RE:Annius 94

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band I,2 (1894), Sp. 22792309
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94) M. Annius Verus, als Kind (M. Annius?) Catilius Severus, als Caesar M. Aelius Aurelius Verus Caesar, als Augustus Imp. Caes. M. Aurelius Antoninus Aug., römischer Kaiser vom 7. März 161 bis 17. März 180 n. Chr.

I. Quellen.

a) Die angebliche eigene Lebensbeschreibung des Marcus (τοῦ ἰδίου βίου ἀγωγὴ ἐν βιβλίοις ιβ', Suid. s. Μάρκος) ist nichts anderes als die erhaltene Schrift εἰς ἑαυτόν in 12 Büchern (s. u.). Das erste Buch giebt einen Überblick über seine Jugendentwicklung und über das, was er seinen Verwandten und Lehrern zu verdanken habe. Die übrigen Bücher enthalten Aphorismen, die uns sein inneres Leben und seine stoische Weltanschauung offenbaren. Das Werk ist griechisch geschrieben, das erste Buch im Gebiet der Quaden am Granflusse (I a. E.), also nach dem J. 166 (wahrscheinlich auch nach dem J. 169) und vor dem Tode seiner Gemahlin (I 17), also vor dem J. 176; das zweite Buch in Carnuntum (II a. E.) um 170–174; das achte Buch nach dem Tode des Verus im J. 169 (VIII 25. 37).

b) Die erhaltenen Briefe des Marcus zerfallen [2280] in echte und unechte:

α) Echt sind: 1) Die Briefe an seinen Lehrer M. Cornelius Fronto, zuletzt herausgegeben von S. A. Naber, Leipzig 1867 (im folgenden nach der Seitenzahl dieser Ausgabe citiert), vgl. Mommsen Chronologie der Briefe Frontos, Herm. VIII 1874, 198–216. Von den fünf Büchern epistularum ad M. Caesarem et invicem (p. 3–37. 40–93) ist das erste Buch (I 1–7) vor dem 1. Juli 143 geschrieben (vgl. p. 23); das zweite (I 8. II 1–15) unter Frontos Consulat, Juli-August 143 (II 16. 17 sind an den Kaiser, nicht an den Caesar gerichtet); das dritte zwischen 143 und 145; das vierte 145–146, da Marcus (p. 72) eine Tochter hat und sich 25jährig nennt (p. 75); das fünfte in der späteren Caesarzeit des Marcus (146–161). Von den ursprünglich fünf Büchern (Charisius, citiert von Naber 262) epistularum ad Antoninum imperatorem et invicem sind uns erhalten: das erste Buch (p. 94–104), geschrieben 161–162; der Schluss des zweiten Buches (p. 37–39) und Reste aus dem zweiten und späteren Büchern (p. 104–112), geschrieben um 162–166. Einzelne Briefe des Marcus finden sich ausserdem in den Specialcorrespondenzen über den ἐρωτικός (p. 252–254, aus dem J. 143?), de feriis Alsiensibus (p. 223–231) und de nepote amisso (p. 231f.). 2) Ein inschriftlich erhaltener Brief an Smyrna vom 28. März 147, CIG II 3176. 3) Bruchstücke von Briefen an den Senat (Dio LXXI 30, 1–2 und Bd. V p. 206f. Dind.) und an Ti. Claudius Atticus Herodes (Philostr. vit. soph. II 1, 12 p. 70 Kayser), beide vom J. 176. Im allgemeinen vgl. Dio LXXI 36, 2 und Philostrat. διάλεξις I p. 258 Kayser.
β) Unecht sind: 1) Die in den Scriptores historiae Augustae sich findenden Briefe an Verus (Avid. Cass. 2), an Faustina (Avid. Cass. 9, 7–12. 11, 3–8), an den Senat (Avid. Cass. 12, 2–10), an Cornelias Balbus (Pesc. Nig. 4, 1–3), an praefecti (Avid. Cass. 5, 5–12; Clod. Alb. 10, 6–8. 10, 10–12). Vgl. hierüber C. Czwalina De epistularum actorumque, quae a scriptoribus hist. Aug. proferuntur, fide atque auctoritate, Bonn 1870. Rübel De fontibus quattuor priorum hist. Aug. scriptorum, 1872. E. Klebs Rh. Mus. XLIII 1888, 328–346. 2) Der Brief über die Schonung der Christen, angeblich vom J. 161, Iustin. apol. I a. E. Euseb. hist. eccl. IV 13; vgl. chron. a. Abr. 2189 u. a. 3) Der Brief an den Senat über die angebliche Errettung seines Heeres durch das Gebet der Christen im J. 174, Iustin. apol. II a. E. Hänel Corpus legum p. 121; vgl. Tertullian. apologet. 5. Euseb. hist. eccl. V 5. Xiphilin. bei Dio LXXI 9, 6 u. a.

c) Von den Reden des Marcus sind nur wenige Bruchstücke erhalten: Fragm. Vatic. 195 (vom 6. Jan. 168). CIL II Suppl. 6278, 28ff. Fronto p. 98f. (über Cyzicus, um 161–162); denn die ihm von Dio (LXXI 24–26; vgl. Hist. Aug. Marc. 25, 10) und Herodian (I 4, 2–6) in den Mund gelegten Reden vom J. 175 und 180 sind wohl freie Erfindungen der Schriftsteller. Ausserdem werden noch Reden von ihm erwähnt bei Fronto p. 46. 55f. 96f. p. 77f. p. 121ff. p. 153. Hist. Aug. Pertinax 2, 7–9. Dio LXXI 32, 1 = Bd. V p. 207 Dind.

d) Die Erlasse und Verordnungen aus der Zeit des Marcus sind ausführlich zusammengestellt. [2281] von Hänel Corpus legum, Leipzig 1857, 114–132.

e) Die wichtigsten Inschriften aus der Zeit des Marcus bei H. Dessau Inscriptiones Latinae selectae I Brl. 1892, nr. 353–388. 1084–1119. Im übrigen vgl. besonders die Indices des CIL.

f) Die Münzen des Marcus bei Eckhel VII 43–76. Cohen II² 409–412 nr. 1–44. III² 1–126 nr. 1–1220 (diese im folgenden nur nach den Nummern citiert); die alexandrinischen Münzen bei Mionnet VI 288–309 nr. 1976–2130; Suppl. IX 88–95 nr. 364–406; vgl. v. Sallet Daten der alexandr. Kaisermünzen 1870, 38f.

g) Alte Litteratur: Xiphilins Epitome und verschiedene Excerpte aus Cassius Dio Buch LXXI, vgl. auch Bd. V p. 206f. Dind. Zonar. XII 1–3. Suid. s. Μάρτιος und sonst. Herodianus τῆς μετὰ Μάρκου βασιλείας ἱστοριῶν I 2–4. Vita Marci Antonini philosophi, angeblich verfasst von Iulius Capitolinus, in den Scriptores historiae Augustae; vgl. auch die Lebensbeschreibungen des Hadrianus, Antoninus Pius, L. Verus, Avidius Cassius, Commodus u. a. (im folgenden citiert als Marc., Hadr., Pius u. s. w.). Eutropius VIII 9–14, vgl. Victor epitome 16. Eusebius-Hieronymus chronicorum II a. Abr. 2177–2195 p. 170–173 Schoene. Orosius VII 15. Cassiodori chronicon. Chronographus anni 354, herausgegeben von Mommsen Chronica minora I 1, 147. Victor de Caesaribus 16. Iulianus Apostata, Caesares p. 312. 317. 328. 333ff. Ob sich die Rede des Aelius Aristides εἰς βασιλέα (or. IX, Bd. I 98ff. Dind.) auf Antoninus Pius (so Jebb, Sievers, Waddington, Herzog St.-V. II 1, 379, 4) oder auf Marcus so Canter, Fabricius, Schmid Rh. Mus. XLVIII 1893, 83) bezieht, ist zweifelhaft.

h) Neue Litteratur: De Suckau Étude sur Marc-Aurèle, sa vie et sa doctrine, Paris 1857. M. Noel des Vergers Essai sur Marc Aurèle d’après les monuments épigraphiques, Paris 1860. M. Königsbeck De Stoicismo Marci Antonini, Königsberg. Diss. 1861. E. Zeller Vorträge und Abhandlungen geschichtlichen Inhalts, Leipzig 1865, 82–107: M. Aurelius Antoninus. E. Müller Marc Aurel in seinen Briefen an Fronto, Ratibor. Progr. 1869. E. Napp De rebus imperatore M. Aurelio Antonino in oriente gestis, Bonn. Diss. 1879. E. v. Wietersheim Geschichte der Völkerwanderung I², Leipzig 1880, 118–140. H. Schiller Geschichte der römischen Kaiserzeit I 2, Gotha 1883, 635–660. E. Renan Marc Aurèle et la fin du monde antique⁵, Paris 1883 (Histoire des origines du christianisme VII). P. B. Watson Marcus Aurelius Antoninus, New-York 1884 (ausführlichstes Werk, wo Seite 318–323 die Litteratur über Marcus zusammengestellt ist). E. Herzog Geschichte und System der römischen Staatsverfassung II 1, Leipzig 1887, 379–407. Conrad Mark Aurels Markomanenkrieg, Neu-Ruppin. Progr. 1889.

II. Leben vor der Thronbesteigung.

a) Marcus bis zu seiner Erhebung zum Caesar: 121–139.

Am 26. April 121 n. Chr. (Marc. 1, 5. Orelli 1104, vgl. CIL XII 5905. Dio LXXI 34, 5) wurde Marcus in Rom auf dem Mons Caelius (vgl. Fronto p. 31) geboren (Marc. 1, 5), als Sohn des Annius Verus (Nr. 91) und der Domitia Lucilla (Marc. [2282] 1, 1. 3, wo fälschlich Calvilla steht. 6, 9; Did. Iul. 1, 3. CIL XV 1025f.). Er führte zuerst den Namen seines mütterlichen Urgrossvaters Catilius Severus (Marc. 1, 9; Κατίλιος auch Dio LXIX 21, 1; Σεβῆρος auch Galen. VII 478 Kühn, wo freilich der Name Verus gemeint sein wird, da auch Lucius nach seiner Thronbesteigung den Namen Severus erhalten haben soll), so dass sein ganzer Name ursprünglich M. Annius Catilius Severus gelautet haben mag. Zuerst wuchs er in seinem Vaterhause auf (Marc. 1, 7). Im Alter von sechs Jahren (126–127 n. Chr.) wurde er von Hadrian in den Ritterstand (Marc. 4, 1), im Alter von acht Jahren (128–129) zum Salier erhoben (Marc. 4, 2–4). Damals muss sein Vater noch gelebt haben (Dionys. II 71; vgl. Marquardt St.-V. III² 428). Plötzlich aber starb der Vater während seiner Praetur (Marc. 1, 1) um 130 n. Chr., und nun nahm ihn sein väterlicher Grossvater M. Annius Verus (Nr. 93) zu sich in sein Haus, das neben dem Laterangebäude lag (Marc. 1, 7), und adoptierte ihn (Marc. 1, 10), so dass der Knabe nunmehr (um 130 n. Chr.) die Namen seines Grossvaters M. Annius Verus erhielt (Dio LXIX 21, 1; vgl. LXX 2, 2. Marc. 1, 10; Pius 6, 10).

Nach dem Willen seines mütterlichen Urgrossvaters (Catilius Severus) wurde er nicht in öffentliche Schulen geschickt, sondern genoss zu Hause den Unterricht tüchtiger Lehrer (εἰς ἑ. I 4). In den Elementen unterwiesen ihn Euphorion, Geminus und Andron (Marc. 2, 2), in der griechischen Grammatik Alexander aus Cotiaeum (εἰς ἑ. I 10. Marc. 2, 3), in der lateinischen Trosius Aper, Polio (vgl. Fronto p. 17. 34) und Eutychius Proculus (vgl. Fronto p. 198), Marc. 2, 3. 5. Der Philosophie führte ihn zuerst Diognetus zu (εἰς ἑ. I 6), bei dem er auch Unterricht im Malen gehabt haben soll (Marc. 4, 9). Dieser befreite ihn vom Aberglauben, lehrte ihn als Knabe Dialoge schreiben und bewirkte, dass er kein anderes Nachtlager haben wollte als Bretter und Tierfell und Philosophenart annahm (εἰς ἑ. I 6); dies geschah zu Beginn seines zwölften Lebensjahres, 132 n. Chr. (Marc. 2, 6). Jedoch scheint er dann die philosophischen Studien vorläufig beiseite gesetzt zu haben, da er mit 25 Jahren darin noch keine erheblichen Fortschritte gemacht zu haben bekennt (Fronto p. 75).

Schon als Knabe zeigte Marcus so gewinnende Eigenschaften, dass er von allen Altersgenossen geliebt wurde (Dio LXXI 35, 2f.). Besonders aber fand der Kaiser Hadrian Gefallen an dem ernsten (Marc. 2, 1. Eutrop. VIII 11 = Epitome 16, 7), wahrheitsliebenden (Fronto p. 29. 34. 49) Knaben und nannte ihn scherzweise Verissimus (Dio LXIX 21, 2. Marc. 1, 10. 4, 1; Diadum. 6, 5), ein Name, den er auch noch zuweilen als Caesar führt (griech. Münzen Eckhel VII 69. Iustin. apol. I 1).

Im 15. Lebensjahre (26. April 135–136) erhielt Marcus die Toga virilis und wurde statim nach Hadrians Wunsch mit einer Tochter des L. Ceionius Commodus (wahrscheinlich der Fabia, vgl. Marc. 29, 10; Verus 10, 3–4) verlobt (Marc. 4, 5. 2, 7), ohne Zweifel nach der Adoption desselben durch Hadrian, die zwischen dem 19. Juni (CIL VI 10242) und 29. August 136 (alexandr. [2283] Münze, vgl. unter L. Ceionius Commodus) stattfand, also in der 2. Hälfte des J. 136. Damit gab Hadrian schon damals zu erkennen, dass er ihn zum Nachfolger wünschte; nur seiner Jugend wegen bestimmte er ihn nicht zum ersten, sondern zum zweiten Nachfolger. Nec multo post, also wohl im J. 137, wurde Marcus praefectus feriarum Latinarum (Marc. 4, 6). Post hoc (137–138) trat er sein ganzes väterliches Vermögen an seine Schwester Annia Cornificia Faustina (Nr. 109) ab (Marc. 4, 7, vgl. εἰς ἑ. I 17).

Am 1. Januar 138 starb L. Aelins Caesar (Hel. 4, 7; Hadr. 23, 16), und am 25. Februar (Pius 4, 6) adoptierte Hadrian den Oheim des Marcus, T. Aurelius Fulvus Boionius Arrius Antoninus, unter der Bedingung, dass dieser seinerseits seinen Neffen Marcus und den Sohn des L. Aelius, L. Ceionius Commodus, adoptierte (Dio LXIX 21, 1. LXXI 1, 1. Pius 4, 5; Hel. 5, 12. 6, 9. 7, 2; Verus 2, 2; Severus 20, 1; Marc. 5, 1ff., wo fälschlich Commodus als Adoptivsohn des Marcus hingestellt wird; Hadr. 24, 1, wo die Namen verwirrt sind). Infolge dieser Adoptionen erhielten Antoninus den Namen T. Aelius Caesar Antoninus (Cohen II² 407, 1–3), Marcus den Namen M. Aelius Aurelius Verus (s. u.; vgl. Marc. 5, 5; dass Marcus auch den Namen M. Boionius geführt, sagt nur Victor Caes. 16, 1) und Commodus den Namen L. Aelius Aurelius Commodus (z. B. CIL VIII 50. III in Suppl. 8394). Bald nach der Adoption, die Marcus sich nur ungern gefallen liess (Marc. 5, 4), wurde er auf Antrag Hadrians trotz seines jugendlichen Alters zum Quaestor designiert (Marc. 5, 6; Pius 6, 9f. 10, 3). Hadrian starb am 10. Juli 138 in Baiae. Da Antoninus Pius sich dorthin begeben hatte, so war Marcus die höchste Person in Rom und ordnete als solche die Trauerfeierlichkeiten an (Marc. 6, 1). Bald nach der Rückkehr des Pius wurde die Verlobung des Marcus mit (Fabia), der Tochter des L. Aelius, und ebenso die Verlobung des Commodus mit Annia Galeria Faustina, der Tochter des Pius, aufgehoben und nunmehr Marcus mit Faustina verlobt (Marc. 6, 2; Verus 2, 3). Auch diese neue Verlobung des Marcus scheint noch von Hadrian, der dadurch seinen Liebling nach dem Tode des L. Aelius wiederum in das nächste verwandtschaftliche Verhältnis mit seinem Thronfolger bringen wollte, bestimmt worden zu sein (so lassen sich die zum Teil widersprechenden Angaben Hel. 6, 9; Marc. 2, 7. 4, 5. 6, 2. 16, 7; Verus 2, 3 vereinigen).

Am 5. December (vgl. Mommsen St-R. I³ 606) des J. 138 trat Marcus die Quaestur an und gab sofort (in demselben December) ein Gladiatorenspiel (Marc. 6, 1). Als Quaestor (5. Dec. 138–4. Dec. 139), vix dum pueritiam egressus, hielt er nach Mommsens Ansicht (Herm. VIII 1874, 210f.) die Rede im Senat, die Fronto (p. 96f.) erwähnt. Ist dies der Fall, so war damals M. Cornelius Fronto schon einige Zeit hindurch der Lehrer des Prinzen. Es ist aber möglich, dass die erwähnte Rede erst später (etwa Anfang 145) gehalten ist (vgl. Fronto p. 97 mit p. 46 und 55) und Fronto seinen Unterricht in der Rhetorik nicht allzulange vor dem J. 143 begonnen hat (da aus der Zeit vor dem 1. Juli 143 nur sieben Briefe des Marcus und Fronto erhalten [2284] sind, vgl. o. I b α 1). Dass Fronto der Lehrer des Marcus und seines Adoptivbruders L. Verus gewesen, ergiebt sich nicht nur aus dem erhaltenen Briefwechsel, sondern auch aus der Inschrift von Pisaurum Orelli 1176, sowie aus den Stellen εἰς ἑ. I 11. Dio LXXI 35, 1. Marc. 2, 4–5. Eutrop. VIII 12. Euseb. Hieron. chron. a. Abr. 2180. Noch als Quaestor, also vor dem 5. December 139, wurde Marcus von seinem Adoptivvater Antoninus Pius zum Consul für das nächste Jahr (140) designiert (Pius 6, 9; Marc. 6, 3) und zum Caesar erhoben (vgl. die Münzen mit Aurelius Caes. Aug. Pii f. cos. des., Cohen II² 409,1–12).

b) Marcus als Caesar ohne tribunicia potestas: 139–146.

Als Caesar heisst Marcus vollständig: M. Aelius Aurelius Verus Caesar imp(eratoris) T. Aelii Caesaris Hadriani Antonini Augusti Pii patris patriae filius, divi Hadriani nepos, divi Traiani Parthici pronepos, divi Nervae abnepos (CIL III 3007 vom J. 145–146). Einmal wird uns auch der Name der Tribus, in die er mit seiner Adoption übergetreten war, Papiria, genannt (in dem Senatsbeschluss über Cyzicus, CIL III Suppl. 7060, vgl. Mommsen St.-R. II³ 766, 5). Die verschiedenen Kürzungen des Namens sind, wenn wir den meist hinzugefügten Vatersnamen fortlassen, folgende: M. Aelius Aurelius Verus Caesar (CIL III Suppl. 9995. VIII 10592; Suppl. 11320 = 229 = Dessau 354, vgl. VIII Suppl. 11319 c = 228. 14555. VI 1984. CIG 1318, wo statt Λ. zu lesen M.), M. Aelius Aurelius Caesar (CIL IX 5354 = Dessau 353. VI 159. VIII 800. X 1562. XIV 100. 246. 2795. Eph. ep. VIII p. 331 nr. 15. Kaibel IGI 1054a. 1056), M. Aurelius Verus Caesar (CIL II 1169 = Dessau 355. II 1643. 3392. III 6162. X 7473. Le Bas III 494. Arch. Ztg. 1878, 103; griech. Münzen Eckhel VII 69), M. Aurelius Caesar (CIL VI 1008. 1009. 1010 = Dessau 356. III 860. VIII 1016. 2363. 4586. 10558. IX 234. 4957. XIV 2461. CIG II 3176. IGI 1052. IGS I 75. Münzen vom J. 149, Cohen 15. 16. 68. 633. 827. Fronto p. 30. 33), Aurelius Caesar (CIL XIV 4089, 5. Kaibel IGI 1050; die Münzen, ausser einigen vom J. 149. Fronto p. 20), M. Caesar (Fronto meistens) oder endlich nur Marcus (Fronto p. 152. 161 und sonst). Dagegen ist Verus allein für ihn nicht üblich (doch vgl. CIL V 6573. Fronto p. 30. Euseb. hist. eccl. IV 13 und sonst). Da die Namen Aelius und Verus nach dem J. 146 nur noch vereinzelt nachweisbar sind (so im dritten Consulat 161 n. Chr., CIL VI 1984), so scheint es fast, als habe Marcus mit der Annahme der tribunicia potestas sich auf den kürzeren Namen M. Aurelius Caesar beschränkt (vgl. auch Dessau zu nr. 353).

Gleich nach der Erhebung zum Caesar, noch im J. 139, wurde Marcus zum sevir turmis equitum Romanorum ernannt (Marc. 6, 3; vgl. Mommsen St.-R. III 1, 523f.). Gleichzeitig wird auch wohl die Ernennung zum princeps iuventutis anzusetzen sein (denn so ist der Ausdruck πρόκριτος τῆς ἱππάδος Dio LXXI 35, 5 zu übersetzen. vgl. Mommsen St.-R. II³ 826, 10); auf dieses Amt können sich auch die Münzen mit Iuventas (Cohen 386–397) oder Iuventus (Cohen 398f.) beziehen. Um dieselbe Zeit wurde Marcus auf Antrag des Senates auch in die Priestercollegien [2285] aufgenommen (Marc. 6, 3); so gehörte er den fratres Arvales im J. 145 als magister an (Eph. ep. VIII p. 331 nr. 15). Sodann trat er am 1. Januar 140 sein erstes Consulat an, zugleich mit seinem Adoptivvater, dem Kaiser Pius (Marc. 6, 3; Pius 6, 9. 10, 3. Cohen II² 409f. nr. 13. 41. III² nr. 230–232. 235–238. 386–396. 450–461. 580. 1042f. 1045. CIL VI 159. 1009. XIV 2795).

Auf Veranlassung des Kaisers war Marcus, wenn auch ungern, schon im J. 139 in die domus Tiberiana auf dem palatinischen Hügel, wo Pius residierte, übergesiedelt (Marc. 6, 3; Pius 10, 4. Dio LXXI 35, 4). Seitdem lebte er 23 Jahre hindurch (139–161) in so inniger Eintracht und Gemeinschaft mit ihm, dass er in dieser ganzen Zeit nur zwei Nächte von ihm getrennt zubrachte (Marc. 7, 2–3). Der Hof hielt sich meist an denselben Orten auf (καὶ τόποις καὶ πράγμασιν τοῖς αὐτοῖς ἐνδιατριπτικόν, εἰς ἑ. I 16), und zwar stets in Italien (Pius 7, 11–12); wenn nicht in Rom selbst, dann in Lorium, einem Lustschlosse westlich von Rom (vgl. Pius 1, 8. Fronto p. 37. 56f. 79. 94. 101. 223. 225. εἰς ἑ. I 16. CIG II 3176), in Lanuvium (vgl. Pius 1, 8. εἰς ἑ. I 16), Tusculum (εἰς ἑ. I 16), Centumcellae (Fronto p. 56f. 92) und besonders bei Neapel (z. B. im J. 143, Fronto p. 31–34; vgl. Pius 7, 11). Marcus diente seinem Adoptivvater mit höchster Verehrung und Zuneigung (vgl. Fronto p. 103f.), so dass selbst Verleumdung das innige Verhältnis zwischen beiden nicht zu trüben vermochte (Marc. 6, 8–10. Dio LXXI 35, 3). Wie viel der Jüngere auch als Staatsmann von dem Älteren gelernt, deutet er selbst an (εἰς ἑ. I 16. VI 30). Auch den Amtshandlungen des Kaisers wohnte er häufig bei, um sich auf seinen künftigen Beruf vorzubereiten (Marc. 6, 5. 7), und hörte Processe ganze Tage hindurch an (Fronto p. 37, um 143 n. Chr.) Besonders aber setzte er in diesen Jahren seine Studien mit grösstem Eifer fort (Marc. 6, 5), und zwar hauptsächlich die rhetorischen; er las eifrig den alten Cato (Fronto p. 36) und erledigte gewissenhaft die schematischen Schulaufgaben, die ihm von Fronto gestellt wurden. Zuweilen machte er auch Verse (Hexameter), die er aber zu verbrennen, jedenfalls keinem anderen zu zeigen pflegte (Fronto p. 24. 34, um 143). Wie Fronto im Lateinischen, so unterrichtete ihn der gefeierte Sophist Ti. Claudius Atticus Herodes im Griechischen (Marc. 2, 4. Dio LXXI 35, 1. Fronto p. 17. 42f. 61. 111. 138). Ob der stoische Philosoph Apollonius schon damals von Pius nach Rom berufen wurde (Pius 10, 4; Marc. 2, 7. 3, 1. εἰς ἑ. I 8. 17. Dio LXXI 35, 1. Fronto p. 86) oder erst nach dem J. 146, ist zweifelhaft. Wohl aber wird der Unterricht des Platonikers Alexander (εἰς ἑ. I 12), des Peripatetikers Claudius Severus (εἰς ἑ. I 14. Marc. 3, 3) und des Juristen L. Volusius Maecianus (Marc. 3, 6. Fronto p. 61. εἰς ἑ. I 6, wo er Marcianus heisst) in diese Zeit fallen.

Im J. 145 bekleidete Marcus zum zweitenmal das ordentliche Consulat, wiederum zugleich mit seinem Adoptivvater Pius (Marc. 6, 4. Eph. ep. VIII p. 331 nr. 15. CIL III 282. 3007. IX 5354 = Dessau 353. VIII Suppl. 11320 = Dessau 354. II 1169 = Dessau 355. VIII Suppl. 14555. III Suppl. 9995. VI 1008. 1010 = Dessau 356. [2286] Cohen 63. 65. 100–112. 233f. 398f. 572–578. 581f. 1006ff. 1021ff. 1040).

Post haec (d. h. nach dem zweiten Consulat), heisst es in der Vita weiter (Marc. 6, 6), Faustinam duxit uxorem et suscepta filia tribunicia potestate donatus est. Da nun am 28. März 147 Marcus die tribunicia potestas bereits besass und ihm kurz vor diesem Termin nicht eine Tochter, sondern ein Sohn geboren war (CIG II 3176), so kann die ihm zuerst geborene Tochter nicht nach dem Juni 146 geboren sein und die Vermählung des Marcus und der Faustina nicht nach dem August 145 stattgefunden haben. Für das J. 145 als Jahr der Vermählung entscheiden sich auch Mommsen Herm. VIII 1874, 205 und Herzog St.–V. II 1, 379, 1, während Waddington das J. 146 annimmt und in der Vita filio statt filia lesen will. Die Hochzeit wurde mit grosser Pracht gefeiert (Pius 10, 2; Marc. 6, 6, vgl. 1, 8) und zum Andenken daran Münzen geschlagen (Cohen III² 127 nr. 1–4). Die älteste Tochter, die den Neuvermählten im J. 146 geboren wurde, war wohl nicht Domitia Faustina, wie Mommsen annahm (Herm. VIII 1874, 205), sondern Annia Galeria Aurelia Faustina (unten Nr. 119); jedenfalls hiess sie Faustina (Fronto p. 72).

Um dieselbe Zeit, im Alter von 25 Jahren (Fronto p. 75), also im J. 146 n. Chr., wandte sich Marcus mit Entschiedenheit von den geistlosen rhetorischen Studien ab, zu denen Fronto ihn weiter anleiten wollte, und widmete sich fortan ausschliesslich der Philosophie (eloquentiae studium reliquit, ad philosophiam devertit, Fronto p. 150, vgl. p. 154). Er zürnte sich selbst, dass er im Alter von 25 Jahren nihildum bonarum opinionum et puriorum rationum animo hauserit (Fronto p. 75). Derjenige Lehrer, der diesen Umschwung bei ihm herbeiführte, war der stoische Philosoph Q. Iunius Rusticus. Denn dieser lehrte ihn τὸ ἀποστῆναι ῥητορικῆς καὶ ποιητικῆς καὶ ἀστειολογίας ... καὶ μὴ ἀρκεῖσθαι περινοοῦντα ὁλοσχερῶς und gab ihm die ὑπομνήματα des Epiktet (Marc. εἰς ἑ. I 7). Darum schätzte er diesen Lehrer ganz besonders hoch und betrachtete ihn als vertrauten Freund (Marc. 3, 2–5. Dio LXXI 35, 1. Fronto p. 96), wenn er auch öfters Anlass hatte, ihm zu zürnen (εἰς ἑ. I 17). Seit dieser Zeit wird Marcus auch die übrigen stoischen Philosophen in seine Nähe berufen haben, deren er als seiner Lehrer gedenkt, den Cinna Catulus (εἰς ἑ. I 13. Marc. 3, 2), den Claudius Maximus (εἰς ἑ. I 15. 17. Marc. 3, 2) und den berühmten Sextus ans Chaeronea, den Marcus noch als Kaiser in seiner Wohnung aufzusuchen pflegte (εἰς ἑ. I 9. Marc. 3, 2. Dio LXXI 1, 2. Philostr. vit. soph. II 9. Suid. s. Μάρκος). Allen seinen Lehrern bewahrte Marcus eine aufrichtige Zuneigung und Verehrung (Pius 10, 5; Marc. 2, 5. 3, 1. 3, 5. εἰς ἑ. I 6–15. Briefwechsel mit Fronto), wie er auch gegen seine Verwandten und Bekannten sich ausserordentlich rücksichtsvoll benahm (Marc. 5, 7. Dio LXXI 35, 2–6) und überaus einfach und mässig lebte (Marc. 5, 8. Dio LXXI 35, 4–5).

c) Marcus als Caesar mit tribunicia potestas: 146–161.

Die Geburt der ältesten Tochter des Marcus und der Faustina im J. 146 gab dem Kaiser Antoninns Pius Anlass, seinen Adoptiv- und [2287] Schwiegersohn bei dem nächsten Wechsel des tribunicischen Jahres, also am 10. December 146, mit der tribunicia potestas und dem imperium extra urbem proconsulare zu beschenken (Marc. 6, 6; vgl. Herzog St.-V. II 1, 379, 1; dass Marcus die tribunicische Gewalt bereits am 28. März 147 besitzt, ergiebt sich aus CIG II 3176; dass die erste tribunicische Gewalt vom 10. December 146–9. December 147 zu rechnen ist, ergiebt sich aus zahlreichen Inschriften, z. B. CIL VI 1010 = Dessau 356; Münzen mit der ersten trib. pot. Cohen 594–604. 1044). Mit dieser Erhebung zum Mitregenten war aber Marcus dem Kaiser keineswegs gleichgestellt; denn es fehlte ihm der Name imperator Augustus (vgl. Mommsen St.–R. II³ 1146. 1154). Über das ius quintae relationis, das Recht, fünf Anträge in einer Sitzung an den Senat zu stellen, welches Marcus gleichzeitig erhalten haben soll (Marc. 6, 6), vgl. Mommsen St.-R. II³ 898, 4. 1163, 3. Herzog St.-V. II 2, 691. Mit der Rede des Marcus, die Fronto p. 77f. erwähnt, ist vielleicht die Dankesrede für die Verleihung der tribunicia potestas gemeint.

Etwa Anfang März des J. 147 wurde dem Marcus ein zweites Kind, und zwar ein Sohn, geboren, der aber bald nach der Geburt wieder starb (CIG II 3176: γεννηθέντος υἱοῦ, εἰ καὶ ἑτέρως τοῦτο ἀπέβη). Wie dieser Sohn geheissen, ist ungewiss. Dittenberger Arch. Ztg. 1878, 103 erkennt ihn als den T. Aelius Antoninus, dem der Sophist (Ti. Claudius Atticus) Herodes in Olympia eine Inschrift setzte. Bei dieser Gelegenheit zählen wir die uns bekannten Kinder des Marcus und der Faustina auf (vgl. besonders Mommsen Herm. VIII 1874, 205. Dittenberger Arch. Ztg. 1878, 103 und siehe den Stammbaum auf S. 2289f.):

  1. ) Annia Galeria Aurelia Faustina, geb. 146, s. u. Nr. 119.
  2. ) T. Aelius Antoninus, geb. und gest. kurz vor dem 28. März 147, CIG II 3176. Arch. Ztg. 1878, 103.
  3. ) Annia Lucilla, geb. um 148, vermählt 164 und 169, gest. um 182, s. u. Nr. 123.
  4. ) Arria Fadilla, geb. um 150, die älteste Schwester des Commodus nach dem Tode der Lucilla (Herod. I 13, 1).
  5. ) Cornificia, von Fronto p. 94 erwähnt; von Caracalla zum Selbstmord gezwungen (Dio Bd. V p. 214 Dind.).
  6. ) T. Aurelius Antoninus, CIL VI 993 = Dessau 383;
  7. ) T. Aelius Aurelius, CIL VI 994 = Dessau 384;
  8. ) Domitia Faustina, CIL VI 995 = Dessau 385; alle drei vor dem J. 161 gestorben und im Mausoleum Hadriani bestattet.
  9. ) L. Aurelius Commodus, geb. 31. August 161, gest. 31. December 192.
  10. ) Antoninus, Zwillingsbruder des Commodus, gest. 165 (Comm. 1, 4).
  11. ) M. Annius Verus, geb. 162–163, gest. 169–170, s. u. Nr. 95.
  12. ) Hadrianus, CIG II 2968.
  13. ) Vibia Aurelia Sabina (CIL VI 1020 = Dessau 387. VIII 5327. 5328 = Dessau 388) oder Aurelia Vibia Sabina (CIL II 133), geb. 167–172 [2288] (vgl. Philostr. vit. soph. II 1 p. 67f. Kayser), gest. nicht vor 211 (CIL VIII 5328).

Von dem Leben des Marcus in dieser Zeit (146–161) wissen wir so gut wie nichts. Denn das fünfte Buch der Briefe Frontos ad M. Caesarem, welches dieser Zeit angehört, enthält nichts von Bedeutung. Münzen sind zwar zahlreich aus jedem dieser Jahre (ausser dem J. 151) erhalten, geben aber auch keine weiteren Aufschlüsse, als dass er etwa um das J. 148 sich einen Vollbart stehen liess (vgl. die Abbildungen Cohen 593. 1039 mit 1024. 1040. 616). Auch die Inschriften aus dieser Zeit sind ohne Bedeutung (z. B. Kaibel IGI 1050. CIL VI 1010. VIII 1016. 800); wir lernen nur daraus, dass er um das J. 150 als erster Zeuge einen Senatsbeschluss über Cyzicus unterschrieb (CIL III Suppl. 7060). Waddington (Mémoires de l’académie des inscr. XXVI 1, 1867, 259ff.) hatte zwar durch eine scharfsinnige Combination aus Aristid. or. XXIII p. 453f. Dind. und Malalas p. 280f. Bonn. den Schluss gezogen, dass Pius und Marcus im J. 154 und 155 im Orient gewesen seien (zustimmend v. Gutschmid Gesch. Irans 147 u. a.). Aber dieser Berechnung hat W. Schmid Rh. Mus. XLVIII 1893, 53ff. die Grundlage entzogen; er setzt des Aristides Vision vom Friedensschluss zwischen dem Kaiser und Volagases an das Ende des Partherkrieges des Marcus und Verus, also in das J. 166.

Am 1. Januar 161 trat Marcus sein drittes Consulat an, zugleich mit seinem Adoptivbruder L. Commodus (CIL V 6573. VI 1984. Cohen 773–783. 788f.). Am 7. März desselben Jahres wurde er durch den Tod des Kaisers auf den Thron berufen. Das Datum ergiebt sich aus der Angabe seiner Regierungszeit (19 Jahre 11 Tage, Dio LXXI 34, 5) und dem Datum seines Todes (17. März 180, Dio LXXI 33, 4. Tertullian. apologet. 25). Der 6. März wird dadurch ausgeschlossen, dass Dio bei der Berechnung der Lebenszeit des Marcus (26. April 121–17. März 180, 58 Jahre 10 Monate 22 Tage, Dio LXXI 34, 5) sowohl Geburts– als Todestag mitzählt, also auch bei der Berechnung der Regierungszeit beide termini mitgezählt haben wird. Der 8. März, den Mommsen (St.–R. II 2³ 1168) als Tag des Regierungsantritts annimmt, widerspricht den Angaben Dios. Der kaiserliche Hof befand sich damals in Lorium, und der sterbende Kaiser übertrug in Gegenwart seiner höchsten Beamten ausdrücklich dem Marcus die Herrschaft (Pius 12, 5–6).

III. Regierungszeit: 161–180 n. Chr.

a) Samtherrschaft des Marcus und L. Verus: 7. März 161–Januar 169.

161: p. m. trib. pot. XV (10. Dec. 160–9. Dec. 161) cos III.

α) Gleich bei seinem Regierungsantritt erhob Marcus seinen Adoptivbruder L. Aelius Aurelius Commodus, dem von Pius sogar der Caesarname versagt worden war, zum Augustus und übertrug ihm alle Rechte und Titel eines Kaisers mit einziger Ausnahme des Oberpontificats (Marc. 7, 5; Verus 3, 8. Dio LXXI 1, 1. Euseb. Hieron. chron. a. Abr. 2177. Eutrop. VIII 9. Victor Caes. 16, 3; epit. 16, 5. Ammian. XXVII 6, 16 und unten γ 1). So wurde Marcus der Begründer der Samtherrschaft [2291] (vgl. Herzog St.-V. II 1, 405ff. Mommsen St.-R. II³ 1167ff.). Gemeinsam vollziehen fortan beide Kaiser die Regierungsakte (z. B. die Diplome, CIL III p. 888; Suppl. p. 1991f. CIL II 1180. 4514. Hänel Corpus legum 114ff.), lassen beide Münzen prägen, erhalten gemeinsam Inschriften (z. B. CIL II 2552ff. III 117. 199ff. 778. 3432. 3744. 3748. 4620. 5711. 6169. V 4089. VI 360. IX 15f.) und Bücher gewidmet (z. B. Polyaens Strategemata prooem. 1–8) u. s. f. Die Eintracht beider Herrscher wird gewünscht (z. B. CIL III 778 pro concordia) und gepriesen (z. B. Aristides XVI, Bd. I 394ff. Dind.; zahlreiche Münzen mit Concordia Augustorum, Cohen 30ff.). Noch enger suchte Marcus seinen Mitkaiser an sich zu fesseln, indem er ihn zum Schwiegersohn erkor. Da die älteste lebende Tochter, Annia Lucilla (vgl. Herodian. I 8, 3), zur Vermählung noch zu jung war, so fand vorerst die Verlobung statt (Marc. 7, 7. Dio LXX 2, 2. LXXI 1, 3).

β) Name: Beide Kaiser liessen von ihren bisherigen Namen M. Aelius Aurelius Verus und L. Aelius Aurelius Commodus den einen Geschlechtsnamen Aelius fort (nur noch vereinzelt findet er sich bei Marcus, z. B. CIL VI 1012 vom J. 163) und änderten ihren Beinamen in der Weise, dass Marcus den Beinamen seines Adoptivvaters Antoninus annahm und seinen eigenen Beinamen Verus seinem Mitkaiser übertrug. Es fand also gleichsam eine Rangerhöhung des Verus zum Antoninus und des Commodus zum Verus statt. Demnach heisst Marcus fortan Imperator Caesar divi Antonini filius, divi Hadriani nepos, divi Traiani Parthici pronepos, divi Nervae abnepos M. Aurelius Antoninus Augustus oder kürzer Imp. Caes. M. Aurelius Antoninus Aug.; sein Mitkaiser Imp. Caes. (dieselben Vorfahren) L. Aurelius Verus Aug. (s. denselben unter L. Ceionius Commodus). Was die Beinamen des Marcus betrifft, so nennt er sich Armeniacus seit dem J. 164, Medicus und Parthicus Maximus seit 166, Germanicus seit 172, Sarmaticus seit 175 (s. zu diesen Jahren). Vereinzelt heisst er auch schon bei Lebzeiten Pius, z. B. um 163–165, Dessau 362; im J. 167, CIL II 2553; im J. 174, CIL XI 371. Nach dem Tode des L. Verus im J. 169 legte er officiell die Beinamen Armeniacus Medicus und Parthicus Maximus ab (Marc. 12, 9; vgl. die Münzen). Doch finden sich diese Namen auf Inschriften häufig auch später.

γ) Titel:

1) p(ontifex) m(aximus). Die Oberpriesterwürde behielt sich Marcus allein vor (vgl. z. B. die officiellen Urkunden: CIL p. 888; Suppl. p. 1991f.). Mit Unrecht heisst also L. Verus auf provincialen Inschriften ebenfalls p. m., z. B. CIL II 158. 3399. III 129. 495. 2845. X 17. 7475; vielmehr gebührt ihm nur der einfache Titel pontifex (so in seiner Grabschrift CIL VI 991), vgl. Mommsen St.–R. II³ 1108, 1. Zuweilen scheint Marcus sich des Titels p. m. enthalten zu haben, um seinem Collegen eine Aufmerksamkeit zu erweisen, vgl. CIL IX 15f.
2) Die trib(unicia) pot(estas) des Marcus datiert schon vom 10. December 146. Bei seinem Regierungsantritt läuft also schon seine 15. trib. pot. Dass er sie am 10. December erneuerte, ergiebt sich namentlich aus den Münzen dieser [2292] 15. trib. pot., welche teils cos. II des. III zeigen (Cohen 771. 772; vgl. 1018), teils cos. III (Cohen 773–783. 788. 789 und die nach dem Regierungsantritt geschlagenen Münzen); jene also sind geprägt 10.–31. December 160, diese 1. Januar—9. December 161, vgl. Mommsen St.–R. II³ 801, 2.
3) Den Imperatorentitel hat Marcus bei den zahlreich unter ihm geschlagenen Schlachten häufig erneuert: er wurde imp. II im J. 163, imp. III 165, imp. IV 166, imp. V 167, imp. VI 170 oder 171, imp. VII 174, imp. VIII 175, imp. IX 177, imp. X 179 (s. zu diesen Jahren).
4) Das Consulat hat Marcus als Kaiser nicht wieder übernommen; als Caesar hatte er es in den J. 140, 145 und 161 erhalten.
5) Der Titel p(ater) p(atriae) wurde Marcus schon zur Zeit der Abwesenheit seines Bruders (162–166) übertragen; er schob aber die Annahme desselben bis zur Rückkehr des Verus auf (Marc. 9, 3). So nahmen denn beide Kaiser bei Gelegenheit des Triumphes in der Mitte des J. 166 den Titel p. p. an (Marc. 12, 7. CIL III p. 888 Dipl. vom 5. Mai 167. CIL V 2040. VIII 4208. 4593. IX 1111 u. s. w.). Mit Unrecht also wird L. Verus der Titel schon früher gegeben (CIL II 158. III 129. X 7475). Dagegen erscheint bei Marcus merkwürdigerweise auf den Münzen p. p. erst seit dem Ende des J. 176, Eckhel VII 70ff. (nur vereinzelt schon im J. 171, Cohen 983).
6) Den Titel proconsul führen Marcus und Lucius, wenn und solange sie ausserhalb Italiens verweilen, z. B. Marcus im J. 172, CIL III 1450. VIII 4209; im J. 174, CIL XI 371; im J. 175, CIL VIII 2276; vgl. Mommsen St.-R. II³ 778, 1.
7) Ausnahmsweise wird auch einmal frater Arvalis dem Titel des Marcus hinzugefügt, CIL VI 1012.

δ) Bald nach ihrem Regierungsantritt erschienen beide Kaiser gemeinsam im Senat und im Praetorianerlager, gaben den Soldaten und dem Volk unverhältnismässig grosse Geschenke (Marc. 7, 9. Dio LXXIII 8, 4; Münzen mit lib. Aug. Cohen 401ff.) und hielten gemeinsam die Trauerfeierlichkeiten zu Ehren des Pius ab (Marc. 7, 9–11. 8, 2). Die Freude aber, welche zuerst nach dem Thronwechsel herrschte (Fel. temp. Cohen 196ff.), sollte bald getrübt werden, zunächst durch eine furchtbare Tiberüberschwemmung, die auch eine schwere Hungersnot herbeiführte (Marc. 8, 4; vgl. 12, 14), sodann durch den Ausbruch des schon unter Pius drohenden armenischen und parthischen Krieges (Marc. 8, 6. 22, 1), der fünf Jahre dauerte (161–166). Vgl. über das bellum Armeniacum et Parthicum (so z. B. CIL VI 1497 = Dessau 1094. CIL III 1457 = Dessau 1097. CIL VI 1377 = Dessau 1098) Napp De rebus imp. M. Aurelio Antonino in oriente gestis, 1879. Schiller Gesch. d. röm. Kaiserzeit I 2, 638–642. Mommsen R. G. V 405–409. v. Gutschmid Geschichte Irans 1888, 147–151; vgl. unter L. Ceionius Commodus (= L. Aurelius Verus).

162: p. m. trib. pot. XVI (10. Dec. 161–9. Dec. 162) cos. III.

Ende des J. 161 oder Anfang 162, nämlich als der am 31. August 161 geborene Zwillingsbruder [2293] des Commodus, der pullus Antoninus, noch ein Säugling war (Fronto p. 94. 99; vgl. Comm. 1, 2), und vor dem Aufbruch des L. Verus nach dem Osten (Fronto p. 101f.) wurde Cyzikus von einem furchtbaren Erdbeben heimgesucht (Dio LXX 4), und Marcus hielt hierüber eine längere Rede im Senat (Fronto p. 98f.). Überhaupt wandte Marcus sich jetzt aus praktischen Gründen wieder der lange vernachlässigten Rhetorik zu (Fronto p. 95f. 104f.) und hörte unter anderem die ῥητορικοὶ λόγοι des Hermogenes (Dio LXXI 1, 2).

In diesem Jahre erhoben die Britannier einen Aufstand (Marc. 8, 7. 21, 1). Statthalter Britanniens war damals (161–162) M. Statius Priscus (CIL VI 1523 = Dessau 1092); da dieser schon im nächsten Jahre in Armenien Krieg führt (s. zum J. 163), so muss er in diesem Jahr (162) von Britannien abberufen und nach dem Osten geschickt sein. Da nun nicht ihm die Führung des britannischen Krieges übertragen, sondern Sex. Calpurnius Agricola, der auch später am Markomanenkriege sich beteiligte (CIL III Suppl. 7505), nach Britannien gesandt wurde (Marc. 8, 8), so scheint (nach der Vermutung Borghesis III 249) Statius Priscus mit demjenigen Priscus identisch zu sein, dem in Britannien gegen seinen Willen von den Soldaten die Herrschaft übertragen wurde (Cass. Dio Bd. V p. 208 Dind.). Mit dem britannischen Krieg wäre dann der Aufstand der Soldaten gemeint, der zur Erhebung des Priscus führte, und Priscus dann ebendeswegen von Britannien abberufen und nach Kappadokien gesandt worden. Doch passt dazu nicht die Angabe (Comm. 8, 4), dass unter Commodus die Britannier einen Gegenkaiser hätten wählen wollen.

Um dieselbe Zeit (162 n. Chr.) brachen die Chatten (vgl. Did. Iul. 1, 8) in Germanien und Raetien ein (vgl. Dio LXXI 3, 2. Pertin. 2, 6), und der Statthalter Obergermaniens (vgl. Dio LXXII 11, 3) C. Aufidius Victorinus musste gegen sie gesandt werden (Marc. 8, 7–8).

Zur Leitung des armenisch–parthischen Krieges ging L. Verus etwa im Frühjahr (nach dem 28. März? vgl. Fronto p. 118) 162 nach dem Osten ab (Dio LXXI 1, 2. LXX 2, 2. Marc. 8, 9; Verus 6, 7; Münzen des Verus mit profectio Aug. und fort. red. vom J. 162 und 163, Cohen III² 183f. nr. 132–141. 180 nr. 86–102). Marcus begleitete ihn bis Capua und besuchte ihn, als er auf dem weiteren Wege erkrankt war, von Rom aus in Canusium, um dann zum zweitenmal nach der Hauptstadt zurückzukehren (Marc. 8, 10–11; Verus 6, 7). Hier leitete er in den nächsten Jahren in angestrengter Thätigkeit (Fronto p. 106f.) und mit grösster Sorgfalt alles für den Krieg Nötige (Marc. 8, 13–14).

163: p. m. trib. pot. XVII (10. Dec. 162—9. Dec. 163) imp. II. cos. III.

In diesem Jahr nahm Marcus ebenso wie sein Mitkaiser (Cohen 172 nr. 4–6. 203 nr. 330f.) zum zweitenmal den Imperatortitel an (Münzen ohne imp. II: Cohen 37–43. 559–569; mit imp. II: Cohen 522–526. 828–830), infolge eines grösseren Sieges (victoria Augustorum, Cohen 203 nr. 330f. 344), nämlich der Einnahme von Artaxata, der Hauptstadt Armeniens, durch Statius Priscus (Marc. 9, 1; Verus 7, 1. [2294] Suid. s. Μάρτιος. Fronto p. 120f.). Gleichzeitig nannte sich Verus auch Armeniacus (Cohen 172 nr. 4–6. 203 nr. 330f.)

164: Armeniacus, p. m. trib. pot. XVIII (10. Dec. 163–9. Dec. 164) imp. II. cos. III.

Erst in diesem Jahre nahm auch Marcus, dem Drängen seines Bruders nachgebend (Fronto p. 121. Marc. 9, 1), den Beinamen Armeniacus an (Verus 7, 2. CIL III 1372. VIII Suppl. 15576. Cohen 5–8. 11. 466ff. 795. 833. 838ff. 868ff. 984ff.). Es wurde dem unterworfenen Armenien an Stelle des von den Parthern eingesetzten Pacorus (CIG 6559 = IGI 1472. Asin. Quadr. frg. 6, FHG III 660) ein neuer König gegeben (rex Armeniis datus, Cohen 185f. nr. 157–165. Verus 7, 8), namens Soaemus (Fronto p. 127. Suid. s. Μάρτιος. Iamblich. bei Photius cod. 94 p. 75 b Bekk.). In demselben J. 164 (medio belli tempore, Marc. 9, 4) geleitete Marcus seine Tochter Annia Lucilla, deren Vermählung mit L. Verus nunmehr stattfinden sollte, bis nach Brundisium und kehrte von da sofort nach Rom zurück (Marc. 9, 4–5). Ursprünglich hatte er beabsichtigt, sie selbst bis nach Syrien zu bringen (Verus 7, 7). So wurde Verus der Schwiegersohn seines Adoptivbruders (Verus 2, 4. Dio LXX 2, 2. LXXI 1, 3. Herodian. I 8, 3. Entrop. VIII 10).

165: Armen., p. m. trib. pot. XIX (10. Dec. 164–9. Dec. 165) imp. II und III. cos. III.

In diesem Jahr erneuerten wiederum beide Kaiser den Imperatortitel (Münzen des Marcus mit imp. II: Cohen 9. 10. 410. 472–476. 796–804. 870f. 1048f.; mit imp. III: Cohen 477–485; ebenso imp. III auf Inschriften: CIL III 3118. VIII Suppl. 14435). Es wird also in diesem Jahr der entscheidende Sieg über die Parther gewonnen, Seleucia und Ktesiphon erobert worden sein (Dio LXXI 2, 3). Wiederum ging L. Verus seinem Mitkaiser in der Annahme des Beinamens Parthicus Maximus voran (Cohen p. 188f. nr. 190–196).

166: Armeniacus, Medicus, Parthicus Maximus, p. m. trib. pot. XX (10. Dec. 165–9. Dec. 166) imp. III und IV. cos. III. p. p.

Nicht vor dem März 166 kehrte L. Verus nach Italien zurück, da er noch unter den Consuln vom März und April dieses Jahres proconsul genannt wird (CIL III Suppl. p. 1991, vgl. Mommsen p. 462, 7). Er hatte sich per quadriennium in Syrien aufgehalten (Verus 7, 1. 3) und kehrte post quinquennium (162–166) zurück (Marc. 12, 14). Da ausserdem erst im J. 166 Pax oder Pax Aug. auf den Münzen erscheint (Cohen 434f. 437. 811. 814. p. 183 nr. 126–130), so wird der Friede erst in diesem Jahr geschlossen worden sein. An den parthischen Feldzug schloss sich auch noch ein medischer an (vgl. CIL VIII 965 = Dessau 365: Victoriae Armeniacae Parthicae Medicae Augustorum), so dass der ganze Krieg in drei Teile zerfällt, den armenischen (161–163), den parthischen (163–165) und den medischen (165–166); die ursprüngliche Stellung des Beinamens Medicus ist also hinter Parthicus Maximus (z. B. CIL VI 360 = Dessau 366. II 3399 = Dessau 367. VIII 4208. IX 1111). Da die Herrscher schon am 23. August 166 die Siegernamen führen (CIL VI 360 = Dessau 366), die sie beim Triumphe [2295] annahmen, so feierten sie diesen vor dem genannten Datum (Marc. 12, 9f.; Verus 7, 9. 8, 5. Eutrop. VIII 10). Am Triumphe nahmen auch die Kinder des Marcus beiderlei Geschlechtes teil (Marc. 12, 10), nämlich Commodus und Verus, Arria Fadilla, und Cornificia. Jetzt endlich nahm auch Marcus den Namen Parthicus Maximus an, den sein Bruder schon seit dem J. 165 führte, und beide Herrscher fügten den Namen Medicus hinzu (Marc. 9, 2; Verus 7, 2. 9. 8, 5. CIL V 3328). Bald darauf wurde der Imperatortitel erneuert und der Ehrenname p(ater) p(atriae) zugelassen (über p. p. s. oben J. 161 γ 5; Münzen des J. 166 mit Parth. Max. und imp. III: Cohen 434. 811. 814; mit Parth. Max. und imp. IV: Cohen 435. 807–810. 812. 877–880; der Name Medicus erscheint nicht auf Münzen, ebensowenig wie p. p. vor dem J. 176; auch Maximus hinter Parthicus scheint sich Marcus nur ungern gefallen gelassen zu haben, da er es in dem Diplom vom 5. Mai 167, CIL III p. 888, weglässt und sogar dem Verus in seiner Grabschrift vorenthält, CIL VI 991 = Dessau 369).

Kaum war der Partherkrieg glücklich beendet, so brach ein doppeltes neues Unglück über das Reich herein, nämlich die Pest und der Markomanenkrieg. Die Pest hatte, wie es schien, L. Verus bei seiner Rückkehr aus dem Osten mitgebracht (Verus 8, 1–2). Sie nahm nach Ort und Zeit eine ungeheure Ausdehnung an, so dass täglich Tausende ums Leben kamen (Marc. 13, 3. 5. 17, 2. 21, 6. Ammian. Marc. XXIII 6, 24. Galen. V 12. X 360. XIX 15; vgl. Friedländer S.-G. I⁶ 40). Der Markomanenkrieg drohte schon vor Beendigung des Partherkrieges auszubrechen, war aber von den Befehlshabern künstlich hingezogen worden (Marc. 12, 13), so dass der eigentliche Anfang in das J. 166 zu setzen ist (vgl. Galen. XIV 649). Vgl. über das bellum Germanicum (so CIL VI 1549 = Dessau 1100) Wietersheim Gesch. d. Völkerwanderung I² 118–140. Schiller Gesch. d. röm. Kaiserzeit I 2, 642–652. Mommsen R. G. V 209–215. Conrad Mark Aurels Markomanenkrieg, Neu-Ruppin. Progr. 1889.

Der Krieg begann mit einem gewaltigen Einbruch der Markomanen und Quaden in das römische Reich. Sie drangen über die Alpen bis Italien vor (Dio LXXI 3, 2), zerstörten Opitergium und belagerten Aquileia (Ammian. Marc. XXIX 6, 1). Der Gardecommandant Furius Victorinus, der ihnen mit einem grösseren Heere entgegentrat, war der erste von den höheren Officieren, die in dem Kriege vor dem Feinde fielen (Marc. 14, 5). So entschloss sich Marcus, persönlich die Leitung des gefährlichen Krieges zu übernehmen. Bald nach dem 12. October 166, an dem für alle Fälle schon den beiden Söhnen des Marcus, dem fünfjährigen L. Aurelius Commodus und dem vierjährigen M. Annius Verus, die Caesarwürde verliehen wurde (Comm. 11, 13. 1, 10; Marc. 12, 8. Eutrop. VIII 13. Eckhel VII 82–87. Cohen III² 132. 169f.), brachen beide Kaiser nach dem Kriegsschauplatze auf (Marc. 14, 1). Die Nachricht von ihrer Ankunft übte auf die Feinde die gewünschte Wirkung. Überall zogen sie sich zurück, töteten die Urheber der Bewegung und versprachen zum Teil Gehorsam (Marc. 14, 2–3). [2296] So blieben denn die Kaiser den Winter über in Aquileia, obwohl L. Verus, mit den geringen Erfolgen zufrieden, schon umkehren wollte (Marc. 14, 2–5; Verus 9, 7. Galen. XIV 650, wo vielleicht nicht der Winter 168/9, sondern 166/7 gemeint ist; dass Verus der Niederlage des Furius Victorinus wegen habe umkehren wollen, Marc. 14, 5, ist nicht recht glaublich).

167: Arm. Med. Parth. Max., p. m. trib. pot. XXI (10. Dec. 166–9. Dec. 167) imp. IV und V. oos. III p. p.

Wahrscheinlich zu Anfang des J. 167 überschritten Marcus und Verus, von Aquileia aufbrechend, die Alpen und rückten weiter vor (Marc. 14, 6; Verus 9, 7). So begann denn nun der Angriffskrieg seitens der Römer. Ti. Claudius Pompeianus, der spätere Schwiegersohn des Marcus (s. zum J. 169), damals Statthalter von Pannonia inferior (Diplom vom 5. Mai 167), führte den Krieg in Pannonien, und sein früherer Unterbefehlshaber, der spätere Kaiser P. Helvius Pertinax, in Raetien und Noricum, wo er die Feinde gänzlich vertrieb (Dio LXXI 3, 2. Pertinax 2, 4–6). Noch vor dem 5. Mai 167 hatte man so bedeutende Erfolge gewonnen, dass beide Kaiser den Imperatortitel erneuerten und in Pannonia inferior eine gewohnte Veteranenentlassung ohne Gefahr stattfinden konnte (imp. V im Diplom vom 5. Mai 167, CIL III p. 888, und auf anderen Inschriften des J. 167, CIL VIII 4208. 4593. IX 1111; dagegen haben die Münzen des J. 167 alle noch imp. IV: Cohen 77. 794. 815–817. 881–885. 1019, und erst die des J. 168 imp. V).

168: Arm. med. Parth. Max., p. m. trib. pot. XXII (10. Dec. 167–9. Dec. 168) imp. V. cos. III. p. p.

Am 6. Januar 168 hielt Marcus im Praetorianerlager (in Rom?) eine Rede (Fragm. Vatic. 195). Da ausserdem einige Münzen des J. 168 die Aufschrift tragen Fort(unae) red(uci) (Cohen 207f. 211f. p. 181 nr. 103f. 110f.), so hat man angenommen, die Kaiser seien für den Winter 167/8 nach Rom zurückgekehrt. Wahrscheinlicher ist aber, dass Marcus seine Rede im Feldlager der ihn begleitenden Praetorianer gehalten hat und durch die Münzen nur der Wunsch glücklicher Rückkehr ausgedrückt ist.

169: Arm. Med. Parth. Max., p. m. trib. pot. XXIII (10. Dec. 168–9. Dec. 169) imp. V. cos. III. p. p.

Zu Anfang des J. 169 gestattete Marcus dem L. Verus endlich auf sein dringendes Bitten, nach Rom zurückzukehren (Marc. 14, 7). Er selbst begleitete seinen Bruder über Aquileia und Concordia bis Altinum. Aber kurz vor Altinum wurde L. Verus, der neben Marcus im Wagen sass, von einem Schlaganfall getroffen, an dem er nach drei Tagen in Altinum starb (Verus 9, 10–11; Marc. 14, 8. Eutrop. VIII 10 = Vict. epit. 16, 5. Chronograph vom J. 354). Man fabelte in Rom, Verus habe seinem Bruder nach dem Leben getrachtet und sei daher von diesem vergiftet worden (Dio LXXI 3, 1). Die Zeit des Todes lässt sich nicht genau feststellen; dass Verus in seiner 9. tribunicia potestas (10. Dec. 168–9. Dec. 169) gestorben, zeigen seine Münzen und seine Grabschrift (CIL VI 991); dass er κατὰ μέσον τοῦ χειμῶνος gestorben, sagt Galen (XIV 650. XIX [2297] 18); da also nur an den Winter 168/9 gedacht werden kann, so wird der Tod des Verus etwa Ende Januar 169 erfolgt sein.

b) Alleinherrschaft des Marcus: 169–177.

Marcus leitete persönlich die Überführung der Leiche des Mitkaisers nach Rom und hielt dort die üblichen Trauerfeierlichkeiten ab (Galen. XIV 650. Marc. 15, 3–4. 20, 1–3). Sodann rüstete er eifrig für den neuen Feldzug gegen die Germanen (der erste scheint im Anfang des J. 169 ohne Friedensschluss abgebrochen zu sein) und errichtete zwei neue Legionen (Marc. 21, 8), die er, anscheinend zur Erinnerung an den verewigten Bruder, zunächst legio II Pia und III Concordia nannte (CIL III 1980 vom J. 170), die aber später den Namen legio II und III Italica führen (Dio LV 24, 4). Die erstere wurde nach Noricum, die letztere nach Raetien verlegt (Dio LV 24, 4, vgl. CIL III 5185ff. 5793 u. s. w.) und infolge dessen diese beiden Provinzen von procuratorischen zu senatorischen erhoben (Mommsen CIL III p. 588. 707. XII p. 20. V 2 p. 757. Hirschfeld S.-Ber. Akad. Berl. 1889, 430f.). Etwa um dieselbe Zeit wurde Pannonia inferior vorübergehend einem Consular unterstellt (v. Domaszewski Rh. Mus. XLV 1890, 207) und Dacien, das seit Hadrian in zwei Provinzen zerfiel, wieder in der Hand eines Consulars vereinigt, gleichzeitig aber in drei Verwaltungsbezirke zerlegt (s. u. IV a). Da es gänzlich an Geld fehlte, so veranstaltete Marcus zwei Monate hintereinander auf dem Forum Traianum eine Auction der Kronjuwelen, Schmucksachen und sonstigen Kostbarkeiten des kaiserlichen Haushalts (Marc. 17, 4–5. 21, 9. Eutrop. VIII 13. Zonar. XII 1).

Kurz bevor Marcus dann von neuem zu dem germanischen Kriege aufbrach, vermählte er seine Tochter Annia Lucilla, die Witwe des L. Verus, non decurso luctus tempore, mit dem betagten Consular Ti. Claudius Pompeianus (Marc. 20, 6–7). Sub ipsis profectionis diebus in secessu Praenestino agens (wohl im Hochsommer 169) filium Verum Caesarem (Nr. 95) amisit, quem non plus quinque diebus luxit; et quia ludi Iovis Optimi Maximi erant interpellari eos publico luctu noluit (Marc. 21, 3–5). Wenn unter diesen Spielen die capitolinischen zu verstehen sind, so wird Marcus etwa Ende October 169 von Rom aufgebrochen sein. Dass dies sicher noch im J. 169 geschah, zeigt die Münze dieses Jahres mit profectio Aug. (Cohen 500), Galen. XIV 650 (τῆς ἐπὶ τοὺς Γερμανοὺς ὁδοιπορίας εἴχετο) und Dio LXXI 32, 1, wonach er acht Jahre (169–176) von Rom fern blieb.

170: (Arm. Med. Parth. Max.), p. m. trib. pot. XXIV (10. Dec. 169–9. Dec. 170) (imp. V). cos. III p. p.

Auf den Münzen dieses Jahres findet sich zuweilen Vict(oria) Aug(usti) (Cohen 979–982), ohne dass sich daraus mit Sicherheit folgern liesse, Marcus habe in der That einen Sieg davongetragen; denn er erneuerte den Imperatortitel in diesem Jahre nicht (noch im nächsten Jahr heisst er zum Teil imp. V, z. B. CIL VIII 1630). Freilich findet sich weder auf den Inschriften noch auf den Münzen dieses Jahres irgend ein Siegername des Kaisers oder der Imperatortitel (vgl. CIL III 1979. 1980 add. 6374. VIII Suppl. 14378. [2298] Cohen 1. 123. 130ff. 180ff. 546ff. 910f.). Wenn auf einzelnen Münzen steht Fort. red. (Cohen 205f.) und profectio Aug. (Cohen 501ff.), so darf man daraus nicht ohne weiteres schliessen, Marcus sei in diesem Jahr nach Rom zurückgekehrt (vgl. z. B. Conrad a. a. O. 14). Vielmehr bezieht sich wahrscheinlich profectio Aug. noch auf den Aufbruch des Kaisers im vorhergehenden Jahr, und Fort. red. bezeichnet vielleicht nur den Wunsch glücklicher Heimkehr. Auch wird die Feier der Decennalien im März 171 für Marcus schwerlich ein Grund zur Rückkehr gewesen sein. Dagegen wird ausdrücklich versichert, Marcus sei nicht eher zurückgekehrt, als bis er die Kriege beendigt hatte (Marc. 22, 8); er sei acht Jahre von Rom abwesend gewesen (Dio LXXI 32, 1. 24, 4). Im J. 170 (vgl. CIL VI 1978. VIII 9365 = Dessau 1099. III Suppl. 7505) fiel der Legat von Dacia und Moesia superior, M. Claudius Fronto, nach einigen siegreichen Gefechten gegen Germanen und Iazygen (CIL VI 1377= Dessau 1098).

171: (Arm. Med. Parth. Max.), p. m. trib. pot. XXV (10. Dec. 170–9. Dec. 171) imp. V und VI cos. III. p. p.

In diesem Jahr scheint ein grösserer Erfolg errungen zu sein, da nicht nur Vict(oria) Aug(usti) (Cohen 983) oder Vic(toria) Ger(manica) (Cohen 267) auf den Münzen erscheint, sondern auch eine neue Imperatorenacclamation hinzukommt (Münzen des J. 171 mit imp. VI Cohen 260. 267ff. 276. 279). Vielleicht war also jetzt schon der Kaiser im stande, sein Hauptquartier nach Carnuntum zu verlegen, wo er nach Eutrops Zeugnis (VIII 13) drei Jahre nach einander aushielt (also wohl 171–173; vgl. auch εἰς ἑ. II a. E.).

172: (Arm. Med. Parth. Max.) Germanicus, p. m. trib. pot. XXVI (10. Dec. 171–9. Dec. 172) imp. VI. cos. III. p. p.

Noch einmal erlitten die Römer von den Markomanen eine schwere Niederlage, wobei der Gardepraefect M. Macrinius Vindex den Soldatentod starb (Dio LXXI 3, 5). Dann aber trat endlich eine entschiedene Wendung zum Besseren ein, denn auf den Münzen heisst es in diesem Jahr nicht nur Vic. Germ. (Cohen 270–275) und Marti Victori (Cohen 431), sondern auch Germania subacta (Cohen 215f.), und auf den Inschriften dieses Jahres (noch nicht auf den Münzen) wird dem Kaiser der Siegername Germanicus beigelegt (CIL III 1450. 6121. VIII 4209); ebenso sagt Dio (LXXI 3, 5), dass Marcus die Germanen besiegt habe und infolge dessen Germanicus genannt worden sei. Da nun Commodus am 15. October 172 diesen Beinamen empfing (Comm. 11, 13, vgl. Cohen III² p. 133 nr. 2 vom J. 173), so hat Marcus ihn spätestens an demselben Datum angenommen.

Um diese Zeit (172–173) musste auch an zwei entlegenen Stellen gekämpft werden, nämlich in Ägypten, wo der gefährliche Aufstand der Bucolici von Avidius Cassius niedergeschlagen werden musste (Dio LXXXI 4. Marc. 21, 2). und in Spanien, das durch räuberische Einfälle der Mauren heimgesucht wurde (Marc. 21, 1. 22, 11; Sever. 2, 4). Der Biograph (Marc. 21, 1–2) setzt zwar diese beiden Kämpfe in das J. 169, aber Dio berichtet wenigstens den Aufstand in Ägypten nach der Annahme des Namens Germanicus (also für das [2299] J. 172–173), und die Zeit der Maureneinfälle ergiebt sich aus der Laufbahn des Septimius Severus (geb. 11. April 146), der damals gerade nach der Quaestur (etwa 171–172) nach Baetica abgehen sollte (Sev. 2, 3). Aber um die Mauren abzuwehren wurde, wie es scheint, die bisherige Senatsprovinz Baetica von Marcus einem kaiserlichen Legaten überwiesen, und zum Ersatz für Baetica erhielt der Senat die Provinz Sardinien, dessen Verwaltung also (172–173) Severus als Proquaestor erhielt (Sev. 2, 3; vgl. Marquardt St.-V. I² 249, 4).

173: (Arm. Med. Parth. Max.) Germ., p. m. trib. pot. XXVII (10. Dec. 172–9. Dec. 173) imp. VI. cos. III. p. p.

In diesem Jahr bieten auch die Münzen den Namen Germanicus (Cohen 227–229); ausserdem wiederholen sie die Aufschriften Vict. Germ. (Cohen 993. 995–998) und Germania subacta (Cohen 214. 217–225). Nachdem so die Markomanen endlich völlig überwunden und die Donaugrenze nach Böhmen zu genügend gesichert war, konnte Marcus sein Hauptquartier von Carnuntum nach Sirmium (vgl. Philostr. vit. soph. II 1 p. 67 Kayser) verlegen, um nunmehr seine ganze Kraft gegen die Iazygen zu wenden. Anscheinend gegen Ende des J. 173 wurden diese besiegt und zur Flucht genötigt (Dio LXXI 7, 1).

174: (Arm. Med. Parth. Max.) Germ., p. m. trib. pot. XXVIII (10. Dec. 173–9. Dec. 174) imp. VI und VII. cos. III. p. p.

Die fliehenden Iazygen wurden von den Römern auf der gefrorenen Donau (also doch wohl im Januar oder Februar) eingeholt und nach einem heftigen Kampfe gänzlich besiegt (Dio LXXI 7, 1–5). Doch schien dieser Sieg dem Marcus noch nicht bedeutend genug, um den Imperatortitel zu erneuern. Vielmehr wiederholen die Münzen in der 1. Hälfte des J. 174 in Verbindung mit imp. VI die Aufschriften Vict. Germ. (Cohen 994), Marti Victori (Cohen 432f.) und Germania subacta (Cohen 226). Ob man aus der Aufschrift adventus Aug. (Cohen 3) schliessen darf, dass Marcus in diesem Jahr für einige Zeit (vor Annahme des 7. Imperatortitels) nach Rom zurückgekehrt sei, scheint mir zweifelhaft; wahrscheinlich hatte man die Ankunft vergeblich erhofft (vgl. o. zum J. 170).

Nach Besiegung der Markomanen und Iazygen brach ein neuer Krieg mit den Quaden aus (Dio LXXI 8, 1). Im Sommer 174 wurden die Römer von diesen in ungünstigem Terrain eingeschlossen und litten namentlich durch die furchtbare Hitze und schrecklichen Durst. Da brachte ihnen ein plötzliches Gewitter Erleichterung und neuen Mut, so dass sie die Feinde völlig besiegten (Dio LXXI 8. 10). Diese glückliche Wendung soll nach heidnischer Überlieferung einem ägyptischen Magier (Dio LXXI 8, 4) oder den Bitten des Kaisers selbst (Marc. 24, 4), nach christlicher Legende den Gebeten der christlichen 12. Legion zu verdanken gewesen sein, die deshalb von Marcus den Beinamen fulminata erhalten habe (Xiphilin bei Dio LXXI 9. Zonar. XII 2. Euseb. hist. eccl. V 5 u. a.). Jedenfalls nahm Marcus infolge dieses Sieges zum siebentenmal die imperatorische Begrüssung an (Dio LXXI 10, 4. Cohen 311ff.) und seine Gemahlin Faustina, die sich bei ihm im Sommerlager [2300] aufhielt, den Titel mater castrorum (Dio LXXI 10, 5. Marc. 26, 8). Nach diesem Erfolge blieb Marcus noch längere Zeit in Pannonien (Sirmium), um die Gesandtschaften der Feinde zu empfangen und über die Friedensbedingungen zu verhandeln (Dio LXXI 11, 1. 13, 1. 15. 16, 1). Während dieser Zeit wurde Tarrutenius Paternus von den Feinden hinterlistig überfallen (Dio LXXI 12, 3).

175: (Arm. Med. Parth. Max.) Germanicus Sarmaticus p. m. trib. pot. XXIX (10. Dec. 174–9. Dec. 175) imp. VII und VIII cos. III. p. p.

In diesem Jahr wurde auch über die Sarmaten (Iazygen?) ein so entscheidender Sieg erfochten, dass Marcus zum achtenmal als Imperator begrüsst wurde (Cohen 353–355. CIL VIII 2276) und bald darauf den Namen des Sarmatensiegers annahm (Cohen 916–925. CIL VIII 2276), ebenso wie sein Sohn Commodus (Cohen 228 nr. 1–2). Jetzt war Marcus endlich am Ziel, und schon wollte er sein schweres Werk mit der Einrichtung zweier neuer Provinzen Marcomania und Sarmatia krönen (Marc. 24, 5), als der Aufstand des Avidius Cassius ihn zu einem vorzeitigen Frieden (Dio LXXI 17) und zum Aufbruch nach dem Osten zwang (Marc. 24, 6). Sobald Marcus die Nachricht vom Aufstande des Cassius empfangen hatte, liess er seinen Sohn Commodus an die Grenze kommen, um ihm die Toga virilis zu geben (Dio LXXI 22, 2). Da nun Commodus am 19. Mai 175 in Germaniam aufbrach (Comm. 12, 2) und am 7. Juli 175 (Comm. 2, 2. 12, 3) an der Reichsgrenze die Toga virilis erhielt (Marc. 22, 12), so muss die Erhebung des Cassius Ende April oder Anfang Mai 175 (Marc. 24, 6ff.; Avid. Cass. 7ff.; Comm. 2, 2), der Aufbruch des Marcus etwa Mitte Juli 175 stattgefunden haben (Marc. 25, 1). Schon bevor der Kaiser nach dem Osten kam (vgl. Ammian. Marc. XXI 16, 11), wurde der Usurpator getötet und sein Haupt dem Kaiser überbracht (Dio LXXI 27, 2–28, 1. Marc. 25, 2–3). Der kurze Herrschaftstraum des Cassius hatte drei Monate sechs Tage gewährt (Dio LXXI 27, 3), also etwa Ende April bis Anfang August. Gegen die Familie und die Anhänger des Cassius verfuhr Marcus seinen stoischen Grundsätzen gemäss äusserst milde (Dio LXXI 27, 4. 28, 1–4. 30, 1. Marc. 24, 8. 25, 5. 8. 26, 11–13; Avid. Cass. 9, 1–4; Münzen mit Clementia Aug. vom J. 176, Cohen 28. 358). Doch wurde die Bestimmung getroffen, dass niemand Statthalter seiner Heimatprovinz werden dürfe, da Cassius als geborener Syrer Syrien längere Zeit verwaltet hatte (Dio LXXI 30, 4. 31, 1).

Trotz der schnellen Niederwerfung des cassianischen Aufstandes setzte Marcus in Begleitung seiner Gemahlin Faustina (Marc. 26, 4) und seines Sohnes Commodus (Comm. 2, 3) die einmal begonnene Reise nach dem Osten fort, zog durch Syrien, ohne Antiochia zu berühren, und kam nach Ägypten (Marc. 25, 11. 26, 1; Comm. 2, 3). Vielleicht hat er in Alexandreia den Winter 175–176 zugebracht (vgl. Marc. 26, 1–3); wenn er aber wirklich schon im Frühjahr 176 in Smyrna war (vgl. zum J. 176), so müsste er doch wohl schon Ende 175 wieder aufgebrochen sein. Er liess in Alexandreia eine seiner Töchter zurück (Marc. 26, 3), [2301] vielleicht Cornificia, deren (vermutlicher) Schwiegervater Petronius Mamertinus früher praefectus Aegypti gewesen war (CIL III 44. 77).

176: (Arm. Med. Parth. Max.) Germ. Sarm., p. m. trib. pot. XXX (10. Dec. 175–9. Dec. 176) imp. VIII. cos. III. p. p.

Dass Marcus schon im Frühjahr (etwa im März) 176 in Smyrna gewesen, schloss man (vgl. Clinton fasti Romani zum J. 176) aus einer Stelle des Aristides (or. XXII Bd. I 440 Dind.), wonach Commodus (und also Marcus mit ihm) die Dionysien dort gefeiert hätte. Die gemeinten Dionysien aber fanden in Smyrna sicher im Monat Anthesterion im Frühling statt (Aristid. or. XV Bd. I 373 Dind. Philostr. vit. soph. I 25, 1 p. 42 Kayser). Doch scheint mir jene Folgerung nach dem Wortlaut (καὶ τριήρης τις ἦν δεικνυμένη μὲν Διονυσίοις) nicht zweifellos zu sein, zumal sie mit dem sonst über Marcus Reise Bekannten wenig zusammenstimmt. Marcus müsste dann den ganzen Sommer 176 in Kleinasien oder Sommer und Herbst in Athen zugebracht haben. Wahrscheinlicher ist es, dass Marcus erst im Spätsommer 176 nach Smyrna kam und im Frühjahr 176 von Alexandreia aufbrach (eine ihm hier gesetzte Inschrift CIL III 13 = III Suppl. 6578 = Dessau 373 ist vom J. 176).

Marcus zog durch Syrien, wo er jetzt auch Antiochia besuchte (Marc. 25, 12), und Kappadokien, wo er am Fusse des Taurus in einem Dorfe Halala (= Faustinopolis?) seine Gemahlin Faustina durch einen plötzlichen Tod verlor (Marc. 26, 4. Dio LXXI 29, 1). Er betrauerte sie sehr (Dio LXXI 30, 1. Iulian. Caes. 312 B; vgl. den Brief des Marcus an Herodes Atticus, Philostr. vit. soph. II 1, 12 p. 70 Kayser) und erwies ihr in überschwenglichem Masse die letzten Ehren (Marc. 26, 4–9 ; vgl. unter Annia Galeria Faustina Nr. 121). Obwohl Fabia, die Schwester des L. Verus (Verus 10, 4) und wahrscheinlich frühere Braut des Marcus (vgl. o. II a), sich bemühte, an Faustinas Stelle Kaiserin zu werden, wollte Marcus doch keine zweite Ehe schliessen, um nicht seinen zahlreichen Kindern eine Stiefmutter zu geben, sondern nahm die Tochter eines Procurators seiner Gemahlin (vielleicht des Pudens, Dio LXXI 29, 1?) zur Concubine (Marc. 29, 10).

Auf seiner weiteren Reise verweilte der Kaiser einige Tage in Smyrna, wo er den Rhetor Aristides hörte (Philostr. vit. soph. II 9, 2 p. 87 Kayser, vgl. Arstid. I 439ff. Dind.), sodann längere Zeit in Athen, zur Zeit der grossen Eleusinien (September bis October), um sich in die eleusinischen Mysterien einweihen zu lassen (Philostr. vit. soph. II 10, 4 p. 92. II 1, 12 p. 70 Kayser. Dio LXXI 31, 3. Marc. 27, 1). Auch bestellte damals Marcus in Athen öffentliche Professoren der vier bedeutendsten Philosophenschulen, nämlich der Platoniker, Stoiker, Peripatetiker und Epikureer, deren erste Auswahl er seinem früheren Lehrer Herodes Atticus überliess (Philostr. vit. soph. II 2 p. 73 Kayser). Diese erhielten fortan ein jährliches Gehalt von 10 000 Drachmen (Luc. Eunuch. 3) und ausserdem zahlreiche Vergünstigungen (Philostr. vit. soph. II 10, 4 p. 93 Kayser). Vielleicht hielt damals in Athen Aristides die Rede εἰς βασιλέα (IX 98ff., vgl. 111 Dind. Schmid Rh. Mus. XLVIII 1893, 83). [2302]

Als Marcus etwa Anfang November 176 von Athen nach Italien zurückfuhr, hätte er durch einen starken Sturm beinahe Schiffbruch gelitten; doch landete er glücklich in Brundisium und zog dann im Friedenskleide in seine Hauptstadt ein (Marc. 27, 2–3; vgl. fort. red. Cohen 210. 939. 203), die er acht Jahre hindurch nicht betreten hatte (Dio LXXI 32, 1). Zur Feier seiner Ankunft liess er jedem Bürger 200 Denare geben (Dio LXXI 32, 1). Gleich nach seiner Rückkehr hielt Marcus (am 27. November 176) einen glänzenden Triumph (Marc. 27, 3) de Germanis (Cohen 154. 161) und de Sarmatis (Cohen 164f.), quod omnes omnium ante se maximorum imperatorum glorias supergressus bellicosissimis gentibus deletis aut subactis..., wie die leider unvollständig erhaltene Inschrift auf seinem Triumphbogen in Rom lautet (CIL VI 1014 = Dessau 374). Der Triumph erfolgte sicher vor dem 10. December 176 (wegen trib. pot. XXX, CIL VI 1014. Cohen 154. 161. 164f.). Da nun Marcus am 27. November 176 seinen Sohn zum Mitregenten erhob, indem er ihm den Titel imperator verlieh (Comm. 2, 4. 12, 4; vgl. Marc. 16, 1. Mommsen St.-R. II³ 1154, 4), so wird dies bei Gelegenheit des Triumphes geschehen sein, Marcus also am 27. November triumphiert haben. Seitdem heisst er nun auch auf den Münzen p. p. (Cohen 154. 161. 164f. 358ff. 938f., vgl. o. zum J. 161 γ 5). Beinahe einen Monat später, am 23. December 176, triumphierte auch der zum Imperator erhobene Commodus (Comm. 12, 5; vgl. Cohen 237 nr. 76–78. 239 nr. 93f.), wobei der Vater neben dem Triumphwagen des Sohnes herging (Marc. 16, 2). Es ist also unrichtig, wenn wiederholt angegeben wird, Commodus habe mit seinem Vater zusammen triumphiert (Comm. 2, 4; Marc. 16, 1. 17, 3. Eutrop. VIII 13. Euseb.-Hieron. chron. a. Abr. 2193; vgl. Herzog St.-V. II 1, 383, 1); auch die im J. 177 geschlagenen Münzen (Cohen 367. p. 327 nr. 738), auf denen Vater und Sohn zusammen auf dem Triumphwagen erscheinen, beweisen dies nicht. Der doppelte Triumph konnte wohl zu einer Darstellung verbunden werden; doch bleibt auch die Möglichkeit, dass Commodus am 27. November zugleich mit seinem Vater noch als Caesar, und dann am 23. December für sich noch einmal als Imperator triumphiert hat. Nach den langen Kriegsjahren freute man sich in diesem Jahr um so mehr des Friedens und der allgemeinen Sicherheit (pax Aug. Cohen 438f., pax aeterna Aug. Cohen 360–362, securitas pub. Cohen 588–591).

177: (Arm. Med. Parth. Max.) Germ. Sarm., p. m. trib. pot. XXXI (10. Dec. 176–9. Dec. 177) imp. VIII und IX. cos. III. p. p.

Nach den Anstrengungen der Reise, der Triumphe und der sich anschliessenden Festlichkeiten scheint Marcus erholungsbedürftig gewesen zu sein. Er zog sich etwa Anfang dieses Jahres (177) für einige Zeit nach Lavinium zurück (Marc. 27, 4). Dann aber kehrte er nach Rom zurück, um seinem Sohn Commodus, der in diesem Jahr auch das ordentliche Consulat bekleidete (Comm. 2, 4; Marc. 16, 2. CIL VI 631. XIV 328), feierlich die tribunicia potestas zu verleihen (Marc. 27, 5. Cohen 326f. nr. 733–738; vgl. über die schwierige Berechnung derselben Mommsen St.-R. II³ 801, 2. [2303] Herzog St.-V. II 1, 384 Anm. und unter L. Aurelius Commodus). Nicht viel später erhielt Commodus auch den Augustusnamen, sowie den Titel p(ater) p(atriae) und wurde damit zum gleichberechtigten Mitkaiser erhoben (Cohen 237 nr. 79–92. 239 nr. 95–103. 327 nr. 743–750).

c) Samtherrschaft des Marcus und Commodus: 177–180.

Beide Kaiser nahmen im J. 177 eine imperatorische Begrüssung an (Münzen des Marcus mit imp. IX Cohen 369f. 374. 378f. 442. 505. 951f. 1026, und des Commodus mit imp. II Cohen 328 nr. 751–759. 355 nr. 981). Es wird also schon in diesem Jahr der Markomanenkrieg von neuem ausgebrochen und von den Römern ein Sieg erfochten sein (vielleicht von den Quinctilii, Dio LXXI 33, 1).

178: (Arm. Med. Parth. Max.) Germ. Sarm., p. m. trib. pot. XXXII (10. Dec. 177–9. Dec. 178) imp. IX. cos. III p. p.

Gemäss der Anordnung Hadrians vom J. 118, alle fünfzehn Jahre eine Revision der Restforderungen vorzunehmen (vgl. unter Aelius Nr. 64 IV c), erliess Marcus im J. 178 (Cassiodor. chron.) alle rückständigen Steuern für Aerar und Fiscus (Dio LXXI 32, 2. Marc. 23, 2. Euseb.–Hieron. chron. a. Abr. 2194. Chronograph vom J. 354; vgl. Mommsen St.-R. II³ 1015, 4). In demselben Jahr wurde Smyrna durch ein Erdbeben zerstört, und Marcus beauftragte auf die Fürsprache des Rhetors Aristides einen Praetorier mit dem Wiederaufbau der Stadt (Dio LXXI 32, 3. Aristid. I 762ff., vgl. 424ff. Dind. Philostr. vit. soph. II 9, 2 p. 87 Kayser. Euseb.–Hieron. chron. a. Abr. 2195). Infolge des neu entstandenen Germanenkrieges vermählte Marcus seinen Sohn und Mitherrscher schneller, als er ursprünglich beabsichtigte, mit Crispina, der Tochter des L. Fulvius... Bruttius Praesens (Dio LXXI 33, 1. Marc. 27, 8. CIL X 408 = Dessau 1117), und brach dann, da die beiden Brüder Sex. Quinctilius Cordianus und Sex. Quinctilius Valerius Maximus den Krieg nicht beendigen konnten (Dio LXXI 33, 1), mit Commodus am 3. August 178 (Comm. 12, 6, vgl. 2, 5) von Rom zur expeditio Germanica secunda (CIL II 4114) oder Sarmatica (CIL X 408 = Dessau 1117) auf (Dio LXXI 33, 1. Marc. 27, 9).

179: (Arm. Med. Parth. Max.) Germ. Sarm., p. m. trib. pot. XXXIII (10. Dec. 178–9. Dec. 179) imp. IX und X. cos. III. p. p.

Tarrutenius Paternus erfocht in diesem Jahr einen so bedeutenden Sieg, dass beide Kaiser den Imperatortitel erneuerten, Marcus zum zehnten und letzten, Commodus zum drittenmale (Dio LXXI 33, 3–4. Cohen 186f. 380. 385. 967–971. p. 259 nr. 234–237. p. 330 nr. 768–776).

180: (Arm. Med. Parth. Max.) Germ. Sarm., p. m. trib. pot. XXXIV (10. Dec. 179–17. März 180) imp. X. cos. III. p. p.

Schon war Marcus nach einem neuen dreijährigen Kriege (178–180) wieder nahe daran, durch Einrichtung neuer Provinzen die Unterwerfung der Feinde zu vollenden, als er wiederum von seiner Lebensarbeit plötzlich abberufen wurde, diesmal durch den Tod (Marc. 27, 10. Dio LXXI 33, 4). Nach einer siebentägigen (Marc. 28, 8) Krankheit starb Marcus am 17. März 180 (Dio LXXI 33, 4. [2304] Tertullian. apologet. 25) zu Sirmium (Tertullian. a. a. O.), wo auch früher sein Hauptquartier gewesen war (Philostr. vit. soph. II 1 p. 67 Kayser), oder zu Wien (Vict. Caes. 16, 12; epit. 16, 12). Man fabelte, dass er von den Ärzten dem Commodus zu Gefallen vergiftet sei (Dio LXXI 33, 4). Vielleicht war die Krankheit, der er erlag (vgl. auch Herodian. I 3, 1. 4, 7), die Pest (vgl. Marc. 28, 4. 8). Zwei Tage vor seinem Tode hatte er seinen Sohn Commodus als seinen Nachfolger den Freunden und dem Heere empfohlen (Dio LXXI 34, 1. Herodian. I 4. Marc. 27, 11–28, 10). Marcus wurde einstimmig consecriert und nicht nur divus, sondern auch Pius genannt (Marc. 18, 3. 5. Eutrop. VIII 14. Cohen 78–98. 176. 1056–1059. CIL II 1340. VIII 305 = Dessau 378. Eph. ep. V 1180 = Dessau 377). Es wurde ihm ein Tempel errichtet, sacerdotes, sodales und flamines eingesetzt (Marc. 18, 8. Vict. Caes. 16, 13; epit. 16, 14) und seine goldene Bildsäule im Senate aufgestellt (Dio LXXI 34, 1); in vielen Häusern fand sein Standbild unter den Penaten Platz (Marc. 18, 5–6). Noch heute erinnern an ihn die Antoniussäule auf der Piazza Colonna und seine Reiterstatue auf dem Capitol.

Der Eindruck, welchen die Regierung und die Persönlichkeit Marc Aurels gemacht hat, ist ein sehr nachhaltiger gewesen. Die Zeit seiner Herrschaft galt als die goldene im Vergleich zur eisernen Folgezeit (Dio LXXI 36, 4). Septimius Severus wünschte für seinen Sohn zu gelten (vgl. Dio LXXV 7, 4 und die Inschriften) und nannte seinen erstgeborenen Sohn und Thronfolger mit seinem Namen. Seitdem führen zahlreiche Kaiser den Namen M. Aurelius, so Elagabal, Alexander, Claudius, Probus, Carus und seine Söhne, Maximianus und Maxentius. Diocletian ehrte ihn ganz besonders (Marc. 19, 12) und Iulian nahm ihn sich zum Vorbilde (Amm. Marc. XVI 1, 4. Iulian. ep. ad Themist. p. 253; Caesares p. 312. 317. 328. 333ff.).

IV. Verwaltungsmassregeln (Übersicht).

a) Provinzen:

Provincias ex proconsularibus consulares aut ex consularibus proconsulares aut (ex procuratoriis? Hirschfeld) praetorias (ex praetoriis consulares? v. Domaszewski) pro belli necessitate fecit (Marc. 22, 9). So machte er vorübergehend Baetica um das J. 172–173 aus einer proconsularischen zu einer kaiserlichen und umgekehrt Sardinien aus einer kaiserlichen zu einer senatorischen Provinz (Sev. 2, 3; vgl. Marquardt St.-V. I² 249, 4 und oben zum J. 172); ebenso Pannonia inferior aus einer praetorischen zu einer consularischen Provinz (vgl. v. Domaszewski Rh. Mus. XLV 1890, 207 und oben zum J. 169); Dacien dauernd aus zwei praetorischen Provinzen zu einer consularischen Provinz, endlich Raetien und Noricum aus procuratorischen zu praetorischen Provinzen. Die Umgestaltung der Provinz Dacien geschah zwischen 161 (CIL III 1171) und 170 (CIL III Suppl. 7505; vgl. VIII 9365 = Dessau 1099) also wahrscheinlich im J. 167 oder 169 aus Anlass der Markomanenkriege (vgl. oben zum J. 169), und zwar in der Weise, dass sie in drei Verwaltungsbezirke, Dacia Porolissensis, Apulensis und Maluensis, zerlegt und einem consularischen legatus Aug. pr. pr. (oder später consularis) trium Daciarum unterstellt wurde (vgl. Marquardt [2305] St.-V. I² 309f.). Raetien erhielt, nach Hirschfelds Ansicht (S.-Ber. Akad. Berl. 1889, 430f.), von Marcus zuerst einen procurator Augustorum pro legato (CIL V 3936), dann einen praetorischen Legaten als Commandant der legio III Italica und als Statthalter (vgl. oben zum J. 169). Die bis dahin mit Raetien vereinigte vallis Poenina wurde losgetrennt und zusammen mit den graischen Alpen einem eigenen Procurator unterstellt (Mommsen CIL III p. 588. 707. V 2 p. 757. XII p. 20). Zuweilen vereinigte auch Marcus mehrere Provinzen unter einem Commando, z. B. die östlichen Provinzen unter Avidius Cassius (s. denselben), Dacia und Moesia superior unter M. Claudius Fronto (CIL III 1457 = Dessau 1097). Im J. 175–176 traf er die Bestimmung, dass niemand Statthalter seiner Heimatprovinz werden dürfe (Dio LXXI 30, 4). Im allgemeinen provincias ingenti benignitate et moderatione tractavit (Marc. 17, 1 = Eutrop. VIII 12). Die Beschuldigung, dass er die Statthalter nicht strenge genug beaufsichtigt habe, steht in einem gefälschten Briefe (Avid. Cass. 14, 7).

b) Beamte:

Hadrians Beamtenorganisation wurde von Marcus weiter geführt (Hirschfeld V.-G. I 293), indem neben dem procurator a rationibus (oder rationalis, wie er seit dieser Zeit auch heisst) ein Unterdirigent der Fiscalverwaltung unter dem Titel procurator summarum rationum (CIL VI 1564. X 1785. VI 1598. Hirschfeld V.-G. I 35), neben dem praefectus annonae ein subpraefectus annonae (CIL V 8659. X 7583f. VI 1646. III 1464. 6575. Hirschfeld V.-G. I 138) eingesetzt wurde. Ferner erneuerte Marcus das Amt der von Hadrian eingesetzten, aber von Pius wieder aufgegebenen Gerichtsdirectoren Italiens unter dem Namen iuridici Italiae, allerdings nicht wie unter Hadrian mit consularischem, sondern mit praetorischem Range (Dio LXXVIII 22, 1. Marc. 11, 6. Mommsen St.-R. II³ 1085, 3), und zwar zwischen 161–169 (CIL V 1874 = Dessau 1118). Im Zusammenhang damit scheint die Ernennung eines eigenen praefectus alimentorum mit consularischem Range und dem Sitze in Rom (Hirschfeld V.-G. I 117–120), sowie der procuratores alimentorum in einzelnen Distrikten Italiens (Hirschfeld V.-G. I 120f.) zu stehen (CIL X 3865. III 249. XIV 2922. Pertinax 2, 2; vgl. Marc. 11, 2). Neu eingesetzt wurde zwischen 161 und 169 (CIL V 1874) der praetor tutelaris (Marc. 10, 11. Mommsen St.-R. II³ 226, 1); vermehrt die Zahl der curatores civitatium (Marc. 11, 2. Herzog St.-V. II 1, 394, 1); mit festem Rang und Gehalt ausgestattet die consiliarii Augusti (vgl. CIL VI 1634. X 6662. CIG 1167. 5895. Hirschfeld V.-G. I 215, 4).

c) Finanzwesen:

In finanziellen Dingen übte der Kaiser eine zugrosse Nachsicht (vgl. Marc. 11, 2. 12, 5. 23, 3. Schiller Gesch. d. röm. Kaiserzeit I 2, 652f.). So sparsam er auf der einen Seite sein konnte (Dio LXXI 3, 3; οἰκονομικώτατος Dio LXXI 32, 4; in largitionibus pecuniae publicae parcissimus Marc. 23, 2), so übertrieben freigebig gab er auf der andern Seite bei verschiedenen Anlässen grosse Geldgeschenke an Heer und Volk (Dio LXXI 32, 1. LXXIII 8, 4. Marc. 7, 9. 22, 12. 27, 5–8. Zahlreiche Münzen mit lib. Aug. und cong. Aug.; die Gesamtsumme [2306] der Congiarien beim Chronographen vom J. 354; vgl. die Berechnung bei Marquardt St.-V. II² 189. 141). Auch gab er prächtige Spiele (Marc. 12, 11. 17, 7. 27, 5) und dehnte die Getreideverteilung aus (Marc. 7, 8. 26, 6). Er erliess im J. 178 die rückständigen Steuern für Aerar und Fiscus (s. o. zum J. 178) und unterstützte mehrfach die durch Hunger oder Erdbeben heimgesuchten Gemeinden, namentlich in Italien und Asien (Marc. 11, 3. 23, 3. Fronto p. 98f. Dio LXXI 32, 3; vgl. o. zum J. 178). Um der Finanznot während des Markomanenkrieges abzuhelfen, veranstaltete er im J. 169 eine grosse Auction kaiserlicher Kostbarkeiten (s. o. zum J. 169).

d) Rechtswesen:

Mit pedantischer Genauigkeit und Pflichttreue übte der Kaiser selbst die Rechtspflege aus, auch während des Krieges (vgl. Philostr. vit. soph. II 1, 11 p. 68f. Kayser), so dass er oft elf bis zwölf Tage auf einen einzigen Process verwandte und sogar die Nächte zu Hülfe nahm (Dio LXXI 6, 1). Auch bestimmte er genau die Zahl (230) der jährlichen Gerichtstage (Marc. 10, 10). Die Capitalverbrechen urteilte er selbst ab, und zwar mit höchster Billigkeit (Marc. 24, 2). Die Entscheidung fällte er nach dem Rat und Entwurf seiner praefecti (praetorio), die sich daher regelmässig in seiner Umgebung befanden (Marc. 11, 10. Philostr. vit. soph. II 1, 11. Dio Bd. V p. 206 Dind. Mommsen St.-R. II³ 1121, 1. 1120, 5). Auch bediente er sich gern des Rechtsgelehrten Scaevola (Marc. 11, 10), der zu den consiliarii Augusti gehört haben wird. Den curatores regionum et viarum verlieh er eine gewisse Strafgewalt (Marc. 11, 9). In Rom und in den Provinzen richtete er Standesämter ein, bei denen die Geburts- und Sterbefälle zu melden waren (Marc. 9, 7–9). Im allgemeinen ius magis vetus restituit, quam novum fecit (Marc. 11, 10). Zahlreich sind seine Verordnungen und Gesetze (vgl. z. B. Marc. 9, 7–11, 10. 13, 4. 23, 4–24, 3; besonders Hänel Corpus legum 114–132).

e) Heerwesen:

Um das durch die zahlreichen Niederlagen und durch die Pest (Marc. 17, 2) ausserordentlich geschwächte Heer zu verstärken, hob Marcus nicht nur zwei neue Legionen aus, die legio II Italica, die er nach Noricum, und die legio III Italica, die er nach Raetien verlegte (Dio LV 24, 4; vgl. Marc. 21, 8 und oben zum J. 169), sondern er reihte auch Sklaven unter dem Namen voluntarii, Gladiatoren unter dem Namen obsequentes und Räuber aus Dalmatien und Dardanien in das Heer ein (Marc. 21, 6–7). Ausserdem errichtete er eine neue Gattung von Leichtbewaffneten, die Diogmiten (Marc. 21, 7; vgl. Ammian. Marc. XXVII 9, 6) und erkaufte deutsche Hülfsvölker zum Kampf gegen ihre Landsleute (Marc. 21, 7). Trotzdem er den Soldaten gegenüber zurückhaltend war (Dio LXXI 3, 3) und σωφρόνως καὶ ἐγκρατῶς αὐτῶν ἦρχε (Dio LXXI 3, 4), so wurde er doch von ihnen einzig geliebt (Marc. 28, 7).

f) Verhältnis zum Senat:

Auf jede Weise ehrte Marcus den Senat, ernannte ihn oft zum Richter und bestimmte, dass an ihn von den Consuln appelliert werden dürfe, nahm an seinen Sitzungen fleissig teil, kam zu ihnen selbst aus Campanien in die Hauptstadt und verliess sie erst auf das Entlassungswort des Consuls, gewährte armen [2307] Senatoren tribunicische und aedilicische Würden (Marc. 10, 1–9) und holte unnötiger Weise die Erlaubnis des Senates ein, wenn er Geld aus dem Aerar nehmen wollte (Dio LXXI 33, 2). Er wünschte sehr, dass unter seiner Regierung kein Senator getötet werden möchte (Marc. 10, 6. 25, 6. 26, 13. 29, 4. Dio LXXI 30, 2), liess sich aber doch nicht zu der Versicherung bestimmen, dass er über keinen Senator ein Todesurteil fällen wolle (Mommsen St.-R. II³ 961, 3). Cum populo autem, non aliter egit, quam est actum sub civitate libera (Marc. 12, 1, vgl. Dio LXXI 33, 2).

V. Charakter.

a) Äusseres:

Marcus besass eine kleine, schmächtige Gestalt, weisse Hautfarbe, kurze mit Grau gemischte Haare, einen schönen Vollbart (vgl. Iulian. Caes. 317 C), eine grosse Nase und schöne Augen (Malalas XI 281 Bonn.; vgl. sein Bildnis auf den Münzen und die erhaltenen Bildsäulen). Während er ursprünglich kräftig gewesen war, so dass er fechten und wilde Eber auf der Jagd vom Pferde aus bezwingen konnte (Dio LXXI 36, 1–2, vgl. Fronto p. 68ff. Marc. 4, 8), so wurde sein Körper ἐκ τῆς πολλῆς ἀσχολίας τε καὶ ἀσκήσεως (Dio), sowie ὑπὸ τῆς ἐνδείας τῶν τροφῶν (Iulian.) ausserordentlich schwach und kränklich (Dio LXXI 36, 1. Iulian. Caes. 317 C; ἀσθενὴς τῷ σώματι Dio LXXI 1, 2. 6, 3, vgl. 24, 4. 34, 2. 36, 3). Namentlich Brust und Magen befanden sich übel, und er brauchte regelmässig den Theriak als Heilmittel (Dio LXXI 6, 4); trotzdem erkrankte er im J. 175 so, dass man seinen Tod erwartete (Dio LXXI 22, 3). Nur geringe Nahrung konnte er zu sich nehmen, meist des Nachts (Dio LXXI 6, 3. 24, 4; vgl. Iulian. a. a. O.). und an die nordische Kälte musste er sich erst sehr allmählich gewöhnen (Dio LXXI 6, 3). Dann aber brachte er es durch ständige Abhärtung und seine gewaltige Willenskraft dahin, dass er die Strapazen ertragen konnte (τὸ σῶμα ἐκ ἀσθενεστάτου καρτερικώτατον ἀπέδειξε, Dio LXXI 34, 2).

b) Tugenden:

Im allgemeinen wird von Marcus τὸ μέγεθος αὐτοῦ τῆς ἀρετῆς (Iulian. Caes. 312 B) und seine sanctitas (Marc. 15, 3) gerühmt; ἀρετῆς πάσης ἔμελεν αὐτῷ (Herodian. I 2, 3); εἶχε τὰς ἀρετὰς ἁπάσας, ἁπάντων τῶν ἁμαρτημάτων ἀπείχετο καὶ οὔτε ἑκὼν οὔτ’ ἄκων ἐπλημμέλει (Dio LXXI 34, 2–3); er war καθαρὸς διὰ πάντων καὶ χρηστὸς καὶ εὐσεβὴς (Dio LXXI 30, 2), ὡς ἀληθῶς ἀγαθὸς ἀνήρ (Dio LXXI 34, 5). Sein Lebensziel war nach Iulian (Caes. 333 C) τὸ μιμεῖσθαι τοὺς θεοὺς, d. h. δεῖσθαι μὲν ὡς ἐλαχίστων, εὖ ποιεῖν δὲ ὡς ὅτι μάλιστα πλείστους (334 A). Im einzelnen werden hervorgehoben seine gewissenhafte Arbeitsamkeit und Pflichttreue (Dio LXXI 6, 1–2), seine Wahrheitsliebe (Fronto p. 29. 34. 49), seine Freigebigkeit (Eutrop. VIII 12, vgl. o. IV c), seine Milde und Nachsicht (Marc. 13, 6. 12, vgl. o. zum J. 175) selbst gegen seine Feinde (Dio LXXI 14, 1. 26, 2–4. 27, 4. 30, 1–4), mit einem Worte seine Humanität (vgl. Herzog St.-V. II 1, 386, 4; über seinen Charakter überhaupt besonders seine eigene Schrift; Dio LXXI 30. 34–36. Marc. 4, 8–10. 6, 10. 8, 1. 12, 2. Iulian. Caes. 317. 333. Herzog St.-V. II 1, 394–396.

Stammbaum

WS: Im Original befindet sich der Stammbaum auf den Spalten 2289–2290.

Pauly-Wissowa I,2, 2289a - family tree Annius 94.jpg


Selbstgespräche

Die ‚Selbstgespräche‘ des Kaisers wurden zuerst [2308] 1558 von Xylander nach einem jetzt leider verlorenen Codex Palatinus ediert. Dieser Palatinus und nach seinem Verschwinden die Editio princeps bildet die bei weitem wertvollste Grundlage der Überlieferung. Den vollständigen Text der ‚Selbstgespräche‘ enthält von noch vorhandenen Hss. nur der Vaticanus 1950 (A), aber in bei weitem verderbterer Gestalt. Ausserdem giebt es zahlreiche Hss., welche umfangreiche Excerpte enthalten. Unter diesen ist von Bedeutung die auf gemeinsamen Ursprung zurückgehende Gruppe, welche die Excerpte aus den ‚Selbstgesprächen‘ mit solchen aus Aelians Tiergeschichte untermischt überliefert. Stich in der Praefatio seiner Ausgabe p. XI weist nach, dass dieser Zweig der Überlieferung auf eine Sentenzen– und Epigrammensammlung des Maximus Planudes zurückgeht. Von den nicht zu dieser Gruppe gehörigen Excerptenhandschriften verdient noch Erwähnung der Monacensis gr. 323. Der Titel lautet in der Editio princeps und im Monacensis 323 τὰ εἰς ἑαυτόν, in der planudeischen Gruppe τὰ καθ’ ἑαυτόν. Da beide Formen sprachlich und sachlich möglich sind, muss die grössere Autorität der Editio princeps den Ausschlag geben. Die Einteilung in 12 Bücher beruht auf der Editio princeps, der Vaticanus A bezeichnet die Buchanfänge nur zum Teil. Die Kapiteleinteilung fehlt in der Editio princeps; sie wurde zuerst in der Editio Lugdunensis von 1626 ohne hsl. Autorität eingeführt und in derselben Weise von Casaubonus (Lund. 1643) und von Gataker (Cantabr. 1652) im einzelnen verbessert. Mehrfach ist endlich diese Kapiteleinteilung auf Grund der Überlieferung von Stich in seiner Ausgabe berichtigt worden. Verfehlt war der Versuch von P. de Joly, eine sachlich–systematische Anordnung des Ganzen in willkürlicher Abweichung von der Überlieferung durchzuführen (Paris 1774). Von Ausgaben nennen wir ausser derjenigen des Xylander die von J. M. Schultz, Schleswig 1802 (von welcher diejenige F. Dübners bei Didot Paris 1840 ein blosser Abdruck ist), von Coraés in Πάρεργα Ἑλληνικῆς Βιβλιοθήκης Vol. IV, Paris 1816, ausgezeichnet durch zahlreiche gelungene Textverbesserungen, endlich die allein noch in Betracht kommende kritische Ausgabe von Johannes Stich Bibl. Teubn. 1882, in deren Praefatio das Nähere über Hss. und Ausgaben.

Ihrem Inhalte nach gehören die ‚Selbstgespräche’ des Kaisers M. Aurelius jener ethischen Popularphilosophie stoischer Färbung an, welche in den ersten Jahrhunderten der Kaiserzeit einen bedeutenden Kulturfactor bildete und vor ihm in Musonius, Dio von Prusa, Epiktet ihre bedeutendsten Vertreter gehabt hatte. Namentlich mit Epiktet, den er warm bewunderte, stimmt Kaiser Marcus in den Grundgedanken seiner Lebensanschauung überein. In Form zwangloser Aphorismen zeichnet der Kaiser, wie ihn das Bedürfnis seines Gemütes treibt, in immer neuen Wendungen die aus wenigen Grundwahrheiten fliessenden Reflexionen auf, in denen er die Leitmotive seines Handelns findet und den Frieden des Herzens sucht. Um die wissenschaftliche Begründung dieser Wahrheiten bekümmert er sich weniger; er hat sie als Glaubenssätze mit einer fast religiösen Innigkeit ergriffen. Aus dem stoischen System, dessen logische [2309] und physikalische Untersuchungen ihn nicht interessieren, sind diejenigen Sätze ausgewählt, welche geeignet scheinen, der Gemütsruhe als unerschütterliche Grundlage zu dienen und zu aufopfernder Pflichterfüllung und Menschenliebe anzuspornen. In ihrer Verbindung bilden diese Sätze mehr eine religiös gefärbte Weltanschauung als eine Philosophie. Die Grundvoraussetzung, von der alles getragen wird, ist ein optimistischer Pantheismus. Die Welt und alles einzelne Geschehen in ihr wird von der Gottheit durchwohnt und in der denkbar vollkommensten Weise zu einem vernünftigen Gesamtzweck hingeleitet, dem auch das scheinbare Übel dienen muss. Derselbe göttliche Geist ist es, der in der ursächlichen Verknüpfung alles Geschehens als Gesetz und Naturnotwendigkeit zum Ausdruck kommt und der als Vorsehung und Vernunft alles zum Besten leitet. In diesen notwendig-vernünftigen Process sich freiwillig zu schicken und selbstthätig seine Zwecke fördern zu helfen, ist die Aufgabe des Menschen, deren Erfüllung ganz in seine Macht gestellt ist und ihm volle Glückseligkeit verleiht. Quelle aller Unseligkeit ist es, das Glück von äusseren Dingen zu erwarten, die nicht ἐφ’ ἡμῖν sind, nicht von unserm Willen abhangen. Nur in dem richtigen Verhalten dem Weltlauf gegenüber, an dem uns keine Macht Himmels und der Erde hindern kann, liegt das Glück beschlossen. Dieses richtige Verhalten hat eine mehr passive Seite in der unbedingten Ergebung in den göttlichen Willen und eine mehr active in der liebevollen Förderung des Wohles unserer Mitmenschen, durch welche wir zu selbständigen Mitarbeitern der göttlichen Weltvernunft werden, von welcher unsere Seele ein Teil und Absenker ist.

Die sehr umfangreiche Litteratur giebt am vollständigsten Überweg-Heinze I 245f. Vgl. vor allem Zeller Philos. der Gr. IV³ 754ff.; Vorträge u. Abhdlgn. I 89ff.

Nachträge und Berichtigungen

Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
Band S X (1965), Sp. [S_X 21]
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S. 2307, 66 zum Art. M. Annius Verus 94):

Er pflegte den theatralischen Aufführungen beizuwohnen (Iul. Capitol. M. Ant. phil. 4, 8), aber bei der Begeisterung der Zuschauer und den nicht seltenen Unruhen war er genötigt, die scenicae donationes zu begrenzen. Er verordnete, ut quinos aureos scenici acciperent, ita tamen ut nullus editor decem aureos egrederetur etc. etc.