RE:Apis 5

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band I,2 (1894), Sp. 28072809
Apis (ägyptische Mythologie) in der Wikipedia
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5) Name des heiligen Stiers, der zu Memphis gehalten wurde, altägyptisch Ḥapi. Ein Strahl vom Himmel (Her. III 28), nach einigen ein Strahl des Mondes (Plut. Is. et Os. 43; vgl. Porphyr. bei Euseb. praep. ev. III 13), befruchtete angeblich die Mutterkuh (vgl. Aelian. nat. an. XI 10. Suid. Mela I 9). Die Angaben über die verschiedenen Merkmale, welche den A. als solchen kennzeichneten, stimmen nicht ganz miteinander überein (Her. a. a. O. Diod. I 85. Strab. XVII 807. Aelian. a. a. O. Plin. VIII 184. Amm. Marc. XXII 14, 7. August civ. dei XVIII 5. Mela a. a. O. Rufin. hist. eccl. II 23); die Hautfarbe musste schwarz sein, die Zeichnung, in der zum Teil Sonne und Mond zu erkennen gewesen sein soll (Porphyr. a. a. O. Cyrill. zu Os. 5, 9), weiss. Abbildungen ägyptischer Darstellungen des A.: Mariette Le Sérapéum de Memphis, Paris 1857–66. Champollion Panthéon 37. Arundale-Bonomi Gallery of Antiquities I Taf. 26, 102. Wilkinson Manners and Customs I² 16. III² 88. Die Auffindung eines neuen Apisstiers, dessen Kennzeichen den Anforderungen der Schriftgelehrten genügten, war jedesmal ein grosses Freudenfest (Her. III 27); sie bedeutete Glück, reichen Erntesegen und allerlei Gutes (Ammian. XXII 14, 6). Dareios setzte während des Aufstandes des Aryandes angeblich eine Belohnung von 100 Talenten Goldes für das Auffinden eines A. aus, um dadurch die Bevölkerung für sich zu gewinnen (Polyaen. VII 11, 7). In Alexandrien entstand zu Hadrians Zeit ein Aufstand aus dem Streit über die Frage, wo der neue A. beherbergt werden solle (Hist. Aug. Hadrian. 12, 1). Aelian (a. a. O.) berichtet, wahrscheinlich nach Apion (v. Gutschmid Kl. Schr. I 144f. 324f.), dass [2808] der junge A. zunächst an dem Orte, wo er zur Welt gekommen war, in einer Baulichkeit, die eigens dazu nach bestimmten Satzungen errichtet wurde, mit Milch grossgezogen wurde. Ein anderer Bericht (Diod. I 85; vgl. Euseb. praep. evang. II 1, 50. Rev. égypt. IV 116. 119) besagt, dass er zunächst nach Neilupolis geschafft wurde; hier blieb er 40 Tage und nur während dieser Zeit durften Weiber ihm vor Augen treten: καὶ δεικνύουσιν ἀνασυράμεναι τὰ ἑαυτῶν γεννητικὰ μόρια. Später wurden sie nicht mehr vorgelassen. Aus Neilupolis wurde der A. in das Heiligtum des Ptaḥ zu Memphis gebracht. Hier gab es für ihn und für die Mutterkuh Stallungen (ein βουκόλος τοῦ Ὀσαράπιος Description of the Greek Papyri in the British Museum I 33f. Kenyon Catal. of Greek Papyri 27). Psammetich baute an den Ptaḥtempel einen Säulenhof an, in welchen der A. zur Schau gestellt wurde (Her. II 153). Aus dem Verhalten des A. wurden allerlei Vorbedeutungen und Orakel abgeleitet (Plin. VIII 185. Favorin. frg. 16, FHG III 579. Lucian. Deor. conc. 10. Ammian. XXII 14, 8. Claudian. IV Cons. Honor. 576). Die Angabe der klassischen Autoren, dass dem A. nur eine Lebensfrist von 25 Jahren gelassen werde, sterbe er bis dahin nicht, so werde er in einen heiligen Brunnen versenkt und so getötet (Plut. Is. et Os. 56), ist nicht wörtlich zu nehmen, da mehrere der uns erhaltenen Inschriften A.-Stiere von 26 Lebensjahren und darüber erwähnen (Lepsius Über die XXII. Dynastie 318; Königsbuch 96 will die 25 Jahre von der Inthronisation des A. rechnen; vgl. auch A. v. Gutschmid Kl. Schr. I 354). Auch ist die Nachricht (Arnob. VI 6) schwerlich richtig, dass die Grabstätte des A. nur Eingeweihten bekannt war und bei Strafe nicht verraten werden durfte. Die Beisetzung erfolgte im Serapeion (s. d.) und erforderte grossen Kostenaufwand (Diod. I 84, 7f.; vgl. I 96, 6). Der Tod wurde allgemein in Ägypten tief betrauert (Amm. Marc. a. a. O. Solin. 32. Tibull. I 7, 28. Lucian. sacrif. 15; de dea Syr. 6. Notices et extraits XVIII 2, 267. 273) bis zur Auffindung eines neuen A. (Diod. I 85). Die klassischen Autoren setzen den A. meist Osiris gleich (Diod. I 85, 4. Plut. Is. et Os. 20. 29. Strab. XVII 807; vgl. Serapis) und erblicken in ihm den Epaphos (s. d.). Die ägyptischen Quellen nennen ihn mit Vorliebe den ‚lebenden Ḥapi‘, den ‚wieder lebenden Ptaḥ‘, den Osir-Ḥapi, sie setzen ihn dem Ptaḥ-Sokar-Osir gleich (Birch in Arundale-Bonomi Gallery 52, 9) und geben ihn bald für den Sohn des ʾAtum, bald für den des Ptaḥ, für den des Osiris und den des Sokar-Osir aus (Ztschr. f. Ethnologie X 164. Pierret Essai sur la mythologie égypt. 21. 83. Renouf Lectures 84), während Kyrillos (in Os. V 8. X 5) als ägyptische Lehre anführt, man betrachte den A. als σελήνης τέκνον ἔκγονον δὲ ἡλίου. Es sind das lediglich Versuche, die Thatsache der A.-Verehrung der Religionslehre anzupassen. Diese Verehrung war nachweislich etwas Uraltes und wird jedenfalls nicht zu früh angesetzt, wenn die manethonischen Listen ihren Ursprung in die Zeit des 2. Königs der 2. Dynastie (s. Kaiechos, auch Aseth) verlegen. Doch hat sie erst in verhältnismässig später Zeit sich zu dem pomphaften [2809] Kultus gesteigert, den die klassischen Autoren kennen gelernt haben (Lucian. sacrif. 15; astronom. 7. Aelian. nat. an. XI 10. Euseb. praep. ev. II 1, 19). Kambyses soll den A., der zu seiner Zeit in Ägypten gefunden wurde, ermordet, Ochos einen A. geschlachtet haben (Her. III 29f. Aelian. var. hist. IV 8. VI 8. frg. 37; nat. anim. X 28. Lucian. Char. 13. Plut. Is. et Os. 11. 44. Iustin. I 9, 1). Alexander hielt für ratsamer, auch diesem ‚Gotte‘ seine Ehrfurcht zu bezeigen (Arrian. III 1, 4). Sehr ablehnend äusserte sich über diese Stierverehrung angeblich Augustus (Suet. Oct. 93. Dio Cass. LI 16. Zonar. X 31). Titus wohnte der Beisetzung eines A. persönlich bei (Suet. Tit. 5). Der A. figuriert als ein Stier mit dem Diskus zwischen den Hörnern auf Münzen des memphitischen Gaus (Zoëga Numi 392 nr. 79 b. Tôchon Médailles des nomes 135ff. Pinder-Friedländer Beiträge 154. Feuardent Numism. de l’Égypte II 311. Revue numism. N. S. XV Taf. 2, 5). Die A.-Periode von 25 Jahren hat Ideler (Hdb. d. Chronologie I 182. Lepsius Chronologie 160; Königsbuch 96) in den εἰκοσιπενταετηρίδες des Ptolemaios auf Grund der Stelle Plut. Is. et Os. 56 wiedererkannt, und diese Periode als eine lunare aufgefasst, in der 309 mittlere synodische Monate mit 25 ägyptischen Jahren sich bis auf 1 St. 8′ 33″ ausglichen. Die Phoinixperiode würde dann das 20-fache der A.-Periode darstellen (Faselius bei v. Gutschmid Kl. Schr. I 386). Die Ansicht, dass die δάμαλις des Jerobeam den A. vorgestellt habe (Cyrill. in Os. IV 17f. X 5)[WS 1], beruht lediglich auf Vermutung.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vgl. die Episode in 1. Kön 12, 28, in der der damalige König des israelitischen Nordreichs, Jerobeam, zwei goldene Kälber (LXX: δάμαλις) als Götterbilder herstellt.