RE:Flamingo

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band S VIII (1956), Sp. [S_VIII 172]–[S_VIII 173]
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Flamingo. Dieser auffallende Vogel wird merkwürdigerweise selten von den klassischen Schriftstellern erwähnt. Er heißt nach seiner Farbe φοινικόπτερος, was übrigens wieder – da die rotbraune Dattel doch auch φοῖνιξ genannt wird – die Unsicherheit der griechischen Farbenbezeichnungen beweist. Älteste Stelle Kratinos frg. 107, dann Aristoph. Av. 274. Die griechischen Zoologen kennen ihn nicht, wohl aber Plinius, der freilich n. h. X 133 auch keinen Gelehrten zitiert, sondern den von ihm selbst nepotum omnium altissimus gurges genannten Apicius, der den feinen Geschmack der fleischreichen Zunge dieser Vögel zu schätzen wußte; man vergleiche dazu das auf den Namen jenes Schlemmers gefälschte Kochbuch VI 6, ferner Sen. epist. mor. CX 12. Suet. Vit. XIII 2. Cels. II 18 und Iuven. sat. XI 139; bei dem Scholiasten zu dieser Stelle haben wir die einzige Beschreibung des F.s aus dem Altertum: genus avis, quae habet pennas colore phoeniceo, in aqua semper est, abundans in Africa; huius rostrum tam prolixum est et curvum, ut nisi merso capite aqua in os ipsius non possit intrare. Kaiser Heliogabal aß auch F.-Gehirn; Lampr. Hel. XX 6. Martial schreibt zu einem geschenkten F. XIII 71:

Dat mihi pinna rubens nomen, sed lingua gulosis
     Nostra sapit. Quid si garrula lingua foret?

Auch III 58, 14 scheinen F.s gemeint zu sein: auf einem Geflügelhof in Bajae wurden nämlich gehalten

Argutus anser gemmeïque pavones,
Nomenque debet quae rubentibus pinnis,
Et picta perdix Numidicaeque guttatae
Et impiorum phasiana Colchorum.

Künstlerische Darstellungen besonders in dem Heimatland Ägypten, z. B. auf einer Vase (abgebildet bei Keller Antike Tierwelt II Fig. 80), wo auch die charakteristischen Schlammnester sehr naturgetreu wiedergegeben sind; dann auf dem Mosaikmedaillon des Speisesaales von Thysdrus [173] (ebd. Fig. 70), auf einem karthagischen Relief (Fig. 78) und auf europäischem Boden nur in einem pompejanischen Wandgemälde (Zahn Pompeji II 23). Unter den ägyptischen Hieroglyphen befindet sich der F. nicht.

Häufig begegnet er dagegen in der Sanskrit-Literatur, z. B. Hitopadesa Einleitung 23:

Die Eltern, die den Sohn nicht weise lehren,
Die wahrlich sind für ihn ein Feindespaar:
Bei Hof erwarten ihn dann solche Ehren
Wie einen Storch in der Flamingoschar.

Oder III 1:

Mit gleichen Kräften maßen sich im Streite
Flamingoscharen mit dem Heer der Pfauen.
Die Raben standen auf der Feinde Seite,
Und die Flamingos büßten ihr Vertrauen.

(Übersetzung von Hertel.)

S. ferner Çudrâka, Vasantasênâ, Akt I, Szene 7.

Wenn Keller 213 meint, der von Kleitarch frg. 18 genannte ὠρίων oder gar der von demselben Schriftsteller frg. 18 a erwähnte κατρεύς sei unser F., so hat er sich geirrt: der erste ist, wie ich Art. Reiher o. Bd. I A S. 516 nr. 5 gezeigt habe, der Goliathreiher (Ardea nobilis Blyth); der zweite, wie ich ebenfalls erwiesen habe (Quellen u. Studien z. Gesch. d. Naturwissenschaften u. d. Medizin IV 3. Die 17 Bücher Ailians περὶ ζῷων § 185) die Fasanenart Rheinhardtius ocellatus Verr.