RE:Amphiaraia

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band I,2 (1894), Sp. 1885–1886
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Amphiaraia (Ἀμφιαράια, Ἀμφιαρᾷα, s. den Index in IGS; Ἀμφιεράων CIA III 1171. 1177b; Ἀμφιερείων CIA III 1174. 1198; Ἀμφιαιρείων CIA III 1193), Spiele zu Ehren des Amphiaraos im Amphiareion bei Oropos; fast nur (vgl. Didymos in Schol. Pind. Ol. VII 153) durch Inschriften bekannt. Die älteste unzweifelhaft auf die A. bezügliche Inschrift IGS I 414 (zwischen 366 und 338 v. Chr.) giebt eine Siegerliste, in der musische und gymnische Spiele erwähnt werden. Von jenen sind die Bezeichnungen der beiden ersten Agone nicht erhalten, im dritten wird [ῥαψ]ωιδός erwähnt, die folgenden Sieger sind: 4) κιθαριστής, 5) αὐλῳδός, 6) αὐλητής, 7) κιθαρῳδός, 8) σοφιστής (also ein Agon panegyrischer Reden, vgl. unten ἐγκώμια καταλογάδην). Theatralische Spiele wurden damals also noch nicht gegeben. Die meisten der folgenden gymnischen Agone waren dreifach: παίδων, ἀγενείων, ἀνδρῶν. Ausserdem sind noch Agone von Knaben ἀπὸ γυμνασίων genannt. Der weggebrochene Schluss zählte die Pferderennen u. s. w. auf. Sieger sind meist Athener, mehrere Argiver; auch Thessalien, Makedonien, Kolophon, Kyrene sind vertreten.

[1886] Nach dem attischen Volksbeschluss IGS I 4253 vom J. 332/1 hat der Athener Φανόδημος Διύλλου eine Neuordnung der Opfer und Spiele im Amphiareion durchgeführt: das Fest war eine πεντετηρίς (Z. 13). Ein anderes ψήφισμα IGS 4254 vom J. 329/8 ergiebt, dass die Athener zehn Männer gewählt hatten ἐπὶ τὴν ἐπιμέλειαν τοῦ ἀγῶνος καὶ τῶν ἄλλων τῶν περὶ τὴν ἑορτὴν τοῦ Ἀμφιαράου, und zählt als Programm dieser πεντετηρίς auf: πομπὴ τῷ Ἀμφιαράῳ und ἀγῶνες γυμνικοὶ καὶ ἱππικοὶ καὶ τῆς ἀποβάσεως (d. i. Abspringen in Rüstung vom fahrenden Wagen). Ein Weihgeschenk für einen Sieg letzter Art ist das berühmte, früher auf die Niederfahrt des Amphiaraos gedeutete Relief aus Oropos Monum. d. Inst. IV 5; vgl. Körte Athen. Mitt. III 410. Collignon Bull. hell. VII 458. Ein ähnliches Relief, auf dem Νίκη die Zügel[WS 1] führt, ist erwähnt Πρακτικὰ τῆς ἀρχ. ἑταιρ. 1886, 56.

Durch Sulla erhielten die A. neuen Aufschwung, indem dieser dem Amphiareion sämtliche Einkünfte aus Stadt, Land und Häfen von Oropos zuwandte εἰς τοὺς ἀγῶνας καὶ τὰς θυσίας, ἃς Ὠρώπιοι συντελοῦσι θεῷ Ἀμφιαράῳ, ὁμοίως δὲ καὶ ἃς ἂν μετὰ ταῦτα ὑπὲρ τῆς νίκης καὶ τῆς ἡγεμονίας τοῦ δήμου τῶν Ῥωμαίων συντελέσουσιν (Senatsdecret vom J. 73 v. Chr. Z. 47ff. IGS 413). Dementsprechend heissen die Feste fortan Ἀμφιαρᾶα καὶ Ῥώμαια IGS I 419. 420; vgl. die Inschrift aus Halikarnass bei Dittenberger Syll. 398. Die Siegerlisten dieser späteren Agone IGS 416–420 zeigen gegen die älteren eine Bereicherung der musischen Wettkämpfe besonders durch theatralische Spiele. Die ersten Sieger sind σαλπιστής, κήρυξ. Es folgen ἐγκώμια καταλογάδην (λογικά nr. 3) und ἐπικά, daneben ist 416 Z. 13 noch ein ποιητὴς ἐπῶν genannt. Darauf musische Agone wie früher, dann Satyrspiel, neue Tragödie und Komödie, bei denen Dichter und Schauspieler kämpften; in 419 und 420 auch alte Tragödie und alte Komödie. Die vollständig erhaltene Liste der gymnischen Spiele (nr. 1) lässt die Kämpfe der Knaben ἀπὸ γυμνασίων vermissen, zeigt aber eine lange Reihe von Agonen mit Pferd und Wagen, zum Schluss auch die ἀπόβασις. Die Liste schliesst mit einem Sieger der εὐαγγέλια τῆς Ρω[μαίων νίκης]; vgl. ἐπινίκιον 416 Z. 31. Während der Spiele wurden Ehrendecrete der Oropier publiciert, IGS 411. Die Athener treten in diesen Listen ganz zurück, aus allen Teilen Griechenlands sind Kämpfer verzeichnet. Vgl. Dittenberger Syll. 398. IGS 48. Die Spiele leitete ein Agonothet, IGS 419. 420. Auch trugen sie wohl zur Ausrüstung bei: ein Agonothet hat das προσκήνιον des Theaters gebaut, Πρακτικά 1886, 53. In den attischen Ephebeninschriften der Kaiserzeit erscheinen Agonotheten für die A. CIA III 1171. 1173. 1174. 1177. 1193. 1198. Dürrbach De Oropo et Amphiarai sacro, Paris 1890.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Ziegel.