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Liste.png Andreas Ulrich Mayer, Gerard van Swieten: Abhandlung des Daseyns der Gespenster, nebst einem Anhange vom Vampyrismus

feigen versetzen, schlagen, kneipen, nicht zugeeignet werden, und wurde eine Hexe mit ihrem buhlerischen Geiste, der nur in dergleichen Scheinkörper feine Aufwartung machet, so wenig als jene zufrieden feyn, bey welcher sich der geliebte Geist nur in einem aus Luft angefüllten Körper einfindet. Beide liebhabende Geister wurden die menschliche Sinnen in einer frechen Maaße nicht ergötzen können. Es wurde 4) wie Calmet p. zso. saget eine solche Blendung der Augen und Hemmung der leiblichen Sinnen, oder der natürlichen Kraft derselben eben sowohl ein übernatürliches Wunder seyn, als wenn ein purer Geist ohne etwas materialisches an sich zu haben, in der Gestalte eines wesentlichen und sichtbaren Leibes erscheinen, und reden könnte. Gleichwie aber die Vernunft einem Geiste das Vorrechte Wunder zu wirken nicht zugestehen kann, so kann sie auch selben diese Erscheinung nicht einstehen. .

Die fünfte Meinung erkläret die Erscheinung durch die Einbildungen. Sie saget, daß durch die gemachte Vorstellungen von einem Geiste in der Einbildung diejenige Gestalt hervorgedracht werde, in welcher der Geist erscheinen will, und daß die innerliche Phantasie des Menschen auf diese Art betäubet werde. Also glaubte Ajax, er sehe Ulyffen und Agamemnon seine Feinde, er fiel die Thiere an, die er für seine Feinde ansahe, und tödtete selbe. Allein diese Erklärung kann nicht auf die Erscheinungen in der göttlichen Schrifte angewendet werden, und man wurde sehr irren, wenn man sagen wurde, daß die Erscheinungen der z. Engeln bei dem Abraham, und das Versprechen, daß Sara einen Sohn gebähren werde, nur in der Einbildung bestanden seye. Es kann die Vernunft 2) fragen, ob der Mensch, oder der Teufel diese Einbildung hervorbringe? Bringet sie der Mensch hervor durch seine eigene Kraft, so sind es keine wirkliche Erscheinnngen

Empfohlene Zitierweise:

Andreas Ulrich Mayer, Gerard van Swieten: Abhandlung des Daseyns der Gespenster, nebst einem Anhange vom Vampyrismus. , Augsburg 1768, Seite 54. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Abhandlung_des_Daseyns_der_Gespenster.djvu/054&oldid=2866303 (Version vom 1.8.2016)