Seite:Abhandlung des Daseyns der Gespenster.djvu/158

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Wechseln zu: Navigation, Suche
Diese Seite wurde noch nicht korrekturgelesen. Allgemeine Hinweise dazu findest du auf dieser Seite.
Liste.png Andreas Ulrich Mayer, Gerard van Swieten: Abhandlung des Daseyns der Gespenster, nebst einem Anhange vom Vampyrismus

rz8 (rV o M Sobald das Herz in die Füße fällt, verdoppelt sich die Furchtn und bildet uns Sachen vor, die Undinge heissen. Man muß vielmehr die Ursachen aufsuchen, die Sache selbst untersuchen, und selbe aus natürlichen Gründen erklären. Können wir auf den Grunde der Sache nicht nachgraben, und denselben ifinden, so müssen wir. uns dennoch nichts übernatürliches einbilden, sondern vernünftig dafür halten, daß die Zeit die Sache noch entdecken werde; sonst wird einen feigen Menschen das Schnappen des Holzes, das Krachen -es Dachstuhls, das Geknerz eines Fähnleins auf dem Dache, eine Nachteul, Mauß oder Ratz vermögend seyn mit Furcht zu erfüllen, und in die Flucht zu treiben. Zn meinen Studieriahren war ich etliche Jahre in einem Haus, wo sich in dem angebauten Gange beständig ein Geist auidielte, keiner wagte sich allein zu Nachts auf den Gang, es polderte als wenn man Gläser zerbrechte, oder mit Ketten daher särfelte, da aber einsmal die Dachung ausgebessert wurde, fände mau ein ganzes Nest dieser Geister, junge und alte Katzen, die auf Fenstern, die unter dem Dach lagen, und niemand wüßte, ihr Spiel getrieben, und mich und andere öfters in Furcht gesetzet. Auch durch andere Umstände müssen wir uns nicht bethören lassen. Man sagt, daß das Winzeln der Hunde, das Schnaufen und Saufen der Pferde, und die Furcht, die sie an Tag geben, die Gespenster verrathen.

So oft dem ängstigen Caut sein Mops unter die Füße kriecht, glaubt er, in dem Orte muß es Gespenster geben. Ich weis nicht, wie die Thiere, die keinen Begriff von Gespenstern haben können, und denen sie keinen Schaden zufügen, die Geister ahnden sollen ! und da dergleichen Ahndung Hr. Caut auch von seinem vorigen blinden Hunde erzählet, so sollte man schier glauben, . ’ daß

Empfohlene Zitierweise:

Andreas Ulrich Mayer, Gerard van Swieten: Abhandlung des Daseyns der Gespenster, nebst einem Anhange vom Vampyrismus. , Augsburg 1768, Seite 158. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Abhandlung_des_Daseyns_der_Gespenster.djvu/158&oldid=2866336 (Version vom 1.8.2016)