RE:Aristobulos 6

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band II,1 (1895), Sp. 907909
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6) Aristobulos II., Sohn des Alexandros Iannaios und der Alexandra, jüngerer Bruder des Iohannes Hyrkanos (Joseph. ant. XIII 407). Als seine Mutter, die nach dem Tode des Vaters (im J. 78) den [908] Thron bestiegen hatte, die pharisaeische Partei ans Ruder brachte, trat A. an die Spitze der Unzufriedenen und führte gelegentlich eine Deputation des sadducaeischen Adels, die die Zurückdämmung des pharisaeischen Einflusses forderte (Joseph. ant. XIII 411ff.; bell. Iud. I 5, 2). Wegen dieser Stellungnahme gegen die Pharisaeer, die er offenbar auch in der Folgezeit eingenommen hat, kommt A. in den sog. salomonischen Psalmen, die im pharisaeischen Geiste geschrieben sind, schlecht weg (vgl. Schürer a. O. II 509ff.). Als im J. 69 v. Chr. seine 73jährige Mutter erkrankte, erregte A. einen Aufruhr, um sich gegen den älteren Bruder die Nachfolgerschaft zu wahren. In vierzehn Tagen hatte er zweiundzwanzig Castelle auf seine Seite gebracht, ein Heer war gesammelt, schon gab Alexandra den Befehl, gegen ihn vorzugehen; da starb sie (im J. 69, Joseph. ant. XIII 422ff.; bell. Iud. I 5, 4). Sogleich begann der Bruderkrieg. Gegen Hyrkanos, der schon unter der Regierung der Mutter die Hohepriesterwürde gehabt hatte, und nun auch dem Rechte gemäss die Königsherrschaft übernahm, erfocht A. bei Jericho einen Sieg, der die Flucht des Hyrkanos nach Jerusalem und die Capitulation daselbst zur Folge hatte (drei Monate nach dem Tode der Mutter; Joseph. ant. XV 180). A. erhielt das Königtum sowie das Hohepriesteramt, während Hyrkanos sich damit begnügte, als Privatmann im Besitz seiner Einkünfte zu leben (Jos. ant. XIV 4ff.; bell. Iud. I 6, 1). Dies Abkommen wird dadurch verständlicher, dass Hyrkanos als schwächlich und schlaff, A. dagegen als thatkräftig und mutig geschildert wird (Joseph. ant. XIII 407). Doch der Friede währte nicht lange. Von dem Idumaeer Antipatros aufgereizt, verbündete sich Hyrkanos mit dem Nabataeerkönig Aretas III. Dieser schlug den A., der nun, von den Truppen zum grossen Teil verlassen, in Jerusalem auf dem Tempelberg von Hyrkanos und Aretas belagert wurde (Joseph. ant. XIV 19ff.; bell. Iud. I 6, 2ff.). Durch Vermittlung des Scaurus, den Pompeius nach Syrien geschickt hatte, wurde A., nachdem er ihm 400 Talente angeboten hatte, von der Belagerung befreit. A. zog den abziehenden Feinden nach und brachte ihnen eine Niederlage bei (Joseph. ant. XIV 29ff.; bell. Iud. I 6, 2ff.). Als im J. 64 Pompeius selbst in Syrien erschien, schickte ihm A. einen goldenen Weinstock im Gewicht von 500 Talenten, den noch Strabon im Tempel des Iuppiter Capitolinus in Rom gesehen hat (Strab. FHG III 493, 11; vgl. Joseph. ant. XIV 35ff. ed. Niese). Nichtsdestoweniger entzog ihm Pompeius im nächsten Jahre seine Gunst, worauf A., der ihn gegen die Nabataeer hatte begleiten sollen, ihn ostentativ verliess. Sobald aber Pompeius Miene machte, gegen ihn zu ziehen, musste A. die Feste Alexandreion, wohin er sich geflüchtet hatte, übergeben. Dann rüstete er in Jerusalem zu neuem Kampfe. Erst als Pompeius in die Nähe dieser Stadt rückte, lenkte A. ein und begab sich ins Lager des Römers, der ihn festnahm. Auch nachdem die friedfertige Partei des Hyrkanos dem Pompeius die Stadt Jerusalem geöffnet hatte, hielten sich die Anhänger A.s auf dem Tempelberge in festen Verschanzungen. Nach dreimonatlicher Belagerung wurde die Burg, im Herbst des J. 63 v. Chr., [909] mit Sturm genommen. Damit war die Unterwerfung Iudaeas vollendet. So hatte die Uneinigkeit der Brüder den Römern den Erfolg erleichtert. Pompeius setzte darauf den nachgiebigen Hyrkanos zum Hohenpriester ein, den A. aber, den er schon vorher hatte in Fesseln legen lassen, nahm er mitsamt seinen Kindern als Kriegsgefangenen mit sich. Bei dem Triumph des Pompeius im J. 61 wurde auch A. aufgeführt (Strab. XVI 763. Joseph. ant. XIV 34ff. 79ff.; bell. Iud. I 6, 4ff. 7, 7. Plut. Pomp. 39. 45. App. Mithr. 106. 117; Syr. 50. Dio XXXVII 15. 16. Flor. III 5. Oros. VI 6, 1–4). Im J. 56 erschien A. unerwartet, nachdem er aus Rom entflohen war, in Iudaea zusammen mit seinem Sohne Antigonos. Er machte den tollkühnen Versuch, wie vorher sein Sohn Alexandros, sich mit Gewalt in den Besitz des Landes zu setzen. Mit Leichtigkeit gelang es A. Gabinius, die Bewegung zu unterdrücken und ihn in der Feste Machairus zur Capitulation zu zwingen. A. wurde in Fesseln gelegt und zum zweitenmal nach Rom transportiert (Joseph. ant. XIV 92ff.; bell. Iud. I 8, 6. Plut. Ant. 3. Dio XXXIX 56, 6). Im J. 49 befreite ihn Caesar und sandte ihn mit zwei Legionen nach Iudaea, um dort gegen Pompeius zu agitieren (Dio XII 18). Ehe er aber etwas ausrichten konnte, brachten ihn Pompeianer durch Gift ums Leben. Caesarianer haben ihn begraben. Antonius hat später seine Leiche in den jüdischen Königsgräbern beisetzen lassen (Joseph. ant. XIV 128ff.; bell. Iud. I 9, 1ff.). Schürer Gesch. d. jüd. Volk. I 232ff.