RE:Gauzanitis

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band VII,1 (1910), Sp. 879–880
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Gauzanitis (Γαυζανῖτις), eine der sechs Landschaften, in die nach Ptolem. V 18 (17), 4 Mesopotamien zerfiel. Seit E. Schraders Vorgange (vgl. dessen Keilinschr. u. Geschichtsforsch. 1878, 167) identifiziert man G. mit vollem Rechte mit dem Guzana der Keilschrifttexte und dem Gōzān גוֹצָן‎ des Alten Testaments. Aus assyrischen und biblischen Quellen ergibt sich klar, daß es sich bei Guzana-Gōzān nur um eine Gegend im zentralen Mesopotamien, genauer um eine solche am mittleren oder unteren Ḫābūr, dem Hauptzuflusse des Euphrat auf mesepotamischem Boden (vgl. den Art. Aborras o. Bd. I S. 107 und Suppl. I S. 5) handeln kann.

Guzana erscheint in den Keilinschriften immer als Bezeichnung einer Stadt, von welcher also, wie so oft im Oriente, der umliegende Bezirk seine Benennung empfing. Erwähnt wird es hauptsächlich in Briefen aus der Zeit der neuassyrischen Großkönige und in den Eponymenkanonen, gelegentlich auch in Datierungen; denn Guzana war der Sitz eines assyrischen Provinzialgouverneurs, der zur Bekleidung der Eponymenwürde befähigt war. Abgesehen von einer nicht sicher datierbaren (dem 1. vorchristlichen Jahrtausend angehörigen?) Erwähnung (s. den Text in den Proceed. of Societ. of Bibl. Archaeol. 1882, [880] 41ff.) ist die älteste, bisher bekannte sichere Bezeugung die fürs J. 809 (Expedition nach Guzana), die jüngste für das 13. Jahr des Nabonid = 543 v. Chr. (s. Clay Babyl. Exped. of the Univ. of Pennsylv. VIII 1 nr. 52).

Das Alte Testament (II Kön. 17, 6. 18, 11. 19, 12 = Jes. 37, 12. I Chron. 5, 26) kennt Gōzān als einen der Ansiedlungsplätze der von Sargon deportierten Bewohner des Reiches Israel. Der Fluß von Gōzān kann nur der Ḫābūr sein. Wenn die jüdische Tradition und, ihr folgend, noch manche Exegeten besagte jüdische Kolonie auf osttigritanischem Gebiete lokalisieren, so muß eine derartige Annahme angesichts der keilinschriftlichen Angaben als völlig verfehlt charakterisiert werden.

Sehr fraglich erscheint es, ob das Βυζαντίνων des Abydenos bei Euseb. chron. (ed. Schoene 35) mit Tomaschek in Γαυζανιτίων emendiert werden darf; vgl. dazu meine Zusätze zu den Art. Bizana u. Byzantion nr. 4 in dieser Encyklopädie, Suppl. I S. 253 und 266. Ganz abzulehnen ist de Lagardes Vorschlag (s. dessen Gesammelte Abhandl. 188, 2), dasΤαμωνῖτις Strabons (XI 528) als Korruptel aus Γαυζανῖτις zu erklären; Ταμωνῖτις ist vielmehr wahrscheinlich aus Ταμωρῖτις (nicht Ταρωνῖτις) verderbt; s. dazu Hübschmann Indog. Forsch. XVI 213. Literatur: Ritter Erdkunde X 248. Fr. Delitzsch Wo lag das Paradies? 184. H. Winkler Alttestamentl. Unters. 108ff. A. Jeremias in der Realencycl. f. protest. Theol.³ VI 766-767. Belege für das keilinschriftliche Guzana s. vor allem bei C. Bezold Catalogue of the Cuneif. tablets etc. (British Museum) V 2034.