RE:Anker

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band I,2 (1894), Sp. 2219–2220
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Anker (ἄγκυρα, ancora). Als A. gebrauchte man in den ältesten Zeiten schwere Steine (εὐναί Od. IX 137. XV 498; Il. I 436), bei den Deutschen Senchilsteine (d. h. Senksteine) genannt, an deren Stelle sich die Römer, wie Arrian an. V 7, 2 bei der Schilderung eines Schiffbrückenbaues nach römischer Art berichtet, pyramidenförmig gestalteter, mit Feldsteinen gefüllter Korbgeflechte bedienten. Der eigentliche A. in unserem Sinne, welcher anfangs, da man dickere Eisenmassen noch nicht zu schmieden verstand, aus Holz, teilweise ausgehöhlt und mit Blei ausgegossen war (vgl. Apoll. Rhod. I 955. Arr. peripl. 5. Athen. V 208 E), bestand aus einem starken Schafte, an dessen unterem Ende zwei in dreieckige Schaufeln [2220] auslaufende Arme angeschmiedet waren, während sich am oberen ein Ring für das Ankerkabel befand. Während die Erfindung eiserner A., die anfänglich einarmig waren (ἑτερόστομοι, Poll. I 9), von Plin. n. h. VII 57 dem Tyrrhener Eupalamos, von Paus. I 4, 5 dem phrygischen Könige Midas zugeschrieben wird, soll die Vervollkommnung des A. durch Hinzufügung des zweiten Armes (δίστομοι, ἀμφίβολοι) nach Strab. VII 303 (vgl. Schol. Apoll. Rh. I 1277) ein Verdienst des Skythen Anacharsis gewesen sein. Um den A. dazu zu zwingen, Grund zu fassen, muss er mit einem quer, senkrecht zur Ebene der Arme stehenden Stocke (Ankerstock) versehen sein. Sobald nämlich das Kabel angeholt wird, legt sich der Stock flach auf den Grund, während der untere der infolgedessen aufrecht stehenden Arme sich unter der Wirkung der Zugkraft mit seinem schaufelartigen Ende in den Grund eingräbt. Scheffers (De milit. nav. II 5) selbst von Boeckh (Urkund. 166) gebilligte Meinung, dass der A. des Altertums keinen Stock besessen habe, ist schon von Smith (Üb. d. Schiffb. d. Griech. u. Römer, übers. v. Thiersch 28) widerlegt worden. Die ,Alexandreia‘ des Hieron hatte nach Athen. V 208 E vier hölzerne und acht eiserne A., während die attischen Trieren gewöhnlich zwei in der älteren Zeit auch vier erhielten (Boeckh Urk. 166). Ein solcher hatte nach Boeckh nur ein Gewicht von etwas über 20 Kg. Der schwerste Notanker hiess nach Luk. Iupp. trag. 51 ἱερὰ ἄγκυρα. In der Regel liess man den A. vom Vorschiffe fallen, wo er, um von der Schiffswand freigehalten zu werden, an einem der seitlich herausragenden Krahnbalken (ἐπωτίδες) aufgehängt war. Mitunter wurde jedoch vom Hinterschiff aus geankert, wie ausser Polyaen. III 9, 63 und Appian. Pun. 123 auch Apostelgesch. 27, 29 (Schiffbruch des Paulus) darthut (vgl. Smith a. a. O. 27). Vgl. besonders Breusing Naut. d. Alt. 107ff. Assmann bei Baumeister Denkm. III 1614.