RE:Τάπουρα ὄρη

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band IV A,2 (1932), Sp. [IV_A,2 2272]–[IV_A,2 2273]
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Τάπουρα ὄρη (Ptolem. geogr. VI 14, 7. 10. 12. 14), ein Gebirge in Scythia intra Imaum, das sich von Nordwesten nach Südosten erstreckt, durch einen βάθος τῆς ποταμίας von den Ἄσπισια ὄρη getrennt ist und zum Ιaxartes entwässert wird. Seine Lage läßt sich am besten durch die Ἄσπισια ὄρη bestimmen. Da diese, benannt nach der alten Stadt bei Tschimkänd, die bei den Arabern Aspiğ (heute Arys) hieß, den Karatau, den nordwestlichsten Ausläufer des Tienschansystems, bezeichnen, so werden die T. zur Alexanderkette, die sich vom Karatau ostwärts bis zum Issik-köl hinzieht und nördlich wie eine mächtige Mauer zur Kirgisensteppe abfällt (s. auch o. Bd. IX S. 517. 1186, 6ff.) gehören.

Seinen Namen hat das Gebirge von den Ταπουραῖοι, die nach Ptolem. geogr. VI 14, 7 an seiner Nordostseite wohnten. Das wäre also die dichte Oasenzone von Talas (Aulie-ata) bis Tokmak am Tschu; das obige βάθος τῆς ποταμίας würde mit der breiten Oasenlandschaft von Talas zusammenfallen. Es liegt nahe, anzunehmen, daß zwischen diesen Tapuraioi und dem gleichnamigen Volk an der Südküste des Kaspischen Meeres ein Zusammenhang besteht. Aber wahrscheinlich ist es, daß Ταπουραῖοι eine Verschreibung für Ταγουραῖοι und danach nur eine andere Form für Thaguroi oder Tocharoi (s. diese Art.) ist; in diesem Falle wären es unterwegs zurückgebliebene Teile jenes zentralasiatischen Volkes, das über das Issik-kul-Gebiet um 160 v. Chr. in Baktrien eingefallen ist.

Als im Laufe des 1. Jhdts. v. Chr. die Chinesen das Bewässerungsland vor der Alexanderkette kennen lernten, scheinen dort die Tapuraioi ihre Rolle ausgespielt zu haben. Politisch rechnen die chinesischen Annalen das Gebiet zum Reiche Kʿang-kü, dessen Zentrum in der Gegend von Taschkent lag. Um die Mitte desselben Jahrhunderts wurde es von den ersten Hunnen besetzt, denen später andere nachfolgten, so daß sie schließlich zusammen mit den Alanen ihre Macht [2273] nach Europa ausbreiten konnten. Vgl. F. Hirth über Wolga-Hunnen und Hiung-nu, S.-Ber. Akad. Münch., phil.-hist. Kl. 1899, nr. 2.

Auf die von den Hunnen benutzte Völkerstraße von den T. bis zum alten Skythenlande scheint auch eine römische Nachricht hinzudeuten, die sich bei Mela (III 60) und Plinius (n. h. VI 53) erhalten hat, in ihrer Bedeutung aber noch nicht erkannt worden ist. Beide Autoren berichten übereinstimmend, nach Osten hin folgten aufeinander wiederholt skythische Völker und Wüsteneien bis zu einem Bergrücken, der an ein Meer vorstoße und Tabis heiße. Eine solche Beschreibung paßt nur auf das Steppen- und Wüstenland bis zu den T., mit denen wir Tabis um so eher identifizieren dürfen, als hierfür noch ein weiteres Moment spricht: die Bemerkung, der Tabis stoße im Osten an ein Meer. Denn ebenso fällt die Alexanderkette, die T., im Osten zu dem 5900 qkm großen Issikköl ab, den die Chinesen des 7. Jhdts. n. Chr. ,Heißes Meer‘ nannten (Chavannes Documents sur les Tou-kiue [Turcs] occidentaux 10). Das wäre die einzige Kunde, welche die Alten von diesem großen Binnensee gewonnen haben; sie ging ihnen aber wieder dadurch verloren, daß sie dieses ‚Meer‘ mit dem östlichen Ozean verwechselten.

Anmerkungen (Wikisource)

Gleich mit Tabis 2.