RE:Sesterz

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
korrigiert  
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Band II A,2 (1923), Sp. 18781883
Sesterz in der Wikipedia
GND: 4181084-3
Sesterz in Wikidata
Linkvorlage für WP   
* {{RE|II A,2|1878|1883|Sesterz|[[REAutor]]|RE:Sesterz}}        

Sesterz (sestertius), römische Silber-, später Messing- und Rechnungsmünze.

1. Der S. als Silbermünze (republikanische Zeit). Der Name ist verkürzt aus semistertius = Drittehalber = 21/2, nämlich Asse: Varro de l. l. V 173: sestertius, quod semis tertius, dupondius enim et semis antiquus sestertius est; Volus, Maecianus § 46 (Hultsch Metrol. script. II 67): sestertius duo asses et semissem, quasi semis tertius, Graeca figura ἔβδομον ἡμιτάλαντον, nam sex talenta et semitalentum eo verbo significant, wie auch bei uns z. B. in Ostpreußen das alte 1/12-Talerstück ,Achtehalber‘, d. h. 71/2 preußische Kupfergroschen, hieß, und wie auch sonst S. = 21/2 Einheiten bedeutet (Marquardt-Dessau R. St.-V. II² 41, 5); mehr Belege von seiten der Metrologen bei Hultsch II 255 im Index; vgl. bes. Didymos bei Prisc. de fig. num. 17. 18 (Hultsch II 86) und Vitruv. III 1, 42. Diese 21/2-As sind kupferne Sextantarasse von 54 g, deren 10 nach der Münzordnung von 269 v. Chr. einem Silberdenarius von 1/72 römisches Pfund = 4,55 g gleich waren, der S. war also 1/288, = 1 Scripulum des Pfundes von 327,45 g (s. die Art. Denarius o. Bd. V S. 207, Scripulum und Semis). Wie dieser Denar und der Quinar von 5 Assen führt auch der silberne S. auf der Rückseite die sprengenden Dioskuren, auf der Vorderseite den Romakopf, dazu das Wertzeichen II S (I = 1 As, S = Semis), das im schriftlichen Gebrauche zwecks Hervorhebung der Münzbedeutung der Zeichen mit leichtem Schwunge durchstrichen (perscribere) wird: IIS, später nachlässiger HS (Prisc. de fig. num. § 9. Volus. Maec. § 45, bei Hultsch II 82 und 66; dazu Kubitschek Studien zu Münzen der röm. Republik, S.-Ber. Akad. Wien CLXVII 6 S. 54; schönes, frühes epigraphisches Beispiel für voll durchstrichenes IIS: Hülsen Klio II 261 Abb. = CIL I² 1 nr. 809 v. 9, und in der erneuerten Bauinschrift von Puteoli, Dessau 5317 = CIL I² 1 nr. 698). – Abb. dieses ältesten S. z. B. bei Grueber Coins of the roman republ. in the Brit. Mus. III Taf. VIII 6. 7. XII 8. LXXVIII 3. LXXXI 6. 7. LXXXIV 11. – Neben der massenhaften Denarprägung ist aber die des S. nur in geringen Mengen erfolgt und schon nach 3–4 Jahrzehnten eingestellt worden (Mommsen R. Münzw. 389. Willers Gesch. der röm. Kupferprägung 1909, 38–41), und sie bleibt ruhen, auch als in marianischer Zeit durch eine Lex Clodia die Prägung des Quinars, seitdem Victoriatus genannt, wieder beginnt (Mommsen 399. 419. Willers 46f. Kubitschek 38f.). Erst seit [1879] einer Lex Papiria von 89 v. Chr. (Mommsen 419. Willers 77. 85) ersteht der S. wieder, nunmehr nach der Reform von 217 v. Chr. (Plin. n. h. XXXIII 45) = 4 Assen, geprägt von den Beamten (L. Calpurnius) Piso Frugi und D. (Iunius) Silanus mit der Aufschrift: e l(ege) P(apiria), Abb. Grueber Taf. XXXV 5. 6 (Apollonkopf, R Pferd) und Text I S. 250 (Romakopf, R Biga). Dann begegnet der silberne S. uns erst wieder in caesarischer Zeit (Mommsen 756, Münzverzeichnis 650ff.; für die Abb. zitiere ich Tafeln und Textabb. bei Grueber Bd. III bezw. I) mit den Münzmeisternamen C. Antius C. f. Restio LI 9. 10 und S. 522, T. Carisius LII 10. 11, C. Considius Paetus LII 22–23 und S. 534, M.’ Cordius Rufus LI 17–19, A. Licinius Nerva L 14 und S. 516, (Lollius) Palikanus L 21, L. Papius Celsus LI 5, L. Valerius Acisculus LIII 12 und C. Vibius Pansa L 7, ferner L. Aemilius Buca LIV 14, M. Mettius S. 544, P. Sepullius Macer LV 1, bei sehr verschiedenen Münzbildern; nun verschwindet der Silber-S. für immer.

2. Der S. als Messingmünze (Kaiserzeit). In der Kupferprägung der Flottenpraefecten des M. Antonius, L. (Sempronius) Atratinus, M. Oppius Capito, L. Calpurnius Bibulus mit Schiffsbildern auf der Rückseite (Bahrfeldt Numism. Ztschr. XXXVII 9–55 Taf. I. II. Willers 113ff.) trägt die größte Wertstufe das doppelte Wertzeichen IIS und Δ, ist also 1 S. = 4 Assen; die Gewichte führen in der schweren Reihe auf eine Norm von etwa einer Unze (27,3 g) für den S., in einer nebenhergehenden, halb so schweren auf etwa 1/2 Unze (13,6 g), wozu die Gewichte der Unterstufen, Tressis mit Γ, Dupondius mit B, As mit A, Semis mit S freilich z. T. schlecht passen. An diese Prägung schließt sich teilweise Augustus bei seiner 23 v. Chr. angesetzten Wiederaufnahme der stadtrömischen Kupferprägung an (Willers 161–172, Datierung 154–160, Münzverzeichnis 132–154; seine Anschauung über das Normalgewicht des As und das Wertverhältnis von Messing zu Kupfer ist indessen von der Kritik abgelehnt worden, vgl. z. B. Haeberlin Ztschr. f. Num. XXVIII 382–386; zur Reform des Augustus s. auch Sydenham Num. chron. 1918, 182ff. und Beanland ebd. 187); seitdem bestehen der S. und Dupondius aus Messing (aurichalcum, d. h. Kupfer mit Zusatz von Zink, das den Alten als Galmei bekannt war, s. o. Bd. VII S. 687), der As aus Kupfer, Plin. n. h. XXXIV 4: (aes Cordubense) cadmeam maxime sorbet et aurichalci bonitatem imitatur in sestertiis dupondiariisque, Cyprio suo assibus contentis; Analysen bei Hammer Feingehalt der gr. u. r. Münzen, Ztschr. f. Num. XXVI 130–133. Dieser S. liegt in den sog. Großbronzen der Kaiserzeit vor, die im gewollten, allmählich etwas sinkenden Gewichte von einer Unze (27,3 g; ausdrücklich sagt Kleopatra bei Hultsch I 234: καλεῖται δὲ ἡ οὐγκία τετρασσάριον Ἱταλικόν; ähnlich ebd. I 302, 5) von Augustus bis Severus Alexander Mommsen 760–765), ja auch unter Maximinus, Gordianus III., Philippus massenhaft geprägt worden sind; auch unter Decius, der den Doppel S. (Kaiserkopf mit Strahlenkrone, Kopf der Kaiserin auf Halbmond, Abb. Gnecchi Medaglioni romani 1912 Taf. 161, [1880] 1–5) hinzufügt, unter Gallus, Valerianus, Gallienus und Postumus ist der S. noch häufig. Anfänglich gibt der Zinkgehalt diesen Großbronzen und den Dupondien (seit Ende der Regierung Neros, der mehrfache andere Versuche zur Reform der Kupfermünze gemacht hatte, vgl. Kenner Num. Ztschr. X 230–306. Sydenham Num. Chronicle 1916, 13–36, 1919, 121–125, ist der Dupondius durch die Strahlenkrone des Kaisers ausgezeichnet; die sich zum Teil an die Arbeit von Gabrici Contr. alla storia della moneta rom. Da Aug. a Domiziano, Acc. di arch. XIX 2, Neapel 1898, anlehnende Darstellung in Art. Dupondius o. Bd. V S. 1844 bedarf der Berichtigung) ein gelbes Aussehen gegenüber den rotkupfernen Assen; die Dupondien, etwa 1/2 Unze schwer, und die etwas leichteren Asse – Messing also fast doppelt so hoch als Kupfer bewertet – werden als Mittelbronzen bezeichnet. Später freilich, schon vom 2. Jhdt. ab, sinkt, wie Farbe und Analysen zeigen (Hammer 131–136), der Zinkgehalt von anfänglich 20–15 % auf 10, ja 5 und weniger %, Zinnbeimischungen treten bei allen drei Stufen auf und der metallurgische Unterschied verwischt sich schließlich ganz: das ist aber nur ein Zeichen dafür, daß diese Münzen – Kreditmünzen wie sie bei einem Wertverhältnis von Kupfer zu Silber wie (weniger als) 56 zu 1 (16 Asse von weniger als 1/24 römisches Pfund sind wertgleich dem Denar von 1/84 römisches Pfund; 16 x 1/24 x 84 = 56) von Anfang an unzweifelhaft waren – in einer das Scheidemünzbedürfnis nicht übersteigenden Menge geprägt wurden, was wir aus dem Auftreten privaten Ersatzgeldes, der sog. Bleitesserae, ersehen (Rostowzew Röm. Bleitesserae, 3. Beiheft zur Klio 1905, bes. 108ff.), und daß sie somit das Vertrauen des Publikums bis zu völliger Gleichgültigkeit desselben gegen das Ausmaß ihrer Werthaftigkeit erworben hatten. – Mit dem Untergang der römischen Währung seit etwa 260 n. Chr überhaupt (Mommsen 827–831. Hammer 105–109) verschwindet dann dies grobe Kupfergeld, vertrieben von der mit wenigen % Silbers weißgesottenen, in ungeheuren Mengen geprägten kleinen Kupfermünze (Weißkupfer), in die die römische Silberprägung damals ausläuft; ob die wenigen wirklichen Kupfermünzen von Claudius II., die etwas häufigeren und wieder in zwei Wertstufen ausgeprägten von Aurelianus, die abermals ganz seltenen von Tacitus, Florianus (Mommsen 797), Probus alle oder teilweise einen S. oder welche Wertstufe sonst darstellen, ist kaum auszumachen. Jedenfalls werden in dieser Zeit die alten S. und ihre Unterstufen, weit wertvoller als das elende Weißkupfer dieser Zeit, sorglich gehütet und in Schätzen vergraben (Mommsen 815–817), die bis nach Ostpreußen und Schonen reichen (Regling Zeitschr. f. Num. XXIX 64), wohl ein Zeichen dafür, daß auch die Germanen sich ihren Export lieber hiermit als mit jenem bezahlen ließen.

3. Rechnungsmünze ist der S. trotz seiner geringfügigen Ausprägung von Anfang an statt des allein massenhaft geprägten Denars geworden, weil er eine in Mittel- und Unteritalien längst bestehende kleine Silberstufe darstellte, das Scripulum, 1/240 des alten (273 g), 1/288 des neuen [1881] römischen Pfundes (327 g), s. den Art. (Scripulum, wo auch die Goldstücke mit den von Plin. n. h. XXXIII 47 auf S. bezogenen Wertziffern 60, 40, 20 besprochen sind. Als Rechnungsmünze heißt der S. auch sestertius nummus oder schlechtweg nummus (über den nummus s. Mommsen 198. Babelon Traité des monn. I 400f, 551f. Regling Klio VI 504; das Wort ist aus dem griech. νόμος entstanden und bezeichnet wie dieses sehr verschiedenartige Münzen; über den nummus im 4. Jhdt. nach Chr.: Kubitschek Num. Ztschr. XLII 56ff.). Interessante inschriftliche Belege dafür: sestertio nummo uno, Dessau Inscr. lat. sel. 7313. 8302, in Ziffern II S n. I Dessau 7911. 7912. Von Cic. pro Rab. § 45 wird nummo sestertio wie auch sonst zuweilen sprichwörtlich für eine sehr geringe Summe verwendet. Der Wunsch nach Vereinfachung führt dann bekanntlich (Marquardt-Dessau II² 42f. Babelon Traité I 755–758; Belege gesammelt von Gronov De sestertiis 1691; s. die Lexiken und Grammatiken; ich bevorzuge die dort meist vernachlässigten epigraphischen Beispiele) dahin, daß aus der Wendung mille (oder duo milia usw .) sestertium das Wort S. sei es adjektivisch sei es als das Substantivum sestertium den Sinn von 1000 S. gewonnen hat; vgl. bes. Gell. II 24, 15: a trecentis sestertiis adusque duo sestertia sumptus cenarum propagatus est; ungewöhnlich sesterti[a] singula millia = je 1000 Sesterzen, Dessau 977; wenn numm(or)um statt S. steht, fällt milia natürlich nicht fort, z. B. Dessau 6456; bei beibehaltenem milia ist oft n(ummum) zu sestertia zugesetzt, Dessau 7193. 7259. Bei mehreren 100 000 S. sodann fällt das centum milia fort und es bleibt nur das Zahl adverb vor sestertium stehen, z. B. sestertium centiens et octogies 1 800 000 S., Caes. bell. civ. II 18; auch sestertii, sestertio kommen so neben dem Zahladverb vor; centena milia bleibt aber zuweilen auch stehen, z. B. Dessau 309 sestertium novies milies centena milia n(ummum) = 900 Millionen S. (Steuerlaß Hadrians; die entsprechende Münze Eckhel Doctr. num. vet. VI 478 hat IIS novies mill.), und umgekehrt kann dann der Ausdruck S. selbst fortfallen: decie(n)s centena, Horat. sat. I 3, 15. Iuv. 10, 335. In Zahlenschrift ersetzt ein Strich über den je 1000 S. bedeutenden Zahlen das mille vgl. besonders Dessau 7194. 7194 a. b. – In der Kaiserzeit werden die Gehaltsklassen der Procuratoren nach der Summe ihres Jahresgehaltes in 1000 S. benannt, so sexagenarii, ducenarii, die 60 000, 200 000 S. erhalten usw. (s. o. Bd. V S. 1752 unter Ducenarii. Hirschfeld Verwaltungsbeamte² 1905, 432). – Die Rechnung nach S. war dem Untergange geweiht, seitdem der Zusammenbruch der römischen Währung unter Valerianus und Gallienus (s. o.) dem S. die feste Metallvaluta entzogen hat, und kommt daher nach 260 n. Chr. nur noch selten vor: die Belege aus den Aktenstücken in zwei Reskripten bei den Script. hist. Aug., vita Aurel. 12, 1 und vita Bonosi 15, 8, die Mommsen 826 Anm. 332 anführt, fallen weg, da solche Einlagen jetzt als späte Erfindungen erkannt sind und hier schon durch den Zusatz aeris zur Sesterzensumme sich richten, vgl. K. Menadier Ztschr. f. Num. XXXI [1882] 32f. 47ff.; wenig besagt auch die S.-Summe der vita Tac. 10, 1, und auch die Angabe des Rhetors Eumenius aus dem J. 297, Paneg. IV 11. 14, wonach er 300 000, dann 600 000 S. bezogen habe, ist kein eigentlicher Beweis für Rechnung in S., sondern brauchte nur Rangbezeichnung zu sein, s. o. (Kubitschek Quinquennium der ant. Num. 1896, 88). Ebenso unsicher ist es, ob die Wertzahl XX bezw. XX • I, griechisch K bezw. K • A auf den Weißkupfermünzen dieser Epoche sich auf S. bezieht (andere denken an Denare, andere an Asse usw. Literatur bei Babelon Traité I 610 und in Ztschr. f. Num. XXIX 135). Vollgültige Belege für S.-Rechnung nach 260 aber bietet je eine Inschrift aus der Zeit des Probus und des Diocletianus und ein Papyrus aus dem J. 293 (Zitate bei K. Menadier 44 Anm. 85). Dann verschwindet sie und die Rechnung nach Denaren (so im Preisedikt des Diocletianus), Aurei (Solidi), Siliquae, dann nach Pfunden Goldes und Silbers tritt an ihre Stelle. – Die Identität des S. mit dem Follis, wie sie Seeck o. Bd. VI S. 2834 Art. Follis und Num. Ztschr. XXVIII 178ff. annimmt, ist nicht zu beweisen, vgl. zum Follis jetzt Kubitschek ebd. XLII 60–66. – Über die Handhabung der Kleingeldrechnung auf der Basis des S. s. die Art. Kleingeldrechnung o. Bd. XI S. 614–616 und Aes excurrens Suppl.-Bd. III S. 33–35, vgl. (Mommsen 199. Babelon Traité des monn. I 757–762.

4. Wert und Kaufkraft des S. Der Wert des Silber-S. in der Republik, also zur Zeit einer Silberwährung, beträgt (s. o. Bd. V S. 209 Art. Denarius), auf dem Umwege über die letzte deutsche Silberwährung (1 Taler = 30/500 Pfund Feinsilber = 162/3 g) und deren Überführung in die Goldwährung von 1871 (1 Taler = 3 Goldmark) errechnet und unter Vernachlässigung der geringen Unreinheit des Feingehaltes (Kornes; Hammer 92 hat bei den Denaren dieser Zeit Analysen bis zu 998 ‰ Feinsilber, keine unter 952 ‰), von 269–217 v. Chr. als 1/288 des römischen Pfundes von 327,45 g bei einer Schwere von 1,137 g 20,46 Pfennige, von 217 v. Chr. bis auf Nero als 1/336 römisches Pfund, 0,975 g schwer, 17,55 Pfennige. Seit Nero wäre er als 1/384 römisches Pfund 0,852 g schwer = 15,34 Pfennigen; doch sinkt das Korn der Denare seitdem merklich (Hammer 97), und man muß den S., da er ja jetzt in Silber nicht mehr ausgeprägt wird, sondern eine Messingmünze ist und nunmehr zudem Goldwährung herrscht, aus dem Goldstücke errechnen: dieses auf 1/42 römisches Pfund ansetzend (s. o. Bd. V S. 209), kommen wir, da 1395 Mark auf 500 g Feingold gehen, auf
= 21,75 Mark für den Aureus, 21,75 Pfennige für den S., deren 100 auf den Aureus gingen (Belege bei (Eckhel Doctr. num V 29 und zuletzt Kubitschek Quinquennium 103–105). Diesen Satz kann man bei den nur leichten Schwankungen der Goldmünze von Nero bis Caracalla der Berechnung von S.-Summen auch fernerhin zugrunde liegen. Seit Caracalla wird mit der Unregelmäßigkeit des Gewichtes der Gold- und des Feingehaltes der Silbermünze (für Caracallas Gold selbst vgl. Oman Num. chron. 1916, [1883] 41; für das Gold des Valerianus und Gallienus K. Menadier 60–139; für das Silber Hammer 103f.) jede Wertberechnung des S. illusorisch. Vgl. im übrigen grundsätzliche Darlegungen über die Wertberechnung früherer Münzen bei v. Bebházy Num. Ztschr. XXI 335, Luschin v.Ebengreuth Münzkunde und Geldgesch. des Mittelalters 1904, 180ff und 191 Anm. – Eine Berechnung der Kaufkraft des S. wie aller anderen älteren Münzwerte ist ein Problem, das man mit Recht der Quadratur des Kreises verglichen hat, da wir fürs Altertum des statistischen Materials über die täglichen und örtlichen Schwankungen der Warenpreise entbehren, auf Grund deren heute das statistische Reichsamt in Deutschland die sog. Indexziffern für die Schwankungen der Kaufkraft des Geldes ermittelt. Einige Anhaltspunkte geben etwa die Getreidepreise; aus ihnen hat z. B. Willers Rh. Mus. LX 360 für Sizilien zur Zeit Ciceros im Vergleich mit den deutschen Getreidepreisen (für Winterweizen) von 1902 die Kaufkraft des Denars auf etwa 2,08 Mark, die des S. also auf etwa 52 Pfennig, also bei dem oben errechneten Metallwerte von fast 18 Pfennig die Kaufkraft des Geldes als fast die dreifache gegenüber 1902 errechnet ; auch H. Schultz Sokrates II 75-84 kommt aus anderen Vergleichen für die ciceronische Zeit etwa zu gleichem Ergebnis. Mehr solche Versuche s. den Art. Frumentum o. Bd. VII S. 143-149; viel Material auch bei Cavedoni Numismat. biblica 1850. 144ff. Allgemeine Grundsätze für die Errechnung der Kaufkraft älterer Münzwerte mit reichen Literaturangaben bei Luschin v. Ebengreuth 183–192. Vgl. ferner – von mir nicht eingesehen – G. d’Avenel Hist. écon. de la propriété ... et de tous lex prix en général depuis 1200 jusqu’en 1800, 6 Bde. J. Fisher Die Kaufkraft des Geldes, übers. von J. Stecker.