Seite:Abhandlung des Daseyns der Gespenster.djvu/107

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Wechseln zu: Navigation, Suche
Diese Seite wurde noch nicht korrekturgelesen. Allgemeine Hinweise dazu findest du auf dieser Seite.
Liste.png Andreas Ulrich Mayer, Gerard van Swieten: Abhandlung des Daseyns der Gespenster, nebst einem Anhange vom Vampyrismus



* Aus eben diesem Buche will ich noch eine Nachricht anfügen, welche dem Leser nicht unangenehm fallen wird. Ich liefere den Jnnhalt derselben, wie ich ihn finde; Unter vielen Städten, die an der Donau liegen, befindet sich auch die Stadt Tuln, von deren Schlosse, welches anjetzo wegen eines unruhigen Geistes, so allda seine Wohnung aufgeschlagen, wüste und unbewohnt stehet, wird folgendes berichtet. Heinrich, ein alter Oesterreicher von Adel, war der Eigenthumsherr dieses Schlosses, welcher solches einige Zeit mit seiner Familie bewohnet, weil sich aber alle Montage eine große Unruhe, ein heftiges Poltern in demselben ru regen pflegte, sähe er sich genöthiget, seine bisherige Wohnung ru verlassen. Er hatte zwar allen Fleiß angewendet, dieser ver-drüßlichen Sache los zu werden; zumal, da er deßwegen kein Gesinde mehr in seinen Diensten erhalten könnte; jedoch wollte er mit GMerbannern, Schatzgräbern und dergleichen Leuten nichts zu schaffen haben. Er überlegte also die Sache ins Geheim mit einem Barfüßermönch, welcher wegen seines gottseligen Wandels bei jedermann im großen Ansehen stunde. Dieser Ordensmann verlangte von dem Edelmann, daß er sich mit seiner ganzen Familie auf eine Zeitlang aus dem Schlosse entfernen möchte; er selbst aber erboth sich inzwischen auf diesem Schlosse zu verbleiben, wenn man ihm nur etwas von nothwendigeu Lebensmitteln rurücklassen wurde. Wie nun der Edelmann ihm hierin zu willfahren sich kein Bedenken machte, verfügte sich der Mönch in Begleitung eines Mitgliedes von seinem Orden in das Schloß, um -u erwarten, bis der unruhige Montag anbrechen wurde. Als-denn machte er sich fertig mit seinen geweihten Lichtern und übrigen zum Cxorcismo erforderten Nothwendigkeiten, und zündete seine Kerzen bei Tage an, um die regierende Geister, wenn sie von * 
  • einer
Empfohlene Zitierweise:

Andreas Ulrich Mayer, Gerard van Swieten: Abhandlung des Daseyns der Gespenster, nebst einem Anhange vom Vampyrismus. , Augsburg 1768, Seite 107. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Abhandlung_des_Daseyns_der_Gespenster.djvu/107&oldid=2866313 (Version vom 1.8.2016)