RE:Hirtius 2
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2) [...] Hinaus
ivöo
Plinius XVIII 49 und 50 zählt sie daher zu den frumenti genera aestiva et verna. In Griechenland erfolgte die Aussaat gewöhnlich im Sommer (Theophr. VIII 1). Sie kostete dem Landmanne nicht viel, vier Sextare Saatkorn genügten für den Morgen (Col. II 9. XI 2). Von vier Sextaren Aussaat werden 40 Sextare geerntet (Geop. II 24). Das besäte Land muß behackt (sorrtre) und gejätet (runcare) werden, damit das Unkraut vertilgt werde. Sobald die H. Ähren hat, muß sie, ehe sich die Körner von der Hitze auftun, mit der Hand abgepflückt werden. Erst nachdem sie an der Sonne aufgehängt und getrocknet ist, wird sie auf dem Kornboden verwahrt; so überdauert sie das übrige Getreide (Col. II 9). H. liefert die vorzüglichste Spreu, we:l die Halme dünn und klein sind (Plin. XVIII 299).
Milium wurde zu Brot verarbeitet, das frischgebacken (antequam refrigescat) zwar wohlschmeckend war (Col. II 9), aber wegen seines geringen Nährwertes dem Getreidebrot nicht gleichgestellt wurde (Diosc. II 119). Die Landleute, sagt Galen (al. f. I 15), ziehen dem trockenen, wenig nahrhaften H.-Brot einen aus H.-Mehl bereiteten Brei vor, der durch eine Zutat von Speck oder Öl wohlschmeckend gemacht wurde. Aus Milium und Panicum bereitete man auch einen Milchbrei, bei dem, wie Galen scherzhaft meint, die Milch das Beste ist. Noch sei erwähnt, daß der altitalischen Feldgottheit Pales an ihrem Feste von den Bauern kleine H.-Kuchen dargebracht wurden: Libaque de milio milii fisceila sequetur: rustica praecipue est hoc dea laeta cibo (Ovid. fast. 743f.). t
Auch zu medizinischen Zwecken wurde H. verwandt. H.-Brei stillt den Durchfall, treibt aber den Harn. Geröstet und in Beutel gegeben ist sie, als trockene Bähung angewandt, ein Heilmittel bei Krämpfen und sonstigen Schmerzen (Diosc. II 119). Die Anwendung der H. als trockener, warmer Umschlag beruht darauf, daß sie, wie Plinius (XXII 130) sagt, als eine zarte und weiche Frucht die Wärme lange an sich hält (Berendes zu Diosc. II 119).
Literatur: Lenz Botanik der alten Griechen und Römer 1859. De Candolle Ursprung der Kulturpflanzen 1884. K ö r n i c k e und Wer-n e r Handbuch des Getreidebaues 1885. v. Fischer-Benzon Altdeutsche Gartenflora 1894. Busch an Vorgeschichtl. Botanik 1895. Schrader Reailex, der indogerman. Alter-tumsk. 1901. Hehn Kulturpflanzen u. Haustiere⁷ 1902. Hoops Waldbäume u. Kulturpflanzen im german. Altertum 1905. Grad-mann Der Getreidebau
Fasti Colot. ebd. p. 64. Case. Dio XLVI Index) könnte der Sohn des CIL I 1161–1163[1] = X 5837–5839 = Diehl Altlat. Inschr. 281–284 genannten Censors von Ferentinum (Nr. 1) sein. Er befand sich zwischen 700 = 54 und 702 = 52, dann 703/4 = 51/50 in GaUien bei}} [1957] 1957
Hirtius
Caesar (Cie. ad fam. XVI 27. [Caes.] bell. Gall. VIII praef. Cie. ad Att. VII 4, 2). Da er nie als Truppenführer genannt wird, vermutet man (StrackBonn. Jahrb. CXVHI(1909) 139ff. Klotz Caesarstudien 151 ff.), daß er Chef von Caesars Kanzlei war; er könnte wohl der Nachfolger des Cn. Pompeius Trogus sein (Iustin. XLIII 5, 12), der gewiß in der Katastrophe von Atuatuca Ende 700 = 54 umkam (Caes. bell. Gall. V 36, 1). Wie sehr er Caesars Vertrauen genoß, be-10 weist seine Sendung nach Rom im Dezember 704 = 50 während der letzten Verhandlungen vor dem Ausbruch des Bürgerkrieges. Daß er der mit Pompeius verabredeten Besprechung ohne Entschuldigung fernblieb, war diesem ein deutliches Zeichen, daß der Krieg unvermeidlich sei (Cie. ad Att, VII 4, 2). Wahrscheinlich nahm er am spanischen und griechischen Feldzug teil, da er im April 705 = 49 sich mit Caesar auf dem Weg nach Spanien befand (Cic. ad Att. X 20 4, 6. 11) und 707 = 47 ebenfalls bei ihm in Antiochien erscheint (ebd. XI 14, 3. 20, 1). Dagegen machte er nach seinem eigenen Zeugnis ([Caes.] bell. Gall. VIII praef. 8) den ägyptischen und afrikanischen Feldzug nicht mit. Daß er 706 = 48 Volkstribun gewesen sei (Willems Le sénat I 131. 592), ist inbeweis-bar und nach dem Vorherigen kaum möglich. Sein in Caesars Auftrag eingebrachtes Gesetz über die Bestrafung der Pompeianer (Cic. Phil. 30 XIII 32, vgl, Case. Dio XLII 20, 1; eine Anspielung vielleicht Cic. ad fam. VI 12, 2 ambitiosae rogationes), das mit der in ihrem näheren Inhalt unbekannten rogatio Hirtia CIL I 627[2] identisch sein könnte, wird also 708 = 46 erlassen sein, in welchem Jahre H. Praetor war (B a b e 1 ὁ n I 543, 1. 2. Drumann IIP 66, 7). Von seiner sonstigen Amtsführung ist nur bekannt, daß er im April in Praeneste an Spielen teilnahm (Cic.
ad Att. XII 2, 2); der Wortlaut legt nicht nahe, 40 daß er sie selber abhielt. Wie der junge Q. Cicero durch H. über das Schicksal von Vater und Oheim mit Caesar verhandelte (ebd. X 4, 6. 11. XI 14, 3. 20, 1), so war H., da er zu den nächsten Vertrauten Caesars gehörte (ebd. VII 4, 2; ad fam. VI 12, 2. IX 6, 1. 18, 1. Phil. XIII 47. VeU. II 57, 1; vgl. auch Cic. Phil. V 32), auch für Cicero selbst eine gewichtige Persönlichkeit (Cic. ad Att. XII 35, 1). Nur aus politischen Rücksichten erklärt es sich, daß Cicero 50 ihm wie anderen Caesarianern Unterricht in der Rhetorik erteilte (ad fam. VII 33, 1. IX 16, 7. 18, 1. Quint. XII 11, 6. Suet. de gramm. 25 = rhet. 1, vgl. Sen. controv. I praef. 11), rege gesellschaftliche Beziehungen unterhielt (ad fam. IX 7, 1. 16, 7. 18, 3. 20, 2) und H. ihm sogar seine Schwester zur Frau anbieten konnte (Hie- Propraetor Gallia comata und Narbonensis verwaltet zu haben (vgl. die treffliche Darlegung bei 6C R u e t e Corresp. Ciceros i. d. Jahren 44/3. Diss. Straßburg 1883, 31 mit Unrecht von D r u -mann IIP 68. Hirschfeld Klio Vin [1908] 464 nicht angenommen); er erwarb sich, vielleicht durch den Sieg eines Legaten, im Kampf mit den Germanen den Imperatorentitel (B a b e-lon I 542L Muret-Chabouillet Catalogue des monnaies gauloises de la bibl. Natio- [1958] Hirtius.
1958
nale, Paris 1889 nr. 7359. 8086–8093. 9233f. nach D r u m a ἡ n IIP 68, 7). Da er als Praetor bis zum 31. Dez. 46 in Rom bleiben mußte und am 18. April 45 in Narbo war (Cic. ad Att. XII 37, 4), kann seine Teilnahme am spanischen Krieg ([Caes.] bell. Gall. Vin praef. 8) nur eine kurze gewesen sein (Suet. Aug. 68 müßte auf die Zeit nach dem Krieg gehen, da Octavian erst etwa im April zu Caesar gelangte; die Verleumdung stammt aus einem Pamphlet), Damals griff er auch in die publizistische Fehde zwischen Republikanern und Caesarianern ein mit einer wohl Cicero gewidmeten (Tyrrell und Purser Corresp. of Cicero V 60. 74 nennen grundlos Caesar als Adressaten) Schmähschrift auf Cato (Cic. ad Att. XII 40, 1. 41, 4. 44, 1. 47, 3. 45, 2. Caesaris Comm. ed. K ü b 1 e r III 2, 222), eine Antwort auf Ciceros Cato und ein Vorläufer von Caesars Anticato (Klotz Caesar-studien 152f.). Doch blieb er mit Cicero in freundschaftlichem Verkehr (ad Att. XII 44, 1. XIII 21, 1) und verteidigte ihn gegen die Anklagen seines Neffen (ebd. XIII 37, 2; omnium flagitiorum auctor XIII 40, 1 ist wohl Caesar, nicht H., wie O. E. Schmidt Ciceros Briefwechsel 340 und D r u m a ἡ n IIP 68, 1 annehmen). Die von den Germanen bedrohte Provinz ließ er von seinem Weggang bis zum Eintreffen des Munatius Plancus durch einen sonst unbekannten (s. o. Bd. II S. 2431 Nr. 2) Aurelius verwalten (Cic. ad Att. XIV 9, 3). Als einen seiner treusten Anhänger designierte ihn Caesar zum Consul für 711 = 43 (Nic. Dam. vita Caes. 22; vgl. Cic. Phil. XIII 24; ad Att. XIV 9, 2 quasi designati), nachdem er ihm, wohl schon früher, die Ornamenta consularia verliehen hatte (Cic. ad fam. XII 2, 3 setzt voraus, daß die Designati sich unter den von ihm sonst nicht anerkannten Consularen befinden; vgl. Suet. div. lui. 76. Mommsen St.-R. I³ 461, 4). Auch das Augurât wird er von Caesar erhalten haben (Cic. Phil. VII 12; ad fam. XII 25 a, 6).
Nach den Iden des März sprach H. im Rat der Caesarianer gegen ein gewaltsames Vorgehen (Nicol. Dam. vita Caes. 27) und verhandelte mit D. Brutus über die den Verschworenen zu gewährenden Konzessionen, wobei er den Antonius desavouierte (Cic. ad fam. XI 1). Natürlich war es für die Republikaner von höchster Wichtigkeit, den künftigen Consul für sich zu gewinnen. Aber dies schien so unmöglich, daß Cicero, der sich vom 15. April an mit H. in Puteoli aufhielt (ad Att. XIV 8, 1. 9, 2. 11, 2. 12, 2. XV 1, 2; de fato 2), zunächst gar nicht daran dachte und die Nötigung, seine rhetorischen Übungen fortzusetzen, als lästigen Zwang empfand. Von Brutus und Cassius zu einem Versuch in dieser Richtung aufgefordert, konnte er zunächst nur feststellen, daß H. völlig caesa-rianisch und kriegslustig sei (Cic. ad Att. XIV 20, 4. 21, 4. 22, 1). Zwar versprach er Atticus seine Hilfe in der buthrotischen Angelegenheit, was Cicero gerne als eine prinzipielle Anerkennung der Senatssache aufgefaßt hätte (ebd. XV 1, 2. 3, 2), aber das Edikt der Mörder hielt er für gleichbedeutend mit einer Kriegserklärung und weigerte sich, ihr Vorgehen für besser gerechtfertigt zu halten, als das des Antonius (ebd. [1959] 1959
Hirtius
XV 1, 3). Erst dessen gewaltsamer Eingriff ins Staatsgut machte ihn stutzig (ebd. XV 2, 4. 6, 1), seine Bewaffneten ängstigten ihn (ebd. XV 8, 1), und er gab Cicero, der von Brutus und Cassius bestürmt wurde, H. zu gewinnen (ebd. XV 5, 1. 6, 1), soweit nach, daß er versprach, den Senatssitzungen vom 1. und 5. Juni fern zu beiben; seinerseits ließ er die Caesar-mörder bitten, von Gewalttaten abzusehen (Brief des H. an Cicero ad Att. XV 6; Phil. I 6. D r u m a ἡ ἡ III² 70, 4 schließt, schwerlich richtig, aus Cic. ad Att. XV 8, 1, daß H. den Sitzungen doch beiwohnte). Die Autorität Ciceros (Phil. XIII 41. Plut. Cic. 43, 1) und vor allem das Verhalten Octavians und die Abneigung gegen Antonius bestimmten ihn zuletzt zum Übertritt; doch die Senatspartei war sich bewußt, daß sie keine Taten von ihm zu erwarten hatte (Cic. ad Att. XV 12, 2. 22, 1. XVI 1, 4). Eine schwere Krankheit, die H. im Spätsommer befiel (Cic. Phil. I 37f.; vgl. X 16; ad fam. XII 22, 2. Ganter Philologus LIIÏ [1894] 140f.), offenbarte wohl die Sympathie der senatorisch gesinnten Menge für seine Person, und offiziell setzte man die größte Hoffnung auf die Designati (Cic. Phil. III 2. 36), aber noch im November sprach M. Cicero sich bitter über sie aus (ad fam. XVI 24, 2), ganz abfällig Q. Cicero (ebd. XVI 27, 2). So suchte die Senatspartei denn schon im voraus den Consuln die Hände zu binden. In der Sitzung vom 20. Dezember, an der die Designati nicht teilnahmen (Cic. Phil. V 30), wurden diese angewiesen, am 1. Jan. den Senat unter dem Schutz von Bewaffneten abzuhalten (ebd. III 13. 25. 37; ad fam. XI 6, 2. Cass. Dio XLV 19, 1. 22, 5. XLVI 26, 7), und aufgefordert, sofort nach ihrem Amtsantritt über die Ehrung Octavians, der Veteranen und der übergetretenen Legionen zu referieren (Cic. Phil. III 38f. IV 4. V 4. 28. X 23).
Als dann am 1. Jan. 711 = 43 die neuen Consuln Pansa und H. (Fasti Amit. CIL I² t>.61. Fasti Colot. ebd. p. 64. Chronogr. Idat. Chron. Pasch. Cassiod. Obs. 69. Eutrop. VII 1. Fasti Praen. ad a. d. VII id. Ian. CIL I² p. 231. Mon. Ancyr. 1, 1 [Hirtÿo CIL I 625.[3] Mio. N 5832. VIII 22640, 1. IX 3349. X 8093 = Dessau 5539. Varro de gente pop. Rom. frg. 7 Peter. Suet. Aug. 10; Tib. 5. Tac. dial. 17. Plut. Aem. Paull. 38, 1; Cic. 45, 2; Anton. 17, 1. Appian. bell.civ. III 202. Cass. Dio XLV 17, 1. XLVI index. XLVII index. Oros. VI 18, 3. Solin. I 32; und oft in Ciceros Philippiken) diesem Auftrag nachkamen (Cic. Phil. V 1. 34ff. VI 1. Appian. bell. civ. III 202. Cass. Dio XLV 17, 1), beschloß der Senat die Auszeichnungen für Octavian und die Truppen (von Ornamenta für H. spricht Antonius Cic. Phil. XIII 41); außerdem wies er die Consuln an, für den Fall eines Krieges Aushebungen vorzunehmen (Cic. Phil. VII 2. 13. 23f. νΠΙ 4ff. X 21. XI 24. XIII 5. 23. XIV 5; ad fam. XI 8, 2. XII 5, 2; ad M. Brutum II 4, 4. Appian. bell. civ. III 266; vgl. 308. Cass. Dio XLVI 29, 5. 36, 2). Einstweilen wurde, noch vor Abhaltung der feriae Latinae (Casa. Dio XLVI 33, 4). durch Entscheid des Loses (Cie. Phil. XIV 4) H., obwohl noch leidend, ins Feld gesandt (ebd. VII 1lf. VIII 5. X 16. [1960] Hirtius
I 960
XI 24. Appian. ebd. Cass. Dio ebd.), während Pansa die Aushebungen leitete. In Ariminum (Cic. ad C. Caes. frg. 2 bei Non. 239, 23) übernahm der Consul den Befehl über die Truppen Octavians. Die Vorwürfe, daß H. die besten Truppen für sich genommen und gezaudert habe (Appian. bell. civ. III 266. Cass. Dio XLVI 35, 6), sind wohl Entstellungen seiner durch die Verhältnisse gebotenen Handlungsweise: als Con-10 sul hatte er die freie Verfügung über alle Trup
pen; er wollte die Erklärung des Kriegszustandes, die günstige Jahreszeit, das Eintreffen des Kollegen abwarten. Cicero urteilte damals recht günstig über ihn (ad M. Brut. II 1, 1; ad fam. XII 4, 1; vgl. X 21, 7), und den inneren Zwiespalt seiner Stellung als senatsfreundlicher Caesarianer teilte er mit seinem Kollegen und mit Octavian selber (Cic. Phil. V 32. X 16. XIII 46f.). Daß die Consuln wirklich insgeheim 20 mit Antonius Briefe wechselten, ist denkbar.
Schließlich aber rückte H., ehe über die Vorschläge des Antonius in Rom verhandelt würde, in Gallia ein (Phil. X 21) und vertrieb aus Claternae die Besatzung des Antonius (ebd. VIII 6; vgl. 17). Dort blieb er vorderhand liegen, während Octavian in Forum Cornelii Quartiere bezog (Cic. ad fam. XII 5, 2. Cass. Dio XLVI 35, 7). H. berichtete nach Hause, er wolle nichts überstürzen (Cic. ebd.; vgl. XI 8), war aber 30 siegesgewiß (Phil. XII 9). Als neue, vielleicht inoffizielle Verhandlungen mit Antonius ergebnislos verliefen (Phil. XIII 22ff.) und die Not in Mutina aufs höchste stieg, entschloß sich H., dem Drängen Octavians nachgebend (Cass. Dio· XLVI 36, 2), um den 15. März zum Vorrücken (Cic. Phil. XIII 46. Appian. bell. civ. III 267. Cic. Phil. X 21. XII 8 setzen diesen zweiten Aufbruch nicht notwendig voraus). Nach seiner Vereinigung mit Octavian (Cic. ad C. Caes. 40 frg. 13 = Non. 394, 7) besetzte er fast ungehindert Bononia und Forum Gallorum; erst an der Scultenna fand er Widerstand (Cass. Dio XLVI 36, 3ff.). Mittelst Listen trat er in Verbindung mit den Belagerten und vermochte sie sogar zu unterstützen (Plin. n. h. X 37. 110. Frontin. strat. III 13, 7. 14, 3. 4. Cass. Dio ebd.). Einen größeren Erfolg davonzutragen gelang indessen dem Senatsheer nicht; im Gegenteil, es erlitt in einem der täglichen Reiterge-50 fechte eine tüchtige Schlappe, die in Rom große
Bestürzung hervorrief und die Feldherrn veranlaßte, ihre Truppen im Lager zu halten (Cic. Phil. XIV 10. 15; ad M. Brut. I 3, 2; ad C. Caes. frg. 23 = Nonius 389, 33. Appian. bell. civ. III 268. Cass. Dio XLVI 37, 1–3). Um den Marsch Pansas, der am 19. März mit vier Rekrutenlegionen von Rom aufgebrochen war, zu beschleunigen, sandte H. ihm den Offizier Sul-picius Galba entgegen und ließ dann, als sein 00 Herannahen gemeldet wurde, zwölf Cohorten seiner besten Truppen zu ihm stoßen, damit sie ihn sicher ins Lager geleiteten. Allein zwischen Bononia und Forum Gallorum wurde das Heer Pansas von Antonius, der sich in der Nacht zwischen das Belagernngsheer und die heranziehenden Truppen geworfen hatte, geschlagen und zum Rückzug genötigt. Auf die Kunde hiervon überließ H. die Verteidigung des Lagers [1961] 1961
Hirtius
Octavian, überraschte mit zwei Legionen den vom Kampf ermatteten Antonius bei Forum Gal· lorum und besiegte ihn fast ohne Verluste. Wegen Mangels an Reiterei konnte er seinen Sieg nicht ausnützen und nächtigte im alten Lager Pansas (Cic. ad fam. X 30. 33, 3f.; Phil XIV 26f. 36f.; ad M. Brut. I 3, 4. Liv. per. 119. Oros. VI 18, 3f. Frontin. strat. II 5, 39. Appian. bell. civ. III 272–289. Cass. Dio XLVI 37, 4; die Kontroverse über den Schlachttag – 14. oder 15. April – ist auch von Groebe bei Drumann I² 458ff. nicht befriedigend erledigt). In seinem Bericht an den Senat bat er um eine Supplicatio und um die Bestätigung des Imperatorentitels, mit dem die Soldaten die drei Feldherren am 16, April begrüßt hatten; beidem wurde vom Senat entsprochen und für die Gefallenen ein Denkmal beschlossen (Cic. Phil. XIV 6.11f 22ff. 29. Suet. Aug. 12. Cass. Dio XLVI 38, 1f. Drumann I² 457). Nach der Vereinigung der Senatsheere wagte Antonius keine Schlacht mehr, sondern suchte Mutina auszuhungern. Aber H. und Octavian zwangen ihn am 21. April (O. E. S c h m i d t Jahrb. f. Philol. CXLV [1892] 321 f.) zum Kampf. Mitten im Siegen fiel H. beim Feldherrnzclt des Antonius, und Pansa erlag bald darauf seinen Wunden (Cic. ad fam. X Ἴ7. 2. 33. XI 9, 1. 10, 2. 13, 1. XII 25, 6; ad M. Brut. I 2, 2. 3, 4. 4, 1; ad C. Caes. frg. 22 = Non. 344, 25. Ovid. Trist. IV 10, 6. [Tib.] III 5. 18. Liv. per. 119. Oros. VI 18, 5. Eutrop. VII 1. Vell. 1161, 4. SuetAug.il. Tac. diaL 17. Plut. Cic. 45, 3; Anton. 17, 1. Appian. bell. civ. III 290–294. Cass. Dio XLVI 33, 5. 38, 5. 39, 1). Der Mordverdacht, der auf Octavian fiel, ist für H. jedenfalls ganz unbegründet (Tac. ann. 110. Suet Aug. 11. Cass. Dio XLVI 39, 1). Die Leichen der Consuln wurden nach Rom gebracht (Appian. bell. civ. III 311) und auf dem Marsfeld, nördlich vom Theater des Pompeius Öffentlich bestattet (Cic. ad M. Brut, I 15, 8. Liv. per. 119. Val. Max. V 2, 10. Vell. II 62, 4. Hülsen Röm. Mitt. XVIII [1903] 52). Der schöne Soldatentod hat H. aus einer Stellung erlöst, deren Schwierigkeit er weder seiner Begabung noch Energie nach gewachsen war. Achtbar aber schwach, verdankte er alles Caesar (Cic. Phil. XIII 24), der in ihm wohl besonders die literarischen Fähigkeiten schätzte. Von sich aus würde H., der offenbar recht vermöglich war (Suet. Aug. 68 in dieser Form unrichtig; bei Plin. n, h. IX 171 liest cod. K Hirtus; doch vgl. Keil Praef. XXIX und Drumann IIP 553. 11), gewiß ein Leben in behaglichem Genuß politischer und gar militärischer Tätigkeit vorgezogen haben (seine Villa: Cic. ad Att XV 5, 2; Geselligkeit *. Phil. I 87; Tafelluxus: ad fam. IX 7, 1. 16. 7. 18, 3. 20, 2. XVI 27, 2; ad Att. XII 2, 2. XVI 1, 4; uhmilitärischer Stil: Klotz Caesarstudien 160ff.). Seine Korrespondenz mit Cicero war in mindestens neun Büchern publiziert; doch erlauben die dürftigen Fragmente (bei C. F. W. Müller IV 3, 298) kein Urteil über den Zeitraum, durch welchen sie sich erstreckte (Gurlitt N. Jahrb. VII [1901] 546). Der Name des H. findet ach noch in unklarem Zusammenhang in einem Fragment der Fasti Praenestini (Eph. epigr. IX 434 [1962] Hirtuleius
1962
nr. 741): Λ H(i)rtius c. Caesfaris legatus?). Literatur: Den ausführlichen Artikel in den ersten Auflagen dieses Werkes hat der Verfasser nur in Einzelheiten ergänzen können .D r u m a ἡ ἤΠΙ² 65ff, Klotz Caesarstud. 149ff. [Vonder Mühll.]
8) Q. Hirtius A. f. Serfgia tribu) (ôrabschrift aus Rom, 1910, 428) ist gewiß ein Verwandter der bekannten A. Hirtii.
RE:Hirtius 4
[Bearbeiten]4) Wohl ein naher Verwandter von Nr. 2, 10 wurde 711 = 43 von den Triumvirn proskribiert, entkam mit seinen Sklaven, aus Rom und durchzog Italien, indem er Sklaven befreite, aus ihnen eine große Freibeuterschar bildete und selbst größere Städte brandschatzte. Zuletzt setzte er sich in Bruttium fest; als Truppen gegen ihn aufgeboten wurden, gelang es ihm, seine ganze Macht dem Sex. Pompeius zuzuführen; in dessen Dienst überredete er gemeinsam mit anderen den A. Pompeius Bithynicus, seine Statthalterschaft 20 Sizilien aufzugeben (Appian. bell. civ. IV 180.
354 mit Vierecks Anm.).
RE:Hirtius 5
[Bearbeiten]5) Hirtia. Nach Hieron. adv. ïovin. I 48 p. 316 Vallarsi (aus Sen. de matrimon. 61 Haase) wurde Cicero nach seiner Trennung von Terentia 708 = 46 aufgefordert, die Schwester des A. Hirtius Nr. 2 zu heiraten und erwiderte darauf, er könne nicht gleichmäßig sich einer Gattin und der Philosophie widmen (vgl. dazu Marquardt-Mau Privatleben der Römer 74, 3). Vielleicht meint er H. 30 in dem damals geschriebenen Briefe ad Att. XII 11, wo er eine ihm angetragene ungenannte Frau wegen ihrer Häßlichkeit ausseblägt
RE:Hirtius 5
[Bearbeiten]Hlrtuleins. 1) Nach Cic. Font. 1f. Quaestor vielleicht unter dem Consulat des L. Valerius Flaccus 668 = 86 oder bald darauf. Ob er mit einem der anderen Hirtuleii identisch ist, bleibt unsicher.
RE:Hirtius 5
[Bearbeiten]2) C. Hirtuleius (Hirtüius Hss.), von einem C. Rusins angeklagt und von L. Cornelius Si-senna (s. o. Bd. IV S. 1512 Nr. 374) verteidigt 40 (Cic. Brut. 260), also der Sullanischen Zeit angehörig und wohl ein Verwandter Von Nr. 3.
RE:Hirtius 5
[Bearbeiten]8) L. Hirtuleius. Hirtulei im Plural nennt Flor. II 10, 6f. als die bedeutendsten Kriegsgefährten des Q. Sertorius in den ersten Jahren seiner spanischen Kämpfe; Hirtulei fratres bietet Oros. V 23, 12 und entstellt zu Herculei fratres Auch de vir. ill. 63, 2. Der eine der Brüder heißt L. nach Liv. XCI ep. und frg. Vat. (22 Wssnb.) und war oder nannte sich Quaestor des 50 Sertorius nach Liv. ep. XC. XCI und Plut. Sert.
12, 3, wo er nicht mit Namen genannt wird. Wahrscheinlich belagerte er die Stadt Consa-b(u)ra unweit des oberen Anas (Frontin. strat. IV 15, 9, s. o. Bd. IV S. 889), als im J. 675 = 79 M. Domitius Calvinus, der Statthalter von Hispania citerior, zum Entsatz heranrückte; H. zog ihm bis an den Fluß entgegen und schlug und tötete ihn (Liv. ep. XC. Eutrop. VI 1, 2. Oros. V 23, 3, vgl. Flor. II 10, 6f. Plut Sert. 6012, 3, o. Bd. V S. 1424 Nr. 44. Drumann-Groebe Gesek Roms TV 365. 367). Im folgenden Jahre 676 = 78 trat er dem in Spanien einfallenden Statthalter von Gallien L. Mallius Oder Manlius entgegen und brachte ihm eine vollständige Niederlage bei (Liv. ep. XC [ungenaue Reihenfolge]. Oros. V 28, 4. Plut Sert 12, 8). In diese Zeit der Erfolge des H. dürfte auch sein von Frontin. strat I 5, 8 erzähltes glückliches
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2) Der Name in unklarem Zusammenhange in einem neuen Bruchstück der Fasti Praenestini: A. H(i)rtius C. Caes(aris legatus?) (Ephem. epigr. IX 434 nr. 741).
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Hirtius
2) Vertrauter Caesars, Konsul im J. 43 v. Chr., Sohn des H. Nr. 1 (VIII 1956) (?). S III: streichen; vgl. VIII 1961,66ff.