Seite:De Orchideen Meyrink.djvu/049

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„Hast dein Strickzeug all klar gekriegt?“ sagte er zu Lisbeth. – –

„Hab’ es klar gekriegt,“ nickte sie. –

„Hest du all ’n Swohn siehn, dej mit ’n Buuk opn koolen Woter swemm,“ fragte da Pieter Uhl, sein Bruder, und tat vertraulich zu Gretchen Klempke. –

„Ich geh nu man nach oben,“ sagte Jörn verdrossen, der solche Redensarten nicht leiden mochte. – „Schlaf süß, Lisbeth!“ –

„Schlaf süß, Jörn!“ – – – – – – – –

„Baller man, jüü,“ rief ihm sein Bruder nach.

„Ja-nu-man“[1] – – – seufzte Dorchen Mahnke, denn sie war hellsehend.

– – – – – – – – – – – –

Jörn Uhl war nach oben gegangen – in sein Zimmer, – reinigte sein Beinkleid, denn er war arg in Mudd gesackt und aß noch ein bischen Buchweizengrütze mit Sahne, die er von Mittag her in einen Topf getan und hinter dem Ofen verstochen hatte. –

„Schmeckt schön,“ sagte er.

Dann nahm er einen Foil und machte reine. –

Bis alles wieder blitzeblank gescheuert war, nahm er ein Buch vor, das ihm Fiete Krey mal von Hamburg mitgebracht hatte, wo gerade Dom war. –

„Ach, das ist es ja nich,“ sagte er. – „Es is wohl Claudius, der Wandsbecker Bote: – – ‚lieber Mond, du gehst so stille‘ – der ruht nu man schon lange draußen in Ottensen.“ –

Dann nahm er ein ander Buch aus dem Spinde und trat für einen kleinen Augenblick an das Vogelbauer, das vor dem Fenster hing. –

„Bist du ein klein süßer Finke,“ sagte er, „tüüt – tüüt.“ – – Das Vögelchen hatte sein Köpfchen aus den Flügeln


  1. „Ja-nu-man“ nicht zu verwechseln mit Hanuman – der Affenkönig – brahminische Götterfigur.
Empfohlene Zitierweise:
Gustav Meyrink: Orchideen. München o. J., Seite. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:De_Orchideen_Meyrink.djvu/049&oldid=2680812 (Version vom 5.5.2016)