RE:Aemilius 81

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band I,1 (1893), Sp. 564565
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81) L. Aemilius M. f. Q. n. (Lepidus?) Paullus (Λ. Αἰμίλιος Μ. υἱ. Παῦλος Dio ind. l. XL), leiblicher Bruder des Triumvirn (Vell. II 67, 3. 4; vgl. unten die anderen Stellen über seine Proscription und Cic. Phil. XIII 8), daher Sohn des M. Aemilius Lepidus Cos. 676 = 78 (Nr. 72) und Q. n. Nach der Sitte der vornehmen Geschlechter jener Zeit erhielt er das Cognomen eines berühmten Vorfahren aus der Gens Aemilia vgl. Nr. 84; ob er dabei Lepidus beibehielt oder abwarf, ist nicht zu entscheiden, da auch sein Sohn und Enkel schwanken: gewöhnlich L. Paullus, Aemilius Paullus oder Paullus genannt.

Im J. 691 = 63 klagte er Catilina lege Plautia de vi an (Sall. Cat. 31, 4; vgl. Cic. in Vat. 25. Schol. Bob. p. 320). Im J. 694/95 = 60/59 Quaestor des Propraetors C. Octavius von Makedonien, wurde er von Vettius, einem Werkzeug des Caesar und Pompeius einer (erfundenen) Verschwörung bezichtigt (Cic. ad Att. II 24, 2; in Vat. 25). Im J. 697 = 57 trat er für Ciceros Rückberufung ein (ad fam. XV 13, 2) und erklärte bei dem Process des Sestius im folgenden Jahre se nomen Vatinii delaturum, si Macer Licinius cunctaretur (ad Q. fr. II 4, 1). Als Aedilis curulis 699 = 55 stellte er die alte Basilica Aemilia wieder her in medio foro basilicam iam paene texuit isdem antiquis columnis (ad Att. IV 16, 8). Im J. 701 = 53 waren die Comitien durch bürgerliche Wirren bis zum Juli verschleppt (Dio XL 45); für den Rest des Jahres wurde Paullus Praetor (Cic. Mil. 24). Beim Herannahen des Bürgerkrieges suchte Pompeius die Wahl auf Männer zu lenken, welche als entschiedene Gegner Caesars galten. So wurden im Juli 703 = 51 Paullus und C. Marcellus gewählt (consul designatus Cic. ad fam. VIII 4, 4. 8, 5. 10, 3. XV 12). Consul 704 = 50 (Cic. ad fam. XIII 29, 4. XV 13; ad Att. VI 1, 7. 3, 4; Brut. 229. 328. Hirt. b. g. VIII 48, 10. Suet. Caes. 29. Plin. n. h. II 147. Plut. Pomp. 58; Caes. 29. Appian. b. c. II 26. Dio ind. l. XL und XL 63, 2. Cassiod. Obseq. 65. Chronogr. Idat. Chr. Pasch.). Die Hoffnungen, welche die Senatspartei auf ihn [565] gesetzt hatte, erfüllten sich nicht; er war durch seine Bauten in Schulden geraten, und Caesar erkaufte mit 1500 Talenten seine passive Haltung. Das Geld verwandte er auf die Basilica, die jedoch erst von seinem Sohn (vgl. Nr 82) vollendet ist (Plut. App. Dio l. l.). Cicero, der mit ihm befreundet war, schrieb ihm aus Cilicien die beiden Briefe ad fam. XV 12 (als er Cos. des. war) und 13 (während des Consulats) und bat ihn für seine Rückberufung und den Beschluss einer Supplicatio einzutreten, wofür sich Paullus auch verwandte (ad fam. VIII 11, 1). Während des Bürgerkrieges spielte er infolge seiner zweideutigen Haltung keine Rolle und trat erst nach Caesars Ermordung wieder im politischen Leben hervor. Im April 710 = 44 brachte er Cicero politische Nachrichten aus Rom (ad Att. XIV 7, 1. 8, 1). Während des mutinensischen Krieges wurde er mit zwei Anderen als Gesandter zu Sex. Pompeius nach Massilia geschickt (Cic. Phil. XIII 13), einen Auftrag betreffs der Truppenüberweisungen an D. Brutus erwähnt dieser in einem Brief an Cicero vom Mai 711 = 43 (ad fam. XI 19, 1). Da er dem Antrag auf Ächtung des Antonius und Lepidus beigestimmt hatte, wurde auch er auf die Proscriptionsliste gesetzt (Appian. b. c. IV 12. Plut. Ant. 19. Vell. II 67. Flor. II 16, 4. Liv. per. CXX). Doch liessen ihn die Soldaten aus Rücksicht (und vielleicht auf geheimen Befehl, so Dio) des Bruders entkommen. Er begab sich zu D. Brutus nach Asien (Dio XLVII 8, 1) und nach dessen Tode nach Milet, wo er auch nach dem Frieden und trotz der Zurückberufung durch die Triumvirn verblieben ist. (Appian. b. c. IV 37). Sein Sohn ist L. Aemilius Lepidus Paullus Nr. 82.