RE:Alkibiades 1

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band I,2 (1894), Sp. 1515–1516
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Alkibiades (Ἀλκιβιάδης). 1) Angehöriger des Eupatridengeschlechtes und Zeitgenosse des Staatsmannes Kleisthenes, mit dem er zusammen die Peisistratiden aus Athen vertreiben half (510 v. Chr.). Er wurde zum Unterschiede von seinem berühmten Enkel desselben Namens ὁ παλαιός genannt. Dieses Verwandtschaftsverhältnis wird durch das Zeugnis des Isokrates (XVI 26) nicht erschüttert, denn die von Isokrates dem jüngeren A. zugeschriebenen Worte: Ἀλκιβιάδης καὶ Κλεισθένης, ὁ μὲν πρὸς πατρός, ὁ δὲ πρὸς μητρὸς ὤν πρόπαππος τοῦ πατρὸς τοὐμοῦ treffen nur in Bezug auf Kleisthenes zu, während der hier erwähnte ältere A., wie durch andere Zeugnisse hinreichend erwiesen wird (Plat. Euthyd. 275. Lys. XIV 39. Ps.-Andok. IV 34), der Grossvater des bekannten Staatsmannes A. war; vgl. Toepffer Att. Geneal. 178. Die Beteiligung des A. an den Unternehmungen des Kleisthenes gegen die Peisistratiden überliefert Isokrates XVI 26. Vgl. Herod. V 70. Busolt Griech. Gesch. I 608. Nach Lys. XIV 39 und Ps.-Andok. IV 34 soll er zwei Mal dem Ostrakismos zum Opfer gefallen sein. Vgl. Hermann Griech. Staatsaltert. § 111, 20 (S. 426). Hertzberg Alkibiades der Staatsmann und Feldherr (Halle 1853) 20. 60. Thukydides (V 43. VI 89) berichtet, dass A. den Lakedaemoniern die Proxenie aufgesagt habe. Den Grund zu dieser Handlungsweise giebt er nicht an. Wir dürfen vermuten, dass A. sich zu derselben veranlasst fühlte, als zwischen den Alkmeoniden [1516] und dem König Kleomenes von Sparta Zwistigkeiten ausbrachen, die wohl zu der Gastfreundschaft des Isagoras mit Kleomenes Veranlassung gaben. Vgl. Herod. V 70. Arist. Ἀθ. πολ. 20. Busolt Griech. Gesch. I 610. Unsicher ist, welcher A. der Antragsteller des Volksbeschlusses war, durch den die Athener dem Lysimachos, dem Sohne des Aristeides, 100 Minen Silber, 100 Plethren mit Bäumen bepflanztes und ebensoviel kahles Ackerland auf der Insel Euboia sowie täglich 4 Drachmen Staatszuschuss zuerkannten (Plut. Arist. 27. Demosth. XX 115. Boeckh-Fränkel Staatshaush. der Ath. I 315).

Nachträge und Berichtigungen

Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band S I (1903), Sp. 61
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S. 1515, 38 zum Art. Alkibiades Nr. 1:

Die hier zusammengestellten Nachrichten verteilen sich in Wirklichkeit, wie Herm. XXXVII 1ff. erwiesen ist, auf zwei Personen, den Urgrossvater und den Grossvater des berühmten A. Jener war es, der 508 v. Chr. den Kleisthenes im Kampf gegen die Oligarchen unterstützte (Isokr. XII 26 berichtet dies ausdrücklich vom πρόπαππος, und ist ohne Grund von den Neueren eines Irrtums geziehen worden), auf diesen dagegen geht alles andere, namentlich auch die Angabe von dem Verzicht auf die Proxenie, der wohl aus Anlass des Bruches mit Sparta 460 v. Chr. stattgefunden hat. Auch der Antragsteller des Psephisma zu Gunsten des Lysimachos, des Sohnes des Aristeides (Plut. Aristid. 27. Demosth. XX 115), ist sicher der väterliche Grossvater, da der Urgrossvater den Aristeides gewiss nicht überlebt hat, der berühmte A. dagegen einen solchen Antrag erst etwa ein halbes Jahrhundert nach dem Tode des Aristeides gestellt haben könnte, was doch in keiner Weise wahrscheinlich ist.