RE:Baltis

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band II,2 (1896), Sp. 28422843
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Baltis, Dat. Balti (CIL III Suppl. 10393. 10964), Βααλτίς (Phil. Bybl. FHG III 569, 25), Βῆλτις (Abyden. FHG IV 283, 9), Βῆλθης (Βῆλθις? Hesych. s. v.). Was wir von Baal gesagt haben, gilt im allgemeinen auch von B. Baʿalath ist ursprünglich, nicht wie Astarte (s. d.), ein Göttername; das Wort bedeutet blos ‚Herrin‘, κυρία (vgl. Le Bas III 1870) und bedarf einer Ergänzung, welche gewöhnlich ein Ortsname ist. So heisst die Göttin, welche Philo (a. a. O.) und Ps.-Meliton (Cureton Spicil. syriac. 44) einfach B. nennen, eigentlich Baʿalath Gebal ,Herrin von Byblos‘ (CISem. I 1; vgl. auch CISem. I 177 החרות בעלתdomina penetralis?). Aber in dem gewöhnlichen Gebrauch liess man diese nähere Bezeichnung beiseite, den Einwohnern von jeder Kultstätte war ihre Göttin die B. κατ’ ἐξοχήν, sie nannten sie einfach ,ihre Herrin‘ (Balt-is, syr. בלתי‎ von בעלתי‎ ,meine Herrin‘), und so ist allmählich der Titel, etwa wie das italienische Madonna, zu einem Namen geworden. Schon in sehr alter Zeit bezeichnet in Babylonien Bēlit eine besondere Göttin (s. Mylitta), und der Kultus dieser Beltis hat sich zusammen mit dem des Bēl (s. Baal) nach Palmyra verbreitet (Vogüé Inscr. sémit. 155, vgl. 52 בלתיחו‎). Aber auch in Syrien spricht Isaac Antiochenus († 460 n. Chr.) von B. schlechthin als einer den Osrhoenern und den Arabern gemeinsamen Gottheit. Derselbe Dichter lehrt uns, dass in Bethchur virgines sacrabantur stuprum patiendo in honorem Baltis (Is. Ant. ed. Bickell I 210 v. 98. 212 v. 129). Interessante Aufschlüsse über diesen Kultus der B., welche die Einwohner von Harrān (Carrhae) mit dem Venusstern identificierten, findet man noch später bei den arabischen Schriftstellern (En-Nedîm bei Chwolsohn Die Ssabier II 22ff. 33. 40. Dimeschqī ebd. 393). Sehr wahrscheinlich ist es diese osrhoenische B., welche neben der commagenischen Dea syra auf einer lateinischen Inschrift von Aquincum (CIL III Suppl. 10393, vgl. 10964 bei Brigetio) erscheint. Ihr Kultus wird wohl durch die Soldaten einer cohors Osrhoenorum in Pannonien eingeführt worden sein. Zahlreiche andere B. findet man in Syrien, Phoinikien und Africa. In historischer Zeit (vgl. Bäthgen a. a. O. 265) scheint regelmässig neben dem Baʿal auch eine B. verehrt worden zu sein, welche als seine Frau angesehen wurde. Im allgemeinen wird die Skizze, welche wir vom Charakter der Baʿalim [2843] entworfen haben, mutatis mutandis für die B. zutreffen. Sie ist als die Herrscherin ihres Volkes aufgefasst und so wie Baʿal in einen König auch eine Königin von Chaldaea verwandelt worden (Abyd. a. a. O.). Sie galt als die Inhaberin des Landes oder der Stadt (πολιοῦχος), wo sie verehrt wurde, und war vor allem eine Göttin der Fruchtbarkeit, indem sie das weibliche Princip personificierte. Indessen ist die Natur der einzelnen B. wie die der Baʿalim sehr veränderlich. Deshalb haben auch die Griechen sie bald als eine Hera (Hesych. a. O., vgl. Balmarcodes), bald als eine Aphrodite (Hesych. a. O.) oder sogar als eine Dione (Philo a. a. O.) angesehen. Oft tritt die Göttin neben ihrem Gemahl sehr zurück, anderswo hat sie ihn dagegen in den Hintergrund gedrängt. Dies ist zum Beispiel der Fall bei der berühmtesten von allen B., der schon erwähnten Baʿalath Gebal, der von den Ägyptern der Isis (Plut. de Isid. 16), von den Griechen der Aphrodite gleichgestellten Herrin von Byblos (Ἀφροδίτη Βυβλίη, Luc. de dea syra 6), welche durch Unzucht verehrt und in deren Tempel die Mysterien des Adonis gefeiert wurden (s. Tammuz und o. Bd. I S. 386). Eine abschliessende Untersuchung über die semitischen ,Aphroditen‘ giebt es nicht, und es wäre hier unmöglich, auf die localen Verschiedenheiten ihres Charakters einzugehen. Einiges wird bei Gelegenheit des im Abendlande weit verbreiteten Kultus der Dea syra (s. d.) ausführlicher besprochen werden (s. auch Astarte).

Für die Litteratur vgl. die unter Baʿal erwähnten Schriftsteller, besonders Scholz 220ff. 254ff. Bäthgen 29ff. Eine reiche Materialsammlung in dem wüsten Werke von Lajard Recherches sur le culte de Vénus en Orient et en Occident, Paris 1837.

Nachträge und Berichtigungen

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Band S I (1903), Sp. 240
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S. 2842, 19 zum Art. Baltis:

Über ein allerdings zweifelhaftes Denkmal aus Brigetio mit einer Darstellung der Göttin vgl. CIL III Suppl. 10973.