RE:Demeas 3

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band S I (1903), Sp. 340–341
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3) Verfasser eines Buches über die ältere Geschichte von Paros, worin die Ereignisse nach der parischen Archontenliste angeordnet waren. Eine Hauptquelle bildeten die Dichtungen des Archilochos, aus denen grössere Stücke wörtlich als Belege angeführt wurden. Aus diesem Buche sind im 1. Jhdt. v. Chr. umfangreiche Excerpte auf Stein eingehauen, vielleicht zu einem ähnlichen Zweck wie die Gründungsgeschichte und sonstige wichtige Urkunden um 200 v. Chr. von den Magneten am Maiandros auf den Wänden ihrer Agora angebracht wurden, vielleicht auch unmittelbar als Schmuck eines Heroon des Archilochos. Eine Quader dieser Aufzeichnung ist uns erhalten, leider aber in arger Verstümmelung, da der Stein im 3. Jhdt. n. Chr. zu einem Grabmal hergerichtet wurde, wobei nur die nicht durch die neuen Aufschriften und andere Beschädigungen betroffenen Stellen die ältere Schrift behalten haben. Wir erkennen da die Koiranossage, die [341] Colonisation von Thasos, einen Sieg der Parier über die Naxier, und nach einer grossen Lücke sehr eingehende Ausführungen über die Verhältnisse in Thasos, gerade diese meist mit den eigenen Worten des Dichters, aber etwa nur zum dritten Teil, in den Zeilenanfängen, erhalten; und wer wird wagen, daraus die Verse des individuellsten aller Poeten zu ergänzen? Vgl. de Ridder Bull. hell. XXI 1897, 17, 2. Hiller v. Gaertringen Athen. Mitt. XXV 1890, 1ff. Svoronos Διεθνὴς ἐφημ. τῆς νομισμ. ἀρχαιολ. III 1900, 59f. F. Leo De Horatio et Archilocho, Progr. Göttingen 1900, 3-6. A. Hauvette Rev. des ét. gr. XIV 1901, 70f. 85ff. Einige Verbesserungen wird IGIns. V bringen (wahrscheinlich 1903). Es ist schwer, die Zeit des D. sicher zu bestimmen. Ich hatte a. a. O. auf die Thatsache hingewiesen, dass die Geschichte der Rettung des Koiranos durch den Delphin unabhängig von Phylarchos (um 220 v. Chr.), Plutarch und Aelian in Verbindung mit anderen Geschichten von dankbaren Tieren erzählt wird, dass diese Verbindung wahrscheinlich schon vor Phylarch gemacht wurde von einem Autor, der den aus parischer Localtradition schöpfenden D. bereits benutzte. Man könnte so für D. leicht in die erste Hälfte des 3. Jhdts. kommen, und sich dabei der parischen Marmorchronik erinnern, welche auch, wie D., einen parischen Archon nennt und freilich nur die Bearbeitung nichtparischer Überlieferung für das parische Publicum darstellt, jedenfalls aber in dieser Zeit, um 264/3 oder bald nachher, abgeschlossen ist. Identität der Autoren zu behaupten, wäre natürlich gewagt, zumal es sicher zahlreiche Schriftsteller über Paros und Archilochos gab; schon in den Politien des Aristoteles war eine Παρίων πολιτεία (vgl. die Ausgabe der Fragmente von Rose³ 1886 p. 350 und FHG II p. 214. 197, 2, oben Bd. II S. 487), in der auch des Archilochos gedacht wurde. Nach einer freundlichst mitgeteilten Vermutung von A. Bauer könnte in dem verworrenen Artikel des Suidas s. Δημάδης der Autor einer ἱστορία περὶ Δήλου καὶ τῆς γενέσεως τῶν Λητοῦς παίδων, für den dort der bekannte Redner Demades, Sohn des D., aus Athen gilt, vielmehr unser D. sein, zumal in dem Fragment Schol. Hesiod. Theog. 913 (= FHG IV 377) einige Codd. die Lesart Δημέας neben Δημάδης geben; man könnte dann noch weiter gehen und an den delischen Archon von 286 und 277 erinnern. Alle diese Anzeichen würden uns in etwa dieselbe Zeit führen, auf einen parisch-delischen Localschriftsteller, dessen Blüte um 290–260 fallen würde. Es versteht sich jedoch von selbst, dass diese Vermutungen nur als solche mit der gehörigen Vorsicht aufgenommen werden müssen; wie häufig z. B. in Attika der Name D. ist, kann jetzt jeder aus Kirchners Prosopogr. att. I nr. 3307–3326 und p. 216 ersehen.