RE:Iuventas

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
fertig  
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Göttin d. Jugend
Band X,2 (1919) Sp. 13601361
Iuventas in der Wikipedia
Iuventas in Wikidata
Bildergalerie im Original
Register X,2 Alle Register
Linkvorlage für WP   
* {{RE|X,2|1360|1361|Iuventas|[[REAutor]]|RE:Iuventas}}        

Iuventas, die Göttin der Jugend, hatte in Rom einen alten Kult, der später durch griechischen Einfluß umgestaltet wurde. Sie hatte eine aedicula in der Vorhalle der Cella der Minerva (am genauesten Dion. Hal. III 69, 5; vgl. Plin. n. h. XXXV 108), und man deutete das später so, daß sie ebenso wie Terminus (und Mars nach Angust. civ. dei IV 23. 29) den kapitolinischen Göttern nicht habe weichen wollen (Liv. V 54, 7 = Flor. I 7, 8); daraus schloß man ὅτι τῆς Ῥωμαίων πόλεως οὔτε τοὺς ὅρους μετακινήσει οὐθεὶς οὔτε τὴν ἀκμὴν μεταβαλεῖ. Über Varro als Quelle dieser Tradition vgl. Agahd Jahrb. f. Philol. Suppl. XXIV 33. 159. Da aber bei Liv. I 55, 3 nur von Terminus die Rede ist, so nahm Wissowa an, daß die Legende ursprünglich nur von ihm berichtet habe und die anderen Götter der patriotischen Deutung wegen hinzugefügt seien; doch scheint die Tatsache, daß die Kapelle der I. im Minervatempel stand, sich am einfachsten zu erklären, wenn sie wirklich schon vor dem kapitolinischen Tempel vorhanden war. Vgl. Jordan Topogr. I 2, 12. 91. Hülsen o. Bd. III S. 1532. Ferner mußte jeder ins Mannesalter eintretende (d. h. die Toga virilis anlegende) Jüngling eine Abgabe an die Kasse der I. zahlen; Piso (frg. 14 bei Dion. Hal. IV 15, 5) führt das auf Servius Tullius zurück und bringt es mit der Absicht einer Volkszählung zusammen, während es nichts weiter ist als ein Opfer (Samter Familienfeste 24). Daher nennt Tertull. ad nat. II 11 I. die dea novorum togatorum; vgl. August. civ. dei IV 11 I. quae post praetextam excipiat iuvenalis aetatis exordia (vgl. VI 1). Regelmäßigen Kult bezeugen Paul. 104 Iuventutis sacra pro iuvenibus sunt instituta. Cic. ad Att. I 18, 3 eius (anni) initium eiusmodi fuit, ut anniversaria sacra Iuventatis non committerentur (also am Jahresanfange; das kann sich freilich auf die spätere I. beziehen). Der Kalender von Cumae (CIL X 8375) vermerkt eine Supplicatio Spei et Iuve(ntati) zum 18. Oktober; das ist der Tag, an dem Augustus die Männertoga anlegte, und so liegt die Vermutung nicht fern, daß das Opfer, das die unter die Männer aufgenommenen Jünglinge auf dem Kapitol darbrachten, der I. galt (Samter a. O. 75); doch hat man auch an Liber (s. den Art. Liberalia) und Iuppiter gedacht.

Eine Hellenisierung des Kultes erfolgte unter dem Einflusse der sibyllinischen Bücher. Im J. 218 v. Chr. wurde auf ihr Geheiß ein lectisternium Iuventati et supplicatio ad aedem Herculis abgehalten (Liv. XXI 62, 9): hier ist I. Hebe, die Gattin des Herakles (Eitrem o. Bd. VII S. 2580). Der Tempel, den ihr Livius Salinator im J. 207 in der Schlacht bei Sena gelobt hatte, wurde im J. 204 begonnen und 191 geweiht in circo maximo (Liv. XXXVI 36, 5; Accius wußte von gleichzeitig gelobten and im J. 197 mit szenischen Aufführungen begangenen Spielen zu berichten, Cic. Brat. 73); nach dem Brande des J. 16 v. Chr. (Cass. Dio LIV 19) stellte ihn Augustus wieder her (Mon. Anc. 4, 8). Über seine Lage steht nichts Genaueres fest; aus Plin. [1361] n. h. XXIX 57 ergibt sich, daß er nahe am Tempel des Summanus lag. In der Literatur wird jetzt oft Hebe I. genannt (Cic. nat. deor. I 112. Tusc. I 65. Hor. c. I 30, 7. Ov. ex Pont. I 10, 12), meist als Mundschenkin der Götter.

Auffallend sind die Weihungen der Kaiserzeit, da die alte Geltung der I. wohl in Vergessenheit geriet und I.-Hebe es kaum zu Bedeutung gebracht hat; hier mögen die Collegia iuvenum (Ziebarth o. S. 1357) und der Kaiserkult mitwirken. Die Weihung CIL II 45 aus Pax Iulia stammt von einer Frau, die aus Betriacum V 4088 vom Collegium Artanorum (vgl. ebd. 4244 aus Brixia); CIL II 1935 (Alechipe in Baetica) Iuventuti Aug. C. Marcius Niger ob honorem flaminatus weist in den Vorstellungskreis der Münzen (s. u.). Ein flamen Iuventutis wird in Vienna öfter erwähnt (CIL XII S. 938). Auf Münzen hat I. zuerst M. Aurel (um 140) genannt und zum Teil dargestellt: aufrecht stehend hält sie in der gesenkten Linken eine Schale und wirft mit der Rechten Weihrauch in eine Opferflamme (Cohen III² 40; Abbildung Stevenson Dict. of Roman Coins 500). Claudius Gothicus und Vaballath bilden zur Beischrift Iuventus Aug. Herakles mit der Keule ab, mit durchsichtiger Symbolik (Cohen VI 143. 216), Caracalla nennt Iuventa imperii (J. 198, Cohen IV 155) mit deutlichem Hinweis auf sich; zuletzt nennt Crispus die Iuventus und bildet eine lanzentragende Frau ab, die die Rechte auf ein Tropaeum legt (ebd. VII 347). Inschriften mit Iuppiter I. nennt Thulin o. S. 1143. Vgl. Wissowa bei Roscher II 764; Relig. d. Röm. 135. Deubner bei Roscher III 2156.