RE:Jonathan 1

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band IX,2 (1916), Sp. 25862588
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S. 1869, 49 ist einzuschieben:

Jonathan, Nachfolger des Judas in dem Kampf der Juden gegen die Syrer (160–143). Nach dem Tode des Judas Makkabaios ist die Erhebung zunächst mißglückt; der Kampf muß von neuem beginnen und mit denselben Mitteln des Kleinkriegs geführt werden wie am Anfang; er wird jetzt zu einem reinen Freiheitskrieg gegen die Fremdherrschaft unter Zurücktreten des religiösen Charakters, der durch die früheren Verträge und Toleranzedikte unter Antiochos Eupator und Demetrios nicht mehr bedroht erscheint. Führer in diesem Kampf, der das Volk zur Selbständigkeit [2587] und die Makkabäer unter Ausnutzung der Schwierigkeiten innerer und äußerer syrischer Politik zur unangefochtenen Herrschaft ihrer Dynastie führt, ist J., Sohn des Matathias, zur Zeit seines Bruders wenig hervorgetreten, mit dem Beinamen Ἁπφους, (Ἁφφους. Σαφφους 1. Makk. II 5 [das 2. Makk. berichtet nicht mehr über die Nachfolger des Judas], Joseph. ant. XII 266) ‚der Schlaue‘, den er sich durch sein kluges Lavieren in der syrischen Intrigenpolitik jener Zeit mit Erfolg verdient hat. Er unternimmt mit seinen Anhängern von der Wüste Thekoa aus Streifzüge, ohne die starke und durch Befestigung der Städte von Bakchides gesicherte Macht der Syrer brechen zu können; wird nach siegreichen Kämpfen gegen die räuberischen Söhne Jambris’, die seinen Bruder Johannes im Ostjordanland überfallen und getötet hatten, bei der Rückkehr am Ufer des Jordan von Bakchides geschlagen und rettet sich mit Mühe. Die nächsten Jahre benutzt er, um seine Anhänger im Lande zu sammeln und zu organisieren, ungestört von den Syrern, die Judäa beruhigt glaubten und seine Tätigkeit für bedeutungslos ansahen. Auf Denunziation der griechenfreundlichen Partei versucht Bakchides zunächst durch List und später durch Kampf seiner habhaft zu werden, richtet nichts aus und nimmt darum (158) das Angebot J.s, unter Rückgabe der früher gemachten Kriegsgefangenen Frieden zu schließen, an. Nach seinem Abzug herrscht J. von Michmas aus, zwei Stunden nördlich von Jerusalem, wo er eine Art Nebenregierung aufrichtet und sich seiner Gegner entledigt, ohne die Einmischung der Syrer zu befürchten oder zu erfahren. Im Gegenteil, bald beginnt das wechselvolle Spiel der Thronwirren in Syrien, an dem er als begehrter Bundesgenosse und Helfer teilnimmt und das hier, im Verlauf und Ergebnis, nur soweit berührt sei, als J. daran beteiligt ist. Gegen den Thronprätendenten Alexander Balas (153) erbat Demetrios die Hilfe J.s, die dieser gegen die Auslieferung jüdischer Geiseln und das Recht, Jerusalem zu besetzen, ihm bewilligte. Höher steigerte Alexander das Angebot und ernannte J. zum Hohepriester, machte ihn dadurch sich zum Freunde; die Anlegung von Purpur und Diadem und die Ausübung der hohepriesterlichen Funktionen (1. Makk. 10, 21. Joseph. ant. XIII 46) sichert J. und seinen Nachfolgern die Herrschaft, die von der immer mehr verschwindenden hellenistischen Partei im Lande (ἄνομοι, παράνομοι 1. Makk. 11, 21) zwar noch gestört, aber endgültig nicht mehr bestritten werden konnte. Neben die Hohepriesterwürde religiös-kirchlicher Natur tritt durch seine Ernennung zum στρατηγὸς καὶ μεριδάρχης die Ausdehnung seiner zivilen und militärischen Befugnisse, sodaß er, wenn auch abhängig von Syrien, doch als Statthalter selbständig regiert.

Er bleibt auch auf der Seite des Alexander Balas, als (147) ein neuer Gegenkönig Demetrios II. aufgestellt wird, zu dem Apollonios, der Statthalter Syriens, übergeht; bei dem siegreich durchgeführten Kampf gegen ihn erhält er als Belohnung vom dankbaren König Ekron. Erst als Alexander nach seiner Niederlage bei Oinoparas von Mördershand fällt (145), verhandelt er mit Demetrios zu Ptolemais, wohin er wegen seines [2588] Versuchs, die immer noch von Syrern besetzte Burg von Jerusalem zu nehmen, vorgeladen wird. Die Burg erhält er nicht; wohl aber wird sein Gebiet um die drei samaritanischen Bezirke Ephraim, Lydda und Ramathaim vergrößert und für das ganze Land die Steuerfreiheit von Syrien ausgesprochen (1. Makk. 11, 27–35. Joseph. ant. XIII 125) – ein weiterer wichtiger Schritt auf dem Wege zur Unabhängigkeit des Landes. Demetrios verspricht ihm auch den Besitz der Burg, falls er ihm gegen die aufständischen Bürger und den neuen Kronprätendenten Antiochos und dessen Feldherrn Tryphon helfe. Als Demetrios trotz der gewährten und erfolgreichen Hilfeleistung sein Versprechen nicht hält, geht er zu Antiochos und Tryphon über, die um seine Freundschaft werben, schlägt bei Hazor die Feldherren des Demetrios, besiegt die arabischen Stämme der Zabadaeer, rückt bis Damaskus und zeigt die Erstarkung der jüdischen Macht, die noch durch die Erneuerung des Freundschaftsvertrages mit den Römern gestützt wird (1. Makk. 12, 1–4 – die Freundschaftsverhandlungen und -bekräftigungen mit den Spartanern sind ohne jeden politischen Hintergrund und nur als Zeugnis für die häufig hervortretende Tendenz, Griechen und Juden seit alten Zeiten als verbunden hinzustellen, bemerkbar). Das alles weckt das Mißtrauen der Syrer, die – nicht mit Unrecht – fürchten, daß das nächste Ziel von J.s Politik sein werde, sich vom Reiche loszulösen und auch formell sich selbständig zu machen. Darum lockt ihn Tryphon nach Ptolemais, nimmt ihn gefangen und läßt ihn, trotzdem sein Bruder und Nachfolger alle Forderungen zu erfüllen sucht, töten (143). Er wird in der Heimat des Makkabäergeschlechts, in Modein, begraben.

Literatur: s. die Geschichten des jüdischen Volkes von Schürer, Wellhausen, Grätz u. a., sowie die einschlägigen Artikel der Real-Enzyklopädien und Bibellexika und die Übersicht bei Niese Gesch. der griech. u. mak. Staaten III 255ff.

Anmerkungen (Wikisource)

Vgl. Hasmonaeer Sp. 2495.