RE:Agaue 3

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band I,1 (1893), Sp. 765–766
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3) Tochter des Kadmos und der Harmonia, Gemahlin des Sparten Echion, dem sie den Pentheus gebar. Sie verbreitete nach dem Tode ihrer Schwester Semele (s. d.) mit ihren Schwestern Ino und Autonoe das Gerücht, Semele habe sich mit einem Sterblichen vergangen und sei, weil sie Zeus als ihren Liebhaber vorgegeben, von diesem mit dem Blitze getötet worden. Für diese Schmähung seiner Mutter nahm später Dionysos, als er auf seinen Wanderzügen nach Theben gekommen war, Rache; er veranlasste die Thebanerinnen, auf dem Kithairon ein bacchisches Fest zu feiern und reizte Agaue an, ihren Sohn Pentheus, König von Theben, der sich dem Dionysosdienste widersetzt hatte, mit ihren Schwestern im Wahnsinn zu zerreissen, als er die Festfeier heimlich beobachten wollte. Agaue wird bereits von Hesiod. Theog 975f. (d. h. einem Auszug aus den κατάλογοι γυναικῶν, in denen möglicherweise die Geschichte erzählt war) genannt, dann trat sie jedenfalls im Pentheus des Aischylos (FTG 60 N.², vielleicht auch in den Bacchen frg. 22 N.) auf. Die Folgezeit ist beeinflusst durch die Bacchen des Euripides: Pacuvius Pentheus (?) TRF 111 Ribb. Ribbeck Röm. Trag. 280 (verkehrt); Accius Bacchae TRF 167–170; Röm. Trag. 569. Senec. Oed. 438 u. ö., vgl. Horat. epist. I 16, 73. Apollod. III 5, 2 (vgl. Jahn-Michaelis Bilderchron. Taf. III D. VI). Hygin. fab. 184. Paus. II 2, 6. Philostr. imag. I 18 und zum Teil Nonnos Dion. XLIV–XLVI, der daneben ein hellenistisches Gedicht benützt hat, sowie Theokrits(?) Λῆναι (XXVI; vgl. Knaack Herm. XXV 86. Maass ebenda XXVI 178). Ovid. met. III 511ff. (s. Knaack Anal. Alex. Rom. 56; von Ovid sind abhängig Schol. Verg. Aen. IV 469 = Myth. Vat. II 83). Um den grausigen Vorwurf, dass die eigene Mutter ihren Sohn zerfleischt, den sie für ein wildes Tier hält, zu mildern, lässt ein späterer, doch wohl hellenistischer Dichter, dem [766] Ps.-Oppian. Cyneg. IV 287ff. folgt, die Bacchen von Dionysos in Panther verwandeln; diese zerreissen den in einen Stier verwandelten Pentheus (deutliche Polemik gegen die ältere Sage 319). Auf eine ähnliche Version scheint Nonnos im „Traum der Agaue“ (Dion. XLIV 60f.) anzuspielen. Es gab ausserdem Tragödien von Iophon (FTG 761 N.²), Xenokles (FTG 770), Lykophron (Πενθεύς Suid.) und Pseudo-Thespis (FTG 832), die nicht mehr kenntlich sind. Später floh A. nach Illyrien, heiratete den König Lykotherses, tötete ihn aber, um ihrem Vater Kadmos (vgl. Eur. Bacch. 1330ff.) die Herrschaft über das Land zu verschaffen. Hygin. fab. 184. 240. 254. Auf der Flucht nach Illyrien rastete sie in Chaonien in einem der Artemis geheiligten Haine (Ps.-Vergil Culex 110, offenbar nach hellenistischem Vorbild; die fehlende Örtlichkeit giebt Parthen. amat. 32). Über Darstellungen der Agaue auf Kunstwerken s. O. Jahn Pentheus und die Mänaden, Kiel 1841; Archäol. Ztg. XXV (1867) T. CCXXV 1 nr. 225, dazu Arnold Festgruss der Würzb. philol. Gesellschaft an die XXVI. Philologenvers. S. 142ff. und Schlie Bull. d. Inst. 1869, 33. Dilthey Archäol. Ztg. XXVI 6ff. A. mit dem Haupt des Pentheus auf einer Münze von Amastris (Kaiserzeit) Head HN 433.

Nachträge und Berichtigungen

Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band S I (1903), Sp. 24
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S. 766, 10 zum Art. Agaue Nr. 3:

Zu einem Pantomimus A. schrieb Statius für den Tänzer Paris das Textbuch, Iuven. VII 87. Ein (spätes ?) Bühnenstück erwähnt Claudian. in Eutrop. II 364. A. mit dem blutigen Haupte ihres Sohnes bei Dracont. X 561. Die S. 766, 15ff. gemachte Combination findet sich bereits bei Unger Theban. Parad. 51; sie ist schwerlich richtig.

Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
Band S X (1965), Sp. [S_X 6]–[S_X 7]
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     S. 765, 29 zum Art. Agaue:

3) Der Dichter Statius verfaßte auch eine fabula saltica Agaue, die der Pantomime Paris (d. h. Paris II: s. u.) kaufte. etc. etc.