RE:Konopeion

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band XI,2 (1922), Sp. 1341–1342
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Konopeion (Κωνωπεῖον), das Mückennetz (rete muscarum, CGL V 350, 24), dann das Ruhebett oder die Sänfte. Man vermutet, daß das Wort semitischer Herkunft ist und erst durch volksetymologische Angleichung an κώνωψ seine Form erhalten hat. Daß es ägyptischen Ursprunges war, sagt Porph. Hor. ep. 9, 16 quasi retis genus ad culices prohibendos, quo maxime Alexandrini utuntur, quia ibi ex Nilo culices abundant, und als ein unrömischer Luxusartikel erschien es den Römern gegen Ende der Republik. Die Bezeichnung culicare kennt Schol. Iuv. VI 80. Die ursprüngliche Bedeutung ist noch lebendig LXX Jud. (frühestens Makkabäerzeit) 10, 21. [1342] 13, 9. 15. 16, 19; hier ist es aus Purpur, Gold und Edelsteinen gefertigt und an Säulen so befestigt, daß es die Kline des Holofernes umgibt; Judith nimmt es ab und steckt es in ihren Ranzen. Nach Mitteilung von Steuernagel ist ein Mückennetz auch Richt. 4, 18 gemeint und wahrscheinlich auch 1. Sam. 19, 13, wo LXX beide Male ἐπιβόλαιον hat. Auf ein in der Überschrift κωνωπεών genanntes Netz bezieht sich das Gedicht des Paul. Silent. Anth. Pal. IX 764. Wo K. sonst vorkommt, ist es ein Ruhebett oder eine Sänfte. Vgl. CGL V 521, 2 basterna vel sella Alexandrina. Ein Ruhebett meinen Hor. Epod. 9, 16. Prop. III 11, 45 (beide von Kleopatra). Verächtlich Varro r. r. II 10, 8 von römischen Wöchnerinnen quae in conopiis iacent dies aliquot, vgl. Iuv. VI 80. Als Kanapee lebt es in den modernen Sprachen fort, vgl. Körting Lat.-röm. Wörterb. s. v.