RE:Antimonium

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Metall
Band I,2 (1894) Sp. 2436 (IA)–2438 (IA)
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Antimonium ist jetzt der Name eines Metalls, dessen Entdeckung man seither, aber wohl mit Unrecht, in das spätere Mittelalter setzte. Es findet sich zuerst bei Basilius Valentinus (um das J. 1460) angewandt für ein Mineral, aus dem dieser ein Metall abzuscheiden lehrte, den ‚König des Antimons‘ (regulus antimonii), und wird erst später für dieses selbst gebraucht, ebenso wie der bei Plinius vorkommende Name stibium. Die Beschreibung, welche Dioskorides (mat. med. V 99) und Plinius (n. h. XXXIII 101ff.) von einem Mineral geben, das στίμμι oder στίμμις, στίβι, χαλκηδόνιον λάρβασον und alabastron genannt wird, bezieht sich offenbar auf das jetzt Antimonit oder Grauspiessglanzerz genannte Schwefelantimon. Plinius (a. a. O.) unterscheidet davon zwei Arten, mas und femina, von denen die erstere das weniger reine, quarzhaltige und deshalb härtere und leichtere, die letztere das reinere, glänzendere [2437] und zerreiblichere Erz bezeichnet. Das fein zu Pulver verriebene Erz wurde als schwarze Schminke von den Frauen um die Ränder der Augen gestrichen, um diese grösser und den Gesichtsausdruck lebhafter erscheinen zu lassen, woher auch die Namen πλατυόφθαλμον und γυναικεῖον. Ausserdem wurde es wegen seiner adstringierenden und kühlenden Eigenschaften zu Augensalben und als äusserliches Mittel gegen Flüsse, Geschwüre, Blutausflüsse, bei frischen Wunden und alten Hundebissen und Brandschäden gebraucht. Es wurde zu diesem Zweck teils als Pulver angewandt, teils mit Schmalz und anderen Zuthaten zu Pastillen geformt, die zu Hippokrates Zeit Würfelform gehabt zu haben scheinen, da es στίβι τετράγωνον genannt wird, Hippokr. CCIX 14. CCXI 2. Als Bestandteil von Salben wird es häufig erwähnt Celsus VI 6 u. a. Scrib. Comp. 27. Die Verwendung des Stimmi geht, wie H. Brugsch (Verh. d. Berl. Ges. f. Anthrop. 1888, 213ff.) auf Grund des altägyptischen sog. medicinischen Papyrus und anderer Zeugnisse nachweist, auf die ältesten Zeiten zurück. Auch das Wort στίμμι ist ägyptischen Ursprungs (in der Sprache der Kopten stêm); auch jetzt wird es noch in Ägypten als Schminke gebraucht (ebd. 1889, 45) und ebenso im Orient (ebd. 536), wie zu Zeiten der alten Hebräer, Ezech. XXIII 40 und Reg. IV 9. 31, wo στιμμίζω und στιβίζω übersetzt wurde für mit Stibium bestreichen. Für den Gebrauch des Metalls A. finden wir zwar bei den alten Schriftstellern keine Belege, doch ist es nicht zweifelhaft, dass es bekannt war. Dafür sprechen nicht nur die Funde zahlreicher Schmucksachen und Geräte aus A. aus dem Gräberfeld von Redkin-Lager im Kreise Kasach und von anderen Orten in Transkaukasien, worüber Virchow (in den Verh. d. Berl. Ges. f. Anthrop. 1884, 126ff. und 1887, 334ff. 539ff.) berichtet, sondern auch die Angaben des Dioskorides und Plinius (a. a. O.). Nach diesen musste nämlich bei dem Ausschmelzen des Stibiums mit besonderer Vorsicht verfahren werden, damit nicht ein dem Blei oder Zinn ähnliches Metall entstehe (ne plumbum fiat Plin.), ἐὰν γὰρ ἐπιπλέον καῇ, μολυβδοῦται (Diosk.). Wird nämlich Schwefelantimon an der Luft stark erhitzt und geröstet, so lässt sich das Product durch Schmelzen mit Kohle und Soda zu metallischem A. reducieren. Nach Dioskorides wurde, offenbar um die Oxydation zu verhindern, das Erz mit Brotteig (στέαρ) umwickelt und dann nur so lange erhitzt, bis dieser verkohlt war. Dass Plinius dieses Verfahren nicht genau kannte, folgt schon daraus, dass er στέατι mit adipe (Schmalz) übersetzt, was ganz sinnlos ist. Er giebt übrigens auch an, dass man (um die Luft beim Erhitzen abzuschliessen) das Erz in Kuhmist eingeschlossen habe. Beachtenswert ist, dass Plinius an der betreffenden Stelle auch die Verwendung von Soda (nitrum) erwähnt, allerdings nur als Reinigungsmittel für die bei dem Process nötigen Gefässe, was jedoch sehr wohl auf einem Missverständnis beruhen kann. Dass übrigens das metallische A. sonst nicht besonders erwähnt wird, kann nicht wundern, da es offenbar ebenso wie das Zinn als eine Art Blei (plumbum) angesehen wurde, wie das auch noch Basilius Valentinus thut (Kopp Geschichte d. Chemie IV 105). Auch [2438] scheint es geradezu mit Zinn verarbeitet worden zu sein, denn Zinnbarren von Estarayer am Neuenburger See ergaben 90 % Zinn und 10 % Antimon (Wibel Cultur d. Bronzezeit Tab. V 3), ein Urnenring aus Zaborowo aus grauer Bronze enthielt 15 % Antimon (Verh. d. Berl. Ges. f. Anthrop. 1884, 543) und altrömisches Spiegelmetall 4,48 % dieses Metalls (ebd. 546). Fundorte für Stibium sind nicht angegeben, jedenfalls kam es aus Indien, wo es in Massen vorkommt, oder aus Kleinasien.

[Nies.]