RE:Χοῖνιξ

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band III,2 (1899), Sp. 2356–2358
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Χοῖνιξ, ein Mass für Trockenes, besonders für Getreide, enthielt nach üblicher Schätzung so viel Weizen, als ein Mann zur täglichen Nahrung bedarf. Herod. VII 187. Polyb.. V 1, 11 vgl. mit IV 37, 7. Athen. III 98 E. Diog. Laert [2357] VIII 18. Suid. s. Πυθαγόρα τὰ σύμβολα. Boeckh Staatshaush. Ι³ 357. Hultsch Metrologie² 105, 3. Nach der von Solon in Athen eingeführten Ordnung der Hohlmasse zerfiel der μέδιμνος in Sechstel, ἑκτεῖς, Zwölftel, ἡμίεκτα, und Achtundvierzigstel, χοίνικες Die attische χ. war also = 1/8 ἑκτεύς oder röm. Modius = 1,1 Liter. Unter sich hatte sie vier κοτύλαι attischen oder zwei Sextare römischen Masses. Das Dreifache der χ. war das übliche Flüssigkeitsmass von mittlerer Grösse, der χοῦς (s. d.). Hultsch Metrol. script. I 208, 5ff. 224, 14ff., und vgl. ebd. II Index unter χ. 2; Metrologie 104. 106. Die solonisch-attischen Masse waren nach Aristot. Ἀθην. πολ 10 grösser als die pheidonisch-aeginaeischen, und zwar wahrscheinlich in dem Verhältnisse von 27 : 25 (berechnet aus dem Verhältnisse des solonischen Talentes zum aeginaeischen = 18 : 25, s. Χοῦς). Demnach würde die aeginaeische χ. nur um ein wenig kleiner als die attische, nämlich auf 1,01 l anzusetzen sein. Die in Lakonien seit Lykurg üblichen Hohlmasse sind anderthalbmal so gross als die aeginaeischen gewesen (s. Χοῦς). Da somit die lakonische χ. = 1,52 l war, so erklärt sich der Scherz bei dem Komiker Aristophanes (Kock Com. Att. frg. I 551 = Meineke II 2, 1198), dass ein Peloponnesier, der nach Athen gekommen, den ἑκτεύς im Betrage von 8 attischen χ. als ἑξαχοίνικον μέτρον, nämlich nach dem Masse der lakonischen χ. bezeichnet; denn in der That standen 6 lakonische χ. = 9,1 l dem attischen ἑκτεύς von 8,75 l so nahe, dass beide Beträge nach ungefährer Schätzung als gleich gelten konnten. Merklich grösser als die attische χ. war, wie aus Theophr. hist. plant. VIII 4, 5 vgl. mit Pherekrates Kock I 145 (II 1, 252 Mein.) hervorgeht, die boiotische χ.; sie war das Achtel des boiotischen Masses σαΐτης, d. i. des phoinikischen Saton, und dieses wiederum stimmte in seinem Betrage mit dem lakonischen ἑκτεύς überein. Mithin hielt die boiotische χ., wie die lakonische, 1,52 l. Hultsch Metrologie² 542f. (statt ,aeginaeisch‘ ist hier ,lakonisch‘ zu lesen, denn das aeginaeische Mass, welches früher nach Boeckh für gleich dem lakonischen und grösser als das attische galt, ist nach Aristot. a. a. O. in Wirklichkeit kleiner als das attische gewesen, und weiter hat sich das lakonische Mass als anderthalbmal so gross als das aeginaeische ergeben). Das ptolemaeische System der Masse für Trockenes ging aus von einem Medimnos im doppelten Betrage der ptolemaeischen Artabe, die dem attischen Metretes gleich war. Demnach war der ptolemaeische Medimnos = 1½ attischen Medimnen, und ebenso verhielt sich der ptolemaeische Hekteus zum attischen. Allein die ptolemaeische χ. war nicht, wie im attischen Systeme, der achte, sondern erst der sechzehnte Teil ihres Hekteus und hielt somit nur 0,82 l. Da nun zu dieser χ. als Drittel eine κοτύλη. geordnet war, so lief das ptolemaeische System, so verschieden es auch sonst von dem attischen war, doch auf dasselbe kleine Teilmass wie das attische System aus. Denn die Kotyle = 1/3 ptolemaeische χ. = 0,274 l ist keine andere als die attische Kotyle = ¼ attische χ. Index zu Metrol. script. unter μέδιμνος 4, χοῖνιξ 3. Metrologie 105. 624f. Unter den verschiedenen Choiniken, die ausserdem noch erwähnt werden, sind [2358] hervorzuheben die χ. der Provinz Palaestina (Apokal. 6, 6) als die Hälfte des hebraeischen Kab (Metrologie 451f. 456), also mit ihrem Betrage von 1,01 l der aeginaeischen χ. gleichzusetzen, ferner die pontische χ. = 2 syrisch-alexandrinischen Sextaren, deren jeder 11/3 römische Sextare hielt, mithin = 1,46 l (Metrol. Script. I 269, 19ff. II 106, 5ff.; Metrologie 573f.), endlich die χ. von Herakleia CIG III 5774f., die vielleicht gleich dem eben erwähnten alexandrinischen Sextar = 0,73 l war (Metrologie 669f.).