RE:Curiatius

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band IV,2 (1901), Sp. 18301831
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Curiatius. Der Name wird in der römischen Überlieferung zuerst bei der Geschichte des dritten Königs Tullus Hostilius genannt, als man den Streit mit Alba Longa um die Oberherrschaft durch einen Zweikampf auserwählter Krieger zu entscheiden beschloss. Liv. I 24, 1 leitet dessen Erzählung ein: Forte in duobus tum exercitibus erant trigemini fratres nec aetate nec viribus dispares. Horatios Curiatiosque fuisse satis constat, nec ferme res antiqua alia est nobilior; tamen in re tam clara nominum error manet, utrius populi Horatii, utrius Curiatii fuerint. auctores utroque trahunt, plures tamen invenio, qui Romanos Horatios vocant; hos ut sequar, inclinat animus. In den uns vorliegenden Darstellungen ist jede Spur von dieser Unsicherheit verwischt; die Horatier werden durchweg als die Römer und die Curiatier als die Albaner betrachtet. Die Tradition ist überhaupt so gleichlautend und einstimmig in der Erzählung von dem Zweikampfe der Drillinge und dessen Folge, dem Schwestermord des Horatius, dass die vollständige Ausbildung der Sage über die Zeit der ersten schriftlichen Aufzeichnung hinausreichen muss. Nach der frühesten litterarischen Fixierung sind nur wenige und unbedeutende Züge hinzugefügt oder modificiert worden; so fehlt bei Livius und anderen Autoren der von Dionys. III 13, 4 und kürzer von Zonar. VII 6 erzählte, anscheinend auch dem Colum. III 8, 1 (eximiae fecunditatis Albanas Curiatiae familiae trigeminorum matres) bekannte, dass die Mütter der römischen und der albanischen Drillinge Zwillingsschwestern gewesen seien, nach Dionys Töchter eines Albaners Sicinius, und so giebt nur Schol. Bob. Milon. p. 277 Or. dem einen Albaner, dem Verlobten der Römerin, einen Vornamen, den altertümlichen Attus. Eine Analyse der bekannten Erzählungen wird passender in dem Artikel Horatius gegeben; für jetzt genügt es, über die Curiatier zu bemerken: obwohl manche neuerdings gegebenen Auslegungen (Pascal Rendiconti della accad. dei Lincei 1896, 139ff. Pais Storia di [1831] Roma I 1, 295ff.) viel zu weit gehen und abzulehnen sind, so ist es jedenfalls richtig, dass sich die Sage nach ihrem ersten Emporkeimen aus eigenen Wurzeln an gewisse Denkmäler angelehnt und an ihnen weitergerankt hat. In der wichtigsten Gruppe solcher Monumente findet sich ein Altar des Ianus Curiatius (Fest. p. 297. Schol. Bob. a. O. Dionys III 22, 7); mag auch die Erklärung dieses Beinamens des Gottes, die Lydus de mens. IV 1 p. 63 Wünsch aus Cornelius Labeo giebt, wertlos sein, so ist der Beiname jedenfalls nicht von den albanischen Drillingen genommen, sondern umgekehrt aus ihm deren Name erschlossen worden. Wenn Liv. I 30, 2 und Dionys. III 29, 7 die Curiatier unter den albanischen Geschlechtern aufführen, denen Tullus Hostilius bei der Übersiedlung nach Rom den Patriciat verlieh, so ist das gewiss nur aus der Sage herausgesponnen, und um diese zu bekräftigen, ist man noch weiter gegangen. Man hat in die Consulatsfasten der ältesten Zeit einen Curiatius Trigeminus eingeschmuggelt (Nr. 6), und die im Anfang des 6. Jhdts. d. St. wirklich lebenden Curiatii, eine unbedeutende plebeische Familie, haben dieses Cognomen und ohne Zweifel die Abstammung von den verschollenen Helden der Sage für sich in Anspruch genommen. In Wirklichkeit hat nie ein patricisches Geschlecht dieses Namens existiert.