Seite:Abhandlung des Daseyns der Gespenster.djvu/108

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal korrekturgelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Liste.png Andreas Ulrich Mayer, Gerard van Swieten: Abhandlung des Daseyns der Gespenster, nebst einem Anhange vom Vampyrismus

einer guten Art wären, dadurch anzulocken, c)[1] oder vielmehr die widerwärtigen durch dieses Mittel abzutreiben, den Tag hindurch wäre alle Bemühung vergebens; sobald aber die eilfte Stunde der Nacht angebrochen wäre, ließ sich bereits einiges Gepolter und Werfen hören, worüber der Gefährte unsers Exorcisten in solche Angst und Schrecken gesetzet wurde, daß er darüber das Buch und Weihkessel aus der Hand fallen ließ, und beinahe der Exorcist in Unordnung gebracht wurde. d)[2] Hierauf folgte bald ein anderer widriger Zufall, da ihm ein unvermutheter Wirbelwind seine Lichter auslöschte, und zugleich die Kapuce nebst dem Chorhemde voneinander, und die Geisterpeitsche hinweg gerissen: e)[3] er blieb unter währendem diesen Sturm bei halb scheinenden Mondslicht zitternd und bebend stehen. Und da er sich kaum von seinem Schrecken erholet har, hörte er durch die anstoffende Zimmer ein großes Geräusch einiger hinter einander laufenden Personen heran nahen. Die erste von derselben in einem weissen Hemde sprang auf den Exorcisten los, und fuhr wie ein Wind vorbei,

  1. c) Daß das Licht einer geweihten Kerze die gute Geister anlocken solle, hab ich noch niemal gelesen, ich finde auch keine Weihe, welche aus dieser Absicht über die Kerzen gesprochen wird.
  2. d) Es muß also wahr seyn, was ich oben von der Furcht und Bangigkeit gesprochen habe, welche den Menschen beherrschen müssen, wann er einen Geist hören, oder sehen sollte, wenn ihm auch sein gutes Gewissen kein böses Zeugniß giebt.
  3. e) Von der Geisterpeitsche thut schon Lucanus L. VI. eine Meldung, wo die Hexe Erichto bei ihrer Beschwörung also redend einführt:

     - - - - An ille
    Compellandus erit, quo nunqzam terra vocato
    Non concufa tremit, qui Gorgana cernit apertam,
    Verberibusque sius trepdiam castigat Erinnym.

Empfohlene Zitierweise:
Andreas Ulrich Mayer, Gerard van Swieten: Abhandlung des Daseyns der Gespenster, nebst einem Anhange vom Vampyrismus. , Augsburg 1768, Seite 108. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Abhandlung_des_Daseyns_der_Gespenster.djvu/108&oldid=- (Version vom 7.4.2020)