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Liste.png Andreas Ulrich Mayer, Gerard van Swieten: Abhandlung des Daseyns der Gespenster, nebst einem Anhange vom Vampyrismus

W ° M ns n sen Zustand verursachet haben, so antworte ich: eben zu diesem, daß man unterscheide, ob man wahre Empfindungen habe, oder ob diese Empfindungen nur von der Einbildung herstammen, wird ein freier und starker Gebrauch des Verstandes erfordert. Man kann übrigens Verstand besitzen, aber in diesen Fällen, wo man Gespenster sehen sollte, behaupte ich, daß wegen der Flut -er Leidenschaften, die das Gemüth überschwemmen, kein merklicher Gebrauch des Verstandes möglich seye. Der beste Verstand wird verdunkelt, und durch die Leidenschaften verwirret werden; und wie leicht kann man nachmals einen von Furcht entstandenen Krampf für eine Drückung des Geistes halten ? wie dieses der belobte Hr. Hofrath Stahl angemerkt, und wie ich dessen mehrere Zeugniß noch anführen werde. Man könnte noch einwenden, daß auf diese Meise auch alle Erscheinungen der Engeln ungläubig wären, weil der Mensch auch bei deren Erscheinungen keinen freien Gebrauch des Verstandes behalten kann. Auf diesen Einwurf antworte ich r), daß es ein großer Unterscheid bei dm Erscheinungen eines guten und bösen Geistes vorwalte. Von einem guten Geiste können wir nichts als Gutes, und von einem bösen nichts als Böses hoffen, und uns vorstellen. Dieser Gedanke also: es ist ein guter Geiste, beruhiget schon in etwas unser Gemüth, ob er auch der Natur das Entsetzen nicht benehmen wird. 2) Glaube ich, -aß bei Erscheinung eines guten Geistes der gütige GOtt, wenn er einen solchen uns zusendet, unser Schwachheit zu Hilf käme, und selbe stärke, weil die Schrift an einigen Orten saget: daß er die Augen deren jenigen eröffnet habe, welchen ein Engel erschienen ist. Daß aber bei andern vermeintlichen Ge-spenster-Erscheinungen die verständigsten Männer ihren Verstand nicht beibehalten haben, zeigen uns die vielen Fehler, Widersprüche, die unglaubare, der Vernunft entgegen streitende, der Zeit und allen Umständen widersprechende Sachen, die ihre Er.2 zäh-

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Andreas Ulrich Mayer, Gerard van Swieten: Abhandlung des Daseyns der Gespenster, nebst einem Anhange vom Vampyrismus. , Augsburg 1768, Seite 65. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Abhandlung_des_Daseyns_der_Gespenster.djvu/065&oldid=2866429 (Version vom 1.8.2016)