Notizen (Pogg. Ann. 63 Heft 9)

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Annalen der Physik und Chemie
Band LXIII, Heft 9, Seite 173–176
Johann Christian Poggendorff
Notizen
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[173]
XX. Notizen.

1) Temperatur im Bohrloche zu Neuffen. Südwestlich von der Stadt Neuffen (48° 33′ N. und 27° 2′ O.) in Würtemberg, am nordwestlichen Fuß der Alp, ist ein Bohrloch niedergetrieben, dessen Tiefe 1186 Fuß würtemb. beträgt[1], und dessen Mundloch 1295 Pariser Fuß über dem Meere, oder 1003 solcher Fuß über dem Plateau der schwäbischen Alp liegt. Graf F. v. Mandelsloh, zu Ulm, hat mittelst eines Magnus’schen Geothermometers die Temperatur dieses Bohrlochs gemessen, und folgende Resultate erhalten:

[174]

Zeitpunkt
1839.
Tiefe
würtemb.
Fuß.
Temperatur.
der Luft. im Bohrloch.
27. Febr. h V. 100 −1°,8 C. +10°,8 C.
 - h V. 200 +1°,0 +13°,7
26.  - 1h N. 300 +2°,5 +16°,5
10. April 4h N. 409 +9°,0 +18°,4
27. Fbr. 12½h N. 500 +4°,0 +20°,4
26.  - 3h N. 600 +2°,5 +23°,5
27.  - h N. 700 +4°,0 +25°,4
27.  - h N. 800 +3°,0 +27°,8
10. April h 900 +8°,0 +31°,2
11.  - h V. 1000 +4°,0 +33°,5
11.  - 3h N. 1080 +8°,0 +36°,3
11.  - 11¾h N. 1180 +6°,4 +38°,7

Hienach, sagt der Hr. Verf., kommen auf 100 Fuß würtemb. +3°,28 C. und auf 1° C. Wärmezunahme 30,49 Par. F. [Das geht wohl eben nicht aus den Beobachtungen hervor, da die mittlere Temperatur der Luft oder des Bodens von Neuffen nicht in Abzug gebracht ist; aber jedenfalls sind die in der Tiefe beobachteten Temperaturen ungewöhnlich hoch. P.] Die Temperatur eines vorbeifließenden Bachs war bei der ersten, dritten und sechsten Beobachtung repective +4°,0, +7°,0 und +5°,0 C. (Leonhard und Bronn’s Neues Jahrbuch, 1844, S. 440.[WS 1])

2) Kieselsäure-Aether. Ebelmen hat die in Bezug auf die Feuerbeständigkeit der Kieselsäure sehr interessante Beobachtung gemacht, daß dieselbe ätherartige Verbindungen mit den Bestandtheilen des Alkohols eingeht. Man erhält sie, wenn man absoluten Alkohol vorsichtig in Chlorsilicium schüttet. Es entsteht eine sehr lebhafte Reaction, unter sehr reichlicher Entwicklung von Chlorwasserstoffgas und bedeutender Erniedrigung der Temperatur. Ist dem Chlorkiesel etwas mehr als ein gleiches Gewicht Alkohol hinzugefügt, so entweicht kein Gas mehr, und die Flüssigkeit erwärmt sich merklich. Destillirt man nun bei 160° und 170° C., und rectificirt [175] das Destillat bei 162° bis 163° C., so erhält man den einen, flüchtigeren Aether; der andere geht erst oberhalb 300° C. über.

Der flüchtigere Kieseläther ist farblos, von ätherischem, durchdringendem, pfefferartigem Geruch, neutral, siedet constant bei 162° bis 163° C. und hat die Dichte 0,932. Er löst sich in Alkohol und Aether in allen Verhältnissen, nicht aber in Wasser, aus dem er jedoch langsam unter Ablagerung von Kieselsäure zersetzt wird. Alkoholische Alkalilösungen zersetzen ihn rasch, und Säuren scheiden gallertartige Kieselerde aus ihm ab. Auf eine rothglühende Platinschale geschüttet, brennt er mit Flamme unter Ablagerung von höchst zertheilter Kieselerde. Wenn man setzt, ist seine Zusammensetzung . Seine Dampfdichte ist, nach Beobachtung, , nach Rechnung, 7,234.

Der zweite Kieseläther destillirt oberhalb 300° C., ist auch farblos, schmeckt aber ganz anders als der erste, und hat eine Dichte . Gegen Wasser und Alkohol verhält er sich dem flüchtigeren gleich. Seine Zusammensetzung ist .

Die Kieselsäure bietet den ersten Fall dar, wo ein Mineralkörper zwei Aether bildet. (Compt. rend. T. XIX p. 398. Auszug.[WS 2])

3) Borsäure-Aether ist ebenfalls von Ebelmen dargestellt, und zwar auf folgende Weise. Er mengt fein zerriebene Borsäure mit absolutem Alkohol, und unterwirft des Gemenge, welches sich bedeutend erwärmt hat, der Destillation, so lange bis der Siedpunkt auf 110° C. gestiegen ist. Hierauf behandelt er den Rückstand, nach dem Erkalten, mit wasserfreiem Aether, gießt die Lösung ab, und erhitzt sie in einem Oelbade allmälig bis 200° C. Die dann zurückbleibende, etwas zähe Flüssigkeit, die an der Luft weiße Dämpfe ausstößt und beim Erkalten erstarrt, ist der Borsäure-Aether.

Dieser Aether stellt bei gewöhnlicher Temperatur [176] ein durchsichtiges Glas dar, das aber schon bei 40° bis 50° C. erweicht, schwach ätherisch riecht und brennend schmeckt. Auf der Haut erregt er sehr merkliche Wärme und zerfällt bald zu einem weißen Pulver von Borsäure. Eben so nimmt er an der Luft eine weißliche Farbe auf der Oberfläche an. Bei 300° C. zersetzt er sich unter Entwicklung von ölbildendem Gas, das zwar, wegen einer anhängenden Spur von unzersetztem Aether mit grüner Farbe brennt, diese Eigenschaft jedoch auf Zusatz von etwas Wasser verliert.

Die Zersetzung liefert einen leichten Weg zur Darstellung von ölbildendem Gase. Erhitzt man 3 Th. geschmolzener Borsäure mit 1 Th. aboluten Alkohols, so erhält man einen reichlichen Strom von ölbildendem Gas, ohne daß die Masse sich schwärzt. Das Wasser, welches die Borsäure dabei aufnimmt, entweicht erst in sehr hoher Temperatur.

Mit warmem Wasser zerrieben, zerfällt der Borsäure-Aether, unter beträchtlicher Wärmeentwicklung, in Borsäure und Alkohol. In Alkohol und Aether löst er sich in allen Verhältnissen; Wasser bringt diese Lösungen zum Gerinnen. Bei Destillation einer alkoholischen Lösung von Borsäure-Aether, geht mit dem Alkohol eine beträchtliche Menge von letzterem über, und dadurch erlangt er die Eigenschaft, mit grüner Flamme zu brennen.

Die Zusammensetzung dieses Aethers ist:

,

woraus Hr. E. schließt, daß der Borax, , ein neutrales Salz ist.

Der Holzgeist giebt einen analogen Aether. (Compt. rend. T. XVIII p. 1202.[WS 3])

  1. D. h. 1046 Pariser Fuß, da ein würtemberger Fuß = 127 Pariser Linien.
    P. 

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Fr. v. Mandelsloh: Beobachtungen über die Zunahme der Erd-Wärme in dem 1186′ württb. tiefen Bohrloche zu Neuffen, angestellt mit dem Magnus’schen Geo-Thermometer. In: Neues Jahrbuch für Mineralogie, Geognosie, Geologie und Petrefakten-Kunde. Herausgegeben von K. C. von Leonhard und H. G. Bronn. Jg. 1844. F. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung, Stuttgart 1844, S. 440–443 Internet Archive
  2. Ebelmen: Sur les éthers siliciques. In: Compte rendu des séances de l’Académie des sciences. Bd. 19 (1844), S. 398–400 Gallica
  3. Ebelmen: De l’action de l’acide borique sur l’alcool et sur l’esprit-de-bois. In: Compte rendu des séances de l’Académie des sciences. Bd. 18 (1844), S. 1202–1204 Gallica