RE:Gastra

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band VII,1 (1910), Sp. 852–853
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Gastra (gastrum, γάστρα). Bei Homer wird an zwei gleichlautenden Stellen (Il. XVIII 348; Od. VIII 437) γάστρη in Verbindung mit dem τρίπους genannt, offenbar ist damit der bauchige Kessel des Dreifußes oder der bauchige Teil dieses Kessels gemeint. Später wird gelegentlich γάστρα statt γαστήρ vom Schiffsbauch gebraucht (Poll. I 87), ferner heißt es in der Schilderung des Festzuges des Ptolemaios II. von den κυλικεῖα ἀργυρᾶ, die mitgetragen wurden (Athen. V 199 c): εἶχεν ἐν ταῖς γάστραις κύκλῳ καὶ ἐπὶ τῶν ποδῶν ζῶα. Den besonderen Gebrauch des Wortes lehrt uns aber der Ἀντιαττικιστής, Bekker Anecd. Gr. I 88, 10: γάστραι· τὸ σύντριμμα τῶν ἀμφορέων, ὧν αὐτὸ τὸ γαστρῶδες μένει, αὐτὴν δὲ τὴν γάστραν ἀντὶ τοῦ τῆς γαστρός. Dazu stimmt der Gebrauch des Wortes G. bei Petron. 70. 79. Weiteres erfahren wir aus einer Reihe von Grammatikerstellen, die Schwartz zu Schol. Eurip. Alcest v. 98 (II p. 221) zusammengestellt hat. Aus dieser γάστρα, besonders dem unteren bauchigen Teil der Amphora, von den Attikern ἀρδάνιον, genannt, wurden die Tiere getränkt (Eustath. p. 707, 32 ἦρδε ... ὅ ἐστιν ἐπότιζεν, ἀφ’ οὗ ἀρδάνιον παρὰ Αἰλίῳ Διονυσίῳ τὸ ἀπὸ τοῦ πυθμένος τοῦ κεραμείου ἕως τῆς γαστρὸς ἐν ὧ ἄρδουσι θρέμματα), sie diente zur Aufnahme des Weihwassers, das vor der Türe des Trauerhauses zur Besprengung der herauskommenden Besucher aufgestellt wurde (vgl. Bd. II S. 611, s. Ἀρδάνιον), und die Frauen benützten sie als einfachen Ersatz des besonders hergestellten ἐπίνητρον (vgl. Bd. VI S. 182f. s. v. und zuletzt Margarethe Láng Die Bestimmung des Onos oder Epinetron, Berlin 1908, und die richtige Darstellung von Hauser Österr. Jahresh. 1909, 85), [853] um auf ihr das Vorgarn zu reiben. Solche γ., für Adonisgärtchen verwendet, zeigt uns das von Hauser a. a. O. 91 veröffentlichte und einleuchtend gedeutete Vasenbild. In einer Gärtnerei in Pompeii fand sich eine ganze Reibe eingegrabener Amphoren, deren oberer Teil abgeschlagen war, und die als Pflanzentöpfe gedient hatten (Overbeck-Mau Pompeji⁴ S. 384). Nach Gergilius Martial. de arb. pomif. 5, Mai Auct. class. I 397 wurden Pfirsichkerne in γ. gesteckt. Weiter diente die G. zu den verschiedensten Zwecken, als Behälter für Flüssigkeiten, die langsam verdampfen sollten (Diosk. V 103. Marcell. Empir. VIII 23), für heiße Asche (Diosk. V 143, bei der Fälschung des Blutsteines), zum künstlichen Ausbrüten der Hühnereier (Geopon. XIV 8), auch zur Aufnahme der κόπρια. (Inschr. von Astypalaia, Dittenberger Syll.² 356, 6). Bei Joseph. bell. Iud. II 14, 5 ersetzt eine umgestülpte γ. einmal den Opferaltar. Auf alle diese Stellen paßt die oben gegebene Erklärung der G., doch müssen wir die Möglichkeit zugeben, daß das Wort daneben auch eine besonders hergestellte bauchige Schüssel bezeichnete, die in ihrer Form dem unteren Teil einer Amphora etwa gleichkam und denselben Zwecken diente. Dafür sprechen einige Stellen der mittelgriechischen Literatur (vgl. Ducange Gloss. med. et inf. graec. s. γάστρα usw.), bei denen man eher an besondere Gefässe als an Scherben denken wird, und die Bedeutung des Wortes im Neugriechischen: so ist die G. ein Vorratsgefäß für Käse (Apophthegmata Patrum, Patrolog. Graeca, Migne LXV 365 C) und Hülsenfrüchte (Leont. Cypr. Vita S. Symeonis, Migne XCIII 1709 B). Bei den Alchymisten dient die ἀσκαλωνῖτις γάστρα zum Brennen wie zum Waschen der Stoffe (Berthelot Collection des anciens alchimistes grecs p. 210, 15. 291, 16. 418, 23). Den Pflanzentopf bezeichnet γ. bei Georg. Kodinos de aedificiis Constantinop. 38 B. C.. ed. Bekker, Bonn. 1843, Corp. script. hist. byz. XLIV p. 73, 13ff. (das Kloster Γάστρια in Konstantinopel genannt nach den in ihm bewahrten γ., in die die hl. Helena die über dem hl. Kreuze gewachsenen Pflanzen versetzt hatte) und in einer von Ducange a. a. O. II 46 als Nachtrag aus dem Cod. reg. 1843 fol. 260 mitgeteilten Stelle der Βίβλος Κοιρανὶς φυσικῶν δυνάμεων συμπαθειῶν τε καὶ ἀντισυμπατειῶν usw. Im Neugriechischen bedeutet γ. oder γλάστρα den Blumentopf, im neumakedonischen Dialekte eine eiserne Kasserolle (vgl. O. Hoffmann Die Makedonen 31, mit Quellenangabe. An ein Überbleibsel aus der alten epischen Sprache ist nach den eben angeführten Stellen mit Hoffmann natürlich nicht zu denken). Gewöhnlich war die G. natürlich aus Ton, wie in mehreren angeführten Stellen ausdrücklich gesagt ist. Doch konnte sie auch aus anderem Material sein, im Gloss. Arab. p. 705. 50 (vgl. Corp. gloss. lat. ed. Goetz VI 484) heißt es gastrum vas aeneum cum fundo angusto; der kretische Mönch Agapios in seinem Geoponicon c. 143 (ed. Venedig 1643) erwähnt ἀγαστέρα ὑαλίνην, ein bauchiges Glasgefäß. — Literatur: Daremberg-Saglio Dictionnaire II 1459 s. v. Heraeus Sprache des Petron. 19. Saalfeld Thensaurus italograecus s. v.

[Zahn.]