RE:Annius 121

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
fertig  
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Band I,2 (1894), Sp. 2313–2314
Faustina die Jüngere in der Wikipedia
GND: 118532111
Faustina die Jüngere in Wikidata
Linkvorlage für WP   
* {{RE|I,2|2313|2314|Annius 121|[[REAutor]]|RE:Annius 121}}        

121) Annia Galeria Faustina (minor), Gemahlin des Kaisers M. Aurelius (Annia Faustina Hist. Aug. Marc. 1, 8. Inschrift von Olympia, Arch. Ztg. 1878, 103. Münzen Eckhel VII 81f.; Galeria Faustina iunior Eutrop. VIII 10; zum Unterschied von ihrer gleichnamigen Mutter zuweilen Faustina iunior, CIL VI 10222, Φαυστεῖνα Νέα, Eckhel VII 81f. oder Faustina Pia, Röm. Mitt. II 1887, 205f.), Tochter des Kaisers Antoninus Pius und der Annia Galeria Faustina (maior), vgl. z. B. Hist. Aug. Pius 1, 6–7. 10, 2; Marc. 1, 8. Dio LXXI 22, 3. Die Münzen bei Eckhel VII 76ff. Cohen II² 412f. 442. III² 135ff.; von Inschriften z. B. Dessau 380. CIL III 1449 u. s. w. Sie war zuerst mit dem jungen L. Ceionius Commodus, dem späteren Kaiser L. Verus, verlobt; aber unmittelbar nach Hadrians Tode (10. Juli 138) wurde diese Verlobung aufgehoben und die junge Prinzessin mit dem zum Thronfolger bestimmten M. Aurelius Caesar verlobt (Hist. Aug. Marc. 6, 2. 16, 7; Verus 2, 3; Hel. 6, 9). Von ihrem Vater wurde sie sehr geliebt; denn von ihr (nicht der schon im J. 141 gestorbenen Gemahlin, vgl. Mommsen Herm. VIII 1874, 204) schreibt Pius im J. 143: mallem mehercule Gyaris cum illa quam sine illa in Palatio vivere (Fronto p. 164 Naber). Im J. 145 fand die feierliche Vermählung des kronprinzlichen Paares statt (Hist. Aug. Pius 10, 2; Marc. 6, 6. 1, 8; vgl. oben S. 2286); im nächsten Jahre wurde die Ehe mit einer Tochter gesegnet (wahrscheinlich Annia Galeria Aurelia Faustina Nr. 119). Dieses frohe Ereignis gab dem Kaiser Pius Anlass, am 10. December 146 seinem Schwiegersohn die tribunicia potestas und wahrscheinlich gleichzeitig seiner Tochter den Titel Augusta zu verleihen (vgl. Marc. 6, 6); jedenfalls führt sie ihn schon in einer Inschrift vom 10. tribunicischen Jahre des Pius, 10. December 146–147 (Dessau 380) und in Münzen vom 12. tribunicischen Jahre, 10. December 148–149 (Eckhel VII 77. Cohen II² 412); ausserdem vgl. von Inschriften z. B. CIL VI 360 = Dessau 366. IX 234 = Dessau 379. X 5824 = Dessau 381. VIII Suppl. 12289. IX 1163. VIII 5525. XV 133f. 161. 186. 211. 398ff. 620f. 719–730. Kaibel IGI 1050 u. s. w.; von Münzen Cohen III² 127ff. 135–169 ; alexandrinische bei Mionnet VI 309–319 nr. 2131–2212; Suppl. IX 95–98 nr. 407–430. Catalogue of greek coins in the British Museum, Alexandria p. 160–166; vgl. v. Sallet Daten d. alexandr. Kaisermünzen 39f. Auch in den Briefen des Fronto wird sie öfters erwähnt: p. 37–39. 79f. 83. 86. 89ff. 94. 99 Naber. Sie hatte mindestens 13 Kinder (vgl. fecunditas Augustae, Eckhel VII 78. Cohen III² 143f. nr. 93–105), die oben S. 2287 aufgezählt sind. Ihre Tochter Annia Lucilla (Nr. 123) scheint sie nach ihrer Vermählung (164 n. Chr.) im Osten besucht zu haben (vgl. Fronto an Verus p. 132 Naber: Socrum [2314] et liberos vestros saluta). Die zweite Vermählung der Lucilla mit Ti. Claudius Pompeianus im J. 169 sah sie sehr ungern (Marc. 20, 7). Sie begleitete ihren Gemahl mit ihrem jüngsten Töchterchen in das Feldlager nach Pannonien (Philostr. v. soph. II 1, 11 p. 67f. Kayser. Hist. Aug. Marc. 26, 8). Nach dem unerwarteten Siege über die Quaden im Sommer 174 erhielt sie zuerst den Titel mater castrorum (Dio LXXI 10, 5. Hist. Aug. Marc. 26, 8. Eckhel VII 79. 81. Cohen III² 149 nr. 159–167. CIL XIV 40). Im Frühjahr 175 schickte sie, wie erzählt wird, bei einer schweren Krankheit ihres Gemahls heimlich die Aufforderung an Avidius Cassius in Syrien, für den Fall des Todes ihres kaiserlichen Eheherrn mit ihrer Hand zugleich die Herrschaft in Besitz zu nehmen (Dio LXXI 22, 3. Hist. Aug. Marc. 24, 6; Avid. Cass. 7, 1). Der Briefwechsel des Marcus und der Faustina aus diesem Jahre, der sich in der Vita des Avidius Cassius findet, ist wohl gefälscht (vgl. oben S. 2280). Nach der Erhebung und Ermordung des Avidius Cassius begleitete Faustina im Sommer 175 ihren Gemahl nach Syrien und Ägypten, starb aber auf dem Rückwege im J. 176 (vgl. die Münzen dieses Jahres: Eckhel VII 79. Cohen III² 127; dagegen wird die Münze vom J. 177 bei Cohen III² 128 verlesen sein) in dem Dorfe Halala am Fusse des Taurus in Kappadokien (Marc. 26, 4) an einer plötzlichen Erkrankung oder, wie man sich zuflüsterte, durch Selbstmord (Dio LXXI 29, 1). Sie wurde von Marcus heftig betrauert (Dio LXXI 30, 1. Philostr. vit. soph. II 1, 12 p. 70 Kayser. Iulian. Caes. 312 B). Auf seinen Antrag bewilligte ihr der Senat göttliche Ehren (Hist. Aug. Marc. 26, 5. 7. Iulian. Caes. 334 B; consecratio Eckhel VII 81. Cohen III² 141f. nr. 65–83); sie wurde nicht nur diva, sondern auch Pia genannt (Eckhel VII 81. Cohen III² 141 nr. 65ff. 149 nr. 159ff. 153 nr. 212ff. CIL IX 1113. VI 1019 = Dessau 382. Röm. Mitt. II 1887, 205f.). Das Dorf, in dem sie gestorben war, wurde von Marcus zur Colonie (Faustinopolis ?) erhoben (Marc. 26, 9) und ihr daselbst ein Tempel errichtet (Hist. Aug. Marc. 26, 5. 9; Carac. 11, 7). Es wurden ihr Priesterinnen eingesetzt (CIL V 7617. Röm. Mitt. II 1887, 205f.) und zu ihrem Andenken neue puellae Faustinianae gestiftet (Hist. Aug. Marc. 26, 6. CIL VI 10222). Ihr goldenes Bild sollte zu den Vorstellungen ins Theater gebracht werden (Dio LXXI 31, 2). Im Tempel der Venus in Rom wurde von dem Senate ihr und Marcus eine silberne Bildsäule und ein Altar aufgestellt, wo alle Brautleute vor der Hochzeit opfern sollten (Dio LXXI 31. Eckhel VII 81). Sie soll ihrem Gemahl nicht treu gewesen sein (vgl. die Klatschgeschichten: Hist. Aug. Ver. 10, 1. 5; Marc. 19, 1–11. 23, 7. 29, 1–3. Vict. Caes. 16, 2), Marcus aber ihre Untreue mit stoischem Gleichmut ertragen haben (Dio LXXI 34, 3. Hist. Aug. Marc. 23, 7. 29, 3. Iulian. Caes. 312). Als man ihm die Scheidung von ihr nahe legte, soll er gesagt haben: si uxorem dimittimus, reddamus et dotem, worunter er die Herrschaft verstand (Marc. 19, 8–9). Vgl. Lacour-Gayet Antonin le Pieux 1888, 460f.