RE:Tasgaetium

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band IV A,2 (1932), Sp. [IV_A,2 2460]
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Tasgaetium (Ταξγαίτιον), ein nur bei Ptolem. II 12, 3 und in adjektivischer Form, Tasg(aetini), in mehreren Inschriften (CIL XIII 5254 = Vollmer Inscr. Baivar. Rom. nr. 177. CIL XIII 5256 = Vollmer nr. 179. CIL XIII 5257 = Vollmer nr. 180) genannter Ort. Den Schluß aus dem Namen Burg, daß in dem Hügel auf dem linken Rheinufer, der in der Gegenwart Kirche und Pfarrhaus von Burg trägt, die Ruinen eines Römerortes stecken, bestätigen Inschriften, die teils hier (CIL XIII 5256), teils den Bodensee wenig aufwärts in Eschenz (CIL XIII 5254. 5257) gefunden worden sind. So ergibt sich die Identität von T. mit Burg (Stähelin Die Schweiz in röm. Zeit 163), die seiner neben dem Kastell entstandenen Zivilsiedlung mit Eschenz (Stähelin 137. 163. 206, weniger genau schon andere, z. B. nach Zangemeister CIL XIII 2, 1 p. 50. Holder Altcelt. Sprachsch. II 1748 Eschenz, nach Reinecke Der bairische Vorgeschichtsfreund IV 44 im Anschluß an Schmidt Gesch. d. deutschen Stämme II 260 das römische Kastell Burg gegenüber Stein am Rhein; unrichtig Mueller zu Ptolem. I 281, der T. mit Rotbil identifiziert). Der Ort wurde, nach einer (nicht mehr erhaltenen in Burg, gegenüber Stein am Rhein gefundenen [CIL XIII 5255 = Vollmer nr. 178]) Weihinschrift auf einem Altar zu schließen, der pro salute Q. Spici C(e)r[ialis]], eines Statthalters von Raetien aus den ersten Regierungsjahren des Kaisers Commodus (vgl. Groag o. Bd. III A S. 1760), dem Flußgott des Rheins errichtet worden ist, mit Recht von Ptolemaios zu Raetien gerechnet (Ritterling Westd. Ztschr. Korr.-Bl. XXII 1903, 26), lag aber hart an der Grenze gegen Obergermanien, zu dessen Bereich auch der Grundriß des Kastells in der Form eines stark verschobenen Rechteckes paßt (zuletzt Stähelin 242, 1), am nördlichen Ufer des lacus Brigantinus beim Ausfluß des Rheins (Ptolem. II 12, 3 πρὸς τῇ κεφαλῇ τοῦ Ῥήνου). Heierli Jahresber. d. geogr. ethnogr. Gesellsch., Zürich 1904/05 S. 28 findet seine Ansicht, zwei Bauperioden unterscheiden zu können, durch Inschriften und Münzen bestätigt [CIL XIII 5256 Wiederherstellung der Mauer unter Diocletian und Maximian, CIL XIII 5257 des Bades durch die vik(ani) Tasg(aetini), ähnlich Stähelin 242]. Die Anfänge des Baues der Befestigungsanlagen wie der Brücke (kaum 1 km stromabwärts zwischen Unter-Eschenz und der Insel Werd und von da in stumpfem Winkel abbiegend an das rechte Rheinufer), zu deren Deckung das Kastell bestimmt war, gehören wahrscheinlich in das 1. Jhdt. n. Chr. (Stähelin 164). Vielleicht wurde unter Kaiser Valentinian I. die diokletianische Mauer erhöht (Burckhardt-Biedermann Westd. Ztschr. XXV 139, 33). Über die Ausgrabungen vgl. Anthes 10. Ber. d. röm. germ. Kommission 134f. Büeler Thurgau. Beiträge zur vaterländ. Gesch. LX 97ff. Schultheß 15. Ber. d. röm.-germ. Kommission 31, unter ihnen das Bad in der Zivilansiedlung (CIL XIII 5257) erwähnenswert, in dem Kohlenheizung in Gebrauch war (Keller-Reinerth Urgeschichte des Thurgaus 112). Vgl. Smith Dict. Greek and Rom. geogr. II 1115. Burckhardt-Biedermann 138, 28. Stähelin a. O. Index.