RE:Aquileia 1

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band II,1 (1895), Sp. 318320
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Aquileia (Ἀκυληΐα meist die Griechen, Ἀκουιληΐα Ptol. III 1, 29. VIII 8, 6; Ἀκυλία Eustath. zu Dionys. 378; Einwohner Aquileiensis, Ἀκυλήϊος Steph. Byz.; Ἀκυλήσιος Herod.). 1) Grosse und blühende Stadt im Lande der Carner (Ptol. a. a. O. Strab. IV 206–208. Plin. III 126). Im J. 571 = 183 hatten die Römer den Versuch gallischer über die Alpen kommender Scharen, unweit (12 Meilen davon: L. Piso bei Plin. III 131, neuere Hypothesen über die Lage verzeichnet Maionica Aquil. 6, 4) der Stätte A.s eine Niederlassung zu gründen, mit Waffengewalt verhindert (Liv. XXXIX 22, 6. 45, 6. 54. 55. Strab. V 214). Um dauernd gegen solche Versuche gesichert zu sein, beschloss der Senat die Anlegung einer starken Colonie im Nordwinkel des adriatischen Meeres. Die Deduction durch zwei Consulare, P. Scipio Nasica und C. Flaminius, und einen Praetorier, L. Manlius Acidinus, erfolgte im J. 573 = 181 (Liv. XL 34, 2): eine dem letzteren gesetzte (doch schwerlich gleichzeitige) Ehrenbasis (CIL V 873) ist das älteste Monument A.s. Man wählte in der Ebene zwischen den Flüssen Alsa (Ausa) und Natiso (Natisone) einen Ort 60 Stadien von der Küste (Strab. V 214), welcher zwar bedeutender künstlicher Befestigungswerke bedurfte, aber durch die Nachbarschaft der See und die gute Verbindung mit dem Hinterlande bis zu den Alpenpässen grosse Vorteile darbot. Strabon sowohl wie Mela II 61 und Herodian VIII 2, 6 nennen die Stadt am Natiso gelegen, Plin. III 126 sagt Natiso cum Turro (jetzt Torre) praefluentes coloniam Aquileiam. Jetzt fliesst der Natisone ungefähr 8 Km. nordöstlich von A. in den Isonzo, doch ist es bei der Configuration des Terrains sehr möglich, dass in römischer Zeit der Natiso weiter westlich geflossen ist und direct unterhalb A. ins adriatische Meer mündete. Ein Canal, der vom modernen A. zum Meere führt, heisst noch Natissa und bezeichnet möglicherweise den alten [319] Flusslauf. Die bedeutende Zahl der Colonisten (3000 pedites) und der Umfang der Landanweisung (je 50 iugera den pedites, 100 den Centurionen, 140 den equites) zeugt für die Bedeutung, welche man der Gründung beilegte. Heilverkündender Adlerflug soll der neuen Pflanzstadt den Namen gegeben haben (Iulian. or. II 72 A. Eustath. ad Dion. Per. 378. Philostorg. hist. eccl. XI 2). Im J. 585 = 169 wurden auf die Klage der Ansiedler, dass der noch nicht genügend befestigten Stadt von den umwohnenden Barbarenstämmen Gefahr drohe (Liv. XLIII 1) weitere 1500 Familien in A. angesiedelt (Liv. XLIII 17). Die Stadt wurde bald reich und blühend, nicht nur wegen ihrer strategischen Bedeutung, sondern vor allem durch ihren Handel, dessen Hauptgegenstand Naturproducte, Wein, Öl, Schlachtvieh, Häute, aber auch Sclaven waren (Strab. IV 207. V 214. VII 314; über den Handel A.s nach Norden vgl. A. v. Domaszewski bei R. v. Schneider Die Erzstatue vom Helenenberge, Wien 1893, 21f.). Nördlich von A. im Gebiet der Taurisker waren reiche, schon zur Zeit des Polybios bebaute Goldminen (Strab. IV 208). A. ist Knotenpunkt der wichtigsten Strassen vom adriatischen Meer über die Alpen, von hier aus geht die grosse Strasse über Emona nach Pannonien, die Via Iulia Augusta nach Noricum (Itin. Ant. 124. 126. 128. 270. 276. 279. 281; Hieros. 559. 563. Tab. Peut.). Zu Ciceros Zeit war bei A. die Zollgrenze Italiens (pro Fonteio 2; vgl. CIL V 703. 792). Aus einer colonia Latina wurde A., wahrscheinlich durch die lex Iulia municipalis 90 v. Chr., Municipium (vgl. u. a. Vitruv. I 4, 11. CIL V 903. 968). Es gehörte zur tribus Velina (Kubitschek Imp. rom. tributim discriptum 106). Als hauptsächlich in der Stadt verehrt nennt Herodian VIII 3, 8 (u. Hist. Aug. Maxim. 22) den norischen Belenus (= Apollo), dessen Tempel nach der Inschrift CIL V 732 von Diocletian und Maximian hergestellt wurde (s. Mommsen dazu). Als wichtiger militärischer Stützpunkt erscheint es u. a. bei Caesar (b. G. I 10) und in der früheren Kaiserzeit (Suet. Aug. 20; Tib. 7; Vesp. 6. Tacit. hist. II 46. 85. III 6. 8); von einem Streifzuge der Iapyden gegen A. unter Augustus berichtet Appian. Illyr. 18; in den darauf folgenden Zeiten der Ruhe aber gerieten die Befestigungen allmählich in Verfall (Herodian. VIII 2, 4). Vielleicht von Hadrian oder Antoninus Pius erhielt A. den Rang als colonia (Plin. III 130 bezieht sich dagegen eher auf die ältere colonia Latina, wie auch die gleich folgende Anführung aus L. Piso beweist). Im Markomannenkriege unter Marc Aurel wurde A. im J. 167 hart bedrängt (Amm. Marc. XXIX 6, 1), vermutlich mehr durch einen Handstreich, da die entfestigte Stadt eine ordentliche Belagerung schwerlich ausgehalten hätte. Der Kaiser Maximinus Thrax wird in einer Inschrift (CIL V 7989 vgl. 7990. 7992) Aquileiensium restitutor et conditor genannt, trotzdem ergriff die Stadt gegen ihn Partei für den Senat, und hielt, da Mauern und Türme in grösster Eile wieder hergestellt waren, eine heftige monatelange Belagerung aus, bei der schliesslich Maximinus selbst ermordet wurde (Herodian. VIII 2–5. Hist. Aug. Maximin. 21–23. [320] Eutrop. IX 1). Im J. 340 verlor Constantin II. im Treffen am Flusse Alsa unweit A. Reich und Leben (Vict. epit. 25. 41. Eutrop. X 9, 2. Hieron. chron. ad a. Abr. 2356. Nazar. panegyr. Const. 27); im J. 361 wurde A., das zur Partei des Constantius hielt, von Iulianus belagert und erobert (Ammian. Marcell. XXI 11–12. XXII 8, 49), auch in den Kämpfen zwischen Theodosius d. Gr. und Maximus 388 (Vict. epit. 48. Oros. VII 35. Pacatus panegyr. in Theodos. 38. 39. Zos. IV 46. Hydat. chron. p. 15 Momms. Auson. ord. nob. urb. IX), wie zwischen Theodosius II. und dem Usurpator Ioannes (Procop. bell. Vand. I 3. Philostorg. hist. eccl. XII 14) spielt A. eine Rolle. Ende des 4. Jhdts. zählt Ausonius (ord. nob. urb. IX) A. unter den grossen Städten an neunter Stelle auf (von italischen gehen Rom, Mediolanium, Capua vorher) und nennt es moenibus et partu celeberrima. Von dem häufigen Aufenthalt der Kaiser des 4. Jhdts. geben die Unterschriften in den Rechtsbüchern Zeugnis (s. besonders Iust. Novell. 29 praef. und die in Gothofredus-Ritters Index zum Cod. Theodos. nachgewiesenen Stellen; vgl. Maionica S. 28). Ein palatium Aquileiense erwähnt panegyr. in Maxim. et Const. 6. In der Notitia dignitatum erscheint A. als Sitz des praepositus thesaurorum (Occ. XI 27), des procurator monetae Aquileiensis (Occ. XI 41; Münzen mit dem Prägezeichen AQ sind sehr zahlreich; s. Mommsen in v. Sallets Ztschr. für Numismatik XV 239f.), des procurator gynecii Aq. (Occ. XI 49) und des praefectus classis Venetum (Occ. XLII 4); höchst wahrscheinlich war es auch Sitz des corrector Venetiarum et Histriae (Jord. Get. 42). Der Bedeutung A.s machte die Eroberung durch Attila 452 ein Ende (Cassiodor. chron. a. 1255 p. 157 Momms. Jord. Get. 42. Procop. bell. Vand. I 4. Marcell. Comes p. 84 Momms. Paulus Diac. histor. rom. XIV 9); doch bestand A. noch im 6. Jhdt. weiter und war Sitz eines Bischofs (Cassiodor. Var. XII 26. Paulus Diac. II 10), der sogar den Patriarchentitel führte (vgl. Ughelli Ital. sacr. V 1). Erst die Verlegung des Bischofssitzes nach der benachbarten Insel Grado infolge des Longobardeneinfalles von 568 (Paul. Diac. a. O.) bezeichnet das Ende der Stadt A.: der Ort selbst sank infolge der zunehmenden Ungesundheit zu einem ärmlichen Flecken herab und hat sich erst in neuester Zeit wieder etwas gehoben. Vgl. G. Bertoli Le antichità di Aquileja profane e sacre, Venezia 1739 fol. Mommsen CIL V p. 83. Maionica Aquileia zur Römerzeit, Progr. Görz 1881; Fundkarte von A., Progr. Görz 1893 (auch in den Xenia Austriaca, Wien 1893). R. v. Schneider Kunstgeschichtliche Charakterbilder aus Österr.-Ungarn 28ff. Gelegentliche Erwähnungen von A. noch bei Mart. IV 25, 5. Sil. Ital. VIII 606. Avien. descr. orb. III 528. CIL III 3836. 4788. X 6229; in stadtrömischen Soldateninschriften, s. Bohn Ephem. epigr. V p. 251. Griechische Inschriften aus A. Kaibel IGI 2337–2378. Lateinische CIL V 725–1727 a. 8206–8641. 8970–8986 a. Pais Suppl. 62–374. 1114–1224. Vgl. Gregorutti Le antiche lapidi di Aquileia, Triest 1876.

Nachträge und Berichtigungen

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Band S I (1903), Sp. 113–114
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S. 318, 28 zum Art. Aquileia:

Über neue Ausgrabungen in A. vgl. Maionica Mitt. d. Centralcommission 1894, 172 (Belenus-heiligtum). [114] 1896, 47. 1897, 73ff. 1898, 45–50 (Gräber an der Via Annia; Römischer Brennofen). 171. 1899, 171. 210. Bleitessera mit Chrysopolis Aquileia Maionica Jahreshefte d. österr. Instituts II (1899) 105. Vgl. C. Herfurth De Aquileiae commercio, Diss. Hal. 1889.

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Band S III (1918), Sp. 137
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S. 318, 28 zum Art. Aquileia:

Sowohl das der Carni in Norditalien wie das in Südwestdeutschland, geht auf den Flußnamen Aquila (Holder s. v.) zurück, gebildet mit dem Suffix -ēia wie Arbeia, Segeia, Vindeleia usw. Aquila, bei A. in Italien als Ἄκυλις (Zosim. V 29) erhalten, ist eine lateinische Volksetymologie und zurückzuführen auf *Acula bzw. *Aqula, verkleinert aus gemeinkelt. ǎqā ‚Wasser‘ (Stockes-Bezzenberger 5). Daß dem so sein müsse, ergibt sich aus dem Orte Aculia an der Aquila, heute Eichel (gleichfalls Volksetymologie) zu Saar (Holder I 33 und Förstemann³-Jellinghaus I 175). Das A. der Tab. Peut. hat sich im heutigen Aalen (qu geschwunden wie in Aach aus Aquacum) an d. Aal, früher Alach (Württ. Urk.-B. VI 435) erhalten. Vgl. darüber Bohnenberger Römische Ortsbezeichnungen in Süddeutschland in Württ. Viertelj.-Hefte N. F. VIII 10. Die Gleichung Aquileia = Alach ist auch deswegen beachtenswert, weil sie das bestätigt, was Holder I 1410 vermutet, es sei zwischen dem Suffix -eia und -acum ein Zusammenhang. Vgl. in Tirol Ort Onach, früher Oneia.