RE:Anthemius 4

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band I,2 (1894), Sp. 23682369
Anthemios von Tralleis in der Wikipedia
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4) Aus Tralleis, Sohn eines dortigen Arztes Stephanos (Alex. Trall. IV 1 p. 139 Puschm.), von dessen andern Söhnen Metrodoros als Grammatiker, Olympios als Jurist, Dioskoros und Alexander als Ärzte sich ebenso auszeichneten, wie A. als Mechaniker und Architekt (Agath. V 6). Er war neben Isidoros von Milet beim Wiederaufbau der Sophienkirche in Constantinopel im J. 532 (unter Iustinian) am meisten thätig (Procop. de aedif. I 1 p. 174 ed. Bonn. Paul. Silent. Descriptio S. Sophiae v. 267ff. 552ff. ed. Bonn. Agath. V 9. Ducange Descriptio ecclesiae S. Sophiae zu Paul. Silent. p. 67 ed. Bonn.). Nach seinem Tode (um 534) führte Isidoros allein den Bau weiter (Agath. V 9). Eutokios widmete seinen Commentar zu den Konika des Apollonios diesem A. (Apollonii Perg. quae graece exstant ed. Heiberg II 168. 290. 314. 354). Ein Zwist mit seinem Nachbar Zenon gab dem A. Anlass, eine Erderschütterung, die kurz vorher in Constantinopel beobachtet worden war, unter Zenons Hause durch eingeschlossene und gewaltsam hervorbrechende Wasserdämpfe im kleinen darzustellen (Agath. V 5–8. Günther Gesch. der antiken Naturw. 50f.). Auch Blitz und Donner ahmte er, um seinem Nachbar die Wohnung zu verleiden, durch parabolische Blendspiegel und durch künstliche Schallerzeugung nach (Agath. V 8). Diese Erzählung erhält, abgesehen von der anekdotenhaften und wenig zuverlässigen Ausschmückung, ihre Bestätigung dadurch, dass A. in der That über Brennspiegel geschrieben hat. Ein Bruchstück aus diesem Werke gab zuerst L. Dupuy unter dem Titel περὶ παραδόξων μηχανημάτων heraus: Fragment d’un ouvrage grec d'Anthémius sur des Paradoxes de mécanique, Paris 1777 (wiederholt in Hist. de l’Acad. des Inscr. XLII 1786, 392–427, und vgl. ebenda 72ff. 428ff.). Einen Teil dieses Textes behandelte J. G. Schneider in Eclogae physicae, Jena und Leipzig 1800f. I 402ff. (§ 40–53). II 259ff. Eine Revision des ganzen von Dupuy veröffentlichten Stückes mit kritischen Anmerkungen bietet A. Westermann in den Παραδοξογράφοι (script. rer. mirab. Graeci), Brunsv. 1839, 149–158. Dem Inhalte nach sind mit diesem Fragment des A. nahe verwandt die in einem aus dem Kloster Bobbio in die Ambrosiana zu Mailand übergeführten Palimpsest erhaltenen Bruchstücke, die nach der Färbung der Sprache ebenfalls der byzantinischen Epoche anzugehören scheinen. Da auch die hier gebrauchte Terminologie genau mit der des A. übereinstimmt, so lässt sich vielleicht das Fragment über Brennspiegel, das unter des A. Namen uns überliefert [2369] ist, durch die bobiensischen Bruchstücke ergänzen. Vgl. Belger Herm. XVI 261–284. Wachsmuth und Cantor ebenda 637–642. Heiberg Zeitschr. f. Math., hist.-litt. Abteil. XXVIII 121–129; Philol. XLIII 502f. Tannery Bulletin des sciences math., 2. sér., VIII 1, 111. Zeuthen Die Lehre von den Kegelschnitten im Altertum 375–378. 380.