RE:Augustus

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band II,2 (1896), Sp. 23702372
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Augustus, nach Curtius Grundz. d. gr. Etym. 187 nr. 159 mit augere zusammenhängend. Fest. ep. p. 1: augustus locus sanctus. Ovid. fast. I 609: sancta vocant augusta patres. augusta vocantur templa sacerdotum rite dicata manu. huius et augurium dependet origine verbi et quodcumque sua Iuppiter auget ope. Häufige Bezeichnung der Götter, besonders des Aesculapius, Apollo, Hercules, Iuppiter, Liber pater, Mars, Mercurius, Neptunus, Saturnus, Silvanus. Liste bei Ruggiero Diz. epigr. I 925. Nachdem Caesar der Sohn am 13. Januar 27 v. Chr. die ausserordentliche Gewalt niedergelegt hatte (CIL I² p. 231 fasti Praen. zum 13. Jan. [rem publicam] p. R. rest[i]tui[t]), erhielt er am 16. Januar den Beinamen Α.: fast. Praen.: Imp. Caesar [Augustus est a]ppell[a]tus; feriale Cumanum CIL I² p. 229 xu] III. k. Febr. eo di[e caesar augustu]s appellatus est. Mon. Anc. L. 6, 13–16 in consulatu sexto (28 v. Chr.) et septimo (27 v. Chr.) … rem publicam ex mea potestate in senat[us populique Romani] arbitrium transtuli. Quo pro merito meo senatu[s consulto Aug. appel]latus sum (ἐξ ἧς αἰτίας δόγματι συνκλήτον Σεβαστὸς προσ[ηγορε]ύθην). Ovid. fast. I 589ff. vereinigt beide Ereignisse unter dem 13. Januar. Auf Antrag des L. Munatius Plancus verlieh der Senat den Beinamen unter Zustimmung des Volkes, Suet. Aug. 7: Augusti cognomen assumpsit … Munati Planci sententia. Vell. II 91 quod cognomen (sc. Augusti) illi viro (vgl. Thomas De Velleiani voluminis condicione 1893, 18f.) Planci sententia consensus universi senatus populique Romani indidit. Censorin. 21, 8. Dio LIII 16. Tiberius hat den Beinamen, den A. für ihn erst für die Zeit nach seinem Tode in Aussicht genommen hatte (Suet. Tib. 17), weder als ererbt angenommen, noch sich durch Senatsbeschluss zuerkennen lassen; aber er liess ihn sich in Rede und Schrift gefallen, was Inschriften und Münzen bestätigen, und im brieflichen Verkehr mit Königen und Dynasten gebrauchte er ihn selber; Suet. Tib. 26. Dio LVII 2, 1. 8, 1. 2. In der Folge geschieht die Verleihung regelmässig durch den Senat (Tac. [2371] hist. I 47. Hist. Aug. Alex. Sev. 1, 3; Probus 12, 8), und die Kaiser führen den Beinamen durchweg; auch Vitellius hat sich doch noch dazu entschlossen, Tac. hist. II 90. Henzen Acta arv. p. XCV 7. Auch bei Kaisern, die, vom Heere proclamiert, den A.-Titel gleich annahmen, erfolgt die Legitimierung durch den Senat. Die Mitregenten, deren Reihe bereits 18 v. Chr. mit Agrippa beginnt (Mommsen R. St.-R. II³ 1160, 2, vgl. 1152, 1), sind durch den Besitz von proconsularischer Gewalt und tribunica potestas als solche charakterisiert und entbehren des A.-Namens, bis zuerst 161 n. Chr. Marcus und Verus neben einander erscheinen. Unter den Cognomina der Kaiser steht A. als letztes, aber die von den Siegen hergenommenen Beinamen folgen ihm erst. Seit Commodus geht in der Regel pius felix voraus, seit Severus Antoninus pius felix invictus. Mit Beginn des 4. Jhdts. erscheint perpetuus Augustus und semper Augustus.

Der erste Kaiser hat den A.-Namen seiner testamentarisch adoptierten und in das iulische Geschlecht aufgenommenen Gemahlin Livia verliehen, die seit dem Tode des A. Iulia Augusta heisst; Ovid. fast. I 536. Tac. ann. 1 8. Dio LVI 46, 1. Eckhel VI 147. Cohen Médailles impériales I² 170ff. Kaiser Gaius verlieh den Augustanamen seiner Grossmutter Antonia, der Gemahlin des Drusus, der Mutter des Germanicus und Claudius. Suet. Cal. 15. Dio LIX 3, 3. 4 und Suet. Claud. 11: matri (decernendum curavit Claudius) cognomen Augustae, ab viva (sie war noch bei Lebzeiten des Gaius gestorben, Suet. Cal. 23) recusatum. Cohen I² 222ff. Von den Gemahlinnen des Claudius war Messalina nicht Augusta, aber die jüngere Agrippina, mit der er sich 49 vermählte, wurde es im J. 50 nach der Adoption ihres Sohnes Nero durch Claudius, Tac. ann. XII 26. Auch von den Gemahlinnen Neros war Octavia nicht Augusta, aber als Poppaea Sabina, die Nero 62 geheiratet hatte, 63 eine Tochter gebar, Claudia, wurden sowohl diese Tochter als ihre Mutter Augustae (Tac. ann. XV 23. Acta arval. a. 63, CIL VI 2043[1] II 7. 12). Galeria, die Gemahlin des Vitellius, war nicht Augusta, Act. arv. p. XCV 14 Henzen; von der Mutter des Vitellius sagt Tac. hist. II 89: Capitolium ingressus (sc. Vitelllius) atque ibi matrem complexus Augustae nomine honoravit. Iulia die Tochter des Titus, war Augusta, Cohen Ι² 465ff.; ebenso die des Didius Iulianus, Didia Clara, Hist. Aug. Did. Iul. 3, 4. Seit Domitian (über dessen Gemahlin Domitia Augusta Suet. Dom. 3. Cοhen I² 538) kommt es kaum noch vor, dass die Gemahlin eines Kaisers nicht Augusta ist; eine Ausnahme macht Pertinax, Dio LXXIII 7: οὔτε τὴν γυναῖκα Αὔγουσταν … καίπερ ψηφισαμένων ἡμῶν, ποιῆσαι ἠθέλησεν, ἀλλ' ἰσχυρῶς διεκρούσατο. Als Schwester des Kaisers erhält Marciana, die Schwester Traians, die Augustawürde, Plin. paneg. 84. Cohen II² 99ff. Auch ihre Tochter Matidia, die Schwiegermutter Hadrians, wird durch Traian Augusta. Solche Verleihungen erfolgen durch den Senat unter Zustimmung des Kaisers; uxorem Faustinam Augustam appellari a senatu permisit, Hist. Aug. Pius 5, 2. Zu grosser politischer Bedeutung kommen Grossmutter und Mutter des Kaisers unter Elagabal und Severus Alexander, Iulia Maesa, die [2372] Grossmutter Elagabals, ebenso Augusta wie seine Mutter Iulia Soaemias und Iulia Mamaea, die Mutter des Severus Alexander.

Den Kaiser Augustus s. unter Iulius.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Corpus Inscriptionum Latinarum VI, 2043