Pumphut in der Burkhardtsmühle

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Textdaten
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Autor: Johann Georg Theodor Grässe
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Titel: Pumphut in der Burkhardtsmühle
Untertitel:
aus: Der Sagenschatz des Königreichs Sachsen, Band 2. S. 65–67
Herausgeber:
Auflage: Zweite verbesserte und vermehrte Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1874
Verlag: Schönfeld
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Erscheinungsort: Dresden
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Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Google-USA* und Commons
Kurzbeschreibung:
Siehe auch Pumphut
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[65]
672) Pumphut in der Burkhardtsmühle.
Bearbeitet von Julius Schanz; sonst auch bei Bechstein S. 478. Metrisch beh. v. E. Hager H. II. S. 8 sq.

Es mag wohl schon lange her sein, als im Voigtlande ein alter Müllerbursche, mit Namen Pumphut, lebte, der dem Wasser nach von Mühle zu Mühle ging. Wo es ihm gefallen mochte, da blieb er und für ein Glas Branntwein und ein Stück Brot machte er zur Ergötzung der Müllersleute und ihrer Nachbarn viel lose Schwänke und spaßige Dinge. Wo man ihn gut aufnahm, da ging er mit zufriedener Miene fort; wo sie ihm aber schlechte Kost vorsetzten oder ihn gar hungrig gehen ließen, da spielte er oft den Leuten arg mit.

In der Burkhardtsmühle waren alle Müller der Umgegend versammelt mit ihren Weibern und schönen Töchtern und es ging lustig darinnen zu. Die Fidel und der Dudelsack durften dabei nicht fehlen und die Müllerin hatte schon manche geleerte Flasche herausgetragen. „Halt“, dachte der Pumphut, der zufällig vorbeischritt, „da giebt es einen Schmaus, das ist so Etwas für Dich!“ Er trat ohne viele Worte zu machen in die volle Gaststube und setzte sich in einen Winkel. [66] Der Knabe, der den Schenken machte, urtheilte dem Aussehen nach, es sei ein feiernder Mühlbursche, und trug ihm einen ordinären Schnaps und ein Stück trocknes Brot hin. „Da Alter, könnt Ihr Euch einmal Etwas zu Gute thun“, sagte der Knabe. Aber das erzürnte den Pumphut im innersten Herzen, daß er sich so getäuscht hatte und er schwur bei sich, dem Müller einen losen Streich zu spielen. „So wahr ich Pumphut heiße“, murmelte er vor sich hin. Und er that’s. Beim Weggehen fragte er den Jungen, was denn das Fest eigentlich bedeute. „Es soll das Rad gehoben werden“, gab dieser zur Antwort. Pumphut schlich sich mit schelmischem Blicke durch das Pförtchen, machte am Rade seinen hocus pocus und trollte sich lustig von dannen. –

Nachdem die Gäste in der Mühle sich tüchtig satt gegessen und getrunken hatten, schickten sie sich an zum Radhub. Sie hatten Alles vorher richtig abgezirkelt und abgemessen und glaubten bald damit im Reinen zu sein, aber o Wunder! die Welle war jetzt nicht weniger als eine halbe Elle zu kurz. Alles stand im ersten Augenblick stumm vor Schreck, bis der Müller in ein lautes Geschrei ausbrach und sich die Haare zerraufte. „Es paßte vorher wie angegossen“, rief einer. „Zum Teufel“, ein Anderer. Endlich ließ sich eine Stimme vernehmen: „das ist gewiß ein Streich von Pumphut“. Und nun fielen Allen die Schuppen von den Augen, der Mühlbursche im Winkel war kein anderer als der Schwarzkünstler selber gewesen. „Lauft ihm nach, lauft ihm nach!“ schrie Alles, und es dauerte gar nicht lange, da finden sie ihn am Bache sitzen. Er wußte wohl, was sie wollten, und folgte zunächst ihrer Einladung zum Schmause. Als er sich vor Aller Augen tüchtig sattgegessen hatte, klagte man ihm den Unfall und ließ die Frage mit unterlaufen, ob dem nicht abzuhelfen sei. „Da müßte der Kuckuck drin sitzen; schenk’ noch Einen ein, Junge,“ sprach Pumphut. Darauf ging er mit hinaus, sah mit schelmischem Gesichte die verkürzte Welle, klopfte hinten und vorne mit dem Hütchen daran, und als man das Rad zum zweiten Male hob, da paßte die Welle so prächtig wie vorher. [67] Die Müllersleute aber gaben dem Pumphut, so oft er später kam, Butter zum Brot und bessern Branntwein als beim Radhub.