RE:Lugudunum 1

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band XIII,2 (1927), Sp. 17181723
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Lugudunum, auch Lugdunum, oft vorkommender gallisch-keltischer Ortsname. 1) Die berühmteste und vielleicht älteste Stadt dieses Namens ist das heutige Lyon, am Zusammenfluß von Arar und Rhodanus. Die älteste, rein keltische Form, auf einer Silbermünze aus dem J. 42 v. Chr. bezeugt, ist Lugudunon, latinisiert Lugudunum (z. B. Suet. Calig. 17 und 20); bei Tacitus abwechselnd Lugudunum und Lugdunum, Plinius hat Lugdunum, Ptolemaios Λούγδουνον; nach Cass. Dio ist Δουγούδουνον die ältere, Λούγδουνον die zu seiner Zeit gebräuchliche Form; indes blieb Lugudunum, besonders auf Inschriften oft bevorzugt, die amtliche Wortform. Der zweite Wortteil ist das bekannte, in Gallien zahllos oft vorkommende dunon = Burg (germ. tun = Zaun), über den ersten aber bestehen Zweifel: nach Kleitophon bei Pseudo-Plutarch (de fluv. 6, 4) ist λοῦγος in gallischer Sprache so viel wie κόραξ, so daß L. die ‚Rabenburg‘ wäre, eine an sich ganz annehmbare Bezeichnung (vgl. die zahlreichen Ravensberg, Falkenstein usw. auf deutschem Gebiet); freilich ist ein solches Wort, das ‚Rabe‘ bedeutet, für das Gallische, ja überhaupt fürs Indogermanische nicht ausdrücklich bezeugt. Nach Gröhler Franz. Ortsnamen (Heidelb. 1914) 98 handelt es sich bei der alten Überlieferung um eine ätiologische Sage (Strab. 198), wodurch das Stadtwappen erklärt werden sollte: auf alten Lyoner Münzen befindet sich ein Rabenkopf, und eine Terrakotta (aus Arausio) zeigt den Genius loci mit Füllhorn und zu seinen Füßen einen auf einem Stein sitzenden Raben. Holder Altcelt. Sprachsch. II 308ff. schließt sich der Deutung d’Arbois de Jubainville an, wonach in lugu der Name des Gottes Lugus steckt, also = ‚Lugusfeste‘. S. Lugos. Im Hinblick auf Divodurum (‚Gottesfeste‘) ist die Erklärung nicht ohne weiteres abzuweisen; die Häufigkeit des Namens Lugudunon weist freilich nach anderer Richtung, zumal da an Ort und Stelle ein Ortsgott dieses Namens völlig unbekannt ist. Gröhler selbst (S. 99) denkt an ein keltisches Adjektiv, das ‚klein‘ bedeutet und z. B. im altirischen Adjektiv (Komparativ) laigiu ‚kleiner‘ vorliege. L. wäre dann soviel wie ‚Lützelburg‘, an sich recht ansprechend; aber der Komparativ laigiu gehört zu legus (Stokes Urcelt. Sprachsch. 245), und der Stamm Lugu- kommt auch noch vor in Lugu-vallium, Lugu-aedon (vgl. Revue celt. VI 398); der Mannesname Lugus ist aber tatsächlich [1719] bezeugt, In L. steckt daher entweder der Gottes- bzw. Personenname selbst, oder (was es auch bedeuten möge) das dem Namen zugrunde liegende Appellativum, s. auch S. Reinach Rev. Ét. anc. XVIII (1916) 277ff. – Nach dem durchaus keltischen Namen handelt es sich um eine Niederlassung der Kelten auf der Anhöhe am rechten Ararufer (die Höhenlage des oppidum ist kennzeichnend für keltische Art), Kleitophon (vgl. mit Ps. Plut. parall. nr. 30), die zumal für eine keltische Ansiedlung sehr geeignete Örtlichkeit (Schreiber Taschenb. f. Gesch. u. Altert. in Süddeutschl. III 1, 165. 169). Zu dieser ersten kam nach Dio a. a. O. noch eine zweite Niederlassung von Galliern, die aus Vienna durch die Allobrogen verdrängt worden waren, auf dem Landzipfel zwischen dem ‚raschen Rhodanus und dem stillfließenden Arar‘ (Senec. apocol. 7). Beide Ansiedlungen fallen vor Caesar, und die zweite wenigstens gehörte wahrscheinlich dem unbedeutenden, zu Caesars Zeit von den Aeduern abhängigen Volksstamme der Segusiaven an. Diese gallische Ansiedlung bekam kurz nach Caesars Tode, 711 d St., durch die Politik des Senats vom nachhorigen Triumvir Lepidus, besonders aber dem damaligen Prätor des transalpinischen Galliens, Munatius Plancus (Cic. ep. X 1f. 9. 11), erst ihre eigentliche stadtmäßige Begründung (Dio a. a. O. Seneca a. a. O. 6. Plin. III 4), und zwar zunächst (Seneca ep. 91) auf der schon genannten Anhöhe, dem ‚duobus imminens fluviis iugum‘ (bei Seneca a. O. 7 und ep. 91, j. Fourvière), dieser alten, an Trümmern reichen Mutter und Beherrscherin Lyons. Die Lage ‚ad Confluentes Araris et Rhodani‘ wird oft auf Inschriften genannt, und die Stadt selbst heißt Rhodanusia bei Sidon. Apoll, ep. I 5 und Araria in S. Lupi Archiep. Lugd. Hist. Nun begannen die Römer unten an dem nicht unbedeutenden Hügel (ὑπὸ λόφῳ, Strab. 192) sich niederlassend, das gallische oppidum (Caesar b. G. V 21) in eine Colonia umzuschaffen. Sie lag unmittelbar an der Grenze der prov. Narbonensis, ohne zu dieser zu gehören, gab der prov. Lugdunensis den Namen und war zugleich die Hauptstadt und der verkehrspolitische Mittelpunkt der tres Galliae. Als Stadt nahm sie eine völlige Ausnahmestellung unter den gallischen Orten ein (Mommsen Röm. Gesch. V 74ff.): sie hatte als einzige eine städtische Verfassung und war nicht in die (von Augustus eingerichtete) Gaueinteilung einbezogen. Sie hatte desgleichen (neben Karthago) als einzige Stadt im Innern der westlichen Reichshälfte ständige Besatzung. Sie war von Anfang an Sitz einer wichtigen Münzstätte, deren Bedeutung schon in der Frühzeit selbst an der Rheingrenze zu spüren war (die Lyoner Altarmünze stark vertreten z. Β. im Lager von Haltern [11 v. Chr. bis 9 bzw. 16 n. Chr.]); diese Münzstätte war als einzige berechtigt, Reichsgeld in der frühen Kaiserzeit (außerhalb Roms) zu prägen. L. war ferner ein vorzüglicher Knotenpunkt in militärischer wie handelspolitischer Beziehung, und war deshalb schon seit Agrippas Zeit das Herz für die Hauptpulsadern des Weltverkehrs zwischen Süd und Nord. Kein Wunder, daß sie als Sitz für den keltischen Landtag erkoren wurde, der jährlich am großen Altar der Roma und des [1720] Augustus (dem Vorbild der Ara Ubiorum am Rhein) sein Weihefest feierte. Vgl. Hirschfeld CIL XIII p. 227ff. Name der Kolonie: Colonia Copia Claudia Augusta L. (tribu Galeria): ebd p. 248.

Für die außerordentlich rasch entfaltete Blüte dieser Kolonie spricht der Umstand, daß die Lugdunenser im J. 64 nach dem Brande Roms 4 Millionen Sesterzen (870000 Mark) dorthin sandten, und als L. im folgenden Jahre vom gleichen Unglück heimgesucht ward, beeilten sich die Römer, dem Beispiele zu folgen. Sie erstand glänzender als vorher aus der Asche, und erst in der Spätzeit mußte sie hinter Trier, als es Kaiserstadt wurde (seit 286), zurücktreten. – Den großen Altar hatte Drusus im J. 742 (12 v. Chr.) am 1. August gegründet, und am gleichen Tage wählten die Landboten der 64 Gaue alljährlich den Oberpriester der drei Gallien; über die innere Verwaltung hinaus ist dieser Landtag politisch nur hervorgetreten im J. 70, als er die Treverer vom Aufstande (des Iul. Civilis) ahmahnte.

Die Stadt hatte eine (noch in ihren Trümmern großartige) Wasserleitung, die auch das oppidum auf der Höhe versorgte, ein Theater, ein Amphitheater (zwischen den Flüssen), zahlreiche Tempel (von einem haben wir die Altarinschrift Taurobolio Matris D. CIL XIII 1751), später auch für den orientalischen Mithras usw.

Die Inschriften (CIL XIII 1664ff., bequem zugänglich bei Holder Altcelt. Sprachsch. II s. v. og. a. Espérandieu Rec. III 1733–1801) sind natürlich ungewöhnlich zahlreich und gehen über Leben und Wirtschaft der Bewohner wichtige Auskunft, besonders ausgiebig über Stadtverwaltung (z. Β. gewisse Corpora und ihre Patroni), Götterverehrung, Gewerbe und Kaufmannschaft. Zahlreiche Zeugnisse reden von gallischen Metallarbeitern (für den Putz ihrer eiteln Landsleute), daneben von zahlreichen Griechen und Nordafrikanern, die als Arbeiter in Glas, Mosaik, Wollwaren usw. auftreten. Weiter reden die Inschriften wie gelegentliche Schriftstellerzeugnisse von Basiliken für Rechts- und Handelsverkehr, von Schulen der Rhetoren und Grammatiker (auch hierin gewann in der Spätzeit Trier den Vorrang), von Quartieren für die römische Besatzung der Stadt (Tac. ann. III 41; hist. I 59. 64) und manchen anderen Bauten, wie sie Ausonius in seinen Clarae urbes für andre Städte, wie Burdigala, schildert. Alle wird der Caesarenpalast überstrahlt haben, lange Jahrhunderte in seinen Trümmern der Fundort edler Steine, auf dessen Grundmauern das alte Kloster des Antiquailles sich erhebt. Dort hielt Augustus mehrfach Hof, dort heckte Caligula seinen Plan aus, Rhetorenwettkämpfe und sonstige Spiele beim Altar der Roma und des Augustus ausführen zu lassen (Suet. Cal. 17. 20. Iuv. I 43); dort wird auch Claudius, geborener Lugdunenser, sich auf seinem Durchzuge von Massilia nach Gesoriacum zum britannischen Feldzug aufgehalten haben (Suet. Claud. 17. Dio LX 21). Sonst hatte hier der Statthalter (ἡγεμών oder στρατηγός Strab. 187. 192, Lugdunensis Galliae rector Tac. hist. I 59. II 59, später legatus) seinen Sitz. – Unten an den Flüssen siedelte die Schiffergilde, [1721] die den Flußverkehr für den von jeher bedeutenden und seit Roms Herrschaft gewaltig gestiegenen Handel aufrecht hielt. Der Handel (vgl. die zahlreichen Weihesteine für ‚Merkur‘, d. h. für den gallischen Verkehrsgott) wurde nach Inschriften und sonstigen Zeugnissen besonders mit Wein, Öl (aus Baetiea), Südfrüchten, gesalzenem Schweinefleisch, gallischen Kapuzenmänteln (cucullus) und andern Kleidungsstücken, sowie auch mit Büchern (anfangs von Italien her, später aber auch dorthin) getrieben (Strab. 192. 197. Plin. IX 6. Martial. XIII 54. I 93, 8. IV 19, 1. VI 11, 7. VII 87, 1f.). Mit diesem Handel zu Wasser verband sich ein noch regerer auf den zahlreichen und wohlgepflegten Straßen, die zum Teil schon von Agrippa angelegt waren (Strab. 208): auf diesen ging (in vielfachen Straßenarmen) griechischer, syrischer, gallischer Tauschhandel gen Norden, zur großen ‚Bernsteinstraße‘ über Nahe- und Moseltal zum Rhein und zur Ostsee, und ebenso zur großen ‚Zinnstraße‘, die die Seine entlang nach Südengland hinüberlief, von wo das zur Bronzebereitung unentbehrliche Metall hergeholt wurde. Über die ausdrücklich bezeugten Reichsstraßen vgl. Tab. Peut. (von L. nach Metz und von L. nach Arles: Miller Itineraria Romana 81f.) und Itinerarium Antonini (Straßen von L. nach Bononia a. d. Nordsee; von Caesaromagus, h. Beauvais, dorthin; von L. nach Brigantio, h. Briançon, und weiter nach Italien, Miller 94. 101. 102). In der Tab. Peut. wird die Stadt bezeichnet: Lugduno Caput Galliarum, usque hic leugas. Bis hierhin galt, vom Rheine her gerechnet, das gallische Wegemaß der leuga, s. d. (Über die römischen Geldwechsler in Südgallien, schon vor Gründung L., vgl. Cicero pro Fonteio 11). Kein Wunder, daß die Stadt, zumal bei den Begünstigungen, die ihr durch Claudius zu teil wurden (Claudiana mehrfach auf Inschriften und Münzen genannt), z. Β. dem Recht der Vornehmen auf Eintritt in den römischen Senat und in die Ehrenstellen der Welthauptstadt (Tac. ann. XI 23; vgl. die beiden Bronzetafeln mit einem Teil der kaiserlichen Rede, CIL a. a. O.). nach kurzer Zeit so mächtig emporgeblüht war (Copia genannt auf Inschriften und Münzen, von Sen. ep. 91 maxima und ornamentum [trium] provinciarum genannt). Nach ihrem Brandunglück (Tac. ann. XV 13) rasch zu neuer Blüte gelangt, blieb sie Nero wider Galba treu, weshalb von diesem ihre Stadteinkünfte zum Staatssäckel geschlagen und ihre Nebenbuhler zu Vienna (Strab. 186. Senec. apoc. 6) begünstigt wurden, nachdem sie L. ihrerseits belagert hatten (Tac. hist. 1 51. 64f.). L. dagegen unterstützte dann Galbas Gegner Vitellius. besonders wohl unter dem Einfluß des Statthalters Iun. Blaesus. Vitellius ließ den fanatischen Freiheitshelden Mariccus, den L. auch bei frühem gallischen Aufständen Rom treuergeben (Tac. ann. III 40f. XVI 13), zurückgewiesen hatte, im dortigen Amphitheater töten (Tac. hist. II 59f. Dio LXV 1) und hielt eine Zeitlang daselbst Hof (Tac. a. a. O. und c. 65), wie denn die Stadt fortan wieder als Sitz der Provinzialregierung und jeweilige Residenz von Kaisern (Domitian, Tac. hist. IV 85f., wohl auch Hadrian dem Restitutor Galliae, bei seinem zweimaligen Aufenthalte [1722] in Gallien, Hist. aug. Hadr. 10. 12) oder zu Kaisern Bestimmten (Septim. Severus, einem der beliebtesten Legaten der Provincia Lugdun.), auch noch einmal als Geburtsstätte eines künftigen Kaisers (Caracalla, Hist. aug. Sever. 3f.) erscheint. In dieser Periode ihrer zweiten Blüte muß die Bedeutung der Stadt und ihr Einfluß auf Gallien immer größer geworden sein bis auf die Zeiten des Sept. Severus am Ende des 2. Jhdt. n. Chr., teils durch Zunahme der in ihren Schulen und durch ihren Buchhandel gepflegten griechisch-römischen Bildung, teils durch die schon zu späteren 1. Jhdt. einsetzende und seit dem 2. Jhdt. durchdringende Christianisierung, vornehmlich keineswegs durch ‚die Legionen‘, sondern durch den Einfluß der aus dem hellenistischen Orient hereinflutenden Kaufleute, Fabrikanten, Arbeiter. Würdige Bischöfe, wie Pothinus und Irenäus, deren Gedächtnis an dortige Stätten geknüpft fortlebt, und das durch sie geförderte christliche Heldentum (sein Zeuge das Amphitheater in der Nähe des Augustusaltars, Euseb. hist. eccl. V 1, 132) übte, trotz manchfachcr Sektenkämpfe, auf die abendländische Kirche großen Einfluß aus. Doch diese erhöhte Bedeutung der Stadt fällt zusammen mit der Katastrophe, die sie infolge des Thronstreites zwischen Sept. Severus und Albinus, welcher letztere anfangs siegreich in ihr, wieder einer πόλις μεγάλη καὶ εὐδαίμων (Herodian. III 7, 5), seinen Hauptstützpunkt hatte und mit jenem seinem Uberwinder zweimal in ihrer Nähe focht (Dio LXXV 6f.), im Februar 197 n. Chr. durch Mord, Plünderung und eine jedoch nur teilweise Einäscherung erlitt (Herod. § 16. Hist. aug. Sever. 11). Denn in der dortigen Münzstätte wurden wenigstens Münzen auf diesen Sieg des Severus geprägt; aber freilich erhob sich L. von da an nie mehr zur Höhe seiner ersten oder zweiten Blüte, vielmehr waren die auf jenen harten Schlag folgenden Zeiten des 3. Jhdt. für L. ungünstig, zumal da Gallien durch den vom Gallier Postumus – auf mehreren seiner zahlreichen, vielleicht zum Teil in L. geprägten Münzen Restitutor Galliarum genannt – erneuten Versuch, ein selbständiges Imperium Galliarum (Tac. hist. IV 59) aufzurichten, stark erschüttert wurde. An diesem Versuch scheinen auch die Lugdunenser, der römischen Reichseinheit nicht mehr so treu ergeben wie im 1. Jhdt., lebhaften Anteil genommen zu haben. Vom Wiederhersteller jener Einheit, Kaiser Aurelianus, wurden sie allem Anschein nach empfindlich gezüchtigt, und von Probus eine neue Züchtigung befürchtend, forderten sie Proculus leichtfertig zur Erneuerung jenes Versuches auf (Hist. aug. Proc.). Dazu kamen die hierdurch erleichterten Einbrüche germanischer Scharen, denen Probus sexaginta per Gallias nobilissimas civitates wieder abnahm (Hist. aug. Prob. 13). Nicht weniger schadeten die namentlich den Städten, so Augustodunum, verderblichen Bagaudenstreifereien, sowie andere Unruhen des 3. und 4. Jhdts. Vor allem aber verschob sich jetzt der Schwerpunkt nach Norden: Trier wurde Kaisersitz und zog den alten Glanz des Südens im sich. Daneben erhoben sich andere Städte: Burdigala, Vienna und Arelate (Amm. Marc. XIV 10. XV 8. XVI 1ff. [1723] XX 10. XXI 1. Aur. Vict. Epit. 48. Zosim. II 20). – L. trat an Macht und Bedeutung immer mehr in den Hintergrund, weshalb es auch fortan seltener genannt wird, z. Β. von Amm. Marc. nicht neben andern zu seiner Zeit bedeutenden Städten Galliens, Vienna, Arelate usf. XV 11, sondern nur gelegentlich, als die Stadt mit einer dritten Einäscherung durch fränkische Laeti bedroht wurde (XVI 11), ebensowenig von Ausonius in seinen Clarae urbes (vgl. ep. XXIV 79f.; nur in der Actio Gratiarum wird einer Schola municipalis apud Lugdunum gedacht und der Lugdun. provincia aus einer frühern Zeit, Auson. parent. IV 5), man hat freilich dies Schweigen dem Schmerz des Lehrers über die Ermordung seines kaiserlichen Zöglings Gratianus zu L. zugeschrieben (Panegyrici vett. II p. 216 und 327), endlich noch von Eutrop. X 7, wieder nur gelegentlich bei Erzählung von dem hier verübten Selbstmord des Magnentius. Nur durch das Fortarbeiten seiner noch lange trefflichen Münzstätte (bemerkenswert die schönen Goldmünzen von Postumus) bis in die Zeiten der Könige von Burgund und der Erzbischöfe herein und durch kirchliche Beziehungen, z. Β. in den Briefen des Sidon. Apollin. (II 10. IV 18. 25. VI 12. VII 13. IX 3) behauptet es noch einiges von seiner früheren Geltung, bis es zuletzt durch die 725 verheerend bis Autun vorgedrungenen Sarazenen verwüstet, nur langsam einer neuen Blüte entgegenging. – Außer den Resten von Wasserleitungen und außer den überaus zahlreichen Grabstätten haben sich in ihren Ruinen erhalten das Amphitheater, das Theater, Forum, Tempel (beim Hügel de Fourvière). Die Inschriften im CIL XIII 1664–1725 betreffend Kultstätte; über Kolonie, städtisches Leben usw. ebd. 1726–2445. Vgl. O. Hirschfeld über die Anfänge von L. im CIL XIII p. 248ff.) und derselbe: Lyon in der Römerzeit, Wien 1878; S.-Ber. Akad. Berl. 1907, 181 (Straßennetz). Iullian Hist. d. l. Gaule VI 515ff. Montauzan Les aquéducs ant. de L. 1909. Parvan Nationalität d. Kaufl. im röm. Kaiserr., Diss. Breslau 1909.