Seite:Abhandlung des Daseyns der Gespenster.djvu/031

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Liste.png Andreas Ulrich Mayer, Gerard van Swieten: Abhandlung des Daseyns der Gespenster, nebst einem Anhange vom Vampyrismus

ten, daß die erste oder die letzte allein seinen Beifall verdiene. Man mag aber der ersten oder der letzten beitretten, so wird man weder in dieser noch in jener für das Daseyn der Gespenster einen hinlänglichen Beweis finden. Die erste kann nicht anders als mittels eines Wunderwerkes erkläret werden, und daß es Erscheinungen durch Wunderwerke geben könne, haben wir niemal zu läugnen gedacht. Die letzte, welche nur die Betrügerey der Hexe vorstellet, kann allein dieses beweisen, daß bey den Gespenstermährchen die Sache ebenfalls nur auf einen Betrug, welchen eine furchtsame Bangigkeit unterstützet, hinaus laufe.

In dem alten Gesatz finden wir noch viele Erscheinungen der Engeln, auch durch diese will man den Satz befestigen, daß es Geister gebe. Abraham, Loth, Jakob, und viele andere hatten die Gnade, daß die Engeln sich ihnen sichtbar dargestellet haben. Sollen aber auch wohl durch diese Erscheinungen die Geisterfreunde einen Vortheil erhalten? Wir wollen die Sache durch eine nähere Untersuchung prüfen. Es ist gewiß, daß wir mit unsern Augen keinen Geist sehen können: so oft also ein Geist uns erscheinet, muß er in einer sichtbaren Gestalte erscheinen, damit wir ihn sehen. Nach der Lehre der Gottsgelehrten ist die Sache, in welche ein erscheinender Engel sich einkleidet, die Luft. Die zusammengepreßte Luft soll einen Körper bilden, welcher die Gestalt vorstellet, in welcher der Engel erscheinen will. Daß die Engel bei ihrer Erscheinung dergleichen Luftgebäude um sich gehabt, will ich nicht verneinen. Ob aber die Engel aus ihrer eigenen Kraft, und aus ihrer anerschaffenen Gewalt dieses Luftgebäu aufführen, und sich einen Körper bilden haben können, auf dieser Frage beruhet der ganze Streit. Die Geisterfreunde bejahen diese mit allgemeiner Stimme; aber eben deßwegen bin ich berechtiget von ihnen Gründe zu fodern, und den Beweiß ihnen auf-

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Andreas Ulrich Mayer, Gerard van Swieten: Abhandlung des Daseyns der Gespenster, nebst einem Anhange vom Vampyrismus. , Augsburg 1768, Seite 31. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Abhandlung_des_Daseyns_der_Gespenster.djvu/031&oldid=3464566 (Version vom 26.12.2018)