RE:Artemidoros 36

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
fertig  
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Band II,1 (1895), Sp. 13341335
Artemidor von Daldis in der Wikipedia
GND: 11865053X
Artemidor von Daldis in Wikidata
Linkvorlage für WP   
* {{RE|II,1|1334|1335|Artemidoros 36|[[REAutor]]|RE:Artemidoros 36}}        

36) Aus Ephesos (Oneirokr. III 66 p. 196, 18 Hercher), Sohn eines Phokas (Galen. XV 444; vgl. Herm. XXIII 287), berühmter Traumdeuter und Wahrsager des 2. Jhdts. n. Chr. Er schrieb ausser Οἰωνοσκοπικά und χειροσκοπικά (Suidas) Ὀνειροκριτικά, die erhalten sind. In ihrem Titel nannte er sich gegen seine sonstige Gewohnheit Daldianer nach der Heimat seiner Mutter, Daldis in Lydien (Oneir. III 66 p. 196, 19), wo er vielleicht selber wohnte. Jedenfalls behauptete er vom Apollon Daldiaios, dessen Myste er war, durch eine Vision zur Abfassung aufgefordert zu sein (II 70 p. 168, 2). Die drei ersten Bücher des Werks gab er zusammen heraus und widmete sie einem berühmten griechischen Rhetor aus Phoinikien (I 1 a p. 2, 26ff. II 70 p. 168, 9), Kassios Maximos (Maximos Tyrios nach der Vermutung Hirschfelds bei Krauss Artemidor. p. VIII; vgl. Herm. XXIII 287). Doch hatte er zuerst nur zwei Bücher beabsichtigt (II 70 p. 167, 7ff.), fügte aber dann das dritte als Nachtrag hinzu (III prooem. p. 169, 7). Er gab ihm aber einen Sondertitel: Φιλάληθες ἢ Ἐνόδιον (III 28 p. 179, 24. IV prooem. p. 198, 8). Später [1335] gab er dann noch ein viertes Buch heraus, um sich gegen Tadler zu verteidigen, und widmete es seinem gleichnamigen Sohne, der wohl auch Traumdeuter war (IV prooem. p. 198, 8ff.). Ganz gesondert steht endlich Buch V, an denselben Sohn gerichtet, eine Sammlung von 95 erfüllten Träumen. Später ging das Werk unter dem Gesamttitel Ὀνειροκριτικά in vier Büchern (Suidas). Das Werk ist im ganzen eine fleissige Compilation aus älteren uns nicht erhaltenen Autoren, die er aber kaum alle selbst benützte (Anfänge einer Quellenuntersuchung durch Oder bei Susemihl Litt.-Gesch. I 868ff. und Rh. Mus. XLV 637). Die Sprache ist gewandt, aber schlicht, das Werk selbst eine wichtige Quelle für antiken Aberglauben und Kulturgeschichte. Noch bei den Byzantinern war A. hochangesehen (Ps.-Lukian. Philopatris 21. 22). Ausgaben: Die ältern aufgezählt in der kritischen Bearbeitung Herchers, Leipzig 1864. Commentar von Reiff, Leipzig 1805. Übersetzung von Krauss, Wien 1881. Vgl. Ztschr. f. österr. Gymnas. 1881, 501. Blätter für bayer. Gymnasialwesen XVIII 402ff. H. Lewy Rh. Mus. XLVIII 398ff. XLIX 168ff.