. libre d'agricolt. de l'Eure 4 sér. VI. ’87, nach neu entdeckter Chronik; Le moyen-âge ’88 , 67. — R. Davidsohn, Philipp II. August von Frankreich und Ingeborg, Stuttg. ’88 [angezeigt von Bloch, MHL XVII, 245 und Luchaire, RH ’89, 407], bespricht die mit dem Ehehandel des Königs verknüpfte Englische Politik eindringend und lebendig. Da die werthvollen Inedita, die er bringt, England nicht betreffen und die Weltverhältnisse jener Zeit neuerdings (Winkelmann) erschöpfend durchforscht waren, so konnte sich für England nur zur Historiographie, besonders zur Beurtheilung Hovedens, Neues ergeben. Die Benutzung veralteter Ausgaben scheint dem Text nicht geschadet zu haben. Allein mit Unrecht bezweifelt Verf. Hovedens Grund für die Wahl des Hochzeitsorts Ludwig’s (VIII.) und die Nachricht vom Französ.-Schott. Heir&thsplan [E. Will. Robertson, Scotland I, 417], die an zwei Stellen Hovedens nachgetragen ist. Andererseits glaubt er dem geistreichen, im Einzelnen (wie Verf. selbst hier und p. 52 nachweist) ungenauen Wilhelm von Newborough zu bereitwillig, als Ingeborg’s Aussteuer habe Philipp 1193 das alte Dänische Recht auf England gefordert [dies war vielleicht blosse Combination der vor- und nachher auch sonst nachweisbaren [234] Tagespolitik; vgl. Dial. de Scaccario I, II; Math. Paris IV, 92], und baut darauf die Vermuthung, Philipp habe ein solches Recht vorschützen wollen, als er Ingeborg 1213 zur Zeit des Angriffs auf England wieder annahm. Hier wie zur Freilassung Richard’s, die Verf. ebenfalls von Dänisch-Französ. Politik beschleunigt erscheinen lässt, leuchten mir bisherige Erklärungen eher ein. Auch dass Johann 1200 Otto gern im Stiche liess, gebe ich nicht zu. Trivet ist zu 1198 nicht zu citiren: der wirrt Potthast Nr. 1074 hinein. P. 202 lies „Aussteuer“ statt „Morgengabe“.

Johann. Das Blackbook of Carmarthen, einer Priorei in Süd-Wales, das jetzt Wynne zu Peniarth gehört [vgl. oben II, 227] ist nach Evans 1148 [zu früh]-1216, wohl unter Französ. Einfluss, geschrieben. [Mir erscheinen die Schriftzüge der 54 Doppelseiten genau wie die der Engl. Chroniken von etwa 1200]. Nach Thompson ist kein Theil vor Ende 12. Jh., einiges vielleicht später geschrieben. Evans übersetzt die Prophezeiung vom „Kampf zwischen Vater und Sohn [1173], nie kann Befreiung für Normandie sein“. Dies kann doch erst nach 1206 geschrieben sein. Somit beziehe ich auf 1212, nicht mit Hrsg. auf Heinrich (III.), die Worte „Vom König Nicht-König nach Heinrich werden Wirren kommen“. [Heinrich (III.) war nicht nach Heinrich II; am Königthum Richard’s I. zweifelte Niemand auch trotz dessen Gefangenschaft.] Man vergleiche des Peter von Wakefield damalige Prophezeiung über Johann’s Verlust der Krone. — Von Roger de Wendover, s. o. I, 463, erschien 1887 Bd. II, 1230 endend. Man vermisst sachliche Anmerkungen und, gegen den Brauch der Rolls series, Angabe des Inhalts, der Daten, der Bibel- und Dichtercitate am Rande und Sonderung des Entlehnten oder Urkundlichen durch kleineren Druck. Und doch war all’ diese Arbeit von Coxe, Luard und für Deutsche Theile von mir, Mon. Germ. XXVIII bereits gethan. Die Noten in M.G. 42g, 43c, 471, 49h, 63o beweisen, dass hier Hewlett nachlässig collationirte, 46s, dass er den Text willkürlich verderbte, 48k, dass er ohne Urtheil Fehler späterer Hss. aufnahm, ohne auch nur anzumerken, dass die frühere des Matheus Paris das Richtige bewahrt, 63k, dass er Correcturen übersah, 50 o, p, dass er nicht zu verstehen versuchte, was er druckt. Man darf also Hewlett nicht ohne Luard und Mon. Germ, benutzen. — Eine Landschenkungs-Urkunde des Walliserfürsten Madauc Sohn Mailgun’s [† 1212], für die Abtei Cumhyr druckt d'Arbois de Jubainville, Revue Celt. Vü(’86), 86. — D. Chambers, Divine worship in England in the 13. 14 centuries contrasted with and adapted to that in the 19th. (New ed. fully illustrated. 1877. 4°; Supplement 1886), ein Leitfaden des praktischen Cultus mit ritualistischer Absicht, der den Gottesdienst um 1300 als die vollendetste Form preist, aber oft auch auf früheres MA. Bezug nimmt, z. Th. mit Benutzung von Hss. und seltenen Büchern. — Die Magna Charta vergleicht Ranke, Weltgeschichte VIII, 340, mit Friedrich des II. Constitution von 1232: Jene beschränkt die Willkür der Krone (wie diese die Gewalt des Staats), schafft aber nicht einzelne Landesherren, sondern schliesst die Gesammtheit der Unterthanen erst recht zum Einheitsstaat zusammen. [Am klarsten liesse sich der Gegensatz am Rechtsleben [235] zeigen, das sich in England seitdem einheitlich national entwickelt] — W. de Gray Birch, Will of king John (Jl. Brit archl. ass. 43, 335) d. i. der bekannte Text des letzten Auftrags des vom Tod überraschten Königs an seine Räthe.

Heinrich III. Herm. Hoogeweg, Der Kreuzzug von Damiette, MIÖG IX ('88), 249, 414 betrifft u. a. die Grafen von Gloucester und Salisbury, der [S. 270] oft mit Saarbrücken verwechselt werde. — A. S. Cook, Cardinal Guala and the Vercelli book, Mod. lang, notes VI, 128. 424, tritt für die Ansicht ein, dass Wala den berühmten Schatz Ags. Poesie in sein Bisthum mitnahm, und citirt Urkunden über die von Heinrich III. der Andreasabtei zu Vercelli geschenkte Priorei zu Chesterton. — Sir H. Barkly, A domestic outrage in Gloucestershire about 1220, Tr. Bristol archl. soc. II, 331 enthüllt aus den Close- und Assisen-Rollen den Ehebruch und Gattenmord einer Giffard, die sich weigert der Jury ihrer Nachbaren zu stehen und vom Königsgericht verurtheilt wird, Nonne zu werden. Dafür verbürgen sich ihre Verwandten, der höchste Adel des Landes. — Das undatirte Statutum de catallis felonum (Confiscation von Verbrechergut) war Bracton bekannt und entstammt wohl der ersten Hälfte von Heinrichs III. Regierung; Law QR Apr. ’89, 227. — F. W. Maitland, The deacon and the Jewess; or apostasy at Common law (Law QR II, ’86, 153) behandelt die Verbrennung eines aus Liebe zu einer Jüdin Jude gewordenen Diakons auf der Synode zu Osney unter Erzbischof Stephan Langton 1222: ein Fall, der ausser einem von 1210, bis 1400 die einzige Ketzerverbrennung in England blieb und, von Bracton berichtet, die alleinige Stütze für die Meinung bildet, Englisches Gemeines Recht könne Ketzer oder wenigstens Apostaten verbrennen. Allein (nachdem der Erzbischof, gemäss dem Lateranconcil von 1215 und den besten Quellen, den abtrünnigen Geistlichen nur degradirt, nicht zum Tode verurtheilt hatte) vollzog die Verbrennung der Staat, vertreten durch den Sheriff der Grafschaft Oxford, wahrscheinlich sofort ohne Laienurtheil oder königliches Breve, die wenigstens Ende des Jahrhunderts zur legalen Hinrichtung nothwendig erschienen. Mindestens einige Zeitgenossen sahen in dieser Hast einen Zug persönlicher Grausamkeit: der Sheriff, Faukes de Breauté, ist als gewaltsamer Blutmensch auch sonst bekannt. Jedoch wäre eine gerichtliche Thätigkeit zwischen Schuldsprach der Synode und Hinrichtung blosse Formalität gewesen; denn Feuertod galt dem damaligen England als gerechte Strafe sicher für Apostasie und wahrscheinlich für Ketzerei. Einmauerung verhängte dieselbe Synode, ohne Antheil staatlicher Justiz, über zwei Laien wegen geistlicher Schuld; und dies, im Unterschied vom Todesurtheil, erschien Niemandem als Uebergriff geistlicher Gerichtsbarkeit. — Maitland (ib. p. 525) citirt einen Process aus der Coram rege-Rolle 1236/7, wonach Hurerei zwischen einem Juden und einer Christin mit Verbannung des ersteren und Busse und Stadtverweisung der Christin bestraft, also vom Laiengericht beurtheilt wird. — J. Chevalier, *Évèqnea de Valence 1226-61 (Bull, d'hist. ecclés. du dioc. de Val.) ’89 betrifft die in England wichtigen Savoyer Wilhelm u. Bonifaz. — F. W. Maitland, The introduction of English law into Ireland (EHR Juli ’89, 516) [236] druckt Heinrichs III. Verordnung an Irland (Canterbury, 1227, Nov. 10 [?}), dass dessen Richter Englands Process-Einleitungs-Formulare, deren Register er übersendet, anwenden sollen. — H. d'Arbois de Jubainville druckt Rev. Celt. VII (’86) 81, vier Urkunden der Könige von Connaught und Nord-Munster um 1230-1268, die Cîteaux Geldrenten, zahlbar durch die Aebte von Mellifont und Mayo, schenken. — Interessant für die Geschichte der Percies ist der Brief des W[ilhelm] von Percy an den Prior von Mottisfont, der ihm Landbestätigungen König Johann’s zu einem Process vor den Reiserichtem zu Leicester schicken soll, Archl. Jl. 46 (’89), 73. [Das dort gegebene Datum 1199-1216 scheint um ein Menschenalter zu früh.] — Die Rôles Gascons der Coll. des doc. inédits bleiben seit Michel’s Tode liegen: die Ausgabe würde 30 Quartanten füllen; Langlois, Doc. rel. à l'hist. de France 10 [gegen oben II, 231]. — *Will. Lockhart, The church of Scotland in the 13. Century: the life and times of David de Bernham [Bischof] of St. Andrews 1239-53 with a hist. of churches dedicated by him (Edinb. ’89). Dies Verzeichniss der 1240-9 geweiheten 140 Kirchen entstammt dem Pontificale, das Chr. Wordsworth um 1885 herausgab, Ath. 10VIII89, 188; Scottish R. July 89, 207. [Ueber die Bernhams vgl. Stubbs, Will. Malmesb. I, lxxj.] Das Buch tadeln als werthlos Ath. und Ac. 13VII89, 22. — *W. H. Hutton, The misrule of Henry III. 1236-51; *Ders. Simon de Montfort 1251-65, Extracts from chron., ’88 (ed. Powell, s. oben p. 232, Z. 36). — Sir Henry Barkly, A Gloucestershire jury list of [1258], Tr. Bristol archl. soc. 10 (’86) 293, druckt aus den Placita coronae Rollen die früheste Geschwornenliste der Grafschaft. Aus Heinrich’s III. Zeit sind zwei andere Reiserichterrollen vorhanden, aber unvollständig. Auch der Sheriff mit zwei Unterbeamten und die Coroners sind genannt. Unter den meist je 12 (selten 13,14, zweimal 6) Geschwornen der 24 Hundertschaften, 9 Städte, 3 Manors und 1 Forstes werden 2 als Electores bezeichnet, d. h. als die Ritter, welche nach dem Gesetz von 1198[WS 4] gewählt waren durch 4 von den königlichen Richtern ernannte Ritter, um 10 andere zur Hundertschaftsjury zu cooptiren. Im Ganzen sind an 450 Männer genannt, darunter auch auf dem Lande eine Anzahl sicher nicht Ritter. Die Verbindung so vieler Provinzialen mit der Staatsbehörde zu nicht bloss gerichtlicher, auch fiscaler Arbeit erzog zur politischen Selbständigkeit im Parlament. — Von etwa 1257—1290 nahm der Englische Sterling den Platz des damals an Werth sinkenden Kölnischen Denar im Verkehr an Rhein und Mosel ein. Im 14. Jh. hiessen Trierer Sechsdenare, weil an Silbergehalt dem Englischen Sterling nahe, „Engels“[ch]; Lamprecht, Deutsches Wirthschaftsleben II, 426, 452. — Scheffer-Boichorst, Zur Gesch. Alfons X. von Castilien. MIÖG IX (’88) 226, bespricht dessen Frieden mit England 1254: danach bat Heinrich III. die Curie vergeblich, sein Kreuzzugsgelübde durch einen Zug mit dem Castilier gegen Marocco erfüllen zu dürfen. Die Geneigtheit Frankreichs für Alfons’ Erwerbung des Römischen Königthums 1256 sei zu Gunsten Richard’s von Cornwall umgeschlagen, weil Alfons sich das gegen Karl von Anjou empörte Marseille verbündete. — Rich. Sternfeld, Karl von Anjou [s. o. II, 255], fördert Englische Geschichte, die er natürlich oft berührt, besonders bei der Aufhebung von Edmund’s Sicilischem Königstitel [237] (1262/5), den Alexander IV. treu aufrecht erhalten hatte, und bei Heinrich’s III. Ansprüchen auf Mitgift und verpfändete Burgen der Provence. Vf. dient auch mehrfach der Kritik des Matheus Paris. Er vermuthet: Karl sah gern, dass Heinrich III. 1263 durch die Barone beschäftigt und daher an der Unternehmung auf Sicilien behindert war. [Montfort’s Verhältniss zu Karl lässt sich vielleicht genauer fassen: jener vermuthlich dictirte 1264 Heinrich’s III. Brief an Karl, dass Ludwig IX. nicht die Englischen Barone angreifen möge. Nicht bloss durch Eid erschienen Simon und Karl verbunden, sondern durch Schwurbrüderschaft: vielleicht eine Spur der altgermanischen Einrichtung, über die vgl. Pappenheim, Altdän. Schutzgilden 38; Goldschmidt, Agermanament in Zs. f. Handelsr. 35, 347. Wohl nur durch diese erklärt sich Karl’s Freundschaft für Simon, gegen welche doch seine Schwägerschaft, Neigung zur Despotie, damalige Gefügigkeit vor dem Papstthum, Gemeinschaft mit Frankreichs König- und Fürstenthum sprachen. Und vielleicht desshalb schützte Karl Simon’s Söhne, auch als sie 1271 kirchenschänderische Meuchelmörder an dem Sohn des Römerkönigs Richard geworden, um ihren Vater zu rächen: Schwurbrüderschaft bedingte Rachepflicht.] Dass 1253 der Französische Adel von Simon gegen Heinrich III. geführt sein wollte, bezweifle ich: Simon suchte damals Englische Hofgunst, und Matheus bespricht die etwaige Annahme des Französischen Seneschallats nicht als Verrath, sondern als vielleicht der Missdeutung fähig. Dass Innocenz Sicilien gleichzeitig, nach ähnlichen Briefen an Richard von Cornwall und Alfons von Poitou, jenem und Karl antrug, erklärte Ficker, m. E. richtig, so: der zweite Auftrag galt nur, wenn der erste scheiterte; Verf. meint, die Curie wollte die Schreiben auch gleichzeitig bestellen, also den im Stich lassen, der später annähme [?], ihr Nuntius habe vielleicht mit den Franzosen schon vor der Englischen Reise unterhandelt. — Innocenz’ IV. Brief über den Protest Heinrich’s III. und seines Bruders Richard gegen die Ergreifung der Provençalischen Erbschaft durch Frankreich 1245 citirt Berger, RC 1889, 486. — Fr. Delaborde druckt BECh 49, 6 Ludwig’s IX. Instruction für die Gesandtschaft an Alexander IV. 1259 [nicht 1258; RH 40, 180], die um Unterstützung des Französischen Interesses bat bei dem mit Heinrich III. zum 25. Nov. zu ratificirenden Frieden, der dann 4. December 1259 geschlossen ward. — F. Kaltenbrunner, Die Briefsammlung des Berardus de Neapoli (MIÖG VII, 21. 555} erwähnt England betreffende päpstliche Schreiben S. 71. 80. 90. 92 [1352/60][WS 5]. Urban IV. belobt Johann Mansel Nr. 10, S. 557, bedauert Heinrich III. wegen Englands Wirren 29; Gregor X. fordert Geld vom Englischen Clerus zu Edward’s Kreuzzug 165. 185. 195, rügt des Bischofs von Hereford Pfründenbesetzung 198: all’ dies nicht bei Potthast, Reg. pont. Oft gibt K. nur Adresse und Anfang, so regine Anglie 203 u. s. w. Auch unter den späteren Nachträgen ist für England Wichtiges: S. 595 für Edward III. Das durch Rymer dem Engl. Archiv entnommene Material, das Vf. bei Berard und im Vatican. Register wiederfand, für 1263-84, verzeichnet p. 601. Berard sollte 1265 mit der Königin von England, wahrscheinlich für Karl von Anjou, verhandeln, S. 604; kurz vorher hatte ihm Urban IV. eine Pfründe in der Diöcese Winchester zugewendet, 605; er schreibt selbstbewusst regi Anglie Nr. 756. [238] Ihn bat T. thesaurarius Anglie um Verwendung bei der Curie; diesen Brief concipirte Stephan de S. Georgio, der erst dem Engl. Königshause, dann dem Engl. Cardinal Hugo von S. Lorenzo in Lucina diente, S. 115. — Jos. Bain, Notes on the Trinitarian or Red friars in Scotland, and - - charter of Alexander III. confirming the foundation of Houstoun by Cristiana Fraser, widow of Sir Roger de Mowbray [6. Jan. 1272], Proc. Soc. Antiq. Scotland XXII (’88) 28.

Literatur u. Kunst des 13. Jhs. Krautwald’s [so verbessere o. II, 482]. Layamon besprach H. Klinghardt, Engl. Stud. 13, 84. — J. A. Bennett, The architect of Salisbury cathedral (Arch. Jl. 44, ’87, 365) sei Elias de Derham, der in Urkunden seit 1205 vorkommt als Geschäftskleriker des Königs und mehrerer Prälaten. 1215 war er nach einigen Jahren klerikaler Parteihaltung wieder im Königsdienst. 1220 arbeitete er am Schreine des hl. Thomas Becket Ferner baute er in Salisbury, auch am Dom, wo er Domherr und a prima fundatione rector novae fabricae ecclesiae war; um 1230-5 baute er die Königshalle zu Winchester; er starb 1245. — Stephan Langton theilte um 1200 die Bibel neu in Kapitel ein. Roger Bacon meint irrig, die Fehler im Exemplar Parisiense der Vulgata seien erst im 13. Jh. eingeschwärzt; sie sind aber älter; H. Denifle, Die Hss. der Bibel-Correctorien des 13. Jhs., A. f. Lit.- u. KG d. MA. IV, 268. — *Martin, Muséon 1888, behandelt diesen Tadel Bacon’s gegen die Latein. Uebersetzung der Bibel, die er durch das Papstthum corrigirt wünschte; ZKTh 12, 587; 13, 406. — *L. Doublier, Roger Bacon, eine culturgeschichtl. Studie (Progr. O.realsch. auf der Wieden in Wien 1885). —- W. L. Courtney, R. Bacon, Fortnightly R. Aug. ’89, 254, hebt einige philosophische Sätze und naturwissenschaftl. Entdeckungen Rogers, besonders verglichen mit Francis Bacon, hervor. [Bibliographie und Lebensgeschichte vervollständigt Mon. Germ. 28, 569.] — C. E. Plumtre, On Roger Bacon’s Cure of old age (Antiq. July ’87, 12), excerpirt De retardandis senectutis accidentibus. — *Ch. Jourdain, Discussion de quelques points de la biographie de Roger Bacon in Excursions s. o. 230, Z. 8. — In England galt für die Orthographie der Schule von St. Alban’s als bezeichnend die Einschiebung des c hinter x vor e (excercere). Holder-Egger, N. Archiv XIV (’89) 139 weist dies als in Deutschen und Engl. Hss. Ende 13. bis 14. Jh. überaus häufig nach. — Matheus Paris hat in seine Werke mehrere festländische Weissagungen aufgenommen. Diese untersucht O. Holder-Egger, Italienische Prophetieen des 13. Jhs., N. Archiv XV, 145. 167. 171. 175. 177. Ueber die bei Barthol. Cottons. eb. 144 f. — Ch. Jourdain, Doutes sur l'authenticité de quelques écrits contre la cour de Rome attribués à Robert Grossetête évêque de Lincoln [s. über die Frage oben I, 185] ist neu gedruckt in Excursions, s. o. 10 Z. vorher. — F. K. Haase, Die Altengl. Bearbeitungen von Grosseteste’s „Chasteau d’amour“ verglichen mit der Quelle, Anglia XII, 311. Der Bischof von Lincoln behandelt Sünde und Erlösung in einer Allegorie, die Dichtergabe, scholastische Gelehrsamkeit [nicht nothwendig aus Paris!] und Benutzung anderer didaktischer Werke zeigt. [Zeitgesch. berührt er nirgends, wenn er nicht p. 347 bei dem aus seinem Lande vertriebenen Kaiser von [239] Rom an Friedrich II. dachte, dessen Absetzung er 1245 untersiegelte; vgl. oben I, 186. Zweifel an der vollen Verfasserschaft Grossetestes, der nach Felten, Robert Grosseteste 88, vielleicht nur Stoff und Anlass des Werkes gab, hegt Vf. nicht.] Von den Bearbeitern führt der eine Naturschilderung u. a. liebevoll aus, der andere, ein Mönch von Sallay des 14. Jh., zeigt sich als moralisirender Theolog. — Fred. Spencer, The Old French mss. of York minster library (Modern lang, notes Dec. ’89, 488). Sie beschreiben u. a. Heiligenleben in Anglonormann. Poesie, darunter Vie de St. Brendan, 13. Jh. [d. i. Hardy, Descr. Catal. Nr. 459]. — Aus des Thomas von Kent Geste d’Alisandre erschienen Auszüge in *Paul Meyer, Alexandre-le-Grand (IV und V der Bibl. franç. du Moyen-âge) I.

Berlin, Januar 1890.
F. Liebermann.


[146]
Neuere Literatur zur Geschichte Englands im Mittelalter.


I. Besprechungen einzelner Werke.

Collected papers by Henry Bradshaw, comprising – – two papers not previously published with 13 plates. Cambr. Univ. press. 1889. 500 p. 8°. F. J[enkinson], Bradshaw’s[WS 6] zweiter Nachfolger als Universitätsbibliothekar [siehe in dieser Zeitschrift II, 501] hat mit dankenswerther Sorgfalt diese 25 Aufsätze von 1862–85, meist der Cambridge antiquarian society vorgetragen, aus (zum Theil schwer erhältlichen) Zss. und Ungedrucktem gesammelt. Was davon Brit. MA. betrifft, wird unten eingereiht werden. Ausserdem sind behandelt: Waldensische Hss., Cambridge im 16.–18. Jahrh., das ABC als Schulbuch im 16. Jahrh., frühester Buchdruck, besonders am Rhein, in den Niederlanden und England, und Bibliothekswissenschaft. Methodisch lehrreich ist die Art wie Br. einem Band die Herkunft und Entstehung durch die scheinbar kleinlichsten Merkmale ansah. Der Index ist um so wichtiger, als Vf. einer jeden Hs. gern weit in Seitenwege folgte und die Einzelheit verständig im weltgeschichtlichen Rahmen betrachtete. Vgl. Ath. 21 XII 89, 852; E. G. Duff, Ac. 7 XII 89, 365; SatR 11 I 90, 47.

[147] E. A. Freeman, Four Oxford lectures 1887: Fifty years of European hist. [1837—87]; Teutonic conquest in Gaul and Britain. Lond. Macmillan 1888. 112 p. 8°. Der zweite Theil des Bandes, S. 59 ff., vertheidigt breit das oft Vorgetragene über den möglichst rein German. Geist der Engländer, im Wesentlichen gegen Huxley, Sayce und Seebohm’s Theorie der Ableitung von Süddeutschen. Die Mischung des Blutes dagegen gibt Freeman jetzt, mehr als früher, den somatischen Forschern zu; aber das beweise nur noch stärker die Assimilationskraft des Engl. Kernvolkes. Von den Römern mag es Gebietsgrenzen (Landtheilungen) und die Art des Ackerbaus übernommen haben, p. 98 [damit hinge doch ein gut Theil Recht und Wirtschaft zusammen!]. Mit Recht betont er, dass es Weiber und Sklaven aus der Heimath mitbrachte, aber auch Frauen [nicht auch Knechte?] der Eroberten am Leben liess. Neue Gründe jedoch bringt er nicht bei, weder hierfür noch für die [übertriebene] Anknüpfung heutigen Engl. Rechts- und Staatslebens an Angelsächs. Zustände. Mir wirft er ohne Gegenbeweis vor, ich hätte (Forsch. z. Deutschen Gesch. 8, 284 [nicht 224]), im Huntingdon den Klang Sächs. Schlachtgesangs über Anderida nicht gehört: und gerade ich wies doch nach, wie jener vielleicht „Germanische Poesie“ für zweifellos Erfundenes als Redeschmuck missbraucht! Die Melodie also scheint auch mir nicht aus der Schulstube des 12. Jahrh. zu tönen: nur begleitet sie einen falschen Text! F. denkt sich nun ein Sächs. Lied zusammen, gerade aus dem Theil Huntingdon’s, den dieser aus den Angelsächs. Annalen wusste, erwähnt aber mit keinem Worte die kunstvollen Stratageme, die mir für 491 so unecht, so gar nicht Beowulfisch klingen. Auch verschweigt er, dass ich jene (übrigens vom Hrsg. Arnold angenommene, auch vom Ath. 17V90, 636 gegen Köhler, Kriegswesen, geltend gemachte) Kritik nur wagte, weil dieser Bericht über Anderida einer ist von 30 Kriegsgeschichten, die theilweise nachweislich erfunden, nirgends sonst belegbar, also vermuthlich alle leere Rhetorik sind.

Edw. Consitt, Life of s. Cuthbert (1887. 254 p.), liefert anlässlich der 1200jährigen Todesfeier eine Legende mit Wundern und Askese, die erbauen und moderne Weltanschauung bekämpfen will. In ultramontaner Absicht verschleiert er die Abweichung der Iroscoten von Rom und ihr Verdienst um die Mission, bevor der Papst England zu bekehren dachte. Dass Cuthbert’s Eremitenthum und sein Weichen aus Ripon den Sinn der Kelt. Mönche bezw. den Gegensatz zu Wilfrid’s Romanisirung der Kirche ausdrückt, wird verschwiegen, ebenso der Streit zwischen den zwei Romanisten Theodor und Wilfrid. Der Historiker gewinnt aus dem Büchlein nichts als die Notiz, dass das Jesuitencolleg zu Stonyhurst ein von Cuthbert besessenes [?], [148] in seinem Sarg gefundenes Johannes-Evangelium bewahrt. Mit der Gluth des Pilgers schildert Verf. Lindisfarne, wo er lange Seelsorger war, und die Nachbarinseln. Ueber Tynemouth aber hätte er nicht alte Irrthümer [ohne Quelle, aber wörtlich aus Lewis, Topogr. dict.] abschreiben sollen. S. 43 u. 47 lies Ida für Ina.

E. Henderson, Verbrechen und Strafen in England während der Zeit von Wilhelm I. bis Edward I. Ein Beitrag zur Culturgesch. Englands im MA. Berl. Diss. 1890. 8°. 74 p. Das Thema ist glücklich gewählt und richtig begrenzt. Eine reiche Anzahl benutzter histor. Quellen und eine nur zu kleine von Urkunden zählt Verf. in Cap. I auf. Vorarbeiten lagen ihm fast keine vor [Pike, Hist. of crime; Schmid, Ges. der Angels. (Glossar: Strafe); Akerman, Furca and fossa; Maitland (in Law QR u. a.; s. oben II, 230 f.; DJ, 214. 235) erwähnt er nicht]. Sodann erörtert Cap. II die Ursachen der verschiedenartigen Bestrafung des gleichen Verbrechens; III. Todesstrafe, Verbrechen, auf welche sie gesetzt war; IV. Verstümmelungs-, V. Freiheit-, VI. Vermögens-, VII. Ehrenstrafe; jedesmal folgt das Verbrechen erst der Strafe, in verkehrter Ordnung. Auch gehört der fiscale, die Gerechtigkeit störende Einfluss unter II statt unter VI. Dass Gefängniss und Todesstrafe im 13. Jahrh. öfter, diese erst jetzt mit grässlicher Qual, Verstümmelungen dagegen seltener als im 11. verhängt wurden, bestätigt sich auch hier. Solch allgemeine Ergebnisse dürfte Verf. deutlicher hervorheben; mit einer an sich lobenswerthen Vorsicht spricht er sie nur zweifelnd aus. Dass aber, die Abschreckungstheorie die Strafen beeinflusste, belegen viele Quellen. Im Ganzen sammelt und ordnet diese fleissige Erstlingsschrift doch in höchst dankenswerter Weise die hauptsächlichen Beispiele von Verbrechen und Strafe, so dass der Jurist leicht ein durchsichtigeres System mit feineren Unterscheidungen daraus wird aufbauen können.

Im Einzelnen verbessere man p. 41 Pauli statt Lappenberg; ferner die Daten des Todes von Eadmer, Malmesbury, Girald, Hugo v. Lincoln und der Endpunkte der Werke Newboroughs und Dicetos; [sog.] Benedict ist irrig mit Walter Coventr. confundirt; Articuli baronum heisst die Petition vor der Magna charta, dagegen das Gesetz von 1259: Provisionen. Den John of Oxenedes fortzulassen, ist kein Vorwurf gegen Mullinger: was Verf. daraus citirt, kommt aus Bury St. Edmund’s; überhaupt wäre recht oft statt des späten Abschreibers dessen zeitgenössische Quelle zu nennen. So ist p. 154 eine Hinrichtung von 119b’ citirt aus Wendover [die Stelle gehört Diceto] als „zur Zeit Wilhelm’s II.“ und aus Gervas als „ein Jahrhundert später“ geschehen. — Libertas p. 11 heisst baroniales Privileg, nicht Freiheit; Rotulus der Juden Pentateuch, nicht Talmud; Tumbril Tauchstuhl; calculum portans diffinitivum [Endurtheil empfangend p. 71] ist kein Beleg für eine Strafe des Steinetragens. Die Strafen der befristeten [149] Haft, Verbrennung und Brandmarkung kennt schon das Ags. Recht, die der Deportation auf eine Insel schreibt Bracton nur Römischem nach; von Blendung und Gefangenschaft gab es härtere und mildere Art; das Scheeren der Haare brauchte kein Ausreissen zu sein. Die Gefangenschaft Robert’s von der Normandie ruht auf Politik, nicht auf Rechtspruch. Die Umwandlung einer Strafe in Verbannung entsteht nicht bloss aus kirchlichem Asylrecht, und die Härte gegen Apostaten nicht aus Johann’s Unterwerfung unter Rom. 1189 lag Apostasie nicht vor, weil der Abtrünnige nur aus Angst [also gegen Kirchenrecht] kürzlich bloss zum Scheine Christ geworden war. Edward’s I. strafrechtliche Anschauung verdient nicht, annähernd modern zu heissen.

Ch. W. Boase, Fellow of Exeter College, Oxford. (Historic towns ed. E. A. Freeman and W. Hunt.) Lond. 1887. x230 p. Um die Gesch. der Universität durch Ausgaben eines Theiles der Matrikel und des Register of Exeter College wohl verdient, zeichnet Verf. hier die Hochschule nur als Theil der Stadt. Diese Zusammenfassung der Stadtgesch. bedeutet, mindestens für das 12.—15. Jahrh., einen Fortschritt der Wissenschaft. Aber auch manche neue Einzelheit schildert Verf., trotz der Knappheit, die dem MA. nur 100 S. gewährt, genau und anmuthig. Nur bisweilen fehlt Raum zu allgemeiner Uebersicht; im Ganzen hebt er mit echt historischem Gefühl Wichtiges und Bezeichnendes geschickt hervor, voll regen Antheils an den verschiedensten Gebieten: Staat und Gesellschaft, Sprache und Sitte, Bodenkunde und Ortsgeschichte, Kirche und Wirthschaft, Baukunst und Literatur. Vorsichtig urtheilend, lässt er manches Unsichere fort, der volkstümlichen Darstellung zu Liebe, die auch Belege ausschloss. Er zeigt sich dennoch mit den Urquellen vertraut und nennt in der Vorrede die hauptsächliche neueste Literatur. [Dazu seitdem in dieser Zeitschrift I, 185. II, 228. III, 205; 228 f. 235; 238 f.]

Der Name Oxford [vgl. H. Bradley, Ac. 31X87, 152] stammt von der Ochsenfurt durch eine kiesige Stelle des Themsebetts. Er und das Fehlen Kelt. oder Röm. Bewohnungsreste sprechen für erste Besiedlung durch Südangeln. Ringsumher trifft man freilich schwarzhaarige Menschen Kelt. Rasse. Wohl von Kelt. Glaubensboten haben mehrere Kirchen Kelt. Heilige zu Patronen. Ein Nonnenkloster bestand hier vielleicht seit dem 8. Jahrh., eine Münzstätte seit Aelfred [auf Aethelstans Münzen heisst „Ox.“ sogar urbs]. Bedeutend als Grenzfeste Merciens und staatlicher Mittelpunkt einer Landschaft, trat Oxford 912 in der Geschichte hervor; als Strassenkreuzung zwischen Nord- und Südengland und als Marktort beherbergte es seit dem 11. Jahrh. häufig wichtige Nationalversammlungen, die Verf. ebenso wie die königl. Besuche und dortigen Staatsactionen vollständig aufzählt. Zwischen 975 und 1032 ward es viermal von den Dänen verbrannt; im 11. Jahrh. macht sich ein Dän. Bestandtheil in der Bevölkerung geltend [Oxfords bedeutendes Landgebiet und (mindestens fiscale, wie später nachweisbare [150] militärische) Verbindung mit Wallingford ergibt die Städteliste (bei Gale, SS. 748 = Munim. Gildhallae II, 2 , 627) vom 10.—11. Jahrh.]. Unter Edward d. Bek. stellte die Stadt 20 Bürger zum Königsheer oder zahlte £ 20 und besass 721 Häuser. Sie hielt auf dem Stadtkirchhofe Portmannimot, z. Th. als freiwilliges Gericht für Landübertragung, daneben [in welcher Beziehung?] Husting zum selben Zweck und zur Testamentspublication. Ihre Verwaltung unter dem Reeve, später Mayor, mit Court leet ist nicht identisch mit der Gilde unter dem Alderman, wenn auch schliesslich die Gildenhalle zum Rathhaus ward. Heinrich I. erlaubte der Stadt, die der Krone zu zahlende Pacht selbst aufzubringen; Weber und Schuster lebten bereits in Gilden, zu denen auch Frauen gehörten; von anderen Zünften incorporirte einige erst spät der Universitäts-Vicekanzler; eine Kaufgilde bestätigte der König 1161, wohl nur gemäss dem schon vor 1135 befestigten Zustande. Als Ideal der Stadtentwicklung galt, für Oxford wie für viele Orte Englands, London. So verlieh Richard I. einen Mayor, den das Exchequer bestätigt (er hilft mit dem Londoner beim Krönungsfest dem Mundschenk), neben 2 Aldermen. Letztere verdoppelte Heinrich III.: jedes Stadtviertel wählte einen, der sein eigenes Viertelgericht (Wardmote) hielt. Aus 24 Rathmannen wurden jährlich Kämmerer, einst Gildenbeamte, dann Stadtrechner, erwählt; und aus früheren Kämmerern wählte man die zwei Bailiffs, die königliche Beamte blieben und der Krone für Stadtpacht und Festnahme der Verbrecher hafteten. Oxford gab 7 anderen Städten das Verfassungsvorbild. Ein solches ward wohl in schwierigem Rechtsfall um Rath gefragt; allein festen Oberhofszug oder gar Städtebund litt Englands starke Staatsgewalt nicht. Zum Parlament wählte die Stadt zwei Bürger, vermuthlich seit 1265, sicher seit 1295 (die Universität im MA. nicht). Wesentlich die Eigenthümer von Freigut in der Stadt regierten, die Armen standen ausserhalb des politischen Lebens und wohnten z. Th. vor der durch die Mauer eng beschränkten Stadt. Seit 1209 stösst die noch ganz junge Universität häufig mit der Stadt feindlich zusammen und entringt ihr mehr und mehr die Gewalt, zunächst die Polizei, besonders seit dem Bürgeraufruhr 1355, und seitdem mehrere Pfarren unter den Patronat von Collegien kamen. Dem Universitäts-Kanzler, der seit dem 13. Jahrh. begegnet anfangs vom (Lincolner) Diöcesan ernannt, und dem Archidiakon schwört die Stadt den Frieden. 1319 gab der Staat selbst über die Oxforder Marktstände eine Verordnung, zunächst der Stadt, bei deren Lässigkeit aber der Universität. Der Prior von S. Frideswyth wahrte für die Dauer seines Jahrmarkts Marktgericht und Stadtschlüssel, während das Stadtgericht schloss. Unter den Studenten überwogen die Knaben. Den vielen Armen, Dank welchen die Universität anfangs demokratisch gesinnt blieb, half man durch zinslose Pfandleihe und Betteleierlaubniss, die seit dem 15. Jahrh. von des Kanzlers Zeugniss abhing. Das verklagte Universitätsmitglied schwur sich mit Helfern rein; im 15. Jahrh. zeigte sich die Gefahr des Meineids. Die meisten Studenten bewohnten anfangs je in einer Gruppe ein Hostel (Inn); deren Aeltester (Principal) haftete dem Eigenthümer für Miethe, der Universität für das Betragen. Der Ordnung zu Liebe siegte das Alumnatsystem, das 1274 [151] mit Walter von Merton’s weltgeistlichem College begann. Sein Statut gab das Vorbild auch für Cambridge’s frühestes College. 1386 ward zuerst eine Lateinschule als Vorbereitung mit einem College verbunden. Die sieben ältesten Collegien zweckten wesentlich auf das bürgerliche Leben ab, wenn auch Privilegien und viele Mitglieder kirchlich waren. Musikinstrumente verbot Queen’s College 1340 als frivol. Von Bauten ist ein Rest von der Burg Robert d’Oilgi’s, des Genossen des Eroberers, in der Kapellenkrypta erhalten. Aelteste Steinhäuser des 12. Jahrh.’s gehörten Juden, die Heilkunde den Gelehrten vermittelten. Die Universität als solche baute im MA. nur den Theologie-Hörsaal, über dem der Raum für Humphrey von Gloucester’s Bücherei erstand: der älteste Theil der Bodleiana. Noch diente die Marienkirche für Archiv, Schatz, Versammlungen, Promotionen, dramatische Spiele der Universität. Der erste Oxforder Buchdruck datirt 1468. [Dass diess nicht in 1478 zu verbessern nothwendig sei, begründet Madan, Library May ’89 laut Ac. 11V89 , 323.] Noch 1304 hatte ein Diöcesan Quellendienst am Edmundsbrunn zu verbieten; ein anderer gründete 1427 Lincoln College gegen Ketzerei, da Wiclif anfangs viele, bis 1431 vereinzelte Nachfolge fand. Der Rosenkrieg schadete Stadt und Universität im Ganzen wenig, wenn auch die Gewalttätigkeit wuchs, wie denn mancher Oxford weniger zum Studium als zum Vergnügen oder als Freistatt aufsuchte. [Die Studentenzahl 3000 fürs Jahr 1209 entstammt Wendover, nicht M. Paris. Der Gewährsmann Galfrid’s von Monmouth Walter, den auch Huntingdon rühmt, ist ein halbes Jahrhundert älter als Map. Die Verfassung der Stadt und Universität, letztere in häufigerem Vergleich zu Paris, möchte man klarer dargestellt wünschen und den Gedanken erkennen, wesshalb Nord- und Südleute, die mit den Pariser Nationen nur den Namen gemein haben, blutig raufen. Auch dass Keime zu anderen Universitäten erstickt wurden, war zu erwähnen.] Vgl. Ath. 10IX87, 334; SatR 18VI87, 888; Ac. ’87, Theil H, 345.

James Gairdner, Henry the Seventh. Lond. Macmillan 1889. 219 S. 8°. Diese würdige Fortsetzung zu des Verf.’s „Lancaster and York“ (2. Ed. 1875) bringt der Wissenschaft mehr Neues als die volksthümliche Form erwarten lässt. Besonders arbeitet Verf. aus den in den letzten Jahrzehnten, zum Theil durch ihn, veröffentlichten Staatsakten die viel verschlungenen auswärtigen Verhandlungen, namentlich die mit Spanien, genauer heraus, vielleicht zu ausführlich: wohl weil die Weltverhältnisse, vor allem die zahlreichen Heirathspläne der Dynastien, in Britischer Literatur bisher über Gebühr vernachlässigt waren; sogar Heinrich’s Plan, die eben verwittwete Schwiegertochter selbst zu heirathen, fehlte früheren Handbüchern. Maximilian betrachtet Verf. nur vom Englischen Standpunkt und daher zu ungünstig. Gegen Bacon’s Urtheile streitet er häufiger als Deutschen nach Pauli’s Arbeit noch nöthig erscheinen wird. Frei von Vorurtheilen und vorsichtig gegen eilige Verallgemeinerung oder gar Paradoxe, verschiebt er das Bild von Heinrich im Ganzen wenig: [152] die bekannten Züge der argwöhnisch spähenden Schlauheit, der Habgier mit scheinbar legalen Kniffen, des ruhigen geschäftsmässigen Ernstes, der würdevollen Zurückhaltung, seien mehr Erzeugniss der politischen Stellung als angeboren. Der König als Mensch erscheint hier günstiger als in den meisten Darstellungen, und wird von manchem Verdacht befreit, so von dem, dass er Suffolk habe durch Curzon umlauern lassen. Freilich liebte er das Geld, jedoch nur als Mittel zur Macht des Königthums, das ja dem Staat Frieden und Sicherheit gewährleistete; die vielen Geldstrafen für Uebertretung, zum Theil veralteter Kronprärogative, befördern doch auch die Achtung vor dem Gesetze und dienen durch Befristung zur dauernden Warnung. Ganz unromantisch, hing Heinrich doch der Kirche aufrichtig an, lebte äusserlich fromm und wirkte für den Kreuzzug mit Wort und Geld, das er nur mit Recht dem Papste anzuvertrauen fürchtete; er liess ohne Antheil am Ertrage die Curie Englische Gelder sammeln. Bisweilen brach in seinem Wesen Humor und Witz, freundliche Rede und Gemüth hervor; die Königin hat er nicht etwa dauernd kalt behandelt. Gegen Aufrührer, z. B. in Cornwall, fast unpolitisch milde, werde er zu Bluturtheilen nur durch die Noth gezwungen. Weiter als sein Volk schaue dieser König, der doch an transatlantischen Entdeckungen Antheil bezeigte, besonders in der Friedenspolitik, die keine fremde Eroberung, auch nicht in Frankreich, beabsichtige, sondern durch Verbindung mit Schottland ein Grossbritannien anbahne, durch geschickte Diplomatie die Nachbarmächte sich verpflichte oder untereinander verhetze, damit England unabhängig und in Europa angesehen dastehe. Dass er zuletzt selbst Ferdinand überlistet habe, sei sicher, dass er ihn von der Regentschaft Castiliens verdrängen wollte, habe er ihn mindestens befürchten lassen. Im Bestreben nur genau Belegbares zu berichten, verzichtet Verf. darauf, die je nach Zweckmässigkeit wechselnde Politik auf bestimmte grossartige Gedanken zurückzuführen; ein idealer oder weltbewegender Genius war ja Heinrich nicht; dooh klar verstand und emsig nützte er die gegebenen Verhältnisse zum nahliegenden Vortheil. — Neue Einzelheiten und genauere Daten bietet das Buch besonders im Anfang. Bei Heinrich’s Geburt war der Vater todt, die Mutter noch nicht 14 Jahre. 1468 war der Knabe von Lord Herbert, der ihn gefangen hielt, zum Schwiegersohn ersehen. Dass ihm 1470 Heinrich VI. die Krone prophezeite, sei unwahrscheinlich, da dessen Sohn noch lebte. Richard III. bot vergeblich dem Herzoge der Bretagne die Grafschaft Richmond für Auslieferung Heinrich’s; als er 1485 die diesem versprochene (und später vermählte) Elisabeth umwarb, gedachte Heinrich schon eine Braut in Wales zu suchen. Die Milde der Yorks [153] gegen Heinrich’s Mutter bleibt unerklärt. Den Königstitel scheint Heinrich schon vor Bosworth angenommen zu haben, später ward sein Regierungsbeginn angesetzt einen Tag vor dem Fall des als Hochverräther zu ächtenden Richard. Der Einzug in London erfolge laetanter, nicht latenter (woraus Spätere einen verschlossenen Wagen machten). Die Ausschliessung der Beauforts vom Throne, obgleich in deren Legitimation nur nachträglich eingeschoben, bleibe unerwähnt, wohl um eine Verfügung des ersten Lancaster nicht umzustossen. Die Parlamentsbitte, dass Heinrich Elisabeth von York heirathe, sei von der Regierung abgekartet. Schwerlich wegen Simnel’s Aufruhr verliere deren Mutter ihre Ländereien. Die Bretonische Angelegenheit wird ausfuhrlich behandelt, mehrere Gesandtschaften fehlten früheren Darstellungen. Die Prätendenten entpuppen sich hier deutlich als Werkzeuge auswärtiger Gegner der neuen Englischen Dynastie. Warbeck z. B., freilich nicht von Margareten, sondern in Irland aufgestellt und von ihr nur benutzt, von Heinrich nie ernsthaft gefürchtet, verliere an Wichtigkeit, da Karl VIII. sich Italien zuwendet; Suffolk werde durch Philipp I. ausgeliefert, zufolge (aber nicht während) dessen Aufenthalts in England. — Die Erzählung nach der Zeitfolge liess dem Verf. zu wenig Raum für die allgemeine Beurtheilung übrig; man vermisst nicht sowohl die einzelnen Strahlen als ihre Sammlung in einen Brennpunkt. Nur ein ganz kurzer Schluss drängt das Ergebniss und alles Culturgeschichtliche eng zusammen. Manchen recht wichtigen Zug zur Verwaltung, Wirthschaft, Gesetzgebung könnte jedes Handbuch ergänzen; Verf. sagt ausdrücklich, dass ihm der Raum dafür mangle. Die Wirthschaftspolitik, besonders den Schutz des Ackerbauers, beurtheilen wir in Deutschland wärmer. Die Verfassungsentwicklung zur Stärkung des Königthums, die Heinrich VII., so sehr er sich sonst als Lancaster geberdet, von den Yorks nur übernimmt, entspringe wohl weniger bewusster absolutistischer Politik als der gesellschaftlichen Verschiebung zu Ungunsten des hohen Adels, der Einbusse der Kirche an moralischer Macht und der Sehnsucht der Besitzenden nach Ruhe und Ordnung. Dass die Krone, wie die Flandrer anstrebten, einen blossen Schmuck für das selbst regierende Volk bilde, bleibe für England noch über ein Jahrhundert unerhört; das Parlament erscheine mehr für die Angelegenheiten des Königs als zur Gesetzgebung, die vielmehr der Geheimrath einleite. Dieser (neben dem auch das Magnum concilium, die Mutter des Oberhauses, noch lebt), nicht der König, trage in der Volksanschauung die Verantwortung. Morton und Bray, als Erpresser verhasst, haben aber in Wirklichkeit Härte und Willkür der Regierung im nationalen Sinne gemildert und sich ehrlich um Verbesserungen [154] bemüht; Heinrich, stets sein eigener Premierminister, hätte sonst absolutistischer, nach Französ. Weise, gern auch mit tüchtigen Fremden, geschaltet. Erst als jene, dann auch Elisabeth, starben, verfalle er auf rohere, niedere Mittel. Er bevorzuge Juristen und Geistliche im Rath, wohl nicht um dem hohen Adel Macht zu nehmen, sondern weil sich unter jenen mehr Talent, Bildung und staatsmännisches Geschick fand, und er sie mit Richterstellen und Prälaturen, also für die Krone kostenlos, belohnen konnte. — Jedes allgemeine Urtheil, das G., der beste Kenner jenes Zeitraums, sicher ausspricht, wird bestehen: eben darum hätte man gerne mehr von ihm gehört. — Index und Anmerkungen schliesst der Plan der „Zwölf Englischen Staatsmänner“, deren Bestandteil dieses Werk bildet, aus. Vgl. Ath. 10VIII89, 181; W.B. in CBl 1889, 1404; Kingsford in Ac. 10VIII89, 81.

Kurze Mittheilungen über die Literatur von etwa 1887—90, zur Geschichte Englands. A) Von Edward I. bis auf Richard III.
Ueber * und Siglen s. o. Bd. in S. 206. Vgl. Abkürzungsverzeichniss.

Quellen und Urkunden seit Ende 13. Jahrh.’s. F. D. Swift, Marriage alliance of Pedro of Aragon and Edward I., 9 Oct. 1273 (EHR Apr. ’90, 326-8), aus Aragon. Archiv: Edward desponsavit, per verba de futuro, filio maiori Infantis seine älteste Tochter, Sordue, bezeugt von Gascon. Prälaten und Adligen, Rog. Clifford, Joh. Bohun, Ant. Bek. Verf. stellt Jacob’s Politik gegen Frankreich dar: Edward I. traf ihn 1269 zu Burgos bei Alfons von Castilien, von dem er schon 1254 den Rittergürtel empfangen hatte. Da der Verlobte, Alfons III., 1291 bei der Hochzeit starb, blieb der Vertrag erfolglos, er zielte gegen Philipps Uebergriffe in Südfrankreich, besonders 1272 in dem von Aragon abhängenden Foix. — F. Pabst, Die Sprache der Mittelengl. Reimchronik des Robert von Gloucester. I: Lautlehre (Berl. Diss. ’89). Sprache und Stil des Theiles bis 1135, den Wright [s. oben II, 232] einem anderen Dichter zuweisen möchte, seien von denen des späteren Theiles nicht verschieden. Von den Südengl. Legenden schrieb man früher mehrere Robert zu, Ellmer nur noch vielleicht die von Kenelm [vgl. Mon. Germ. 28, 664, 55]; Verf. spricht ihm auch diese ab. Dass sie den Robert, und er wieder andere dieser Legenden, z. B. Becket, benutzt, erkläre sich vielleicht daraus, dass die Legenden in S. Peter’s zu Gloucester entstanden, wo [? Mon. G. 663] Robert lebte. Als philologisch tüchtig lobt diese Arbeit Klöppel, M. a. Engl. Spr. u. Lit ’90, 92. — Die Haveloksage, ein Nachklang der Dänisch-Englischen Beziehung (vielleicht der Verbindung unter Cnut?), entstand wahrscheinlich unter den Dänischen Ansiedlern Ost-Englands.. The lay of Havelok the Dane hält John W. Hales (Ath. 23 II ’89, 245) erst nach 1296 abgefasst, da Roxburgh als nördliche Reichsgrenze erscheint. Vielleicht sind auch andere Stellen durch Edward’s I. Reform beeinflusst. [Die Verbindung mit bestimmten [155] Jahren scheint nicht zwingend.] Um 1303 citirt Robert von Brunne [s. o. I, 467] den Havelok. — * Haydon’s trefflicher Calendar of the Patent-rolls für 1278—81 steht in der Appendix zu den Reports of the Deputy Keeper of the Public records 1886—9. Laut Ath. 30 III und 19 X ’89, 410 bezw. 524 bringt er Neues für Edward’s Begünstigung des Legisten Franz Accursi and für seine Finanzen. Er sammelte verfassungswidrig Geld zum Kriege gegen Wales, wogegen die Kirche, erst im eigenen, dann im Landes-Interesse auftrat. Die Nachricht der Ann. v. Oseney über das Lambether Concil wird hier bestätigt. Als Staatsbankiers kamen damals die Oberitaliener auf, die das Volk wenig liebte; sie und die Münzbänke und Juden presste die Krone aus, sie verkaufte Wald-, Jagd- und Fischereirecht. Doch suchte der Fischerei ein Verbot gegen Wehre aufzuhelfen. Auf Warenne’s und Bigod’s Domänen verfolgte die Krone Wilddiebe, ferner Zeeländische, von Englischen Kaufleuten verklagte Seeräuber. Der Königin-Mutter gewährte sie reiches Witthum. — *J. Madan, Rough list of the ms. materials rel. to the hist. of Oxford — in printed catalogues of the Bodleian and Colleges of Oxford. 3 Bde. ’87; vgl. SatR ’87, II, 897. — *The Honours register of the Univ. of Oxford, 13. cent to 1883 (’87). — *W.H. Stevenson and W. Bazeley, Calendar of the records of the Corporation of Gloucester. Rental of all the houses in Gloucester in 1455. Englische Auszüge von etwa 1300 Stadturkunden, deren 571 vor a. 1300, einige aus 12. Jahrh. datiren. Das Rentale, von Robert Cole, Regularcanoniker in Llanthony, ist 33 Fuss lang; es gibt von jedem Haus den Eigenthümer, Besitzer, dessen Beruf, die Miethe an und zieht bisweilen das Besitzrecht seit 13. Jahrh. aus; Archl. Jl. 46, 194. — *F. J. Baigent and J. E. Millard, A hist. of the ancient town and manor of Basingstoke (Bas. ’89). Hier siegten 870 Dänen über Aethered I. and Aelfred. Das Dorf war alte Krondomäne und beköstigte mit 2 anderen, nach Domesdaybuch, den König einen Tag im Jahr; es war Caput von 5 Hundertschaften, die hierher zu Gericht gingen. Indem sich die Homines allmählich befreiten, seit 1210 vom König das Lehn and von Heinrich III. ihr eigenes Hundertgericht pachteten, also Freibürgschaft versahen, und dreiwöchentlich Curia parva hundredi abhielten, errangen sie municipale Selbstregierung; 1392 ward das Dorf zur Communitas mit Mote-Hall. Doch gab es trotz der Lage am Strassenkreuz weder Handel noch weltliche Gilde; die Verwaltung drehte sich nur um landwirtschaftliche Interessen. Die Rollen des Kleingerichts, seit 1386, betreffen meist Schuldklagen; die des Grossgerichts sind für Sitten und Sprache, schon des 15. Jahrh., wichtiger. Beide und im Anhang ein Landbuch aus Oxforder Collegien von 1443 f. und eine für 1280 ff. ausführliche Spitalrechnung werden ausgezogen. Durch diesen Stoff sei das Buch bedeutend, dessen unfertige Form Millard’s Short account of B. (1873) folge. Unter dort geborenen Berühmtheiten ist Walter von Merton und Johann von Basingstoke; Ath. 30XI89, 738; SatR 18I90, 82. — * F. E. Sawyer, Extracts from the Sussex Assize roll 1279, in Sussex archl. collections 35 , 89. — * Alf. Gibbons, Early Lincoln wills. An abstract of all wills and administrations, recorded in the episcopal registers of the old diocese of Lincoln 1280—1547 (Linc. ’88). Laut Archl. Jl. 46, 77 sind diese genauen Auszüge wichtig, nicht nur für [156] Genealogie und Sittengesch. Am 6. Sept. 1415 testirt John de Assheby, in viagio regis apud Haaflew [Harfleur] per ictum lapidis morte preventus. — Sir H. Barkly, Kirby’s quest (Tr. Bristol archl. soc. 11, 130). Indem Schatzmeister Johann von Kirkby 1284—6 die Engl. Ritterlehen aufnahm, stellte man die hauptsächliche Kriegsmacht und Finanzquelle des Staats wohl allgemein, nicht behufs besonderer Steuer, fest und bahnte Abschaffung der Afterleihe von Gutstheilchen an, die zu verwickelten, kleinlichen, unwahren Lehnverhältnissen geführt hatte: z. B. war der Träger eines ½ Hide grossen Zehntels eines Ritterlehns durch 6 Mittelherren entfernt vom obersten Lehnsherrn. Nur Theile des Katasters sind gedruckt [zuletzt Kent in Archla. Cant. XI (’77), 365]; hier erscheint Gloucestershire. Es fehlen 5 Hundertschaften, deren 44 Lehen vielleicht confiscirt oder vom widerspenstigen Adel den Kronbeamten nicht nachgewiesen waren. Von nahezu 200 Gütern wird Besitzer, Reihe der Lehensherrn, die stets in Rex gipfelt, Dienstlast und bisweilen Grösse angegeben. Hier leitete Richard Rowell die Enquête. — Ders., Dursley, ebd. 221, druckt die Wertheinschätzung dieses Lehns durch eingeschworene Nachbarn, von 1287. — Br. Sheppard fand in der Dombibliothek zu Canterbury das vermisste Register, in welchem die Mönche von Christ Church, als Kathedralcapitel, die Verwaltung der Spiritualien des Bisthums während Stuhlvacanzen eintrugen. Es umfasst 1292—1349; damals starben an der Pest binnen 13 Monaten 3 Erzbischöfe; Ath. 14XII89, 824. — *Literae Cantuarienses: the letter books of the monastery of Christ Church, Canterbury; ed. J. Br. Sheppard. I. II. III. 1887 ff. (Rolls Ser.). Bisher waren aus diesen Registern des Domklosters meist nur Auszüge bekannt. Hier erscheinen die Briefe, auch früher gedruckte, vollständig bis zu Ende, 1536, in sorgfältigem Text, die Französ. mit Engl. Uebersetzung, und tüchtig eingeleitet. Sie betreffen meist die Güter und Freiheiten der Mönche. Orts- und Sittengesch. gewinnen besonders: Richterbestechung II, 58, Bücherausleihen aus der Klosterbibliothek 146. Der Convent kämpfte gegen das benachbarte S. Austin’s, dem oft König und Papst beistanden, und gegen York. Nicht nur hierin, auch in anderen weltlichen Dingen gab der Prior dem Erzbischof wichtige Rathschläge: Heinrich von Eastry (1285—1331) empfahl bei der Absetzung Edward’s II., opportunistisch abzuwarten, ohne stark einzugreifen. Die Einleitung bringt u. a. die G. des Canterbury College in Oxford und der von Ludwig VII. gestifteten jährlichen Schenkung von Wein aus Poissy; sie betont die unerklärliche Thatsache, dass der Schwarze Tod das Domkloster fast verschonte. So T. F. Tout, EHR July ’89, 561. SatR10V90, 578 hebt aus Band III, der 1375 beginnt, als wichtig folgende Stücke hervor: 1398 Erzb. Arundel an den Convent (aus dem „irdischen Paradies bei Florenz“) hofft, seine Verbannung [durch Richard II.] werde bald enden; ders. erzählt, wie er 4. Jan. 1400 den für Richard’s Wiedereinsetzung Aufständischen entging, und frent sich, dass unter ihnen sein Neffe, Graf Kent, durch den heiligen Bauernpöbel von Cirencester getödtet ward; der Hanseat Hermann Wernerson klagt, sein Schiff sei vor Wight gekapert und, trotz Schiedsurtheil auf Herausgabe, durch die Sandwicher zerstört; Kaufleuten von Newcastle, Hull u. a. Engl. Häfen werden in Stralsund Güter arrestirt; [157] Danziger kapern im Sund Yorker Waare auf Holländ. Schiff; hier steht auch die Amnestie für die Rebellen unter Jack Cade [1450], der auch Mortymer heisst und zu Dartford den Teufel als schwarzen Hund beschworen haben soll; ferner des Kanzlers Ansprache an die Gemeinen 1474 um Geld zum Französ. Krieg, der unruhig Volk abziehen und vor feindlicher Landung schützen werde. Das Meiste betrifft die besonders 1390 bis 1411 blühenden Güter, auch die in Wexford an Tintern verpachteten, ferner Stiftungen, Gebetsbrüderschaft, so mit St. Bertin, für dessen Kentischen Besitz man sorgt. Die Fraternität erhält 1415 ein Pilger Wytfried als Becket’s Verwandter. 1435 wird Maurermeister Richard Beek, den dann London wegen London Bridge befragt, lebenslänglich angestellt. Sogar ein Liebesbrief von 1480 hat sich ins Klosterregister verirrt. — Unter den *Collections for a hist. of Staffordshire ed. by The W. Salt archl. soc. bringt Band VII, hrsg. von Wrottesley, Auszüge aus den Plea-rolls 1294-1307 und die Exchequer Subsidy roll 1327. Black, RH 89, 389 bezeichnet das als höchst wichtig; denn vollständige Ausgabe sei unmöglich, da ein blosses Register etwa 2000 Folianten zu je 2000 Seiten füllen würde. Band VIII enthält, laut Ath. 29XII’88, 879, Bedeutendes für Genealogie und Cultur: 1. Wrottesley, Military service by Staffordshire tenants in the 13/14 cent.; from Rec. off.; 2. F. Parker, Urkunden der Augustiner von St. Thomas bei Stafford; 3. Mazzinghi, Hist. of Castre church, z. Th. auch aus Ungedrucktem. Band IX enthält Plea- und Fine-Rollen für Staffordshire zur Zeit Edward’s II. — *A. E. Gibbs, Histor. records of St. Albans, 8t Alb. ’88. — The negotiations preceding the Confirmatio Cartarum 1297. From the Memoranda rolls of the Exchequer, Tr. Royal Hist soc., N. S. III, 281 enthält: Französ. Brief des Exchequers an Edward I, Aug. 22: „Graf Marschall und andere Adlige als Vertreter der Comunauté du reaume beschwerten sich heute hier erstens über die Euch vorgelegten Artikel, zweitens über den Achten und Wollconfiscation, die sie nicht bewilligt hätten und nicht dulden würden.“ Edward antwortet Französisch, Winchelsea Aug. 23: „Führt die Besteuerung weiter aus, proclamirt aber (worüber ich Kanzleibriefe für jeden, der solche fordert erlasse), dass sie Niemandes Recht präjudicire, dass sie augenblicklich aber eile zum Besten des Staats [Flandrischen Feldzugs]. Für die Wolle gebt Quittung, sie soll nur als [später zu bezahlender] Kauf genommen werden.“ Ferner schreibt der König auf See vor Dover 24. Aug. an seinen Sohn, Lieutenaunt en Engleterre, und zu Winchelsea 24. Aug. an den Kanzler das Gleiche. Am 25. Aug. schreibt Prinz Edward, der also nur als des Vaters Werkzeug handelt, zu Rotherbridge an den Exchequer diesen königlichen Befehl. — Ch. V. Langlois, Project for taxation, presented to Edward I, EHR July ’89, 517—21 druckt aus Französ. Staatsarchiv den in schlechtem [Anglo-?] Französisch geschriebenen Vorschlag eines „erwiesen dienstbereiten“ Agenten Englands, der auch „mit mehreren vom [Geheim-] Rath gesprochen“ hat, man solle den Luxus in Hofstaat, Kleidern, Nahrung je nach Ständen einschränken, Waffenhaltung Rittern und Bürgern gebieten, fremde Kaufleute, die nach Holland oder Brabant Wolle und Leder ausführen, aber auch jede andere Ein- und Ausfuhr, ja allen Handel besteuern, sonst fremde Kaufleute, [158] ausser Franzosen, frei in England verkehren, nur zum Kriege beisteuern lassen, und verschuldeten Kriegern, so lange sie ausser Landes [1297!], Zahlungs-Aufschub gewähren. Hrsg. erklärt Englands damalige Finanzgesch. und weist nach, dass Verf. die Französ. Luxusgesetze kannte, dass der Vorschlag wohl nie an die Engl. Regierung gelangte, sie jedenfalls nicht beeinflusste. Er setzt ihn vielleicht vor 1294, höchst wahrscheinlich vor 1297 an. — H. Dannenberg, Der Sterlingfund von Ribnitz (Z. f. Numism. 15, 302), vergraben um 1270-1300, enthält Engl., Schott., Irische Münzen.

Edward’s I. Familie. Ueber Edward I. und seine Mutter Eleonore von Provence bietet *L. Stephens, Dictionary of national biography XVII Aufsätze von Hunt, bezw. Archer; vgl. Ath. 20IV89, 500. — W. Brailsford, The Eleanor cross at Geddington, Antiq., July ’88, 27 behandelt Edward’s I. Denkmäler für seine erste Gemahlin. — Johanna, die zu Accon geb. Tochter Edward’s I., Gräfin von Gloucester, († 1307), wird von Osbern Bokenham Mitte XV. Jahrh.’s als in ihrem Grabe zu Clare wunderthätig gerühmt; Horstmann, Engl. Stud. 10 (’87), 1.

Verfassung unter Edward I. J. Latimer, On the hundredal and manorial franchise of the Furcas [!] - - in Gloucesters., Tr. Bristol archl. soc. 12, 114, behandelt die königliche Untersuchung von 1275 über private Blutgerichtsbarkeit: in der einen Grafschaft gehörten 45 Galgen den Baronen, die den in ihrem Gerichtsbarkeitsbezirk betroffenen Verbrecher richteten ohne Theilnahme der Curia regis. — W. Rye Notes on crime and accident in Norfolk, temp. Edward I., Archl. R. II, 201, zieht die Rolle über Gefängnissleerung von 1286 aus, mit scharfem Auge für das culturgeschichtlich Wichtige. [Auszüge aus anderen Norfolker Kronprocessrollen (Criminalprotokollen) gab er im *East Anglian III, 148 und in *Norfolk antiq. miscell. II, 159.] Die Anzahl der Verbrechen, besonders gegen das Leben ist erschreckend. Unter den Todtschlägern begegnen viele Geistliche, die auch Kriegswaffen brauchen, einige Vlissinger und Zeeländer im Hafen von Yarmouth, auch Winchelseaer, die dort Bürgen finden, obwohl doch Yarmouth mit den Cinque Ports in Fehde lag. Räuberbanden hausen in der Umgebung der Städte. Viele Verbrecher entrinnen sofort oder aus den Gefängnissen, namentlich geistlicher Barone. Die Verhafteten kommen in Menge im Gefängniss um, theilweise durch schlechte Behandlung, theilweise weil viele Jahre, bisweilen 18, zwischen That und Urtheil verstreichen. Die Verurtheilten enden meist am Galgen; eine Gattenmörderin wird verbrannt. Das Rittergutsgericht übt noch Strafprocess und Hinrichtung, wenn der Gutsherr neben anderen Vorrechten den Galgen besitzt. Ein Gutsherr überfällt nächtlich und bindet seinen entlaufenen Hörigen. Dem König fallen als Deodand die Güter heim, die den unbeabsichtigten Tod eines Menschen verursachten. Eines entkommenen Todtschlägers Habe suchte die Krone einzuziehen und, als sich nichts fand, die Zehnschaft für ihn haften zu lassen; allein er war in keiner, weil er noch nicht zwölf Jahr alt war. — A. H. Dennis, Maintenance and champerty (Law QR Apr. ’90, 169), [159] Aufrechterhalten eines Processes durch einen unberechtigten Dritten und campi partitio, Gewinnanteil dafür, gilt im Engl. Gemeinrecht als strafbar seit Bracton’s Zeit, wird gesetzlich zuerst 1275 verboten; als Thäter sind anfangs Beamte, Richter, Vornehme gedacht, die nicht bloss die Processsucht eigenen Gewinnes wegen nähren, sondern überhaupt durch Amtsmacht oder Ansehen die Gerechtigkeit hemmen. Verf. zählt die dagegen erlassenen Gesetze auf und citirt (aus Stubbs) den Missstand des 15. Jahrh., dass der Vornehme durch bewaffnete Clienten, die seine Livree trugen, bei deren Processen die Richter beeinflusste. — J. C. Gray und H. W. Challis, Law QR ’87, 399 ; 403, erklären verschieden die Wirkung des Statuts Quia emptores [1290] auf die Determinable fees [Landleihe, die bei Eintritt eines vorausbedungenen Ereignisses endet]. — Ch. V. Langlois, The comparative hist. of England and France during the Middle ages, EHR Apr. ’90, 259—63. Die Verfassungen beider Länder im MA. zu vergleichen, sei fruchtbar, weil sie fast nur symmetrische Grundstoffe und einige Wurzeln gemeinsam enthalten und sich oft berührten. So entsprechen im 12.—14. Jahrh. die Curia regis der Plantagenets der der Capets, das Exchequer der Chambre des comptes, Königsbank- und Commonpleas-Gericht dem Franz. Parlement, Privy Council dem Grand conseil, Sheriffs den Baillis und Sénéchaux, Justices in eyre den Enquesteurs-réformateurs, das Engl. Parlament den États généraux. So lautet 1278 die Gesetzgebung beider Länder ähnlich; Frankreich wehrt sich gegen Todte Hand und kirchliche Gerichtsbarkeit 1279, wie England mit dem Statut De religiosis 1279 und dem Breve Circumspecte agatis; der Verfassungskampf unter Edward I. vergleicht sich der heftigen politischen Thätigkeit um Philipp’s IV. Ende. Dies sei Beeinflussung, nicht zufälliges Zusammentreffen. Verf. bezieht sich auf seinen Aufsatz RH Jan. ’90. — Ch. W. Prothero, EHR Jan. ’90, 146 bestreitet [mit Ref. oben I, 468] Riess’ Ansicht vom Zwecke der Vertretung: Der Gedanke von 1295 „quod omnes tangit, ab omnibus approbetur“ klinge vielmehr schon aus den Parlamentsladungen 1213—94 hervor. Die Controle der Localverwaltung war das Ergebniss, nicht der Zweck des Erscheinens der Provinzialvertreter. Halfen diese zu Hause die bewilligten Steuern umzulegen, so waren sie doch nicht als Steuereintreiber vorgeladen. Dass das Lateinische De tallagio der Text der Barone gewesen, sei unbewiesen. Die Gemeinen erhalten 1297 allerdings das Bewilligungsrecht der Zehnten und Fünfzehnten; sie sind unter Communauté damals zu verstehen. Ohne sie durfte der König ferner nur erheben: 1. ausdrücklich alte Zölle und drei Lehen-Auxilia; 2. stillschweigend die Taille auf königliche Städte. Eine Reihe von Belegen zeigt, dass Ritter und Gemeinden Ende 13. Jahrh.’s vorgeladen wurden allein zur Geldbewilligung. Auch Pr. erkennt Riess’ bedeutendes Verdienst um die Gesch. des Wahlrechts, zieht dessen frühere Arbeit ausführlich aus, bemerkt jedoch auch hier, dass mancherlei Zufall entschied, ob eine Stadt im Parlament vertreten blieb. Die Grafschaftswählerversammlungen erscheinen ihm kleiner als Riess. Eine Schranke activen Wahlrechts gab es nicht, auch keine streitige Wahl: die Aristokratie entschied über die Initiative und beim Protest. Riess beweist, dass die Stadtvertreter nicht im Grafschaftsgericht, sondern in der [160] Stadt gewählt wurden, und dass die Commons im MA. weder Redefreiheit noch Schutz vor Verhaftung genossen. Dass der Modus tenendi parliamentum erst 1387—99 geschrieben sei, habe Riess nicht bewiesen. — * G. R. Park, Parliamentary representation of Yorkshire from - - Edward I. (Hull ’86) sei werthvoll für Biographie und Pariamentsgesch.; Jl. Brit. archl. as80C. 43, 297. — *Mont. Burrows The family of Brocas, of Beaurepaire and Roche Court, hereditary Masters of the Royal buck [Rothwild] hounds with some account of the English rule in Aquitaine ’86, zeigt (laut Tr. Bristol archl. soc. 11,165), dass diese Guienner Familie zuerst 1242, in Englands Gascogne-Rollen, begegnet; ein Brocas fällt 1314 gegen die Schotten; andere dienen dann in Englands Heer, Behörden und Kirche, namentlich aber bei des Königs Person bis zum Tode getreu: so ward Bernhard Brocas, der Richard II. bis zuletzt anhing, durch Heinrich IV. enthauptet. Das Amt des Jagdhundmeisters schuf Heinrich II. für seinen Kämmerer Osborne Lovel; mit der Erbtochter einer Lovel erheirathete es 1367 ein Brocas, bei dessen Nachkommen es 5 Generationen hindurch blieb.

Literatur um 1300. * Pt. de Martigné (Capucin), La scolastique et les traditions Franciscaines (Paris ’88) gibt laut A. Ackermann (Bull. crit. ’90, 47) wichtige Beiträge zur Lehre des Bacon, Duns Scot, Occam. Alexander von Hales, Middleton. — * M. Pluzanski, Essai sur la Philosophie de Duns Scot (Paris ’87) hat den Geburtsort des Philosophen († 1308 zu Köln) nicht aufgefunden; R. Celt. IX, 145. — *A. Mary F. Robinson (Mme. J. Darmesteter), The end of the Middle agea: essays and questions in hist. (’88), findet das Ende des MA.’s in Beginen und Deutscher Mystik des 13. Jahrh.’s [?]. Vgl. RH 43, 175. Die Darstellung der [auch als Dichterin bekannten] Verfin. lobt Ath. 29XII88, 874 (doch sind auch Staatspapiere benutzt), ernste Forschung RC ’89, 428. — Nach E. G. Wood [s. oben II, 230] lehrte das Studium generale zu Stamford neben Artästen- und Theologen-Facultät auch Physik und Canones und ertheilte Grade; Antiq. 19, 82. — In H. Bradshaw, Collected papers p. 55 sind Statuta Univ. Cantebrigie von etwa 1300 über Studenten-Hospize gedruckt. — F. Ehrle, John Peckham über den Kampf des Augustinismus und Aristotelismus in der 2. Hälfte des 13. Jahrh.’s (Z. für kath. Theol. XIII, [1889] 172), druckt einige von Peckham’s Briefen 1284—7 und interpungirt besser als Martin (Registrum J. Peckham 1882/5, Rolls series). Peckham verfocht schon um 1270 in Paris mit Giraud d’Abbeville die ältere, mehr Augustinische, Scholastik gegen den neueren Aristotelismus des Thomas von Aquino, wiederholte 1284 ff. als Erzb. von Canterbury seines Vorgängers Kilwardby Verbote von 1276 gegen den Thomismus (besonders den Satz von der Einheit der Wesensform im Menschen) bei den die Universität beherrschenden Dominicanern Oxfords und verwies auf seines Ordens ältere Lehre bei Alexander von Haies und Bonaventura. Er erscheint pomphaft und heftig. — Verf. citirt S. 187 eine Florentiner Hs. über eine frühere Controverse Peckham’s mit Kilwardby. — * Les contes moralisés de Nicole Bozon ed. P. Meyer (Soc. anc. Textes franç. ’89), laut SatR 8II90, 167; Mélusine Juin ’90, 71: Aus Hss. Gray’s Inn und Philipps erscheinen [161] hier des Minoriten Nicolaus, bisher nur theilweise und anonym bekannte, 145 Anglofranz. Metaphorae, d. i. moralisirende Geschichten und religiöse Gedichte. Verf. schrieb bald nach 1300. Er kannte Nord-England und Engl. Landleben, so des Bauern Klagen über den Gutsvogt. Er benutzte Jacob von Vitry und die für Predigtexempla oft gebrauchten Engländer Odo von Cherington und Bartholomeus, De proprietatibus rerum. Hrsg. verfolgt die einzelnen Erzählungen durch die Literatur-G. des MA. Das Buch bezeichnet gut die damalige Volkspredigt. Einige Gedichte geisseln die Weiber; sie dienen der Sittenges oh. SatR zieht eine Stelle über Wucher aus, der nicht mehr verachtet werde. Meyer’s Einleitung skizzirt die G. der Anglonorm. Sprache. Vgl. B. Hauréau, Jl. sav. Févr. ’90 und über ein anderes Handbuch zum Predigtzweck von Johann y. Wales u. Thomas von Irland dens., Mss. d’Auxerre, eb. ’89, 366. — Breviarium ecclesiae Sarum, iuxta ed. Paris 1531, lab. Fr. Procter et Chr. Wordsworth, Acad. Cantabrig. 1879—86. 3 Bde. Der alte Druck ist vermehrt mit reichen Indices, z. B. der Hymnen, deren Verfasser z. Th. angegeben werden [ob „Ut queant“ von Paul Diac., ist fraglich; Dümmler, Poetae Garol. I, 83], und der Heiligen. Viele theilweise ungedruckte Denkmäler von deren Verehrung sind verzeichnet, die Uebertragung des Burgunders Hugo von Lincoln wird gedruckt [zu Basler Hss. über ihn vgl. Mon. Germ. 27, 3165]. Auch andere Diöcesen Englands sind dabei berücksichtigt. Eine Entwicklung dieses letzten Ausläufers ma.licher Liturgie oder seine kritische Vergleichung mit dem Katholicismus anderer Länder ist jedoch nicht versucht; W. C. Bishop’s kurze Einleitung behandelt nur den Bau des Breviers. Von höchstem Werth für Gesch. des Buchdrucks, theilweise auch der Engl. Reformation, ist die Bibliographie von H. Bradshaw (vgl. oben II, 501). — L. Brueyre, La littér. anglaise et les traditions populaires (R. des trad. pop. II, 32; 74) bespricht (z. Th. nach dem Folk-lore Journal und seltenen Quellen) die Engl. Wissenschaft von mündlich im Volk überlieferter Literatur und im besonderen die Beeinflussung Engl. Poesie durch Märchen von Feen und mythischen Gestalten, die sich in Sagenkreisen nicht bloss der Arier wiederfinden. Wo an Zustände des MA. angeknüpft wird (Robin Hood), finde ich nichts Neues. — M. Jacoby, Vier Mittelengl. geistl. Gedichte aus dem 18. Jahrh. (Berl. Diss. ’90). Verf. erläutert sie sprachlich und gibt sie nach Zupitza’s Abschrift der Hs. Brit. Mus. Arundel 248 heraus. Den episch-didakt Inhalt, Mariä Verkündigung und Leiden, entnahm der Uebersetzer Latein. Gedichten; Eines davon ist bekannt und hier abgedruckt. — O. Knörk, Untersuchungen über die Mittelengl. Magdalenenlegende des Ms. Laud 108, Berl. Diss. ’89. Die Entstehung der Legende, auch ihr Vorkommen in sonstiger Mittelengl. Literatur, wird entwickelt. Das um 1285 geschriebene Ms. Laud, dessen Dichter nicht viel früher im sö. Mittellande lebte, steht der Legenda aurea des Jacob a Voragine am nächsten, stammt aber doch nicht allein daher. — E. Krahl, Untersuchungen über vier Versionen der Mittelengl. Margaretenlegende, Berl. Diss. ’89. Unter den zahlreichen Engl. Behandlungen der Margarete betrachtet Verf. vier, die um 1170, 1270, 1330, 1430 entstanden. Die drei ersten haben zur Quelle die Latein. [162] Vita bei Mombritius, Sanctuarium, die dritte daneben Jacob a Voragine und andere Latein. Fassungen, die vierte ist aus der zweiten umgearbeitet.

Edwards I. festländ. Beziehungen. * Ch. V. Langlois, Le règne de Philippe III. le Hardi [Paris ’87; vgl. Prou, Moyen-âge 1888, 25], liefert die beste Schilderung der Französ. Politik Edward’s I.; er bewundert ihn als geschickten Diplomaten [Brosien, DLZ ’88, 1853], der dabei ehrlich, gerecht und verständig verfahre: so gibt er die Commune von Limoges auf, als das Pariser Parlament für die Vicomtesse entscheidet, und das Gewohnheitsrecht Aquitaniens zu Gunsten von Philipps Ordonnanz. Philipp III. stärkt zwar den Französ. Einfluss in Aquitanien, sucht aber noch nicht es zu erobern; seine und Edward’s Mässigung hinderte einstweilen offenen Krieg, zu dem der Streit beider Verwaltungen oft Anlass bot [So A. Molinier, RH 40, 374.] Im Anhang sind Englische für Gascogne wichtige Archivalien zuerst gedruckt. T. F. Tout (EHR Apr. ’89, 364) vergleicht in seiner lobenden Kritik die Verfassungen Englands und Frankreichs, die sich niemals mehr als damals ähnelten [vgl. o. p. 159]. Die Französ. Krone besass nicht von allen Bisthümern die Regalien, ebenso wie der Herr von Glamorgan die Temporalien Llandaffs [s. o. III, 220] beanspruchte; den Aides de l’ost entspricht Scutagium; der Bailli, einst Rath in Curia regia, wird getrennt vom Pariser Parlement, wie der Sheriff seit Ende 12. Jhs. vom Justitiar; Privilegium cleri und Verleihung zur Todten Hand werden hier wie dort eingeschränkt. 1273 huldigte Edward Philipp zu Paris am 6. Aug. und reiste erst dann über Melun nach Gascogne. — * Ch. V. Langlois, De monumentis ad priorem curiae regia iudiciariae historiam pertinentibus [Paris (Thèse de dr. ès lettres) 1887] enthält am Schluss: Rôle des procureurs du roi d’Angleterre, duc d’Aquitaine dans le Parlement de France; NRH droit franç. XII, 286. — 1273 forderte Edward I. Status-Erklärung von der Guyenne. Dessen weigerten sich Allodiale: sie hätten nichts vom König, auch nicht die Justiz empfangen. So aus Ms. Wolfenbüttel Blondel, Bull, crit. 1889, 244, in Kritik über Chénon, Alleux en France. 1888. — Ém. Rébouis druckt, übersetzt und vergleicht drei Orts-Gewohnheiten, die Edward I. Grand-Castel (Puy-mirol) 1286, (Labastide-) Castel-Amoros 1287 und Saint-Pastour 1289 verlieh. Das erste (NRH droit franç. XI, 290) ist Provenzalisch, die zwei anderen (eb. XII, 81) sind Lateinisch; diese gleichen fast einander und dem von Valence (Diöcese Agen), das Verf. in Cinq coutumes de Tarn-et-Garonne 1886 veröffentlichte. Er plant eine Sammlung aller Coutumes des Agenais um 1300. — Funck-Brentano citirt (Moyen-âge 1889 p. 123, in der Anzeige von *Delisle, Opérations financières des Templiers) Ms. Paris Moreau 690 für die finanziellen Dienste, die die Templer den Königen von England bei der Verwaltung der Guyenne leisteten. — *J. Jacobs, Une lettre franç. d’un Juif anglais au 13. s., R. études juives 17 (’89), Apr. [laut RH Sept ’89, 192]: 1280 ward Kanzler Robert Burneil um sicheres Geleit gebeten für Elias Hagin von London [s. oben III, 193], damit dieser nach Flandern, zum kranken Johann [von Avesnes, dem Erben Hennegau’s reisen dürfe. — *M. Prou, Les registres d’Honorius IV. (Par. ’88) erörtert in der Einleitung [163] des Papstes Beziehung zu Edward I., die Vermittlung zwischen Aragon und Neapel-Anjou, sein heftiges Schreiben gegen Englands Juden 18. Nov. 1286. So Hauréau, Jl. des sav. ’89, 302. — Langlois, RH 40, 48 [s. oben III, 152] druckt: 1) 1279 Bertrand de Got’s Bitte an Edward I. um eine Pfründe; er ist bereits des Königs Agent zu Paris. 2) c. 1295 Jan., Anonymus an denselben: Bonifaz VIII. und dessen durch Bertrand gebrachte Sendung sind Euch günstig; die Franzosen wünschen Frieden. 3) Der Engl. Seneschall von Gascogne berichtet demselben: er begleitet den zum Papst erwählten (Clemens V.) durch Saintonge nach Bordeaux, wo er 1305 23. Juli eintrifft, beschenkt ihn und sein Gefolge und geleitet ihn aus Aquitanien hinaus zur Lyoner Reise, 4.-21. Sept. Ueberall erscheint Clemens hier, was im allgemeinen anzunehmen Langlois für richtig erklärt, als Freund Englands und bisweilen als Gegner der Capetinger. — K. Wenck, GGA ’88, 492 führt die [herkömmlichen!] Klagen der Abtei St. Alban’s über Röm. Habsucht als besonders Clemens V. belastend an. — Langlois’ letzte Reihe [s. oben III, 152] der Berichte Englischer Vertreter über Appellationen aus Aquitanien gegen Edward I. und II. vor dem Pariser Parlement beginnt mit Bordeaux’s Klage über Waarenbeschlagnahme in England und den vom Gascogner Seneschall der Commune zu leistenden Eid 1289; sie schliesst 1314. L. weist Spuren weiterer, jetzt verlorener Procuratorenberichte nach. Bisweilen beriethen Engl. Staatsmänner durchreisend mit dem Juristen-Conseil, das ihre Regierung ständig zu Paris hielt; seine Gutachten, im Chancery-Archiv ungedruckt, seien werthvoll für Gesch. des Processes. — Langlois’ Textes [s. oben II, 231] zeigte an W. Bernhardi HZ 62, 562. — Adolf von Nassau nahm 1294 Engl. Hilfsgelder zum Kriege gegen Frankreich. Dass er dann Französ. erhielt, damit er nicht marschire, ergibt ein von Deutschen für unglaubwürdig erklärtes Document. Dieses druckt verbessert Funck-Brentano (RH 39, 326; a. oben in, 152) ab und vertheidigt es: wir haben hierin den Entwurf eines Französ. Finanzbeamten zu einer königl. Mittheilung der Motive für Subsidienforderung zum Engl. Kriege, 1298-1301; er citirt „Escriz du tresor“ u. benutze wohl Edward’s Brief an seine Verbündeten vom 2. August 1297. Der Fundort, Tresor des chartes J 654, 16, vom Anfang 14. Jhs., enthalte auch sonst bedeutende Acten zu den Engl. Beziehungen 1259-1360, gesammelt wahrscheinlich von Geheimschreibern des Conseil du roi. — *Graf Limburg-Stirum, Codex diplom. Flandriae 1296-1325 (Brügge ’89), ist wichtig für Edward’s I. Flandr. Feldzug. — Ch. Jourdain, La marine militaire sous Philippe le Bel (in Excursions histor. à travers le MA., 387) behandelt den Seekrieg gegen Edward I. 1295 ff., z. Th. nach der Denkschrift des Genuesen Benedict Zachariae [vgl. Mon. Germ. 28, 596] und Französ. Schatzrechnungen. — Den Bericht der Frescobaldi, Italienischer Kaufleute im Dienste Philipp’s IV., an Aimar von Valence Grafen Pembroke vom 24. Juni 1303 über eine Pariser Versammlung anlasslich des Streits mit Bonifaz VIII. edirte *C.V. Langlois, Soc. d. l’hist. de Paris, Bull. XV (’88), 5. — Edward’s I. Beziehungen zu den Mongolen erhellt *Hist. de Mar Jab-Alaha, Patriarche, et de Raban Sauma (Paris ’88), laut N[öldeke], CBl ’89, 843. [164]
Schottland. A. F., The Lyon king of arms [Wappenkönig Schottlands Burnett, s. o. III, 271], Ath. 1II’90, 148. Er gab unter dem Lord Clerk Register of Scotland die *Exchequer-Rollen Schottlands heraus. Sie beginnen 1264; schon 1887 war er mit Band 10 bei 1496 angelangt. — In derselben Sammlung der Scotch record publications giebt *Jos. Bain den Calendar of documents rel. to Scotland pres. in the [English] Public Record office I-IV: a. 1108—1509 (Edinb. ’81—8) heraus. — A. H. Dunbar, The earldoms of Dunbar, March and Moray, Proc. Soc. Antiq. Scotl. XXII (’88), 187, mit Stammtafel der Dunbars seit dem 13. Jahrh. — Thomas of Erceldoune, Scot. R. Apr. ’87, 316. Verf. beurtheilt die Ergebnisse der neuen Ausgaben jener Nordhumbr. Dichtung durch Murray und Brandl. Thomas Rymor urkundet um 1265; sein Sohn und Erbe Thomas verschenkt sein Erbgut in Earlston 1294. Einer von beiden, nach dem Vf. der jüngere, gilt als Vorhersager von meist trüben Ereignissen der Schott. Gesch. (wie des Todes Alexanders III. [1286], besonders der Engl. Kriege) bei fast jedem Schott Schriftsteller des 14.-16. Jhs., selbst in England schon vor 1320; noch das 18. Jh. wähnte, seine Erlebnisse seien von Erceldoun vorherverkündet. Jene Prophetieen gehören aber Thomas zumeist nicht, und ganz sicher weder die Ritterepopöe Sir Tristem noch die nach ihm benannte poetische Weissagung. Diese, deren ältester Theil wohl vor 1350, deren gegenwärtige Form um 1420 entstand, stamme aus Südschottland; sie verräth überall Abfassungszeit nach den angeblich geweissagten Ereignissen des 14. Jh. — *Cha. Rogers, The book of Wallace (Edinb., for the Grampian club. ’89), bringt Neues über seine Abstammung und Seitenverwandte. W. war unverheirathet. Band II wird den Schott. Freiheitskrieg behandeln. So SatR 27IV’89, 512. — *J. Moir, Sir William Wallace: a critical study of his biographer Blind Harry (Aberd. ’90), den er für The Scottish text soc. neu herausgab, bewundert Wallace, bringt Urkk., bezweifelt Harry’s Glaubwürdigkeit [der Minstrel dichtet 150 Jahre später]; NotesQuer. 1II’90, 100; Ath. 25I’90, 114. — Ragman-Roll heisst die Urk. der Edward I. huldigenden Schotten von 1296 mit vielen Hängesiegeln, nach H. Bradley, Ac. 11190, 29, weil sie höhnend verglichen werde der Ragman-Rolle im Kinderspiel [vgl. Wright, Anecd. liter. 81]. Deren Name entstamme [?] vielleicht dem Brauche des Ragman [Lumpensammler] um 1300, aus einer Rolle Orakel ziehen zu lassen, wie er noch heute die Lumpen nicht in Geld, sondern in Spielzeug bezahlt — J. H. Ramsay: Rag(e)man (Ac. 18I90, 47) bedeutet in Richard’s II. und III. Geldgeschäften einseitigen Verpflichtungsschein im Gegensatz zu der für beide Parteien ausgefertigten Doppelurkunde. — Bradley, Ac. 25I90 , 65 hält es danach für möglich [?], dass ursprünglich jede Urk. komisch Lumpensammler hiess, und Ragman erst später den verengten Sinn erhielt — Die fast 2000 Unterwerfungsurkk. der Schott. Stände druckt mit Abbildung von 86 Siegeln Bain, s. o. Zeile 5. — *Extracts from the records of the r. burgh of Stirling 1519-1666, with app. 1295-1666, ed. Renwick for The Glasgow & Stirlings. soc., Glasg. ’87 [eine der in letzten Jahren zahlreichen Veröffentlichungen aus Schott. Stadt-Archiven, die nur meist von Städten oder Gesellschaften gedruckt, nicht weit verbreitet werden, so [165] Marwick’s Bande für die Scottish burgh records soc.] Vgl. darüber Scot. R. July ’87, 170; Apr. ’90, 466 für Verfassungs-G. seit dem 16. Jahrh. — *H. Gough, Scotland in 1298: documents rei. to the campaign of k. Edward I. and esp. to the battle of Falkirk (Paisley ’88. 4), bringt Edward’s I. Itinerar vom 14. März bis 20. Oct, Auszüge aus gedruckten Chroniken, aus Exchequer-, Patent- und Close-Rollen über des Königs Heer, Aushebung, Verpflegung, Schutzbriefe für die Habe der Aufgebotenen. Laut Einleitung befahl Prinz Edward (II.) am 22. Jan., Surrey solle mit den zur Hand befindlichen Truppen sofort gegen Schottland marschiren, ohne auf den Walliser Zuzug zu warten, der dann bei Falkirk anfangs verrätherisch schwankte. Als der König im März heimkehrte, wuchs die Walliser Aushebung auf 11 200 Mann; auch aus Irland ward Mannschaft herbestellt. Wichtig für Adelsgesch. ist die Liste der Engl. Bannerherren, die bei Falkirk fochten; auch Cleriker ritten mit ihren Herren zur Schlacht. Auf 75 S. druckt Gough das Pferde-Verzeichniss nach Farbe, Rasse, Werth (zwischen 5-70 Mark), gefertigt, damit der Staat etwa fallende richtig bezahle. Es folgt eine Liste der von Edward I. in Schottland vergebenen Pfründen. All dies war bisher ungedruckt. Auch die sachlichen Anmerkungen des Vfs. finden allseitig Lob. So T. F. Tout EHR Oct. 89, 774; SatR 10VIII89, 171; Ac. 11V89, 320; Ath. 11V89, 598; Scot. R. Jan. 89, 216. — * The Bruce, compiled by Master John Barbour, ed. for the Early Engl. text soc. W. W. Skeat. I-IV. ’70-89. — Dublin R. April ’87, 266 behandelt Barbour’s Leben und legt ihm die Legenden [s. oben II, 233] bei. — H. Bradshaw, Collected papers p. 58 ff., behandelt die Cambridger Hss. von Barbour’s Legenden nebst Trojanerkrieg [beides 1881 hrsg. von Horstmann]. — The romance Robert Bruce related, Scot. R. July ’88, 352. Nach Barbour ermunterte der König die Genossen der Flucht im August 1306 durch Vorlesung des Ferambrace, der Französ. Epopöe aus der Karlssage Fierabras, die den endlichen Sieg einiger Tapferen über ungeheueren Druck besingt. Vf. gibt deren Inhalt und bespricht auch die Uebersetzungen des Gedichts, darunter den Engl. Sir Ferumbras, welcher erst mehr als ein Menschenalter nach Bruce gedichtet ward. — *Eleventh report of The histor. mss. commission, App. 6: The mss. of the duke of Hamilton ed. Sir Wm. Fraser, ’87 [s. oben II, 232]. Laut Edinburgh R. July ’89, 257 bespricht Fraser den wohl Northumbr. Ursprung der Familie im 13. Jh. Ihr frühester Freibrief ist der König Robert’s von 1315 über Land im Clydethal für Walter FitzGilbert (den Grossvater des ersten Hamilton genannten und 1375 Privilegirten: die Familiensage ist also falsch), der 1296 Edward I. gehuldigt hatte. Vielleicht war er der Commandant von Bothwell, der die nach der Niederlage bei Bannockburn in seine Feste flüchtenden Engländer für den Schottenkönig gefangen nahm. Die Grösse des Hauses stammt von dem ersten Lord Hamilton 1445, der erst für, dann gegen die Douglas eintrat und durch sie, dann durch ihre Gegnerin, die Schott. Krone, z. Th. mit der Beute seines verrathenen Freundes, vergrössert ward und des Königs Schwester 1474 heimführte. Eine Sage, wie Menteith, der Verräther des Wallace, auch König Bruce umbringen wollte, findet nach der Review (gegen Fraser’s Ansicht) hier Bestätigung: der Angeber [166] des Attentats ward belohnt. — J. Evans, Silver coins found at Neville’s Cross, Durham (Numism. chron. 1889, 312). Der Fund besteht aus Münzen von Edward I., II., III., Johann von Böhmen, Alexander III., David II. und Robert II. von Schottland, ist also z. Th. später als die dortige Schlacht von 1346 [mit der Antiq. July ’89, 30 (vgl. Sept 145) den Fund verband]. Er dient der Gesch. der Münzen von York, Durham, Perth und Edinburgh. — G. Sim: Aberdeen treasure trove (Schatzfund, Proc. soc. antiq. Scotl. 1887, 223), besteht aus 12 236 Silbermünzen, geprägt c. 1292-1330 meist von Engl. und Schott. Königen; 140 Stück stammen von Flandern, Luxemburg, Brabant und benachbarten Dynasten; [wohl ein Zeichen des Aberdeener Handels mit Nordwestdeutschland]. — *A. H. Millar, The histor. castles and mansions of Scotland: Perths. and Forfars. 4°. — D. Christison, Yetts [Eisengitter] of Scottish castles and towers (Proc. soc. antiq. Scotl. 22, 286), meist spätgothisch. — C. J. Bates, The Border holds of Northumberland, Archla. Aeliana 14 [’88], 1. — Vorträge zur Südschott. und Nordengl. Gesch. auf dem Glasgow-Congress der Brit. archl. assoc. zieht deren Jl. 44, 4, Dec ’88 aus. — G. P. M’Neill: Huchown of the Awle ryale (Scot. R. Apr. ’88, 266) hat die Dichtungen Tod Arthurs [vgl. u. p. 171] und Susanna geschrieben [vgl. Körting, Engl. Lit. 104, dessen Stoff Vf. leider nicht kennt]. Vf. weist ihm auch Gawain zu [s. dagegen Körting 105]; dem Dichter des Gawain gehören auch die Stücke: Perle, Sittenreinheit, Geduld. Hugochen von der Königshalle, jedenfalls ein Schott. Hof-Adlicher um 1350, ist vielleicht Sir Hugo von Eglinton, der, von David II. zum Ritter geschlagen, Justitiar von Lothian ward, oft nach England reiste, einmal behufs Staatsvertrages, eine Halbschwester des ersten Stuartkönigs heirathete und um 1381 starb. — Während und in Folge der Schott. Grenzkriege des 14. Jhs. entstanden die ältesten Mittelengl. Volksromanzen. *The English and Scottish popular ballads, ed. Fr. J. Child (Boston seit ’83, 4°) reicht 1889 bis Band VI, der (laut E. F[lügel], Mitth. a. Engl. Spr., Beibl. z. Anglia ’90, 85) für Brit. MA. enthält: Wallace, Battle of Otterbourne und Henry V. (Agincourt).

Englische Quellen des 14. Jhs. Jusserand, Ath. 29XII’88, 883: Die Italien. Hs. British Mus. Reg. 10 EIV, enthält Decretalen Gregor’s IX. und ward illustrirt erst in Paris, dann Anfang 14. Jhs. in England, vielleicht zu St. Bartholomew’s, Shmithfield [s. oben II, 472], dem sie später gehörte, mit Bildern von Krieg, Spielen, Berufen, häuslichem Leben, Strafen, Thierfabeln, Wundern, Fabliaux. — Galfrid Baker hrsg. von Thompson [s. oben II, 495] zeigten an Scot. R. Jan. 90, 220; C. L. Kingsford, Ac. 14IX89,161; Heyck meint, DLZ ’89, 1753, gegen die Annahme Französ. Urtextes spreche [?] auch p. 92: treuge in Gallico, in Latinum mei ministerio translate. — *Adae Murimuth Contin. chronic; Robertos de Avesbury, De gestis Edwardi III., ed. by E. M. Thompson (Rolls ser. ’90). — *Max Dangel, Law. Minot [s. oben II, 233], Progr. Königsberg RGymn. ’88. — *Chron. Henrici Knighton vel Cnitthon mon. [? Regularcanoniker zu S. Mary de Pré] Leycestrensis, ed. J. R. Lumby. I. (Rolls ser. ’89). Von der c. 950-1395 umfassenden, über Schwarzen Tod, Bauernaufstand [167] und Lollarden wichtigsten Quelle bringt dieser Band nur Buch 1-3 (jedes zerfällt in 16 Capitel, deren Initialen HENRICUS CNITTHON ergeben), bis 1336; da hier Chronologie wenig befolgt, manches doppelt erzählt, auch Sage eingeflochten und zumeist Higden, der am Rande als Cistrensis citirt ist, excerpirt wird, ist dieser Anfang mehr literarisch als historisch bedeutend. Nur zuletzt sind werthvolle Staatsacten benutzt; für das Magnum Concilium zu Leicester 1318 ist Knighton wichtig. Hrsg. gibt die Quellen nicht an: es sind Hoveden, Hemingburgh, die St. Alban’s-Compilation. Beide (Cottonsche) Hss. hatte schon der frühere Hrsg. Twysden gebraucht; die bessere ist seitdem angebrannt. So SatR 11I90, 150. Auch ergreift Kn. selbständig Partei in der Erzählung, z. B. gegen Edward II.; Jl. d. sav. ’89, 704. — *Travels of Sir John Mandeville, ed. G. F. Warner (’90 für Roxburghe club). Unter das Englisch des nördl. Mittellandes (aus Hs. Egerton 192, 15. Jhs., bisher unedirt) setzt W. den Französ. Urtext mit Fläm. Miniaturen aus Hs. Addit 24189, 15. Jhs. Der Quellennachweis bestätigt, dass die weite Reise aus Literatur zusammengelogen ist [s. oben II, 496]; die Einleitung behandelt die Person des Vfs. So Ac. 7XII89, 370; Ath. 14XII89, 824. — *Ém. Montegut, Sir John Maundeville, R. des 2 mondes 96, 2; 3. — Ueber Bartholomäus Anglus und seine Encyclopädie De proprietatibus rerum handelt *Delisle, Hist. litter. de la France XXX (’88). — The book of Ballymote, a collection of pieces (prose and verse) in the Irish language, compiled about the beginning of the 15. cent., now for the first time published from the or. ms. in the library of the Royal Irish Academy by the Royal Irish Academy, with introduction, analysis of Contents and index by Rob. Atkinson, Dublin 1887, fol. Die oft benutzte bunte Sammlung ist hier durch Heliotypie sämmtlicher 502 Seiten veröffentlicht. Wird jeder Keltist für diese kostbare Leistung, schon die vierte derartige, jener Akademie dankbar sein, so findet doch der des Mittelirischen Unkundige die 18 S. Einleitung zu kurz, um aus dem Werk historischen Gewinn zu ziehen. Zwischen 1384-1406 von Mehreren geschrieben, vom Häuptling von Ballymote [Sligo] erworben, ward es dessen Nachkommen durch Hugo O’Donnell Fürst von Tirconnell 1522 abgerungen; vor 1720 kam es ins Dubliner Trinity College, 1785 in die Akademie. Neben Uebersetzungen — auch des Nennius —, Grammatischem und Irischem Recht (das bereits im Druck ist), enthält es eine grosse Masse an Stoff, der scheinbar geschichtlich, thatsächlieh (so wohl die ganze Zeit vor Chr.) erfunden ist; doch ist einiges Werthvolle (z. B. durch Skene und O’Curry) bereits bekannt Die Durchsicht des Inhaltsauszugs lässt quellenmässig für Historiker Brauchbares nicht erhoffen.

Engl. Urkunden dea 14. Jhs. Das *Register des Bischof von Bath Johann Drokenford 1309-29 druckte die Somerset record soc. — A. G. Little, The English Dominicans, EHR Jan. ’90, 107-12, druckt aus dem Register des Erzb. von Canterbury einen Brief vom 1. Oct. [1314] an den Kanzler der Universität Oxford (dieser solle den Verleumdungen Abtrünniger gegen den Predigerorden nicht stattgeben) und aus Record off. Remembr. misc. 902/49 die Appellation einiger Dominikaner an Rom [168] und Canterbury gegen das Londoner Generalcapitel unter dem „Usurpator“- Ordensmeister Berengar, welches ihre Beschwerden zu untersuchen weigerte; diese betreffen gesetzwidrige Verheimlichung von Todesfällen im Orden durch Krankheit, Wahnsinn und Selbstmord, die die Verfolger veranlasst hatten; Gefangene und Kranke würden unmenschlich behandelt; der General verfahre ungerecht. [Der Abdruck bedarf Besserung: 110, 26 minis statt muris]. — J. Mills sprach in Hist. assoc. of Ireland 30I’89 über das Manor of St. Sepulchre, Dublin (laut Antiq. 19, 127). Einst Iren-Vorstadt, war es im 14. Jh. anglonormannisirt. Es gehörte dem Erzbischof. Zwei Güterverzeichnisse von 1326 und 1382 liefern manches für Wirthschafts-G. — J. B. Wilson, Hospital of the b. David, Swansea (Archla. Cambr. ’88, 5), druckt die Urk. des B. Heinrich von St. Davids, 1332 über die Gründung und zwei auf das Stift bezügliche von 1334. 1379. — Edward III. verlieh 1333 seinem Sohne Edward die Grafschaft Chester und befragte das Exchequer über die dazu gehörigen Lehen und Rechte. Die Antwort druckt Selby Ath. 10XI88, 627. — *Year books [literar. Berichte über das in königl. Gerichtsverhandlungen für die Rechtspraxis Erhebliche] of the reign of k. Edward III.; years 13. 14 [1339/40]; ed. and [aus Anglofranzös.] transl. by L. O. Pike (Rolls ser. ’86), ferner years 14. 15 [1340/1], ’89. Die Ausgaben werden Law QR ’87, 83 und durch M[aitland] Jan. ’89, 82; Apr. ’90, 218 gerühmt, besonders weil zu jedem Auszug die Rolle des amtlichen Protokolls über Parteirede und Gerichteurtheil herangezogen wird, wodurch die concrete Sachlage oft erst verständlich wird. Die rechtsgeschichtlich werthvollen Einleitungen erhellen die Beziehung zwischen Parlament, Staatsrath und Richterbank, die zur Annahme einer Klage um 1250 erforderliche Secta der Klagezeugen (die jedoch nicht vor der Jury erscheinen), welche um 1310 zur Fiction herabsinkt, ferner die Entwicklung der Jury aus Zeugen zu Thaturtheilern und viele Einzelheiten, wie Sonntagsfeier und Stand der Unfreien. Die Echtheit des Liber rubeus mit dem Dialogus de Scaccario vertheidigt M. [mit Recht] gegen Pike. Zum späteren Bande zeigt Hrsg., wie formlos Oberrichter Willoughby abgesetzt, und wie London durch die (zur Strafmaschine gegen jeden Privilegirten herabgesunkene) Reiserichtercommission kirre gemacht wurde; er erörtert ausführlich Verfassungsgeschichte und Staats-Kirchenstreit des Jahres. SatR 3V90, 547 ergänzt manches aus histor. Literatur und tritt für Erzbischof Stratford ein: seitdem darf ein Peer nur vor den Lords verklagt und verurtheilt werden. — Sir John Maclean, The aid levied in Gloucestershire 1349 [vielmehr 1346] on the occasion of making Edward, the Black prince, a knight (Tr. Bristol archl. soc. 10, 1886, 278), druckt aus dem Book of aids des Exchequer die Eingangsverzeichnisse aus den Ritterlehen: Jedes zahlte 1249 £ 2, also die Grafschaft mit 134 119/120 Lehen: £ 269. 19. 8. — Für inneres Klosterleben und Wirthschaft Winchesters wichtig ist *G. W. Kitchin’s Ausgabe des Coutumier des 14. Jhs. für das Refectorium S. Swithuni und der Charte Edwards III. über den St. Giles-Markt 1349. — *Facsimile of the I vol. of ms. archives of the w. Company of grocers [Krämer] of the City of London a. 1345-1468, ed. J. A. Kingdon, ’88. — * Briefe London’s an [169] Dordrecht 1359 s. oben II, 302 Nr. 4058c. — L. Toulmin Smith, The bakers of York and their ancient ordinary (Archaeol. R. I, 124; 215) überblickt die Gesetzgebung über Nahrungsmittel seit 13. Jahrh. und deren schriftliche Denkmäler, besonders in Städten, und gibt die seit Richard II. Zeit erlassenen, seit 1480 datirten, Satzungen des Yorker Bäckergewerkes aus einer Aufzeichnung von 1595 heraus. Diesen voran druckt sie aus einem Yorker Stadtbuch Französ. und Engl. Anträge und Bestimmungen des Gewerkes, von etwa 1390 bezw. 1470. Sie schildert sodann die Verfassung der Innung, den Brotverkauf, die Brotsorten. — *Some municipal records of the City of Carlisle ed. R. S. Ferguson and W. Nanson Carl. ’87, bilden (laut Archl. Jl. 44, 98) Band 4 der Extra series der Cumberland antiq. soc. Er beginnt mit einer G. der Stadt, die 1353 von der Grafschaft unabhängig wird, mit eigenen Bailiffs und Coroners, seit Edward I. das Parlament beschickt. Das Wahlrecht haben die Schoss zahlenden Hausbesitzer. Die Kaufgilde habe sich hier wie anderswo zur Corporation entwickelt. Gewerkgilden gab es 8, davon eine, die der Händler, mit jener Kaufgilde nichts zu thun hat. Erst im 16. Jh. erlangen die Gewerke Einfluse auf den Patricischen Stadtrath. Stadt und Gilden besitzen jetzt fast keine ma. Urkunden; diese mussten die Herausgeber anderswoher citiren. — Chapman (in Cambridge antiq. soc. laut Ac. 15II90, 121) behandelt Ely’s Urkunden über Rittergut und Patronat von Mepal. Der Mönch Wilhelm von Wysbech rechnet 1361 über dessen Erwerbung für sein Domkloster ab. Der Preis ward grösstenteils von Freunden des Stifts aufgebracht; zu den Kosten gehören die Gebühren an die königl. Beamten für die Erlaubniss, das Gut an die Todte Hand zu übertragen. — Für Liturgie, Hagiologie und Gesch. Peterboroughs ist interessant Chr. Wordsworth, Kalendarium e consuetudinario de Burgo S. Petri, um 1370, gedruckt aus zwei Mss. Lambeth 198/98b, mit Einleitung, Archla. 51 (’88), 7. — Ueber die Wardrobe account books of Henry of Derby auf dem Preuss. Kreuzzug s. oben II, 237; III, 253. — Ueber Hingeston’s Register of Stafford b. of Exeter (’86) [s. oben III, 210] vgl. Lit Rs. ’87, 67. — *R. N. Worth, A calendar of the Tavistock parish records (’87) 1385-1765 [verbessere oben II, 235] sei für Gesch. des Grundbesitzrechts, der Familien und der Preise wichtig; Antiq. Nov. ’87, 230.

Templer. *J. Shallow, The Templars’ trials: an attempt to estimate the evidence published and to arrange documents in chronolog. order, benutzt laut Ath. 18V89, 626 fleissig Literatur [neueste festländische aber, wie es scheint, nicht: dass der Englische Process hier und überhaupt wenig beachtet sei, könnte wohl Ath. sonst nicht sagen]. Vf. sieht irrig in Thierköpfen an Kirchen Spuren von Manichäismus. — Ueber die Aufhebung von Templehurst 1307 handelt *Yorkshire archl. Journal 39. Die 30 Templer hier waren arm: die Präceptorei hatte jährlich nur £ 14 Einkünfte. So Ath. 5X89, 459. — *K. Schottmüller, Der Untergang des Templerordens (’87) druckt das „Excerpt des Engl. Processes“. Er zeigte SB Berl. Akad. ’86, 1028, dass dies aus den Aussagen der Unschuldigen wahrscheinlich durch die päpstlichen Commissare verzerrt ist damit das Concil von Vienne aus dem auf der Folter Erpressten und werthlosem [170] Zeugengerede eine Belastung auch der Englischen Ritter schmieden konnte. Edward II. wollte anfangs die Templer nicht verhaften und sogar Philipp IV., als dessen Motiv er Habgier bezeichnete, von unlauteren Schritten zurückbringen; er ward erst durch den Papst und die Hoffnung auf Beute umgestimmt. Der Engl. Process ergab zuerst nichts Nachtheiliges und nachdem der Papst zur Folterung veranlasste, nur wenig [dies Ergebniss wiederholt Hoogeweg, MHL 16,139], sodass die Engl. Kirche zufrieden war, als die Ritter alle Ketzerei abschworen. Für die Unschuld des Ordens im Wesentlichen stimmen mit dem Vf. überein: B. Gebhardt Pr. Jbb. 62, 537, der besonders zwei Engl. Zeugnisse entkräftet, K. Wenck GGA ’88 , 465 (obwohl er Sch.’s Buch hart angreift), diesem folgend Sternfeld (Hist. Ges. Berl. SB ’88, 3), ferner Busson MIÖG 9, 496, Kugler DLZ ’89 , 634, Langlois RH 40 168, der auf unbenutzte Engl. Acten zum Templerprocess aufmerksam macht, Lea EHR ’88, 149 und „Inquisition“ [s. oben III, 212] III, 267, endlich V. Schultze JBG ’87, II, 177. Dagegen *H. Prutz, Entwicklung u. Untergang des Tempelherrenordens (’88) glaubt zwar nicht mehr an Geheimlehre, wohl aber noch an Verhöhnung Christi. Doch aus dem Engl. Process folgert selbst er noch keine Ketzerei. Sein Buch besprachen Hoogeweg MHL 17, 340, Gebhardt Pr. Jbb. Jan. ’90 , 89 und Wenck, GGA ’90, 253, ohne an der Unschuld des Ordens irre zu werden. Letzterer spricht den Zeugen, so Stapelbrugge, mit Recht die Glaubwürdigkeit ab; der Process sei keine kirchenrechtliche Inquisition, sondern ein polit. Gewaltakt ; sittlicher Vorwurf treffe höchstens einzelne Templer, der Orden sei schuldlos. Ueber die Templer in Schottland und Irland sei nichts bekannt; in England hinderten sie die monarch. Gewalt weniger als in Frankreich. [Ueber den nur im Englisch des 16. Jhs. erhaltenen Bericht von der für den Orden verhängnissvollen Zusammenkunft zwischen Philipp IV. und Clemens V. vgl. Wenck p. 254.] Er zeigt 270. 262, dass Clemens V. für England gegen Philipps IV. Annexionspolitik eintrat. Unter milites Gasconie capti, die accusaverant ordinem Templi, versteht er Kriegsgefangene, die ihre Lage in Frankreich durch die Philipp willkommene Verleumdung ihres Ordens verbessern wollten. — Von *Gasquet, English monasteries [s. oben I, 458], beginnt Band II, ’89, mit der Confiscation der Güter fremder Orden 1294, der Unterdrückung der Engl. Tempelhäuser und der ausländischen Stifter und der allgemeinen Staats-Kirchen-G. des MAs.; laut Ath. 22VI89, 783; S. Bäumer in ZKTh 13, 461.

Recht im 14. Jh. Dass im XIV. Jh. der Schiffsherr nicht verantwortlich war, wenn er die ihm zum Transport übergebenen Waaren durch feindliche Gewalt verlor, erörtert E. L. de Hart, Law QR Jan. ’89, 17. — *Ern. Nys, Notes pour servir à l’hist. litt. et dogm. du droit international en Angleterre I (Brüss. ’88), behandelt auch ma.liches Kriegsrecht, so das Heergesetz von 1385, „im wesentlichen unsere heutigen Kriegsartikel“, das 1445 erweitert wurde [Zorn; DLZ ’89, 751], und Englands Verhältniss zu den päpstl. und kaiserl. Ansprüchen auf Oberherrschaft, zum kanon. und Röm. Recht und zu den Orden, ferner die Staatstheorieen des 15. Jhs. [Bulmerincq Jb. f. Gesetzgeb. 14, 167, lobend.] [171] Literatur, Kunst, Sitte. Ten Brink’s Engl. Lit [s. oben II, 217] besprach R. W[ülker], Anglia 12, 469. — *H. Morley, English writers IV: The 14th cent. (’89), behandelt u. a. die Mirakelspiele, Philobiblon, Minot, Langland und Gower. Letzteren Abschnitt rühmt Ath. 31VIII89, 287. — Zu Th. Wright’s Selection of Latin stories (’43, Percy soc. VIII) bringt Parallelen aus Volkserzahlung und Sage A. Seelisch, ZDPhilol. 19, 116. — Der Artikel *Wilhelm von Occam in Allg. Dt. Biogr. 24, 122 ist von K. Müller. — *Silbernagl, W. v. Occam’s Ansicht über Kirche und Staat HJb 7, 423; vgl. Zöckler, JBG ’86, II, 183. — Ueber Johann’s XXII. Privileg für Cambridge s. Kaufmann DZG I, 122. — *H. Middendorff, Richard Rolle von Hampole -- Psalmencommentar (Lpz. Diss., Magd. ’88), betrifft Theologie und Literatur Nordenglands. — Officium de s. Ricardo heremita, für den Fall der Canonisation, druckte Procter, Breviar. Eborac. (Surtees soc. 75, ’83), p. 785 aus 3 Hss. zuerst vollständig. — Des Thomas Bradwardine, Doctor profundus, 1349 Erzbischofs von Canterbury, Gebeine fand man im Dom, des Schmuckes beraubt; Antiq. March ’88, 176. — * Hohlfeld, Die Kollektivmysterien, Anglia XI, 219, weist die Abhängigkeit des Engl. Theaters im 14. u. 15. Jh. von Französ. Literatur und besonders von Latein. Liturgie nach. Stammen zwar die Stoffe aus Bibel and Apokryphen, so wirft doch die Aufführungsart Licht auf das damalige Handwerk und mancher Zusatz auf die Cultur überhaupt; freilich sind die hinzuerfundenen Scenen und Gestalten (wie die Schenksünden der Wirthin) noch wenig individualisirt, aber immerhin die Keime der grossen Theatergesch. Englands. Um 1400 wurde Ein Zweig des gemeinsamen Stammes possenhaft, der andere trauerspielartig umgestaltet — * Fr. H. Stoddard, References for students of Miracle plays and mysteries, Berkeley [Univ. California, Libr. bull. 8, ’87], verzeichnet diese ganze Literatur; gelobt von W[ülker], Anglia XI, 326. — *Ipomedon in 3 Engl. Uebersetz. hrsg. v. E. Kölbing (Bresl. ’89). Laut W[ülker] CBl ’89, 1779 sind deren 2 poetisch (davon eine, nördliche, um 1350, die andere, westliche, 15. Jhs.), die dritte in Prosa des Mittellandes, alle drei aus *Hue de Rotelande’s Ipomedon [hrsg. v. E. Kölbing und E. Koschwitz, Berl. ’90], einem Anglonorm. Gedicht um 1185. — R. Eule, Untersuchungen über die Nordengl. Version des Octavian (Berl. Diss. ’89): Diese Dichtung 14. Jhs. schöpfe aus der Französ. Chanson de geste, aber nicht der uns erhaltenen. — H. O. Sommer: Malory’s Le morte d’Arthur (Ac. 4 190, 11) übersetze nicht bloss, sondern verschmelze in treffliche Engl. Prosa verschiedene Werke, so die Englischen Huchown’s [s. o. p. 166] und La morte Arthure, und Französ., darunter die angeblich auf Friedrichs II. Befehl durch mestre Riohart d’Yrlande aus dem Latein übersetzten Prophezeiungen Merlin’s, welche gänzlich von Galfrid von Monmonth abweichen. — *W. Sp. Simpson, Gleanings from old S. Paul’s, erforscht (laut Ath. 16X89, 519 und C. J. Robinson, Ac. 18I90, 50) die Stiftung jüngerer Canonicate durch Richard II., Kirchenmusik, Bibliothek und Bau des Londoner Doms, besonders seit dem 14. Jh. und manches Archäologische aus dem 16. — *C. Lynam, The church bells of the county of Stafford, ’89. Laut Ath. 23XI89 , 711 ist die älteste Bicher datirte Glocke der Grafschaft die zu [172] Milwich von 1409; deren Giesser drückte seinen Namen Johann von Colsale in ihre Form durch bewegliche Typen, lange vor dem Buchdruck. Doch steht ein älteres Datum auf der Lichfielder Glocke, wo man 1255, nicht 1455, lesen solle. Um 1300 blüht zu London als Belleter (Glockengiesser, daher Belliter street) Richard von Wymbish, der Süd- und Mittelengland mit Glocken versah. — Nur etwa 27 Kelche und 75 Patenen sind noch aus der Engl. Kirche des MAs. bekannt, davon gehen sehr wenige ins 13. Jh. hinauf; SatR. 27V90, 610. — *J. J. Jusserand’s vielgerühmte Vie nomade d’Angleterre au 14 s. ward vermehrt, mit zahlreichen Bildern und Index ausgestattet und ins Engl. übersetzt von L. Toulmin Smith: English wayfaring life in the MA. (14. cent.) ’89. Neben anziehender und zum Theil bekannter sittengeschichtlicher Literatur werden hier trockene Rechts- und Wirthschaftsquellen für diesen Zweck zuerst benutzt. Anschaulich wird das Leben auf der Strasse und in der Herberge, die Öffentliche Sicherheit, das Marktrecht, das Vorrecht der Fährleute geschildert. Damals erscheinen die Engländer noch nach Neuem und Fremdem wankelmüthig haschend. Als Soldaten wandern sie nach Frankreich, Italien, Konstantinopel; der Adel reist zwischen seinen Landsitzen und der Hauptstadt umher; der Handwerker sucht in der Fremde Freiheit und Arbeit; ausserdem ziehen an uns vorüber Kaufleute, Boten, Trödler, Quacksalber, Gaukler, Geächtete, Wallfahrer, oft von ihrer Gilde unterstützt, Wanderprediger, Bettelbrüder, Ablasskrämer, fahrende Schüler und Geschäftskleriker in fast weltlicher Tracht, endlich Sänger. Vgl. F[lügel], Anglia 12, 480 mit Nachträgen über letztere; HJb 10, 462; Dublin R. July ’89, 232; Ath. 2III’89, 277. Archla. Cambr. ’89, 344 zieht den Abschnitt über Anlage und Bezahlung der Brücken aus. Ueber die 3. Ausg. (’90) vgl. Scot. R., Apr. ’90, 468. — *Ernst Günther, Englisches Leben im 14. Jh., dargestellt nach -- „Piers the Plowman“ von William Langland (Lpz. Dias. ’89), kulturgeschichtl. Schilderung, schätzenswerth nach R. W[ülker], Anglia XII, 478.

Wirthschaft. *J. E. Th. Rogers, The economic interpretation of hist. Lectures -- in Oxford, ’88, drückt mit lebendiger Kraft meist die Gedanken seines grossen Werkes Hist. of agriculture aus, auf MA. weniger eingehend. Dass Hungerjahre Anfang 14. Jhs. vielen das Leben kosteten, beweist das Steigen der Löhne um 10 Procent. Nach 1349 überschritten diese thatsächlich die staatliche Taxe. Infolge des Lollardismus der Weber und Gutspächter in Norfolk erblühe dort die Textilfabrik um 1400. So Ath. 26I89, 110; Edgeworth in Ac. 22XII88, 395; P. F. Willert in EHR July 89, 590. — Derselbe, *Six centuries of work and wages; the hist. of English labour (’84, eine frühere, volkstümliche, vielbewunderte Zusammenfassung des genannten Buchs [vgl. JBG 7, II, 176; III, 201], etwa seit 1200), wird ausgezogen von G. Schmoller, Die sociale Entwickelung Deutschlands und Englands, hauptsächlich auf dem platten Lande des MA.s, Jb. f. Gesetzgeb. NF. 12 , 208, der Rogers’ landwirthliches Auge für die Auffassung der Zustände (besonders auf den Stiftsgütern um Oxford herum) lobt, nur die histor. Entwicklung der Wirthschaft, auch in Rechts- und Verfassungsgeach. deutlicher entrollt sehen möchte und die Beurtheilung [173] demokratisch befangen gegen Krone, Ritterthum und Adel findet. Einen Grundwerth im Sinne Ricardo’scher Bodenrente gebe es noch nicht; was der Bauer dem Herrn, meist fixirt, abgibt, bezahle nur das Recht zu leben und den Boden zu bestellen. Hunger und hohe Sterblichkeit 1315—21 und 1348—9 machen die ländlichen Kräfte gesuchter. Um 1325 werden Frohnden und Lasten abgelöst oder in Geldzahlung umgewandelt, der Serf wird zum Erbzinsmann, auch beginnt der Grundherr, anfangs Vieh und Inventar stellend, zu verpachten. Durch das Steigen der Producte und Sinken des Geldwerths [? s. u.] und Münzgehalts bessert sich die Stellung des Pächters dauernd, und verschlechtert sich die des Grundherrn, der bis zum 16. Jh. die Pacht nicht schraubt. Der Arbeitslohn stieg nach 1348 für Männer um 50, für Weiber um 100 Procent; vergeblich versuchte man ihn 1367 durch die Friedensrichter zu regeln. Der Aufruhr von 1381 beweist doch den Sieg der unteren Classe über den Versuch des Adels, die Frohnden wiederherzustellen. Und mehr und mehr wächst bis ins 15. Jh. die Zahl der Freeholders mit 80 Acres. Der kriegerisch beschäftigte Adel sah gerne, wie der Grundwerth stieg: im 14. Jh. war der Preis für Land das Zehnfache der Jahresrente, im 15. Jh. das Zwanzigfache. Der Landarbeiter verdiente für 8 Stunden um 1250 : 2 Pence, um 1500: 4, während 1 Quarter [291 Liter] Weizen 1260-1520 nur 69 Pence kostete. Erst das 16. Jh. drückt die Lage der unteren Klassen bedeutend herab. — Rogers hatte behauptet, grössere Zahlungen im späteren MA. geschahen nach Gewicht, 1 £ stets zu 5400 Gran. Hiergegen spricht sich F. Seebohm, The rise in the value of silver, 1300-1500 (Archl. R. III, 20), aus: der Kornpreis blieb dauernd etwa 6 Schilling der Quarter, aber der Schillinggehalt sank von 266 auf 144 Gran. Mit dem Zwanzigfachen dieser jedesmaligen leichten Regierungsmünze entrichtete man 1 £. — Und J. H. Ramsay, Payment by weight or tale 1300-1500 (Archl. R. III, 295), beweist gegen Rogers: vor 1464 ward der Silberpfennig von 15 Gran auf 12 herabgesetzt, m. a. W. aus 1 Pfund Silber erhielt der Kaufmann fortan nicht 360, sondern 450 Pfennige geprägt, deren die Münze jetzt 54 statt 12 als Schlagschatz sich behielt. Edward IV. gewann so £ 15000; die Regierung konnte aber diese Umprägung den Kaufleuten als deren Vortheil nur dann darstellen, wenn sie die Münzen hinzählten; beim Wiegen hätten sie ja dadurch verloren! Auch ward der Besitzer alter Münze nur dadurch zur Umprägung gezwungen, weil er auch die alte, wie die neue leichte, nur hinzählen durfte. Der Werth von Silber zum Gold sank damit von 1/11 auf 1/12 — Rich. Faber, Die Entstehung des Agrarschutzes in England (Strassb. ’88, Abhh. aus d. Staatswiss. Seminar V). Von Brentano bevorwortet und im Stoffsammeln unterstützt, behandelt diese tüchtige Schrift p. 55-85: Die Engl. Getreidehandelspolitik im MA., d. h. seit 13. Jh. Der Kornverkauf geschah anfangs rein local. Zum Handel, wohl selbst dem zwischen zwei Grafschaften, bedarf es, mindestens seit K. Johann, eines königl. Freibriefs. Die Krone schafft sich aus Privilegien-Verkauf Einnahme; nur bei Lebensmitteln ist ihre Politik nicht rein fiskalisch. Neben der Handelslicenz zahlt der Kaufmann den Aus- und Einfuhrzoll, er wäre denn, gleichsam durch Pauschalzahlung, befreit. Man sucht fremde Händler anzulocken, lässt Marktgerichte z. Th. [174] durch sie besetzen. Eine Zollbehörde wacht in jedem der Häfen, in denen allein Fremde landen dürfen, über Verzollung und richtige Münze, deren Niemand mehr ausführen darf als er hereinbrachte (damit Landesproducte leichter abfliessen); dies Zollamt hindert, wo kein Privileg vorliegt, den Export von Waffen und Lebensmitteln; seit 1177 ist dessen Bestrafung nachweisbar. Das Brot wird ausserdem billig erhalten durch Verbot des Vor- und Aufkaufs und der Uebervortheilung durch den Bäcker, manchmal sogar durch Heranziehen von Kornzufuhr. Dagegen gestattet die Krone Kornausfuhr, wenn fremde Herrscher, besonders im Kriege ihr verbündete, Getreide brauchen, oder Händler für die Licenz zahlen. Umsonst versprach schon die Magna Charta freien Handel bei gleichmässigen Zöllen; noch 1303 gewährte die Charta mercatoria, die nur siegreiche Parlamente zeitweise entkräfteten, Fremden Sondervortheile (zu Ungunsten der Rechte der Landesstädte) und der Krone eine von Volksbewilligung unabhängige Einnahme. Kaum Theuerung, eher Feindschaft gegen Schottland und Frankreich, bewegt den König die Ausfuhr dorthin abzuschneiden. Gegen diese Willkür arbeitet das Parlament bis 1388 vergeblich; es erlangt nur Befreiung des Binnenhandels in Korn, der wenig bedeutete. Erst 1389 hören die Ausfuhrlicenzen auf. Da sinkt der Kornpreis so, dass 1398 allgemein die Ausfuhr gestattet werden muss, anfangs auf Widerruf, 1444 auf ewig. Nur wegen Theuerung durfte der Geheime Rath vorübergehend 1489 Ausfuhr und sogar Binnenhandel untersagen. Vollends siegt der Agrarier 1463: Getreideeinfuhr wird verboten, so lange Korn unter bestimmtem Preise steht. Das voraufgehende Capitel „England um 1689“ schildert die Wirthschaft noch mit vielen Resten des MA.s: der Norden steht gegen Südosten in Landbau und Handel zurück. Das Volk isst noch nicht allgemein Weizenbrot und nur wenig Fleisch. Im Anbau überwiegt noch Gerste, des Bieres wegen. Noch ernährt die Landwirtschaft ⅔ des Volkes. Sie leidet unter Gemenglage, die nur für die Wollzucht durch Einhegungen durchbrochen ist. Noch ist das Gewerbe ganz unerheblich, mit Ausnahme der Herstellung wollenen Tuches, die Edward III. durch Herbeiziehung von Vlämingern hob, und Edward IV. durch Ausfuhrverbot auf Wolle schützte. Dieser Zweig blüht um Norwich und Colchester, dann um Trowbridge, endlich um Halifax und Leeds herum. [Der Kaufmann p. 576 ist ein Vasall, wahrscheinlich kein Unfreier!] Vgl. Meitzen, DLZ ’89, 755. W. Naudé, JbGVV 12, 1351, vermisst noch die innere städtische Kornhandelpolitik der Städte. — *Randolph, in Newbery house magazine 1890, behandelt die Beziehungen zwischen einem Domcapitel [Exeter?] und seinen Pächtern im MA., gelehrt und anschaulich; Ac. 22II’90, 132. — *R. E. Prothero, The pioneers and progress of English farming. ’88. — *W. Cunningham, The growt of English industry and commerce. Cambr. ’88. — *J. Burnley, The hist. of wool and woolcombing. ’89. — *W. J. Ashley, The early hist. of the English woollen industry. Baltim. ’87. — C. A. Ward: St. Mary Woolnoth and St. Mary Woolchurchaw [in London] (Ath. 24VIII89, 258) seien nach dem Wollstapel benannt; haw bedeute Gehege, in dem die Wollwage des Wollzollhauses bis 1383 stand; die erste Kirche befand sich nördlich davon; noth sei aus north verderbt. — *T. C. Noble, [175] A brief hist. of the w. Company of ironmongers, London [1351-1889]. 1889. 4°. — *Clode, Merchant taylors [s. oben II, 513] wird für die Vorgesch., die Entwicklung aus der Gilde, auch von Loftie EHR Jan. ’90, 156 abgelehnt; nach diesem tritt der religiöse Zug der Gilde in der Company zurück. [Die Yerfassungsgesch. der Gewerke im 13. Jb. bleibt dunkel.] Die Company hat ihre Halle in der Threadneedle Street, der wohl ihr Schneiderzeichen den Namen gab, an der Stelle wo Sir Oliver Ingham wohnte. Von diesem, der 1330 mit Mortimer verhaftet, dann Seneschall der Gascogne wurde, und von berühmten Mitgliedern der Zunft enthält Band II (’90) Einzelbiographien, die SatR 26IV90 lobt. — *Wh. Porter, Hist. of the Corps of Royal engineers, ’89, beginnt mit der Normann. Eroberung, betrifft aber zum weitaus grössten Theile Neuzeit; er benutzt mindestens seit 14 Jh. Urkk. Parnell, Ac. 30III89, 231 lobt das Werk, bezweifelt aber, dass um 1300 das Wort Ingeniator vor Attillator verschwinde; Ingeniatores werden 1346 vor Calais neben Artillarii, was = Attiliatores, besoldet. — C. L. Kingsford, Ac. 26X89, 265, vermisst bei *H. Zimmern, Hansa towns, deren Buch er und Deutsche Kritiker wenig empfehlen, „das Privileg, das Richard von Deutschland für seine Deutschen Unterthanen 1259 (oder 1261) erlangte“ [wohl Höhlbaum, Hans. ÜB. Nr. 552; 1260]. — Durch Riess und Kunze werden Auszüge Brit. Urkk., wie Zollregister, über mehr als ein Jh. nach 1275, über Engl.-Hansische Beziehungen erscheinen; 18. JB d. Hans. Gesch.vereins ’89, 3. — J. H. Hansen spendet Höhlbaum’s UB. verdientes Lob, JBG ’86, II, 165. Er sieht in *Ch. Gross, La Hanse Angl. (RH 33, 296) die Ergebnisse von des letzteren „Gilda mercatoria“ wiederholt; JBG ’87, II, 170. — Ueber Juden in England im 14. u. 15. Jh. vgl. oben III, 199 und Ath. 18II88, 217; Ac. 25II88, 138.

Edward II. erscheint bei *Tout, in Stephen, Dict. of biogr. XVII, als Liebhaber der Jagd, des Schmiedens, Grabenziehens, Dachdeckens, Trinkens; vgl. SatR 2II89, 184. — *E. M. Thompson behandelt eb. XVIII: Gaveston. — 1313 entlieh Edward II. von Clemens V. 160 000 Goldgulden, gegen Verpfändung der Einkünfte der Französ. Besitzungen (ausser Ponthieus), zahlte dann Clemens’ Neffen, dem Vicomte von Lomagne, davon 100780 zurück, entlieh aber von diesem 17. Dec. 1314 wiederum 60000 kleine Goldgulden. So F. Ehrle, Nachlass Clemens’ V. (Archiv f. Lit. u. KG des MA. V, 136), z. Th. aus den hier gedruckten Processacten von 1318 gegen die Unterachlager des päpstlichen Schatzes. Clemens hatte die Hälfte jener Schuld zu Kreuzzug und Almosen vermacht (p. 6. 29. 42). Edward’s Beschenkung der päpstlichen Verwandten (143) und die Verwendung bei ihnen um schnelle Papstwahl 1314/5 (104) erhalten hier neues Licht. Unter den Curialen begegnet Robert von Pinchbeck [bei Spalding] (82); ein Theil des Engl. Peterspfennigs (30) gehörte dem Cardinalscollegium. — St. Arch. Moore, Death and burial of Edward II. (Archla. 50, 215), druckt Stücke aus Rollen von 1328/34 und zeigt, dass die Leiche des Königs zwar nicht geheim begraben ward, aber lange in der Hand der als Mörder bald nachher bezeichneten Männer verblieb und durch eine Frau, die mit dem Hofe Rücksprache nahm, geheim einbalsamirt ward. Er zweifelt an der Ermordung [176] nicht. Fieschi’s Brief über den Mann, der sich für den nach Italien geflüchteten Edward II. ausgab, erschien also Stubbs mit Recht als Lüge im Französ. Interesse und mindestens inhaltlich falsch. Nur die grässliche Art der Ermordung hält Moore für unwahrscheinlich; jedenfalls verwirft er de la More’s [vielmehr le Baker’s] Bericht mit Recht [der Vers „Edwardum occidere nolite timere bonum est“ — zweideutig zu interpungiren — ist nicht original; siehe Mon. Germ. 28, 119. Zu vgl. war Hunter, Apprehension of Gournay, Archla. XXVII.].

Edward III. E. A. Freeman, Zur G. des MA.; ausgewählte hist. Essays, übers. v. C. J. Locher, enthält: *Edward III. — *Hunt, in Stephen, Dict. of biogr. XVII: Edward III., und Edward the Black prince. — Dass letzterer der Schwarze Prinz hiess, ist bisher in genau Gleichzeitigem nicht nachgewiesen; Ed. Thompson, Antiq. June ’88, 279. — *G. H. Moberly, Life of William of Wykeham, bishop of Winchester. Winch. ’88.

Auswärtiges. *G. Picot, Hist. des États généraux, 2 A. ’88, unentbehrlich für die Engl.-Französ. Beziehungen seit 1302, meint, die verschiedene Stellung des Adels erkläre den Gegensatz der Verfassungsgesch. beider Länder [s. o. p. 159. 162]: er verbindet sich in England dem Bürger gegen die Krone; in Frankreich wird durch Krone und Bürgerthum die Feudalität unterdrückt; der Streit zwischen Adel und Bürgern entkräftet hier die États. So E. Marcks, DLZ ’88, 1822. Ausserdem, fügt Farges, RC ’89, II, 76 hinzu, verlangte die Gefahr durch England und Oesterreich eine stark centralisirte Regierung, die die États, in sich zerfallen und von der Krone beargwöhnt, nicht leisten konnten. — Da Edward III. mit Geldern verwandt, mit Hennegau, Jülich u. A. im nordw. Deutschland verbündet war und selbst hier eine Zeit lang auftrat, so geht die dortige Literatur auch England an. Nur als Beispiel: *Kunze, Polit. Stellung der Niederrhein. Fürsten 1314-34 (’86); *Chroniken der Westfäl. Städte. I: Dortmund, Neuss, hrsg. v. d. Hist. Comm. bei der [Münchener] Ak. (’87), worin auch manches für den Französ. Krieg. — E. Desplanque, JBG ’86, II, 336 u. Note 210. 212, bespricht eine Anzahl Bücher über diesen Krieg. — Was A. Molinier, oben III, 158 ff. darüber angibt, wird hier nicht wiederholt. — *S. Luce, La France pendant la guerre de cent ans; épisodee histor. etc., s. oben III, 445, vgl. III, 153. — Anknüpfend an Maine’s Studie über männliche Thronfolge, besonders der Valois 1328, zeigt Esmein (NRH. droit 10, 434) Edward’s III. Anspruch ruhe nicht auf archaischer Fortsetzung der Familie durch Weiber beim Fehlen männlicher Erben, sondern auf Anwendung von Frankreichs damaligem Lehen-Erbrecht, das nicht Agnaten auch der Collateralen bevorzugte; allerdings suchte der Songe du Vergier in uralter Quelle, nämlich der Bibel, ein Repräsentationsrecht durch Weiber für Edward nachzuweisen. Esmein findet den Namen Salisches Recht für öffentliches Recht schon bei Suger. — *Cosneau, Traités 1359-1444 (s. o. III, 154) bringt aus Hss. bessere Lesarten (leider bisweilen unter dem Text), besonders zu den Unterschriften und der Londoner Verhandlung 1359, auch einiges Ungedruckte in der Einleitung; laut RC ’89 , 280; CBl’89, 1408; B. Isnard, BECh 50, 606; RH 40, 339; HZ 64, 174. — G. Weber, Froissart [1871] ist neu [177] gedruckt: Geschichtsbilder verschiedener Länder. ’86. — A. Maury zieht *S. Luce’s Einleitung zur Froissart-Ausg. ausführlich aus, in Jl. savants ’89, 95. 353; vgl. oben II, 497. — *Debidour, Les chroniqueurs Froissart, Commines (Classiques popul. éd. H. Lecène et H. Oudin) Paris ’90, nach A. Delboulle (RC ’90, 169) Auszüge mit kritischen Bemerkungen. — *Chronique du Mont St. Michel 1343-1468, éd. S. Luce für Soc. anc. textes franç. ’85, enthält wichtigste Forschungen und Belege für die gesammte Gesch. der Englischen Besetzung der Normandie. So G. Lefèvre-Pontalis, Bull. crit. ’90, 87. — F. X. Glasschröder, Quellenkunde 14. Jhs. (HJb XI, 240), beschreibt Röm. Hss., z. Th. Französ. Ursprungs mit für England wichtigen Stücken; so p. 243 aus Ottobon. 3081: „29 juil. 1418 fu Rouen assiege et 19 jan. rendu“; hier auch Draco Normannicus; Regina 518: Genealogia Normannorum bis K. Johann. Eine Umstellung von Engl. Nachrichten des Bernard Gui bietet eine Hs. der Barberina, p. 248. Die Englisch-Franz. Verhältnisse 14. Jhs. stelle in den Vordergrund ein Italien. Fortsetzer des Martinus, p. 256. — Ueber die Schlacht bei Crécy bietet eine kurze Notiz die Lütticher Hs. in Darmstadt 739; NA 13, 601. — Boos: Der Mönch von Basel (Anz. f. Schweiz. G. 20, 314), der dem Franzosenkönig umsonst rieth, einen Tag mit dem Kampf gegen die wohl vorbereiteten Engländer zu warten, dann den Böhmenkönig in die Schlacht führte und mit ihm fiel, sei (gegen andere Erklärung der Froissartstelle) laut Matthias von Neuenburg wirklich ein Mönch von Basel. — Dass der Prinz von Wales das Abzeichen der Straussenfeder vom Böhmenkönig übernahm, wird schon im 14. Jh. berichtet; Hunt a. o. p. 176; vgl. SatR 2II89, 134. — H. Moranvillé: Philippe VI à - - Crécy (BECh 50 , 296, oben III, 155 lin. 10) hielt, trotz L. Minot’s Schmähversen über seine Flucht, tapfer aus. — * Will. Bromel, Capitulation of St. Jean d’Angely surrendered by the English 1351, Archl. Jl. 81, 504. — Bishop of Nottingham, Somerton Castle [Lincolns.]; its builder (Anton Bec, Edwards I. Staatsmann), character and royal prisoner (Jl. Brit. archl. ass. March ’90, 1). Johann v. Frankreich war hier 1359/60 gefangen, mit seinem Sohn Philipp, einem Hofstaat und künstlerischer und literarischer Begleitung, die Vf. aus Urkunden beschreibt. — *M. Prou, Relations politiques du pape Urbain V. avec les rois de France - - d’apres les registres - - du Vatican (Paris ’87). Der Papst trat der Heirath der Wittwe Philipp’s von Rouvre mit dem Grafen von Cambridge, Edward’s III. viertem Sohne, entgegen und kehrte nach Avignon zurück, als der Engl. Krieg wieder begann; so H. M., RQH 44, 616. — Ueber *Grellet, Documenta inédits conc. la Cour souveraine de Gascogne, condamnant à mort en 1377 le vicomte de Fronaac [s. oben II, 233], vgl. auch RQH 44, 602. — *G. Tholin, Ville libre et barons, la juridiction d’Agen (Paris, ’86): im hundertjähr. Krieg verlor die Stadt Grundbesitz und Rechte an den Nachbaradel; so König, SavZ Germ. Abth. 11, 227. — * Guill. de Lestrange [s. oben III, 159] arbeitete 1372—80 für die Curie am Engl.-Französ. Frieden, um 1376 als Nuntius bei Edward III.; RH 40, 841. — In Anzeige *Ménorval’s [s. ebd.] tadelt RH 40, 349 die Intrigue Étienne Marcel’s mit Karl dem Bösen: sie bedeute den Bund mit Edward III. — Die Engl. Kämpfe in Flandern 1385 behandelt Hs. Erfurt Amplonian. Qu. 371, [178] 623; NA 14, 199. — Moranvillé, BECh 50, 355 [s. oben III, 156] beginnt mit Karl’s V. Friedensvorschlägen 1378 und erörtert die Karl’s VI. ausführlichst, an der Hand von vier Staatsacten 1390-3, die er veröffentlicht. Die Krone bot Richard II. viel Geld und die Hand einer Königstochter, sie dachte noch nicht Guyenne einzuziehen, nur sich die Oberhoheit vorzubehalten. Englands Regierung, aber nicht das Parlament, neigte zu dauerndem Frieden, wagte jedoch hartnäckig zu bleiben, da der gegnerische Monarch, mit dem 1391 und 1392 eine Zusammenkunft geplant ward, in Narrheit versank, und in seinem Rathe Berry und Burgund wenig patriotisch handelten; so ward nur der Waffenstillstand verlängert; vgl. RH 42, 185.

Universitäten am Ausgang des MA. * Oxford in the MA., Contemp. R. June ’87. — Jourdain, Excursion (s. o. III, 230, lin. 8), 365 zeigt, wie die Engl. Nation der Pariser Artisten, da der Krieg gegen England ausbrach, 1378 Karl IV. bat, sich die Deutsche nennen zu dürfen; sie heisst endgiltig so seit 1436; ihre Schott. Tribus umfasste fortan Engländer und Iren. Als Patron verehrte sie u. A. König Edmund. Vf. druckt ihre Abrechnung von 1494, die viele Schotten, aber kaum Engländer erwähnt: 1495 verrechnet Mag. Johann Maktullo Roffensis [nicht Ross?] diocesis. — H. Denifle (A. f. Lit.- u. KG d. MA. 5, 226) druckt „Ein Registrum der Procuratoren der Engl. Nation an der Univ. Paris“, zu der ausser Schotten, Iren, Skandinaven, Ungarn, Böhmen und Polen namentlich Deutsche gehörten, die seit 1350 überwogen und seit 1443 [s. 7 Z. vorher] ihr den Namen gaben. Das hier gedruckte Stück 1333-48 ist das früheste des bis 1730 reichenden Registers. Der Procurator ward fast monatlich neu gewählt; mit jedem wechselt die Schrift, die kaum noch irgendwo Engl. Charakter zeigt. [Unter den Namen überwiegen Schottische über Englische, theils wohl aus polit. Gründen, theils weil die Engländer zwei Universitäten zu Hause hatten.] Viele der Namen dieser wichtigen Quelle für Brit. Culturgesch. hat Hrsg. erklärt; mehrfach ist Procurator Walter von Wardlaw, 1367-87 Bischof von Glasgow und Cardinal; vgl. Bellesheim, Dublin R. Jan. ’90, 234. — Denifle, Gelehrten-G. d. Carmeliterordens (ebd. 5, 365), druckt Kataloge: 1. von 1361 der Magistri theologiae Carmelit. zu Paris, wo p. 371 der Philosoph Johann aus Baconthorp († 1346 Londoniis) vorkommt; 2. der Capitula generalia Carmelit., unter denen p. 381 f. die zu London von 1280 und 1312 stehen. — M. Fournier, NRH de droit franç. 12, 389, weist in Hs. Vatican Christina 405 Statuten der Schottennation an der Univ. Orléans vom 14. Jh. nach. — *J. W. Clark, Cambridge; brief histor. and descriptive notes; besonders Baugesch. — Rob. Willis [† 1875], with additions by J. W. Clark, The architectural hist. of the Univ. of Cambridge and of the Colleges of Cambridge and Eton (Cambr. ’86, 4 Bde. 4°. clxxx630; 776; 722; 29 Pläne von der Jetztzeit auf Pauseleinen, das über dem Plane des MA. klebt, mit Jahrzahl der Erbauung für jede Mauer). Dies streng wissenschaftliche Prachtwerk bringt wohl 500 Abbildungen, ohne doch je die leicht erhältlichen Gesammtansichten der heutigen Cambridger Schönheiten zu wiederholen. Liebe und grossen Sinn athmet Clark’s Widmung, an Bradshaw’s Andenken [s. o. p. 146], und vornehm [179] bescheidener Bericht über Willis’ 1844 begonnenes Lebenswerk, das Hrsg. vielfach erst ausarbeitete, und zur Gegenwart fortführte. Sorgfalt des Ortsforschers, technische Kunde des Mechanikers, Künstlerauge, Sammelfleiss und echt historisches Gefühl für das Wichtige zeichnen W.’s Leistung weit vor ähnlichen Arbeiten aus und machen sie zu einer Fundgrabe nicht bloss für jene Universität und die Kunst, sondern auch für Gelehrsamkeit, Erziehung, Wirthschaft und Biographie Englands seit dem 13. Jh. [Festländisches ist selten verglichen]. Die Geschichte jeder Anstalt und Oertlichkeit, auch bevor sie Studienzwecken diente, so z. B. die des Vornormannischen Benedikti-Thurms, ferner die Art ihrer Erwerbung für ein Stift wird durchgegangen, und die Wurzel aufgesucht, im akademischen Leben oder in Oxford’s Vorbilde, zu jedem Stück der Architektur; letztere umfasst innere Ausstattung und gärtnerische Umgebung. Möglichst ist aus Urkunden geschöpft und manche zuerst abgedruckt (die früheste ist von 1268); Angaben über Collectaneen und Stiftsarchive und reichste Bibliographie verpflichten den Forscher auch auf Nachbargebieten zu Dank. Die Darstellung ist knapp und einfach, doch keineswegs ermüdend, Inhalt und Abbildungen sind ausführlich verzeichnet, viele Zeittafeln beigegeben, ein Index und ein für alte Kunstausdrücke wichtiges Glossar angehängt. Die Anordnung ist musterhaft durchsichtig. Band I, II und der Anfang von III entwickeln die Bauten erst der Stifter, dann der Universität, je für sich; der Schluss fasst „die Bestandtheile der Collegiums-Anlage“ in ein System zusammen; eine allgemeine Einleitung überblickt die Gesch. der Burg und der Stadt seit der Römerzeit, der Orden und der Universität nach Zeitfolge. Aus Anfang und Schluss, die fleissig auf die im Hauptkörper des Werkes aufgehäufte Masse des Einzelnen verweisen, hier nur einige Proben: Seit dem 13. Jh. wohnen die Studenten in unabhängigen Hospizen; man kennt deren im ganzen 27, aber keine Baureste, nur einige Maasse: manches deckte 15 000 □ Fuss; im 15. Jh. werden sie durch die Collegien erworben. Collegium heisst, zuerst 1324 nachweisbar, eine Studenten-Genossenschaft, erst später ihr Haus, das man im 14. Jh. Aula oder Domus nannte. Domus S. Petri von 1284, ist unter Cambridge’s Collegien das älteste; es ahmt Oxford’s Merton nach. Eine zweite Stiftung folgte 1324, in den drei Menschenaltern vor 1437 keine; bald darauf gründete Heinrich VI. Eton, welchem Gymnasium er, nach Wykeham’s Vorgang, King’s College anschloss; beider Bau ward mehrfach durch Planerweiterung unterbrochen. Bis 1475 waren 13 Collegien gestiftet, die, nur einige zusammengelegt und umgetauft, noch bestehen (1497 bis 1800 kamen 7 hinzu); die Gründer waren meist hohe Beamte, Geistliche, Adliche; Corpus Christi stifteten 1352 zwei vereinte religiöse Gilden. Die Mönche bevorzugten stets Oxford; als Benedict XII. den alten Orden befahl, die Universitäten zu beschicken, erstand in Cambridge 1340 nur vorübergehend ein Benedictiner-Hospiz für Ely, ein dauerndes für ganz England erst 1428. Was am heutigen College so klösterlich ausschaut, ist keineswegs ursprünglich und nicht Mönchischem nachgebildet. Anfangs war der Collegebau vielmehr, wie jedes andere Wohnhaus, einfachst, unregelmässig, mannigfach verschieden; nie hatte er, wie das Kloster, ein gemeinsames Dormitorium; seine Einzelhäuser lagen [180] freistehend um einen anfangs nicht rechteckigen Platz herum; seit etwa 1350 erst verbindet man sie in Cambridge zu quadratischen Höfen (was in Oxford’s Merton längst geschehen, aber nicht sofort oder überall nachgeahmt ward), und schmückt seit 1426 die Front durch einen Thorthurm. Abgeschlossenheit und Kreuzgang sind also keine frühesten Züge des College. Der Garten dient im MA. wesentlich zur Wirthschaft (man baut Saffran und Wein), erst später der Erholung, zuerst zum Ballspiel. Ebenso fehlen dem Stift anfangs die eigene Capelle, Vorsteherwohnung und Bibliothek; die 100-300 Bände, die ein College etwa 1350-1473 besass, wandern aus der Urkundentruhe, die sie um 1344 beherbergt, erst seit dem 15. Jh. in besondere Regale und dann in eigene Büchereien; da gibt es Verfügungen über Ausleihen (im jährlichen Wechsel), Aufstellen, Einbinden, Katalogisiren der Bücher; ihr Anketten ist in Oxford seit 1284 nachweisbar. Von den frühesten Stiftungen versorgte manche anfangs nur 9 oder 15 Studenten; seit Ende 14. Jhs. erheben sich über die Scholares die nach einem Probejahr erwählten Socii (Fellows), bedient von Pauperes scholares, die manchmal für Tagelohn arbeiten müssen. Dazu kamen Gäste, Pensionarii, d. h. anfangs schlechthin Miether, bisweilen einstige Socii, erst später unexaminirte Studenten. Schon das 15. Jh. kennt die Beziehung zwischen dem Anfänger und dem ihm in Leben und Lehre als Tutor vorgesetzten Socius. 1574 hatte Cambridge 778 Studenten. Auditorienhäuser sind seit dem 14. Jh. nachweisbar; das erste Scholae-Haus der Universität, seit etwa 1347, war zumeist im 15. Jh. gebaut; die bestehenden Bauten der Universität entstammen fast ganz der Neuzeit. Sie erhielt schon 1424 Bücher vermacht; noch existirt ein Plan ihrer Bibliothek von 1459. Der Renaissancestil ergreift in Cambridge um 1531 das Holzwerk, um 1567 die Fassade, zuerst das Thor, und setzt sich, oft recht unpassend, älteren Bauten an; doch lebt die Gothik hier daneben bis etwa 1700 weiter. Namen von Maurermeistern kennt man seit dem 15. Jh.; der erste künstlerische Architekt, der in Cambridge genannt wird, ist ein Deutscher, Theodor Haveus aus Cleve; er wandte dort Renaissanceformen zuerst in Stein an, an einer Sonnenuhr von 1564.

Wiclif. J. Loserth, Neuere Erscheinungen der Wiclif-Literatur (HZ 62, 266) bespricht: Johannis Wycliffe, De civili dominio, ed. Poole, geschrieben nicht vor 1377; De compositione hominis, ed. Beer, um 1360; Dialogus sive speculum ecclesiae militantis, ed. Pollard, Ende 1378; De benediota incarnatione, ed. Harris, vor 1367; Sermones I-III, ed. Loserth [deren Reformgehalt R. Buddensieg DLZ ’89, 1889 kennzeichnet], fast alles bisher ungedruckt, publ. for the Wyclif soc. ’84-’89, deren Pläne für die Zukunft er p. 274 angibt [Vgl. DZG ’90, Bibliogr. Nr. 247 ff.; JBG ’86, II, 200; ’87, II, 182]. Er citirt als Wiclifs Ansichten: Der Glaube an den Primat der Päpste ist zum Seelenheil unnöthig; der heiligen Schrift eignet absolute, den Decretalen relative Autorität; die Hierarchie ist nicht die Kirche; Christus, nicht der Papst ist Haupt der Kirche, die Papst und Cardinäle nicht bedarf. Die späteren Schriften treten gegen weltliche Besitztümer und Herrschaft der Kirche und für des Königs Civilgewalt [181] über sie auf: dem Klerus sei der Besitz zu entziehen, das Mönchwesen, der Ablass, der Tempelprunk abzuschaffen; Päpste und Heilige seien fehlbar, nur wenige Heilige sicher im Himmel. Für näheres, besonders über Wiclif’s Einfluss in Böhmen, bezieht sich L. auf seine Aufsätze (in Mitth. des Vereins für Gesch. der Deutschen in Böhmen, Band 22 u. 24 ff., zuletzt 26 (’88), 221: Simon von Tischnow) und Einleitungen zu obiger Ausgabe. Wiclif’s De potestate papae ist die für Hus’ De ecclesia II gesuchte Quelle. Auf die Einfahrung der Reisepredigt durch Wiclif verspricht L. zurückzukommen. Unter den Darstellungen Wiclif’s zieht er die Werke von Buddensieg und Lechler (*translated by Lorimer, new ed., bis 1884 nachgearbeitet [und laut EHR July ’89, 61 neben Shirley Grundlage des Aufsatzes * Wiclif and his work in Quart. R. Apr. ’89]) denen zweier Jesuiten vor: *Delplace, Dublin R. 11, 23 und *Jos. Stevenson, The truth about John Wyclif ’85. Letzterer erscheint aus genügenden Proben als W.’s zelotischer Gegner [so auch aus Scannell’s Anzeige, Dublin R. ’86, 448, die jedoch lobt, dass er ein ungedrucktes Norwicher Visitationsregister von 1428-30 benutzt]. — *Loserth: Der Kirchen- und Klostersturm der Husiten (Z. f. G. u. Pol. ’88, 259-90) entspringe z. Th. Wiclif’s Predigt gegen die Mönche, die dagegen den Engl. Bauernaufstand von 1381 nicht verschulde. — Ders. (GGA 89, 475) hält von *Preger „Das Verhältniss der Taboriten zu den Waldesiern des 14. Jh.“ (’87) keineswegs für erwiesen [vgl. o. II, 233] und zeigt bei Wiclif die Quelle für die Peter Payne zuzuschreibende Taboritenlehre über Sacramente, Beichte, Priesterthum ohne Hierarchie, neben Diakonat, über Mönchsheirath, Verwerfung des Messopfers, der Bilder- und Heiligenverehrung, des kanon. Rechts und des weltlichen Besitzes der Kirche. [Auch J. Goll, Die Waldenser im MA., MIÖG 9 (’88) meint, Preger überschätze das Waldens. Element in den Taboriten; unter den Theologen herrsche Wiclif’s Lehre.] — Ders., A. f. österr. G. 75, 816 weist nach, wie völlig sich Hus Wiclif’s Begriff von der Kirche aneignete. — Ders., Wyclif mss. formerly at Prague (Ac. 26X89, 270) in der Universitätsbibliothek, darunter einiges jetzt Verlorene, laut einem Katalog (um 1410, bei Fürst Lobkowitz zu Kaudnitz), den Vf. auszieht. — F. D. Matthew: The date of Wiclif’s attack on transsubstantiation (EHR Apr. ’90, 328) falle ein bis zwei Jahre vor 1381. — *V. Vattier, John Wycliff, sa vie, ses œuvres, sa doctrine (Paris. ’86) soll fast ganz auf Lechler ruhen und unter den Documenten nichts Neues bringen. — * Ders., La réforme anglaise en Allemagne: Wyclif, Hus, Luther. ’90. Luther vollende nur den Engländer. So RQH Jan. ’90, 303. — *R. L. Poole, Wycliffe and movements for reform (Epochs of church hist. 14, ’88), beginnt mit Bonifaz VIII. und Ludwig’s IV. literar. Vorkämpfern und berührt in mehreren Capiteln die festländ. Kirche. Er entschuldigt Sigismund wegen Geleitsbruchs an Hus und bevorzugt den christlich-demokrat. Doctrinär Marsilius vor dem praktischen Politiker Occam [gegen beides SatR 25V89, 647]. Hinter beiden bleibe W. als Denker zurück, er benutze die Logik nicht als Grundlage, sondern bloss als Strebepfeiler für seine Lehre und übernehme nur das scholast. Dogma, dass Herrschaft sich auf Gnade gründe, welches dann eine von ihm nicht gewollte Bewegung rechtfertigte. [Er beabsichtige keinen Volksaufruhr, [182] da er die gefährlichen Gedanken Lateinisch aussprach, HJb 10, 659]. Das Bezeichnende in ihm sei die Volkslehrerschaft, die ihn veranlasst, die Bibel zu übersetzen, Englisch und Pamphlete zu schreiben. Die politische Strömung trieb gegen den päpstlichen Tribut, den Sacerdotalismus und dessen Grundlage: die Brotwandlung. Nicht W.’s positive Lehre, sondern die Negative behalte weltgeschichtl. Einfluss. So Ath. 15VI89, 755; Sch[irmer], Anglia 12, 219; HJb 11, 378 (wo des Vfs. massvolles Urtheil anerkannt wird). Die geistvolle Darstellung des auf der Höhe der Wissenschaft stehenden Verfs. (s. oben p. 180) findet allgemeines Lob; Sonderforschung liegt nicht im Plan dieses für allgemein Gebildete berechneten Reihenwerkes.

*Chaucer’s Minor poems, ed. W. W. Skeat ’88, mit reicher Erklärung und Bibliographie (zum ersten Male kritisch laut A. W. Pollard, Ac. 6III89, 178; SatR 8VI89, 712). — Ders. erklärt in seiner Ausgabe von Chaucer’s Legend of good women, Hypsipyle und Medea aus Guido de Colonna’s Hist. Troiana geschöpft; Ath. 81X89, 414. — *G. Chaucer’s Werke, übersetzt von A. v. Dühring, Strassb. ’87 f. — *Chaucer’s Canterbury tales, annotated with illustr. of English life - - by John Saunders, new ed. with illustrations from the Ellesmere ms. ’89. Dies Buch nennt ´Pollard, Ac. 19X89, 248 eine Umschreibung und Besprechung des Dichters mit Stücken modernisirter Sprache aus ihm, die hinter Browne’s Chaucer und Jusserand [s. o. p. 172] zurückbleibe. —- H. Bradshaw, Skeleton of Chaucer’s Canterbury tales, in Collected papers p. 102, betrifft Handschriften-Classification und dient der Entstehungsgesch. des Werkes durch genaue Trennung der verschiedenen Erzählungen. — Nicht ohne Chaucer, meint W[ülker] CBl 23II89, 280 gegen Morsbach, dessen Arbeit [s. oben II, 216] er sonst anerkennt, wäre die Londoner Kanzleisprache massgebend geworden. — Brandl, Engl. Stud. 12, 161, findet histor. Anspielung in Chaucer’s Squire’s tale (und im „Dream“, der auf 1420 bezüglich, also nicht von Ch. sei), nämlich auf Johann Hastings Grafen Pembroke, der von Elisabeth, einer Tochter Johann’s von Gent geschieden, sofort Philippa Mortimer, Schwester des Roger Graf March, heirathete, aber schon Ende 1389 im Turnier fiel. — Diese Annahme widerlegt G. L. Kittredge, Engl. Stud. 13, 1: Elisabeth heirathete wieder 1386, folglich kann sie nicht Chaucer’s trauernde Verlassene von 1390 sein. Pembroke war damals nicht 14 Jahre alt, folglich die Ehe nicht vollzogen, Philippa 11 Jahr, also nicht in Liebe, die Chaucer einen romant. Stoff bieten konnte, ihm verbunden. Chaucer trat damals in March’s Dienst [s. oben II, 499], kann also dessen Schwester nicht kurz vorher geschmäht haben. — * Karl Meyer, John Gower’s Beziehungen zu Chaucer und K. Richard II. (Bonner Diss. ’89). Gower widmete von der Confessio amantis die erste Ausgabe Richard II. die zweite (in der auch die Complimente für Chaucer, dessen Urtheil über die Moralität von Canace und Apollonius ihn beleidigte, fortblieben) Heinrich von Lancaster. Dies hält Ath. 13VII89, 62 für möglich. Pauli setzt 1392/3 die zweite Ausgabe an, Meyer die erste. In der zweiten, nach 1399, heisse Heinrich IV. noch Graf von Derby, damit die Widmung vor seiner Thronbesteigung [183] geschrieben scheine [?]. — *S. Lee, Gower, in Stephen, Dict. of nat. biogr. XIX.

Richard II. *E. W. Brabrook, Robert de Braybroke, bishop of London, Lord Chancellor 1382 f., in London Middlesex archl. soc. III, 528. — J. A. Sparvel-Baily, Essex in insurrection (Antiq. 19, 69), erzählt Ursache und Bestrafung des socialen Aufstandes 1381, mit Uebersetzung wichtiger Archivalien. — H. Moranvillé, La chronique du religieux de St. Denis, les mémoires de Salmon et la Chronique de la mort de Richard II. (BECh 50, 5; vgl. oben III, 154). Jener Mönch, der 1381 für St. Denis nach England reiste, sei wahrscheinlich identisch mit Peter Salmon, der Isabellen von Frankreich, Richard’s junge Gemahlin, 1396 nach England begleitete. Die Chronik stütze sich auf die Denkschrift für Karl VI.: in beiden ist die Heirath von Augenzeugen erzählt; die Chronik verräth die Hand eines persönlichen Bekannten Richard’s. Jean le Beau [nicht zu verwechseln mit Froissart’s Quelle, oben II, 497], Isabellens Begleiter, sei wohl ihr Beichtvater [dies bezweifelt RH 40, 403], den die drei genannten Schriften öfters erwähnen. Die Französ. Prosa (Trahison ed. Williams ’46) über Richard’s Tod sei nur andere Redaction des Jean [umgekehrt: der sog. Jean kürze werthlos jene Prosa; RH]. Salmon nahm in die Chronik von St. Denis den Bericht seines Collegen [? RH] Jean le Beau über Richard’s Fall und Ende übersetzt auf. Froissart erzählt dies ganz anders, nämlich als Anhänger Lancasters. — Den Dichter Créton hält dagegen für Quelle der Trahison RH 40, 403. — *F. H. Morgan, The prior of Gyseburne (Gisborough); a Chronicle [der Zeit] Richard II., Henry IV., V., ’87. — Ideka und Ofka (Notes Queries 31V90, 429) waren Hofdamen Anna’s von Böhmen; letztere heirathete Robert von Morton und starb vor 1402.

Das 15. Jahrh. *W. Denton († ’88), England in the 15 cent. (’88), benutzt (laut Archl. R. I, 295; Archl. Jl. 46, 83) reiche Literatur, urtheilt aber zu modern und streng und entbehrt durchsichtiger Anordnung des verschiedenartigsten Stoffes. Ueber Landleben, Producte, Strassen, Verkehr, Recht, Steuern, Löhne, Nahrung, Classen gebe er wichtigste Notizen. (Die Kirche sollte ein Sonderband behandeln.) Von 1307-1485 gleite England in Bildung, Wohlstand, Freiheit, Recht, Handel und Kunst schnell hinab; der Zustand am Schluss der Periode sei tiefer als zu Beginn. Der ruhmvolle Krieg hindere wirtschaftliche Blüthe. Auch die Bevölkerung sank 1327-77 und betrug 1485 nicht 2½ Million. Nicht einmal die Ackerfläche habe sich 1066-1485 erweitert [?]; im 15. Jh. gingen viele Dörfer ein, und blieben Floren unbebaut wegen [?] Menschenmangel; und die Weidewirthschaft beginne, weil [?] der Boden erschöpft war [?].

Heinrich IV. V. Owen Glendower war nach *Tout, in Stephen, Dict. of nat. biogr. 18, nicht Richard’s II., sondern Heinrich’s (IV) von Lancaster Schildknappe. — J. H. Wylie, Percy (Ath. 7XII89, 781), verbessert eine Reihe Daten für 1398-1408 in *E. B. de Fonblanque, Annals of the house of Percy from the Conquest [’88, 2 Bde., private: vgl. Archl. [184] Jl. 46 (’89), 79]. — F. Solly-Flood, The story of prince Henry of Monmouth and Chief justice Gascoign (Tr. roy. hist. soc. N. S. III, 47) wendet sich gegen längst nicht mehr wissenschaftlich geltende volkstümliche Darstellungen, erwähnt aber Pauli (Aufsätze N. F., 106) oder Gairdner (Lanc. and York ’87) nicht, die beide des Prinzen ausgelassene Ungesetzlichkeit aufrecht erhalten. Allerdings erzählt erst eine Anekdotensammlung von 1534, die Genauigkeit im Einzelnen nicht einmal beabsichtigt, Heinrich habe einen verhafteten Anhänger befreien wollen und den Richter Gascoign bedroht, dann aber sich von diesem ins Gefängniss schicken lassen. Hall’s und Redman’s (wenige Jahre spätere) Berichte bringen Aehnliches unabhängig, verbunden mit der auch von Harding erzählten Ausschliessung Heinrich’s vom Staatsrath. Vf. zählt 17 Chroniken auf und geht an der Hand der Urkunden in selbständiger, werthvoller Arbeit die Gesch. des Prinzen genau durch, auch die Liste seiner Umgebung, ohne einen verdächtigen Punkt finden zu können. [Die bekannte Tüchtigkeit als Staatsmann und Krieger, besonders gegen Wales, widerlegt doch jene Anekdoten nicht unbedingt; die Entfremdung zwischen Vater und Sohn 1412 hat Vf. nicht genügend betont]. Er findet in den Gerichtsrollen Heinrich’s IV. nichts Aehnliches, wohl aber zu 1304: Edward I. entfernte den Prinzen von Wales ein halb Jahr vom Hofe, „quod quaedam verba grossa et acerba cuidam ministro suo dixerat“. [Dass dazu aber Heinrich’s V. und Gascoign’s Namen irrig und ohne Anlass hinzugesetzt seien, erscheint unglaublich.] — *Rigg, Gascoigne in Stephen’s Dict. of nat. biogr. — J. Loserth, Ac. 26X89, 270 fand in der Prager Universitätsbibliothek ein wichtiges Schreiben des Sir John Oldcastle (aus Cowling, 8. Sept. 1410) an die Wyclifiten Woffa von Waldstein und Zdislaus von Zwerzeticz. — *A. J. Church, Henry V. (English men of action ’89), wird gelobt wegen der Darstellung. Inhaltlich seien tüchtig behandelt der Französ. Krieg und die Jugend, deren Ausschweifungen übertrieben seien [s. oben, lin. 1]; die Gründe dafür sucht Ath. 4V89, 564; Commando und Regentschaft unter Heinrich IV. führte aber der Prinz nur nominell nach SatR 18IV89, 450]. Die Politik aber sei kaum gestreift, auch Lenz’ oder Caro’s Arbeit nicht geprüft. Nach Grey, Ac. 4V89, 300 besitze Heinrich ein Recht nur auf den Vertrag von Brétigny, den er jedoch nur selten und im Rahmen weiterer Ansprüche erwähnt. Aber König und Volk glaubten, Lancaster habe mit dem Englischen Thron auch das Recht auf den Französ. erworben. Nach SatR. erhellt Heinrich’s Grösse im Einfluss auf die Nation, die, im Vergleich zur Zeit vor- und nachher, damals emporschnelle, und in den Europ. Erfolgen: er sprengte den Luxemburg.-Französ. Bund und bewirkte, dass ein Nichtfranzose Papst ward; die Normandie erstrebe er zunächst, als Operationsbasis und Erbe seiner Ahnen. — Lieder auf Heinrich’s Sieg bei Agincourt verzeichnet E. F[lügel], Mitth. a. Engl. Spr., Beibl. zu Anglia ’90, 36. — W. Stieda, Ein Geldgeschäft Kaiser Sigismund’s mit Hans. Kaufleuten (Hans. Geschbl. 1889, 68), schildert, wie der Kaiser 1416 in Calais die ihm von Heinrich V. geschenkten Kleinodien verpfändete. — H. Finke, Das Konstanzer Konzil; das Tagebuch des Kardinals Wilhelm Fillastre (Röm. Qschr. I., 68). Dies berichtet zum 17. Oct [1417] die Forderung der Engländer [185] (die keinen Landsmann unter den Cardinälen haben) bei der Papstwahl, u. zum 26. ihre Nationaleifersucht gegen die Franzosen, und umgekehrt, dass keiner der Gegner Papst werde, sowie die heimlichen Requisiciones consensus aliquorum pro episcopo Vintoniensi Anglico. — *Derselbe, Forschungen und Quellen zur Geschichte des Konstanzer Konzils (Pad. ’89) druckt (laut Loserth GGA ’90, 275) aus diesem Tagebuch grössere Auszüge und behandelt u. a. den Engl. Antrag auf Erweiterung des Stimmrechts auf der Synode und die Abstimmung nach Nationen, für die Deutsche und Engländer zuerst eintraten. [Hiergegen vielleicht drängten Französ. Cardinäle die Unionsfrage hervor; Bess, ThLZ ’90, 286.] — Knöpfler, Ein Tagebuchfragment über das Konstanzer Konzil (HJb XI, 267). Verfasst unter des Oesterreichers Gefolge, reicht es vom 12. Febr. bis 15. März 1415 und erwähnt die Theilnahme der Engl. Nation und (p. 275) Oxfords an der päpstlichen Abdankung. — Adam Hamilton, The nuns of Syon (Dublin R. April ’88, 305), in Middlesex, gestiftet 1415 von Heinrich V. Besonders die späteren Schicksale dieser Brigittinerinnen erzählt Vf. aus localen und ordensgeschichtlichen Werken. — *T. N. Brushfield, The bishopric of Exeter in 1419, Devon assoc. 18, 229 [wohl nach Hingeston Randolph; s. oben p. 169]. — L. Brueyre: Le chat de Whittington (R. trad. popul. III [’88] 36) befreit ein Land, dem Wh. Waaren zuführte, von Rattenplage und begründet dessen Wohlstand. Wh. wird, wie die Londoner Glocken ihm geläutet, Lord-Mayor; er starb 1425. Aehnliche Sagen werden verglichen.

Johanna d’Arc’s Biographien erwähnt Molinier oben III, 156. Hier nur Nachträge: *Lanéry d’Arc, Bibliographie des ouvrages rel. à Jeanne d’Arc -- depuis le 15 s. (’88). — *M. Poullin, Hist. de J. d’Arc (Limoges ’89). — *J. Fabre, J. d’Arc libératrice de la France. — *Abel Desjardins, Vie de J. d’Arc ’89, illustré. — *Mahrenholtz, J. Darc, Gesch., Legende, Dichtung, A. f. Stud. neu. Spr. 83. — Von kathol. Standpunkt: *H. Blaze de Bury [†], J. d’Arc, geschrieben vor dem Erscheinen der Werke von Luce, Chapotin, Beaucourt, Sorel (unmethodisch nach Ch. Pfister, RC ’90, 72; gut erzählt zum Zweck der Heiligsprechung Johannens, die Vf. Christo vergleicht, nach SatR. 19IV90, 483); *M. Sepet, Jeanne d’Arc, 14. éd. Tours ’86; *B. Duhr, J. d’Arc im Urtheile der neueren Geschichtschreibung (Stim. Maria-Laach 35, 147. 224) Englands, Frankreichs, Deutschlands [Vf. hält sie für gesund, ohne Lug, unlösbare Räthsel darbietend; vgl. HJb. 10, 631]; der Artikel RQH Apr. ’90 , 647; *O. Canet [s. oben II, 284; RQH 44, 618]; *J. B. J. Ayroles, s. J., La vraie J. d’Arc -- documents nouveaux, besonders kirchengeschichtlich, nach RQH Jan. ’90, 302. — Dagegen setzt *E. Lesigne, La fin d’une légende; vie de J. Darc, Johannens Verdienst zu tief herab, hält sie für hallucinirt, leugnet in unwissenschaftl. Skepsis, auch ohne Kenntniss neuerer Literatur, ihre Verbrennung; RC ’90, 191; R. Belg. 15II90. — *Paul Marin, L’art militaire dans la prem. moitié du 15 s.; J. d’Arc tacticien et stratégiste, 1430. — *De Braux, J. d’Arc à S. Nicolas, Soc. archl. lorr. Mai ’89. — *M. Couret, Les méridionaux compagnons d’armes de J. d’Arc au siège d’Orléans, R. des Pyrénées, [186] Toul. Jan. ’89. — Ueber *Henri Jadart, J. d’Arc à Reims, ’87, [der auch die Engl. Herrschaft vor 1429 mit wichtigen Urkk. erhellt] und *Jos. Fabre, Procès de réhabilitation de J., mit Liste der Briefe Johannens [vgl. RQH Oct. ’89, 670], spricht G. Lefèvre-Pontalis, Bull. er. ’89, 150, und eb. ’90, 87 ausführlich über Luce, J. à Domrémy [s. oben II, 234], den bedeutendsten Beitrag zu ihrer Biographie seit Quicherat; Johannens erstes Auftreten wird durch die Anglo-Burgund. Plünderung Domrémy’s, ihr Glaube den h. Michael zu hören mit der Verehrung dieses Patrons der Valois in Verbindung gebracht, der eben 1425 die Engl. Belagerer von Mont St. Michel abschlug. Wenn die Dominikaner zur Burgundischen Partei gehörten, so sei dies kein sittlicher Vorwurf. — *Zu M. D. Chapotin, - - J. d’Arc et les Dominicains [s. oben II, 234], die nicht von Burgund abhängig, noch an Johannens Martyrium Schuld seien, vgl. RQH JuL 89, 343; Ann. de l’Est ’89, Nr. 3. — Puymaigre RQH 23, 563 [s. o. III, 157], übersetzt ins Französische De Janna polcella gaya, ein Capitel aus „Ginevera de le clare donne di Joanne Sabadino“ (ed. Ricci e Bacchi, nach dem Autograph von 1483, Bologna ’88), das zwar denselben volkstümlich übertriebenen Bericht benutze, wie Philipp von Bergamo „De claris mulieribus“ (ed. Textor 1521), aber wahrer laute; es beruft sich auf einen Kaufmann Fileno Tuvata bei Reims. Doch erzählt es Englisches mehrfach falsch. Als König Heinrich sich zu Paris krönen lassen will, finde sich das zu Chlodwig’s Taufe vom Himmel gekommene Oel eingetrocknet, weil der König unecht war. — *P. Lanéry d’Arc, Le culte de Jeanne d’Arc au 15 s. Orl. 1887. vgl. Moyen-âge ’88, 82. — *Sorel [s. oben III, 156; vgl. RQH Jan. ’90, 326; RH ’89, 360; Bull. crit. "89, 487; EHR April ’90, 362] erzählt Compiègne’s Kriegsgesch. 1411-30. Johanna kam 13. Mai 1430 dorthin, versuchte vergeblich das von Burgund belagerte Choisy-sur-Aisne zu entsetzen, erfuhr 22. Mai zu Crépy, auch Compiègne werde belagert, eilte Nachts dorthin, gehorchte bei dem unsinnigen Ausfall am 23. dem Commandanten Wilhelm von Flavy, ward aber auf dem Rückzug, gerade als sie die Bollwerkspitze erreichte, gefangen. Flavy hatte das Thor gegen den Feind verschlossen, er war nicht zum Verrath an ihr bestochen und hielt die Festung tapfer fünf weitere Monate. Aber neidisch auf sie, war er froh sie los zu werden und liess sie im Stich. Weit härteren Tadel verdient der undankbare Karl VII., der die Gefangene vergass, und der eifersüchtige Hof, der sie nach der Krönung zu Reims gern verschwinden sah. — *Valerandi Varanii (aus Abbeville) De gestis Joannae virginis Franciae. Poème de 1516, Neudruck von E. Prarond, ist Georg von Rouen (1511-50) gewidmet, folgt (ausser vielleicht einem Mistère und einer Chronique rimée) meist authentischer Gesch., besonders den Verdammungs- und Rehabilitations-Processen, bringt nur zu letzterem merkwürdige, mit Vorsicht aufzunehmende Einzelheiten, ist also mehr für des Dichters als für Johannens Zeit geschichtlich wichtig. Werthvoll seien die sachlichen Anmerkungen sowohl zum ersten Druck als zu dieser sorgsamen Ausgabe. So RC 12VIII89, 102; Luce, Ac. des Inscr., CR, Jan. ’89, 88; RQH Jan. ’90, 324; Geiger, Z. f. vergleich. LitG. III, 261, der Benutzung seines Aufsatzes „Latein. Epos über die Jungfrau“ (Vjschr. Kultur Renaiss. I, 297) vermisst; R. Mahrenholtz, [187] Moyen-âge ’89, 277, der nachweist, wie die Genauigkeit hier der patriotischen Rhetorik unterliege: fälschlich stirbt in dem Gedicht Johannens Vater Jacob in Folge ihres Martyrium, beabsichtigen die Engländer sie formlos umzubringen, und erscheint sie als einfache Hirtin und armes Bauermädchen. — *S. Luce, Philippe le Cat, un complot contre les Anglais à Cherbourg à l’epoque de la mission de J. d’Arc: Mém. de l’Ac. nat. sc. de Caen ’88; vgl. RC ’88, 5. — *R. Delachenal, Les gentishommes Dauphinois à la bataille de Verneuil (Bull. de l’Acad. Delphin. 3. Sér. XX, 1886), Liste des Aufgebots zum Französ. Heere, um die Engländer aus der Normandie zu werfen, 1424. — *R. Charles, L’invasion angl. dans le Maine 1417-28, in RH du Maine 25 (’89), auch separat, Mamers ’89. — Ch. Roessler, Archaeolog. notea in - - Normandy (Jl. Brit. archl. ass. 44, 83), bringt zur Engl. Besetzung Harfleurs Urkunden von 1428-40. — *Arm. Gasté, Les insurrections populaires en Basse Normandie - - et Olivier Basselin, Ac. des sc. mor., CR 32 (’89, Oct Nov.), 573; 804, auch Caen ’89. Seit Johannas Auftreten erhoben sich fortwährend patriotische, daneben freilich räuberische, Volksaufstände der Normannen gegen die Engländer; Basselin war ein lebenslustiger Patriot, den die Engländer als Franzosen tödteten, kein Trunkenbold. So RC ’89 , 446; RQH Jan. ’90, 806; RH 42, 194. — M. F. Robertson (Mme. Darmesteter) kritisirt G. Dufresne de Beaucourt, Hist. de Charles VII., deren Band IV (’88) bis 1449 reicht, in EHR Jan. ’89, 161. — Das Grabmal der Anna von Burgund, Gem. des Herzogs von Bedford, Regenten von Frankreich, ein Werk Guillaumes de Vlueten, 1452, ist im Louvre zu Paris aufgestellt; Voss. Ztg. 31VII89.— Ch. Jourdain, Excursions hist à travers le MA., p. 238 bespricht und druckt theilweise das Gesuch der Pariser Universität an Heinrich V., Ende 1420, er möchte u. a. an ihr das Fach des Hebräischen, wofür nur Ein Professor, statt wie früher mehrere, vorhanden, besolden. — L’universite de Paris à l’epoque de la domination anglaise (eb. p. 311 neugedruckt ursprünglich im Bull. de l’Ac. des inscr. ’70): sie bereitete den Vertrag zu Troyes mit den Engländern vor und zeigte sich auch später egoistisch mehr für ihre Vorrechte und Pfründen als für Frankreich besorgt. Sie trieb zur Hinrichtung Johanna’s, obwohl diese der Kanzler Gerson aus der Ferne vertheidigte. Trotz Unterwürfigkeit vor Heinrich V. und VI. ward sie von den Engländern besteuert, durch Gründung der Universität Caen und die Verordnung des Rentenabkaufs erzürnt; 1432 klagte sie vor Philipp von Burgund über die Kriegsleiden und betheiligte sich an dessen Vertrag mit Karl VII., 1435. Erst 1436 aber unterwarf sie sich letzterem.

Urkunden, Recht, Verfassung im 15. Jh. Sir J. Maclean, Knights’ fees in Gloucestershire, 1402 (Tr. Bristol archl. soc 11, 312), überblickt die Geschichte der Ritterlehen überhaupt und der von ihnen erhobenen Auxilia und druckt aus dem Book of Aids des Exchequer den Gloucestershire betreffenden Theil aus der Jury-Enquête über die Subsidie, welche jedes Lehen der Krone schuldete bei Gelegenheit der Verheirathung Blanca’s, der Tochter Heinrich’s IV., mit Ludwig von der Pfalz. — J. C. L. Stahlschmidt, Original documents, Archl. Jl. 44 (87), 56. Das Parlament vom 3. Nov. 1411 [188] gewährte dem König ½ Mark auf 20 £ Bodenrente. Hier erscheint die daraufhin in London durch den Lord-Mayor aufgestellte Liste der Steuereingänge, die die städtischen Grundbesitzer (von Erzbischof und Prinzen durch eine zahlreiche Reihe von Prälaten, Adel und Patriciern bis zum Eremiten herab) verzeichnet. — John Alt Porter, On some Garter-King at-arms (Antiq. July ’87, 5), behandelt das 1417 geschaffene Amt und die Gesch. der Hosenband-Herolde. — *48th. report of the Keeper of the Public records, App. (’87) katalogisirt die French rolls of Henry VI. (die für Heinrich’s V. 1.-10. Jahr erschienen im 44. Report ’83), betreffend Geleit (für Engl. Hilfstruppen im Französ. Krieg und Visitatoren Engl. Klöster aus fremden Mutterstiftern), diplomat. Beziehungen zu Frankreich und Burgund, Pilgerreisen nach Palästina und Compostella, Auslösung Französ. Gefangener. In Calais stritten häufig Stadt und Zollamt; daher ersieht man hier Wichtiges für Wollhandel und Handelserlaubniss der Hanseaten und Flandrer. — Die Recesse - - der Hansetage 1256-1430, - - hrsg. durch die - - [Baier.] Akad. der Wiss. VI. [1411-8, hrsg. v. K. Koppmann] (Lpz. ’89; vgl. DZG Bibliogr. ’89, 2886 u. ’90, 957) bringen aus Hansischen Archiven viel Ungedrucktes über die vergeblichen Versuche der Hanse, in England die alten Vorrechte festzuhalten, ohne den Engländern in den Hansestädten oder Preussen Handelsprivilegien zu gewähren. Hanseaten von Bergen und Preussen werden von Bostonern gepfändet und geschädigt; Engländer und Bergener verhandeln 1417 darüber zu Kopenhagen vor König Erich. Andererseite fordert Southampton ungebührlichen Zoll und wird deshalb von den Hanseaten gemieden; Lynner und Fischer aus Cromer und Blakeney werden durch Bergener misshandelt, die aus Preussen heimkehrenden Robert von London, John Cuthbert aus York, William Berry aus Norwich und Andrew Emlot aus Lynn in Greifswald festgenommen; Heinrich’s V. Beschwerde darüber bringt John Cossey nach Lübeck. Der Deutsche Orden fordert fortgesetzt die Zahlung der von England 1409 bewilligten Entschädigung und entschuldigt 1417 Nichtausfuhr Preussischen Getreides. Heinrich V. kann aber des Französ. Krieges wegen kein Geld missen, arrestirt deshalb Hansisches Gut [Nr. 451], und fordert ausser dem Zoll 12 Pfennig von Ein- und Ausfuhr. Ueber seine Rüstung, seinen Geheimrath und Frankreichs Ultimatum bringt der Preussische Gesandtschaftsbericht von Mitte 1415 Neues. Sigismund, der 80. Juni 1416 aus Leeds (Kent) schreibt, bespricht Klagen der Hanse gegen England mit Heinrich V. [381]; auf dem Konstanzer Concil, 1417, verbietet er den Städten, seines Bündnisses wegen, Feindseligkeiten gegen England. Hier lässt er die Hansen über Deutsche Beschwerden mit Heinrich’s Gesandten, den Bischöfen von Bath, Salisbury und Lichfield, Johann Tiptoft und Dr. Morgan, verhandeln. Das Londoner Hanse-Contor wird mehrfach erwähnt. Schotten, namentlich Graf Mar’s Leute, kapern Brüggesche Waaren, führen sie nach Aberdeen oder verkaufen sie in Harfleur; Brügge beantragt deshalb, nur mit langsamem und halbem Erfolg, die Hanse solle Tuch aus Schottischer Wolle nicht ankaufen und den Verkehr mit Schottland abbrechen; seit 1416 verhandelt der Regent Albany über einen Vergleich. Die Bergener wenden sich gegen ihre Hansegenossen, welche mit den Orkney-Inseln oder unprivilegirten Häfen der [189] Shetlands handeln. Die Hansen schreiben den Britten meist Niederdeutsch, diese ihnen Lateinisch. — O. Krauske, Die Entwickelung der ständigen Diplomatie vom 15. Jh. bis 1818 (Lpz. ’85), sieht in dem zehnjährigen Verweilen des Hartung von Cuix, des Gesandten Heinrich’s V. bei Sigismund, noch nicht den Ansatz zu ständigem diplomat. Verkehr mit England (p. 10 f. 99), wohl aber in Venedigs Beglaubigung von Residenten in England 1496. Den Fortschritt zur festen Botschaft hemmte Furcht vor Auskundschaften und Ränken durch die Fremden; so misstraute Ferdinand von Spanien Engl. Gesandten 1488; p. 18. Doch ging 1489 eine Engl. Gesandtschaft nach Spanien und Portugal, 1492 eine nach Spanien; p. 95. — Die Inventarliste der Stoffe und Juwelen in der Pfarrkirche zu Scarborough, von 1434, druckt Hope, Archla. 51, 65. — E. Peacock: The Court rolls of the manor of Hibbaldstow in Lindsey (Archl. Jl. 44, 279) beginnen 1411, betreffen Uebertragung von Copyhold, Bagatellstrafsachen und Ortspolizei: Der Lehnsherr befiehlt einem (vielleicht Freehold-) Hintersassen die Erhaltung der Gebäude auf dessen Gut. Zum Zeichen der Schenke hängt ein Busch Zweige an der Thür. — *E. Salt, The hist. of Standon: parish, manour and church with 200 years of registers. In den Rollen des Lehnsgerichts wird 1444/5 wegen Hausvernachlässigung ein Hintersasse verklagt, „nicht notwendig ein Copyholder; vielleicht beaufsichtigte das Lehnsgutsgericht auch die Freisassen in der Gebäudeerhaltung und diente also nicht bloss Herrn und Pächtern, sondern dem Gemeinwohl“; Ath. 19I’89, 79. — *The East-Anglian II (’88) bringt die Hofgerichtsrolle des Ritterguts Soham-Earl (Suffolk), die für das Gebrauchsrecht der Unfreien wichtig sei; Antiq. Sept. ’89, 133. — Suffolker Hofrecht enthält auch *A Common-place book of the 15. cent. from the orig. ms. at Brome Hall, ed. L. Toulmin Smith (’86), p. 124, laut Kulbing, Engl. Stud. 9, 454. — Andr. Hibbert, Manor customs (Antiq. Oct 1887, 160), druckt aus Collect. jurid. (1792) II, 381 das Lehnshofrecht der Copyholders in den Herrschaften Westsheen, Petersham und Harn [Surrey], welches 1464 aufgezeichnet ward. Danach erbt der jüngste Sohn, und wenn kein Sohn vorhanden ist, die jüngste Tochter. Nach der Grösse des Grundbesitzes richtet sich die Zahl des auf Gemein-Weide erlaubten Viehes. — John Parker, The manor of Aylesbury, Archla. 50, 81, leitet die Rolle des Gutsgerichts von 1499, die Verfassung, Recht und Landwirthschaft angeht, mit einer Geschichte des Orts und der Herrschaft, der Grafen von Ormond, ein. — Zu Fortescue’s Governance of England {ed. Plummer. ’85] vgl. Bresslau, HZ 59, 551, und RC Sept. ’88, 160. — *Will. Prid. Courtney, The parliamentary representation of Cornwall to 1832, (For private circulation. ’89) wird (SatR 29VI89) als wichtiger Beitrag zur Verfassungsgesch. gelobt. Unter Heinrich VIII. waren nur 6 Cornische Städte vertreten; die berüchtigten Flecken, aus denen dann bis 1821 fast so viel Abgeordnete wie aus ganz Schottland hervorgingen, verdanken ihr Wahlrecht erst der späteren Politik der Krone, ihre Macht als Herzog von Cornwall zur Beeinflussung Cornischer Abgeordneter zu missbrauchen, und deren möglichst viele zu schaffen. — Freshfield, Archla. 50, 17, beschreibt das unter Edward IV. beginnende Book of records of the parish of St. [190] Stephen, London. — John Bruce, The authenticity of the Paston letters, Archl. Jl. 41, 15. Die lange vermissten Originale dieser Briefe fanden sich wieder in Orwell Park; Ath. 29III90, 405. — Zu Jessopp, Norwich [s. oben II, 218] verbessert W. Rye (Ac. 5I89, 4) die spät-ma.liche Vorgesch. und möchte doch die Klagen über Unmoralität der Klöster nicht so ganz verachten [so auch oben I, 458]; und Ath. 28III89, 370 zweifelt, ob nicht, wie bisweilen nachweisbar, öfter durch Abrede unter Vorsteher und Mönchen die Wahrheit den Visitatoren verschwiegen ward. — J. C. L. Stahlschmidt druckt Archl. Jl. 43, 162 Theile aus dem 1497 begonnenen Rechnungsbuch des Londoner Metallgiesser-Gewerks vom hl. Clemens; diese ursprünglich religiöse Brüderschaft erhält 1365 als Craft [Zunft] ihre Bestimmungen von der Stadt bestätigt, heisst seit dem 16. Jh. Company und erlangt 1614 vom König Corporationsrechte.

Schule, Literatur, Kunst, Sitte. Ath. Zimmermann (s. J.), Die Universitäten Englands im 16. Jh. (Freib. ’89), bringt p. 7-11 Biographisches über einige Engl. Humanisten des ausgehenden MA., doch nur einleitend. — H. Bradshaw, Collected papers, p. 181, behandelt die Cambridger Universitätsbibliothek seit etwa 1400 und druckt p. 16 deren Kataloge von 1424 und 1473, denen Historisches gänzlich fehlt; unter „Libri cronicales“ p. 31, ist nichts eingetragen. — T. F. Kirby, Winchester scholars, gibt (nach Citat Ac. 1II90, 82) eine Statistik von etwa 3700 Vornamen für 1393 1592: Johann hiessen von den Knaben 1060, Wilhelm 560, Thomas 500, Richard 390, Robert 250. Dann folgen, nach der Häufigkeit geordnet: Heinrich, Edward, Nicolaus, Georg, Edmund und 17 weitere, [ausser Alexander und Arthur nur Französ. und biblische. Von Angelsächs. Namen brauchte also der Südengländer des 15. Jh. nur zwei, und diese selten und vielleicht nur nach dem Beispiel der Königsfamilie]. — *H. C. M. Lyte, A hist. of Eton College 1440-1884; new ed. rev., verbessert besonders nach Clark [s. o. p. 178] die Baugeschichte bezüglich der Pläne Heinrich’s VI. für dies vornehmste Gymnasium Englands (das bei Edward’s IV. Thronbesteigung Gefahr lief unterzugehen; Wilhelm von Waynflete, B. von Winchester setzte jedoch die Vollendung der Kapelle durch). So Ac 1II90, 80; SatR 18I90, 115. — *J. W. Stubbs, The hist. of the University of Dublin [1591-1800], with orig. documents (Dubl. ’90) beginnt mit den Versuchen des MA. zur Errichtung einer Irischen Universität, ohne die als Muster dienenden Engl. Anstalten zu vergleichen; Ath. 5IV90, 427.— Von Heinrich, Bischof (1404-40) und Universitätsstifter von St. Andrews, bewahrt der Vatican ein Siegel, das N. Scagliosi, Notevoli sigilli (in Al s. p. Leone XIII. omaggio giubil., ’88) p. 12 beschreibt und abbildet. — Ueber die Stiftung der Universität Glasgow, dessen Bischöfe Nicolaus V. die Gewalt des Bologneser Rectors überwies, handelt Denifle, HJb 10, 87. — J. Schick, Prolegomena zu Lydgate’s Temple of glas, Berl. Diss. ’89. Der Benedictiner von Bury St. Edmund’s, den Heinrich V. und dessen Bruder Humphrey von Gloucester begünstigten, habe die Vision von Venus und den Liebespaaren wohl 1400 oder 1403 gedichtet. Ueber die Quellen wird Vf. in seiner Ausgabe für Early Engl. text. soc berichten. [191] Vgl. Köppel, Mitth. a. Engl. Spr. ’90, 93. — J. B. Hennemann, Untersuchungen über das Mittelengl. Gedicht „Wars of Alexander“ (Berl. Diss. ’89). Der Vf. schreibe Anfang 15. Jhs. im Norden, sei Geistlicher, mit dem Dichter des Gawayne nicht identisch und benutze die Lateinische Prosa De preliis, die den Pseudo-Callisthenes überarbeitet, in einer (erweiterten) Form des Strassburger Drucks. Er bringe sachlich wenig Eigenes, darunter etwas zur gelehrten und ritterlichen Erziehung, p. 59. Vgl. G. Schleich, DLZ ’90, 93. — Osbern von Bokenham übersetzte um 1440 aus Higden’s Polycronicon die Geographie Englands ins Englische mit eigenen Zusätzen, Sie druckte Horstmann, in Engl. Stud. 10, 1. — G. Willenberg: Die Quellen von Osbern Bokenham’s Legenden (Engl. Stud. 12) seien Jacob de Voragine, Chaucer, Bibel, Ambros, einzelne Latein. Legenden von Dorothea, Fides, Margareta, Anna, Christina. — Herm. Cossack: Die Altengl. metr. Bearbeitung von Boethius’ De consolatione philosophiae (Lpz. Diss. ’89) sei im Auftrage der Elisabeth Berkeley 1410 verfasst von Johann Walton, der als Erzbischof von Dublin 1475 †; R. W[ülker] Anglia 12, 479 [Ueber Johann vgl. Ten Brink, Engl. Lit. II, 228]. — Um 1450 ward in Mittelengland gedichtet The boke of curtesy, Regeln feinen Benehmens, edirt von Breul, Engl. Stud. 9, 51. — Two fifteenth cent. cookery-books: Harleian ms. 279 (ab. 1430) and Harl. ms. 4016 (ab. 1450), with extracts from Ashmole ms. 1429 [c. 1440], Laud ms. 553 and Douce ms. 55, ed. Th. Austin (Early Engl. text soc. Nr. 91, ’88). Die Vorrede citirt Engl. Kochliteratur seit 13. Jh., bemerkt Französ. [auch Italien.; Flügel, Anglia 11, 637, wo Nachträge] Herkunft der Kunst und ihrer Ausdrücke, das Verspeisen starker Gewürze und heute verschmähter Thiere, Schmuck und plastische Verarbeitung der Gerichte, und erörtert Brauch, Anlass, Datum und Leben der Theilnehmer jener 8 Bankette, deren Speisekarten hier erscheinen, und einiger anderer. Das früheste ist das des Bischofs von Durham für Richard II. 1387, bei dem 140 Schweine und 11 000 Eier darauf gingen, dann folgt Heinrich’s IV. Krönungs- und Hochzeitsmahl; die anderen, bis 1443, gab geistlicher oder weltlicher Adel. Den weitaus meisten Raum füllen aber etwa 500 Kochrecepte, sprachlich wichtig und Sitten geschichtlich curios. Vgl. W. C. Hazlitt, Old cookery books and ancient cuisine (Book lovers’ libr. ’86). — Hölzerne Bauernkalender Englands aus dem 16. Jh., in denen die Zahlen durch Kerben, die Heiligennamen durch herkömmliche Attribute ausgedrückt sind, nach mittelalterl. Mustern, spätestens des 12. Jh., beschreibt Al. Riegl, Holzkalender des MA., MIÖG 9, 97. — *Will. Roberts, The earlier hist. of Engl, bookselling (’89), bis 1724, plaudert zu Anfang gefällig [aber nicht erschöpfend, nach Ath. 23III89, 871, wo Nachträge fürs 15. Jh.] über Buchhandel vor der Druckerei; SatR 23III89, 359. — W. C. Hazlitt, Notes on early British typography, 1471-1600, Antiq. ’88, March, 157 u. July, 21. — Ders. ergänzt Ritson’s Bibliographia poetica, Antiq. ’87, 74; 123; 168; 215. — Ders., Supplements to the 3 series of bibliograph. collections 1474-1700 (’89); vgl. Antiq., Sept. ’89, 132. — Bibliographia liturgica. Catalogus missalium ritus Latini ab a. 1475 impressorum, coli. W. H. Jac. Weale, 1886; Theil I: Kirchen; Theil II: Orden mit besonderen Missalen. In [192] jeder Classe ist die Anordnung chronologisch; Index chronologicus 1475 bis 1533, typographorum, urbium ist angehängt. Von den beiden Englischen Missalen ward zuerst 1487 das „ad usum Sarnm Parisiis impensis Guill. Caxton“ gedruckt Dieses ersten Englischen Druckers Schüler Wynkyn de Worde liefert es zuerst in England 1498 zu Westminster unter die Presse. Das andere, Yorker, Missal erscheint erst im 16. Jh. und nur zu Rouen und Paris. — H. Bradshaw, Collected papers p. 84, behandelt frühesten Engl. Holzschnitt seit 1487 auf Ablasszetteln und Engl. Buchdruck 1477-1503. — R. Howlett: The alleged extensive loss of historical mss. after the dissolution of the monasteries (Jl. Brit. archl. ass. 42, 263) werde meist stark übertrieben: eine absichtliche Vernichtung im Grossen fand nie statt. — Sir H. Spelman’s Werk The hist and fate of sacrilege, mit wichtigen Sammlungen über die Auflösung der Englischen Klöster und die Genealogie des kirchenräuberischen Adels, edirte Eales ’89 neu. — Das mechanisch bewegliche Gnadencrucifix der Cisterzer von Boxley ward 1538 von den Feinden der Mönche verbrannt, weil seine Bewegungen den Pilgern als Wunder vorgespiegelt worden seien. Bridgett (Dublin R. Jan. ’88, 1) will darin ein unschuldiges Werkzeug liturgischen Schauspiels sehen, wie bewegliche Statuen noch in einigen katholischen Kirchen vorkommen, ohne jede betrügerische Absicht [Hätte ein solches Crucifix ohne Wunder Wallfahrten angezogen?] Gute Bemerkungen machte über ähnliche Kreuze Round, Antiquary XIV (’86), 87. — J. L. André, The perpendicular style in East Anglia, chiefly - - North Norfolk, Archl. Jl. 46, 377. Hier erhalte sich der decorirte (zweite) Goth. Stil lange im 15. Jh. neben dem perpendicularen; ja man versucht Rückkehr zur früheren Gothik, z. B. zum Lanzettbogen und runden Chorschluss. — R. Dohme, Das Engl. Haus. Eine kultur- und baugesch. Skizze (Braunschw. 1888) beginnt mit Röm. Villa und Angelsächs. Bauernhaus [hier ist reiche Literatur (wie Heyne „Heorot“) unbenutzt, und sind p. 6, lin. 4 u. 1 v. a.; 7, 21; 18, 1 zu bessern], wird ausführlicher erst für das späteste MA; weitaus hauptsächlich aber schildert er mit künstlerischem Feinsinn und in reizender Anschaulichkeit das gegenwärtige Wohnhaus. Die vielen Abbildungen sind trefflich. Der Vergleich mit Deutschland leidet daran, dass drüben eine zu hohe Lebenshaltung als Mittelmass gewählt ist — R. Röhricht, „Deutsche Pilgerreisen nach dem Heiligen Lande“ (Gotha. 1889), streift Engl. MA. selten. Der Dichter Oswald von Wolkenstein durchzog um 1405 England. Aus England reisten nach Jerusalem 1440 der Johanniter Walter Viloy mit einem Basler Rathsherrn, 1460 ein Priester (der heimkehrend in Nicosia starb), und im Auftrage Heinrich’s V. Späher, welche die Aussichten für einen Kreuzzug erkunden sollten. — T. Morgan, Some flowers of chivalry 1458-71 (Jl. Brit. archl. ass. 42, 379) betrifft besonders Persönliches und Costüm mit Berücksichtigung damaliger Dichtung. — *J. A. Sparvel-Bayly, New studies on old subjects zur Archäologie des MA., betreffen n. a. Early church dedications; ferner The beer, das (den in Südengland wohl heimischen) Hopfen enthält, während Cerevisia, das 1446 neben Bier genannt wird, [ungehopftes] Ale bedeute. So Ac. 22II90, 189. — H. Dillon, The pasguard [Brechrand, Stosskragen auf dem Schulterstück des Panzers] [193] im 15. Jh.; Archl. Jl. 46, 129. — O. Thiergen, Die Sitten der Hochschotten im MA. Eine kulturhistor. Skizze (A. f. Stud. neu. Spr. 83, 413). Vf. kennt das Land selbst, aber neuere Forschung in dessen Gesch. wenig. Er bespricht Clanswesen, Tracht, Speise, Waffen, Häuptlingshofhalt, Feuerkreuz, Schlacht, Begräbniss, Aberglauben — alles ganz kurz, ohne je die Zeitalter zu sondern oder mittelalt. Quellen anzuführen. Das meiste ist dem 16.-18. Jh. entnommen, manches auch nur romantischer Dichtung. — W. S. Lach-Szyrma, Le mois de Mai en Angleterre (R. des trad. pop. II, 1887, 263), handelt von Maibaum, -königin, -hornblasen, theilweis mit Rücksicht auf späteres MA. — Ders., Sorcellerie en Angleterre, betrifft nur gegenwärtigen Glauben an Hexen.

Heinrich VI. *G. R. Wright, Archaeologic and historic fragments, (’87), behandelt, laut Jl. Brit. archl. ass. 43, 411, u. A. Humphrey von Gloucester. — Ueber diesen vgl. *Garnett, in Stephen, Dict. nat. biogr. 18. — J. A. Sparvel-Bayly, The mutability of fortune (Antiq. Aug. ’89, 56), druckt ein Engl. Gedicht aus Ms. Rawlinson, über den [1444] durch einen Bullen getödteten Johann von Somerset, über Elinor of Cobeham, die, ehrsüchtig und des Hochverraths verdächtig, für Zauberei zu öffentlicher Busse [1441] und Haft bis zum Tode vom Gericht der Bischöfe verurtheilt ward, und über ihren Gemahl, den, auch von diesem Dichter, gepriesenen Humfrid von Gloucester, der [1436] Burgund von Calais vertrieben hatte; aber durch einen schlechten Bischof, angeblich auf dessen Beichtkenntniss hin, ward er beim König verleumdet u. zu Bury [1447] verhaftet auf Hochverrathsverdacht; aus Kummer starb er bald [23. Febr.]. Sp. meint, Wilhelm Ascough von Salisbury [?] sei jener Bischof, und Humfrid sei von der Partei Beaufort’s ermordet worden [ohne Rücksicht auf Pauli’s andere Ansicht, Bilder aus Altengl. 355]. Der Dichter setzt was er erzählt „within thes 20 yere“; also, folgert Sp., schrieb er kurz vor 1462, und war Eleonore damals todt. — Heinrich Beaufort, B. von Winchester, brachte 1427 als päpstlicher Legat den Reichstag zu Frankfurt gegen die Husiten zu Stande, dessen Verhandlungen *D. Kerler, Deutsche Reichstagsacten, IX: 1427-31 (Gotha ’87) herausgab und erklärte. — *Rich. Brooke, Margaret of Anjou, the queen of Henry VI., in Liverpool lit. and phil. soc. Proc. 13, 13. — Cl. R. Markham, Edward of Lancaster [1453—71] (Tr. Bristol archl. soc. 12, 24) erzählt spannend die romantische Geschichte der Margarete von Anjou, zieht Fortescue’s Dialog mit dem Prinzen über Englands Gesetze aus, berichtet manche Einzelheiten, besonders die Namen der Umgebung genau, gelangt aber zu keinen neuen Ergebnissen. Die Ermordung Heinrich’s VI. zu leugnen, weil die Pension für ihn noch zwei Tage, nachdem Edward IV. London verlassen, bezahlt ward — davor hatte schon, Pauli gewarnt. — Von höchster Wichtigkeit für die Gesch. von Finanz, Wirthschaft, Verfassung und Fremdenverkehr (auch der Hanseaten) sind die fleissigen, scharfsinnigen und methodologisch beachtenswerten Berechnungen von Sir J. H. Ramsay „Accounts of Henry VI.“ bis „Richard III.“, Antiq. 10—18 (1884—Dec. ’88), aus den ungedruckten Pell-Rollen des Exchequer-Ein- und Ausgangs, Zollrollen, Einzelrechnungen [194] der Kron-Einnehmer u. s. w. Die Einnahme beträgt Mitte 15. Jahrh.’s etwa £ 74 367, die Ausgabe 109 115; so fehlte Geld für Calais, wo die unbesoldeten Truppen meuterten. Das Verständniss des Budgets wird erschwert durch fictive Buchungen; mit 1455 reisst Verwirrung auch in diesem Zweige der Regierung ein. Für Edward IV. fehlen von 44 Pell-Ausgabe-Rollen 27, die nur z. Th. ersetzt werden durch die Teller- [Kassenzähler-] Rollen, denn in diesen wurden die Auszahlungen durch Anweisung nicht verzeichnet. Auch stimmen die beiden Arten der Rollen nicht immer. Ferner erpresste Edward Benevolenzen, die überhaupt nur ausnahmsweise auf den Rollen erscheinen. Dagegen Hess er die 1475 vom Parlament gewährten Subsidien bis zum neuen Schottenkrieg 1480 unerhoben. Ferner erscheinen auf den Pell-Rollen nicht die den Krongläubigern unmittelbar auf Kroneinnehmer angewiesenen Zahlungen des Fiscus. Jährlich nahm dieser König etwa £ 65 000 ein, davon brachten etwa 20 000 Zölle (über die geringen Zölle der Hanseaten s. p. 238), 17 000 Domänen und Lehensgefälle, 12 000 Parlamentsbewilligung, 1000 Münzgewinn. — Um 1484 vereinnahmte die Krone etwa £ 53 000, davon an Zöllen etwa 18 000. Richard III. plante eine Art Budgetaufstellung.

Edward IV. behandelt *J. Gairdner in Stephen, Dict. nat. biogr. 17. — Ders., Ath. 4V89, 567, vertheidigt seine Ansicht, dass 1464 mit dem (dann gescheiterten) Plane, Edward IV. an Bona von Savoyen zu verheirathen, Graf Warwick ein zugleich Französisches und Burgundisches Bündniss suchte. — C. Ransome, The battle of Towton [1461], EHR July ’89, 460, erhellt namentlich die Topographie. Die Lancastrier waren in starker Ueberzahl, standen so, dass zwar ihr Sieg entscheidend gewesen wäre, aber für den Rückzug ungünstig, waren weniger beweglich, schlechter geführt als Edward’s IV. Heer, hatten Tags zuvor ihre Vorhut in einen Hinterhalt fallen lassen, fochten dann zwar am Palmsonntag tapfer, hatten aber den Schneesturm gegen sich und wurden verfolgt, auf abschüssiger Strasse nach Tadcaster zur engen Cockbrücke gedrängt und aufgerieben. — Hanserecesse II., bearb. von G. Frhr. v. d. Ropp, 5 [1460-6], Lpz. ’88. Ropp druckt zahlreiche England betreffende Stücke zuerst, darunter 10 aus Londoner Archiven, und bringt eine lichtvolle Einleitung über Edward’s IV. Vorgehen gegen Besitz und Freiheiten des Deutschen Kaufmanns in England und für Gleichstellung der Engländer im Hanse-Gebiet mit den Hanseaten in England. Vgl. Mkgf. in HZ 63, 351. — R. Lange, Die Geschichtschreibung des Albert Krantz (Hans. Geschbl. ’85), behandelt den Bericht der Wandalia von den Hansisch-Englischen Verhältnissen. — *Twelfth Report of the histor. mss. commission, App. 4: The mss. of the duke of Rutland, at Belvoir castle (’89), meist von M. Lyte verzeichnet. Unter den Briefen an Henry Vernon sind einige des Herzogs von Clarence: Dieser fordert ihn 30. März 1471 auf, mit ihm gegen den „vorigen König Edward“ [IV, des Schreibers Bruder] zu ziehen; das erbittet auch ein Brief des Königsmachers Graf Warwick. Clarence [trat Anfang April zu seinem Bruder über und] schrieb 6. Mai: „Edward, der früher sog. Prinz [von Wales] war unter den bei Tewkesbury (4. Mai) Gefallenen“, er fordert [195] Vernon nun in König Edward’s Namen auf, sich diesem anzuschliessen. Anderes Wichtige betrifft die Zeit unter und nach Heinrich VII.; so SatR 24VIII89, 228; Ath. 6IV89. — J. E. T. Rogers: The death of Edward of Lancaster (Notes Queries 31V90, 423) sei diesem treulosen Clarence nicht zu glauben; der Stadt Norwich berichtete ihr Schützenhauptmann, dass ein Kriegsgericht den Prinzen zum Tode verdammte. — Edward’s IV. Bestätigung der Gilde zu Prittlewell (Essex), 1478, druckt Sparvel-Bayly [s. oben II, 234] in Antiq. Oct. ’88, 160. — *Henri Stein, Olivier de la Marche, historien, poète et diplomate Bourguignon (Brux. ’88. 4, Mém. publ. par l’Acad. Belg.), behandelt p. 38 ff. die Englischen Sendungen 1467-8; vgl. Lefèvre-Pontalis, BECh L, ’89, 112. Ueber Olivier’s Memoires s. oben III, p. 157. — Maulde, Un essai d’exposition internationale en 1470 [s. oben II, 528; vgl. RH 40, 411; 42, 193; RC ’89, 380]. Ludwig XI. gibt 26. Juli 1471 ein Indemnitätspatent für Kaufleute aus Tours, die ermächtigt gewesen, in England Französ. Gewürze, Gold- und Seidenstoffe u. a. Gewerbeerzeugnisse vorzulegen, um dort ihrer Industrie einen Markt zu gewinnen, aber auf der Rückkehr durch Osterlinge beraubt waren. — G. Goudie, The Danish Claims upon Orkney and Shetland (Proc. soc. antiq. Scotl. 1887, 236). Als Jacob III. von Schottland Margarete von Dänemark heirathete, verpfändete ihm Christian I. für deren Mitgift 1468 Orkney und 1469 Shetland. Dass letzterer und Christian II. die Inseln endgültig abgetreten, erzählten schon fast deren jüngere Zeitgenossen und viele Spätere, aber ohne Beleg. Die Schott. Krone erwarb zwar 1471 die erbliche Grafschaft über die Inseln vom Dynasten St. Clair und wollte sich überhaupt nie von diesem „Kronjuwel“ trennen; allein die Eingeborenen wendeten sich noch lange an die Gerichte Norwegens als ihres Mutterlandes, und seit 1549 verlangten wiederholt Dänische Gesandtschaften die Inseln gegen Zahlung der Pfandschuld zurück. Verf. zweifelt nicht an Dänemarks noch gültigem Recht.

Richard III. *J. R. Lumby gab mit reichen Anmerkungen neu heraus More’s Hist. of king Richard III., Cambr. ’88. — J. E. T. Rogers (Notes Queries 3IV90, 423): das späteste nachweisbare Datum für Edward’s V. Regierung ist der 24. Juni 1483. — *G. Greg. Smith, The days of James IV: Extracts - - arranged (Scot. hist. by contemp. writers, ed. F. Y. Powell). — *The exhibition of the royal house of Tudor, 1. Jan. ’90 in New Gallery zu London eröffnet, enthielt Urkunden seit 1437, Siegel, Hss., Drucke, Placate und namentlich Mabuse’s, Holbein’s u. a. Bilder von Heinrich VII., seinen Nachkommen und seiner Mutter Margarete. An einem der letzteren sei der Goldbrokat mit Metall gemalt, also vielleicht von einem Deutschen. Eine sog. Hochzeit Heinrich’s VII. stelle vielmehr Heilige dar, und unter den als Holbein bezeichneten Gemälden sei nur etwa ein Drittel echt; Holbein kam erst 1527 nach England; SatR 11 (u. 18) 190, 43 (u. 78); Ath. 4 (u. 25) I 90, 22 (u. 117); Jl. Brit. archl. ass. Dec. ’89, 370. Das hier ausgestellte Cambridger Bildniss jener Margarete hält Bradshaw, Collected papers p. 288, nicht für gleichzeitig.

[196]
B) Zur Geschichte Britischer Orte im Mittelalter.
Nur was Urkunden zu bringen oder Allgemeines zu berühren scheint.

I. England. The English dialect society’s publications 1885-8 besprach Bradley, Ac. 6X88, 215. Diese, meist Wörterbücher von Provinzialdialekten, betreffen auch vielfach Volkskunde. — Berkshire. *C. King, A hist. of B. (Popular county hist. ’87); vgl. Antiq. June ’87, 278. [Die vorsächs. Zeit (erst um 550 erobert Wessex diese Gegend) bespricht ausführlich Archl. Jl. 44, 87, mit Nachtragen zu dortigen Klöstern]. — *W. Money, The hist. of - - Newbury, Oxf. ’87; vgl. eb. — *W. J. Loftie, Windsor Castle, Jubilee ed. ’87. — Cornwall. *W. C. Borlase, Borlase of Borlase (’88), eine Familiengesch., werthvoll vom 14. Jh. an; Vf. führt aber seine Ahnen bis auf die Taillefers Grafen von Angoulême hinauf; sie seien mit dem Eroberer nach Cornwall gekommen. Dagegen bemerken SatR 30III89, 389 und Ath. 11V89, 598, dass nur sehr wenige der im Domesday genannten Familien noch im Mannstamm leben. — Cumberland. *R. S. Ferguson A hist. of C. (Pop. county hist. ’90.) — *Ders., Carlisle (Diocesan hist. publ. for The society for promoting Christian knowledge ’89). Diesen armen Bischofstuhl nahmen grosse Gelehrte, Staatsmänner oder Kirchehreformer nicht an; gegen die Schotten zeichneten sich im Kampfe aus B. John Halton (1292-1314) und John Kirby, der 1337 erklärte, er könne keinen Zehnten sammeln: in Folge des Schottenkrieges war all sein Klerus entflohen. Etwa ein Viertel des Buches betrifft die Zeit vor der 1132 gegründeten Diöcese. So Ac. 22III90, 203; SatR 29III90, 385. — *M. Creighton, Carlisle (Historie towns ’89) behandelt tüchtig die Bedeutung des Ortes für die Stadtgesch., als Mittelpunkt der Anglonorm. Kirche in Cumbrien und der Grenzprovinz, und im Schottenkrieg; EHR Oct ’89, 808. — Derbyshire. *Pendleton, A hist. of D. ’86. — Devonshire. *Ch. Worthy, Devons. parishes; or the - - antiq., heraldry and family hist. of - - the archdeaconry of Totnes, 2 Bde. Exeter ’89; vgl. SatR 6VII89, 19; Ath. 20VII89, 91. — *E A. Freeman, Exeter (Hist. towns ’87). Es ward glücklich von Römern gewählt, dann gemeinsam von Briten, die Aethelstan 926 austrieb, und Sachsen besiedelt, 876 von Dänen auf kurze Zeit erobert; Archivalien habe Vf. zu dieser trefflichen Skizze nicht benutzt; Tr. Bristol archl. soc. 11, 355; Antiq. 15, 134. — *Phil. Freeman, The architectural hist. of Exeter cathedral; new ed, Ex. ’88. — *J. L. Vivian, The visitations of the county of Devon, ’87. — *J. L. W. Page, An exploration of Dartmoor and its [hauptsächlich Cornische] antiquities [’89; vgl. Ac. 20 VII89, 32] bringt, laut Ch. Elton (Law QR Apr. ’90, 208), auch alte Urkk. Ein Zinnparlament auf dem Mothügel auf Crockern Tor ordnete die Zinnwäsche. Die Heideanwohner dürfen im Forst weiden und Torf und Stein, aber nicht Wild und Holz, nehmen und schulden dafür dem Herzogthum Cornwall Fines [Pachtgebühr] villarum (jetzt in Venwell corrumpirt) und Gerichtsfolge zum Moorgericht; der Moormann erhält für jedes Stück Vieh Weidezins. — Elton, The antiquities of Dartmoor, eh., zieht aus: *A. S. Moore, A short hist. of the rights of common upon the forest of [197] Dartmoor, with introd. by F. Pollock (Plym. ’90), hrsg. von der Soc. for the preservation of Dartmoor [gegen Einhegung]. Richard von Cornwall erhielt 1239 vom König das Lehn Lydford mit dem Forst Dartmoor; seitdem hält dort der Graf von Cornwall sein Forstgericht. Moore beschreibt dessen Verfassung und mehrere Besitzrechte der Forstanwohner aus dem MA. — Dorsetshire. *J. E. Nightingale, Diocese of Salisbury: the church plate of - - D. (Sal. ’89); nichts für MA., laut Archl. Jl. 46, 464; SatR 17V90, 610. — Essex. W. R. Fisher, The forest of E.: ite hist., laws and administration and ancient cuatoms, ’87. Vf. (Anwalt der Stadt London im Process über den „Wald von Epping“ [oder von Waltham, nö. bei London] gegen einhegende Grundbesitzer) erschöpfe zwar nicht die Rechtsgesch., zeige aber, wie Agsächs. Zustände bis zum 18. Jh. lebten: so der Vogt und seine Viermänner, das Swainmot, die Glossen der Cottarii und Bordarii, die Gemeinwiese, die nur für einige Monate in Sonderbesitz geteilt ward; das Forstrecht beherrschte einen grossen Theil der Grafschaftsverwaltung weit länger als man bisher annahm. Auch für Wirthschaftsgesch. sei das Buch wichtig; Antiq. Febr. ’88, 85; Scr[utton], Law QR, Apr. ’88, 210. — *E. L. Cutts, Colchester (Hist. towns. ’88). — *G. F. Beaumont, A hist. of Coggeshall in E.; - - its church, abbey, manors, ’90; vgl. Archl. Jl. March ’90, 87. — Gloucesters. *W. Hunt: Bristol (Hist. towns ’87), wohl schon unter den Römern Hafen, übernimmt den westl. Seehandel später als Chester und Ravenglass, wächst im Verkehr mit Dublins Ostmannen (Dänen) und Skandinaven, namentlich durch Sklavenausfuhr. Unter Aethelred II. Münzstätte und um 1000 zuerst erwähnt, steuert es noch 1086 als Theil des Lehnguts Barton; doch erscheinen die Städter schon selbst vor der königl. Enquête. Unter Stephan hält Bristol zu Mathilde und wird von ihrem Sohn Heinrich II. mit dem Rechte Dublin zu besiedeln belohnt. Der Schwarze Tod rafft die halbe Bevölkerung hin; dafür ziehen Dörfler von ringsher ein und nehmen Arbeit bei den Bürgern, die sich nun in Gilden um so mehr abschliessen. 1373 steigt die Stadt zur Grafschaft und wählt ihren Sheriff (wie Carlisle seit 1353); der Mayor, der für die Krone Heimfall und Steuern einzieht, und der Sheriff wählen den Stadtrath von 40. Die Corporation schliesst sich allmählich ab, bekommt aber die Parlamentswahl nicht (wie in anderen Städten) in ihre alleinige Gewalt. Vf. behandelt die königl. Burg besonders; gegen sie baute die Bürgerschaft im Baronenkrieg einen abschneidenden Wall und hielt sich drei Jahre. Dies Buch fand allgemeines Lob; Archl. Jl. 44, 94; Tr. Bristol soc. 11, 355. — *G. Butterworth, Deerhurst, Tewk. ’88. [Der spätere Römerkönig Richard kaufte es von St. Denis.] — Hampshire. *G. W. Kitchin, Winchester (Hist. towns, ’89), eine Skizze ohne Belege, warm empfohlen, so Notes Quer. 151190, 139; HJb 11, 390. Laut SatR 22II90, 240 schöpft Verf. fast stets aus Urquellen, grossentheils ungedruckten, und berührt viel ganz England Angehendes, so aus dem früheren MA. (das er gemäss der damals höheren Wichtigkeit der Stadt besonders berücksichtigt) die Bischöfe Swithun, Dunstan, Aethelwold, aus dem späteren Wykeham, Beaufort, Waynflete. Zu Aelfred’s Zeit bestand der Profanbau meist aus Latten und Lehm; zu den damals in England unübertroffenen [198] Kirchen W.’s kam Baustein aus Wight und Portland. Der Dom zeigt spurenhaft eine Krypta etwa von 980, das Hauptschiff um 1080, daneben Perpendicularstil vom Ende 14. Jhs. — *A. G. L’Estrange, Royal Winchester: Wanderings in - - the ancient capital, ’89. — *Jos. Stevens, A parochial hist. of St. Mary Bourne with - - Hurstbourne (’88 fol.), ausführlich mit Urkk. auch für frühere Zeit; zwischen Röm. und Agsächs. Siedelung erhelle kein inneres Band; Antiq. June ’88, 276. — *Ch. W. Chute, A hist. of the Vyne in Hampshire (Winch. ’88), d. i. vielleicht Römisch Vindomis. Vf. behandelt ausser Ortsgesch. auch die Familien der einstigen Besitzer: De Port, Cowdray, Fyffhides, Sandys; Ath. 16II89, 208. — Herefords. *H. W. Phillott, Hereford (Dioc. hist. ’88). — Kent. *Hasted’s Hist. of K., corr. - - from Streatfeild, Larking, Public records by H. H. Drake; I.: Blackheath, ’86- — *G. Payne, Archaeolog. survey [Karte mit Text] of K., mit Angabe, wo man Alterthümer fand; vgl. Archla. Cambr. ’89, 347. — *G. F. Maclear, St. Augustine’s, Canterbury ’88. — *J. Cave-Browne, The hist. of the parish church of All saints, Maidstone, Maidst. ’89. Medway’s town (dies der ursprüngliche Name) besitzt im Domesdaybuch eine Kirche auf einem Lehen Canterbury’s, welche der Domconvent während Vacanz des Erzstuhls mehrfach zu visitiren strebte. Hier tagte 1351 eine Synode. Die jetzige Kirche baute Erzb. Courtenay 1395, wohl mit Benutzung der früheren, und machte sie zum Collegiatstift. Unter den Pfarrern, die Vf. verzeichnet, begegnet 1247 der Diplomat Johann Mansel. Auch für Ortsgesch. seit Römerzeit, Biographien, Alterthümer wird das Buch gerühmt SatR 14IX89, 309; Jl. Brit. archl. ass. Dec. 89, 370; C. J. Robinson, Ac. 7IX89, 146. — *G. B. Gattie, Memorials of the Goodwin Sands and their surroundings, legendary and hist. — J. A. Sparvel-Bayly, Some early church and chantry dedications in Kent and Essex, Antiq. ’88, 109, auch für Hagiologie wichtig. — Lancashire. Die Neuausg. des *Baines, oben II, 234, ist von Croston, ’87. — *J. Croston, County families of L. and Cheshire ’88. — *Tom C. Smith, A hist. of Longridge and district (Preston ’89). Das Kirchspiel besteht aus Aiston und Dilworth; vgl. SatR 29VI89, 799. — *G. Saintsbury, Manchester; a short hist. ’87. — *H. Fishwick, The hist. of the parish of Rochdale, scheint MA. nur in einigen Genealogieen zu berühren; Ac. 19IV90. — *Bridgeman, Hist. of Wigan. — London. *W. J. Loftie, L. (Hist. towns ’87); vgl. Antiq. XV, ’87, 39. Zu oben II, 217 vgl. Archl. Jl. 40, 460. — *Ders., Kensington picturesque and histor. (’88), werthvoll für die Gesch. Abingdons und der de Vere, Grafen von Oxford; Ath. 5I89, 10. — *Ders., Westminster abbey ’89. — H. Klinghardt, Realien zur Macaulay [W. Hastings]-Lektüre (Progr. Reichenbach in Schl. ’90), über Abtei und Königshalle zu Westminster, besprach ich A. f. Stud. neu. Spr. ’90. — *J. E. Price, A descr. account of the Guildhall of the city of L., ’86, wichtig verbessert in Jl. Brit. archl. ass. 43, 403. — *Hendricks, Charterhouse [s. oben III, 240], beginnt mit der Gründung durch Sir Walter de Manny († 1372), entbehrt Belege, wird aber allgemein gelobt Ath. 20VII89, 91; Ac. 15VI89, 405; HJb 11, 370. — *I. J. Baddeley An account of the church and parish of St. Giles, Cripplegate, ’88. Der Bau ist neuzeitlich. Aegidikirchen vor dem Thore haben auch Oxford [199] und Colchester; Ath. 29XII88, 879. — Ferneres unter Surrey.Norfolk. *W. Rye, The N. antiquarian miscellany endet mit III, Heft 2, ’87. — J. L. André, Ritualistic ecclesiology in north east N., Archl. Jl. 46, 186. — *H. Le Strange, Norfolk official lists - - of all those who have held office in the county of N. and its boroughs - - from the earliest time (Norw.). — *J. L’Estrange, ed. W. Rye, Calendar of the freemen of Norwich 1307 bis 1603. — *M. Knights, The highways and byways of old Norwich, ’88. — *A. Hartshorne, Norwich Castle, Archl. Jl. 46, 260. — G. T. Clark, Castle Acre, eb. 282: die Angelsachsen machten einen Theil der Römerveste zur Burg, indem sie das Erdwerk verstärkten; den Kegelhügel mit flacher Kuppe umgab ein Graben. — *The ancient register of North Elmham, transcr. by A. G. Legge, Norw. ’88. — *J. B. Johnson, A contribution towards the hist. of the parish church of St. Andrew, Hingham. — *W. Rye, Carrow abbey (Norw. 90, 4°), fleissige Sammlung, meist urkundlich, über ein für allgemeine Gesch. unwichtiges Nonnenkloster; Notes Qu. 18I90, 59. — *W. Rye, Cromer past and present, - - the parishes of Shipden and C. (’89 f. 4°), behandelt Hafen, Handel, Gilden, Inschriften, Grundbesitz aus Gutsübertragungen, Testamenten, Steuerrollen in meisterhafter Genauigkeit und Stofffülle; Ac. 16XI89, 318; Ath. 26X89, 553. — Northumberland. *G. T. Clark: Bamburgh Castle (Archl. Jl. 46, 93) heisst nach Bebba, der Königin wohl Aethelfrith’s, des Enkels Ida’s, gehört seit Wilhelm II. der Krone, zeigt den Baustil vom Ende des 12. Jhs. Vf. gibt Pläne und aus Urkk. die Baukosten an. — *Scott, Berwick ’88, 4° [s. oben II, 235; Antiq. Oct. ’88, 181], wird als bedeutend gerühmt von R. S. Ferguson, Archl. R. I, 452. Der Ort begegnet zuerst im 9. Jh., ist seit dem 11. wichtig, 1296 auf dem Gipfel, verliert unter mehrfachem Wechsel der Staatsangehörigkeit und stetem Kriege jede aussermilitärische Bedeutung; abgetreten ward er von Schottland erst 1482[.] Ferg. meint, die bis 1835 die Stadt regierende Gilde entstehe aus der Kaufgilde, die Wolle ausführte. Bereits um 1150 blühte die Gilde. Die Stadt geborte mit Roxburgh, Edinburgh, Stirling zum Gericht der 4 Burgen. Das Stadtrecht, 1249 aufgezeichnet, schaffte alle anderen Gilden ab; sie gingen in die Kaufgilde auf. Die Stadtregierung bestand aus 24 Feering-men, einem von der Krone besoldeten Mayor, 4 Bailiffs unter Controle des Commandanten. Die Auszüge aus Gildenbüchern und Stadtgerichtsacten erhellen Gesellschaftsgesch. — Nottinghams. *W. E. Doubleday, Nottingham market-place (Antiq. Aug. ’89, 51), berührt den im Stadtrecht und Ansiedlungsort erscheinenden Gegensatz zw. Angelsachsen und Normann. Eroberern, doch ohne Belege. — *W. Brailsford, The Castle of Newark upon Trent, Antiq., Nov. ’89, 185. — Shropshire. *O. Baker, Ludlow town and neighbourhood (Ludlow ’88, 4°), der Bilder, nicht des Textes wegen gelobt in Ac. 1VI89, 375; die Burgcapelle ist Normannisch; Archla. Cambr. ’89, 88. — Somersets. *J. Britton, contin. by R. E. M. Peach, The hist. and antiq. of Bath abbey church, Bath ’87; vgl. Antiq., May ’88, 228. — Peach, *Bath, old and new ’88. — *Peach, The annals of the parish of Swainswick near Bath, with abstracta of the register, Bath. — *S. G. Jarman, A hist. of Bridgwater ’89, behandelt Ritterlehen, Kaufgilde und Stadt seit der Zeit Walter’s von [200] Douai, nach dessen Brücke der Ort heisst; Ac. 12X89, 229; Ath. 11I90, 44; Antiq. Sept. ’89, 131. — Staffords. *J. C. Cox, Catalogue of the muniments of Lichfield, ’81-6. — *J. Sleigh, A hist. of - - Leek, including Horton, Cheddleton and Ipstones. — Surrey. *R. Nevill, Old cottage and domestic architecture in South-West Surrey (Guildf. ’89), überschaut Landleben und Hausbau von der Höhe der Culturforschung, laut G. Allen, Ac. 5X89, 226. — *P. Arnold, The hist. of Streatham, ’87. — *H. H. Montgomery, Hist. of Kennington and its neighbourhood, ’90. — Southwark’s Ortsgesch. in Walford’s Antiquarian Nov. ’87, lässt die Annalen Mon. Germ. 27, 430 ausser Acht. — Warwicks. *S. Timmins, A hist. of W. (Pop. county hist. ’89), behandelt nur kurz allgemeine Gesch., so des jüngeren Montfort [1265] und Gavestons [1312], und den Streit zwischen Coventry’s Mönchen und Lichfield’s Domherren, aber trotz leichter Form, genau Biographie und Archäologie z. B. von Coventry, Kenilworth, Stoneleigh; Verf. bemerkt auch manches zur Volkskunde: eine 80jährige ward 1875 [!] als Hexe ermordet. So SatR 4I90, 19; Ath. 14XII89, 814. — *G. Miller, The parishes of the diocese of Worcester; I: Warwicks. (’88), bringt aus localer Erfahrung und vielen ungedruckten Urkk. Wichtiges für Etymologie der Ortsnamen, Bevölkerungsstatistik, Wirthschaftsg. und die Preise seit der Normann. Eroberung; Ac. 1VI89, 375; SatR 21IX89, 338. — *W. H. P. Smith, Rugby, the school and neighbourhood; coll, from - - M. H. Bloxam. — Yorkshire. *W. Wheater, Some historic mansions of Y. 2 Bde., ’88, 4°. — *Th. Parkinson, Y. legends and traditions, 2. series, ’90. Einige Balladen aus spätem MA. — *G. Frank, Ryedale and North Y. antiquities, fleissig, anregend, doch ungenau, nicht aus Urkk., laut Ac. 1VI89, 375. — *T. Burton, The hist. and antiq. of the parish of Hemingborough, ed. J. Raine, ’89. — *J. W. Walker, The hist. of the old parish church of All saints, - - now the cathedral of Wakefield (Wak. ’89), eigene Forschung, Urkk. zur Baugesch. seit 12. Jh.; Archl. Jl. 45, 476; Ath. 3VIII89, 169. — *J. Tomlinson, Doncaster from the Roman occupation to the present time (Donc. ’87); vgl. Elton, Ac. 15X87, 245. — *R. Boyle, The lost towns of the Humber (Hull ’89), behandelt u. a. die Stadt Ravenser in Holderness, deren Gründer von einem Wrack aus Handel getrieben haben und vom Meere benamst sein soll. Wohl sein Nachkomme war Peter, der Stammvater der De la Maro (= Atte See), der mit Grimsby in Handelswettstreit gerieth, 1304 im Parlament sass, 1310 von Holländ. Seeräubern ausgeplündert ward. Dann verschwand jene Stadt in den Wogen; und Spurn, wo jetzt der Leuchtthurm steht, trug nur noch die Zelle des Einsiedlers Matthäus Danthorpe, der 1399 Heinrich (IV.) empfing.

II. Wales. W. de G. Birch, Mss. and seals rel. to W. in the British Museum (Archla. Cambr. ’89, 273), verzeichnet aus den hs. Katalogen Siegel und Urkk. der Fürsten [seit c. 1222], Engl. Könige und Prinzen von Wales [seit etwa 1305], der vier Bischöfe [seit etwa 1150], des Adels und der Stifter jenes Landes seit 13. Jahrh. Die Hss. sind nur summarisch bezeichnet; historisch und nicht ganz gedruckt sind: 2 Chroniken Llandaff’s bis 1338 (1370), eine Aberconwy’s [ed. Ellis, Camden Miscell. I, 1847; sie [201] hängt von Hayles ab], Annahm von St. David’s [dies werthlose Copie; es fehlt: Domitian AI aus Strata Florida, vgl. Mon. Germ. 27, 442]. P. 283 bemerkt Vf., aus Reg. 5 AXIII, 12. Jh., den Brief Innocenz’ II, Pisis 7 id. Oct. [1133—6] an Erzb. Wilhelm von Canterbury: dieser solle Diöcese und Cathedrale des für das Gut seiner Kirche in Sommerhitze nach Rom gereisten und dort [1133] verstorbenen Urban von Llandaff schützen. — R. A. Roberts, Documents rel. to W. at H. M. Public record office, eb. 293, weist den Weg durch die unzähligen Staatsurkunden seit 1201; er deutet oft im Titel an, wie Wichtiges für Wales oder dessen Beziehung zu England dort ungedruckt liegt. — Von Archaeologia Cambrensis, the Journal of the Cambrian archl. assoc. erschien 1888: *Index über die ersten 4 Serien, bis 1883. — S. R. Glynne [†], Older churches in the 4 Welsh dioceses, (Archla. Cambr. ’86, 54. 270; ’87, 274; ’88, 289; ’89, 122), nach Orten geordnet, selten datirt, recht viel für christl. Archäologie des späteren MA. — Cardigans. *St. W. Williams, The Cistercian abbey of Strata Florida, its hist. and recent excavations, ’89. Rhys ap Graffydd von Südwales gründete 1164 dies Stift. 1203 ward die Kirche fertig, in Wales mit die früheste im Uebergangsstil zur Gothik; Fürsten und Adliche waren hier bestattet. Die Engl. Kriege unter Edward I. und Heinrich IV. schädigten das Stift. [Es hatte sich vorher im 13. Jahrh. verewigt durch die Fortsetzungen der Annales Menevenses und des Brut y tywysogion (d. h. Fürstenbuch); vgl. meine Forschung, Mon. Germ. 27, 442.] Der archäologische Theil des Buchs, und die über 100 S. füllenden Quellen und Beweise bezeichnet als wichtig, die Darstellung als zu wenig kritisch T. F. Tout, Archl. R. III, 290, unter Ablehnung der Gründung vor 1093 und der Uebertreibung Kelt. Einflusses; für Ecclesiologie rühmen das Buch Ath. 24VIII89, 263; Ac. 6VII89, 12. — Derselbe, Who was the founder of Strata Florida? (Archla Cambr. ’89, 19) gegen S. W. Willis-Bund (der im voraufgehenden Aufsatz nicht den erwähnten Rhys, sondern Roger de Clare [ohne den Schatten eines Beweises] als Gründer vermuthet): Rhys habe die Reste eines nahen von seinem Grossvater gestifteten Klosters der eigenen Gründung einverleibt [unbewiesen!]. — Ders., Further excavations of Strata Florida (eb. p. 24. 187. 266): die Baureste sind zuerst spätromanisch, reichen aber ins 14. Jahrh. hinab; einige Grabsteine zeigen noch Kelt. Ornament. Im Anhang stehen übersetzte Urkunden über Glendowers Aufruhr 1402 und der Freibrief jenes Rhys von 1184, sowie Heinrich’s II. Bestätigung, vor 1188. — Denbighs. *A. N. Palmer, The hist. of the parish church of Wrexham, ’87. Das Kirchspiel entwickle sich aus der Kapelle des Kelt Stammesherrn, als die Walliser den Bezirk den Engländern wieder abrangen [Antiq. June ’88, 275]; der Ort Wrexham Abbot gehörte der Abtei Valle Crucis laut deren Gründungsurkunde um 1200; Archla. Cambr. ’88, 179. — Derselbe, The bailiwick of Wrexham 1339-40 (Archla. Cambr. ’88, 258). Die Vogteigerichtsurkk. zeigen in dem Bezirk fast nur Walliser, meist noch ohne Familiennamen, darunter die Barden, die zu Anfang 14. Jahrh.’s das Walliser Gesangfest zu beleben halfen. Der Process eines Engländers wird vertagt bis eine Engl. Jury beisammen sei. — Flints. Thomas, St. Asaph (Dioc. hist ’88). — Glamorgans. J. A. Corbett, The manor of Llanblethian [202] (Archla. Cambr. ’89, 68) mit dem Flecken Cowbridge, aus königl. Inquisitiones (1295 u. 1314) post mortem der zwei letzten Gilbert de Clare, die Landwirtschaft und bäuerl. Verfassung angehen. Die Namen der Geschworenen und wohl auch das Hofrecht sind Englisch. Bauerland erbt hier der jüngste Sohn erster Ehe. Vgl. über das dortige Kirchspiel St. Hilary and its lords eb. p. 214. — J. P. Conway, The Black friars of Cardiff (eb. 97): Reste der Dominikanerpriorei aus 13. 14. Jahrh. — *R. Merrick [1578], ed. J. A. Corbett, A booke of G. antiquities ’87; vgl. eb. ’88, 68. — Pembrokes. *W. L. Bevan, St. David’s (Dioc. hist. ’88). Werthvolle Kritik, namentlich gegen Darstellung der Kelt. Kirche, gibt Archla. Cambr. ’89, 164: das 12. 18. Jahrh. sei der beste Theil. — G. C. Williamson, The fortified towers of P., Antiq. Dec. ’89, 246. — *Ed. Laws, A hist. of Little England beyond Wales and the Non-Kymric colony - - in P. (’88, 4°). Die prähist. Zeit sei am besten, doch auch die ewige Reibung zwischen Kymren, Engländern, Normannen und der Flämischen Colonie sorgfältig dargestellt, urtheilt Archla. Cambr. ’88, 74. 248 mit wichtigen Verbesserungen. — Radnors. R. W. Banks, Cwmhir (Archla. Cambr. ’88, 204). Diese Cisterzerabtei gründete um 1143 Cadwalion ap Madoc und beschenkte um 1200 Roger Mortimer. Verf. druckt Urkunden der Mortimers bis 1314 aus Liber niger de Wigmore, Ms. Harley 1240, und einen Schiedsspruch von 1227 zwischen C. und Pola (später Strata Marcella) bei Welshpool durch benachbarte Cisterzer. Mehreres ist für G. der Landwirtschaft bedeutend.

III. Schottland. *G. Chalmers, Caledonia or a hist. and topograph. account of North Britain; new ed. I-IV, Paisley ’87-89; vgl. Scot. R. Jan. ’88, 186; Juli ’89, 201. — Aberdeens. *E. Bain, Merchant and craft guilds; a hist. of the Aberdeen incorporated trades, Ab. ’87. — Ayrs. *W. Robertson, Historic tales and legends from A.; vgl. Ac. 25I90, 61. — F. C. H. Blair, Charters of the abbey of Crosraguel; for the Edinburgh archl. assoc. ’87. — Butes. J. K. Hewison, Rothesay and Bute (Jl. Brit. archl. ass. Dec. 89, 307), zur Kriegsgesch. seit den Angriffen der Nordischen Könige der Sudreys 1228,1263. — Dumfriess. *C. L. Johnstone, The historic families of D. and the Border wars; new ed., Dumfr. ’89; vgl. Ac. 17VIII89, 101. — Edinburghs. *J. C. Lees, St. Giles’s Edinburgh: church, College and cathedral, Ed. ’89. Die Pfarre gehörte noch 1150 Lindisfarae. Die Aegidikirche, 1243 geweiht, 1467 von Paul II. zum Siift erhoben, einst Schottlands vornehmste Pfarre, ist in der Hauptsache spätgothisch und kein erstes Kunstwerk. Das Buch betrifft grossentheils Neuzeit; wegen Urkunden und Darstellung rühmt es Ath. 14I89. — Forfars. *Al. Maxwell, Old Dundee, eccles., burghal and social, prior to te reformation, ’90. — Lanarks. *J. Honeyman, Glasgow cathedral, Jl. Brit. archl. ass. 45 (’89) 25. — *Eyre, The see of Glasgow 560-1560, eb. 42. — *A. MacGeorge, Old Glasgow: the place and the people from the Roman occupation to the 18. cent., 3. ed., Gl. ’88. Die Brit. Kirchengründung Kentigerns ruhe, ebenso wie das übrige dortige Mönchthum, nicht auf den Individuen, sondern auf dem Clan. Der jetzige Dom entstammt dem 13. Jh. Das Buch sei wichtig auch für Verfassung- u. Sitten-G.; so Scot. R. July ’88, 407; Antiq. 19, 229. [203]Roxburghs. *J. R. Oliver, Upper Teviotdale and the Scots of Buccleuch, Hawick 87; vgl. Scot. R. Jan. ’88, 183.

IV. Irland. * Monahan, Records rel. to the dioceses of Ardagh and Clonmacnoise, Dublin ’87; vgl. Dublin R. July ’87, 213. — *E. A. Cooke, The diocesan hist. of Killaloe, Kilfenora, Clonfert and Kilmacduagh (639 bis 1886), Dub. ’88. — *M. O’C. Morris, Dublin Castle, ’89. — *Remains of St. Mary’s abbey, Dublin, Dub. ’87; vgl. Dub. R. Oct. ’87 , 474. — *W. G. Wood Martin, Hist of Sligo - - to [1603], Dub. ’82. Vgl. R. Celt. IX(’88), 138. — T. O’Rorke, The hist. of Sligo (2 Bde. Dub. ’89), verzichtet zwar darauf, vorchristl. Gesch. aus Steinzeitresten zu erzählen, entbehrt aber vielfach keltologischer Kritik; vgl. Dub. R. Apr. ’90, 486.

Berlin, März 1890.
F. Liebermann.

Anmerkungen

  1. Die Herren Verleger Whiting & Co, London, schickten Ende 1889 diese drei Werke zur Besprechung. — Des Vfs. „Richard IV Plantagenet, a son of Richard III“, 1888, ist Jugendschrift.
  2. Ref. dankt Herrn San.-Rath S. Neumann, der ihm die von hier bis S. 202 besprochenen Bücher lieh.
  3. Der Name leitet irre: Vereinzelte Fremde machen keine Geschichte, und Mittelalter erweckt die falsche Vorstellung, als gäbe es zwischen den 1290 Vertriebenen und den 1656 Eingewanderten innere Verbindung; ausserdem bildet die Anglo-Jüd. Gesch. ein nicht einmal wichtiges Glied der allgemein Jüdischen, darf also ihr Mittelalter nicht mehrere Jahrhunderte später als diese beginnen. Die Zeit 1070—1290 heisst in diesem Kreise Pre-Expulsion period (also nach ihrem Untergang!); warum nicht Anglo-Norman?
  4. Derselbe bringt in *Norfolk antiq. miscell. I, 312 die Geschichte des Kindes [eines getauften Juden] Odard, das die Juden in Norwich 1230 beschnitten haben sollten, mit den für diesen Process zuerst erhaltenen Urkunden.
  5. Als Florenz von Worcester darf nicht der von Thorpe unpassend hinter ihm gedruckte Fortsetzer aus Bury St. Edmund’s citirt werden, vgl. Mon. Germ. XXVIII, 584. Dass Jocelin’s Werk über St. Robert so kurz spricht, liegt daran, dass er Miracula s. Roberti [ib. XXVII, 325] verfasst hatte, nicht etwa daran, dass er dieses Martyrium, ebenso wenig wie Richard von Devizes das von 1192, bezweifelt hätte! — Die (literarisch ja wundervolle) Rede des Joceus (d. i. Jomtob aus Joigny) zu York 1190 ist doch nur Newburgher Erzeugniss.
  6. Vf., aus Troy (New-York), auf Deutschen Hochschulen gebildet, promovirte 1883 zu Göttingen auf die treffliche Untersuchung „Gilda mercatoria ... zur Engl. Städte Verfassung“. Hoffentlich wird er später einmal festländische Verhältnisse zum Vergleich heranziehen z. B. die (zwei Menschenalter später als in England) in Köln für die Juden abgesonderte freiwillige Gerichtsbarkeit.
  7. So ist m. E. S. 193 „ad justitiam regis consulendum et iura regis exprimendum“ zu verstehen, nicht „to look after justice and to explain the king’s laws.“
  8. Was dieser, jetzt der erste Erforscher Anglonormann. Rechts, an hochbedeutenden Quellen in den letzten Jahren veröffentlichte, ebenso die für Landwirthschaftsgesch. wichtigen Arbeiten über das Domesdaybuch hoffe ich nächstens im Zusammenhange anzudeuten.
  9. Vf. bekennt Heusler’s „Gewere“ viel zu verdanken.

Wikisource-Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Vorlage: Enstehungszeit
  2. Vorlage: enstand
  3. Vorlage: Univertitätsgeschichte
  4. Vorlage: handschriftliche Korrektur auf "1194!"
  5. Vorlage: handschriftliche Korrektur auf "1252/60"
  6. Vorlage: Bradhaw’s