RE:Aemilia basilica

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band I,1 (1893), Sp. 540541
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Aemilia basilica, Halle an der Nordseite des Forum Romanum, zuerst errichtet 179 v. Chr. unter der Censur des M. Aemilius Lepidus und M. Fulvius Nobilior (Liv. XL 51, 5), daher Aemilia et Fulvia genannt (Varro l. l. VI 4: Aufstellung einer Wasseruhr in der b. A. 159 v. Chr., vgl. Plin. VII 215), ausgeschmückt von dem Consul M. Aemilius Lepidus 78 v. Chr. (Plin. XXXV 13). Dieser Bau ist auf den Münzen des Triumvirn Lepidus vom J. 61 v. Chr. (Babelon Aemilia 27. Mommsen RWM 633) als zweigeschossige Halle dargestellt. Ein prachtvoller Neubau wurde sodann mit Caesars Gelde von dem Bruder des Triumvirs, L. Aemilius Paullus Lepidus errichtet (Cic. ad Att. IV 16, 14. Plut. Caes. 29. Appian. b. c. II 26): doch benützte Lepidus dabei zum Teil Materialien vom alten Bau, u. a. die (inneren) Säulen aus Pavonazzetto [541] (Cic. ad Att. l. c. Plin. XXXVI 102; aber die vielverbreitete Ansicht, dass die grossen Pavonazzetto-Säulen in S. Paolo fuori le mura von der b. A. stammten, ist unhaltbar: de Rossi Röm. Mitt. 1888, 95). Fernere Restaurationen, immer durch Mitglieder der Gens Aemilia, werden verzeichnet im J. 34 (Dio XLIX 42) und 14 v. Chr. (nach einem Brande: Dio LIV 24), 22 n. Chr. (Tac. hist. III 72). Die Darstellung auf der traianischen Marmorschranke (Monum. dell’ Inst. IX 47. 48. Jordan Top. I 2, 219ff.) zeigt sie uns, wie auch die Schilderung des Forums bei Statius (Silv. I 1, 26) vermuten lässt, in der Architektur entsprechend der gegenüberliegenden Basilica Iulia: eine (zweistöckige) Bogenhalle, auf Pfeilern mit vorgelegten Halbsäulen. Die b. A. verzeichnet die Notitia in der 4. Region, und noch der Laterculus des Polemius Silvius (448 n. Chr.). Ein Teil ihrer westlichen Seitenfront, erst um 1504 von Bramante abgerissen, ist aus Zeichnungen der San Gallo u. a. bekannt. Hülsen Ann. d. Inst. 1884, 323ff.; Röm. Mitt. 1889, 242.

Nachträge und Berichtigungen

Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band S I (1903), Sp. 16
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S. 540, 51 zum Art. Aemilia basilica:

Die Ausgrabungen an der Nordseite des Forums 1899–1901 haben einen grossen Teil der Basilica ans Licht gebracht. Sie zeigt sich grösser als meistens bisher vorausgesetzt wurde, füllt den ganzen Raum zwischen der Strasse an der Ostseite der Curie und derjenigen an der Westseite des Faustinatempels aus und hat daher nicht regelmässig rechteckigen, sondern trapezförmigen Grundriss. Nach dem Forum Romanum zu präsentierte sie sich als zweistöckige Pfeilerhalle mit Bogen, ganz aus Marmorquadern. Den Intercolumnien dieser Halle entsprachen in der dahinterliegenden Zone rechteckige (fast quadratische) Räume aus Tuffquadern (sog. tabernae), jeder selbständig und von den benachbarten abgeschlossen, die für Handels- und Bureauzwecke gedient haben mögen (vgl. die ähnlichen an der Südseite der Basilica Iulia). Hinter diesen Tabernae liegt dann der Hauptsaal, dessen Breite 22 m. beträgt (die Länge ist noch nicht genau constatiert); er hatte den Haupteingang von Westen (Seite der Curie), an der Ostseite wahrscheinlich eine Apsis (hinter derselben vielleicht noch ein Chalcidicum?) und umlaufende Gallerien auf uncanellierten Säulen von Africano mit schönem Gebälk aus weissem Marmor. Vom Forum aus war er durch ein Portal in der Queraxe des Baus zugänglich. Diese Gestalt verdankt die Basilica ohne Zweifel den Umbauten der augustisch-tiberischen Zeit; auch die Inschrift auf zwei Fragmenten eines Epistyls aus dem Hauptsaal: .. PAVL … RESTItuit (vielleicht eher M. Aemilius Paulli f. Lepidus cos. 22 n. Chr. als Paullus Aemilius Lepidus cos. 14 n. Chr., s. Hülsen in Lehmanns Beiträgen zur Alt. Gesch. II 265) weist auf diese Zeit (von älteren republicanischen Bauten sind nur Fundamentreste gefunden). Im späten Altertum hat der Bau durch Feuer stark gelitten, vielleicht bei der Einnahme Roms durch Alarich 410; die Pfeilerhalle der Forumsfassade muss so baufällig geworden sein, dass man sie, bis auf die Eckstücke, ganz beseitigte und durch eine Halle aus roten Granitsäulen auf plumpen würfelförmigen Postamenten ersetzte. Über den endlichen Verfall der Basilica wissen wir nichts; ein festes mittelalterliches Haus, welches in die östliche Hälfte der ‚Tabernen‘-Zone eingebaut war, dürfte aus dem 7.–8. Jhdt. n. Chr. stammen. Die officielle Publication der neuen Ausgrabungen steht noch aus; einstweilen s. Not. d. scav. 1899, 200. 289f. 333–335. 384–388. Bull. comun. 1899, 140–144 (Gatti). 169204 (Lanciani). 1900, 1–8. 1901, 20–30 (Lanciani). Hülsen Röm. Mitt. 1902, 41–57.