RE:Ammonios 15

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band I,2 (1894), Sp. 18631865
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15) Aus Alexandreia, Sohn des Hermeias und der Aidesia. Schüler des Proklos in Athen, ward er zugleich mit seinem unbedeutenderen Bruder Heliodor zum Vorsteher der alexandrinischen Schule [1864] bestellt (Damask. Isid. 74. Suid. s. Ἑρμείας). Als Schulhaupt und als Schriftsteller übte er den grössten Einfluss aus. Die bedeutendsten Neuplatoniker des 6. Jhdts., Damaskios, Simplikios, Asklepios, Olympiodor, Theodotos, Johannes Philoponos sind seine Schüler, und auf Jahrhunderte hinaus reicht die Einwirkung seiner Erklärungsschriften. In der That war er ein kenntnisreicher, vielseitiger und, im Vergleich zu den Mystikern der athenischen Schule, auch ein besonnener und vorurteilsfreier Gelehrter, der zugleich als Mathematiker, Astronom, Grammatiker, Rhetor und Philosoph sich hervorthat (Damask. Isid. 79. Phot. cod. 181 p. 127 a 5. Zachar. Schol. p. 84 Boiss.). Aber das überschwängliche Lob, das ihm erteilt wird, verdient er nicht; denn er ist durchaus unselbständig und hat philosophische Erkenntnis und geschichtliches Wissen an keinem Punkte erheblich gefördert. Besonderen Eifer verwendete er auf die Erklärung aristotelischer Schriften (Damask. Isid. 79), und als Frucht dieser Bemühungen sind uns mehrere Schriften erhalten, die seinen Namen tragen. So ein Commentar zu den Kategorien und der Schrift de Interpretation (ed. Aldus, Venet. 1503. 1545), sowie zu der porphyrischen Einleitung (ed. Venet. 1500. 1545. 1546; besser herausgegeben von A. Busse Comm. in Arist. Gr. IV, 1, Berol. 1891). Handschriftlich erhalten sind Bruchstücke eines Commentars zur ersten Analytik, von denen Waitz (Organ. I p. 43) einiges mitteilt (vgl. Hayduck zu Stephanos Comm. in Arist. de interpr. p. VII). Keiner der gedruckten Commentare kann in der uns vorliegenden Gestalt von A. selbst veröffentlicht sein; denn es finden sich in ihnen oft zwei, bisweilen drei Fassungen desselben Gedankens, die nur ein Späterer, vielleicht nach verschiedenen Aufzeichnungen aus Vorlesungen des berühmten Erklärers oder als Umarbeitungen des ursprünglichen Wortlautes, zusammengestellt haben kann. Ebensowenig fehlt es an plumpen Einschiebungen, wenn man auch bei dem frühen Eindringen jüdisch-christlicher Elemente in das neuplatonische Schrifttum nicht jedes ἄγγελος als Zeichen der Unechtheit ansehen darf (Busse zu Ammon. in Porph. isag. p. V). Im übrigen weichen auch die Hss. in Bezug auf die Namen des Verfassers der Erklärungen weit von einander ab. So wird – einer Mitteilung A. Busses zufolge – der von Aldus als der des A. gedruckte Commentar zu den Kategorien von den meisten Hss. dem Philoponos, von cod. Marc. 202 dem Olympiodor und nur von wenigen dem A. (vgl. auch Buhle Aristot. opp. I p. 51), der von Brandis (Schol. Aristot. 34a 21) dem Philoponos beigelegte dagegen von der weit überwiegenden Mehrzahl der Hss. dem A. zugeschrieben. Hier kann nur eine sorgfältige Durchforschung des weitläufigen handschriftlichen Materials, wie sie von berufener Seite jetzt unternommen wird, volle Klarheit schaffen. Fest steht schon heute, dass auch jüngere Commentare zum Organon, wie die des Olympiodor, Johannes Philoponos, Elias, David, Nikephoros Blemnides, Leo Magentinos u. a. mittelbar oder unmittelbar auf A.s Erklärungen zurückgehen (s. Prantl Gesch. der Logik I 642f. Busse zu Porphyrs Einl. p. XXXVf.). Auch Asklepios Commentar zur Metaphysik ist, wie die Aufschrift lehrt, aus Vorlesungen [1865] A.s hervorgegangen. Auf Aufzeichnungen aus A.s Vorlesungen deuten ferner hin Anführungen des Simplikios im Commentar zur Physik (vgl. bes. 59, 23. 192, 14. 198, 17 Diels), Olympiodors zur Meteorologie (s. bes. I p. 133. 260. II 215 Idel.) und zum platonischen Gorgias (p. 100. 126. 153 u. s. Jahn), sowie die eines ungenannten Erklärers der Schrift de caelo im cod. Coisl. 166 (s. Schol. Aristot. 487 a 39. 495 a 24. 515 b 12 Brand.). Endlich werden Sonderschriften A.s über die Gottheit des Aristoteles (Simpl. zur Phys. 321 b; zu de cael. 486 a 32 Brand.) und über die hypothetischen Schlüsse (Cod. Paris. Gr. 2064 fol. 254r) erwähnt. Sicherlich mit Unrecht wird dagegen eine von groben geschichtlichen Irrtümern verunstaltete, oft gedruckte Lebensbeschreibung des Aristoteles A. zugeschrieben, wie schon Patrizzi (Disc. Perip. I p. 7) erkannt hat. Ueber A. und seine Schriften vgl. Brandis Über die Reihenf. d. Bücher des aristot. Org. 283f. Prantl Gesch. d. Logik I 642f. u. bes. Zeller Ph. d. Gr. III 2³ 829f.

Nachträge und Berichtigungen

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Band S III (1918), Sp. 91
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15) Nach einer noch dem Maximos Planudes vorliegenden Tradition war er der Verfasser der Ioannesparaphrase des Nonnos; vgl. Scheindlers Ausg. S. VIII 3.

[Keil.]