RE:Claudius 71

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band III,2 (1899), Sp. 2677–2678
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71) Ti. Claudius Atticus Herodes. a) Name. Sein vollständiger Name Τι. Κλαύδιος Ἀττικος Ἡρώδης (CIA III 665. 669. 671. 672. 674) wurde übereinstimmend auch von seinem Sohne (Nr. 72) geführt, weshalb bei manchen Inschriften nicht zu entscheiden ist, wem von beiden dieselben angehören (CIA III 485. 675. CIG II 2978. 3579). In der abgekürzten Nomenclatur heisst dagegen der Vater Ti. Cl. Atticus oder nur Atticus, der Sohn (wenigstens in den griechischen Inschriften) Ti. Cl. Herodes oder allein Herodes.

b) Leben. C. war der Sohn des (Ti. Claudius) Hipparchus (Philostr. vit. soph. II 1 p. 56 Kayser) und gehörte dem attischen Demos Marathon an (s. die Inschriften). Infolge der Verurteilung seines Vaters (s. Nr. 179) verlor er den grössten Teil seines Vermögens (dass er nicht das ganze einbüsste, zeigt Philostr. p. 56 ἐν μιᾷ τῶν οἰκιῶν, ἅς πρὸς τῷ θεάτρῳ ἐκέκτητο), hatte jedoch das Glück, in einem seiner Häuser einen grossen Schatz zu finden. Er stellte die Verfügung über denselben dem Kaiser Nerva (96–98 n. Chr.) anheim, doch Nerva schrieb ihm: χρῶ οἷς εὕρηκας. Und als C. einwendete, die Grösse des Schatzes übersteige seine Verhältnisse, entgegnete der Kaiser: καὶ παραχρῶ τῷ ἑρμαίῳ, σὸν γὰρ ἐστιν (Philostr. p. 56f. = Zonar. XI 20). Auf diese Art plötzlich zu immensem Vermögen gelangt, erreichte C. auch eine glänzende Stellung im römischen Staatsdienst wie in seiner hellenischen Heimat. Vielleicht noch von Nerva in den Senat (wohl in die Rangclasse der Praetorier) aufgenommen, gelangte er zweimal zum Consulat (so sind die Worte des Philostr. p. 55 zu verstehen: ὁ σοφιστὴς Ἡρώδης ἐτέλει μὲν ἐκ πατέρων ἐς τοὺς δισυπάτους, daraus Suid. 3. Ἡρώδης: ὁ αὐτοῦ πατὴρ .. τοῖς δισυπάτοις συγκατελέχθη, vgl. proleg. Aristid. III p. 739 Dind. Ἡρώδης ἀπὸ ὑπάτων κατήγετο), beidemal als suffectus in unbekannten Jahren, zuerst unter der Regierung Traians (98–117), das zweitemal wohl unter Hadrian (117–138). Als ὕπατος wird er IGS I 88, als ὁ λαμπρότατος [ὑπατικός] Le Bas II 243 d bezeichnet. Wenn man der Angabe des Suidas, dem allerdings geringe Autorität zukommt, Glauben schenkt, war C. auch Proconsul von Asia (ἧρξε τῆς Ἀσίας ὁ αυτοῦ πατήρ, vgl. Waddington Fastes des prov. Asiat, nr. 126). Vielleicht ist er auch der ὑπατικὸς Ἀττικός, der als Statthalter von Syrien (gewiss nicht von Judaea) unter Traian angeblich den Simeon, Bischof von Jerusalem, kreuzigen liess (Hegesipp. bei Euseb. hist. eccl. III 32, 3. 6 = Chron. Pasch, p. 471 ed. Bonn.; vgl. Zahns Anm. zu Martyr. Ignatii 1 [Patrum apostol. op. II p. 307] und Klebs Prosopogr. I [2678] p. 353 gegen Asbach Rhein. Jahrb. LXXII 1882, 37f.). In seiner Vaterstadt Athen war er ἀρχιερεὺς τῶν Σεβαστῶν διὰ βίου (CIA III 665. 668. 669–673. 476 [da Hadrian Ὀλύμπιος genannt wird, nicht vor 128/129, s. o. Bd. I S. 500]. IGS I 2509) ἀπὸ προγόνων (Ἐφημ. ἀρχ. 1894, 206 nr. 30), scheint jedoch sonst, vermutlich wegen der Verurteilung seines Vaters, auf die Bekleidung von Ehrenstellen in Athen verzichtet zu haben. Seinen Reichtum verwendete er in hochsinniger Weise zu gemeinnützigen Zwecken. Namentlich seine athenischen Mitbürger wurden von ihm mit Wohlthaten überhäuft (Philostr. p. 57f.); der Stadt Troas gab er zur Herstellung einer Wasserleitung 4 Mill. Drachmen (Philostr. a. a. O.) u. s. w. Dementsprechend wetteiferten die griechischen Städte, ihn zu ehren. Er war Patron des Bundes der Eleutherolaconen (CIA III 668, vgl. Foucarts Anm. zu Le Bas II 243 d); in Sparta bekleidete er vielleicht das Amt eines Patronomen (CIG I 1241. 1245, s. u. Nr. 87); zahlreiche Statuen wurden ihm errichtet; wir haben Kenntnis davon, dass die Stadt Athen (CIA III 3. 665), sämtliche zwölf Phylen derselben (von fünf sind die Inschriften erhalten, CIA III 669–673), das κοινὸν συνέδριον τῶν Ἑλλήνων τῶν εἰς Πλατηὰς συνιόντων (IGS I 2509), die Einwohner Gytheions (CIA III 668, vgl. Le Bas II 243 d) und Megaras (IGS I 88) ihm Denkmäler setzten. Von C.s Beziehungen zu dem Sophisten Scopelianus erzählt Philostr. I 21 p. 34. Möglicherweise bezieht sich auf ihn der Vers Iuvenals XI 1: Atticus eximie si cenat, lautus habetur (vgl. Borghesi Oeuvres V 533). Er lebte noch, als sein Sohn Herodes etwa zwischen 130 und 135 Corrector der freien Städte in Asia war (Philostr. p. 57. 63, vgl. o. Bd. II S. 2495), muss aber vor Antoninus Pius Regierungsantritt (138) gestorben sein, da ihm Herodes noch unter Hadrian in der Würde des ἀρχιερεὺς τῶν Σεβαστῶν nachfolgte (CIA III 478).

c) Familie. C. war mit Vibullia Alcia Agrippina aus vermögender athenischer Familie vermählt (CIA III 3. 674. CIG II 2371. Dittenberger-Purgold Inschr. v. Olympia nr. 621. Ἐφημ. ἀρχ. a. a. O.). Diese gebar ihm den Ti. Cl. Atticus Herodes (Nr. 72) und den Ti. Cl. Atticus Herodianus (Nr. 73). Vgl. im allgemeinen Dittenberger Herm. XIII 67ff. Klebs Prosopogr. I 351 nr. 654.

Nachträge und Berichtigungen

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Band S I (1903), Sp. 317
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71) Ti. Claudius Atticus Herodes, wurde vielleicht in das Colleg der Pontifices aufgenommen (s. o. Nr. 31a in diesem Suppl.). Als Ἀττικὸς ὕπατος wird er in einer delphischen Inschrift seines Sohnes genannt (Rev. d. philol. XXV 1901, 91). Vgl. Nr. 179 und 399a in diesem Suppl.

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Band S VI (1935), Sp. 24
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     S. 2677, 15ff. zum Art. Claudius:

71) Ti. Claudius Atticus Herodes. Inschrift von Korinth, Corinth VIII 2 nr. 58: Ti. Claudio Ti. Claudi Hipparchi f. Quir(ina) Attico praetoriis ornament., ornato ex s. c. Vgl. über ihn Graindor Hérode Atticus 19–38.