RE:Osorkon

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band XVIII,2 (1942), Sp. [1942 1587]–1588
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Osorkon ((Ὀσορχώ, Ὀσορθών, Ὄσορθος), Name ägyptischer Pharaonen der Spätzeit (man zählt ihrer gewöhnlich drei), unter denen das ägyptische Reich zerfiel, bis es gegen 725 in äthiopische [1588] Hände geriet. Der ägyptische Staat ist in dieser Zeit theokratisch, so daß der größte Teil der Macht in den Händen der Hohenpriester des Amun ist, s. die Listen von Wreszinski und Lefebure.

Die Haupttätigkeit dieser Könige konzentriert sich im Tempel von Bubastis, wo O. I. und II. Tempel aufgeführt haben, und auf die Seite des großen Tempels von Karnak neben dem Pylon Ramses’ I.

O. III. findet sich in Theben zusammen mit Petubastis von der XXIII. Dynastie. O. III. hat mit einem Takelotis an einer Kapelle in Karnak gebaut, die in der Äthiopenzeit fertiggestellt wurde. Er scheint sich später ins Delta nach Busiris zurückgezogen zu haben, seine Tochter, das ,Gottesweib Schepenopet` spielt später noch eine Rolle.

Die XXII. Dynastie, zu der die O. gehören, hat etwas über 200 Jahre (etwa von 930 bis 730 v. Chr.) regiert. Jedenfalls ist von einer wirklichen ägyptischen Herrschaft nicht die Rede. Man kann nur denken an einen Übergang von dem Gottesstaat der XXI. Dynastie zu der Fremdherrschaft der Libyer und Äthiopen. Erst die XXVI. Dynastie unter den Saiten hat die ägyptische Einheit wieder hergestellt. Erhalten sind nur die Wände des Tempels von Bubastis; und einiges im großen Tempel von Karnach, dazu verschiedene Kleinfunde. über die Bubastiden vgl. Lepsius Die XXII. Dynastie, Berl. Akademiebericht 1856; Die XXI. Dynastie, ÄZ 1882, 103. 151, ferner die Geschichten Ägyptens, besonders Wiedemann Gotha 1884. zuletzt E. Meyer G. d. A. II 2, 33. 48. 49ff. Über den Hohenpriester O., Sohn des Takelotis II., Breasteds Samml. äg. Inschr. IV 756ff. Für O. I., den Nachfolger Scheschonks II., gibt es auch eine phoinikische der Baalat von Byblos geweihte Inschrift (E. Meyer G. d. A. II 2, 42).

In diese Zeit (XXII. und XXIII. Dynastie) fällt die Einrichtung der ägyptischen Berufsstände, die ägyptische und indische Einrichtungen lange vergleichen ließ. So konnte Plato, der Ägypten genau kannte, hier (wie auch in Sparta und Kreta) die Staatsgewalt verwirklicht sehen, die ihm als Ideal vorschwebte (vgl. im allgemeinen E. Meyer G. d. A. II 2, 41ff., ebd. S. 52 verschiedene andere O.).

In dieser Zeit hatte sich in Nubien und weiter südlich ein eigenes Reich gebildet, deren Könige Anhänger der in dem Theben der XXI. Dynastie ausgebildeten Lehre waren und am Gebel Barkal ihren religiösen Mittelpunkt hatten.