RE:Chon 2

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band III,2 (1899), Sp. 2371–2372
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Χῶν, ägyptischer Name des Herakles, Et. magn. s. Χῶνες. Es kann damit nur der in Theben (Diospolis) als dritte Gottheit der Triade verehrte Gott Chōns (alt Chǒnsew) gemeint sein, dessen Tempel, bezw. sein Vorhof in der That in den griechischen Beischriften demotischer Urkunden aus der Ptolemaeerzeit als Ἡρακλεῖον bezw. ὁ Ἡρακλέους δρόμος bezeichnet wird (Wessely Wiener Studien III 7. Brugsch Dict. géogr. 1281. 1303). Auch Herod. II 42 bezeugt, dass in Theben ein Cult des Herakles bestand, und erzählt, wie dieser durch sein Verlangen, den Zeus (Amon) zu sehen, ihn veranlasst habe, den Kopf eines Widders (seines heiligen Tieres) anzunehmen. Zur Gleichsetzung mit dem Herakles, mit dem übrigens sonst auch andere ägyptische Götter identificiert werden (s. Herakleion, Herakleopolis), wird in erster Reihe das veranlasst haben, dass er der Sohn des Amon, also des Zeus, war. Dargestellt wird der Ch. in der einigen alten Götterbildern (Ptah und Min) eigenen Weise, die man später unrichtig als mumienförmig zu deuten pflegt. Als Kind des thebanischen Götterpaares Amon und Muth erhält er dabei wie Horus, der Sohn des Osiris und der Isis, in der Regel das Abzeichen der Kinder, den an der rechten Schläfe herabhängenden geflochtenen Zopf (Lanzone Dizionario di mitologia egiziana III 340ff.). Seinem Wesen nach Mondgott, wird er meist mit der Mondscheibe auf dem Haupte abgebildet. Ausserdem galt er als Heilgott (vgl. die Legende bei Brugsch Gesch. Ägypt. 636ff.| und führte als solcher den Titel ,Abwehrer der Schäden‘. Auf diese heilbringende Rolle des Gottes, die die Griechen möglicherweise in der Identification mit dem Herakles noch bestärkt hat, scheint sich auch ein anderer Beiname zu beziehen, Nefer-ḥotep, griech. εφώτης (häufig in Personennamen wie Πετενεφώτης). Die Form Χῶν für Chons findet sich auch in der griechischen und zugleich im unterägyptischen Dialekt des Koptischen gebräuchlichen Form Παχών des [2372] Monatsnamens Pa-chons (oberägypt. Pa-schǒns) wieder, der den Namen des Gottes Chons, dem der Monat geweiht war, enthält (s. Παχών). Dagegen wird der Name durch χώνσις wiedergegeben in den mit ihm zusammengesetzten Personennamen Ψεμχῶνσις, Σενχῶνσις, Ταχῶνσις u. s. w. Andere Spuren des Gottes Chons bei griechischen Schriftstellern hat man in den erklärenden Zusätzen zu einigen ägyptischen Königsnamen bei Manethos und Eratosthenes finden wollen, doch ist das mindestens sehr ungewiss, s. die Artikel Ὀσορχών, Σεμφρουκράτης, Σιστοσιχέρμης