Seite:Abhandlung des Daseyns der Gespenster.djvu/048

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Wechseln zu: Navigation, Suche
Diese Seite wurde noch nicht korrekturgelesen. Allgemeine Hinweise dazu findest du auf dieser Seite.
Liste.png Andreas Ulrich Mayer, Gerard van Swieten: Abhandlung des Daseyns der Gespenster, nebst einem Anhange vom Vampyrismus

*48 o M) desto grösser wurde die Gefahr des Sturzes seyn. 5) Kann die Vernunft einem Gespenste nicht so viel Kunst und Geschicklichkeit zu trauen, daß ftlbes die hervorragende Theile des Körpers, als Arm, Hände, Ohren etc. aus Dünsten verfertigen könne. Denn diese wurden nichts unter sich finden, welches sie unterstützen, und von dem Fall bewahren möchte, da die Luft nicht fest genug ist, eine solche Menge der Dünsten, welche ein aus selben gemachter Arm in sich enthielte aufrecht zu erhalten. 6) Kann man nicht sagen und hinlänglich erklären, wie diese flüßige Luftdünste von einem Geist so fest könnten zusammen gehalten werden, daß sie nicht zerstreuet in ihr Nichts zerfielen, oder wie leicht könnten von einem Hauch, Wind oder anderer Bewegung selbe zerstöbert und unter einander gejaget werden? und wie sollen endlich diese zusammen gepreßte Dünste ein Gepolter und Getös erregen können, ohne daß die Wafferbläslein zerspringen, und das ganze Gebäude zerrittet werde. Aus diesen angebrachten Beweggründen kann die Vernunft, welche so viele und große Schwierigkeiten dieser Meinung nicht übersteigen kann, diesen Erklärungen ihren Beifall nicht angönnen, weil ihr alle Sachen bei diesem Luft und Dunst-gebäu höchst unbegreiflich Vorkommen.

Die Gnster-Vertheidiger werden freilich ruffen, daß wir viele Dinge anuehmen müssen, obgleich die Vernunft derselben Möglichkeit nicht einsehen und begreifen kann. Sie werden sagen: erkläre uns die Vernunft, wie es zugehe, daß dieser Baum schwarze, jener rothe, ein anderer weisse Kirschen tragen; saget die Vernunft: dieses kömmt von dem Safte, von der verschiedenen Verfassung, und veränderten Zusammensetzung der innwendigen und kleinsten Theile, mit einem Worte, von dem Mechanismus des Baumes her, so saget sie zwar etwas ; aber eben dieser Mechanismus, und diese innere Beschaffenheit ist ihr unbekannt. Diö Ver-

Empfohlene Zitierweise:

Andreas Ulrich Mayer, Gerard van Swieten: Abhandlung des Daseyns der Gespenster, nebst einem Anhange vom Vampyrismus. , Augsburg 1768, Seite 48. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Abhandlung_des_Daseyns_der_Gespenster.djvu/048&oldid=2866295 (Version vom 1.8.2016)