RE:Iuventius 13

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band X,2 (1919), Sp. 1363–1364
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13) P. Iuventius Celsus T. Aufidius Hoenius Severianus (so der volle Namen Dig. V 3, 20, 6, bloß statt Titus Titius, statt Hoenius Oenus; s. W. Schulze Zur Geschichte lat. Eigennamen S. 89f. 202, meist Iuventius Celsus genannt, das Praenomen P. CIL VI 527. XV 1046. III p. 875. 1977), Sohn des Juristen Iuventius Celsus, war nach Cass. Dio LXVII 13 um das J. 95 in eine Verschwörung gegen Domitian verwickelt, entging aber dem Verderben. Im J. 106 oder 107 bekleidete er die Prätur, und in dieser Stellung hatte Iuventius Celsus im Senat einen heftigen Zusammenstoß mit Licinius Nepos wegen eines Varenus Rufus, der wegen Erpressungen angeklagt war (Plin. epist. VI 5, 4ff.). Auf Münzen Traians (der Kaiser ist Dacicus, also nach 102, noch nicht Parthicus, vor 115, noch nicht Optimus, seit Juli oder August 114; s. Liebenam Fasti 107) aus Perinthos in Thrakien figuriert ein Ἱουου. (bezw. Ἱου.) Κελσ. πρεσ. Περινθίων (s. Mionnet Suppl. II 401, 1187. Kenner Münzsamml. d. Stiftes St. Florian S. 26. Dessau a. O. 255, 290), vor 114 war demnach Celsus legatus provinciae Thraciae Traiani Dacici. Das Consulat bekleidete P. Iuventius Celsus zum zweitenmale im J. 129 nach Dig. I 2, 2, 53. Cod. Iust. VII 9, 3 , und zwar nach Ausweis der Fasti zuerst mit L. Neratius Marcellus II, im Februar und März mit Q. Iulius Balbus (CIL III p. 875. 1977. Dig. V 3, 20, 6). Wann er zum erstenmal Consul war, und zwar cos. suff., steht nicht fest, vielleicht unter Traian. Hist. aug. Hadr. 18 begegnet unter den intimen Beratern des Kaisers neben den wohlbekannten Iuristen Neratius Priscus und Salvius Iulianus ein Iulius Celsus in den Hss., wo schon Casaubonus Iuventius vermutet hat. Doch s. auch Viertel Nova quaedam de vitis iurisconsultorum Diss. Königsb. 1868, 9. Sein Sohn war vielleicht P. Iuventius Celsus. cos. im J. 164.

Iuventius Celsus war einer der fruchtbarsten Rechtsschriftsteller und gehörte neben Neratius Priscus zu den letzten Proculianern. Sein Hauptwerk waren die Digesten in 39 BB., von denen Buch 1-27 nach dem hadrianischen Edictum angelegt waren – B. 1-12. 24-27 nach der Reihenfolge des Edikts, 13-23 über Legate und [1364] Testamente – , Buch 28-39 sich auf Gesetze und Senatsbeschlüsse bezogen. Der Inhalt des 31. Buches ist unbekannt.

Die Hauptmasse der zuletzt von Lenel a. O. zusammengestellten Fragmente ist den Digesten Iustinians entnommen – an 142 Stellen wird I.s Namen genannt – Vereinzeltes dem Cod. Iustinianus (s. frg. 51. 114 L.), den Institutiones (frg. 162 L.) und den sog. Fragmenta Vaticana (frg. 149ff. 198 L.). Außer dem Hauptwerk des Iuventius Celsus werden zitiert Commentarii in mindestens sieben Büchern (Dig. XXXIV 2, 19, 6 frg. 170 L.), von den Epistolae ein 11. Buch (Dig. IV 4, 3, 1 frg. 12 L.), von den Quaestiones B. 1 (Dig. XII 1, 1, 1 frg. 275 L.), B. 12 (Dig. XXVIII 5, 9, 2 frg. 122 L.) und B. 19 (Dig. XXXIV 2, 19, 3 frg. 170 L. doch vgl. Krüger a. a. O. 166, 13). Von einigen ohne Angabe des Titels des Werkes ausgehobenen Exzerpten möchte Lenel a. a. O. 169 Dig. XIV 6, 7 pr. (frg. 276 L.) dem 4. Buch der Responsa zuteilen, während Dig. XLI 3, 27 pr. (frg. 277 L.) aus dem 34. Buch eines unbekannten Werkes stammt. Als seine Gewährsmänner nennt Iuventius Celsus mit Vorliebe außer Proculus (z. B. frg. 10. 18. 91. 127. 157. 160. 169 L. u. ö.), zu dessen Schule er gehört, Juristen der republikanischen Zeit, wie Servius (frg. 93. 123. 137 L.), Mucius Scaevola (frg. 68. 76), Aelius Tubero (frg. 62. 116. 168. 269), Brutus (frg. 76), Antistius Labeo (frg. 10. 43. 76. 116. 126. 168). U. a. nennt er fernerhin seinen Vater (s. Nr. 12), den Sabinus (frg. 12. 76. 122. 164) und Cassius (frg. 164. 206). Griechische Wendungen lesen wir noch in frg. 8. 56. 168. Der beste Beweis für das Ansehen, dessen sich Iuventius Celsus erfreute, ist die überaus häufige Zustimmung der Iustinianischen Digesten zu I.s Urteilen, die Scharfsinn und Selbständigkeit kennzeichnen, die vielfach mit Derbheit gepaart waren. Als klassisches Beispiel galt alle Zeit Dig. XXVIII 1, 27 (frg. 113 L.): Domitius Labeo Celso suo salutem. Quaero an tertium numero habendus sit is, qui, cum rogatus est ad testamentum scribendum, idem quoque cum tabulas scripsisset, signaverit. Iuventius Celsus Labeoni suo salutem. Non intellego quid sit de quo me consulueris, aut valide stulta est consultatio tua: plus enim quam ridiculum est dubitare, an aliquis iure testis adhibitus sit, quoniam idem et tabulas testamenti scripserit; vgl. auch Dig. III 5, 19, 1 (frg. 10 L.) istam sententiam Celsus eleganter deridet.

Literatur: Hommel Palingenesia I 149ff. Lenel Paling. 127ff. Heineccius De P. Iuventio Celso Icto opp. 518ff. Bremer Iurisprud. antehadr. 2, 2 (1901) 494. Rudorff Röm. Rechtsgeschichte I 181ff. Krüger Gesch. d. Quellen und Literatur d. röm. Rechts 166ff. Kipp Gesch. d. Quellen d. röm. Rechts² 108. Teuffel-Schwabe § 342, 2. Schanz 8 II 2³, 472. Dessau Prosop. imp. Rom. II 255. 590. Kalb Roms Juristen 44.